Liebe ist, was dir passiert ... - Vera van Deick - E-Book

Liebe ist, was dir passiert ... E-Book

Vera van Deick

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Beschreibung

Isabel Treuenfels ist eine erfolgreiche Bankmanagerin bei der Kreditbank Baden-Baden. Sie liebt ihren Job und ihre Stadt, die alte Kultur- und Bäderstadt im Schwarzwald. Zwischen anstrengenden Arbeitstagen, spannenden Kundenveranstaltungen auf der Galopp-Rennbahn und aufregenden Erlebnissen mit ihren Freundinnen im Baden-Badener Nachtleben hat Isabel nur wenig Lust über ihr Privatleben nachzudenken, das nicht ganz so perfekt ist. Männer spielen im Leben von Isabel seit ihrer Scheidung nur noch Nebenrollen. An die große Liebe glaubt sie längst nicht mehr, als ein mysteriöser Brief ihr Leben durcheinander bringt… Zwischen Karriere, Familie und der Sehnsucht nach einer erfüllenden Liebesbeziehung fühlen sich viele Powerfrauen hin und hergerissen. Romantik bleibt da oft auf der Strecke. Um so schöner, daß einen die Liebe dennoch findet...

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Seitenzahl: 220

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Zwischen Karriere, Familie und der Sehnsucht nach einer erfüllenden Liebesbeziehung fühlen sich viele Powerfrauen hin und hergerissen. Romantik bleibt da oft auf der Strecke. Umso schöner, dass einen die Liebe dennoch findet…

Personen und Handlung sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 1

Nein, eines war jetzt ganz klar, sie wollte keine Kompromisse mehr eingehen in ihrem Privatleben. Das hatte sie jetzt lange genug probiert. Glücklich hatte sie das nicht gemacht. Meistens war sie ganz zufrieden mit ihrem Leben, aber in Sachen Partnerschaft hatte sie das große Los noch nicht gezogen. Zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt lagen manchmal nur wenige Stunden. Eigentlich war sie kein launischer Typ, aber ihr letzter Freund hatte durch seine provokante Art die dunkelsten Seiten in ihr geweckt und sie so auf die Palme gebracht, dass sie ihm schließlich Teile ihres Porzellans hinterhergeworfen hatte und danach seine persönlichen Dinge, die er in ihrem Haus deponiert hatte. Das war natürlich das Ende. Und Isabel hatte keinerlei Bedürfnis ähnliche Szenen nochmal zu erleben.

Danach gab es dann nur noch oberflächliche Flirts. Keinesfalls sollte sich nochmals jemand in ihrem Haus breit machen und in ihrem Leben auch nicht. Isabel setzte den Blinker, um einen fast stehenden LKW zu überholen. Aber es war zu viel Gegenverkehr. Warum fährt der denn nicht mal kurz in die Parkbucht, um diese Riesenschlange vorbeizulassen, wenn er schon nur 30 Kilometer fahren kann? dachte sie. Schließlich betätigte sie mehrmals die Hupe, was den voranfahrenden LKW-Fahrer jedoch völlig unbeeindruckt ließ.

Hält doch der Parkwächter mitten auf der Straße an, ich fass es nicht. Wenn das so weiter geht, komme ich auf jeden Fall zu spät in Stuttgart an, dachte sie und wurde zornig. Sie überlegte, wann genau ihre Rede beginnen sollte. Ja, sie war die Dritte auf der Liste, das wäre dann so gegen 19.30 Uhr. Natürlich müsste sie auch irgendwie in die erste Reihe kommen und der Saal hatte nur einen Zugang und zwar von ganz hinten. Das hieß also, sich an allen Gästen vorbei nach vorne schleichen auf ihren reservierten Platz. Na, bravo. Aber was sollte sie machen? dachte sie fatalistisch als das Telefon klingelte. Das fehlte jetzt gerade noch. Dennoch nahm sie das Gespräch an, man konnte ja nicht wissen, ob es irgendwas mit dem heutigen Abend zu tun hatte.

„Treuenfels“ sagte sie förmlich.

„Ich bin es Peter.“

Auch das noch dachte sie. „Hallo, ach Peter, ich bin gerade ziemlich in Druck und im Auto unterwegs, muss mich also auf die Straße konzentrieren. Der Verkehr bringt mich um und ich komme zu spät zu meinem Termin und außerdem…“

Weiter kam sie nicht, da Peter sie unterbrochen hatte und wiederholt versuchte, sie umzustimmen.

„Nein, ich habe am Wochenende keine Zeit und ich wüsste auch nicht was das noch soll. Lass es jetzt einfach gut sein. So, so, du hast also deine Sachen schon gepackt. Diesmal trennst du dich ganz bestimmt. Ich glaube dir kein Wort. Ich kenne das doch schon. Weg da du Schnecke!!!!!“

„Meinst du mich Isabel?“

„Nein, natürlich nicht. Ich sagte doch, es ist sehr hektisch hier und ich bin in Eile. Also lass uns ein anderes Mal telefonieren. Tschüss, mach´s gut.“

Isabel hatte aufgelegt, ohne auf die Einwände von Peter zu hören. Es gab jetzt Wichtigeres. Und außerdem war in dem Fall ohnehin jedes weitere Wort überflüssig. Isabel hatte die Nase voll, von seinen Ausreden, viel zu lange hatte sie daran geglaubt, was er ihr erzählt hatte. Typisches Klischee, Ehe schon lange zerrüttet und nur wegen der Kinder sei man noch zusammen, aber jetzt hier mit ihr sei alles anders, und so weiter und so fort.

Mit 37 Jahren war man nun wirklich kein Teenager mehr, man kannte die Kniffe der Männer ganz gut und die meisten ihrer Tricks hatte man auch mit den Freundinnen bis zum geht nicht mehr besprochen, und doch – wieder war sie drauf reingefallen. Schöne Worte, schöne Abende in tollen Hotels an schönen Orten. Zuletzt auf ihrer Trauminsel, Mallorca. Dabei wurde ihr aber schon klar, dass dies keine Beziehung für die Ewigkeit wird. Zärtlichkeit und Sex, na, ja auch nicht zu verachten, aber auf Dauer sollte doch mehr dabei herauskommen, oder?

Nein, nach einer gescheiterten Ehe war man nicht mehr so naiv, zu glauben, dass es nur die eine, immerwährende, alles überstrahlende große Liebe gibt, aber deshalb musste man noch lange nicht als Part-Time Lover enden. Auf keinen Fall wollte Sie weitere Wochenenden erleben, an denen sie auf die Anrufe irgendwelcher Pantoffelhelden wartete, die zu Don Juan wurden sobald Sie das eheliche Haus verließen. Auch wenn sie wie Peter intelligent, gut aussehend und geschäftlich erfolgreich waren, hatten sie auf der anderen Seite doch drei Kinder im Gepäck und eine nicht-arbeitende Ehefrau. Na da nützte auch der tollste Job nichts.

Isabel war so in Gedanken, dass sie fast an der Ausfahrt vorbeigefahren wäre. In letzter Sekunde riss sie das Steuer rum und landete gerade noch auf dem Ausfahrtstreifen. Zum Glück war kein anderer Wagen neben ihr gefahren. Es ging nun hinunter in Richtung Stuttgart Zentrum. Jetzt musste sie noch die Serpentinen entlang bis sie endlich unten im Kessel ankam. Durch die beengte Lage der Stuttgarter City waren alle Zufahrtstraßen wie Nadelöhre, die man nur mit täglichen Staus und im Kriechtempo passieren konnte. So jetzt müsste die Tiefgarage doch kommen. Ja klar, besetzt! Wäre ja auch zu schön gewesen, Isabel bemerkte wie ihr Herz pochte. Also gab es vermutlich wieder ein Knöllchen, aber darauf konnte sie jetzt keine Rücksicht mehr nehmen, sonst konnte sie ihre Rede wirklich vergessen.

Isabel parkte auf dem Gehsteig direkt vor dem „Haus der Wirtschaft“ und im eleganten, schwarzen Kostüm stöckelte sie durch die Eingangstür. Ein kurzer Blick in den Spiegel und schnell in den Aufzug. Natürlich waren im großen Saal bereits alle Gäste auf ihren Plätzen. Aber da musste sie jetzt durch. Freundlich lächelnd ging Isabel an den Stuhlreihen vorbei und setzte sich in die erste Reihe auf ihren reservierten Platz.

Der zweite Redner stand schon am Pult, als nächste würde sie aufgerufen. Wo war noch das Manuskript? Ah, ja, da war es und schon sagte der Moderator: „Ich begrüße nun Frau Direktor Treuenfels von der Kreditbank Baden-Baden.“

Isabel war jetzt wieder ganz professionell. Zielsicher ging Sie ans Mikrofon und schon nach den ersten Sätzen hatte sie das Auditorium auf ihrer Seite. Sie war eine glänzende Rednerin, die genau wusste, wie sie ihre Worte wählen musste, um eine Mischung aus Information und Unterhaltung hinzubekommen. Ihr elegantes, jugendliches Aussehen, ihr schulterlanges blondes Haar, ihre schlanke Figur machte sie auch ohne Worte zu einem Hingucker.

Umso überraschter war das Publikum dann meistens darüber, dass eine gutaussehende junge Frau auch noch interessante Reden halten konnte. Aber das war Isabel nun seit Jahren gewohnt. Ihre anfängliche Entrüstung über diese Reduzierung auf ihr Äußeres hatte sich mittlerweile etwas gelegt. Mit den Jahren war sie milder geworden in ihrem Urteil über sich selbst und über andere.

Das Publikum dankte ihr mit lang anhaltendem Applaus. Isabel ging zurück zu ihrem Platz. Erst jetzt merkte sie, dass ihr Mund ganz trocken war. Sie freute sich auf ein Glas Wasser beim anschließenden Stehempfang. Und danach etwas Prickelndes, dachte sie. Nach dieser Anspannung war das jetzt nötig.

Kapitel 2

Jetzt bin ich schon zweiundvierzig Jahre alt, dachte Matthias und schaute selbstkritisch in den Spiegel. Keine Falten zu sehen, dachte er erleichtert. Nicht dass er besonders eitel war, aber älter zu werden, war auch für einen Mann nicht das reine Vergnügen.

Sein Leben gefiel ihm eigentlich ganz gut. Der Job machte Spaß, er hatte ein schönes Haus und viele Hobbies. Zum Beispiel machte er leidenschaftlich gerne Musik. Manchmal unterhielt er dabei die ganze Nachbarschaft. Aber die tolerierten das problemlos, weil er einfach ein netter Kerl war, dem man nicht böse sein konnte. Seine freundliche Art nahm allen Protestversuchern den Wind aus den Segeln. Meist endete es dann bei gemeinsamen Gesang im Garten oder im eigens ausgebauten Dachstudio, in dem er sämtliche Gerätschaften und Musikinstrumente gesammelt hatte, die „Mann“ zum Musik machen brauchte.

Seine Gedanken wurden durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Eigentlich hatte er jetzt überhaupt keine Lust auf Telefonieren, aber nach dem fünften Klingeln ging er doch ran.

„Hallo Claudia, ich war gerade im Musikzimmer, deshalb hat es etwas gedauert, sagte er entschuldigend“, nachdem er ihre leicht beleidigte Stimme hörte.

„Sollen wir heute Abend zu Pietro essen gehen, oder hast du was anderes geplant?“

„Nein, ich habe nichts geplant, außer Tennisspielen am Nachmittag, wie immer. Wir können gerne was essen gehen. Ja, ich hole dich ab. Wann? Okay, um 19.00 Uhr. Ja, ich freue mich auch.“

Claudia war nun schon die fünfte Freundin in den letzten zwei Jahren. Irgendwie war ihm die Ausdauer abhandengekommen. Nach einer fünfzehnjährigen Ehe und einer fast erwachsenen Tochter, die mit ihren neunzehn Jahren nun zu ihrem Freund gezogen war, hatte er genug von Verpflichtungen und allzu festen Bindungen. Meist fängt alles sehr schön an, dachte er, es knistert und Gefühle und Erotik sind für beide Partner sehr wichtig, aber bald wird es Routine und das bedeutet leider immer Langeweile. Oder noch schlimmer, Streit, Ärger und Misstrauen.

„Nein danke, für mich nicht mehr. Ich heirate nie wieder, mein lieber Lars, da kannst du ganz sicher sein!“

Lars hatte zum x-ten Mal nachgefragt, ob der Freund sich nicht doch mal wieder enger binden wolle. Irgendwie gefiel es ihm nicht, dass das Leben von Matthias nun so ungeordnet war. Jedenfalls empfand er es als ungeordnet. Matthias würde das natürlich ganz anders sehen.

Es war Samstag-Nachmittag und Matthias und sein bester Freund Lars spielten wie immer im Sommer eine Runde Tennis. Lars hatte besser durchgehalten, war verheiratet und hatte zwei Kinder. Matthias nahm ihn manchmal auf den Arm und bezeichnete ihn als Pantoffelheld, weil er immer so brav alles machte, was seine Frau von ihm erwartete. Haus renovieren, Garten umpflanzen, Kamine ein- und wieder ausbauen, Möbel im Haus herumtragen und so weiter und so fort. Seiner Frau Carmen fiel immer etwas ein, was Lars tun könnte. Sie war der Programmdirektor und er spielte nach ihrer Vorlage.

Nein, oh Gott, bloß nicht nochmal verheiratet sein und dann vielleicht noch so einen Hausdrachen erwischen, dann lieber alleine bis zur Pflegestufe 3. Irgendjemand würde sich wohl finden, der einen im Rollstuhl die Klippe hinunterstieß…

Matthias war so in Gedanken, dass ihn der Ball von Lars am Kopf traf bevor er ins Aus rollte.

„Gewonnen“ schrie Lars und grinste breit. „Das wird teuer für dich.“

„Tu´ ich doch gerne für meinen besten Freund“, lachte Matthias und dachte, du wirst es eh wieder büßen, wenn du heim kommst…

Kapitel 3

Als Matthias auf die Uhr sah, bekam er einen Schreck, 19.15 Uhr und er war noch nicht umgezogen, ja noch nicht einmal zu Hause. Claudia liebte keine Verspätungen. Das bedeutete nichts Gutes für den heutigen Abend. Es wäre besser gleich abzusagen und eine Grippe oder einen Faserriss vom Tennis-Spielen vorzutäuschen. Allerdings war nicht sicher, ob der Schwindel nicht auffliegen würde. Immerhin war Claudia leitende Krankenschwester im Baden-Badener Klinikum und ließ sich so schnell nichts vormachen.

Während er noch so über mögliche Ausreden sinnierte, klingelte das Telefon.

„Hallo Claudia, ja, ich...äh… also, ja, ja, okay.“

Na, das war ja mal wieder super. Er kam gar nicht zu Wort. Stattdessen teilte sie nur mit, dass sie schon mal zur Trattoria Toscana, ihrem Lieblingsitaliener vorfahren würde, um dort einen Aperitif zu nehmen. Und er sollte sich beeilen.

Na, dann mal zu, schnell die Lederjacke übergeworfen und los ging ´s. Matthias war ein Gut-Wetter-Motorradfahrer und heute war genau der Tag, beziehungsweise Abend, um den alten Chopper auszuführen. Ja klar, Claudia war ja schon vorgefahren und musste sich deshalb nicht über das Gefährt beklagen. Sie hatte ja ihr Auto dabei.

Es war ein schöner warmer September-Abend und schließlich schon 20.15 Uhr als Matthias endlich aus der Garage rollte. Gemütlich tuckerte er stadteinwärts. Vorbei an der alten Trinkhalle mit den großen Platanen vor den Eingangssäulen und dem Denkmal von Kaiser Wilhelm dem Ersten, das von leuchtenden Blumen eingerahmt war. Ihm zu Ehren hatte man wohl die Straße Kaiserallee getauft, dachte Matthias. Davor säuselte gemächlich das kleine Flüsschen Oos. Dann kamen die alten Grandhotels und schließlich das Kurhaus mit den Kurarkaden.

Matthias liebte dieses Ensemble. Er war glücklich, dass das alles irgendwie zu seinem Job gehörte. Das vornehme Kurhaus mit den hohen, goldverzierten Säulen, das elegante Eingangsportal. Man brauchte schon das nötige Kleingeld, um in dieser Liga mitzuspielen, ging es ihm durch den Kopf. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich war im Kurhaus das berühmte Spielcasino Baden-Baden beheimatet. Und Matthias war überzeugt, dass es das schönste Spielcasino der Welt war. Die hohen stuckverzierten Decken, die eleganten Türen und die wundervoll glänzenden Kristall-Lüster dazu der dicke rote Velours-Teppich, das Casino war wirklich ein Erlebnis, auch wenn man nicht spielte.

Im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert war Baden-Baden die europäische Sommerhauptstadt und jeder, der was auf sich hielt und es sich leisten konnte, kam zur Sommerfrische hierher. Seit 1858 fanden dann die ersten Vollblut-Rennen auf der Rennbahn in Iffezheim vor den Toren Baden-Badens statt. Schnell wurde die sogenannte „Große Woche“ im September zum absoluten gesellschaftlichen Highlight. Bis heute kamen dann Gäste aus der ganzen Welt in die Stadt und brachten Glanz und Glamour der High Society in den Schwarzwald.

Jetzt war es wieder September und die Stadt war voller Menschen. Überall gab es spezielle Veranstaltungen aus Kunst, Kultur und Sport, um die illustre Gäste-Schar zu unterhalten. Auch wenn Matthias in diesen Wochen immer besonders viel zu tun hatte, liebte er diese Zeit doch ganz besonders. Die Fahrt durch diese pulsierende kleine Stadt hatte allen Stress fortgefegt und gut gelaunt kam Matthias schließlich vor Pietros Restaurant an.

Kapitel 4

„Hallo meine Lieben, schön, dass wir uns mal wieder sehen, in großer Runde meine ich. Und der Champus steht auch schon auf dem Tisch, was gibt´s zu feiern?“

Isabel war wie immer die letzte. Durch ihren Job konnte sie kaum einen Termin einhalten. Sie war ein Arbeitstier und hatte in jungen Jahren und als Frau in einer Männerwelt Karriere gemacht. Sie war weit und breit die einzige Bankdirektorin und noch dazu sehr jung für solch eine Position.

Charlotte, Anna und Emma hatten mächtigen Respekt vor der Leistung der Freundin. Allerdings machten sie sich auch Sorgen um sie, weil sie nun seit einigen Jahren noch mehr arbeitete als früher und „irgendwie kann das doch nicht gesund sein“, sagte Anna schon zur Begrüßung. Das war nun aber nur die Einleitung zu einem größeren Vortrag über gesunde Lebensführung und Work-Life-Balance und was man sonst noch so lesen konnte in den bekannten Wellness-Magazinen.

Anna war die Älteste der Freundinnen und mit ihrer schwarzen Mähne und ihren dunklen feurigen Augen wohl auch die Lebhafteste und Unternehmungslustigste von allen. Sie war eher klein und etwas mollig mit weiblichen Kurven, was ihr aber sehr gut stand. Sie lebte schon seit vielen Jahren als Single. Ihre zwei Kinder gingen lange schon ihre eigenen Wege, so dass Anna ihre Freizeit und ihre Vorlieben mittlerweile ausleben konnte. Sie liebte es zu tanzen und sich in romantischen Bädertempeln zu sanfter Musik von erfahrenen Masseuren durchkneten zu lassen. Aber auch Konzerte aller Art und Theateraufführungen wurden gern von ihr besucht. Das alles fand in solch rascher Folge und hoher Anzahl statt, dass die anderen Freundinnen sich fragten, ob Anna eine spezielle Batterie implantiert hatte, die zusätzliche Energiestöße aussandte, während die anderen drei Freundinnen schon matt in den Seilen hingen.

Charlotte, war etwas jünger als Anna, aber auch sie hatte dunkle Haare. Im Gegensatz zu Anna war sie schlank und deutlich größer. Ihr markantes Profil erinnerte etwas an eine griechische Schlagersängerin, was man ihr aber unter keinen Umständen sagen durfte, da sie sich einredete, eine ganz furchtbare Nase zu haben, was aus Isabels Sicht blanker Unsinn war. Aber so war das nun mal mit den Mädels, jede hatte irgendetwas an sich auszusetzen.

Emma war das Gegenteil der anderen Beiden. Sie hatte halblange blonde Haare und blaue Augen. Sie war gut proportioniert und fast so groß wie Isabel. Vor allem aber hatte sie ein loses Mundwerk, mit dem sie so präzise zuschlagen konnte, dass Männlein und Weiblein, die getroffen wurden, mitunter wortlos den Raum verließen.

Isabel war die Größte der Freundinnen. Zwar war sie so blond wie Emma, aber ansonsten das genaue Gegenteil. So konservativ wie Lady DI sei sie.

Zumindest behauptete das ihre Freundin Charlotte immer, die fast verzweifelte, wenn sie gemeinsam auf Shopping-Tour gingen und Isabel immer wieder zu denselben klassischen Kleidungsstücken griff.

„Was wird das jetzt hier?“ fragte Emma. „Ne Beerdigung oder was macht ihr alle für Gesichter?“

„Emma hat recht“, sagte Anna. Wir sind ein schlapper Verein, lasst uns schnell was essen und dann rüber ins Max gehen.“

Max war die Nobeldisko in Baden-Baden. Besonders anlässlich der Galopp-Rennwochen war die Disko gespickt von Prominenten oder solchen, die glaubten es zu sein.

Charlotte, die ebenfalls sehr gerne tanzte war auch gleich Feuer und Flamme. „Oh, ja, lasst uns tanzen gehen!“ rief sie. „Das haben wir schon lange nicht mehr gemacht.“

Isabel, die keine Lust darauf hatte, wollte nun auch kein Spielverderber sein, und knurrte vor sich hin, „also erst mal brauche ich eine Riesenportion Vitello Tonnato und danach können wir die ganzen Kalorien wieder abtanzen. Ihr lasst ja doch nicht locker!“

Kapitel 5

Während Matthias sein Motorrad abstellte, dachte er daran, wie sehr er es liebte mit seinem alten Motorrad durch die Abendsonne zu tuckern. Er war kein Raser und kein typischer Motorradfahrer, sondern eher ein Genießer. Gerade bei diesen seltenen Motorrad-Touren spürte er seine Freiheit ganz besonders, die er nach den vielen Ehejahren wieder gewonnen hatte.

Und seit sechs Monaten war nun auch seine Tochter Jasmin aus dem Haus. Sie hatte sich zuletzt eine Schlacht mit seiner damaligen Freundin Heike geliefert. Irgendwie wollte jede der Beiden beweisen, wer denn nun mehr Einfluss auf Matthias hatte und somit die Stärkere war. Es wurde um jeden Mist gestritten, wer sauberer putzen, besser einkaufen, schneller aufräumen konnte und so weiter. Es ging zu wie im Kindergarten, was wohl auch daran lag, dass Heike gerade mal fünfundzwanzig Jahre alt, pardon jung war. Aber ein Mann in den besten Jahren musste sich halt auch mal beweisen, dass er noch ein toller Hecht war und sich immer noch was knackig Junges angeln konnte. Zumindest stichelten die Freunde so hinter seinem Rücken, was Matthias natürlich auch mitgekriegt hatte.

Aber etwas Wahres war schon dran. Mit Heike konnte er sich wunderbar jung fühlen. Sie hing regelrecht an seinen Lippen, ja sie himmelte ihn geradezu an. Das gefiel ihm. Ja welchem Mann hätte das wohl nicht gefallen? Doch irgendwann, war der Zauber dann verflogen. Die Streitereien von Jasmin und Heike taten ihr übriges. Schließlich setzte er Beide vor die Tür. Man kann einem Mann sehr lange auf der Nase rumtanzen, aber irgendwann musste man die Konsequenzen tragen. So ging es auch Jasmin und Heike. Seitdem lebte er allein in seinem großen Haus, was ihn auch absolut nicht störte, im Gegenteil.

Immer noch ganz in Gedanken ging er die Stufen hinauf zur Trattoria. Claudia stand an der Bar und unterhielt sich angeregt mit einem Anzugträger mit geschlecktem Äußeren, wie Matthias pikiert feststellte.

„Hallo, mein Lieber, du kommst ja doch noch. Darf ich vorstellen, Heiko Helmer, unser neuer Oberarzt. Wir haben uns zufällig hier getroffen, Heiko ist neu in der Stadt, aber es gefällt ihm hier ausgezeichnet. Wir haben schon einige Proseccos Vorsprung, du musst dich beeilen, wenn du unsere Stimmung noch einholen willst.“

Claudia kicherte leise und Matthias merkte, dass Sie schon etwas zu viel getrunken hatte. Na, super. Das war´s dann wohl. Den Abend konnte er abhaken. Außerdem hatte er heute keine Lust sich zusammenzunehmen und Dinge zu tun, die ihm keinen Spaß machten. Warum auch? Es gab doch im Beruf genügend Zwänge, denen man sich unterordnen musste. Musste das auch noch in der Freizeit sein? Nimm dich zusammen, versuche freundlich zu schauen. Einen Drink wirst du schon überstehen, dachte er, aber der grinsende Heiko ging ihm so auf die Nerven, dass er sich schließlich Claudia schnappte und mit ihr unter Protest das Lokal verließ. Draußen stand zum Glück ein Taxi.

„Hallo, hallo,“ er winkte das Taxi heran und setzte Claudia hinein. Bitte bringen Sie die Dame in die Tulpengasse 16. Vielen Dank.“

Matthias drückte dem Taxifahrer das Fahrgeld in die Hand und küsste Claudia auf die Wange, die allerdings schon halb eingeschlafen war. Na, bravo! Super Abend. Die Lust auf Gesellschaft war ihm gehörig vergangen. Er nahm seinen Helm vom Motorrad und startete die Maschine. Durch die Scheibe des Lokals sah er noch den hämisch grinsenden Heiko, dann fuhr er davon.

Kapitel 6

Es war ein schöner lauer Septemberabend im Jahr 1999. Die Freundinnen hatten sich nach dem Essen auf den Weg gemacht in Richtung Disko.

Während die anderen drei gerade über einen Witz lachten, dachte Charlotte an den gestrigen Abend, als sie fasziniert mit ihrem Freund Markus über das sogenannte Internet, das World-Wide-Web diskutiert hatte.

Er erzählte ihr über die unendlichen Möglichkeiten, die diese technische Erfindung eröffnete. Es gab die Vision, dass in ein paar Jahren praktisch jede Firma und viel später dann vielleicht auch private Haushalte über einen Personal-Computer verfügten und sich untereinander austauschen könnten.

War schon eine Wahnsinnsvorstellung, in Baden-Baden zu sitzen und fast gleichzeitig mit Freunden in Amerika oder Hongkong kommunizieren zu können. Irgendwann würde es selbstverständlich sein, Botschaften und Bilder in Sekundenschnelle auszutauschen.

Als junges Mädchen hatte sie gerne Sciencefiction-Romane gelesen, da war dann von Bildtelefonen die Rede, eine wirklich verrückte Idee. Aber wer weiß, vielleicht kommt das auch irgendwann, dachte sie.

„Hallo, hallo, Jemand zu Hause?“

Isabel hatte sich vor Charlotte aufgebaut und klopfte ihr leicht mit den Handknöcheln an die Stirn.

„Gehen wir rein?“

„Na, klar gehen wir rein, warum sollten wir denn sonst hierher gelaufen sein?“, sagte Charlotte und bemerkte, dass sie bereits vor der Disko standen.

Wie immer war es hier brechend voll. Aber als Damenclique hatte man gute Karten von den Türstehern eingelassen zu werden. Isabel ging dann auch zielstrebig voran und winkte die Mädels zu sich. Ihr Blick ließ keinen Zweifel daran, dass die Vier jetzt da rein gehen würden. Das überzeugte wohl auch den Türsteher. Jedenfalls machte er keine Versuche das Dream-Team aufzuhalten.

„Kommt wir gehen an die Theke, auf Sitzen habe ich keinen Bock“, sagte Emma und nutzte geschickt eine sich plötzlich auftuende Lücke.

Anna war schon ganz im Rhythmus der Musik gefangen. Nicht lange und sie würde die Tanzfläche belagern und vermutlich die nächsten zwei Stunden nicht wieder verlassen. Wie schon bemerkt, ein Energiewunder!

Isabel bestellte sich erst mal eine Riesling Schorle, eine gute Kombination aus Durstlöscher und etwas Prickelndem, wie sie meinte.

Während auch Charlotte die Tanzfläche betrat, checkte Isabel die Umgebung. Neben ihr stand ein Mann mittleren Alters, der wohl schon zu tief ins Glas geschaut hatte. Er versuchte immer wieder ihr eine Zigarette aufzudrängen, obwohl Isabel sich bereits mehrfach als Nichtraucherin zu erkennen gegeben hatte. Schräg gegenüber von ihr saß ein Typ, der sie permanent dämlich angrinste und Isabel zu der Überlegung brachte, ihm in den nächsten Minuten die Zunge rauszustrecken…

„Hallo Isabel“, gerade noch rechtzeitig vernahm sie eine bekannte Stimme. Es war ein Kollege aus der Bank, den sie schon seit vielen Jahren kannte. Er war ein sympathischer Typ und Isabel wusste, dass er mehr von ihr wollte, als sie bereit war zu geben. Und überhaupt, Beziehungen zu Kollegen waren meist nicht von Happy-Ends gekrönt, wie sie von ihrer Freundin Emma wusste, die schon sehr lange in ihren Chef verliebt war. Wie weit es in dieser Beziehung tatsächlich gekommen war, wollte Emma bislang nicht preisgeben, aber Isabel wusste, dass sich hinter ihrer schnoddrigen Art ein sehr sensibler, aufmerksamer Mensch verbarg und dass ihr die Sache mehr zusetzte als sie zugeben wollte.

„Aber so ist das Leben eben. Man bekommt nicht immer, was man verdient. Das Leben ist nicht gerecht, überhaupt nicht“, wie oft hatte sie diesen Satz schon von Emma gehört. Anfangs hatte Isabel noch widersprochen, doch mit den Jahren kamen auch ihr Zweifel an der Gerechtigkeit des großen Universums.

„Ja gerne, lass uns tanzen!“

Isabel ging mit Ulrich, ihrem Arbeitskollegen, auf die Tanzfläche und nach den ersten Bewegungen löste sich auch bei ihr die Verkrampfung und die Nacht schien doch noch ganz besonders zu werden.

Schließlich kam auch Emma auf die Tanzfläche und tanzte ekstatisch und wild mit Charlotte und abwechselnd mit zwei Männern, die sich mittlerweile auch auf die Tanzfläche getraut hatten.

Es war nun bereits 3.00 Uhr morgens und nach und nach leerte sich die Disco. Anna hatte an der Theke Platz genommen, was ungewöhnlich war, denn eigentlich hasste sie Thekenplätze. Sie kuschelte sich lieber in lauschige Couch-Nischen, aber die waren bereits von knutschenden Pärchen belegt.

„Muss Liebe schön sein“, stöhnte sie vor sich hin, was ihr Theken-Nachbar wohl gehört hatte und zum Anlass nahm, ihr einen Schwank aus seiner Jugend zu erzählen. Ihr Gesichtsausdruck sagte mir, „bitte, bitte rette mich aus dieser misslichen Lage!“

Kurzentschlossen bat Isabel sie, ihr aufs Parkett zu folgen. Und obwohl Isabels Füße schon glühten, tanzte sie weitere drei Runden mit Anna bis der nervige Theken-Nachbar schließlich enttäuscht das Weite gesucht hatte.

„Also Mädels, es ist jetzt zehn nach vier. Wie soll der Samstag weiter verlaufen?“ fragte Isabel.

Da antwortete eine tiefe, sympathische Stimme, „ganz einfach, wir gehen jetzt alle in mein Apartment. Da gibt es ein wundervolles Frühstück und einen wahnsinnigen Sonnenaufgang mitten in der Altstadt von Baden-Baden. Es ist gar nicht weit von hier. Wir können zu Fuß hingehen. Es ist nur ein Katzensprung.“

Als Isabel sich umdrehte, sah sie, dass es der Typ war, mit dem Emma so lange getanzt hatte. Er war wohl fast ein Meter neunzig groß, muskulös und hatte pechschwarzes Haar. Seine hellblauen Augen bildeten einen schönen Kontrast dazu. Mit einem gewinnenden Lächeln stellte er sich vor.

„Also, ich bin der Bernd und das sind meine Freunde Hilmar und Thomas. „Wie sieht´s aus mit euch, kommt ihr mit?“