Liebesträume von Spitzweg - Inge Rosemann - E-Book

Liebesträume von Spitzweg E-Book

Inge Rosemann

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Beschreibung

Spitzweg malte die Werbung des Verliebten in verschiedenen Situationen: Als ewiger Hochzeiter, als Sänger in einer nächtlichen Musikantengruppe oder durch amtliche wie auch geheime Briefzustellung. Im Gegenüber des Paares ist jedoch immer ein Zwischenraum, eine Distanz zu überwinden wie vor der altertümlichen Fassade des Patrizierhauses, wo im warm erleuchteten Gemach die vornehme Dame sich nur als Schatten hinter der Gardine zeigt. Schwarzschattend breitet sich Dunkelheit zwischen den Häusern und Dächern, und fahl scheint der Mond zu nächtlicher Zeit vor traumstillen Schlafgemächern. Wie finster das Tor! - Doch seitlich, da brennt im Hintergrund eine Laterne, und zauberisch funkeln am Firmament die lautlos wandernden Sterne. Wo Stufen und Treppen, die Bank aus Stein leer und verlassen stehen, ist oben im Erker vorm Lampenschein ein Schatten im Fenster zu sehen - Doch horch - im Hofe jetzt ein Klang? Festlich als Nachtserenade ertönt hier draußen ein Kunstgesang vor dämmernder Mauerfassade.

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Seitenzahl: 24

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Inhalt

Liebe in der Kleinstadt

Das Ständchen

Der Blick

Der Brief

Der Antrag

Das Glück

Das Märchen

Bildnachweis

Liebe in der Kleinstadt

Spitzweg malte die Werbung des Verliebten in verschiedenen Situationen: Als ewiger Hochzeiter, als Sänger in einer nächtlichen Musikantengruppe oder durch amtliche wie auch geheime Briefzustellung.

Im Gegenüber des Paares ist jedoch immer ein Zwischenraum, eine Distanz zu überwinden wie vor der altertümlichen Fassade des Patrizierhauses, wo im warm erleuchteten Gemach die vornehme Dame sich als Schatten hinter der Gardine zeigt.

Eine Umarmung wird nur gestattet beim Abschied vor wartender Postkutsche oder - verborgen im abendlichen Garten.

Wie stand Spitzweg selbst zur Liebe?

In seiner Jugend interessierte er sich durchaus für hübsche junge Mädchen, doch nach dem Tod seiner großen Liebe Clara Lechner blieb er unverheiratet und lebte im engen und vertrauten Kontakt mit der Familie seines Bruders Eduard.

Viele kuriose Figuren hat er gemalt – Steckenpferd reitende Sonderlinge, würdige Honoratioren mit Schlafrock im Gärtchen oder in der Dachkammer mit Blick zur anmutig jungen Nachbarin.

Selten – und niemals als Karikatur – erscheinen die Bilder damenhaft anziehender Frauen – Matronen jedoch nur zur Aufsicht der Jungfern oder mit wachsamen Augen unterm Spitzenhäubchen in den Fenstern der biedermeierlichen Kleinstadt.

Läßt sich in der bevorzugten Darstellung von weiblicher Jugend und Schönheit eine heimliche Huldigung des einsamen Malers erkennen?

Das Ständchen

Das Quartett

Schwarzschattend breitet sich Dunkelheit

zwischen den Häusern und Dächern,

und fahl scheint der Mond zu nächtlicher Zeit

vor traumstillen Schlafgemächern.

Wie finster das Tor! - Doch seitlich, da brennt

im Hintergrund eine Laterne,

und zauberisch funkeln am Firmament

die lautlos wandernden Sterne.

Wo Stufen und Treppen, die Bank aus Stein

leer und verlassen stehen,

ist oben im Erker vorm Lampenschein

ein Schatten im Fenster zu sehen –

Doch horch - im Hofe jetzt ein Klang?

Festlich als Nachtserenade

ertönt hier draußen ein Kunstgesang

vor dämmernder Mauerfassade.

Vier Herren, die würdig im Abendgewand

in einen Halbkreis sich stellen,

schauen auf Noten in ihrer Hand,

die Mondstrahlen schimmernd erhellen,

und ringsum verdichten die Schatten sich,

welche sie schützend umgeben,

während gemeinsam sie feierlich

zum Gruß ihre Stimmen erheben.

Ständchen

Hochgestiegen auf der Leiter

frei im Raum ein Geiger steht,

wo es aber etwas weiter

nun nicht mehr nach oben geht -

und gleich wird er musizieren,

falls er sich noch aufrecht hält,

denn es könnte leicht passieren,

dass er dann herunterfällt.

Wolken schon im fahlen Scheine

steigen schaurig gelb und grün

schnell zum Himmel. - Ganz alleine

schwankt der Held so trotzig kühn

mit dem Hut und mit der Brille

und dem Bogen in der Hand

nächtlich in der tiefen Stille

vor des Hauses glatter Wand,

heimlich hoffend, dass der Geige

zärtlich süßer Sehnsuchtston

ohne Worte jemand zeige

seines Herzens Passion -

und wo schmückend zarte Rosen

sind vorm Fenster aufgestellt,

leuchtet es dem Virtuosen