Liebesgeschichten mit Kriminalfall - Alfred Gujer - E-Book

Liebesgeschichten mit Kriminalfall E-Book

Alfred Gujer

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Beschreibung

Toni ist Tierwärter im Zoo. Brigitte betrügt ihn, das weiß er. Als aber plötzlich die Polizei vor seiner Haustür steht, wendet sich das Blatt. Lukas und seine Verlobte Marianne werden im Wald zum ersten Mal intim. Danach trennen sich ihre Wege. Am nächsten Tag wird Lukas festgenommen und für Mord zu lebenslanger Haft verurteilt. Wird er seine Unschuld beweisen können? Fritz hat sich wieder einmal mit Isabelle, seiner Frau, gestritten und ist deshalb für einige Tage weggefahren. Als er im Wald spazieren geht, sieht er, wie eine Frau von einem Mann überwältigt wird und reagiert instinktiv. Fritz und die verletzte Finja verstecken sich in seinem Hotelzimmer und kommen sich immer näher. Drei Morde, drei Täter, drei Geschichten. Können sich Toni, Lukas und Fritz aus ihren Situationen befreien?

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2023 novum publishing

ISBN Printausgabe: 978-3-99146-075-6

ISBN e-book: 978-3-99146-076-3

Lektorat: Theresia Riegler

Umschlagfotos: Helena Bilkova, Vladimir Ovchinnikov, Tomas Nevesely, Asawin Kanakasai, Eugenesergeev | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

www.novumverlag.com

Tierwärter in Nöten, 1973

»So eine verdammte Scheiße!! Die glaubenwohl, sie können mit mir machen, was sie wollen, nur, weil ich nichtviel sage!!«

Wutentbrannt trat der damals fünfunddreißig-jährige Tierwärter Toni Brunnerin die Stube seiner Wohnung und warf den Rucksack in die Ecke, dass es schepperte.

»Vati, dasdarf man nicht tun!«, schimpfte Gabi, seine jüngere Tochter,mit mahnend erhobenem Zeigefinger.

Im selben Moment trat die ältere Tochter Karin aus dem Kinderzimmer.

»Vati, du wirst gleich noch wütender werden, wenn du weißt,wo die Mutter ist«, begrüßte sie ihn.

»Ich kann es mir denken«,knurrte Toni und knirschte mit den Zähnen. Eine steile Zornesfalte bildetesich auf seiner Stirn.

Aus der Küche trat eine junge hübsche Frau mitdunklem, gewelltem Haar. Sie war schlank, trug einen grauen Minirock und einen blauen Pullover, darüber hatte sie eine weiße Schürze umgebunden.Überrascht hob Toni die Augenbrauen.

»Du hier?«, fragte er.

»Karin hatangerufen«, antwortete die junge Frau und küsste den Vater zärtlichauf den Mund.

»Wie gesagt, Karin hat angerufen und mich gebeten zukommen. Ihr hättet fast nichts mehr zu essen im Kühlschrank und dieMutter sei nicht da. Also bin ich gekommen. Wir haben zusammen eingekauft und gekocht.«

Toni atmete tief durch und biss sich auf die Lippen. Die Frauen setztensich in der Küche an den gedeckten Tisch. Er füllte dierotgeblümten Teller mit Spaghetti, reichte Tomatensauce und Reibkäse, dann setzte auch er sich.

»Was ist im Zoo passiert, dass du so wütend bist?«,fragte die junge Frau gespannt.

Nachdenklich drehte Toni seine Spaghetti auf derGabel, schaute seine Töchter und die junge Frau an.

»Die Eisbärenanlage im Zoo istfür drei erwachsene Tiere einfach zu klein. Ursprünglich wurde sieals Freigehege für zwei Löwen gebaut. Aber das neue Raubtierhausnebenan ist so groß, dass es dieses kleine Freigehege nicht mehrbrauchte. Kurzerhand wurde es mit Eisbären besetzt, ohne dabei zu bedenken,dass Eisbären doppelt so groß werden wie Löwen.«

Toni schob sich die Gabel mit Spaghetti in den Mund und kaute genüsslich.

»Erzähl weiter«, bat Gabi.

»Die Eisbären streiten viel auf demkleinen Raum. ›Gib ihnen etwas zum Spielen‹, hat mein Kollege vom Raubtierhausgesagt. Auch die Besucher murrten: ›Wieso streiten diese Bären immer?‹ Erst getraute ichmich überhaupt nicht. Dann aber ging ich in den Wald undholte große starke Äste, die verkeilte ich während der Reinigungdes Freigeheges zwischen den Felsen und spießte Fleisch, Fisch und Brotauf. So, dass sie sich beim Fressen anstrengen mussten. Und siehe da, sie wurden zusehend ruhiger.«

»Das hastdu gut gemacht, Vati«, bestätigte Karin.

»Der Zoochauffeur kam dann zumir. ›Wenn du willst, bringe ich dir eine Ladungvoll Äste‹, obwohl mir nicht wohl war, habe ich zugesagt. Erbrachte mir die Äste und ich baute den Bären eine Hütte.Am Nachmittag kam dann der Zooassistent, schnauzte mich gleich an. Ich hätteeigenmächtig gehandelt. Das gehe gar nicht. Es könnte sein, dass diese EigenmächtigkeitFolgen für mich hätte. Ich bekam Angst, denn ich willmeine Stelle nicht verlieren.«

»Ich denke, das ist nicht soschlimm«, antwortete die junge Frau. »Die wollen nur nicht zugeben, dass dir eine Lösung eingefallenist.«

»Die Bären waren ruhig und die Besucher hieltensich länger als sonst vor dem Freigehege auf.«

»Siehst du.«

Diejunge Frau räumte den Tisch ab und beschäftigte sich mitdem Abwasch. Es schepperte und klapperte.

»Kann ich dir helfen, Claudia?«

Sie drehte sich zuToni. Schaute ihn durchdringend an, langsam fuhr sie ihm mit der feuchtenHand durchs Haar.

»Wenn du mir helfen willst, dann ordne dein Eheleben. Du weißt, wo Brigitte ist.« Wiederum biss sich Toni auf die Lippen. »Bei einem Architekten«, knurrte er. Claudia fuhrfort. »Lass dich von ihr nicht behandeln wie der letzte Dreck.«

Es klingelte. Erstaunt blickten sie sich an.

»Wer kann das sein? Brigittehat einen Schlüssel?«

Claudia hob unwissend die Schultern und hantierte weiter mitdem Geschirr. Danach fuhr sie mit dem feuchten Lappen überdas gelbgeblümte Plastiktischtuch. Die Küchenuhr tickte langsam. Sie hörten, dassdie Töchter öffneten und mit jemandem sprachen. Plötzlich stand Karinganz aufgeregt in der Küche.

»Vati? Kommst du mal. Die Polizei.«

»Die Polizei? Was wollen die denn?«

»Ich weiß es nicht. Sie wollen mit dir sprechen.«

Gespannt legte Tonidas Geschirrtuch hin und trat in die Stube. Zwei Polizisten indunkelblauen Uniformen, mit modernen Schirmmützen warteten. Mit ausdruckslosen Augen fragten sie: »Sind Sie Anton Brunner?« Toni bestätigte.

»Sie müssen mit uns kommen. Es gehtum Ihre Frau.«

Toni erbleichte, ging in die Garderobe und zog seine Jacke an.

»Geh nur, ich bleibebei den Mädchen«, sagte Claudia, die aus der Küche indie Stube trat. Ihre Arme um die beiden legte und beruhigend über ihre Haare strich.

»Seid brav«, mahnte ernoch. Zusammen mit den Polizisten verließ er die Wohnung. Vordem Haus stand ein schwarz-weißes Polizeiauto der Marke Volvo. VomStubenfenster aus beobachteten Claudia und ihre Nichten, wie Toni mit denbeiden Polizisten einstieg und wegfuhren.

»Tanti, warum haben die Polizisten Vati geholt?«, fragteGabi.

»Soviel ich gehört habe, geht es um eure Mutter.«

»Immer die Mutter, ich hasse sie!«,schnauzte Karin. Ihre blauen Augen blitzten.

»Pst, Karin. Nicht so«, mahnteClaudia.

»Im vergangenen halben Jahr hat sie nichts für unsgetan. Ohne dich wären wir längst verhungert«, giftete Karin abermals.

Claudia seufzte und batihre Nichten: »Geht ins Zimmer, macht euch bettfertig.«

»Ich kann jetzt nichtschlafen«, protestierte Gabi.

»Wir möchten aufbleiben und warten, bis der Vati wieder kommt«, bettelten die beiden.

»Meinetwegen, aber zieht eure Pyjamas an.«

Die Mädchen gehorchten. Eine Viertelstunde später ließen siesich mit der Tante auf dem Sofa nieder. Umsich abzulenken, schalteten sie den Fernseher ein. Doch das Abendprogramm war langweilig.

»Was ist wohl mit der Mutter? Was hat sie getan?Natürlich mit einem fremden Mann rumgebumst. Oder ihn betrogen.«

»Oder bestohlen«,meinte Gabi.

Die Mädchen fantasierten die verrücktesten Sachen zusammen. Stunde um Stunde verging.Ihre Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Die Stubenuhr schluggerade Mitternacht. Im Fernseher begann das Nachtprogramm, als sie die Wohnungstüre hörten.

»Vati kommt«, sagte Gabi gespannt.

»Mit oder ohne Mutter«, spöttelte Karin.

»Das werden wir gleichsehen«, antwortete Claudia und schaltete das Fernsehgerät aus. In der Garderobezog Toni seine Jacke aus, hängte sie an denHacken, trat in die Stube, ohne Mutter. Sein Gesicht warbleich wie Milch, seine Augen blickten verstört umher. Er setztesich aufs Sofa. Karin und Gabi kuschelten sich an ihn. Erholte sein grün gepunktetes Taschentuch hervor und schnäuzte sich ausgiebig. Was er dannzu berichten hatte, überstieg alles, was sich die Mädchen vorgestellt hatten.

»Wo ist Brigitte?«, fragteClaudia.

Toni stierte vor sich hin, schüttelte den Kopf.

»Die … die kommt nicht mehr. Die … die ist im Gefängnis«, stotterte er. »Und dort bleibt sie auch.«

Beruhigend legte Claudia ihre Hand auf seinen Arm und fragte sanft. »Was ist geschehen?«

»Die Polizisten brachten mich auf die Hauptwache. Dort konnte ichmit Kriminalbeamten drei Stunden lang über unsere Eheschwierigkeiten reden. Vor allemwollten sie wissen, wann die Schwierigkeiten begannen und mit wem Brigittees trieb. Ich kenne ihn nicht. Ich weiß nur, dass er, wie sie, Architekt ist. Danach sagten sie mir:›Ihre Frau hat recht, Sie sind unschuldig. Sie haben mit derSache nichts zu tun. Das spürt man intuitiv.‹1›Darf ichwissen, mit welcher Sache‹, fragte ich. ›der aktuelle Stand ist folgender: Seit ein paar Wochen wurde die Frau des erwähntenArchitekten vermisst. Er selbst hat eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Merkwürdig war nur,immer wenn die Schwester des Architekten mit ihrem Hund kam, bellte der die unterste Stufeder Kellertreppe, die gemauert war, an. Vorgestern besuchte diese Schwester mit einemBekannten, der ebenfalls einen Hund besaß, wieder den Architekten. Siewunderte sich, dass Frau Brunner da war, aber ihre Schwägerin nicht. Diesei verreist, bekam sie zur Antwort. Merkwürdigerweise knurrten und bellten beideHunde die unterste Kellertreppenstufe an. ›Als wäre da etwas eingemauert, das dieHunde stört‹, sagte ihr Bekannter beiläufig. Da kam der Schwester ein fürchterlicherVerdacht und sie rief die Polizei. Wir schickten unsere Patrouille mit einemBautrupp in die Villa, die brachen die Stufe auf und machteneinen grausigen Fund. Die Frau des Architekten war eingemauert. Durch einen Gebissabgleichkonnten wir sie identifizieren. Auch das Messer, mit dem sieerstochen wurde, war eingemauert. Frau Brunner und der Architekt wurden sofort verhaftet.Nach zehnstündigem Verhör haben sie den Mord gestanden. Weildie Gattin Frau Brunner in ihrem Architekturbüro nicht einstellen wollte, haben siesie kurzerhand umgebracht und eingemauert.‹ Ich war sprachlos, vorsichtig fragte ich: ›Wasdenken sie, haben sie zu erwarten?‹ ›Lebenslänglich‹, antworteten die Beamten sachlich. Danach haben mich die Polizistenwieder nach Hause gefahren.«

Toni schwieg. Es war still in der Stube.Nur die Stubenuhr tickte gleichmäßig, als wäre nichts geschehen. Karin starrte fassungslos vor sichhin. Auch Claudia war schockiert. Gabi dagegen war in seinem linkenArm eingeschlafen. Toni hielt sich die Hand vor den Mund und gähnte.

»Ichbin müde. Ich will ins Bett. Schließlich habe ich morgen Sonntagsdienst.«

»Willst du unter diesen Umständen nichtabsagen?«

»Nein, gerade jetzt nicht. Was soll ich zu Hause herumhocken?«

Er hob Gabi auf dieArme, trug sie ins Kinderzimmer, legte sie ins untere deszweistöckigen Etagenbettes, das mit vielen Tierbildern beklebt war und decktesie zu. Karin trat an ihren kleinen hellbraunen Schreibtisch, der ebenfallsmit Zootieren überklebt war, nahm aus der obersten Schublade dieBürste, kämmte vor dem großen Spiegel, der an der Türe des Kleiderschrankesbefestigt war, ihre langen Haare und band sie miteinem schwarzen Gummiband zu einem Rossschwanz. Dann kletterte sie das Leiterchen hoch und legte sich ins Bett. Herzlich umarmte sie ihren Vater.

»Vati, das schaffen wir auch ohne Mutter. Im Notfall ist Tante Claudia da.«

Ein dunkles Rot glitt über Tonis schmales kantiges Gesicht.»Mit dir kann ich ja offen sprechen. Ich werde mich scheiden lassen.«

Karin strahlte.Umarmte ihren Vater abermals, legte sich hin, deckte sich zu.

»Schlaf gut«, murmelte er, löschte das Licht und verließ das Kinderzimmer.

2.Kapitel

Der Sonntag war hell und klar. Nachdemsich der Frühnebel gelichtet hatte, schien die Sonne in einem kräftigen Gelbtonüber die herbstlich bunten Wälder und grünen Wiesen vom Zürichberg. Es warstill. Nur die Vögel trillerten. Ein Specht hämmerte irgendwo. Gegen Mittag betraten Gabiund Karin mit der Tante den Zoo. Alle drei warenim Schwesternlook gekleidet. Grüne Bluse, rot-weiß karierte Jacke, brauner Faltenminirock mit gerundetemSaum, weiße Kniestrümpfe und weiße Schuhe. Claudia trug weiße Stiefel.

Obwohl es Sonntag sowie Herbstferien war, mussten sie nicht lange an der Kasse anstehen. Als sieden Hauptweg zum Restaurant hochgingen, kam ihnen Toni inBegleitung des Betriebsassistenten entgegen. Sein Gesicht war angespannt. Vor dem Restaurant grüßtensie sich kurz. Der Betriebsassistent wandte sich an Toni.

»Also, Herr Brunner, wennIhnen nicht wohl ist, gehen Sie nach dem Mittagessen nach Hause.«

»Nein, icharbeite weiter. Auch in den nächsten Tagen. Zuhausekomme ich nur ins Grübeln, das kann ich nicht brauchen«, antwortete Toni scheu.

»Nun gut,dann werde ich Sie weiterhin im Dienstplan eintragen.«

Sie verabschiedeten sich, gingen zum Essen. Im gut besetztenRestaurant roch es nach Braten, Gemüse, Pommes frites und Speiseeis. Toni undClaudia ließen sich das Sonntagsmenü, Braten mit Sauce, dazu Nudelnmit Gemüse, schmecken. Gabi und Karin nahmen Schnitzel mit Pommes frites, dazuSalat. Beiden lief das Wasser im Munde zusammen, als sie sich setzten. Toni hatteeinen Liter Coca-Cola für die Familie gekauft. Er war gerade am Einschenken, als Claudia fragte: »Wie ging’s?«

»Das Verbrechen stand bereitsimSonntags Blick. Der Betriebsassistent, der heute extra in den Zoo kam,wusste, dass es in meiner Ehe nicht mehr stimmte. Und den Kollegenfiel die Abkürzung B.B. auf. ›Hast du was mit Brigitte Bardot?‹,hänselten sie mich. Nein, meine Frau heißt Brigitte Brunner. ›Und das istdeine Frau?‹, fragten sie mich. ›Ja leider‹, bestätigte ich. Deshalb wünschte derBetriebsassistent, dass ich nach Hause gehe. Aber ich will nicht. Das habt ihr ja mitbekommen.«

»Ich meine nicht das.Ich meine die Sache mit den Bären?«

Toni nahm eine Gabel voll