Liebe, Spaß und Luder - - Unbekannte Autoren - E-Book

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Beschreibung

„Hitzige Flammen der Liebe hatte Venus zwischen einem Edelmann und einer Jungfrau angezündet, gleichwohl wußten sie keine sichere Gelegenheit zu finden, daß eines dem andern sein Herz gänzlich offenbaren könne, bis sie einstmals auf einem Tanz sich verabredeten, in einer Stunde miteinander zu schlafen ..."" Das wird allerdings nicht ganz so laufen wie gedacht ... Diese große Sammlung umfasst viele deutsche historische Geschichten rund um Liebe und Lächerliches.

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Seitenzahl: 363

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Liebe, Spaß und Luder: Schwänke-Sammlung

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Aristoteles und Phyllis

Der griechische König Philipp ließ seinen Sohn Alexander durch den weisesten Meister Aristoteles erziehen und gab beiden mit ihrem Gesinde ein besonderes Haus mit einem schönen Garten. Die hoffnungsvolle Zucht und Lehre wurde aber durch die Minne unterbrochen, in welcher der junge, feurige Alexander gegen die schöne Phyllis, ein Fräulein seiner Mutter, entbrannte. Die Schöne erwiderte seine Liebe, und bald vereinigte beide der heimliche Garten. Als Aristoteles dies entdeckte, klagte er es dem Könige, der dem Fräulein mit Strafe drohte. Diese beteuerte ihre Unschuld, welche die Königin bezeugte. Die beiden Geliebten wurden aber scharf beobachtet und auseinandergehalten. Alexander saß brummend in der Schule; und die leidvolle Phyllis sann auf Rache. Sie schmückte sich aufs reizendste und ging frühmorgens mit nackten, schneeweißen Füßen im Garten durch den Tau, zum rieselnden Brunnen, Blumen und Blüten sammelnd, und dabei ihr luftiges Gewand bis übers Knie aufhebend. Der weise Greis erblickte sie durch das Fenster und ließ sich durch die Liebreizende betören, die ihm eine Handvoll Blumen ins Fenster warf und ihn minniglich grüßte. Er lud sie zu sich herein und bot ihr, die sich kosend zu ihm setzte, zwanzig Mark für eine Nacht. Sie versagte ihr Magdtum für Geld, wollte jedoch seinen Willen tun, wenn er sich einen Sattel, der dort hing, auflegen, mit ihrem Gürtel sich aufzäumen und so von ihr durch den Garten reiten ließe. Der weltweise Aristoteles war nicht stärker als Adam, Samson, David und Salomo; er ließ sich von der Minne reiten. Die Reizende saß auf ihm, mit einem Rosenzweig in der Hand, und sang ein Minnelied, während der alte Graue auf allen vieren durch den Garten trabte. Als sie am Ziele war, sprang sie fröhlich ab, schalt den alten Gauch, daß er ihr Ehre und Liebe genommen, verhöhnte ihn, daß seine hundert Jahre nun wieder zu sieben geworden, und wünschte ihn zum Teufel. Die Königin hatte mit ihren Fräulein von der Zinne des Palastes alles gesehen. So ward die große Schmach bald dem Könige und dem ganzen Hofe kund und erscholl überall, so daß der weise Meister, dem Schimpf und Spotte zu entfliehen, nach einer Woche mit seinen Büchern und aller Habe heimlich zu Schiffe ging und nach einer Insel Galicia fuhr. Dort schrieb er ein großes Buch von den Listen der schönen, falschen Weiber. Nichts vermag dagegen zu helfen, als ferne von ihnen bleiben.

Auf Treu und Glauben beischlafen

Hitzige Flammen der Liebe hatte Venus zwischen einem Edelmann und einer Jungfrau angezündet, gleichwohl wußten sie keine sichere Gelegenheit zu finden, daß eines dem andern sein Herz gänzlich offenbaren könne, bis sie einstmals auf einem Tanz sich verabredeten, in einer Stunde miteinander zu schlafen. Keines vergaß die benannte Zeit, sondern erst fügte sich der Edelmann, danach die Jungfrau heimlich in eine Kammer, und sie legten sich zusammen in ein Bett. Es hat sich wohl nie ein Paar freundlicher umfangen, geherzt, geküßt und inbrünstige Liebe geschworen als die beiden. Da aber der Edelmann ihr weiter als in den Busen greifen wollte, strafte sie ihn mit ernsten Worten und sagte, daß ihm dies nicht vergönnet würde, bis auf eine Zeit, da sie ihm sein eigen sei und es in Ehren zugehen würde. Jetzund sollte er es damit genügen lassen, sie nur über dem Gürtel zu betasten. Ein Spielmann aber, den jedermann seiner Kurzweiligkeit halber bei sich haben wollte, hatte sich eine Zeit zuvor in dieser Kammer unter einem Bett verborgen, auf daß ihn niemand finde, damit er eher am Abend, wenn alle Menschen trunken waren, desto besser Geld zuwege bringen möchte. Er sah und hörte diese Worte der beiden und sagte: »Jungherr, seid Ihr nicht ein Geck, spannt Ihr den Gürtel unter die Knie!« Da sie beide da an den Reden den Narren erkannten, sprangen sie zur Kammer hinaus. Und damit der Spielmann sie nicht verriete, schenkte ihm der Jungherr etliche Taler und die Jungfrau ein Hemd mit einem goldenen Kragen.

Bruder Rausch

Im Kloster Eßrom bei Helsingör auf Seeland hausten einst gar fromme Mönche vom Orden des heiligen Bernhardus. Die hielten streng an ihrer Regel, fasteten sich fast mager, lobten Gott den Herrn Tag und Nacht und hielten sich fern von aller weltlichen Hoffart. Das sah der Teufel Rausch, als er eines Tages in der Gegend schweifte, und ärgerte sich darob dermaßen, daß er beschloß, dem frommen Wesen, wo möglich, ein Ende zu machen. Also nahm er die Gestalt eines jungen Mannes an, trat vor das Kloster und begehrte Einlaß. Der Abt kam vor die Pforte, empfing ihn wohl und fragte: »Woher, junger Gesell? Was ist dein Begehr? Hast du Botschaft auszurichten, so sprich unverhohlen.« Da antwortete Rausch demütiglich: »Herr, ich bin ein armer Küchenknecht; auf meine Verschwiegenheit könnt Ihr zählen in allen Dingen; und, wollt Ihr mich anstellen, so will ich Euch treulich dienen.« Der Bursche gefiel dem frommen Abt und erhielt darum guten Bescheid: »Du kommst gerade recht, weil uns ein Küchenjunge fehlt. Willst du dem Koch gehorsamen Dienst tun, so mag dir wohl in kurzem noch bessere Anstellung werden.« Dafür bedankte sich Rausch ehrerbietig, eilte alsbald zum Meister Koch und empfahl sich fleißig in seine Gunst. Von da an hatte das Kloster den Teufel zum Küchenjungen, und der säumte nicht lang, seine Schalkheit zu erweisen. – Nach fünf Tagen traf der Abt seinen neuen Küchenjungen, wie er eben behaglich in der Asche lag, und hub an: »Sag mir, junger Gesell, welches ist dein Name?« Er sprach: »Ich heiße Rausch und bin gar fern von hier zu Haus.« Der Abt fuhr fort: »Rausch, gib mir Bericht, verstehst du auch Hunde zu koppeln?« Rausch lächelte: »Warum nicht? Noch Besseres als dies versteh ich aus dem Grunde: Männer und Weiber zu koppeln, darinnen bin ich Meister. Wenn's sein müßte, führt' ich Euch das schönste Weib oder Mägdelein des Nachts in Eure Zelle, und des Morgens wieder heraus – kein Mäuschen im Kloster sollt' es merken.« Dem Abte fing es an warm zu werden; er sah sich vorsichtig um, ob kein Lauscher in der Nähe sei, und flüsterte dann: »Rauschchen, lieber Knecht, ist's möglich, kannst du mir ein Weib kuppeln?« – »Ganz unbeschrien, ganz meisterlich«, nickte dieser; »nennt mir nur des Fräuleins Namen, und es soll bald genug Euer sein.« – »So höre!« sprach der Abt: »Im nahen Dorf, dort an jener Ecke, wohnt ein hübsches Fräulein. Dem sollst du melden, daß ich dich zu ihr sende. Stillet sie mein Gelüste, dann sollst du guten Lohn empfangen.« Da versprach Rausch: »Den Abend noch soll die Frau Euch zu Gebote stehen.« Hierauf machte sich Rausch wieder an seinen Küchendienst, wusch die Schüsseln und tat mehr dergleichen, was ihm der Koch befohlen hatte, wobei er über weitere Teufeleien nachsann. Des Abends ging er ins Dorf zu obbemeldetem Fräulein, welches ihn bestens empfing. Rausch sprach: »Seid gegrüßt, holdeste der Frauen. Mein Herr sendet mich, Euch zu sagen, daß er vor Liebe zu Euch den bittern Tod leiden müsse, so Ihr Euch seiner Liebespein nicht erbarmet.« – »Ei behüte!« rief das gutherzige Fräulein; »meinethalben zu sterben, das wär' doch jammerschade um solchen milden Herrn. Ich will ihm alle Freundschaft gerne leisten.« – »So kommt«, sprach Rausch, »kommt mit mir ins Kloster zu meinem Herrn Abt.« Also bracht' er das Fräulein unbeschrien in des Abtes Zelle, wo sie viellieblich empfangen ward. Des Morgens aber bei Tagesanbruch praktizierte Rausch das Weiblein wieder nach Haus, ohne daß der Ehemann das geringste merken möchte. Dafür hatten die Mönche was gewittert. Es ging im Kloster das Gerücht, Rausch sei ein so verschmitzter Junge, daß er Gelegenheit finde, einem jeden, den das Zölibat allzu sehr drücke – nun ja, man braucht das Kind nicht immer bei seinem Namen zu nennen. Item, die Mönche hielten bei ihrem Küchenjungen an, bis alle samt und sonders versehen waren, wie der Herr Abt, und man von Kloster Eßrom sagen konnte, der Teufel habe wenigstens dort das Zölibat geholt. Freilich, wenn die Mönche gewußt hätten, daß ihre armen Seelen gefährdet seien, sie hätten den verführerischen Höllenfuchs nicht so liebgehabt. Kyrie eleison!

Carolus Magnus

Als der große Kaiser Karl zu einer Zeit während des Winters in Friaul lag und sah, daß seine fränkischen Junker ausländische, zarte Kleider von den venedischen Kaufleuten für großes Geld gekauft hatten, Kleider von Samt und köstlichem Pelzwerk, da befahl er ihnen unversehens, als Regenwetter war, ohne Verzug, so gut gekleidet und geschmückt, wie sie waren, mit ihm auf die Jagd zu reiten. Da machten die Pelzjunker ihre zarten Kleider vom Regen wohl sehr naß und zerrissen sie, als sie durch die Hecken und Büsche redlich durchgezogen wurden. Wie er nun heimgekommen ist, mußten sie so naß und besudelt, wie sie waren, absitzen und auf den Saal mit zu Tische gehen. Weil es aber kalt war, hat jedermann zunächst bei dem Feuer und am Kamin sitzen wollen, und der Kaiser hat sie die ganze Nacht aufgehalten und danach ihnen befohlen, am nächsten Morgen in derselben Kleidung wieder vor ihn zu kommen. Da hat man dann gesehen, wie die Kleider zerrissen und zum Teil von der Feuchtigkeit und vom Feuer zusammengeschrumpft waren. Dagegen hat er ihnen seinen groben Wolfspelz gezeigt, der noch ganz und an der Luft getrocknet war, und hat sie so um solcher weibischen Verzärtelung willen gestraft.

Das Arzthonorar

Ein altes Weib, das ein Augenleiden hatte, lud einen Arzt zu sich, damit er sie heile; als er kam, fand er bei ihr vielen Hausrat. Davon stahl er jedesmal, wann er Arzeneien brachte, bis das Haus leer war. Als aber die Alte genesen war und ihr Haus leer fand, weigerte sie sich, dem Arzte seinen Lohn zu geben. Er zog sie vor Gericht, und dort sagte sie, er habe sie nicht völlig geheilt, denn sie sehe jetzt weniger als früher; früher hatte sie nämlich in ihrem Hause viel Gerät gesehn, jetzt sah sie nichts mehr.

Das Bettlertestament

Vor nicht gar langen Zeiten zogen die armen Leute landaus, landein und nährten sich vom Bettel; in unseren Tagen muß jede Gemeinde ihre Armen selbst ernähren. Und dieses ist auch recht, wenn's nur geschieht. Jene Bettlerfamilien hatten nun zwar weder Haus noch Gut, und von den Kindern hat's wohl geheißen: Der ist in Staufen geboren, und die in Vils, und das im Kempter Wald. Aber zu Haus waren sie überall in der Welt, und sie kriegten in der ganzen Christenheit zu Salz noch Schmalz, zu Brot noch Mehl; und sie mochten Tafel halten im grünen Waldrevier und unter dem blauen Himmelszelt; und Fürsten waren nicht reicher als sie. Das bewies denn auch die Bettelmutter, des Zundlers Weib, von deren Testament die Sage geht. Als sie in Todesnöten lag, ließ sie noch ihre acht Kinder zu sich kommen, um ihnen ihre letzte Willensmeinung zu sagen. Und sie sprach: »Seid friedlich und einig und störet einander nicht in eurem Gewerbe.« Darauf, als ob sie, wie eine Herzogin, Land und Leute vergeben und verteilen könnte, fuhr sie fort: »Du, Toni, ziehst durchs Konstanzer Tal; du, Käther, gehst ins Walsertal; du, Jörg, bleibst im Hindelanger Tal.« Und so wies sie den folgenden jedem sein Teil an; dem vierten das Rettenberger Tal, dem fünften das Oberndorfer Tal, dem sechsten den Bregenzer Wald, dem siebenten das Lechtal, dem achten den Schüttentobel. Dann, nach geschehener Austeilung, ließ sie sich von jedem die Hand reichen, zur Gewähr, daß sie ihr Testament ehren und erfüllen wollen, und verschied, in der ruhigen Überzeugung, daß ihre Kinder alle versorgt seien und ihr Geschlecht fortblühen werde bis auf ewige Zeiten.

Das geheimnisvolle Bild

Vor etlichen Jahren kam ein reicher Herr und Edelmann nach Augsburg zu einem Maler. Er hatte sich ein hölzernes Täflein machen lassen bei einem Schreiner, das brachte er dem Maler und sprach: »Mein lieber Meister, ich will, daß Ihr mir auf dieses Täfelein ein schönes Bettstättlein malt.« Der Maler sprach: »Jawohl, Herr.« Und als das gemalt war auf den andern Tag, kam der Herr wieder und sah das Bettstättlein, das gefiel ihm wohl, und er sprach: »Meister, jetzt malt mir ein schönes seiden Bett darein und darauf ein schönes Fräulein.« Der Maler machte es auch. Als der Herr des andern Tags kam und fand, wie er es bestellt hatte, und als er das sah, da gefiel es ihm von Herzen wohl, und er sprach, er solle es ihm auf das allerschönste machen, er wolle es ihm auch zahlen nach seinem Willen, und solle ihm unten auf das Bettstättlein ein fein zinnernes Brunzkächelein [*] malen, und alles nur auf das allerschönste. Der Maler tat es, und machte es auf das allerfleißigste. Und auf den fünften Tag, als alles trocken und fertig war, da kam der gute Herr wieder und fand alles, wie er es hatte gewünscht, das Bettstättlein mit einem schönen, seidenen Bett, darauf ein über die Maßen schönes, nacktes Fräulein, die war noch mit Farben gar schön und lieblich gemalt, und unten, unter dem Bettlein, ein feines Brunzkächelein. Als er dies alles gesehen hatte, sprach der Maler: »Herr, gefällt es Euch?« – »Ja«, sprach der Herr, »jetzt tut ein Ding und übermalet es mir über und über mit einem feinen, grünen Vorhang.« – »Ei, Potz Marter, Herr«, sprach der Maler, »das schickt sich nicht! Kaufet ein grünes, seidenes Tüchlein und hängt es darüber, so könnt Ihr es hinwegtun, wann Ihr wollt.« Der Herr sprach: »Meister, hört Ihr nicht, was ich Euch sage? Macht es mir also! Ich will Euch Eure Arbeit wohl bezahlen. Wenn nur ich weiß, was darunter ist, es darf sonst niemand es wissen.« Da mußte ihm der Maler also einen grünen Vorhang über das Bett und das schöne Fräulein malen, weil der Edelmann dabeistund. Und das tat der Maler und ließ es sich zahlen, und er gab dem Narren oder Herren das Täfelein. Gott gebe, wohin der damit gegangen ist.

Das Geschenk

Herr Marquart von Ems, Ritter, lud eines Tages den Bürgermeister von Lindau in sein Schloß Ems, und als sie gegessen hatten, führte der Ritter den Gast in dem Schloß umher, das Schloß zu besichtigen. Sie kamen in eine Kammer, wo allerlei Messer und Schwerter hingen. Der Ritter aber, damit er sich dem Gast freundlich erzeige, hieß ihn da aussuchen, welches Messer er möchte. Anfangs weigerte sich der Gast, da ihm dies nicht zustehe. Der Ritter ließ aber nicht nach mit Bitten, so lange, bis der Gast ein Messer erwählte, das sehr edel gearbeitet war. Da sprach der Ritter: »Dem ist recht. Das Messer sei Euch, doch mit dem Unterschied, daß es trotzdem gar an dieser Stelle hängenbleibt, und wer in künftiger Zeit herkommt, dem will ich sagen, das Messer gehöre dem Bürgermeister von Lindau.«

Das Gleichnis von der Nuß

Ein katholischer Pfaff verglich beim Predigen die drei Religionen mit einer grünen Haselnuß, zog dieselbige auf der Kanzel aus dem Sack und zeigte sie dem Volk mit dieser Auslegung: »Seht, ihr Geliebten in dem Herrn, diese Haselnuß begreift drei Stücke in sich, die sehr wohl mit den drei Religionen können verglichen werden. Das erste Stück ist diese grüne Schale«, damit brach er sie von der Nuß ab, »die ist zu nichts nutz, und das ist die Calvinische Religion, die ist auch zu nichts nutz. Das andere Stück ist die andere Schale, die ist noch etwas nützlicher, denn die alten Weiber wickeln noch Garn darauf, und das ist die Lutherische Religion, die ist noch in etwas besser als die Calvinische. Das dritte Stück aber, und zwar das allerbeste, das ist der zuckersüße Kern, den kann jedermann genießen, und das ist die unsere wahre, katholische Religion.« Hiermit biß er die Nuß auf und wollte den Kern vor dem Volk zeigen und aufessen. Allein sie war zu allem Unglück ganz bös, und es war ein Wurm darin, so daß er anstatt des zuckersüßen Kerns was anderes ins Maul kriegte und wieder ausspeien mußte. Doch wußte er dem Ding (weil das Volk so heftig lachte) bald wieder zu helfen und legte also aus: Der Wurm nämlich wäre der Teufel, der pflegte auch bisweilen in ihrer katholischen Religion und Religionsgenossen also zu wüten, gleich wie der Wurm in dieser Nuß getan.

Das große Geheimnis

Ein anderes Exempel von einem Edelmann, der seine Frau versuchte. Als diese jung und über seinen Willen noch nicht wohl unterrichtet war, sprach er zu ihr: »Meine liebe Hausfrau, ich will Euch eine gar große Heimlichkeit sagen, so sehr, daß Ihr keinem anderen etwas davon sagen dürft. Ich habe zwei Eier gelegt.« Sie glaubte ihm und versprach, sie wolle es wohl verschweigen. Nun war es spät, so daß sie nicht mehr zu ihrer Gevatterin, um mit ihr zu reden, gehen konnte. Aber gleich am nächsten Morgen ging sie zu ihr und sprach: »Oh, meine liebe Gevatterin, ich sagte Euch gern ein großes Geheimnis, wenn Ihr solches keinem anderen sagen wolltet.« Die versprach ihr, dies zu tun. Da sagte sie: »Oh, herzliebe Gevatterin, ist es nicht ein Wunder, mein Mann hat drei Eier gelegt.« »Heilige Maria«, sprach die andere, »wie mag das sein. Das ist ein großes Ding.« Als sie nun auseinandergingen, konnte die, der das Geheimnis erzählt worden war, sich nicht enthalten. Sie sagte es einer anderen und sprach: »Ein gewisser Edelmann hat vier Eier gelegt.« Diese sagte es gleich einer anderen und daß es der Eier fünf wären. Das Geheimnis wurde immer offenbarer, daß aus den zwei Eiern fünf wurden, und das ganze Land wurde mit solcher Rede erfüllt. Viele Leute erzählten es dem Edelmann wieder. Da berief er seine Frau und viele seiner Freunde und sprach zu seinem Weib: »Frau, Ihr habt mein Geheimnis gar wohl verschwiegen, daß ich Euch gesagt habe, wie ich zwei Eier gelegt hätte, denn, Gott sei gelobt, die Zahl ist inzwischen ganz außerordentlich gewachsen, und es sind fünf daraus geworden. Daran merke ich, daß mein Geheimnis bei Euch wohl verborgen ist.« Und er erschrak die Frau so und machte sie so schamhaft, daß sie ihm keine Antwort geben konnte. Deshalb soll keine fromme Frau die Geheimnisse ihres Mannes irgend jemand entdecken.

Das Heilmittel

Ein Falbel ward von einer Jungfrau übertölpelt, daß er sie haben mußte. Als sie nun ein Tag oder acht beieinander gewohnt, kam ihre Mutter, fragte sie, wie sie im neuen Hauswesen lebe, warum sie so traurig wäre, ob ihr ihr Mann nichts täte. »Nein«, antwortete die junge Ehefrau, »er wendet mir nur den Hintern zu, sobald er ins Bett kommt.« – »Da laß mich sorgen«, sagte die Alte. Sie unterrichtete die Tochter, wie sie sich zu verhalten habe. Die stellte sich folgenden Morgens sehr krank. Die Alte kam sie besuchen, schickte den Ölgötzen mit dem Harn zum Doktor, welchen sie auch schon verständigt hatte. Der schilderte ihm die Krankheit schwer und sagte, wenn man ihr nicht helfe, wäre sein Weib des Todes. Als nun der Falbel Remedia [*] begehrte, sagte ihm der Doktor, wie er sie natürlicherweise besteigen müsse. Der Falbel ging geschwind hin und verhielt sich also, daß die Frau wieder gesund wurde. Wer war froher denn er! Er lud seine Freunde alle zusammen, daß sie seine Freude teilten. Doch war diese seine Freude nicht ohne Leid, denn am Tisch fing der Falbel an zu weinen und sagte, es bekümmere ihn sehr, wenn er daran denke, daß er dies heilsame Mittel nicht eher gewußt; hätte er es auch an seinen lieben Eltern gebraucht, er wüßte, sie lebten noch.

Das Heufuder

Dei Buer kern eins mit 'n grot Föder Heu ut dei Wisch. Ein Auto führte Ummer hinner em her un tut'te un tut'te; hei wull em giern vörbie.

Dei Knecht, dei wull em Platz maken, un donn schmeet dat ganze Föder Heu üm. Un donn wir dei Weg versperrt, un dat Auto künn nich vörbie.

Dei Autofohrer steeg ut dat Auto ruut un keek den Knecht an, un dei Knecht, dei wir von dat Pierd runstägen un keek den Autofohrer an.

Dei Autofohrer säd: »Nu mak man Platz, dat ick vörbiekam!«

»Ja«, säd dei Knecht, »dat is all so leicht nich, denn dat Heu möt all ierst wedder uplad't warden.«

Dei Autokierl füng an to schimpen: »Du infamtige Schlüngel, denn gah doch hen un segg den Buern Bescheid!«

»Oh«, säd dei Knecht, »dei Buer weit all lang Bescheid, dei liggt ja hier ünner dat Heu!«

Das kluge Urteil

Vor der Königin aus Frankreich beklagte sich eine junge Tochter, daß ein Gesell ihr das Magdtum ganz gegen ihren Willen genommen hätte. Die Königin sprach: »Warum hast du dich nicht gewehrt?« Die Tochter sprach: »Er drängte mich so, daß ich mich seiner nicht erwehren konnte.« Indem hieß die Königin ein Schwert bringen, nahm die Scheide, gab dem Mädchen das Schwert und hieß sie das Schwert in die Scheide stoßen. Das konnte die Metze nicht, weil die Königin immer hin und her mit der Scheide wich, so daß sie das Loch nicht treffen konnte. Da sprach die gute Tochter: »Gnädige Frau, ich kann's nicht einstecken.« Die Königin sprach: »Hättest du dich also gewehrt, so hättest du deine Jungfrauschaft noch.«

Das Martinsfest

Ein reicher Bauer feierte die Martinsnacht mit seinem Gesinde über die Maßen; sie tranken so viel guten Weines, daß alle von Sinnen kamen. Das gewahrten schlaue Diebe, brachen ein Loch in seinen Rinderstall, und der Verwegenste schlüpfte hinein. Da fingen aber zween Hofwarte grimmig an zu bellen, daß der Wirt es hörte; er nahm ein Licht und ging zum Stalle. Der Dieb konnte nicht entrinnen, warf rasch sein Gewand ab, so daß er nackt dastand. Als der Wirt eintrat, machte er über ihn und seine Kinder, desgleichen über jedes Rind mehr als zwanzigmal das Kreuz und murmelte dazu wie einen Segen. Er winkte dann den Wirt näher, sagte ihm, er sei St. Martin und segne sein Gut, zur Vergeltung des Weines, welchen er am Martinsfeste gespendet habe. Zugleich habe er seine Rinder gegen eindringende Diebe behütet und wolle fürder all seine Habe bewahren, drum möge der Wirt getrost sein Fest fortsetzen. Der Wirt weinte vor Freude, pries sich glücklich, daß St. Martin ihn so gewürdigt habe, löschte das Licht und ging wieder ins Haus. Hier verkündigte er die Erscheinung des Heiligen und forderte alle auf, zu Ehren desselben fürder zu trinken. Er würde selbst seinen Hühnern Wein schenken, wenn sie ihn tränken. Sein Weib mußte einen alten Käse auftragen, damit der Wein desto besser schmeckte; und man trank auf sein und seines Weibes Leibes- und Seelenheil, und vor allem zu St. Martins Minne, so viel, bis alle sinnlos dalagen. Unterdessen trieb der Dieb alle Ochsen und manche Kühe hinweg.

Als der Wirt seinen Rausch ausgeschlafen hatte und am Morgen in den Stall ging, fand er ihn leer und klagte seinem Gesinde, daß St. Martin alle Rinder genommen habe, dem er nun keinen Becher mehr schenken wolle. Er heulte und alle seine Kinder mit ihm. Sein Weib aber schalt ihn selber ein Rind, daß er den heiligen Martin gesehen zu haben wähnte. So hatte er Schaden und Schande, beklagte jedoch mehr jenen als diese.

Das mißverstandene Heilmittel

Einer brachte dem Doktor das Wasser. Als er solches besehen, schrieb er dem Patienten ein Rezept, gab's ihm und sprach, dies solle er dreimal drei Tage nacheinander einnehmen, so werde es besser um ihn werden. Der Patient ging mit dem Rezept nach Haus, zerriß es in drei Stücklein, nahm jeden Morgen ein solches Stücklein Papier ein, und der Lapp wurde endlich gesund. – Des Patienten Vertrauen und Gunst stärkt des Arztes Rezept und Kunst.

Das Ostergelächter zu Herrenzimmern

Den nachfolgenden Ostertag predigte er nicht im Schloß zu Zimmern, sondern in Anbetracht, daß der Graf damals nicht zu Hause war, predigte er den Bauern im Dorf Herrenzimmern. Nun hatte er die Nacht ein Osterspiel bei den Bauern aufgeführt und den Salvator zur Mitternacht aufgehoben und auf den Altar gestellt. Deshalb, als er am Ostertag heftig gegen die Juden predigte, daß sie die Auferstehung nicht glauben wollten, sprach er: »Christus ist wahrhaftig erstanden wie ein wahrhaftiger Gott, und da steht er« – damit zeigte er mit der Hand auf das Bild, das auf dem Altar stand – »so frei als ein Aff.« Es wollten sich die Bauern fast krank lachen. In summa, wie der Pastor und Hirt, so waren auch seine Schafe im Dorf, die er weiden sollte.

Das Versprechen

Es war ein großes Ungewitter auf dem Meer, so daß jedermann Gott und seine Heiligen anrief, damit sie nicht verdürben. Da war auch ein Abenteurer auf dem Schiff, der schrie zu dem heiligen St. Nikolaus: »O heiliger Herr St. Nikolaus, hilf uns, ich will dir eine Kerze opfern, so groß, wie mein Schenkel ist.« Das Meer hörte nicht auf zu wüten, da sprach er: »Hilf uns, heiliger Nikolaus, ich will dir eine Kerze geben, die so schwer ist, wie ich selbst bin.« Aber es half nichts. Da sprach er: »Hilf uns, St. Nikolaus, ich will dir eine Kerze schenken, die so groß ist wie der Mastbaum auf dem Schiff.« Die ehrbaren Leute auf dem Schiff sprachen zu ihm: »Du bist ein Narr, woher wolltest du so viel Wachs nehmen, und wenn du es schon bekämest, womit möchtest du es bezahlen?« Er sprach: »Ihr seid Narren, sobald ich einen Fuß auf dem trockenen Land hätte, würde ich ihm nicht mehr als eine Kerze geben, mit der man schlafen geht.«

Das warme Almosen

Ein Mann war so karg, daß er sogar vor seinem Weibe alles verschloß und den Schlüssel stets bei sich trug, auch wenn er nicht daheim war. Er zählte die Käse und wußte jedes Ei, das ihm gelegt ward; sein Weib aber hatte kaum zu essen. Eines Tages war er nach der Mühle gefahren und sie allein zu Hause, da trat ein armer Mann herein und bat sie um Gottes willen, ihm etwas zu geben. Sie klagte ihm ihre eigene Not und daß ihr, wie gern sie gäbe, ihr Mann alles versperrte; wolle er jedoch ihre Minne, so gebe sie sie ihm um Gottes willen. Der Arme hielt es für Spott, sie aber führte ihn zu einem Bett und gab ihm ihr Almosen sowohl anstatt des Fleisches als des Brotes. Der Arme ließ es sich Wohlgefallen und rühmte, daß er nimmer ein besser Almosen empfangen habe, und St. Michael und das heilige Grab möchten es ihr lohnen. Damit ging er hinweg, gerade als der Mann heimkam. Dieser hörte vor der Tür die Danksagung, eilte hinein und fragte seine Frau, was sie dem Armen gegeben habe. Sie leugnete jede Gabe, weil er ihr ja nichts dazu gelassen habe. Er aber ergriff ein Scheit und schlug sie, bis sie weinend gestand, daß sie das zum Seelenheil nötige Almosen, in Ermangelung anderer Mittel, durch ihre Minne gegeben habe. Da verwünschte der Mann seine Kargheit, die ihn so teuer zu stehen gekommen war, übergab der Frau die Schlüssel und ließ sie von nun an über alles im Hause schalten und walten, verbot ihr aber bei ihrer Ehre, fürder ein solches Almosen zu geben. Der Dichter meint jedoch, es wäre immer noch ein großes Almosen, wenn es minniglich um Gottes willen gegeben würde.

Das wüste Wetter

»'s isch e gruusig wüescht Wädder druße; me sott by dem Wädder kai Hund nußjage«, sagte der Mann in der warmen Stube im Gefühl seiner Geborgenheit. Da klopft es an die Türe, und ein Vetter bittet dringend um die Anwesenheit des Mannes in seinem Haus, das am andern Ende des Dorfes lag. Da meinte der zärtliche Ehegatte, der vorhin wegen des Wetters keinen Hund hinausgejagt hätte: »Frau, gang du!«

Der abgeschlagene Pelz

Seine Mätresse, die er im Sauerbrunnen karessiert, des jungen Simplici Mutter, bettelte bei ihm um einen Pelz, den er ihr kaufen sollte. Weil er aber ihrer müd war und nichts mehr zu spendieren gedachte, sagte er: »Ach Schatz, was wird er mir für eine Freude geben, Ihr werdet ihn ja allzeit ausziehen, wenn Ihr Euch bei mir befindet.« – »Ei«, sagte sie, »ich kann ihn jawohl anbehalten.« – »Nein«, antwortete Simplicius, »Ihr wißt, daß ich Euch allzeit am allerliebsten nackend gehabt habe.«

Der abnehmende Wein

Ein Philosoph hatte sein Faß Wein versiegelt. Als aber sein Famulus das Faß von unten her angestochen hatte, verwunderte er sich, daß der Wein, gleichwohl das Siegel unversehrt, täglich abnehme. Da ihm aber einer sagte, er solle sehen, ob nicht etwa unten am Faß ein Betrug begangen worden wäre, antwortete er ihm, er wäre ein Narr, der Wein mangelte nicht unten, sondern oben.

Der Alte Fritz

De Aolle Fritz wull nao Biäckem henkuemen. Äs de Börgermester dat häört, röpp he sinen ganzen Stadtraot bineen, un nu beraott se, weck den Aollen Fritz dat Jätten updriägen sali. Nu will kin Mensk dat daohn; se wüssen alle nich, wu se dat maken sollen. Sließlick sech de Börgermester: »Dann will ick de Supp updriägen, un ji gaoht ächter de Düör staohn un kiekt, wu ick dat mak, un dann makt ji dat akraot so!«

De Aolle Fritz sitt middags bi'n Disk, dao kümp de Börgermester ganz maß met de Supp harin. Nu har de Künink son klein Rüeken bi sick, dat löpp den Börgermester för de Been gerade, wu he de Supp henstellen will, un dao fällt he üöwer dat Rüeken, dat de Supp up'n Disk flüch.

Äs de annern dat seiht, meint de, dat möß so sien, un dao kuemt se haranlaupen un knallt dat ganze Jätten up'n Disk.

Von de Tiet an hat de Aolle Fritz sick nich mähr in Biäckem seihen laoten.

Der Ärzte Freiheit

Keinerlei Volk auf Erden hat so große Freiheit als die Doktores medicinae, die Ärzte, Barbiere und Bader. Denn obwohl sie schon oftmals durch ihre ungereimte Arznei manchen Menschen töten, raffen sie dadurch Geld zusammen, wobei andere Totschläger an Leib und Seele hart bestraft würden. Daraus ein Sprichwort, daß ein neuer Arzt einen neuen Kirchhof haben muß, bei uns Deutschen entstanden ist. Oder, wie etliche sagen: Ein neuer Arzt muß zwei Kirchhöfe haben, den einen für die, denen er nicht hat helfen können und die deshalb sterben, den andern aber für die, die er durch zu starke und der Kranken Natur widerwärtige Purgierungen und anderes tötet. Auf solche Weise fragte einst ein Fürst einen Medikus, der sich bei ihm für den geschicktesten und in allen Stücken der Arznei trefflichsten Doktor ausgab und versprach, indem er hoffte, bei ihm in den Dienst aufgenommen zu werden. »Ich bin von meinen Eltern unterrichtet, ich solle keinen Arzt annehmen oder zu mir lassen, der nicht zuvor wenigstens dreißig Menschen umgebracht hätte.« Hierauf antwortete der Doktor: »Wenn dem so ist, gnädiger Herr, so bin ich eben derselben einer, zu welchem Euch Eure Vorfahren geraten haben. Denn an der Zahl fehlt nicht weit, dieweil ich vor kurzem ihrer neunundzwanzig zum Kirchhof befördert habe.« Als dies der Fürst verstanden hatte, sprach er: »Oho, kannst du solche Kunst, so bist du keineswegs mein Diener! Pack dich nur von mir, es müßte sonst große Gefahr bestehen, daß ich bald der dreißigste wäre!«

Der Auftrag

Der Herr von Rappoltstein hatte einen welschen Knecht, dem gab er einen Habicht. Er sollte ihn dem Herrn von Muntheiß bringen und anzeigen, daß der Herr von Rappoltstein ihm den geschenkt hätte. Der Geck nahm den Habicht, und in der ersten Herberge vergaß er den Handschuh. Wie er aber den Vogel auf der bloßen Hand tragen wollte, schlug der ihm die Klauen in die Hand. Das mochte er nicht erleiden, drehte ihm den Hals um und schlug ihn über die Achsel und zog zu dem Herrn von Muntheiß und sagte: »Gnädiger Herr von Muntheiß, mein gnädiger Herr von Rappelsteiß schickt Euch diesen Habeis.« Der Herr von Muntheiß sah wohl, daß der Habicht tot war, fragte ihn, wie das zugegangen sei, daß der Vogel tot wäre. »Ja«, sagte der Welsche, »gnädiger Herr, er hat mir gemack Kratzel mir auf mein Finger. Ich hab ihm gemack Krag ab.« – »Daß dich die Pest ankomme!« sagte der Herr von Muntheiß und befahl, man sollte ihn vier Tage in den Turm legen. Danach schickte er ihn wieder heim. Der Herr von Rappoltstein fragte ihn, was der Herr von Muntheiß zu dem Vogel gesagt hätte. Der Welsche sagte: »Gnädiger Herr von Rappelsteiß, es hat mir gemack der Habeis Kratzel mir auf mein Finger, ich hab ihm gemack Krag ab und dem Herrn von Muntheiß brockt.« Der Herr fragte: »Ist der Vogel tot gewesen?« – »Ja, gnädiger Herr von Rappelsteiß.« Da sprach der Herr: »Des müßte dich die Beul und Pestilenz ankommen! Was hat der Herr von Muntheiß dazu gesagt?« – »Gnädiger Herr, er hat mich geleck in finstern Lock wohl vier Tag aneinander.« Der Herr lachte des Narren, ließ ihn zwei Tage in den Turm legen und schickte dem Herrn von Muntheiß einen andern Vogel mit einem andern Diener.

Der Bart

Die Appenzeller haben einst einen Gesandten gen Baden auf den Tag geschickt, der hatte keinen Bart, aber gleichwohl seine Gesandtschaft mit gutem Lob verrichtet. Als etliche sprachen, sie hätten gemeint, man würde ihnen denn doch auch einen schicken, der einen Bart hätte, hat er geantwortet: »Wenn meine Herren gewüßt hätten und gemeint, daß etwas am Bart gelegen wäre, sie hätten eine Geiß abgeschickt.«

Der Bauer und der Bischof

Es ritt ein Bischof einmal über ein Feld mit vierzig Pferden und mit seinem Gefolge. Da ließ ein Bauer den Pflug stehen und sah dem Gefolge zu und hatte das Maul offen und die Arme in die Seiten gestellt. Der Bischof, der sah es, ritt zu ihm und sprach: »Meier, was denkst du, daß du also uns zuschaust?« Der Bauer sprach: »Herr, ich habe gedacht, ob der heilige Martin auch so mit einem reisigen Gefolge geritten sei, der auch ein Bischof war.« Der Bischof wurde rot im Antlitz, schämte sich und sprach: »Ich bin nicht allein ein Bischof, ich bin auch ein weltlicher Fürst. Jetzt bin ich ein Fürst. Willst du aber den Bischof sehen, so komm auf den Tag in die Kirche, dann werde ich das Hochamt halten.« Der Bauer fing an zu lachen, bis er sich schüttelte. Der Herr fragte ihn, weshalb er lache. Der Bauer sprach: »Herr, da lache ich, da Gott vor sei, denn wenn der Teufel den Fürsten zuletzt nimmt, was tut denn der Bischof dazu?« Da ging der Bischof davon, denn er hatte keine Antwort gewußt.

Der beflissene Diener

Ein Herr hatte einen Diener, dem gab er schöne, kristalline Gläser zu waschen; der Diener zerbrach eins. Als er nun mit einem in das Gemach kam, sagte der Herr: »Wie hast du das gemacht?« Der Diener ließ das andere auch fallen und sagte: »Herr, so hab ich's gemacht!« Da ward von den andern gelacht. – Wer mit Gecken zu tun hat, der muß mit ihnen nicht gecken, sonst kriegt er Gecken-Bescheid oder -Lohn.

Der betrogene Seiler

Es war auf eine Zeit ein guter, frommer Mann, ein Seiler, der hatte ein Weib von kleinem Witz und die ihre Treue nicht hielt, sondern sie ward durch eine falsche Kupplerin mit einer kleinen Gabe verkuppelt an einen Mönch, der ein Prior und ein rechter unkeuscher Mann war. Dieselbe kleine Gabe hatte sie zu diesen Werken verursacht, darum sprach der weise Mann: »Welche Frau nimmt, die verkauft.« Also fügte sich eines Nachts, daß derselbe Prior bei ihr gelegen war, und als er wieder aus dem Haus gehen wollte, begann das Feuer im Haus zu leuchten, also daß ihn der Seiler hinausgehen sah aus der Kammer. Da sprach er zu seiner Frau, er hätte Leute gesehen. Darüber ward sie sehr zornig und sprach, es sei der Teufel gewesen. Da begann der gute Mann zu trauern und leidig zu sein. Die Frau, die da voller Bosheit war, ging hin zu ihrer Kupplerin, die besonders viel Falschheit wußte. Als sie nun sah, daß der Seiler daranging, Seile zu machen, kam sie zu ihm mit einer Kunkel und begann, schwarze Wolle zu spinnen. Sie hatte aber noch eine andere Kunkel bei sich mit weißer Wolle. Da sprach der Seiler zu ihr: »Gevatterin, mich bedünkt, Ihr spinnt schwarze Wolle.« »Nein«, sprach sie, »fürwahr, das tu ich nicht.« Nach einer Weile ging sie von ihm.

Da nahm sie die andere Kunkel und kam wieder. Das sah nun der Seiler und sagte: »Gevatterin, wie ist das? Habt Ihr jetzt weiße Wolle?« »Hei«, sagte sie, »Gevatter, wie ist Euch denn. So sieht es nicht aus. Ich glaube, Ihr seid etwas betäubt. Ihr könnt nicht Tag und Nacht unterscheiden und Ihr sehet, was nicht da ist, Ihr habt zuviel Verdacht.« Der gute Mann glaubte ihren Worten und meinte, sie spreche die Wahrheit. Und er hob an und sprach: »Gevatterin, ich habe heute nacht, wie ich glaube, etwas aus unserer Kammer sehen gehen.« »Oh, du mein lieber Gevatter«, sprach das alte Weib, »das ist genauso wie der Tag und die Nacht.« Also verkehrte sie ihm die Dinge und beruhigte den guten Mann mit ihrer Falschheit. Danach unlang begab es sich, daß der Seiler auf einen Markt gehen wollte, drei Meilen entfernt. Und er wollte einen Sack, der unter seinem Bette lag, mitnehmen. Er griff aber statt dessen des Priors Hose und nahm die anstelle seines Sackes und legte sie unter seinen Sattel. Als er nun auf den Markt kam und seinen Sack hervortun wollte, merkte er, daß er eine Hose in der Hand hatte, und er ward sehr böse. Da nun der Mönch seine Hose nehmen wollte, konnte er nichts anderes als den Sack finden. Da merkte die Frau wohl, daß der Mann die Hose hinweggetan hatte. Darüber erschrak sie sehr, ging dann zu ihrer Kupplerin und erzählte ihr die Dinge und bat sie um Gottes willen, daß sie überlegen möchte, wie man dem Zorn ihres Mannes zuvorkommen könnte. Da sagte das alte Weib: »Nehmt eine Hose, so will ich auch eine nehmen, und ich will zu ihm sagen, daß wir Hosen tragen.« Also taten sie. Da nun der gute Mann zornig und leidig wieder heimgekommen war, ging das alte Weib zu ihm und fragte ihn, in welcher Stimmung er wäre und was er täte. »Denn mich bedünkt«, sprach sie, »Euch ist etwas Mißliches widerfahren, und Ihr habt etwas von Eurem Eigentum verloren.« »Nein, fürwahr«, sprach der Seiler, »ich hab andere Gedanken.« Aber sie drang so in ihn, daß er ihr sagte, wie er die Hose gefunden hatte. Da hob sie innerlich an zu lachen und sprach: »He, mein lieber Gevatter, ich sehe wohl, daß Ihr auf dem falschen Wege seid. Denn Ihr könnt mir glauben, es gibt in dieser Stadt keine frommere Frau, die sich gegenüber ihrem Mann reiner hält als Eure. Denn sie, ich und andere fromme Frauen in dieser Stadt haben angefangen, Hosen zu tragen, um uns vor den Buben, die die Frauen reizen und mit Gewalt bedrängen, zu behüten. Und daß Ihr wisset, daß es wahr sei, so sehet hier die meine.« Damit hob sie ihre Kleider auf, ihm die Hose zu zeigen. Als er dies sah, glaubte er ihr, und man betrog ihn also zum zweiten Male.

Der Bettler als Pfand

Wie die Stadt Paris groß ist, also ist auch die Betrügerei groß darin. Viele Lakaien mieteten einstmals eine Kutsche mit sechs Pferden, fingen einen Bettelmann auf, dem taten sie schöne Kleider an, der mußte ihr Herr sein, zogen also in einem vornehmen Gasthof ein und gaben vor, er wäre ein deutscher Fürst. Der Fürst aber mußte nicht von der Stube kommen, denn einer von ihnen hielt die Schildwache vor der Tür. Die anderen waren in der Stadt bekannt, liefen der eine hier, der andere dort zu Goldschmieden, Kaufleuten und dergleichen; holten kostbare Waren ein, indem sie vorgaben, der Fürst wolle alles kaufen und bezahlen. Die Kaufleute wollten gern Geld lösen und trauten den Worten. Wie sie nun ein ziemliches Gut zusammen hatten, gaben sie dem Wirt zu verstehen, der Fürst wolle morgen früh auf eine Meile oder zwei ausfahren, er solle gegen morgen mittag nicht anrichten lassen, bis abends; der Wirt ließ sich auch betrügen. Des Morgens früh, da der Fürst noch im Bett lag, nahmen sie ihm die Kleider weg, ließen anspannen und fuhren davon. Denselben Tag blieb es still; den andern Tag wollte der Wirt sehen, ob sie auf der Stube nichts liegen gelassen, ging hinein und auch in die Kammer, fand in der Stube nichts, das fremden Leuten zustünde, in der Kammer aber fand er den Fürsten im Hemd liegen. Die Kaufleute kamen auch, wollten bezahlt sein. Der Fürst stand auf, hatte weder Hosen noch Wams anzuziehen; klagte, wie er zu dieser Fürstl. Dignität gekommen. Damit aber konnte keiner bezahlt werden; einer ward noch mehr als der andere unwillig. Sie hoben Knüttel auf und jagten den Fürsten im Hemd zum Haus hinaus.

Der Beweis

Der alte »Häberle-Muurer« von Wolfenweiler war nicht auf den Kopf gefallen und wußte stets zu rechter Zeit das rechte Wort. Einmal waren seine Maurergesellen bei einem Hausbau in dem benachbarten Scherzingen beschäftigt. Da sahen dieselben in einem nahen Garten schöne, saftige Rettiche, nach denen sie gelüstete, und waren so frei, dieselben ohne Erlaubnis des Besitzers zu holen und z' Nüüne zu verspeisen. Sie hatten aber das Kraut und die Schwänze der Rettiche im Garten abgeschnitten und liegen lassen. Die Sache kam zur Anzeige beim Bürgermeisteramt Scherzingen, und der für den Diebstahl der Gesellen verantwortliche Maurermeister wurde vorgeladen. Der Bürgermeister erhob die Anklage und sagte: »Ihr werdet's nit bstrytte, daß Euri Gselle die Schelme gsi sinn; denn me hett's gseh, wie si's Chrutt un d' Schwänz im Garte abgschnitte henn.« Darauf entgegnete der alte, verschmitzte Häberle-Muurer: »Ebedrum mueß i 's bstrytte, daß 's myni Lütt gsi sinn; myni Lütt sinn lutter ehrlichi Lütt, un wenn si d' Rettich gstohle hätte, no hätte si die Rettich mitsamt 'm Chrutt un de Schwänz gstohle. Do kenn i my Lütt besser; die lon nüt lige!«

Der billige Einkauf

Eben dergleichen hat sich zu Deventer zugetragen, als ich noch ein kleiner Knabe war. Es war zu der Zeit, da die Fischer regieren und die Fleischer kalten Markt halten. Da stand einer vor einer dicken Obstfrau Fenster, der sah unverwandten Gesichts auf das, was sie feil hatte. Die Frau bat ihn, ihrer Gewohnheit nach, herzutreten und forderte ihn auf zu kaufen, wenn er etwas haben wolle, und weil sie gesehen hatte, daß er die Feigen immerzu angesehen, hat sie gesagt: »Willst du von den Feigen? Sie sind sehr schön.« Als er nun ja gesagt, fragte sie ihn, wieviel Pfund er deren haben wolle. »Willst du«, sagte sie, »fünf Pfund?« Er sagte: »Ja.« Darauf schüttete sie ihm so viel Feigen in den Mantel. Indem nun das Weib ihre Waage wieder hineinlegte, entwischte dieser, und zwar nicht mit Laufen, sondern fein gemächlich. Als nun das Weib wieder herfürkam und das Geld empfangen wollte, da sieht sie ihren Käufer davongehen. Sie folgte ihm nach, und zwar mit großem Geschrei und mit Laufen. Dieser tat, als höre er nichts, und ging seines Weges fort. Endlich, da auf des Weibes Geschrei ein großer Zulauf kam, stand er still. Und als nun mitten unter dem Volke darüber geredet wurde, erhob sich schließlich ein Gelächter. Der Käufer wollte nicht gestehen, daß er etwas gekauft hätte, sondern er sagte, er habe genommen, was ihm freiwillig gegeben worden wäre. Wolle sie ihn bei den Gerichten verklagen, so wolle er allda erscheinen.

Der fahrende Schüler