Lied der Jahreszeiten - Margret Silvester - E-Book

Lied der Jahreszeiten E-Book

Margret Silvester

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Beschreibung

Wie die Erde um die Sonne kreist, wie es Tag und wieder Nacht wird, wie der Winter dem Frühling weicht - so liest sich der Sonettenkranz. Aus der Starre des Winters entsteht neues Leben, das dort reifen kann, wo es geschützt und liebend erwartet wird. Vom Aufbrechen des Eises, von der Gefühlskälte, die das Sterben in sich trägt, von tröstender Wärme und dem alles verzehrenden Feuer eines heißen Sommertages bis hin zur Ernte, die auch der Schnitter hält, erzählen die 60 Sonette. In vier Abschnitten mit je einem Meistersonett zu einem Kranz gebunden, geben sie wieder, was uns im Jahreskreislauf begleitet; wiederkehrend, erneuernd, auftrumpfend, streitbar, versöhnlich, vergänglich.

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Seitenzahl: 29

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Faunsflötenlied Ich glaube an den großen Pan, Den heiter heilgen Werdegeist; Sein Herzschlag ist der Weltentakt, In dem die Sonnenfülle kreist.

Es wird und stirbt und stirbt und wird, Kein Ende und kein Anbeginn. Sing, Flöte, dein Gebet der Lust! Das ist des Lebens heilger Sinn.

Otto Julius Bierbaum *1865 +1910

Für Jule und Rüdiger

Inhaltsverzeichnis

Winter

Meistersonett

Frühling

Meistersonett

Sommer

Meistersonett

Herbst

Meistersonett

Anhang

Winter

Still wartend, dass das Licht geboren wird, doch zweifelnd noch in dieser Zeit

I

In einer Zeit, die zwischen Zeiten liegt,

in der schon eine Kerze viel erhellt,

in der das weite Himmelszelt

sich eng an Mutter Erde schmiegt,

in dieser Zeit, mit Winterluft so klar,

die manches Herz zum Schweigen bringt,

in der nur leis im Traume klingt,

was sommers warm und sinnlich war,

in dieser Zeit soll keiner einsam sein,

denn Freude wird vermehrt durch viele

und bricht die längste Nacht herein,

steht alles still und hält den Atem an,

wartet auf aller Nächte Ziele,

schauend nach Osten dann und wann.

II

In Breiten, die das Licht vergessen haben,

verlernt ein Kind das Lachen früh,

und haben Eltern mit viel Sorg und Müh

zuerst die eignen Sorgen zu begraben.

Wenn statt der hellen Sterne Glänzen

vom Himmel tausend Tode reiten,

lässt sich in diesen dunklen Breiten

die Zahl der Wunder stark begrenzen.

Da hilft der Glaube an ein Leben

jenseits des Dunkels zu erwarten.

Und spürt dann doch die Erde beben.

Die Große Mutter netzt mit Tränen,

ihren einstmals schönen Garten,

der längst besetzt ist von Hyänen.

III

Wo Träume unter Schnee begraben,

wo wilder Schwäne letzte Reise ist,

wo sich der Große Bär vergisst

im langen Schlaf, bewacht von Raben,

wo selbst die Bäche Starrsinn zeigen

und nicht mehr durch die Felder eilen,

sondern bizarr in Eis verweilen

und sich vor Vater Frost verneigen,

da kann nur Leben überstehen,

das mindestens das eine weiß:

Der Winter wird vorüber gehen.

Die Schwäne werden wieder fliegen,

denn ganz gewisslich schmilzt das Eis.

Und Vater Frost wird unterliegen.

IV

Die Kälte sich im Eiswind wiegt;

sie fühlt sich groß, denn sie ist stark.

Sie weiß, sie dringt durch Bein und Mark.

Das ist die Sache, die ihr liegt.

So manche Kälte macht sich breit.

Sie trennt mit ihrem scharfen Stahl,

was ihr die Chance gibt - allemal.

Sie weidet sich an diesem Leid.

Sie ist besessen von der Macht,

die alles, was sich mag, verdirbt,

nur vor einem hat sie Acht:

Dem Feuer, das im Herzen brennt.

Es macht, dass diese Kälte stirbt,

an jedem Ort, wo man es kennt.

V

Dort spannt ein Himmel sternenklar,

der überwindet Raum und Zeit,

belächelt jeden Erdenstreit,

weiß nichts von Stunde oder Jahr.

Egal, ob unter ihm die Meere

Verderben oder Freude bringen,

ob Vögel nicht mehr länger singen,

ob auf den Feldern toter Heere

der Krieger Körper bald erkalten;

ob Küsten schwinden, Städte sinken,

und Kinderstimmen längst verhallten.

Was kleiner Menschen Träume sind -

der Himmel lässt die Sterne blinken

und ist fürs Erdenleben blind.

VI

Vom Großen Bär bis Sirius,

von Venus bis zum Orion,

vom Widder bis zum Skorpion,

von Magellan bis Pegasus

vertrauen wir den Schicksalsboten;

wir hoffen auf die Hohen Mächte

und beten uns durch lange Nächte.

Zum Schluss beklagen wir die Toten.

Wir suchen lange nach der Schuld

und brauchen doch nicht weit zu gehen,

uns fehlt es einfach an Geduld,

an Liebe und an Freundlichkeit.

Denn diese Erde lässt geschehen