Liebessommer auf Sizilien - Michelle Smart - E-Book

Liebessommer auf Sizilien E-Book

Michelle Smart

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Beschreibung

"Du spielst mit dem Feuer." Bei Francescos Worten überläuft Hannah ein Schauer: Sie weiß nichts über den Sizilianer, außer dass er gefährlich sexy ist! Leichtfertig schlägt sie seine Warnung in den Wind. Doch schon sein erster feuriger Kuss stellt ihre Welt auf den Kopf …

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Seitenzahl: 173

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IMPRESSUM

Liebessommer auf Sizilien erscheint in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, Hamburg

Redaktion und Verlag: Postfach 301161, 20304 Hamburg Telefon: +49(0) 40/6 36 64 20-0 Fax: +49(0) 711/72 52-399 E-Mail: [email protected]
Geschäftsführung:Katja Berger, Jürgen WelteLeitung:Miran Bilic (v. i. S. d. P.)Produktion:Christina SeegerGrafik:Deborah Kuschel (Art Director), Birgit Tonn, Marina Grothues (Foto)

© 2014 by Michelle Smart Originaltitel: „Taming the Notorious Sicilian“ erschienen bei: Mills & Boon Ltd., London Published by arrangement with HARLEQUIN ENTERPRISES II B.V./S.àr.l.

© Deutsche Erstausgabe in der Reihe JULIA EXTRABand 396 - 2015 by Harlequin Enterprises GmbH, Hamburg Übersetzung: Trixi de Vries

Umschlagsmotive: mauritius images / Wavebreak Media ltd / Alamy

Veröffentlicht im ePub Format in 10/2021.

E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

ISBN 9783751513203

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten. CORA-Romane dürfen nicht verliehen oder zum gewerbsmäßigen Umtausch verwendet werden. Sämtliche Personen dieser Ausgabe sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Weitere Roman-Reihen im CORA Verlag:BACCARA, BIANCA, JULIA, ROMANA, HISTORICAL, TIFFANY

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1. KAPITEL

Erneut wurde Francesco Calvettis Ritt auf seiner MV Agusta F4 CC von einer roten Ampel unterbrochen. Ungeduldig hielt er an und setzte den linken Fuß auf den Asphalt. Unglaublich, was um sieben Uhr früh schon auf Londons Straßen los war!

Sehnsüchtig dachte er an seine Heimat Sizilien. Dort könnte er jetzt ungestört entlang grüner Wiesen seine Motorradfahrt genießen. Stattdessen musste er sich hier durch die graue Millionenstadt quälen. Frühlingsgefühle kamen dabei nicht auf. In Sizilien waren sogar die Winter sonniger!

Francesco konnte ein Gähnen nicht unterdrücken. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, sich nach einer so langen Nacht von Mario nach Hause chauffieren zu lassen. Doch Francesco hielt nun mal lieber selbst das Steuer in der Hand – und zwar in jeder Beziehung.

Die Ampel schaltete auf Grün. Bevor Francesco Gas gab, wischte er schnell das Visier trocken. Was für ein Land! Francesco kam es vor, als würde er sich inmitten einer dicken grauen Regenwolke befinden.

An der nächsten roten Ampel fiel sein Blick auf eine Radfahrerin mit neongelbem Helm.

Die Frau stand vor ihm an der weißen Haltelinie, direkt neben einem riesigen Geländewagen.

Abwesend bewunderte Francesco das unglaublich dichte, in allen möglichen Blondtönen schimmernde Haar der unbekannten Radfahrerin. Es reichte ihr fast bis zur Taille!

Kaum zeigte die Ampel Grün, radelte die Frau los und streckte den linken Arm aus, zum Zeichen, dass sie links abbiegen wollte. Auch der Geländewagen bog links ab, gefolgt von Francesco.

Und dann passierte alles ganz schnell.

Ohne zu blinken, scherte der Geländewagen urplötzlich vor ihm aus, um die Radfahrerin zu überholen. Dabei hatte der Typ offensichtlich nicht bedacht, wie breit sein Angeberauto war, denn es touchierte das Rad und katapultierte die Fahrerin über die Lenkstange und kopfüber an den Straßenrand.

Sofort bremste Francesco, stellte hastig sein Motorrad ab und lief los. Wütend musste er beobachten, dass der Fahrer, der den Unfall verursacht hatte, davonraste und aus dem Blickfeld verschwand.

Zögernd bückte sich ein Fußgänger nach der reglos am Boden liegenden Radfahrerin.

„Nicht bewegen!“, herrschte Francesco den Mann an und nahm den Motorradhelm ab. „Vielleicht ist ihre Wirbelsäule verletzt! Wenn Sie helfen wollen, alarmieren Sie den Rettungswagen.“

Eingeschüchtert wich der Mann einen Schritt zurück, um Francesco Platz zu machen. Dann zückte er sein Handy.

Die Frau lag auf dem Rücken – halb auf dem Bürgersteig, halb auf der Straße, das lange blonde Haar ausgebreitet wie ein Fächer. Der geborstene Fahrradhelm war ihr über die Stirn gerutscht. Das Fahrrad war nur noch ein Schrotthaufen.

Francesco zog die Lederhandschuhe aus, kniete sich hin und tastete nach dem Puls der Verletzten.

Schwach, aber immerhin. Erleichtert richtete Francesco sich auf, stellte fest, dass der Passant mit der Rettungsleitstelle telefonierte, zog sich die Lederjacke aus und deckte die reglos am Boden liegende Frau behutsam damit zu. Unter einer khakifarbenen Regenjacke trug die Frau eine elegante graue Hose und eine schwarze Bluse. An einem ihrer bloßen Füße trug sie einen weißen Ballerinaschuh. Der andere Schuh fehlte.

Leider durfte die Verletzte nicht bewegt werden, sonst hätte er sie längst auf seine Jacke gebettet, zum Schutz vor dem kalten, nassen Boden.

„Geben Sie mir Ihren Mantel!“, forderte er einen anderen Passanten auf, der unschlüssig herumstand. Inzwischen hatten sich mehrere Schaulustige versammelt. Hyänen, dachte Francesco abfällig. Hilfe hatte keiner angeboten.

Es kam ihm gar nicht in den Sinn, dass er die Menschen so eingeschüchtert haben könnte, dass sie nicht wagten, ihm zu helfen.

Wortlos schlüpfte der Angesprochene aus seinem Woll-Trenchcoat und reichte ihn Francesco, der sofort die Beine der Verletzten damit zudeckte.

„Der Rettungswagen ist in fünf Minuten da“, sagte der Passant, der zuerst am Unfallort stehen geblieben war? und klappte sein Handy zu.

„Gut.“ Erst jetzt spürte Francesco den eisigen Wind und fröstelte. Behutsam umfasste er das Gesicht der Frau am Boden. Ihre Wangen fühlten sich eiskalt an.

Auf den ersten Blick konnte er keine äußeren Verletzungen feststellen. Vorsichtig schob er ihr Haar zur Seite. Die Ohren wirkten unversehrt. Keine Spur von Blut. Das wertete er mal als gutes Zeichen.

Wie hübsch sie ist, dachte er plötzlich. Nicht im klassischen Sinne schön, aber sehr hübsch. Die Nase war gerade, aber vielleicht ein bisschen zu lang. Die Frauen, mit denen er es üblicherweise zu tun hatte, hätten das sofort vom Schönheitschirurgen verbessern lassen …

Francesco fiel ein, dass er beim Zudecken einen Ausweis bemerkt hatte, der an einer Kordel hing. Behutsam zog er ihn hervor und warf einen Blick darauf. Dr. H. Chapman, Oberärztin, las er auf dem Mitarbeiterausweis eines der Londoner Krankenhäuser.

Die Frau war Ärztin? Sie wirkte kaum älter als achtzehn Jahre. Er hatte sie für eine Studentin gehalten.

In diesem Moment schlug die Verletzte die Augen auf – und Francescos Gedanken waren wie weggewischt.

Zuerst lag ein Ausdruck des Schocks in den wunderschönen haselnussbraunen Augen der Frau. Dann schlossen sich ihre Lider, und als sie kurz darauf erneut zu Francesco hochschaute, tat sie dies mit einem Ausdruck tiefsten Seelenfriedens. Francesco blieb fast das Herz stehen. Dann beugte er sich tiefer über sie, um ihre gehauchten Worte aufzufangen.

„Dann gibt es also wirklich ein Paradies.“

Hannah Chapman lehnte ihr nagelneues Fahrrad an die Hauswand und betrachtete die silbern glänzende Markise über dem Eingang. Calvetti’s stand darauf. Wohl damit gar nicht erst Zweifel darüber aufkamen, wem dieses Etablissement gehörte: Francesco Calvetti.

Der Club öffnete zwar erst um zehn Uhr abends, also in vier Stunden, aber die beiden muskulösen, ganz in Schwarz gekleideten Türsteher hatten bereits ihren Posten bezogen. Hannah schloss daraus haarscharf, dass der Chef im Haus sein musste. Denn die vorherigen drei Male, die sie hier vorbeigeradelt war, hatte sich keine Menschenseele blicken lassen.

„Entschuldigung“, sagte sie zu den Männern in Schwarz. „Ist Francesco Calvetti da?“

„Er ist nicht zu sprechen.“

„Aber er ist da?“

„Ja, aber er will nicht gestört werden.“

Super! Endlich hatte sie ihn aufgespürt. Francesco Calvetti war ständig auf Reisen. Jetzt war er aber hier. Nun musste sie es nur noch schaffen, zu ihm vorgelassen zu werden.

Hannah setzte ihr gewinnendstes Lächeln auf.

Darauf reagierten die furchteinflößenden Männer erst recht mit Misstrauen. Abweisend verschränkten sie die Arme vor der breiten Brust und bauten sich vor der Tür auf.

„Ich weiß, dass Sie ihn nicht stören wollen, meine Herren. Könnten Sie ihm bitte trotzdem sagen, dass Hannah Chapman ihn kurz sprechen möchte? Er weiß, wer ich bin. Wenn er mich nicht empfangen will, verschwinde ich sofort wieder. Ehrenwort.“

„Das geht nicht. Wir haben unsere Anweisungen.“ Unnachgiebig maß der etwas Größere des Duos sie mit Blicken.

„Da kann man wohl nichts machen.“ Traurig ließ Hannah den Kopf hängen. Sie war sehr enttäuscht. Zu gern hätte sie sich persönlich bei dem Mann bedankt.

Was soll’s? dachte sie und streckte den Männern einen großen Blumenstrauß mit anhängender Karte entgegen. Den hatte sie bereits mehrere Kilometer in ihrem Fahrradkorb bis hierher transportiert und wollte ihn nun unbedingt loswerden. „Dann sorgen Sie bitte dafür, dass er die Blumen bekommt“, bat sie resigniert.

Keiner der Männer machte Anstalten, den Strauß anzunehmen. Ihre Mienen wurden noch misstrauischer.

„Bitte! Es ist bereits mein dritter Versuch, einen Strauß zu übergeben. Es wäre doch schade um die schönen Blumen. Ich hatte vor sechs Wochen einen Unfall, und Mr Calvetti hat mich gerettet, und …“

„Moment mal.“ Der Mann auf der linken Seite musterte sie fragend. „Was war das für ein Unfall?“

„Irgend so ein Typ hat mich angefahren und dann Fahrerflucht begangen.“

Die Männer tauschten einen Blick aus, dann steckten sie die Köpfe zusammen und diskutierten. Es klang wie Italienisch. Vielleicht schloss Hannah aber nur darauf, weil sie bereits wusste, dass Francesco Calvetti aus Sizilien stammte.

Inzwischen wusste sie wohl mehr über ihren Lebensretter, als ihm lieb sein konnte. Internet-Suchmaschinen waren Segen und Fluch zugleich. Beispielsweise hatte Hannah herausgefunden, dass Francesco sechsunddreißig Jahre alt und ledig war, seine glamourösen Freundinnen wie die Hemden wechselte und stolzer Besitzer von sechs Nachtclubs und vier Casinos in verschiedenen europäischen Staaten war. Seiner Familie wurden enge Verbindungen zur sizilianischen Mafia nachgesagt und seinen – inzwischen verstorbenen – Vater Salvatore hatten sie Sal il Santo – Sal, den Heiligen – genannt. Angeblich weil er über seinen Mordopfern gerne das Kreuzzeichen machte …

Aber selbst wenn dieser Mann der Teufel persönlich gewesen wäre, hätte es für Hannah keine Rolle gespielt, denn für sie zählte nur sein Sohn Francesco. Und der war ein guter Mensch.

Er hatte ihr das Leben gerettet!

Der kleinere der beiden Türsteher wandte sich ihr wieder zu. „Wie war doch gleich Ihr Name?“

„Hannah Chapman.“

„Eine Sekunde, ich sage ihm Bescheid. Aber ich kann nicht versprechen, dass er Sie empfängt“, fügte er achselzuckend hinzu.

„Schon okay, wenn er zu beschäftigt ist, verschwinde ich wieder.“

Der Türsteher öffnete die Flügeltür und betrat das Haus.

Hannah legte sich den Strauß in den Arm und hoffte, Francesco fände das Geschenk nicht unpassend. Aber Hannah wusste nicht, wie sie ihre Dankbarkeit anders ausdrücken sollte. Der Mann hatte alles für sie getan. Dabei kannte er sie nicht einmal.

Kaum eine Minute später schwangen die Türen wieder auf, und ein Mann, der noch größer war als seine ziemlich beeindruckenden Türsteher, kam heraus.

Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, wie unglaublich groß er war!

Aber sie hatte ja auch nur sein wunderschönes Gesicht gesehen, als sie damals kurz die Augen aufgeschlagen hatte, während er sich über sie beugte. Sie hatte gedacht, sie wäre tot, und ihr Schutzengel geleitete sie in den Himmel, wo Beth auf sie wartete. Von so einem fantastisch aussehenden Mann begleitet zu werden, hatte sie sofort über ihren vermeintlichen Tod hinweggetröstet.

Als sie später wieder das Bewusstsein erlangte, war sie im ersten Moment richtig enttäuscht gewesen, sich in einem Krankenhausbett wiederzufinden, statt mit Adonis im Paradies.

Nur langsam war ihr bewusst geworden, dass sie tatsächlich noch am Leben war. Immer wieder tauchte das hinreißende Gesicht ihres Lebensretters vor ihrem geistigen Auge auf. Verwundert hatte Hannah sich eingestehen müssen, dass sie sich zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren wieder richtig lebendig fühlte.

All die Jahre war sie wie in Trance gewesen. Sie hatte hart gearbeitet, sich in jeder freien Minute weitergebildet, aber am Leben hatte sie nicht teilgenommen.

Als sie sich langsam von der schweren Gehirnerschütterung erholte, die sie bei dem Sturz erlitten hatte, kam sie zu dem Schluss, sich nur eingebildet zu haben, wie fantastisch ihr Lebensretter aussah. Die Fotos, die sie im Internet von Francesco Calvetti fand, enttäuschten sie jedenfalls.

Doch nun stand er leibhaftig vor ihr. Er war noch schöner als in ihrer Erinnerung! Und wahnsinnig männlich …

Sein perfekter Körper steckte in maßgeschneiderten grauen Hosen, die Ärmel seines blütenweißen Hemdes waren lässig aufgerollt. In seinem Ausschnitt, direkt auf Hannahs Augenhöhe, blitzte ein schlichter goldener Kreuzanhänger auf seinem schwarzen Brusthaar. Bei dem sexy Anblick durchströmte Hannah ein ihr vollkommen unbekanntes heißes Gefühl.

Verwirrt sah Hannah schnell auf und begegnete dem undurchdringlichen Blick aus Francescos faszinierenden dunkelbraunen Augen. Unwillkürlich erhellte ein breites Lächeln Hannahs Gesicht. Sie reichte Francesco den Strauß und erklärte schnell: „Ich bin Hannah Chapman. Und die Blumen sind für Sie.“

Er warf einen schnellen Blick auf die Blumen, griff aber nicht danach.

„Ich möchte mich damit bei Ihnen bedanken“, erklärte sie, leicht atemlos. „Es ist natürlich nur ein kleines Zeichen meiner unendlichen Dankbarkeit. Ich stehe tief in Ihrer Schuld.“

Francesco zog eine dichte schwarze Augenbraue hoch. „In meiner Schuld?“

Beim Klang der tiefen sexy Stimme mit dem hinreißenden italienischen Akzent lief Hannah ein Schauer der Erregung über den Rücken. „Ja, denn selbst wenn ich die reichste Frau der Welt wäre, könnte ich nicht wiedergutmachen, was Sie alles für mich getan haben.“

Francesco musterte sie. Dann hielt er ihr die Tür auf. „Kommen Sie kurz herein!“

„Gern.“ Sein Befehlston machte ihr nichts aus.

Die beiden Bodyguards machten ihr tatsächlich Platz. Offenbar hatten sie sich inzwischen davon überzeugt, dass kein Maschinengewehr im Strauß versteckt war …

Durch einen großen Empfangsbereich führte Francesco sie in den eigentlichen Club.

Hannah staunte. So viel Glamour hätte sie nicht erwartet. Weinrot und Silber waren die dominierenden Farben. Sie kam sich vor wie in einem alten Hollywoodfilm. Bisher hatte sie nur ein einziges Mal einen Nachtclub besucht. Damals war sie achtzehn gewesen, und die ganze Schulklasse feierte das bestandene Abitur im Club des verschlafenen Badeorts, wo Hannah aufgewachsen war. Selten hatte sie so einen öden Abend verbracht wie damals.

„Gefällt es Ihnen hier?“

Unter seinem Blick wurde ihr wieder heiß. „Ja, es ist alles sehr elegant und geschmackvoll.“

„Sie müssen mal einen Abend hier verbringen“, schlug er vor.

„Ich? Nein, das ist nichts für mich.“ Oje, hoffentlich hatte sie ihn jetzt nicht beleidigt! Vorsichtshalber fügte sie schnell hinzu: „Aber für meine Schwester Melanie. Am Freitag ist ihr Junggesellinnenabschied. Ich werde ihr vorschlagen, hier zu feiern.“

„Tun Sie das.“ Francesco hatte sofort erkannt, dass Hannah Chapman nicht zu den Frauen gehörte, die gern auf Partys gingen und Nachtclubs besuchten, um sich einen reichen, berühmten Mann zu angeln. Die Frau war Ärztin.

Er registrierte den eher praktischen als verführerischen BH, den sie unter der weißen Bluse trug, die bei der Beleuchtung im Club nahezu durchsichtig war. Die blonde Mähne war zerzaust, Make-up fehlte völlig.

Verführen will sie mich wohl nicht, dachte Francesco amüsiert, schob sich hinter den Tresen, beobachtete, wie die Besucherin den Strauß darauf ablegte, und fragte: „Was darf ich Ihnen zu trinken anbieten?“ Blumen hatte er noch nie geschenkt bekommen …

„Ich könnte einen Kaffee vertragen.“

„Nichts Alkoholisches?“

„Ich trinke keinen Alkohol. Außerdem hat meine Schicht heute Morgen um sieben Uhr begonnen. Wenn ich nicht bald Koffein bekomme, werde ich womöglich noch ohnmächtig.“

Ihre Selbstironie gefiel ihm. Er fand sie irgendwie erfrischend. Die meisten Frauen, mit denen er sonst zu tun hatte, wirkten immer etwas gelangweilt.

„Sie arbeiten schon wieder?“, fragte er erstaunt.

„Ja. Zwei Wochen nach dem Unfall hatte ich mich so weit von der Gehirnerschütterung erholt, dass ich meine Arbeit wieder aufnehmen konnte.“

„Hatten Sie noch andere Blessuren?“

„Ein gebrochenes Schlüsselbein. Es heilt ganz gut. Ach ja, ein Mittelfinger war auch gebrochen. Aber der scheint auch wieder heil zu sein.“

Francesco musterte sie erstaunt. „Sind Sie denn nicht sicher, dass der Finger wieder ganz ist?“

Hannah schob sich auf einen Barhocker. „Er tut nicht mehr weh. Also gehe ich davon aus, dass der Bruch verheilt ist.“

„Ist das Ihre professionelle Diagnose?“

Hannah lächelte amüsiert. „Klar.“

„Dann sollte ich mich wohl hüten, mir bei Ihnen ärztlichen Rat zu holen“, meinte Francesco trocken und betätigte die Kaffeemaschine.

„Sie sind etwa zwanzig Jahre zu alt für mich.“

„Wie soll ich das verstehen?“, fragte er pikiert.

Sie lachte fröhlich. „Entschuldigung. Ich meinte, Sie sind zu alt, um von mir behandelt zu werden. Ich bin nämlich Kinderärztin.“

Die Frage, warum sie ausgerechnet Kinder behandelte, lag ihm auf der Zunge. Doch noch brennender interessierte ihn der Grund ihres Besuchs. Francesco füllte zwei Tassen und wandte sich kurz um. „Nehmen Sie Milch und Zucker?“

„Bitte nur zwei Teelöffel Zucker. Wenn schon, denn schon.“

Das konnte er nur unterstreichen. Auch er trank seinen Kaffee schwarz, stark und süß.

Schweigend servierte er ihr das heiße Getränk und musterte sie erneut unauffällig. Sein erster Eindruck war richtig gewesen. Hannah war bildhübsch! Schlank, mittelgroß – und die sportliche Hose brachte ihren sinnlichen Po einfach perfekt zur Geltung. Schade, dass sie sich hingesetzt hatte …

Je länger Francesco die Frau vor sich ansah, desto mehr genoss er Hannahs Anblick. Und Hannah schien es mit ihm ebenso zu gehen.

Dieser unverhoffte Besuch von Dr. Chapman könnte vielversprechend werden.

Francesco nippte an seinem Kaffee und platzierte die Tasse neben Hannahs, bevor er sich zu seiner stattlichen Größe aufrichtete, die Arme verschränkte und unverblümt fragte: „Warum haben Sie mich aufgesucht?“

Sie hielt seinem forschenden Blick stand, ohne mit der Wimper zu zucken. „Weil Sie wissen sollen, wie unendlich dankbar ich Ihnen bin. Sie haben dafür gesorgt, dass ich bis zum Eintreffen des Rettungswagens nicht völlig auskühle. Sie haben mich ins Krankenhaus begleitet und es erst verlassen, nachdem ich das Bewusstsein wiedererlangt hatte. Sie haben den flüchtigen Fahrer ausfindig gemacht und ihn überredet, sich der Polizei zu stellen. Noch nie hat sich jemand so um mich gekümmert. Dabei kannten Sie mich nicht einmal.“

Am liebsten hätte er ihr beruhigend die rosigen Wangen gestreichelt, doch er unterdrückte den Impuls. Woher wusste sie das eigentlich alles? Sowie sie wieder bei Bewusstsein gewesen war, hatte er doch das Krankenhaus verlassen. Sehr mysteriös!

„Ich würde Sie gern zum Abendessen einladen, um mich richtig bei Ihnen zu bedanken.“ Verlegen senkte sie schnell den Blick. Sie hatte noch nie einen Mann zum Essen eingeladen.

Sprachlos schaute Francesco sie an. „Sie wollen mich zum Essen einladen?“, erkundigte er sich, als er sich von der ersten Überraschung erholt hatte. Normalerweise ließen Frauen sich von ihm einladen … und reich beschenken. Er fand das in Ordnung. Es war eine Art Gegenleistung dafür, von einer schönen Frau begleitet zu werden. Diese Frau ergriff nun selbst die Initiative … unfassbar!

In Francescos Machowelt dienten Frauen lediglich als Zierrat – und dazu, das Bett warm zu halten.

Hannah umfasste ihre Tasse und nickte. „Das ist ja wohl das Mindeste“, sagte sie leise und schaute ihn mit ihren wunderschönen haselnussbraunen Augen an.

Hat sie doch Hintergedanken? überlegte Francesco. Aber das konnte er sich kaum vorstellen. Der Frauenkenner in ihm spürte allerdings, dass Hannah sich durchaus für ihn interessierte.

Er war drauf und dran, der Versuchung nachzugeben. Warum denn nicht? Wie oft hatte er in den vergangenen Wochen schon den Hörer in der Hand gehalten, um Hannah anzurufen. Jedes Mal hatte er es sich dann doch anders überlegt. Schließlich kannte er Hannah gar nicht. Trotzdem hatte es ihn wütend gemacht, dass die Polizei den flüchtigen Fahrer angeblich nicht ausfindig machen konnte. Also hatte Francesco die Angelegenheit auf seine Weise geregelt. Dank seines fotografischen Gedächtnisses konnte er seinem Team eine genaue Beschreibung des Geländewagens und seines Fahrers liefern. Innerhalb von zwei Stunden hatten die Männer ihrem Boss die Anschrift des Mannes mitgeteilt. Francesco musste ihn dann nur noch überzeugen, sich der Polizei zu stellen. Dafür hatte er genau fünf Minuten gebraucht. Der Typ hatte ihn förmlich angefleht, ihn zur Polizeiwache zu bringen. Francesco hatte ihm den Gefallen getan.

Nun war Hannah also zu ihm gekommen, um ihn einzuladen. Er war versucht, die Einladung anzunehmen. Bezahlen würde natürlich er. In seiner Welt beglich der Mann die Rechnung, wenn er mit einer Frau ausging. Punkt.

Bei jeder anderen Frau hätte er keine Sekunde lang gezögert. Doch diese Frau war anders. Erstens, weil Hannah Ärztin war und damit das Gute in einer schlechten, grausamen Welt verkörperte. Zweitens, weil sie so unschuldig und völlig arglos wirkte. So eine Frau sollte sich nicht mit Typen seines Kalibers einlassen.

Ein anderer Mann hätte ihr offensichtliches Interesse ausgenutzt. Salvatore hätte Hannah ganz sicher nicht abgewiesen. Francesco presste die Lippen zusammen. Zum Glück besaß er mehr Anstand als sein verstorbener Vater.

Wenn eine Frau aus seinen Kreisen gesagt hätte, sie stünde tief in seiner Schuld, hätte er gelacht und ihr unverblümt vorgeschlagen, wie sie die Schulden begleichen konnte: Nackt in seinem Bett.

„Sie schulden mir gar nichts“, presste er schließlich ausdruckslos hervor.

„Doch.“

„Nein. Was ich getan habe, war eine Selbstverständlichkeit. Es freut mich, dass es Ihnen wieder so gut geht, dass Sie Ihren geliebten Beruf ausüben können. Das ist mir Lohn genug.“

Leicht enttäuscht schaute sie ihn an. „Dann darf ich Sie nicht zum Essen einladen?“

„Sehen Sie sich doch hier um! Sie gehören nicht in diese zwielichtige Welt, Dr. Chapman. Vielen Dank für Ihren Besuch. Jetzt muss ich leider wieder an die Arbeit.“

„Sie werfen mich hinaus?“

Bedauernd zuckte Francesco die Schultern. „Ich habe viel zu tun.“

Sie hielt seinen Blick fest. Dann lächelte sie strahlend und … beugte sich über den Tresen und hauchte einen Kuss auf Francescos Lippen.