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Eveline verlässt ihr Haus in den Niederlanden nach 50 Jahren. Als sie noch eine letzte Runde durch ihr Haus dreht, findet sie in einer geheimen Schublade eines alten Schreibtisches einen Brief. Es ist ein alter Feldpostbrief - ein Liebesbrief - aus dem ersten Weltkrieg, adressiert an Anna, ihre Großmutter. Der Brief ist der Anfang einer Reise in die Vergangenheit, wobei das Leben Ihrer Großmutter Anna und Mutter Helene eine zentrale Rolle spielen. Ihre Lebensgeschichten zeichnen die Folgen des ersten und zweiten Weltkrieges für die Familie von Eveline auf. Sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland. Sie führt uns auch in die, für eine Niederländerin sehr befremdliche, damalige DDR.
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Seitenzahl: 264
Veröffentlichungsjahr: 2017
Für meine Mutter
von
Liane Bredée
© 2017 Liane Bredée
Umschlag, Illustration: Caroline Bredée
Lektorat, Korrektorat: Will van Buul, Marianne Bredée
Übersetzung:Dieter Brendel, Margit Kiesel
Weitere Mitwirkende: Antje Neumann, Caroline Bredée
Verlag: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback
978-3-7439-2207-5
Hardcover
978-3-7439-2208-2
e-Book
978-3-7439-2209-9
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Eveline sah sich zum letzten Mal in dem kahlen, leeren Zimmer um. Beinahe alle Möbelstücke waren schon abgeholt worden. Hier und da stand noch ein vergessener Stuhl herum und auf dem Boden lagen noch ein paar Papiere.
Sie hüstelte kurz. Das Geräusch kam als Echo unangenehm hohl zu ihr zurück. Alle Vorhänge vor dem Fenster waren entfernt worden, kein einziges Bild hing mehr an den Wänden und das Geräusch ihres Hüstelns schallte drohend durch den kahlen Raum. Sie fröstelte.
Sie war in diesem Jahr achtzig geworden, aber das sah man ihr nicht an. Sie blickte noch hellwach aus ihren dunkelbraunen Augen. Obwohl ihre Haare schon ziemlich weiß waren, hatte ihr Gesicht nur wenig Falten. Sie stand noch mit aufrechter Gestalt mitten in dem Zimmer. Ihr dunkelblaues Kleid passte farblich gut zu ihrer etwas getönten Haut und den weißen Locken.
Der Knoten war durchgehackt: Sie würde aus ihrem vertrauten Haus, in dem sie beinahe fünfzig Jahre gewohnt hatte, weggehen. Fünfzig Jahre? Die Gedanken schossen durch ihren Kopf: Was für eine lange Zeit, ein halbes Jahrhundert. Und was war nicht alles in dieser Zeit geschehen!
Sie drehte sich um. Sie wollte sich diese Umgebung noch einmal gut ins Gedächtnis prägen. Viel gab es nicht mehr zu sehen, denn alles war ja schon abgeholt worden. Aber schau: Da sah sie noch ein vergessenes, kleines altes Tischchen in einer Ecke stehen. Seltsam, dass niemand dieses mitgenommen hatte. Es war ein alter, kleiner Schreibtisch, der noch von ihrer Mutter stammte, vielleicht sogar von ihrer Großmutter.
Sie ging darauf zu und sah ihn sich noch einmal an. Dieses Tischchen wollte sie unbedingt mitnehmen und das würde sie Johan, ihrem Sohn, auch mitteilen, wenn er sie abholen käme. Sie begutachtete es von allen Seiten. Wie kahl es nun dastand! Es hatte immer eine Tischdecke darauf gelegen. Sie stützte sich mit ihren Händen auf den Tischrand und ertastete plötzlich etwas Merkwürdiges: Der rechte Rand fühlte sich anders an als der linke. Sie bückte sich und untersuchte die rechte Seite des Tischchens genauer. Da entdeckte sie die kleine Schublade, die sie noch nie vorher bemerkt hatte. Diese war unter der Tischplatte verborgen und selbst wenn man das Tischchen umgedreht hätte, wäre sie kaum zu erkennen gewesen. Man musste schon wissen, dass sie sich dort befand.
„Seltsam eigentlich“, dachte sie, „dass wir diese noch nicht eher gefunden haben.“ Sie versuchte, die kleine Schublade zu öffnen. Wahrscheinlich würde sich nichts darin befinden, aber ihre Neugierde war nun doch geweckt. Sie machte sich am Tischrand zu schaffen und auf einmal sprang die Schublade auf. Langsam tastete sie sich hinein und zu ihrer Überraschung erfühlte sie ein Stück Papier. Was konnte das denn sein? Die Rechnung des Möbelschreiners vielleicht? Es war ein altes Blatt Papier, mit Bleistift beschrieben. Vorsichtig zog sie es aus der Schublade heraus und ertastete, dass es noch mehr Blätter gab. Es schien wohl ein Brief zu sein! Ein Brief, der vor sehr langer Zeit geschrieben worden war. Ein Datum stand nicht darauf. Und auch keine Ortsangabe. Sie sah ihn sich genauer an. Es schien ein deutscher Brief zu sein, geschrieben in alter deutscher Schrift. „Oje“, seufzte sie. „Das wird schwierig zu entziffern sein! Und dann ist er auch noch mit Bleistift geschrieben worden. Könnte es vielleicht ein Liebesbrief sein?“
Sie setzte sich auf einen der Stühle, die zurückgeblieben waren. Es würde doch noch eine Weile dauern, ehe man sie abholen käme. Das hatte sie so mit ihren Kindern verabredet. Erst wollten diese, dass sie in einem nahegelegenen Restaurant auf sie wartete. „Ist doch viel gemütlicher, Mama!“ hatten sie gesagt. Aber sie wollte so lange wie nur möglich in ihrem alten Haus bleiben. Bei ihren alten Erinnerungen. Und mit der Aussicht auf ihren schönen Garten. Das war noch das Schlimmste für sie: Den Garten würde sie wohl am meisten vermissen. Nun ja, sie war ja auch nicht mehr die Jüngste und im Alter musste man immer öfter Abschied von Dingen nehmen, die einem lieb geworden waren. Und auch von Menschen. Ihr Mann war vor einigen Jahren gestorben und darüber war sie noch immer sehr traurig. Sie hatten so viel Gemeinsames erlebt und auch zusammen den Garten zu dem gemacht, was er nun war. Oder eigentlich: gewesen war. Seit dem Tod ihres Mannes hatte sie nicht mehr viel darin gearbeitet.
Sie hatten zusammen den Garten angelegt. Einen Birnbaum gepflanzt: Bonne Louise. Es war eine herrliche Birne, aber man musste sie genau zur rechten Zeit pflücken und dann essen. Darin war ihr Mann Experte gewesen. Es wurde erzählt, dass diese Bäume früher auch auf einem alten Landgut wuchsen und der Butler jeden Tag nachsehen musste, ob es schon reife Birnen gab und er diese sodann auch gleich der Baronin servieren musste. Aber das war alles ganz lange her. Heutzutage gab es kaum noch Butler und die wenigen Menschen, die sich diese noch leisten konnten, hatten ganz andere Aufgaben für ihr Dienstpersonal.
Sie hatten auch einen Pfirsichbaum gepflanzt und jeden Sommer die köstlichen Pfirsiche genossen. Sie bereitete mit ihnen eine herrliche Bowle zu, die jeder mit Genuss trank. Die Bäume waren umringt von Pflanzenbeeten mit prächtigen Blumen und Sträuchern. Für Eveline war es ein Hochgefühl gewesen, wenn sie in diesem Garten arbeiten konnte. Sie hatte es geliebt, auf ihren Knien zu sitzen und das Unkraut jäten. Im Gärtnern kannte sie sich aus und wusste praktisch die Namen aller Blumen und Pflanzen in ihrem Garten. Schließlich hatte sie sie auch selbst ausgesucht und farblich passend miteinander kombiniert. Einige Beete hatte sie in nur zwei Farben angelegt, zum Beispiel blau und weiß. Beim nächsten Beet waren es dann wieder rosa und violette Farbzusammenstellungen. Kurzum, ihr Garten war eine wahre Augenweide, so schön wie ein Gemälde, meinten Ihre Freundinnen, wenn sie bei ihr zu Besuch kamen.
Sie schob all diese Gedanken weg, als sie wieder das Papier in ihrer Hand fühlte, und versuchte den Brief zu entziffern. Sie hatte durchaus das altdeutsche Alphabet von ihrer Großmutter gelernt, aber ob sie es immer noch wusste? Die Anrede war nicht schwierig. Mit „Liebste, kleine Anna“ begann der Brief.
Anna! So hieß ihre Großmutter! Der Brief war also mehr als hundert Jahre alt. Es sah so aus, als ob er im ersten Weltkrieg geschrieben worden war. Langsam begann sie die Buchstaben zu entziffern und begriff im Ungefähren, was in dem Brief stand. Sie musste an das denken, was ihre Großmutter über ihr Leben erzählt hatte und das Bildnis dieser Frau tauchte vor ihr auf.
Das Frühjahr 1917 war nicht das Beste. Anna fröstelte es, als sie auf die Straße trat. Sie war schnell die Stufen heruntergelaufen. Mit ihren Eltern und den beiden Brüdern Otto und Fritz wohnte sie im obersten Stockwerk eines hohen Hauses in einer deutschen Stadt. Die Straße erschien lang und schmal, weil alle Häuser so hoch waren. Sie hatte am Fenster gespannt Ausschau nach dem alten Postboten gehalten. Und als sie ihn am Anfang der Straße um die Ecke kommen sah, war sie flink zur Türe ihrer Etagenwohnung geeilt. Sie war das Treppenhaus hinuntergeflogen. Würde er Post für sie dabeihaben? Sie erwartete einen Brief von ihrem Freund. Aber in letzter Zeit kam nicht mehr so viel Post. Er war an der Front, in diesem elendigen, verdammten Krieg.
Mit viel Widerwillen war er nach seinem letzten Fronturlaub wieder zurückgegangen. War wieder eingetaucht in dieses fortdauernde Gefecht. Immer in einem der Schützengräben liegend, in dem einem die Kugeln über den Kopf pfiffen.
Er wagte es nicht, in seinen Briefen an seine Freundin Anna offen zu schreiben, was er über die Lage dachte. Er erzählte nichts über die Schmutzigkeit des Krieges und die schmalen Laufgräben, die kaum Schutz boten, nichts über die vielen Toten und Verwundeten. Deshalb schrieb er ihr richtige Liebesbriefe, wenn er Gelegenheit zum Schreiben hatte und einen Brief mit der Feldpost wegschicken konnte. Auf so einen Brief wartete nun Anna.
Und jetzt begann es auch noch zu regnen. Ach je, was dauerte das doch lange, bis der Postbote endlich bei ihrem Haus ankam, endlos lange schien sich das hinzuziehen. Sie würde ihm am besten entgegenlaufen. Er kannte sie, weil sie ihn schon so oft gefragt hatte, ob er Post für Anna Bender dabeihabe. Sie machte die schwere Eingangstür auf, von der man vom Treppenhaus aus auf die Straße gelangte. Dort stand sie nun in Regen und Wind. Sie schlug ihren Mantelkragen hoch und schaute mit zusammengekniffenen Augen, ob sie den Postboten herbeikommen sähe. Ha, da erblickte sie ihn, wie er gerade das Nebenhaus verließ. Sie lief schnell auf ihn zu und als er sie sah, begann er schon zu lachen. „Aber ja doch“, sagte er, „Ich habe heute einen Brief von Deinem Helden für Dich!“ Sie musste kurz grinsen bei dieser Bezeichnung, denn Michael fühlte sich bestimmt nicht als Held. Sie hatten oft im Geheimen über den Krieg gesprochen und Anna wusste genau, was er über diesen dachte.
Abbildung 1 - Schützengraben
Was war es doch schon wieder eine ganze Weile her, dass er in einem überfüllten Zug voller begeisterter junger Männer von dannen gezogen war. Sie wurden von ihren Müttern, Frauen, Schwestern und Freundinnen, die in langen Röcken und eleganten Hüten gekleidet waren, fröhlich winkend verabschiedet. Auch Anna hatte dabeigestanden. Aber sie schaute nicht fröhlich drein, denn sie wusste, mit welchem Widerwillen Michael in den Zug gestiegen war. Er hasste den Krieg und der war doch das letztendliche Ziel Ihrer Reise. Woran waren sie nur begonnen? Und warum? Anna wusste nicht viel über Politik. Aber sie hatte doch gehört, dass in Sarajewo der Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich ermordet worden war. Das war die Lunte am Pulverfass gewesen, denn in Europa, und vor allem auf dem Balkan und in Russland, rumorte es schon lange. Darüber hatte sie auch schon etwas erzählen gehört.
Je länger der Krieg dauerte, desto mehr Abneigung entwickelte Michael gegen den Krieg. Jedes Mal wenn er im Urlaub nach Hause gekommen war, wollte er nicht mehr zurück. Er hielt es für so einen Unsinn, in das aussichtslose Laufgrabengetue untertauchen zu müssen. Er hatte sogar daran gedacht, zu desertieren. Einfach nach seinem Urlaub nicht mehr zurückzukehren. Abzuhauen. Aber wohin? Linientreue Bürger würden ihn verraten, wenn sie ihn fanden und dann würde er ohne Pardon die Kugel kriegen. Das wusste er schon vorher. Seine Eltern hatten ihm auch gesagt, dass er für das Vaterland kämpfte und nicht flüchten konnte. Ja, ja, für das Vaterland. Aber was war das für ein Vaterland! All die Propaganda darüber, dass sie gewinnen und richtig mächtig sein würden. Also, er glaubte nichts mehr davon. Ringsum hatte er seine Kameraden sterben sehen. Und niemand scherte sich noch weiter um sie. Es war ein vollkommen sinnloser und grausamer Krieg. Aber bei wem gegenüber konnte man das laut sagen? Wenn man mit seinem besten Freund darüber sprach, dann bestand schon die Gefahr, dass man verraten wurde. Wurden nicht Soldaten standrechtlich erschossen, einzig und allein weil sie murrten? Würde er wohl lebend da herauskommen? Würde es jemals wieder Frieden geben? Zum Glück konnte er, wohl nicht allzu oft, aber doch ab und zu, auf Urlaub nach Hause fahren. Und dann ging er, zumindest, wenn genug Zeit dafür war, zu Anna. Es waren goldene Tage, wenn er kam und Anna fragte ihm dann Löcher in Bauch über die Lage an der Front. Michael durfte aber nicht viel darüber erzählen. Am Anfang war es rasend schnell gegangen. Sie waren nach Lüttich und Brügge vorgerückt und es sah so aus, als ob sie in ein paar Wochen den Kampf gewonnen haben würden. Aber das Gegenteil bewahrheitete sich. Sie waren bis Ypern gekommen und hatten sich nach kurzer Zeit wieder zurückziehen müssen. Und jetzt lagen sie in den Schützengräben in Stellung. Ihm grauste es vor den Schützengräben. Sie waren so schmal, dass man nur unter großen Schwierigkeiten einen Verwundeten versorgen konnte. Sie lebten dort dicht zusammengedrängt. Sie aßen dort das Essen, das in den primitiven Küchen zubereitet wurde und oft nicht runter zu schlucken war. Die Feldküchen waren in etwas größere Teile eines solchen Schützengrabens herausgehackt worden, aber man musste sich trotzdem erbärmlich behelfen. Er versuchte Anna nur lustige Anekdoten zu erzählen. Zum Beispiel die Geschichte als er einen Deutschen zu Pferde sah, mit einer Gasmaske vor dem Gesicht und einem Speer in seiner Hand! Mittelalterlich und modern zugleich! Aber Anna hatte besorgt gefragt: „Gasmasken? Sie werden doch nicht einen Gaskrieg beginnen?“ Daraufhin hatte Michael sie beruhigt, jedoch gleichzeitig erkannt, dass er mit dem aufpassen musste, was er ihr erzählte. Also meinte er schnell, dass es nur ein Witz gewesen sei und fuhr fort, dass sie ab und zu in den Ruhepausen zusammen gesellig ein Pfeifchen in der Sonne rauchten. Und er erzählte ihr auch von der ersten, unvergesslichen Weihnachtsnacht. Die Truppen lagen einander gegenüber. Auf einmal waren die Franzosen gekommen, weil sie sahen, dass die Deutschen überall Lichtlein angezündet und eine Art Christbäumchen entlang den Schützengräben aufgestellt hatten. Dann hatten sie zusammen Weihnachten in einer Atmosphäre der Verbrüderung gefeiert. Leider standen sie sich in den Tagen danach doch wieder als Feinde gegenüber und es wurde, auf Befehl von oben, wieder weiter Krieg geführt. Und es gab auch keine gemeinsamen Weihnachtsfeiern mehr: das wurde verboten.
Abbildung 2 - Kurze Ruhepause
Abbildung 3 - Die primitive Küche
Er erzählte nicht, dass kurz darauf eine Granate in seiner unmittelbaren Nähe explodiert war, wobei wieder ein paar Kumpels den Tod gefunden hatten und andere schwer verletzt wurden. Wie durch ein Wunder war er verschont geblieben. Genauso wie sein Bruder, der zufällig auch seiner Kompanie angehörte. So konnten sie den Verwundeten, die vor Schmerz laut schrien und kreischten, beistehen. Sie hielten tapfer durch, aber nur in der Hoffnung, dass es bald vorüber sein würde. Auch Anna lebte ständig in der Anspannung ob er das alles überleben würde. Doch jetzt hatte sie wieder einen Brief von ihm erhalten, zum Glück. Ein gutes Zeichen. Sie bedankte sich bei dem Postboten und lief schnell zurück ins Haus. Sie begann die Stufen hinaufzusteigen, und zwar langsamer als sie diese heruntergekommen war. Sechs Treppen musste sie hinauf, eine ziemliche Kletterei. Sie hatte die Wohnungstüre nicht ganz zugemacht, schlich sich in die Wohnung hinein und ging geradewegs in ihr Zimmer. Mutter hatte nichts bemerkt. Und Vater war auf der Arbeit, als Lehrer in einer Schule für lernbehinderte Kinder. Mutter versorgte den Haushalt und erledigte alles selbst, ohne fremde Hilfe, denn sie hatten keine großen finanziellen Mittel.
Abbildung 4 - Mittagessen
Sie ließ sich auf ihr Bett fallen und öffnete den Brief. Ihre Augen flogen über die Zeilen und ihre Wangen wurden rot vor Rührung, als sie las, dass Michael sie so sehr liebte und dass der Gedanke an sie ihm helfe, all dieses Elend durchzustehen. Über die Lage, in der er sich befand schrieb er nicht viel, auch nicht, wo er genau war, denn das war strengstens verboten. Auf dem Umschlag stand einzig und allein „Feldpost“. Aber sie versuchte dennoch, sich ein bisschen seine Umgebung in diesem fernen Belgien vorzustellen. Sobald der Krieg vorüber war, würde sie ihn bitten, sie dorthin zu bringen, sodass sie sich ein bisschen hineindenken konnte, wo er gewesen war. Das wollte sie sehr gerne wissen. Er schrieb, dass er sich jetzt schon nach dem nächsten Urlaub sehne, und fantasierte darüber, was sie dann alles tun würden. Er hoffe, dass es dann Sommer sein würde und sie zusammen zu dem Park spazieren würden, der in ihrer Nähe lag. Er wohnte auf der anderen Seite des Parks und sie waren dort schon öfter spazieren gegangen und hatten sich auf eine Bank gesetzt. Eigentlich hatten sie nicht viel Augenmerk für die stattlichen Bäume gehabt, durch die der Wind rauschte und aus denen der vielstimmige Gesang der verschiedenen Vogelarten erklang. Denn was hatten sie nicht alles zu besprechen gehabt! Sie sprachen über ihre gemeinsame Zukunft. Würden sie zusammenbleiben können, wenn der Krieg vorbei war? In ihrer beiden Herzen war die Sehnsucht, ihr weiteres Leben miteinander zu teilen. Aber über eine Heirat wagten sie noch nicht zu sprechen. Also redeten sie stattdessen über allerlei kleine Dinge, einander liebevoll und mit viel Respekt anblickend.
Sie las den Brief weiter, und errötete: war das ein Heiratsantrag? Er schrieb es ganz vorsichtig: „Würdest du es wagen, zusammen mit mir in die Zukunft zu gehen? Ach, wie sehne ich mich danach!“ Sie ließ den Brief in ihren Schoß fallen und starrte auf sein Porträt, das auf einem Tischchen neben ihrem Bett stand. „Ach, lieber Michael, natürlich will ich das.“ Sie beschloss es ihm gleich zu schreiben, dann war der arme Junge, der bestimmt in Spannung verkehrte, beruhigt. Anna nahm ihren Schreibblock und einen Stift zur Hand und begann an einen langen, zärtlichen Brief an ihren geliebten Michael.
Als der Brief fertig war, brachte sie ihn zur Post und nun hieß es, wieder auf Antwort zu warten. Diesmal dauerte es ziemlich lange. Aber sie hatte sich in Geduld geübt.
Eveline blickte auf das, was sie in der Hand hielt. Das war der letzte Brief von Michael an Anna gewesen! Der Brief mit dem Heiratsantrag.
Sie kannte die Geschichte ihrer Großmutter gut. Ihre Großmutter hatte ihr von ihren Freund erzählt und auch, dass sie nach dem fürchterlichen Krieg heiraten wollten. Sie hatte ihm ihr Jawort geschrieben, aber ob der Brief noch rechtzeitig bei ihm angekommen war? Oma schaute ganz traurig drein als sie über diese letzte Nachricht von ihm sprach. Sie hatte wochenlang nichts mehr gehört, bis zu jenem Tage, an dem sie wieder voller Spannung und Verlangen auf den Postboten wartete. Dieser war mit einem ernsten Gesichtsausdruck auf sie zugekommen und hatte sie mitleidig angesehen, während er ihr die Nachricht eines Freundes von Michael in die Hand drückte. Mit angstvoll klopfendem Herzen öffnete sie den Brief. Ein mulmiges Gefühl überkam sie. Und dieses wurde bestätigt als sie die Worte des Freundes las: „Sehr betrübt muss ich dir mitteilen, dass Michael in einem heftigen Gefecht gefallen ist.“
Sie wollte diese Worte nicht sehen. Es war, als würde ihr die Kehle zugeschnürt und ihr Herz aufhören zu schlagen. Nein! Nicht das! Aber doch, leider: Michael war gefallen. Er war einer der vielen Millionen in diesem abscheulichen Krieg. Der Freund wusste über die liebevolle Verbindung zwischen Anna und Michael Bescheid, denn er hatte Michael oft über sie erzählen hören. Er wusste auch, dass Michael vorhatte Anna zu fragen ob sie ihn heiraten wollte. Als Michael plötzlich während eines heftigen Feuergefechts tödlich getroffen wurde, beschloss er Anna zu schreiben. Die offizielle Todesnachricht würde doch an dessen Eltern gehen und wer, außer ihm, wusste etwas von ihrer Beziehung? Darum hatte er schweren Herzens diesen Brief geschrieben. Und auch um seine Trauer über den Verlust seines Freundes mit ihr zu teilen.
Wie betäubt war sie ganz langsam die Treppe hinaufgestiegen und war, endlich in ihrer Kammer angekommen, schluchzend aufs Bett gefallen und hatte herzzerreißend geweint. Ihre Mutter war erschrocken zu ihr gekommen und versuchte, nachdem sie die schreckliche Nachricht gelesen hatte, ihre Tochter zu trösten. Sie wusste zwar, dass etwas zwischen den beiden war, aber noch nicht, dass sie heiraten wollten. Ihre Mutter hatte zu ihr gesagt:
„Wer weiß, eine Heirat hätte es vielleicht doch nicht gegeben. Seine Eltern sind sehr reich, es sind Fabrikanten und dein Vater ist nur ein einfacher Lehrer. Es sollte so sein, wie es gekommen ist. Versuche das als Trost zu sehen.“ Aber hierauf war sie nur noch untröstlicher gewesen und wütend auf jedermann. Auch auf ihre Brüder, die sie wegen ihres Freundes manchmal geärgert hatten. Sie waren noch zu jung um in den Krieg zu ziehen, obwohl sie gerne „ins Abenteuer“ gezogen wären. Sie fragte sich, ob diese nun aufhören würden sie zu ärgern und ob sie immer noch so gerne in diesen widerlichen Krieg ziehen wollten. Sie war so wütend gewesen, dass sie sich fest vornahm aus Deutschland wegzugehen. Sobald der Krieg vorbei war, würde sie versuchen fortzukommen. Aber erst musste sie hier noch ihre Ausbildung beenden.
Als der Krieg dann zu Ende war, mit einer bitteren Niederlage für Deutschland, führte Anna ihre Pläne aus. All die jungen Burschen waren für nichts in den Tod gejagt worden, für nichts gestorben. Der Krieg hatte einzig und allein Unglück und Leid mit sich gebracht für all die Millionen Familien, Ehefrauen, und Kinder. Mütter, Väter, Großeltern.
Wie war die Menschheit tief gesunken! Nein, Anna wollte nicht mehr in diesem Land bleiben. Sie machte zusammen mit ihrer Freundin Mira eine Berufsausbildung zur Kindergärtnerin. Die Ausbildung sagte den Mädchen sehr zu. Sie folgten diese mit großer Freude und lernten dabei viele nützliche Sachen. Nicht nur die Erziehung von Kindern stand auf dem Lehrplan, sondern zum Beispiel auch Nähen und Haushaltsführung. Also alles was sie gut gebrauchen konnten, wenn sie später eine Anstellung in einer Tätigkeit mit Kindern suchen würden. Sowohl Anna als auch ihre Freundin schlossen ihre Prüfungen mit Auszeichnung ab.
Mira fand eine Arbeitsstelle in den Niederlanden. Als Anna dies hörte, unternahm sie verschiedene Versuche um dort ebenfalls eine Anstellung zu finden. Annas Eltern hielten zwar nichts davon, dass sie ins Ausland ging, aber sie wollte weg. Es war schon eine Zeit lang unruhig in Deutschland und sie fühlte sich hier nicht mehr wohl. Anna hatte Glück: Ihre Freundin, die schon ein Jahr vor ihr in die Niederlande gegangen war, kannte jemanden, der ein zuverlässiges Mädchen suchte und sie wurde beinahe sofort angenommen. Sie hatte auch das Glück, dass es in demselben Ort war, in dem ihre Freundin wohnte und so gewöhnte sie sich schnell gut ein in ihr neues Leben in dem neuen Land.
Die Leute, bei denen sie arbeitete, waren sehr nett. Sie wurde wie ein Mitglied der Familie behandelt und auch die Kinder fingen an, sie mehr und mehr zu schätzen. Sie war eigentlich mehr eine Freundin als eine Kinderfrau für sie und obwohl die Kinder sie am Anfang natürlich ausprobierten, ließ Anna nicht mit sich spaßen. Als die Kinder merkten, dass sie zwar streng, aber nicht ungerecht war, und versuchte, sich in sie hineinzuversetzen, wurde ihr Verhältnis immer besser. Die Eltern sahen dies mit Freude: Sie hatten schon mehrere Kinderfrauen gehabt, die aber nie lange geblieben waren. Anna hatte eine bestimmte Überlegenheit, die die Kinder akzeptierten.
Obwohl die Familie nicht unbemittelt war, lebte sie sehr bescheiden und gab nicht mit ihrem Geld an. Im Gegenteil, die Eltern wollten nicht, dass die Kinder dachten, alles werde einem auf dem Präsentierteller serviert; vielmehr sollten sie lernen, dass man arbeiten musste, um sich seine Wünsche erfüllen zu können.
Mit den drei Ältesten ging es prima, aber der Jüngste, der vielleicht als kleines Kind etwas verwöhnt worden war, hatte so seine Launen. Dennoch gelang es Anna, auch ihn für sich zu gewinnen.
Die Familie nahm sie auch manchmal mit, wenn sie zu ihrem Landsitz fuhren. Im Sommer wurden dort oft Feste gefeiert. Freunde luden einander ein und man verbrachte dann miteinander einen geselligen Tag im Freien. Ja, diese Menschen waren sozusagen „wohlhabend“. Anna hatte es recht gut getroffen. Sie lernte ziemlich schnell Niederländisch, was sie sehr ernst nahm. Obwohl es die Familie lieber gesehen hätte, dass sie den Kindern Deutsch beigebracht hätte!
An ihren freien Tagen ging sie mit ihrer Freundin Mira aus und allmählich wurde sie auch in deren Freundeskreis gut aufgenommen. Es war eine fröhliche Zeit, die zwanziger Jahre, und jeder genoss das vollauf. Der Krieg wurde am liebsten so schnell wie möglich vergessen und man war davon überzeugt, dass so etwas Furchtbares nie wieder geschehen würde.
Ab und zu fuhr Anna noch nach Hause, aber nicht von Herzen. Zwar war sie froh ihre Eltern wiederzusehen, aber die gut gemeinten „Trostworte“ ihrer Mutter hatte sie noch lange nicht vergessen. Ihr Vater war ein stiller Mann. Ein echter Lehrer, mit einer großen Schwäche für seine Tochter. Und wenn sie Ihre Eltern besuchte fotografierte er sie, sooft er nur konnte. Denn das war sein neues Hobby geworden. Er entwickelte seine Bilder sogar in der Sonne, darin war er sehr geschickt. Und die Porträts, die er von seiner Tochter machte, waren Stück für Stück gelungen.
Ihre Freunde und Freundinnen von früher sah sie noch manchmal, obwohl die natürlich ebenfalls längst ausgeflogen waren, wenn auch nicht so weit weg wie sie. Es gab auch Freunde, die ihr den Hof machten. Sie luden sie zu einer Tanzpartie ein und sie vergnügte sich prima. Aber sich in einen von ihnen verlieben? Nein, sie hatte sich vorgenommen, sich nie wieder in einen deutschen Jungen zu verlieben.
In den Niederlanden hatte sie zwischenzeitlich auch einige Freunde kennengelernt und einen von ihnen fand sie wirklich sehr sympathisch. Er war gerade einmal ein Jahr älter als sie und studierte schon seit ein paar Jahren Physik in Leiden. Seine Eltern wohnten in dem Ort, in dem auch Anna und Mira lebten und wenn er an den Wochenenden dort war, gingen sie oft miteinander aus. Das heißt, wenn es Anna gelegen kam. Sie hatte nicht jedes Wochenende frei, denn wenn die Familie fortging, musste sie selbstverständlich bei den Kindern bleiben. Sie verglich ihre deutschen Freunde stets mit ihrem niederländischen Freund Leo und das fiel immer zu seinem Vorteil aus! Darum lachte sie nur über die Schmeicheleien der deutschen Kameraden und gab keinem die Chance, bei ihr landen zu können.
Die Jahre vergingen schneller als gedacht. Leo brauchte ziemlich lange mit seinem Studium und seine Eltern fanden, dass er erst einmal Geld verdienen musste, bevor er überhaupt ans Heiraten denken durfte. Aber darüber hatten sich Leo und Anna auch noch nicht ernsthaft Gedanken gemacht. Anna hatte Michael noch nicht vergessen und ob sie überhaupt jemals heiraten würde? Ach, daran wollte sie lieber gar nicht denken. Leo dachte schon daran, aber angesichts der Umstände wagte er es nicht, offen darüber zu reden. Ob es davonkam, dass er so lange für sein Studium brauchte? Oder hatte er Angst keine guten Noten zu erzielen? Sein Vater war ziemlich streng und verlangte von seinem Sohn, dass er stets der Beste war. Kurzum, es dauerte fast acht Jahre bis er endlich, dafür aber mit einem „cum laude“, sein Studium abschloss.
Inzwischen fing es in Deutschland zu rumoren an. Anna verfolgte dies zwar aus der Ferne; weil sie jedoch noch nie Interesse an Politik gehabt hatte, wollte sie sich nicht darin vertiefen. Wohl merkte sie, dass es in ihrem Land wirtschaftlich immer schlechter ging. Es gab immer mehr Arbeitslose. In den Zeitungen las sie von den Arbeiteraufständen, die hier und dort stattfanden. Ein ungutes Gefühl machte sich bei ihr hierüber breit und sie besuchte eigentlich immer weniger gerne ihre Eltern. Es schien, als ob alles stets unruhiger wurde. Als sie eines Tages, während sie zufällig zu Hause bei ihren Eltern war, den Postboten sah, dachte sie bei sich: „Was irritiert mich nur bloß an ihm? Warum kommt er mir so seltsam vor?“ Da entdeckte sie, dass er hohe, glänzende Stiefel anhatte.
Er war natürlich älter geworden, aber er schien auch ein anderer Mann geworden zu sein. War das überhaupt derselbe Postbote wie früher? Sie lief schnell weiter und tat so, als ob sie ihn nicht gesehen hatte. Zu sehr war sie erschrocken. Von diesen Stiefeln ging etwas Bedrohliches aus. Sie fragte ihren Vater warum, um Himmels Willen, der Postbote so verrückt aussah und ihr Vater antwortete: „Mein Kind, alles wird anders, die Welt bleibt nie dieselbe. Und die Mode sowieso nicht: Vielleicht findet er es bequem, in Stiefeln zu gehen. Er ist auch nicht mehr der Jüngste.“ Dabei sah er sorgenvoll drein und sagte nichts weiter.
Anna blieb in diesem Urlaub nicht länger als nötig zu Hause. Sie fühlte sich überhaupt nicht wohl in Deutschland und war vorzeitig zurückgekehrt zu ihrer Familie in die Niederlande, bei der sie auch wohnte. Ihrem Gefühl nach war sie eigentlich mehr Mitglied dieser Familie denn Mitglied ihrer eigenen Familie in Deutschland. Auch ihre Brüder wurden ihr fremd. Sie waren ihr zu begeistert über all die Krawalle zwischen den Kommunisten und Nationalisten. Die ganzen unheimlichen Parteien, die mochte sie nicht. Freilich, sie wusste wohl, dass auch ihr Vater diesen Enthusiasmus missbilligte, aber er traute sich nicht viel zu sagen. Es gab schon Kinder, die ihre Eltern verraten hatten, weil die Partei, deren Mitglied sie zufällig waren, das sozusagen anordnete.1 Würden ihre Brüder auch diesen dummen Vereinen beitreten? Sie hoffte nur, dass sie es nicht taten. Obwohl: Der Jüngste war ein ziemlich fanatisches Kerlchen und von ihm hätte sie es sich vorstellen können. Sie schüttelte diesen Gedanken von sich ab und beschloss, ihr Leben hier im ruhigen Holland zu genießen.
Sie freute sich auf Leo. Er hatte sie vom Zug abholen wollen, er war jedoch nirgends zu sehen. Das sah ihm eigentlich nicht ähnlich. Aber am nächsten Abend, als sie von einem Nähkurs, mit dem sie vor kurzem begonnen hatte, nach Hause kam, erwartete er sie schon. Sie war glücklich, dass er da war und es folgte eine innige Begrüßung. Ihre gnädige Frau ging diskret aus dem Zimmer und so hatten sie eine kurze Zeit für sich alleine.
„Ach Leo, wie bin ich froh, dich wiederzusehen und auch so froh, wieder hier zu sein.“
„War es denn nicht schön bei Deinen Eltern?“ fragte Leo.
„Oh ja, das schon, aber die Stimmung in Deutschland konnte ich nicht länger ertragen. Es geschehen dort so widerliche Dinge. Die Leute werden immer ärmer, es gibt Aufläufe, Geschrei und der Postbote hat sich verändert.“
„Der Postbote?“
„Ja, ach habe ich dir nicht die Geschichte von Michael erzählt?“
„Ja, das hast Du“, sagte Leo und er wusste, wie traurig sie immer noch hierüber war. Daher wagte er auch nicht, die Frage zu stellen, die ihm eigentlich auf den Lippen brannte.
„Aber was hat das denn nun mit dem Postboten zu tun?“
„Früher war er ein netter Mann. Er ist jetzt noch älter geworden und in meiner Erinnerung war er schon alt, aber das ist es nicht. Es ist die Tatsache, dass er nun Stiefel trägt. Und dasselbe ist mir bei mehreren Amtsträgern, wie zum Beispiel der Polizei, auch aufgefallen.“
Leo machte ein bedenkliches Gesicht. Dass es in Deutschland in die militärische Richtung ging, hatte er schon vage vermutet, angesichts der Berichte in den Zeitungen, die allerdings recht summier gehalten waren. Aber er wollte dieses tragische Thema nicht weiter vertiefen und um ihm eine lustige Wendung zu geben, fragte er:
„Sind dir denn die holländischen Holzschuhe lieber als die deutschen Lederstiefel?“
Anna sah ihn an und begann zu lachen: „Was meinst du jetzt damit?“
„Ach, jetzt werde ich dich ganz einfach fragen: Willst du diesen holländischen Käskopp heiraten?“
