LIEBE - Tessa Matthies - E-Book

LIEBE E-Book

Tessa Matthies

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Beschreibung

Ich bin Kind zweier Elternteile, die überfordert mit sich selbst, versuchten mich gross zu ziehen. Bin ich die Tochter meines Vaters, dessen Namen ich erst ein Jahr nach meiner Geburt bekam? Liebten sie mich oder konnten sie es garnicht? Wurden sie geprägt durch das DDR- Regime und konnten nicht anders mit mir umgehen? Ich versuche, ihre Leben nachzuvollziehen und möchte verstehen, warum sie mich zu dem gemacht haben, der ich war- denn jetzt bin ich weiter- habe mich entwickelt, gehadert, gekämpft, überlebt, mich gestärkt und auf den Weg zum Erwachsenwerden ge-bracht. Ich bin immer noch dabei- ein ständiger Prozess- begleitet durch Tiefschläge, Schmerz, Trauer und einer Sucht nach Aufmerksamkeit/LIEBE. Ich erzähle meine Geschichte und versuche zu verzeihen: sie beginnt mit meiner Mutter- geboren 1959 in der Ex- DDR- und meinem „Vater“, ge-boren 1956- einem ehemaligen Grenz- Soldaten- in einem System, das bis heute viele Fragen auf-wirft und immer noch beschäftigt. Ich wurde 1979 geboren- Tochter einer sehr jungen Frau- selbst-kritisch, hochsensibel, oft traurig und nachdenklich. Aufgewachsen in einer für meine Eltern schwie-rige Zeit. Ich zog mich allein gross und bin es auch heute oft- so fühle ich es zumindest...und immer auf der Suche nach der nie erhaltenen Liebe. Botschaft (oder das, was deine Geschichte besonders macht) Ich spreche den Mauerfall mit seinen Auswirkungen auf mich, meinen Vater- Komplex, Scheidung, Betrug und den Narzissmus an- die Auseinandersetzung mit mir selbst.

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Veröffentlichungsjahr: 2021

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Für L. und T.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum:

Katy Stark, Badstrasse 36, 5400 Baden- Schweiz

 

 

 

 

 

 

 

 

Lie·be

 

Substantiv, feminin [die]

starkes Gefühl des Hingezogenseins; starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem [nahestehenden] Menschen

"mütterliche, kindliche, reine, innige Liebe"

 

auf starker körperlicher, geistiger, seelischer Anziehung beruhende Bindung an einen bestimmten Menschen, verbunden mit dem Wunsch nach Zusammensein, Hingabe o. Ä.

"die wahre, große Liebe"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

LIEBE - ein Wort...stark, gross, bewegend, bedeutungs- und hoffnungsvoll, unwiderstehlich, erstrebenswert, verletzend. Nie habe ich so viel über dieses Wort nachgedacht...jetzt ist es das erste am Morgen, das letzte vor dem Schlaf...oft beobachte ich Menschen, mache mir ein Bild, versuche sie zu verstehen. Warum tun sie bestimmte Dinge? Was steckt hinter ihnen- jedem Einzelnen? Wo sind ihre Wurzeln? Haben sie LIEBE erfahren? Haben sie dieses Wort jemals ausgesprochen? Fällt es ihnen schwer? Wie definieren sie "LIEBE"? Hast du mich zu ihr geführt? 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mutter

 

Mutter bezeichnet den weiblichen Elternteil einer Person. Die Mutterschaft wird in drei Aspekten unterschieden – biologische, rechtliche und soziale Elternschaft:

Im biologischen Sinne ist Mutter, wer die Eizelle beigetragen hat, aus der der Embryo entstanden ist.

 

Wer im rechtlichen Sinne als Mutter gilt, hängt von den Gesetzen der jeweiligen Gesellschaft ab.

 

 

Im sozialen und psychologischen Sinne ist Mutter, wer einem Kind Mutterliebe entgegenbringt und damit die Grundlage dafür schafft, dass das Kind seine (meist) erste emotionale Bindung an einen anderen Menschen herstellen kann. Damit verbunden ist in der Regel die Pflege und Erziehung des Kindes, häufig auch Verantwortung für die Ausbildung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

SIE sass weinend auf der Toilette, Schmerzen kamen und gingen- es waren wohl die Wehen- SIE verlor eine rosa Flüssigkeit- 4 Wochen zu früh- nach Berechnung der Frauenärztin und ihrer "Auffassung"- es sollte erst im September so weit sein...zu ihrem 20.Geburtstag. Nun kam das Kind früher. Ihre Mutter rief den Krankenwagen- sie lebten auf dem Land in der DDR. Es war 1979 und das nächste Krankenhaus war 30 Kilometer entfernt. Als die Sanitäter eintrafen, wollte SIE nicht weg von der Toilette. SIE weinte und schrie "Ich will das nicht. Ich will nicht in`s Krankenhaus!" SIE hatte Angst. Angst vor dem, was passieren wird- den Schmerzen, der Geburt, Ohnmacht und Furcht vor der Zukunft, der Verantwortung, Verzweiflung, dem Neuen- Fraglich ist, ob SIE auch aus Zorn auf sich weinte- was hatte SIE da angerichtet? -selbst noch ein Kind. Unverheiratet- was zu dieser Zeit verurteilt wurde. Was hat SIE überhaupt empfinden können, als SIE es empfing? Kannte SIE "LIEBE" überhaupt? Aber schuld war SIE ja selbst. Auch hätte man einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen können- das war selbst in der DDR in den ersten zwölf Wochen möglich. Aber SIE war ja zu feige, wollte es erst nicht wahrhaben, dass SIE schwanger war und dann- dann war es zu spät. 

 

SIE lebte noch zuhause. 18Jahre jung- auch ihre 3 Brüder- der ältere war 21, der zweite 2Jahre älter als SIE und ein jüngerer- ein ungewollter Nachzügler (was auch so kommuniziert wurde) 16 Jahre alt... Aufgewachsen ohne Vater- er starb als SIE 12 war- lag tot auf dem Sofa-stand nach dem Mittagsschlaf nicht mehr auf- ein Hirnschlag- SIE fand ihn, wurde weinend weggerissen und musste zur Schule. Nie hat SIE diesen Anblick und diese Hilflosigkeit, den traumatischen Schock vergessen- ein Erlebnis, das SIE ihr Leben lang begleiten wird- unausgesprochen, nicht austherapiert- das war zu der Zeit kein Thema. Es passierte einfach und man musste damit umgehen und allein fertig werden. Ihre Mutter brach innerlich zusammen- ist er doch viel zu früh gegangen und liess sie allein mit 4 Kindern. Die Grossmutter mütterlicherseits lebte im gleichen Dorf und übernahm einen Grossteil der Kinderbetreuung und den Haushalt. Die Werkstatt des Mannes lief nicht weiter. Alles stand still für eine Zeit. Es war unfassbar schlimm und traurig für alle. SIE war taub- sah SIE ihre Mutter doch immer als starke Frau- jetzt war sie gebrochen und nur noch ein Schatten ihrer selbst, funktionierte irgendwie. Ihr Vater war ein eleganter und attraktiver Mann- stolz sah er aus auf den schwarzweissen vergilbten Bildern. Die Bewohner des Ortes schätzten ihn. Ihre Familie war die einzige mit Telefon im Dorf- auch war die Sirene für den Feueralarm auf dem Werkstatt- Dach- das machte Eindruck und zeigte, dass man ihm Verantwortung übertrug. Er hatte sich eine grosse Schlosserei im Ort aufgebaut- Landmaschinen wurden dort repariert, manches Bier getrunken- aber erst nach Feierabend, die Werkstatt war immer belebt- die Jungen haben gebastelt und an Traktoren geschraubt- SIE war immer mit dabei oder half der Grossmutter bei der Wäsche oder in der Küche. Der Mutter konnte SIE nichts gut genug machen- wahrscheinlich die Folgen der Depression nach dem Tod ihres Mannes- sie fiel in ein Loch und trauerte lange. Die Kinder waren auf sich gestellt- gingen zur Schule oder liefen draussen herum, tobten und waren für sich. Man traf sich nur zu den Mahlzeiten. Essen gab es immer genug- der Tisch war immer voll besetzt. Es gab immer 4 Mahlzeiten- pünktlich wurde mittags über den Hof gebrüllt «Essen!» und alle trotteten zum Händewaschen an. Die Mutter war Hausfrau- ein gut betuchtes Einzelkind- die Eltern besassen viel Land und Wälder, welche sie verpachteten- es gab Einnahmen und ein soweit sorgloses Leben. – Die Einkünfte aus der Schlosserei fehlten trotzdem.  Es war ein unbeschwertes schönes Landleben- wie aus dem Bilderbuch. Eigentlich. Der Tod des "Oberhauptes" machte trotzdem alles etwas schwarzweisser als bunt. Auch blieb den Kindern das Bild des aufgebarten Vaters in der Werkstatt- so war es früher Gang und Gebe- etwas unheimlich aber vielleicht auch Beruhigendes- denn so war er oder sein Geist auch später irgendwie immer noch da. Nun musste es ja weitergehen. Der Alltag kam trotzdem und die Kinder gingen zur Schule im Dorf. Sie war ein notweniges Übel und man schlich sich so durch. Es gab grosse Hilfsbereitschaft aus dem Ort- man half bei der Ernte im grossen Garten, beim Holzen oder sonstigen anfallenden Sachen. Es gab auch immer viel zu tun: der riesige Umschwung musste bewirtschaftet werden-Pflügen, Säen, Giessen, Ernten- die Hühner und Schweine versorgt, der Rasen gemäht, Wäsche für 5Personen gewaschen, gekocht, gebacken, geschlachtet und eingeweckt werden. Die Speisekammer und der Keller mussten immer gefüllt sein- man wusste nie, was noch kommt oder ob es noch genug zu kaufen gibt. Sie lebten in der DDR- hungern musste zwar niemand- aber sie kannten auch andere Zeiten- ihre Mutter hat den Krieg erlebt. Um das immer zu knappe Angebot an Frischobst und Gemüse zu mildern, wurden die DDR- Bürger aufgefordert, überschüssige Erträge an die HO (Handelsorganisation) zu verkaufen. Die Aufkaufpreise waren höher als der Verkaufspreis. Subventionen machten es möglich. Sie hatten genug, konnten jedes Jahr Äpfel und Birnen zum Mosten bringen- ein Teil ging an sie- der Rest wurde dann auch an die HO abgegeben. Eier wurden gesammelt, geputzt, mit Datum gestempelt und wöchentlich zur Abnahmestelle gebracht- dafür gab es Geld und im Konsum der Genossenschaft konnte man dann diese Eier erwerben. Kochwäsche wurde in einem riesigen Kessel im Badezimmer gekocht, die Laken trockneten auf der Leine im Wind- ein Symbol für Freiheit und Leichtigkeit.Auch wurde jedes Jahr Holz gemacht für den grossen Ofen in der Werkstatt- er heizte das Wasser für die Heizung des kompletten Hauses- was damals schon recht fortschrittlich auf dem Land war. Die Kinder halfen fleissig mit. Die Jungs konnten Traktor fahren und die Ketten- und Kreissägen bedienen. Die Zeit verging und heilte Wunden. Die Mutter hatte keinen neuen Mann, liess sich helfen und es ging ihr immer besser. Und trotzdem fehlt etwas- auch den Kindern. Selten wurden sie in den Arm genommen- meist von der Grossmutter- es gab kaum körperliche Nähe, LIEBE. Und trotzdem wurden alle gross und wuchsen zu Jugendlichen heran, gingen zur Schule und waren integriert. Das Dorf hielt zusammen. Die meiste Zeit waren die Kinder in der Schule. Dort lernten sie Normen und Werte auf das DDR- System abgestimmt. Man «erzog» sich seine zukünftigen Bürger. Im Werk- und Schulgartenunterricht, ab Klasse 7 im Fach Produktive Arbeit, sollte die Verbindung von Theorie und Praxis, von Lernen und Arbeiten, von Schule und Leben hergestellt werden. Solcher Unterricht diente auch der Berufsorientierung und Berufswerbung. Der Staat garantierte jedem Jugendlichen eine Ausbildungsstelle. Ein differenziertes System der Berufsberatung setzt bereits in der 6. Klasse ein. Individuelle Berufswünsche sollten mit dem gesellschaftlichen Bedarf in Einklang gebracht werden, letzterer hatte in jedem Fall Vorrang. Alles war organisiert und kontrolliert durch den sozialistischen Staat- so konnte niemand «untergehen» und fühlte sich allein- für jeden wurde «gesorgt». Es gab auch keine Arbeitslosen in der DDR- was doch alle beruhigte und Existenzängste nahm. Durch den praxisnahen Unterricht wurde SIE schon in ihre zukünftige Laufbahn «gedrückt». SIE begann eine Ausbildung bei der Konsum Genossenschaft im Vertrieb, die Jungen kamen alle beim Meliorationsbau unter- das bedeutete die Be- und Entwässerung und Eindeichung von Überschwemmungs-gebieten, Flussbegradigung und Urbarmachung von Ödland. Sie lebten nahe der Elbe und der Grenze zur BRD- da gab es genug zu tun. Die DDR wollte sich selbst versorgen und unabhängig sein- da mussten Ackerflächen geschaffen werden. Und das Land an der Elbe war sehr fruchtbar. Sie hatten eine Aufgabe und waren «versorgt». Das gab ihnen Sicherheit und genügte ihnen. Der Staat schrieb vor, wer wann wohin reisen durfte. Aufgrund des begrenzten Angebotes fuhren sie zelten an die Ostsee oder nach Tschechien. Das Westfernsehen war fast überall in der DDR zu empfangen, dort wurden Konsumgewohnheiten vermittelt und modische Orientierungen gegeben. Auch wurde immer Westradio gehört- da kam die Musik, zu der man träumen konnte. Viele Jugendliche resignierten frühzeitig, passten sich den Lebensgewohnheiten der Älteren an. Das war einfacher als Widerstand zu leisten, aus der Reihe zu fallen und dann bestraft zu werden: In der Öffentlichkeit «sprach man eine Sprache», die der der DDR-Medien glich. Man hatte sie von Kindesbeinen an gelernt – im Kindergarten, in der Schule, bei den Pionieren in der FDJ. Wer sich in der Öffentlichkeit so äußerte entging der Gefahr aufzufallen oder gar anzuecken. Erst im vertrauten Kreis der Familie oder der Clique sagte man, was Sache war. Hier hatte man Meinungen und zeigte sie auch. Man trank und rauchte, hörte westliche Musik und träumte sich in eine andere bessere und schönere Welt, die gar nicht so weit entfernt war- sie lebten im Grenzgebiet zur BRD. Irgendwie waren doch alle zufrieden oder wurden «ruhiggestellt». Wie sich nach Grenzöffnung 1989 zeigte, gab es einige Spitzel unter den Dorfbewohnern, die Informationen weiterleiteten, sollte man das Gefühl haben, jemand «entgleite» oder wolle sogar flüchten in die «bessere Welt». Es wurden alle und alles kontrolliert: Viele Menschen waren geheime Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, welche gezwungenermaßen oder freiwillig verdeckt Informationen lieferten oder auf Ereignisse oder Personen steuernd Einfluss nahmen, ohne formal für diese Behörde zu arbeiten. Mit seinen zuletzt rund 189.000 Angehörigen deckte das Netz aus inoffiziellen Mitarbeitern nahezu alle gesellschaftlichen Bereiche der DDR ab und bildete somit eines der wichtigsten Herrschaftsinstrumente und Stützen der DDR. Als Motive für die Kooperation wurden vor allem politische Ideale genannt. Geld habe offenbar nur eine untergeordnete Rolle gespielt, auch erpresste Zusammenarbeit mit dem DDR- Spitzelapparat sei oft der Fall gewesen. Von manchen wusste man es- da musste man vorsichtig sein mit dem, was man sagte. Manchmal war es einem aber auch egal. Wann wollte sich auch gar nicht ständig mit solchen Sachen auseinander setzen- denn eigentlich ging es den Jugendlichen auf dem Land doch gut- viele hatten ein Moped-waren mobil und irgendwie unabhängig- das hatte nicht jeder Städter- auch hatten sie das Gefühl, freier und nicht so kontrolliert wie in der Stadt zu sein.

 

Es war 1978. SIE war 18 und durfte, wie schon seit ihrem 16.Lebensjahr mit den anderen zur Dorfdisco. SIE hatte ihre Brüder, die SIE nach Hause brachten und die anderen aus dem Dorf kannte SIE auch- man musste sich keine Sorgen machen. Gewalt und Kriminalität gab es auf dem Land nicht. Alle zwei Wochen gab es im Ort nun den "Dorftanz"- die "Kontaktbörse" zu jener Zeit. Es kamen auch Jugendliche aus den Nachbargemeinden- das brachte etwas Abwechslung. Es wurde getanzt, gelacht, getrunken.

Da gab es den Schäfer im Dorf- ein attraktiver junger Mann Ende 20- allerorts berüchtigt, ein Eremit- er hatte eine Art, die alle Mädchen und jungen Frauen in den Bann zog- der berüchtigte, raue starke wilde Fremde, Eigenbrötler, Einzelgänger. Im Dorf gab es immer den sozialistischen Zusammenhalt- er gehörte nicht dazu. Alle kannten ihn, auch SIE wusste, wer er ist. Der Schäfer war, wenn er seine Herde in der Nähe hatte, oft dort...am Tresen allein. Die Augen der Mädchen waren heimlich auf ihn gerichtet.... er galt als Herzensbrecher. SIE sollte sich in Acht nehmen vor ihm... Er sah SIE- SIE hatte etwas sehr Unschuldiges, Reines, Mädchenhaftes, Verletzliches- nie den Schmerz des Verlustes ihres Vaters verarbeitet und doch auf der Suche nach einem Teil, der ihr zu früh genommen wurde- SIE hatte noch nie geküsst oder war verliebt. SIE funktionierte irgendwie- lebte bis jetzt das Leben eines nie richtig erwachsen gewordenen Kindes- es war ihr auch nicht wichtig, Erfahrungen mit Jungs zu sammeln oder nach einem Freund zu suchen. Er lächelte nicht, folgte ihr jedoch konzentriert mit seinen dunklen glühenden Augen- wie ein Wolf das Lamm fixiert, bevor er es sich packt. SIE hatte Spass mit den Mädchen aus dem Dorf- war unbeschwert, tanzte und trotzdem spürte sie seine Blicke. Heisse Schauer überliefen SIE. SIE wurde rot, ihr Puls stieg. Das kannte SIE nicht- es fühlte sich aber gut an. Am Ende des Abends lief SIE zur Garderobe und wollte ihre Jacke holen. SIE suchte das Zettelchen mit ihrer Kleidernummer in den Hosentaschen- da stand er vor ihr- gross, stark, von der Sonne gebräunt mit gesundem Teint, da er ständig an der frischen Luft war. Er roch herb und männlich- noch nie nahm SIE einen Mann so wahr. Ein neues Ihr unbekanntes schönes Gefühl. Schmetterlinge im Bauch. Er fragte, ob er SIE nach Hause begleiten solle- da kamen schon ihre Brüder und packten SIE unter den Armen, rissen SIE von ihm weg. Das war kein Umgang für ihre Schwester. Der Hirte war berüchtigt für seinen «Jagdtrieb». Sie gingen heim. Der Schäfer ging ihr nicht aus dem Kopf. SIE hatte so etwas noch nie erlebt- SIE blühte auf, fühlte sich so leicht und wunderbar- die Zeit bis zum nächsten "Dorf- Tanz" war unaushaltbar- denn wo sollte SIE ihn sonst wiedersehen? Immer schaute SIE auch, ob SIE irgendwo Schafe sah- dann wäre er nicht weit weg. Doch leider musste SIE sich gedulden. SIE schlief kaum und wenn, dann träumte SIE von ihm-wie sie Hand in Hand umherliefen und glücklich waren. Und dann war es wieder so weit. Samstagabend. SIE war so aufgeregt, ein flaues Gefühl hatte SIE im Bauch. Ihr schönstes Kleid hatte SIE an- es war Ende November, Schnee lag draussen und es war kalt- aber das merkte SIE garnicht- SIE war verknallt. Er stand wieder am gleichen Platz, SIE tanzte mit den anderen Mädchen, hatte nur Augen für ihn- war wie in Trance. Heimlich schaute SIE immer wieder zu ihm. Ihre Wangen glühten und ihr Puls war hoch. SIE trank keinen Alkohol- und trotzdem kam SIE sich wie betrunken vor- betrunken vor Glück. Die Toilette der Kneipe war ausserhalb des Gebäudes- SIE ging allein.... er folgte ihr... SIE spürte ihn hinter sich. Er war erregt, wie ein Tier, gierig, nahm sie mit jedem Atem auf. Er hielt sie am Arm- SIE drehte sich um und dann zog er SIE mit aller Kraft an sich- ihr blieb die Luft weg- ein Gefühl der Ohnmacht überkam SIE ganz kurz. Was geschieht jetzt? Er küsste SIE- hart und kräftig, intensiv. SIE wusste gar nicht, wie ihr geschah. SIE kannte es aus Filmen- das tat man so- aber was passierte da? War es schön? War es gut? Ist das LIEBE? Er war wie ein Tier- einem Blutrausch gleich, konnte nicht von ihr lassen und SIE hatte das erste Mal das Gefühl begehrt und vielleicht auch geliebt zu werden- was ihr jedoch so nicht bewusst war. Der Schäfer zog SIE in einen Nebenraum, welcher als Lager für Getränke und Stühle genutzt wurde. Er ging mit seinen starken Händen unter Ihr Kleid- seine Hände waren überall. SIE konnte das alles gar nicht begreifen, liess es aber zu- taub und überfordert von allem. Er nahm sich, was er wollte- SIE liess es zu- ihr Verstand war in weiter Ferne- SIE war in diesem Moment gefangen ohne Gedanken an morgen. Er ergoss sich in ihr und liess dann von ihr ab, schloss die Hose, richtete sein dichtes braunes Haar, küsste SIE nochmals und ging. Da lag SIE nun auf dem Tisch- noch völlig benommen und halbnackt. SIE rückte schnell ihr Kleid zurecht, suchte nach der Unterhose, Ihre Nylons zog SIE auch wieder hoch- sie waren mit Laufmaschen übersäht- sie merkte es nicht einmal- SIE wollte nur noch nach Hause. Was war das? Sie hatte den Schäfer in sich gelassen. Kann man von einem Mal schwanger werden? Sie nahm ja keine Pille. Kondome?- Hatte er ein Präservativ benutzt? SIE wusste es nicht- es ging alles viel zu schnell. SIE war doch noch gar nicht so weit- halb Frau, halb Kind. Pure Angst überkam SIE.... Scham, Wut über ihre Naivheit, Hilflosigkeit...Sie brauchte einen Plan für den Fall, dass sie schwanger war. Vielleicht war ja auch nichts «passiert». SIE wollte alles verdrängen, vertraute sich niemandem an, behielt es für sich. Der nächste "Dorftanz" fand statt. Der Schäfer war nicht da- er zog weiter und "bediente" sich in der Nachbargemeinde. SIE war traurig, wütend, verzweifelt, verletzt- aber was erwartete SIE? Sollte er SIE heiraten und das eventuell Geborene mit Ihr grossziehen? SIE wusste es selbst nicht und war hoffnungslos überfordert. SIE fühlte sich allein. Wem sollte SIE sich anvertrauen? Was würde ihre Mutter dazu sagen? SIE hatte einen starken «Überlebenstrieb». Es musste ja irgendwie weitergehen. Instinktiv schaute SIE sich um und suchte in der Disco nach «einer Lösung»-da sass er in der Ecke mit einer Cola am Grübeln und in seinen Gedanken verloren- ihr «Retter in der Not». Er trug Uniform- war Soldat der Grenztruppe, welche in der Umgebung mit einer Kaserne stationiert war- Offizier, 22Jahre jung- eifrig, strebsam, schwarzes Haar, gross, trainiert, stark und unnahbar wirkend. SIE nahm all ihren Mut zusammen und sprach ihn an. SIE habe ihn hier noch nie gesehen. Er antwortete nur kurz und gab ihr zu verstehen, dass er nicht sprechen wollte- das wollte er nie. SIE liess ihn und ging tanzen. Seine Augen folgten ihr trotzdem- auch ihm gefiel ihre Art- naiv, unschuldig, anständig- der Beschützerinstinkt in ihm war geweckt. SIE spürte seine Blicke und gab nicht auf- SIE brauchte ihn- er sollte ihr auf eine unausgesprochene Art helfen. Er war auch «nur» ein Mann und SIE dachte sich, was mit dem Schäfer ging, sollte mit dem Soldaten auch funktionieren. Nach dem Tanzen nahm SIE all ihren Mut zusammen, ging nochmals zu ihm und bat ihn mitzukommen. Er folgte ihr Richtung Toilette und SIE nahm ihn mit in den Abstellraum- den gleichen Ort, den SIE mit dem Schäfer aufsuchte. Sie küssten sich und auch ihn liess SIE zu. Er war schüchtern- es war ihm etwas unangenehm- aber SIE gab ihm das Gefühl, dass alles gut sei. Er war schon lange in der Kaserne und das letzte Mädchen hatte er vor einem Jahr- die Dienste in der Armee liessen gar keine Zeit für Frauen zu- so war das Ganze für ihn doch willkommen. Und SIE war hübsch, nett- vielleicht würden sie sich nun öfter sehen. Er fragte, ob er SIE später nach Hause bringen dürfe- Ziel erreicht. SIE war froh und etwas erleichtert. Mit dem Motorrad fuhren sie zu ihrem Elternhaus- waren beide etwas eingeschüchtert von dem «Ereignis». SIE ging ohne einen Kuss. Er versprach Ihr, er komme wieder, wenn er frei hat. Er wisse nicht, wann es sein wird.So war es auch. Am Donnerstagabend in der darauffolgenden Woche stand er vor Ihrer Tür. Nervös, etwas unruhig. Er trug seine Uniform-er trug eigentlich immer Uniform- denn er war ein stolzer Soldat. Blumen hatte er mitgebracht- rote Nelken- für die Mutter- ein anständiger Mann. Er wusste, was sie getan hatten und ihm waren die Konsequenzen klar. Ihre Mutter öffnete mit grossen Augen die Tür. Was war passiert? Haben die Jungs etwas angestellt? Man hatte Respekt und vielleicht auch etwas Angst vor den Soldaten- sie lebten im Grenzgebiet nahe der BRD. Kontakt nach "drüben" war verboten, Radio oder "West- Fernsehen" selbstverständlich auch.... Man wusste, dass sie nicht zimperlich sind und im Notfall Menschen erschossen, die flüchten wollten. Waren die Jungs im Grenzgebiet? Was wollte der Mann? Wurden sie angezeigt? Jeder schaute doch ZDF oder hörte die Hitparade der westlichen Radiosender. Hatte jemand angezeigt, dass sie ein Westpaket bekommen hatte? So viele Fragen schossen durch ihren Kopf. Aber dieser Mann hatte ganz andere Absichten. Er übergab ihr die Blumen und fragte, ob ihre Tochter zuhause sei. Selbstverständlich war SIE da- SIE wartete auf nichts anderes als ihn. Offiziell wollte er fragen, ob er ihre Tochter ausführen und SIE nun öfter besuchen darf. Die Mutter war erleichtert, dass es "nur" darum ging und auch froh, dass sich jemand ihrer Tochter annehmen wollte- konnte sie doch den Kindern nicht gerecht werden und wäre froh, wenn das Mädchen "versorgt" ist und sie Verantwortung abgeben kann- aber musste es ausgerechnet ein «Grenzer» sein? Und trotzdem: Er war ein Offizier- anständig, gebildet, höflich- Ehrenmann.Öfter besuchte er SIE nun- holte SIE für einen Spaziergang ab, trank Kaffee mit Ihren Geschwistern und der Mutter, brachte jedes Mal etwas mit- Blumen, Kaffee, Pralinen- sie redeten nie viel, wenn sie allein waren- es war für beide ungewohnt und trotzdem waren sie froh, dass sie sich hatten- waren sie beide doch irgendwie noch Kinder- und beide «allein».

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vater

Vater bezeichnet einen männlichen Elternteil eines Menschen; seine Vaterschaft kann sich auf einen, zwei oder alle drei Teilbereiche der Elternschaft beziehen:

Der biologische Vater war der Erzeuger der männlichen Keimzelle für die Zeugung des Menschen, er ist mit ihm blutsverwandt.

 

Der rechtliche Vater hat Elternrechte und -pflichten und trägt die rechtliche Verantwortung für den Menschen, auch im Falle seiner Adoption durch ihn.

 

 

Der soziale Vater übernimmt persönliche Verantwortung und umsorgt den Menschen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ER war aufgewachsen ohne Vater- dieser starb an Lungenentzündung nach einem Unfall- er hatte ein Fuhrgeschäft mit Pferden und Wagen- sie brannten durch und stürzten mit ihm und dem Hänger in einen Fluss- es war Winter und er starb an einer Lungenentzündung, hinterliess eine Witwe mit 5 Kindern- 4 Mädchen und ihn- er war der jüngste, gerade mal 4 Jahre alt- nach dem Tod des Vaters musste seine Mutter für alle aufkommen, viel arbeiten, da sie von der Witwenrente nicht leben konnten- eine Anstellung in einem Schuhgeschäft half ihr, die Kinder zu ernähren. So musste der kleinste irgendwie allein heranwachsen- seine Schwestern zogen ihn gross- alle intelligent (die älteste machte eine kaufmännische Ausbildung bei einer Reederei, die zweite studierte Lehramt, die dritte wurde Chefsekretärin und die vierte Kindergärtnerin) und fürsorglich- eine gute Basis- sie liebten ihn- und er machte es gut- war fleissig und strebsam in der Schule, angelte gern, spielte Fussball- von klein auf ein Mädchenschwarm- er bekam LIEBE und das spürte man in seiner Gegenwart.

Erhaltene LIEBE lässt jeden strahlen.Er war ehrgeizig und motiviert zum Lernen- ein guter Schüler- ging gern zur Schule und absolvierte eine Ausbildung zum Elektroniker. Mit seiner Mutter und den 4Schwestern lebte er in einer Hafenstadt an der Ostsee in der DDR- das Meer reizte ihn sehr- es war weit, gross- mit einem Schiff konnte man fremde ferne Orte bereisen- er liebte es am Wasser zu sein- mit seiner Ausbildung wollte ER gern zur Marine und in die weite Welt schippern. Doch es kam anders. Nach einer Sportverletzung durch den Fussball lag ER im Krankenhaus und machte Bekanntschaft mit seinem Bettnachbarn- ein Offizier der Nationalen Volksarmee- er schwärmte von seiner Berufung- erzählte von Ausbildung, Förderung und Anerkennung, sprach von seinen erhaltenen Orden und der Karriere, welche er bei der Armee gemacht hat. Dieser Mann war, wie viele seiner «Genossen» geschult, Soldaten anzuwerben- gute und treue Staatsdiener für die DDR zu suchen. Da war der junge Mann dann schnell Feuer und Flamme- ER hatte auch das Bedürfnis nach Anerkennung- ER wollte auch irgendwo dazugehören- zu einer starken Gruppe- gleich einer richtigen Familie. So bewarb er sich bei der Militärakademie- die erkannten dort aufgrund seiner Zeugnisse und Rücksprache mit den Lehrern seiner Schule und des Ausbildungsbetriebes- auch gab es interne Berichte über ihn- dass ER "ein guter Junge" wäre- folgsam, ehrgeizig, strebsam und auf der Suche nach Anerkennung/LIEBE. ER wurde aufgenommen- eine Ausbildung an der Militärakademie in Dresden stand ihm in Aussicht, wenn ER seinen Grundwehrdienst von 18 Monaten erfolgreich absolvierte - und ER war so stolz- ER hatte jetzt ein Ziel, eine Aufgabe, ein "Zuhause"- sie führten und «umsorgten» ihn und für ihn war es der richtige Weg- treu seinem Vaterland untergeben- was ihn noch schmerzen wird… ER war konzentriert, lernte viel, trank trotzdem mit den Jungs, spielte weiter Fussball, fiel nie negativ auf, meldete sich stets für freiwillige Aufgaben und gab alles dafür, gut zu sein- das merkten auch seine Ausbilder. Er strebte nach Aufmerksamkeit/ LIEBE. Fehlte ihm doch der väterliche Part. Nach dem Grundwehrdienst wollte man ihn einsetzen- man vertraute ihm und wollte ihm im Gegenzug Verantwortung übergeben- so schickte man ihn zu einer Kaserne nahe der Grenze- ER würde dort nach einer Einarbeitungszeit die vertretende Position des Kompaniechefs übernehmen- für ihn etwas unfassbar anerkennendes, ermutigendes und befriedigendes- ER ging völlig auf in seiner Position- es war die Erfüllung, machte ihn stolz- das wäre sein Vater sicher auch gewesen- seine Lebensaufgabe...Seine Mutter war nicht begeistert. Sie hatte ihren einzigen Sohn an diesen sozialistischen Staat «verloren»- ER gab sich völlig auf für diese Vereinigung, kam selten nach Hause, weil ER wieder lernen oder Extraaufgaben erledigen musste. Es gefiel ihr nicht, dass man ihren Sohn für diese Art von «Verteidigung des Bauernstaates» missbrauchte. Aber es war seine Entscheidung. ER war durch eine Gehirnwäsche völlig fixiert auf diese Sache und dieses System.

Er wurde stationiert in einem Dorf nahe der Grenze zur BRD im Norden der Deutschen Demokratischen Republik- Hamburg war nur 90 Kilometer entfernt- bis zum Grenzstreifen waren es nur 3000Meter. Jetzt konnte ER das Erlernte umsetzen und sich einbringen. Der Kompaniechef mochte ihn- ER erkannte, dass ER ein guter Mann für die Grenztruppen war. Auch war sein Vorgesetzter so etwas wie eine Vater- Figur für ihn- das, was er nie hatte. ER war der Armee gegenüber treu, folgsam und ehrlich. Nie ging er aus, half eher noch in der Küche beim Kartoffelschälen. Und trotzdem ermutigte sein Chef ihn, mal «raus» zugehen und sich unter die Jugend zu mischen. ER fuhr mit seinem Motorrad in das benachbarte Dorf. Natürlich in Unform- das war Vorschrift- man sollte nach aussen Macht und Kontrolle präsentieren- gerade unter der Jugend, welche doch manchmal aufmüpfig wurde. Und ER trug seine Uniform voller Stolz. Dann lernte ER SIE kennen. 19Jahre, ein kleines, zierliches Mädchen mit neckischem Lächeln- unschuldig, anständig- es weckte in ihm ein neues Gefühl- ER müsse sie vor irgendetwas beschützen- denn das war ja auch seine Aufgabe bei den Grenztruppen- sein Volk vor dem westlichen Feind absichern. Es gefiel ihm, ihr Sicherheit zu geben- wenn SIE sich an ihn drückte während der Fahrt auf dem Motorrad, wenn SIE schüchtern seine Hand nahm oder sie einfach verträumt auf der Wiese lagen- auch näherten sie sich nach dem Dorftanz langsam intensiver an und lernten sich und die LIEBE kennen- so unerfahren und unberührt- irgendwie noch Kinder. Schon nach einiger Zeit und ihrem Kennenlernen musste SIE ihm etwas mitteilen- es fiel ihr schwer- geredet und sich mitgeteilt wurde auch nie bei ihr zuhause- alles wurde verdrängt oder totgeschwiegen- aber jetzt gab es keinen Ausweg mehr- ihre Menstruation blieb aus- SIE verdrängte es und dachte in ihrer unerfahrenen kindlichen Art, dass es schon nicht so schlimm und alles gut sei- bis SIE dann spürte, dass sich etwas in ihrem Körper veränderte.... SIE musste mit ihm sprechen. ER nahm es ganz ruhig auf und überlegte sachlich, wie sie ihr gemeinsames Problem lösen können- für eine Abtreibung war es wohl schon zu spät- ER wollte die Verantwortung übernehmen- wollte für seinen "Fehler" einstehen- wie bei der Armee- Liegestütze, wenn das Kadetten- Zimmer nicht korrekt aufgeräumt war...SIE wusste, dass SIE froh sein konnte, so einen guten Mann gefunden zu haben...war SIE sich doch recht sicher, dass das Kind vom Schäfer und nicht von ihm war....So lange es ging versteckte SIE ihren Bauch, doch beide wussten, dass dieses "Spiel" nicht mehr lang funktionierte. So nahm ER sich vor, es seiner Familie und ihrer Mutter mitzuteilen. ER hatte wenig Kontakt zu seinen Schwestern und der stets arbeitenden Mutter- sie war immer noch im Schuhgeschäft als Verkäuferin tätig. Ein Telefon hatte sie nicht und ER kam auch nicht weg- ständige Dienste, fester Einbund in die Armee- und wenn ER mal 4Stunden Ausgang hatte, fuhr ER in`s Nachbardorf zur Mutter seines ungeborenen Kindes. Also schrieb ER einen Brief. ER war sich seiner Verantwortung bewusst und würde für die Frau und das Kind sorgen- und da es sich so gehörte, auch heiraten. Für die Schwiegermutter "in spe" besorgte ER Blumen und fuhr leicht nervös zum Haus von ihr. SIE hatte Angst- gleich einem kleinen Mädchen, was etwas angestellt hatte und war froh, als ER da war. Ihr grosser starker Retter in der Not. Mit rotem gebeugtem Kopf sass SIE in der Küche neben ihm- gegenüber am Esstisch sass ihre Mutter.Natürlich ergriff ER das Wort, schilderte sachlich die Situation und stand gerade für ihr "Verhalten". Jetzt war es endlich raus. Das grösste Problem für ihre Mutter waren die Leute im Dorf- was sollten die denken? Ihre Tochter schwanger, unverheiratet- eine Schande. Böse Vorwürfe wurden laut. Was hat SIE getan? Eine Schande für die Familie. Er solle SIE heiraten- das war das Ultimatum, was von der Mutter gestellt wurde. Für ihn war dies selbstverständlich- gehörte es sich doch so- und eine Familie/LIEBE wollte er ja auch irgendwann- dass die Umstände nun etwas schneller eintrafen, war nicht zu ändern. Es sollte schnellstmöglich das Aufgebot bestellt und geheiratet werden- so war der Plan. Eine kleine schnelle Hochzeit bevor das Kind kam. Doch SIE wollte nicht- auch Jahre später erzählte sie leicht stolz von ihrem Trotz, ihn nicht heiraten zu wollen- irgendwie unverständlich- oder nicht? Wollte SIE sich beweisen, dass SIE schon "gross" ist und es allein mit dem Baby ohne ihn schaffen könnte oder ihn so vor dem "Kuckuckskind" schützen? Warum wehrte SIE sich? Suchte SIE die wahre LIEBE? Dachte SIE an den Schäfer und die Sehnsucht nach ihm hielt SIE ab? SIE hatte ihn gesehen- er war mit den Schafen unterwegs, zog von Weide zu Weide. Es gab einige Quartiere, in denen er sich niederliess- mobile Container- Wagen, in denen er schlief und ab und zu auch Damenbesuch empfing. Oft überlegte SIE, zu ihm zu gehen und ihm von dem ungeborenen- seinem Kind- zu erzählen. Auch hatte ihre Mutter irgendwie ein Gespür, dass etwas nicht so war, wie es schien....es gab Gerüchte im Dorf, dass ihre Tochter etwas mit dem Schäfer hatte- sie wurden wohl gesehen- eine Schande. Das Ganze sollte "sauber" enden- also redete sie bestimmend auf ihre Tochter ein. SIE solle sich nicht so anstellen und froh sein, so einen anständigen und guten Mann bekommen zu können. Ausserdem habe er der Schwiegermutter eine Anstellung in der Küche der Kompanie besorgt- sodass die Familie durch das zusätzliche Einkommen bestens versorgt war- oft brachte sie Reste und auch schwer zugängliche Lebensmittel mit- es ging ihnen für die damaligen Verhältnisse sehr gut. Das begriffen auch ihre Brüder und redeten auf SIE ein- ER sei intelligent, helfe auch gern in der noch bestehenden Werkstatt (schliesslich hatte er eine elektrotechnische Ausbildung und konnte so helfen bei der Reparatur von Maschinen), trank mit ihnen und war bestens integriert. Nur mit seinem Beruf hatten SIE manchmal ein kleines Problem. ER war Soldat und Grenz- Schützer, gegen alles Westliche.... sie hörten in der Werkstatt einen Hamburger Sender, auch hatten sie eine Antenne gebastelt, über welche sie dann das westdeutsche Fernsehen schauen konnten- und sie taten es gern- das war wie Reisen in eine andere Welt... Anfangs stellten Sie noch um, wenn er kam- aus Angst, dass er sie anzeigt- so etwas ging früher schnell und wurde hart bestraft. ER war dann derjenige, welcher das Radio abstellte oder den Sender verstellte- unauffällig...schauten sie fern, ging er zur baldigen Schwiegermutter in die Küche und rauchte. Liess es sich nicht vermeiden und sie sassen alle in der Stube, wendete ER sich dem Fernsehgerät ab. ER war überzeugt, dass dieser westliche Einfluss nicht gut für sie war. Und trotzdem liess ER sie, meldete nichts, versuchte zu ignorieren- denn sie waren ja nun seine Familie.... SIE stellte sich immer noch bockig und quer- wollte nicht heiraten- und doch wusste SIE, dass es so kommen muss. SIE lebte nicht in einem Märchen oder Film, in dem es anders kommt als man denkt- die Realität sah anders aus und wurde durch Ihren Zustand bestimmt. SIE war schwanger- unübersehbar. Die Zeit verging, der Druck wurde grösser- aber SIE blieb weiter stur und so kam es, dass SIE unverheiratet mit einem unehelichen Kind "herumlief"- zum Glück der Mutter- war wenigstens der potenzielle Vater in der Nähe- so sah es nicht ganz so schlimm aus und das Gerede der Leute im Dorf hielt sich in Grenzen....Er diente weiter und war hauptsächlich in der Kaserne. In seiner freien Zeit besuchte er SIE und ihre Familie. Lange dauerte es nicht mehr bis zur Niederkunft- SIE verdrängte das Ganze, wollte es immer noch nicht wahrhaben. Es fiel ihr schwer, sich an den Gedanken zu gewöhnen, dieses Kind zu gebären- und auch zu lieben- ein Bastard- entstanden aus einer dummen Tat- verbaute und bestimmte ihre Zukunft- selbst noch nicht erwachsen- 19Jahre alt- hätte SIE es nur verloren. Es wuchs jedoch weiter in ihrem Leib. So kam es, dass SIE jung Mutter werden sollte. Es war der 30.August 1979- zwei Wochen später gelang zwei Familien aus der DDR- ihrer Heimat- die Flucht mit Hilfe eines selbst gebauten Heissluftballons in die BRD. Er war in der Kaserne unentbehrlich. SIE war, wie die letzten Wochen auch schon, zuhause bei ihrer Mutter- SIE hatte eine Ausbildung im Handel absolviert und dann bei der Konsum- Genossenschaft gearbeitet und war aufgrund vorzeitiger Wehen nicht mehr arbeiten... Jetzt sollte SIE also Mutter werden.

 

Nach langem Zureden der Sanitäter und Druck der Mutter liess SIE sich mitnehmen. Das Krankenhaus befand sich in der nächsten Kreis- Stadt- eine halbe Autostunde entfernt- und nun lag SIE im Krankenwagen- mutterseelenallein mit brennenden Schmerzen und Angst vor dem, was kam. SIE wurde in den Kreisssaal der Poliklinik gebracht- ein grosser Raum- mit Stoff- Paravents in Abteile getrennt- hinter der weissen Gardine lag eine andere Frau- auch am Schreien wegen der Wehen. Es war schon Nacht, da fiel SIE erschöpft in einen leichten Schlaf, denn die nachlassenden Wehen liessen es zu- bis es am nächsten Tag heftiger wurde- SIE wollte nur noch, dass dieses Kind ihren Körper verliess. Die Schmerzen waren unerträglich. Sie war erschöpft und müde. Am Nachmittag war es dann endlich geschafft- SIE befreite sich und die Enttäuschung war gross- auch noch ein Mädchen- hätte SIE ihm nicht wenigstens einen Stammhalter schenken können- ER hatte es sich insgeheim gewünscht und SIE wollte ihm doch etwas Gutes geben- wenn ER SIE schon annahm. Es war ein Mädchen mit langen dunkel behaarten Armen und Beinen, dünn und nicht so, wie SIE sich ein Neugeborenes vorstellte. Auch wenn SIE später davon erzählte, konnte SIE den Ekel nicht verbergen. SIE konnte nur noch weinen- mit diesem Kind sollte SIE nach Hause? Ein hässlicher Bastard. Die Hebamme legte ihr das gewaschene und angezogene Mädchen in die Arme- widerwillig ohne ein warmes liebevolles Gefühl nahm SIE es. Beim Stillen empfand SIE nur Schmerz- keine LIEBE. Das Kind kam 4 Wochen zu früh, also liess man es noch einige Tage im Krankenhaus zur Kontrolle und Erreichung des Normgewichtes. SIE ging wieder nach Haus- es war ihr recht- konnte SIE sich doch nun erholen von dem Schock und ausruhen von der anstrengenden Geburt. SIE pumpte Milch ab- das verlangte man von ihr. Es gab auch Stillgeld- zusätzlich zum Lohn, den SIE weiter bekam. Das Babyjahr wurde vom Staat bezahlt- so war das Ganze ja nicht ganz umsonst. Jeden Tag kam ER und brachte die abgepumpte Milch mit dem Motorrad in die Klinik. ER wollte helfen. Schliesslich konnte ER SIE schon nicht in`s Krankenhaus bringen- bei der Geburt waren Männer damals tabu. ER tat alles für SIE und seine kleine Familie- auch wenn es keinen Jungen gab- so war es eben. Auch war ER immer noch für eine Heirat- SIE wehrte sich weiter- warum solle ER SIE heiraten- Mutter eines Bastards, einem Mädchen. Versagt hat SIE- auf ganzer Ebene- und ihn belogen- daran musste SIE denken, sobald SIE das Kind anschaute. Wenigstens hatten SIE es gut miteinander- sie mochten sich- ob es LIEBE war- sie wussten es nicht. SIE lebte weiter im Haus ihrer Mutter, ER eiferte seiner Offiziers- Karriere nach- wollte er doch Kompanie- Chef werden und das Studium für Militärwissenschaften absolvieren. So war ER wenig bei ihr und die Obhut und Pflege des Babys wurde stark durch ihre Mutter und die Grossmutter übernommen. Ständig war SIE müde, konnte sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, Mutter zu sein. Das Kind schrie viel- es nervte SIE. SIE konnte es nicht trösten oder in den Arm nehmen, empfand keine LIEBE oder Zuneigung. Oft liess SIE es einfach im Kinderwagen oder in der Wiege, die er gebaut hatte, schreien- das gäbe auch eine starke Stimme und belüfte die Lunge- war man damals der Meinung. Ein Jahr war SIE zuhause. Es gab keinen Krippenplatz für dieses Kind, eine Wohnung für Unverheiratete auch nicht. Der Staat war da sehr eigen- gehörten ihm auch alle Wohnungen, die es zu mieten gab. SIE wurde zum Glück wieder schwanger- und nun von ihm- aber jetzt müsse SIE ihn schon heiraten- wurde ihr von allen nahegelegt. ER wünschte es sich auch. Im Mai wurde Hochzeit gefeiert- am Vorabend gab es einen lauten Polterabend- feiern konnte man auf dem Land- da wurde auch nicht gespart. Das ganze Dorf kam und half beim Aufstellen der Festbänke und Tische. Die Frauen des Ortes tranken am Morgen schon Schnaps und banden den Kranz- ein dickes Seil wurde mit Tannengrün und Buchsbaum versehen- das Gebinde wurde um die Eingangstür des Elternhauses der Braut gehängt- am Tag darauf folgte der Polterabend- Porzellan wurde zerschlagen- das sollte Glück bringen- zusammenkehren musste es das Brautpaar danach- auch da gab es viel Alkohol und gutes Essen. Dann die Hochzeit- das ganze Dorf kam in die Kneipe, wo sie sich damals kennen lernten. Es wurde ausgiebig getrunken, getanzt, gegessen und gefeiert- wie es auf dem Land üblich war. Er heiratete SIE in Uniform- das war Vorschrift. Die Tochter war dabei. Seine Schwestern und seine Mutter halfen auch bei den Vorbereitungen und feierten. Es war ein schönes Fest. Auch hatte die Nationale Volksarmee ihren «Auftritt»- 2hohe Offiziere kamen uniformiert und überbrachten ein Geschenk- man musste schliesslich immer und überall präsent sein. Jetzt waren sie verheiratet. Das Kind bekam seinen Nachnamen- er erkannte die Vaterschaft an. Nun waren sie eine richtige Familie und hatten auch Anrecht auf eine Wohnung. Im Oktober wurde dann IHR Kind geboren- so, wie es sich gehörte- ein ehelicher Junge- rund und gesund- ein Prachtkerl- endlich war SIE glücklich. Jetzt hatte SIE ihm seinen Sohn geschenkt- und er war so lieb- schlief von Anfang an durch, machte wenig Arbeit- nicht, wie das Erstgeborene- anstrengend, fordernd. Ein liebenswerter Wonneproppen. Der «Kronsohn»- wie auch ihre Schwiegermutter das Kind betitelte- er bekam immer mehr Aufmerksamkeit- denn das erste war ja ein Schreikind- aber war es nicht nur eines, weil es unliebsam im Wagen lag, ihre Angespanntheit spürte und nur nach LIEBE schrie? Wie bereits erwähnt: Babys müssen schreien, damit sie eine kräftige Lunge bekommen- so wurde es zu dieser Zeit kommuniziert- es war so- auch wurden Kinder frühzeitig in die Krippe gegeben, damit die Frauen wieder in die Produktion des sozialistischen Staates einsteigen konnten. Oft lernten die Kleinkinder in der Krippe sprechen, sassen in Reih und Glied auf dem Topf und mussten «sauber» werden. Doch für die Tochter gab es ja nun zu der Zeit keinen Krippenplatz- eine doppelte Belastung für SIE- hoffnungslos überfordert. Zum Glück war der Sohn so brav und anspruchslos. SIE war viel allein mit den Kindern. Ihre Mutter hatte in der Kompanie, in welcher der Kindsvater zu ihrer Kennenlernzeit diente, durch ihn eine Anstellung in der Küche und konnte nicht mehr so helfen wie am Anfang. Sie war froh über den Zuverdienst und die Familie war ihrem Schwiegersohn dankbar für die Vermittlung. Sie schauten auf ihn auf- er hatte Einfluss und half ihnen. Hatten sie doch keinen Vater mehr und waren auf sich gestellt. Mittlerweile war er in den letzten Zügen der Ausbildung und sie zogen in`s Nachbardorf in ihr erstes gemeinsames Heim-eine 3- Raum- Wohnung mit Ofen- im Winter eiskalt, einfach- aber jetzt waren sie eine richtige Familie mit eigenem Heim- gleich neben seinem neuen Arbeitsort. Im Haus wohnten nur Soldaten der Kaserne mit ihren Familien- man war unter «Kontrolle» und unter sich. Nach der Ausbildung sollte er dort die Kaserne leiten- Kompaniechef werden. SIE war überfordert, gestresst- der Alltag mit zwei Kindern war anstrengend- an den Wochenenden war SIE bei ihrer Mutter. SIE bekam einen Krippenplatz für den Sohn, das Mädchen besuchte den Kindergarten im Dorf. SIE konnte sich den Job nicht aussuchen, musste nehmen, was es im Ort gab- so konnte SIE bei der LPG- der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft- arbeiten. Körperlich anstrengend- Rüben hacken, pflanzen, im Winter Heu umschichten- oft kam SIE spät zurück- die Kinder waren die letzten in der Betreuung- zur Erntezeit musste die Kindergärtnerin länger bleiben, denn das Heu musste gemäht und eingeholt werden, bevor es regnete- das ging vor. SIE nahm die zwei auf`s Fahrrad- mit Einkauf und Heugabel. SIE funktionierte. Machte den Haushalt, pflegte die Kinder, schaufelte Kohlen in den Keller, war oft überfordert. So stark, dass SIE manchmal nicht weiter wusste. So kam es vor, dass die Kinder mit heisser Glut aus dem Ofen spielten- dann kam der Teppichklopfer zum Einsatz- der war ihr Ventil- nicht nur dann- er stand immer hinter dem Ofen und machte immer dieses knirschende Geräusch, wenn er auf dem Hinterteil aufschlug. Sie liess dann all ihre Wut und Verzweiflung über diesen Gegenstand an den Kindern aus. Auch war SIE überfordert mit bestimmten Situationen- es war Elternabend im Kindergarten- sie hatte niemanden, der auf ihre Kinder aufpassen konnte - oder traute SIE sich nicht, die Nachbarn zu fragen? Immer noch selbst ein Kind. ZU schüchtern und feige, Hilfe anzufordern oder auf Menschen zuzugehen. SIE erzählte, den Kindern, SIE müsse kurz arbeiten und komme gleich wieder- das tat SIE immer, wenn SIE nicht weiter wusste. Es war Ihr nicht bewusst, dass dies eine Lüge war.- Es war normal für SIE- log SIE nicht schon seit SIE ihm begegnet war? Ist das Erstgeborene nicht aus einer Lüge entstanden und mit dieser aufgewachsen?- So waren die Kinder verunsichert, als es länger dauerte und sie wollten vor der Tür nach ihr schauen. Doch die war verschlossen. Sie schrien sich die Seele aus dem Leib. Traten und schlugen gegen die Tür. Sie riefen nach ihrer Mutter. Die beunruhigten Nachbarn standen vor der Tür und versuchten, die zwei zu beruhigen, riefen im Kindergarten an. So musste SIE nach Hause und war zornig und enttäuscht, dass die Kinder ungehorsam waren. SIE konnte das einfach nicht verstehen. SIE war halt «einfach»- konnte sich nicht in die Kinder versetzen- SIE war doch selbst noch nicht ganz erwachsen.

---ENDE DER LESEPROBE---