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Diese Bergroman-Serie stillt die Sehnsucht des modernen Stadtbewohners nach einer Welt voller Liebe und Gefühle, nach Heimat und natürlichem Leben in einer verzaubernden Gebirgswelt. Auf sehr spezielle, romantische Weise findet Toni, der Hüttenwirt seine große Liebe in einer bezaubernden Frau, die aus einer völlig anderen Umgebung stammt als der markante Mann der Berge. Sie lernt durch ihn Schönheit und Idylle seiner Heimat kennen und lieben. Gemeinsam eröffnen die beiden allen Besuchern die Werte und Besonderheiten ihres Lebens auf der Alm. Romantik, Beschaulichkeit, dramatische Spannung und feinsinnige Gespräche: Das ist die Welt von Toni, dem Hüttenwirt, der sich niemand entziehen kann. Eric hatte seinen Wanderrucksack geschultert. So stand er in der großen Wohnküche der Englers und strahlte. »Pfüat di!«, rief er laut. »Wir wünschen dir einen besonders schönen Tag«, sagte Katja. Martin und Walli schlossen sich an. »Grüße Toni und Anna auf der Berghütte, wenn ihr dort vorbeikommt!« »Das mache ich. Ich weiß aber nicht, welche Route sich Susis Eltern ausgedacht haben«, antwortete Eric. Er ging hinaus, schwang sich auf sein Fahrrad und radelte davon. Walli lächelte zufrieden. »Mei, wie sich der Bub in den zwei Wochen verändert hat, seit er wieder spricht!« Katja schenkte frischen Kaffee ein. »Es kommt mir immer noch wie ein Wunder vor«, sagte Katja. »Nicht nur dir«, sagte Martin. »Als Arzt sage ich, dass es Heilungen gibt, die einem Wunder gleichkommen.
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Eric hatte seinen Wanderrucksack geschultert. So stand er in der großen Wohnküche der Englers und strahlte.
»Pfüat di!«, rief er laut.
»Wir wünschen dir einen besonders schönen Tag«, sagte Katja.
Martin und Walli schlossen sich an.
»Grüße Toni und Anna auf der Berghütte, wenn ihr dort vorbeikommt!«
»Das mache ich. Ich weiß aber nicht, welche Route sich Susis Eltern ausgedacht haben«, antwortete Eric.
Er ging hinaus, schwang sich auf sein Fahrrad und radelte davon.
Walli lächelte zufrieden.
»Mei, wie sich der Bub in den zwei Wochen verändert hat, seit er wieder spricht!«
Katja schenkte frischen Kaffee ein.
»Es kommt mir immer noch wie ein Wunder vor«, sagte Katja.
»Nicht nur dir«, sagte Martin. »Als Arzt sage ich, dass es Heilungen gibt, die einem Wunder gleichkommen. Ich will euch etwas gestehen. Die Hoffnung, dass Eric eines Tages wieder spricht, hatte ich nie ganz aufgegeben. Obwohl ein solches Trauma sich mit aller Kunst der Medizin nicht heilen lässt. Ich freue mich, dass das Wunder so schnell geschah. Seine Stimmbänder und die Kehlkopfmuskulatur haben sich wieder gekräftigt. Ich bin sehr froh, dass er keine Therapie braucht, ich meine Logopädie und andere.«
»Die ersten Tage hat er ziemlich gekrächzt«, sagte Walli. »Ich hielt innerlich die Luft an, wenn er mehrmals ansetzte, um zu sprechen.«
»Da ging es dir nicht nur allein so, Walli«, bemerkte Martin. »Aber jetzt entwickelt sich alles prächtig. Die kleine Susi sagte neulich zu mir, sie sei dafür gern hingefallen. Sie habe noch einige Tage Schmerzen im Knie gehabt. Aber dass Eric wieder spricht, dafür nehme sie es gern in Kauf. Ja, dafür wäre sie sogar mit einem Gipsverband herumgehumpelt.«
»Das Madl bringt es auf den Punkt«, schmunzelte Walli. »Das hört sich an wie eine Liebeserklärung. Susi muss Eric sehr zugetan sein.«
»So sehe ich das auch, Walli«, sagte Martin.
»Aber das beruht auf Gegenseitigkeit«, sagte Katja. »Bei Erwachsenen nennt man das Liebe auf den ersten Blick. Eric war wohl nicht nur voller Mitleid für Susi nach ihrem Sturz. Sein Herz war voller Sorge um sie. Er musste dich fragen, ob Susis Verletzung schlimm sei. Da brach es aus ihm hervor. So gesehen war Susi die beste Therapie, die ihm passieren konnte. Die beiden verstehen sich gut. Einer hilft dem anderen. Susi hat die Angst vor Zahlen verloren. Kopfrechnen macht ihr keine Mühe mehr, und sie lässt sich gern abfragen. Ich habe gestern Susis Mutter getroffen, als ich einkaufen war. Sie freut sich über die Freundschaft der Kinder.«
Martin nickte.
»Susis Großmutter geht es wieder besser. Ich muss keine Hausbesuche mehr bei ihr machen. Als ich das letzte Mal bei ihr war, brachte sie mich zum Auto. Sie wollte mir unbedingt erzählen, dass Eric sich mehrmals schützend vor Susi gestellt habe.«
»Das musst du mir näher erklären«, sagte Katja.
»Bisher hatten die Großeltern mit Susi gelernt. Das heißt, sie haben mehr geschimpft als Geduld aufgebracht. Sie waren mit der Aufgabe überfordert. Susi hatte nur noch Angst, Fehler zu machen. Statt besser zu werden, wurde sie immer schlechter. Eric hat das mitbekommen und den Alten eine Standpauke gehalten. Sie würden Susi nur Angst machen und wenn man Angst habe, sei das Gehirn blockiert.«
Alle brachen in lautes Lachen aus.
»Außerdem werde er jetzt mit Susi lernen, und sie sollten still sein.«
»Auweia, das haben sich die alten Kornmayers sagen lassen?«, fragte Walli.
»Es blieb ihnen nichts anderes übrig«, sagte Martin. »Sie waren völlig baff. Außerdem ließ Eric nicht eher locker, bis sie versprachen, mehr Geduld mit Susi zu haben. Jedenfalls soll Susi jetzt sehr gut rechnen können. Er habe sogar Aufgaben mit ihr durchgenommen, die erst im nächsten Schuljahr auf dem Stundenplan stehen.«
»Die beiden scheinen sich sehr eng angefreundet zu haben«, sagte Walli.
»Oh ja, das haben sie. Ich habe nichts dagegen. Allerdings würde ich mir wünschen, dass Eric sich noch jemand sucht, der in seinem Alter ist oder älter«, sagte Martin. »Ich hoffe und denke, nach den Sommerferien wird sich das automatisch finden. Er wird es nicht leicht haben mit den großen Buben, jetzt da er wieder spricht. Sie sind zwei Jahre älter als er, weil er zwei Schuljahre übersprungen hat. Eric kann es von der Intelligenz her und seinen Kenntnissen spielend mit ihnen aufnehmen. Er ist in jeder Hinsicht weiter als die Schüler und Schülerinnen in seiner Klasse. Ich bin gespannt, wie sich das entwickelt.«
»Ich bin auch gespannt, Martin«, sagte Katja. »Oberin Justina und die Lehrer werden ein Auge auf Eric haben. Dazu kommt, dass er dann im Internat lebt und dort unter Aufsicht ist. Aber jetzt sollten wir uns keine Gedanken machen. Vielleicht ist alles ganz einfach. Eric ist als Einzelkind aufgewachsen. Wahrscheinlich hätte er gern jüngere Geschwister gehabt, um die er sich kümmern könnte. Diese Lücke scheint jetzt Susi Kornmayer auszufüllen.«
Martin rieb sich das Kinn. Er dachte einen Augenblick nach.
»Katja, das ist gut möglich. Aber wir können nur raten, was in ihm vorgeht. Er erzählt nichts aus der Zeit vor dem Unfall, der ihm seine Eltern genommen hat. Über seine Eltern spricht er nicht. Er tut so, als habe sein Leben begonnen, als er als Ferienkind zu uns kam.«
Katja berührte zärtlich Martins Arm.
»Irgendwann wird er darüber sprechen, Martin. Ich bin so glücklich, dass Eric überhaupt wieder spricht. Außerdem trauert er um seine Eltern. Wir müssen ihm Zeit lassen.«
»Ja, du hast recht, Katja. Außerdem haben wir uns geeinigt, dass wir Eric nicht ausfragen und ihn nicht bedrängen. Aber es fällt mir schwer.«
»Uns allen fällt es schwer, Martin. Vielleicht kann er sich nur an wenig erinnern. Möglicherweise hat das Trauma ihm für eine Weile nicht nur die Sprache genommen, sondern auch die Erinnerung.«
»Du meinst, Eric könnte unter einer Amnesie leiden?«
»Du bist der Arzt. Du kannst das besser beurteilen.«
»Das ist ein guter Gesichtspunkt, Katja«, murmelte Martin. »Er muss ja nicht alles vergessen haben. Vielleicht kann er sich nur an Bruchstücke erinnern. So etwas gibt es auch. In der wissenschaftlichen Literatur steht auch, dass sich in manchen Fällen das Gedächtnis Stück für Stück wieder zusammenfügt.«
»Wir machen einfach so weiter und gehen mit ihm um, als hätten wir keine Fragen. Als wäre er ein ganz normales Ferienkind, über das wir wissen, was wir wissen müssen«, sagte Walli. »Wir freuen uns, dass Eric wieder spricht und hoffen, dass sein Gedächtnis wiederkommt, sollte er es tatsächlich verloren haben. Die andere Möglichkeit ist, dass er nicht darüber sprechen will, weil es ihm noch zu sehr wehtut. Denk bitte daran, Katja, wie er reagierte, als du ihm nahelegtest, unsere schöne Barockkirche zu besuchen!«
»Er bekam einen heftigen Weinkrampf«, sagte Katja leise. »Er hadert mit dem Herrgott. Wir müssen ihm Zeit lassen.«
Martin seufzte.
»Walli, es ist richtig, was du sagst. Aber es ist schwer, Geduld aufzubringen.«
»Was sagst du denn da? Du bist doch sonst so ein geduldiger Mensch.«
»Wenn du das so siehst, freue ich mich. Aber mit Eric ist es etwas anderes. Ich mag ihn. Er ist ein tapferer kleiner Bursche. Ich möchte, dass er glücklich ist. Wenn wir mehr über die Zeit vor dem Unfall wüssten, könnten wir mehr für ihn tun.«
Katja streichelte Martins Wange.
»Da bin ich ganz deiner Meinung. Doch ich stimme Walli zu. Wir müssen Geduld mit Eric haben. Vor allem sollten wir dankbar sein, dass er wieder spricht. Es war ein Wunder. Ich bin sicher, dass die Engel vom Engelssteig ihre Finger drin hatten, Martin.«
Martin grinste über das ganze Gesicht.
»Nun ja, du hattest ja auch sämtliche Kerzen vor ihrem Altar angezündet. Das muss sie aufgeschreckt haben. Sie mussten verhindern, dass ein Brand die Kirche in Schutt und Asche legt.«
Katja wurde rot.
»Die Vertäfelung des Altars hat keinen Schaden genommen. Ich werde noch einmal mit Pfarrer Zandler sprechen und mich entschuldigen. Aber ich konnte mich nicht bremsen. Der gute Pfarrer Zandler bekam einen großen Schrecken, als er es hörte. Ich wollte meinem Gebet nur den nötigen Nachdruck verleihen. Ich dachte nur an Eric und dass ihm geholfen werden müsse.«
»Ich weiß. Mach dir keine Gedanken! Pfarrer Zandler hat dir längst verziehen«, sagte Martin tröstend. »Mir kommt gerade ein Einfall. Wir besuchen ihn mal abends, wenn Eric schläft. Wir spenden zwei ganz große Kerzen für den Altar und bitten ihn, eine Messe zu lesen, als Dankeschön dafür, dass Eric wieder spricht. Was hältst du davon?«
»Das ist eine sehr gute Idee, Martin«, antwortete Katja. »Bei der Gelegenheit können wir mit ihm besprechen, was wir tun können, damit Eric dem Herrgott nicht mehr grollt.«
Walli schüttelte den Kopf und sagte:
»Darauf wird Pfarrer Zandler auch keine Antwort haben. Und mit Eric darüber zu sprechen, halte ich für keine gute Idee. Außerdem würde das gegen euren Vorsatz verstoßen, Geduld aufzubringen. Eric weiß, dass ihr am Sonntag die zweite Messe besucht und ich in die Frühmesse gehe. Wenn er es wollte, könnte er mit euch gehen. Er tut es aber nicht. Er macht lieber einen Spaziergang mit mir und Coco durch die Felder.«
»Wie immer hast du wieder einmal recht, Walli«, sagte Martin. »Es wäre nur schön, wenn Eric uns begleiten würde, wenn Zandler die Messe hält.«
»Ja, das wäre es«, sagte Walli.
Sie behielt für sich, dass sie in ihrem Herzen noch eine ganz andere Hoffnung hegte. Wenn sie sich erfüllen würde, dann würde es Eric leichter fallen, die Kirche zu betreten. Doch auch dafür musste sie Geduld aufbringen. Sie wollte darüber schweigen, weil sie den Plänen des Himmels ihren Lauf lassen musste. Doch es verging kein Tag, an dem sie nicht daran dachte. Bisher entwickelte sich alles zu ihrer Zufriedenheit.
Walli trank ihren Kaffee aus.
»So, meine Lieben, genug geredet! Ich will in den Garten.«
»Walli, ich komme mit. Ich denke, wir bekommen genug Beeren zusammen, um mehrere Dutzend Einmachgläser zu füllen«, sagte Katja.
»Das stimmt«, sagte Walli. »Ich dachte, die Hälfte machen wir ein, und von der anderen Hälfte kochen wir Marmelade.«
»Oh! Ihr wollt einmachen, da gehe ich lieber aus dem Weg«, platzte Martin heraus. »Ich fahre mit Coco zum Bergsee. Außerdem habe ich Lorenz Hofer versprochen. wieder mal bei ihm im Forsthaus vorbeizuschauen. Wir haben uns lange nicht gesehen.«
»Dann wünsche ich dir einen schönen Tag. Es gibt Eintopf von gestern. Du kannst zum Essen kommen, wann immer du willst«, sagte Katja. »Dann wärme ich dir etwas auf.«
»Ich denke, ich werde lieber im Forsthaus essen. Die Hofers werden mich bestimmt einladen«, antwortete Martin.
Er griff nach der Hundeleine. Coco sprang aus ihrem Korb und rannte hinaus. Martin setzte seinen Hut auf. Er gab Katja einen Kuss auf die Wange und ging.
»Katja, ich habe den Eindruck, Martin ist ruhiger geworden, seit Eric hier ist. Er nimmt sich mehr frei, wenn Sascha die Sprechstunden hält.«
»Das stimmt, und darüber bin ich sehr froh. Als er Sascha mit in die Praxis nahm, dachte ich, unser Leben wird ruhiger. Okay, etwas ruhiger ist es geworden, aber nicht so, wie ich es mir gedacht habe. Dass Sascha die Hälfte des nächtlichen Bereitschaftsdienstes übernimmt, ist wirklich eine Erleichterung. Aber ansonsten hat Martin nicht wirklich losgelassen. Aber du hast recht, seit Eric hier ist, macht Martin an den Tagen wirklich frei, wenn er frei hat.«
»Das ist mir auch schon aufgefallen, Katja. Er übt mit Eric an der Kletterwand an der Schule. Außerdem bittet er Sascha, die Nachmittagssprechstunden an den Tagen zu übernehmen, wenn die Jugendfußballmannschaft trainiert. Er geht mit Eric hin, und sie schauen zu. Bisher hat Eric noch nicht den Wunsch geäußert, in die Jugendmannschaft einzutreten. Nun ja, vielleicht entschließt er sich später dazu. Außerdem muss nicht jeder Bub aktiv Fußball spielen. Eric interessiert sich mehr fürs Klettern. Ich finde es auf jeden Fall gut, dass Martin ihm so viel Zeit widmet. Meistens gehen sie anschließend ins Café Jacob und essen Eis. Und …«, fügte sie schmunzelnd hinzu, »… Susi ist immer dabei.«
»Ich weiß. Es ist sicherlich nicht Martins Absicht, dass Susi jedes Mal mitkommt. Aber die Kinder kleben aneinander, Walli. Ich bin froh, dass Eric Anschluss gefunden hat. Wenn erst die Schule wieder beginnt, werden andere Freunde dazukommen. Dessen bin ich sicher. Außerdem wird er während der Woche im Internat sein. Oberin Justina sagte einmal, für viele Schülerinnen und Schüler sei das Internat so etwas wie eine große Familie. Für Eric könnte es zur Familie werden«, sagte Katja.
Ihre Stimme klang anders als sonst. Das fiel Walli sofort auf.
Sie legte die Stirn in Falten und sah Katja an.
»Das klingt so, als wärst du eifersüchtig, Katja.«
Katja errötete. Sie war verlegen.
»Walli, dir kann ich es anvertrauen. Aber bitte lass dir Martin gegenüber nichts anmerken!«
»Ich werde schweigen wie das Grab. Außerdem musst du nichts sagen. Ich rate. Du überlegst, ob es überhaupt notwendig ist, dass Eric im Internat unterkommt. Du hättest keine Einwände, wenn er hierbleiben würde. Stimmt es?«
»So in der Richtung. Wie denkst du darüber?«
Walli schwieg einen Augenblick.
»Katja, ich finde es gut, wenn Eric mehr unter Kinder kommt. Er muss sein Zimmer hier nicht aufgeben. Er kann die Wochenenden kommen oder auch mal während der Woche hier übernachten. Das wird sich alles einspielen. Außerdem sollte der Wunsch von Eric kommen. Wenn er sich wünscht, dauerhaft hierbleiben zu dürfen, dann wird er etwas sagen. Es muss von ihm ausgehen.«
»Ja, es sollte von ihm ausgehen, Walli. Da stimme ich dir zu«, sagte Katja leise.
Sie räumten gemeinsam den Tisch ab. Anschließend richteten sie die Gerätschaften, die sie zum Einkochen brauchten. Dann gingen sie in den Garten und ernteten die reifen Beeren von den Sträuchern.
*
Pfarrer Zandler und seine Haushälterin Helene Träutlein aßen während der Woche meistens zusammen in der Küche des Pfarrhauses. Nur wenn der Geistliche jemanden zum Mittagessen eingeladen hatte, blieb sie allein in der Küche. Es gab einen herzhaften Gemüseeintopf mit Rindfleisch als Hauptgericht. Danach tischte Träutlein Apfelstrudel mit Schlag auf. Sie tranken Kaffee dazu.
»Du bist so still, Träutlein«, bemerkte Pfarrer Zandler.
»Das sagen Sie, nicht ich! Ich bin nicht still.«
»Das stimmt nicht. Sonst erzählst du mir immer die Neuigkeiten, die dir beim Einkaufen zugetragen wurden. Warst du heute nicht einkaufen, oder gab es nichts Neues? Was ich mir allerdings nicht vorstellen kann. Veronika Boller hat doch immer etwas auf den Lippen.«
»Ich bin heute nicht bei den Bollers einkaufen gewesen. Ich war nur in der Metzgerei und habe das Rindfleisch und die Markknochen abgeholt. Aber um auf die Geschwätzigkeit zurückzukommen: Sie sind viel stiller und das nicht erst seit heute. Das geht schon einige Tage so. Sie laufen mit Denkerfalten auf der Stirn herum. Ich kenne Sie gut. So sind Sie nur, wenn Sie über etwas brüten. Es muss etwas sein, was unter das Beichtgeheimnis fällt, das Ihnen so zu schaffen macht.«
