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Aufgewachsen auf einem Army Camp in Surrey, zieht Lucy nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mit ihrer Mutter nach London und beginnt kurz darauf ein Studium in Oxford. Bald darauf begegnet sie Phil. Lucy ist sich lange nicht sicher, was sie für Phil empfindet. Sie hatten eine schöne Zeit, während ihres Studiums, doch bevor sich etwas entwickeln konnte, wurden sie durch ihre unterschiedlichen Arbeitswege getrennt. Doch der junge Mann mit seiner Liebe für Kunst und Architektur lässt Lucy nicht mehr los. Immer wieder kehren ihre Gedanken zu ihm zurück. Einige Jahre ziehen ins Land, bis sie endlich zueinander finden. Ihr Familienglück, wird allerdings bald überschattet, als Phil nach einem Aufenthalt als Kriegsfotograf verändert nach Hause zurückkehrt. Seine Erkrankung an einer Posttraumatischen Belastungsstörung wird zu einer schweren Belastung für die gesamte Familie. Wird ihre Liebe stark genug sein, um diese Krankheit zu überwinden? Und was geschieht, wenn die Familie daran zerbricht?
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Seitenzahl: 100
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Sandra Borchert
Liebe gibt es nicht nur einmal
Eine romantische Geschichte
Dieses eBook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
I
II
III
IV
V
VI
VII
VIII
IX
X
XI
XII
XIII
XIV
XV
XVI
XVII
XVIII
XIX
XX
Impressum
I
Glauben wir nicht alle irgendwie noch an die große Liebe? Wären wir nicht verloren, wenn es nicht so wäre?
Wollen wir nicht alle jemanden der uns unsere Wünsche von den Augen abliest und genau weiß was wir wollen, ohne, dass wir es sagen müssen?
Egal wie alt und abgeklärt wir sind, tief in uns drinnen sehen wir uns danach. Unser Herz sehnt sich nach Wärme und Geborgenheit. Wer die wahre Liebe einmal im Leben erfahren hat, den wird es nicht mehr loslassen. Und wenn er es verloren hat, so wird er sein ganzes Leben danach suchen. Woher ich das so genau weiß? Ich hatte das Glück meine große Liebe zweimal zu erleben. Das geht doch gar nicht? Auch ich habe das gedacht, als ich jung war. Was meine Meinung geändert hat? Mein Leben und der Mann meines Lebens. Gemeinsam leben wir in einem kleinen Cottage in Bridlington. Dem Ort vieler Erinnerungen. Es ist ruhig hier und meine Kinder kommen uns gerne besuchen. Und wenn uns so ist, dann könne wir die Kerzen anzünden, den Wein heraus holen und auf das weite Meer blicken. Dann überkommen uns die Erinnerungen.
II
In den 30ern war die Welt noch in Ordnung. Ich war erst 6 Jahre alt und erst vor kurzem in die Schule gekommen. Mein Vater war Offizier in der Britischen Army und wir lebten mit ihm auf einem Camp in Surrey – einem Vorort von London. Kinder gab es zu dieser Zeit nicht viele auf den Camps, aber die wenigen Kinder, die es gab, wurden von ihren Vätern sehr verwöhnt. Den Müttern hingegen, musste wir immer bei der Hausarbeit helfen. Von Verwöhnen war dort keine Spur. Tagsüber gingen wir gemeinsam im Magazin einkaufen und gegen Abend kam Vater heim und hatte tolle neue Geschichten zu erzählen. Von seinen neuen Übungen und den neuen Einsätzen.
Trotz aller Liebe wurde ich ich streng erzogen. Oder vielleicht gerade weil mich meine Eltern so liebten. Pünktlichkeit und Verlässlichkeit waren Mutter und Vater sehr wichtig. Und natürlich auch der Umgang mit anderen Menschen. Meine Mutter war streng katholisch und so brachte sie mir bei, wie wichtig es ist anderen Menschen zu helfen und für sie da zu sein. Darum kümmerten wir uns oft junge Mütter, die noch etwas Hilfe brauchten, da ihre Männer im Einsatz und sie nun ganz alleine mit den Neugeborenen waren. Mir machte das immer sehr viel Spaß. Ich wollte immer noch ein Geschwisterkind, aber es war meiner Mutter nicht möglich nach mir noch ein Kind zu bekommen. Und wenn ich es mit den Augen eines Kindes betrachte, hatte ich damals so gesehen sehr viele Brüder und Schwestern. Bald kam ich in die Schule. Meine Leistungen waren gut, obwohl ich ziemlich faul war.Trotzdem gelang es mir immer wieder irgendwie meine Prüfungen zu bestehen.
Das größte Problem waren immer die Hausaufgaben. In der Schule war ich dazu gezwungen aufzupassen, aber daheim versank ich in meinen Gedanken. Dann war ich bei meinem Vater und bekämpfte alles böse in der Welt . Er fehlte mir oft sehr. Alles war viel schöner wenn er zu Hause war, sogar die Hausaufgaben. Er erklärte mir alles in ganz einfachen Worten und alles erschien so leicht zu sein. Manchmal ging er mit mir aufs Feld um mir Physik zu erklären. Wir warfen dass kleine Steine in Sandhaufen und kehrten ein paar Tage später wieder, um zu sehen, ob sie wieder aufgetaucht waren. Oder wir ließen einen Drachen steigen und lernten alles über die Aerodynamik. Mit meiner Mutter zusammen bauten wir dann zu dritt sogar ein Büchsentelefon, um mir die Übertragung des Schalls zu nahe zu bringen. Er war ein guter Lehrer und außerdem ein so hübscher Mann.
Jede Frau auf dem Camp schaute sich nach ihm um. Er war 1,90 m groß, hatte dickes braunes Haar und wunderschöne blaue Augen. Und mal abgesehen von alldem, war er der netteste und einfühlsamste Mann, den ich jemals kannte. Ich war so stolz seine Tochter zu sein.
So zogen die Jahre ins Land.
Es wurde Zeit die Schule zu verlassen und in die Welt zu gehen. Eine Karriere in der Armee gab es damals noch nicht und das war auch nicht, was ich wollte. Ich wollte runter vom Camp und die Welt sehen. So bewarb ich mir für ein Studium in Oxford. Ich hatte Talent im Schreiben und auch mit den Fremdsprachen sah es ganz gut aus. Es war nicht leicht zu jener Zeit in die große weite Welt zu gehen, denn es war Ende 1943. Zu jener Zeit, versuchten die Deutschen London und das Umland zu besetzen. Mein Vater wurde nach Deutschland geschickt. Schon seit einem halben Jahr war er unterwegs. Wir hörten nicht viel von ihm und machten uns große Sorgen. Oft hörte ich meine Mutter im Schlaf weinen und seinen Namen rufen. So beschloss ich noch ein Jahr zu warten. Es war eine schwere Zeit. Wir mussten nun ohne Vater versuchen zu recht zu kommen. Besonders schlimm war es, wenn nachts der Fliegeralarm heulte.Wir saßen dann eng umschlungen in unseren Bunkern. Alle Frauen und Kinder zusammen.Was für ein seltsames Leben das war. Nachts hatten wir angst und tagsüber warteten wir auf Post und versuchten nebenbei noch unsere Häuser sauber zu halten. Es gab nicht viel mehr für uns zu tun. Die meisten Kinder wurden mit Zügen zu Gasteltern in den Norden aufs Land geschickt, damit sie nicht zu viel vom Krieg mitbekommen würden. So schleppten sich die Tage dahin, ohne weder von Vater noch von an deren Soldaten seiner Truppe zu hören.
Nach ein paar Monaten trafen dann nach und nach die schlechten Nachrichten ein.Mutter und ein paar andere Frauen entschieden sich dann, eine Art Initiative, um Frauen, deren Männer gefallen waren, zu helfen. Wir gingen gemeinsam ihre Sachen durch und sortierten sie aus. Danach schrieben sie gemeinsam alle Erinnerungen auf und halfen sich gegenseitig mit den Behördengängen und auch mit den Begräbnissen. Es war keine schöne Zeit, aber sie half uns allen näher zu kommen. Am Ende war es wie eine große Familie. Der Neid, der sonst zwischen den Frauen auf dem Camp herrschte, war vergessen.
Auch nach fast über einem Jahr hatten wir noch immer nichts von meinem Vater gehört. Ich war mir nicht sicher, ob ich hoffen oder bangen sollte. Mein Herz hoffte so sehr, doch mein Verstand blieb realistisch und war auf das Schlimmste vorbereitet.
III
Es folgten Meere von Tränen und Trauer. Aber das Leben musste auch ohne meinen Vater weitergehen. Also beschlossen wir in die Innenstadt von London zu ziehen und unser Leben neu zu ordnen. Meine Mutter suchte sich einen Job als Sekretärin bei einem jüdischen Immobilienmakler. Und auch ich wurde an der Universität in Oxford angenommen. Mutter entschied, dass ich das Abfindungsgeld der Armee zunächst einmal für mein Studium nutzen sollte, auch wenn es nicht die gesamte Studienzeit überbrücken würde. Nun konnte es endlich los gehen. Also schrieb ich mich 1945 endlich für die Fächer Latein, Englisch, Französisch und Deutsch ein. Zuerst lebte ich noch bei meiner Mutter und fuhr jeden Tag zwischen London und Oxford hin und her. Aber schon bald fand ich einen Job bei einem Photographen und konnte mir eine kleine Studentenwohnung in Oxford leisten. Für ein Stipendium war ich zunächst nicht gut genug. Weg vom zerstörten London, konnte ich endlich ein neues Leben beginnen und blühte so richtig auf. Bald freundete ich mich mit anderen Mädchen in der Universität an. Wir wurden eine so richtige Bande. Wir machten gemeinsam Hausaufgaben, gingen schwimmen oder gingen in ein Tanzlokal. Tanzen war schon immer meine Leidenschaft gewesen. Ich lernte es von meiner Mutter. Sie war Tanzlehrerin, bevor sie meinen Vater heiratete. Oftmals beobachtete ich sie durch das Schlüsselloch, wenn sie abends eng umschlungen im Wohnzimmer sich zur Musik hin und her wiegten.
Gemeinsame Nächte mit meinen Freundinnen, bedeuteten meist, dass wir am nächsten Tag neue Schuhe brauchten – so sehr durch tanzten wir unsere alten. Meine Freundinnen übernachteten immer bei mir und wir redeten dann immer noch bis in die frühen Morgenstunden hinein. Wir sprachen über alles, was uns in den Kopf kam. Ja, auch über Jungs. Schon damals waren Jungs ein sehr gefragtes Thema. Natürlich ging es damals nicht um Sex. Es ging mehr ums Heiraten und darum eine Familie zu gründen. Mir lag nie viel am frühen Heiraten. Ich wollte damals erst noch meine Jugend genießen, arbeiten und viel Reisen. Zwar wurden wir oft von Camp zu Camp versetzt, als ich noch klein war, aber die Welt außerhalb Englands, hatte ich noch nie gesehen. Wenn mich das Fernweh packte,schloss ich meine Augen und träumte mich nach Paris, Rom und vielleicht auch New York. Jäh gestört wurden meine Träume meist durch meinen Wecker, der jeden Morgen gnadenlos klingelte.
Auch an diesem bestimmten Sonntag war dies wieder der Fall. Ich hatte meinem Chef versprochen ihm ausnahmsweise beim Entwickeln wichtiger Photos für eine Zeitung zu helfen. Es war Sommer und am frühen Morgen schon so warm, dass man am Liebsten in Unterwäsche zur Arbeit gegangen wäre. Auf dem Weg zur Arbeit, besorgte ich noch ein paar Brötchen und etwas Marmelade, damit wir etwas hatten, falls wir hungrig werden. Ich war überrascht, denn mein Chef war gar nicht da. Stattdessen öffnete mir jemand anderes die Tür. Ein junger Mann. Vielleicht sechs oder sieben Jahre älter als ich, schaute mich mit seinen großen, blauen Augen an: „Oh, guten Morgen. Kommen Sie doch bitte rein.“, sagte er und schloss die Tür hinter mir. „Entschuldigen Sie bitte die Unordnung. Ich konnte das Photopapier nicht finden. Ach ja, mein Name ist übrigens Phillip und ich bin die Vertretung. Sie müssen Lucy sein. Freut mich Sie kennen zu lernen. Leider wurde mir nicht gesagt, wo ich was finde. Vielleicht können Sie mir helfen?“ Dabei schaute er mich ganz verlegen an.
Ich zeigte ihm, wo was war und wir arbeiteten den ganzen Tag an den Photos. Natürlich schwiegen wir uns nicht an. Er erzählte mir von seinem Studium und von seiner Familie. Er erzählte mir, dass er eines Tages in Londons Westend leben wollte und ein berühmter Kunstphotograph werden wollte. Es machte Spaß mit ihm zu reden. Er war viel intelligenter als die meisten Jungs in meinem Alter. Er war an allem interessiert. Vor allem an künstlerischen Dingen. Er schwärmte mir von der Oper und vom Theater vor. Sein Lieblingsstück war „Romeo und Julia“ und er konnte jeden einzelnen Vers zitieren. Fasziniert lauschte ich seinen Worten. So schnell verging die Zeit noch nie.Es war schon dunkel, als wir die Tür hinter uns abschlossen. Phillip war ein Gentleman und brachte mich noch bis zu meiner Haustür. Angeblich hatte er Sorge, dass mich jemand überfallen würde. Ich war etwas verlegen, denn zur Tür gebracht wurde ich noch nie und mit Männern hatte ich bisher sowieso noch nie was im Sinn. Aber an diesem Tag, fühlte ich ein wenig anders. Phillip sagte, er würde morgen wieder im Studio sein. Komischerweise konnte ich das schrille Klingeln meines Weckers diesmal nicht abwarten.
