Life is Beautiful - Sasha Del Serce - E-Book

Life is Beautiful E-Book

Sasha Del Serce

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Beschreibung

Wer braucht schon Sex!? Sandra, Mitte Dreissig und seit zu vielen Jahren (un)glücklich Single, schiebt jeden Gedanken an ein erfülltes Liebesleben beiseite. Bis sie auf Ruben trifft. Er weckt Gefühle in ihr, von denen sie nur zu träumen gewagt hat. Sandras beste Freundinnen jedoch warnen sie vor dem selbst ernannten Gigolo und haben allerlei verrückte Ideen parat für den Fall, dass es schiefgeht. Kann ein Tango-Tanzkurs sie wieder auf den richtigen Weg führen? Und was ist eigentlich mit Leonardo?

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Seitenzahl: 293

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Sasha Del Serce, geboren in der Schweiz, ist während ihres 4. Lebensjahres mit ihrer Familie nach Südamerika und Südafrika ausgewandert. Mit 13 ist sie zurückgekehrt in die Schweiz, wo sie bis heute lebt.

Für ihr erstes Buch „Life is Beautiful“ hat sich Sasha von ihrer Fantasie inspirieren lassen.

facebook.com/sasha.delserce

Liebe kennt keine Standards und keine Grenzen.

Liebe ist.

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

1

„Findest du nicht, dass man mir das Alter langsam ansieht?“ Ich stehe im Bad mit meiner Freundin Stella und starre mich im Spiegel an. Ich grinse und Lachfältchen bilden sich um meine Augen.

„Sandra, im Ernst, du siehst super jung aus und deine Grübchen sind so süß und sexy. Du brauchst eine Brille, das ist sicher.“ Stella verdreht die Augen und schaut mich von der Seite an. „Du bist 35 und siehst aus wie 28! Ich habe gelesen, dass wir Frauen sexuell erst in den Dreißigern richtig in Fahrt kommen.“ Stella hebt eine Augenbraue und schmunzelt. „Dann kannst du jetzt Vollgas geben und dein Liebesleben auskosten.“

Ich bin ein bisschen überrascht, dass so ein Satz von Stella kommt. Ich sehe sie belustigt an und schaue dann wieder zurück in den Spiegel. Mein eher bleiches Gesicht und meine braunen Augen finde ich total langweilig, aber meine langen, dunkelblonden Haare reißen es raus. Ich schließe kurz die Augen und meine innere, mahnende Stimme sagt: „Ich bin gut, wie ich bin. Ich bin schön und sexy!“

„Also ich habe gelesen, dass man ist, was man denkt. Wenn ich mir jeden Tag sage, wie schön ich bin, und wenn ich es auch so richtig spüre und glaube, dann bin ich es auch und mein Umfeld denkt es auch. Ich habe mir geschworen, dass ich mich lieben werde, egal wie ich mich fühle. Mein neues Motto heißt: Brüste raus, Kinn hoch, zeig, was du hast und sei stolz drauf. Jedes Fältchen zeigt Lebenserfahrung.“ Ich öffne meinen Mund und zeige Stella die Zähne für die Nach-dem-Essen-Kräuter-in-den-Zähnen-Kontrolle.

„Alles gut, Sandra, du hast nix zwischen den Zähnen.“ Sie grinst und zeigt mir ihre Zähne. „Alles gut bei mir?“

Ich lache. „Jep, alles schön wie immer.“

Und das meine ich auch so. Stella ist einfach wunderschön. Sie hat eine goldbraune Haut, große, honigbraune Augen und attraktive, volle Lippen. Sie hat eine sportliche Figur und kann einfach alles tragen. Sie hat diese zeitlose Eleganz. Stella und ich haben uns bei der Arbeit kennengelernt. Wir sitzen auf demselben Stockwerk und treffen uns ab und zu im Bad, um unsere News zu teilen.

„Ich finde das eine gute Einstellung, Sandra. Wie soll dich jemand lieben, wenn du es selber nicht tust? Das hat was!“ Stella nickt und bestätigt damit meine Theorie.

Wir machen uns auf den Weg zurück zum Schreibtisch. „Stella, ich muss dir was sagen“, meine Stimme wird leiser, „ich bin jetzt seit fünf Jahren Single, und wenn ich ehrlich bin, hatte ich schon seit fünf Jahren keinen... Du weißt schon...“

Stella bleibt stehen und sieht mich fragend an. „Nein, ich weiß es nicht...“

Direkt sage ich: „Sex... Ich hatte schon seit fünf Jahren keinen Sex mehr. Oder besser gesagt seit sechs Jahren.“

Sandra sieht mich sehr ernst und fast schon wie eine strenge Lehrerin an. „Das ist nicht dein Ernst. Du? Das überrascht mich wirklich. Ich hatte immer das Gefühl, dass du die Sexgöttin bist, die ständig begattet wird von verschiedenen Typen, du bist sexy und dazu auch sehr offen, wenn es um Sex geht. Außerdem gehst du ständig Salsa tanzen, da gibt es bestimmt einige schöne, heißblütige Männer, die dich ins Bett kriegen wollen. Salsa ist doch Sex auf der Tanzfläche.“

Ich schüttle meinen Kopf. „Das war ich vor langer Zeit, aber das interessiert mich nicht mehr. Ich tanze Salsa gern leidenschaftlich, ich flirte auch auf der Tanzfläche, die körperliche Nähe beim Tanzen ist für mich ganz normal, es ist nichts Besonderes. Natürlich ist es manchmal auch sehr erotisch und es prickelt ein bisschen, aber es ist nie mehr als das. Außerdem hatte ich meine Beziehung mit Mike. Das Thema Sex war für mich einfach sehr unwichtig. Wir hatten im letzten Jahr unserer Beziehung keinen Sex mehr. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe auch gar nicht mehr so viel Lust auf Sex. Mike war sowieso immer unterwegs und ich war ganz froh drum, dann musste ich nicht mit ihm schlafen. Mike hat dann mit der Zeit auch immer weniger Interesse gezeigt an Sex. Wir hatten einfach eine schöne Beziehung mit wenig Sex. Für mich stimmte das so. Hätte Mike nicht Schluss gemacht, wären wir jetzt glücklich verheiratet. Schade, dass er die Karriere bevorzugt hat. Er ist und bleibt meine große Liebe. Ich glaube, dass er immer noch Single ist. Er hat wenig Interesse an einer neuen Beziehung.“

Ich merke, dass mir das ganze Thema etwas peinlich ist.

Meine Freundin schaut mich bohrend an. „Sandra, wir kennen uns jetzt schon seit sieben Jahren und das erzählst du mir erst jetzt! Du willst mir doch nicht sagen, dass dich das wirklich glücklich gemacht hat und dass dir nichts fehlt!“

Bei Stella bin ich immer ein bisschen zurückhaltend mit solchen Themen. Sie ist super korrekt, ein fleißiges Bienchen, immer hilfsbereit und man hat das Gefühl, dass man solche Themen vielleicht nicht unbedingt mit ihr besprechen sollte, weil sie total rein und unschuldig wirkt, wie die Jungfrau Maria. Aber sie überrascht mich immer wieder aufs Neue mit ihrer ehrlichen, toleranten, offenen Art. Sie ist einfach einer der nettesten Menschen, die ich kenne.

Wir stehen noch immer mitten im Gang und sehen uns an. Stella lächelt. „Komm, wir machen uns am Samstag einen schönen Abend mit Dirty Dancing, Hugo, Pizza und Eiscreme. Dann können wir über Sex und die Liebe sprechen. Die Wände haben hier Ohren.“

Wie auf Kommando öffnet sich die Tür und Rose stürmt auf mich zu mit einem bösen Blick. „Sandra, da bist du ja, ich dachte schon, dass ich ohne dich an die Sitzung muss!“ Ich schaue auf die Uhr. „Oh, oh, ich hätte es fast vergessen, sorry. Stella, ich muss los. Heute treffen wir uns mit dem neuen Mitarbeiter. Keine Ahnung, um was es geht. Bis später, meine Liebe!“

Stella ruft uns nach: „Reserviert euch den Samstag, wir machen einen Mädelsabend!“

Rose zieht mich am Ärmel mit und wir machen uns auf den Weg zum Sitzungszimmer. Ich frage sie: „Kennst du den Neuen schon?“

Sie verzieht das Gesicht. „Ja, ich mag den Typen nicht, scheint ein bisschen arrogant zu sein und er sieht nicht wirklich gut aus. Ein Macho ohne Inhalt. Aber er hat diesen schönen, spanischen Akzent. Das ist wohl das Einzige, was ihn einigermaßen nett wirken lässt. Ich glaube, dass er aus Spanien kommt.“

Stella und Rose sind meine besten Freundinnen. Rose kenne ich erst seit einem Jahr, aber sie ist mir sehr nah und ich kann ihr einfach alles erzählen. Wir haben ein endloses Vertrauen zueinander. Sie ist eine sehr beeindruckende Person, denn sie ist zwar erst 25 Jahre alt, aber schon reif und weise wie eine alte Seele. Sie ist super emphatisch und sie kann mir meine Sorgen und Gedanken vom Gesicht ablesen. Ich finde sie sehr schön mit ihren großen, blauen Augen, den blonden, langen Haaren, die sie meistens in einem Dutt trägt. Durch den ganzen Sport, den sie treibt, hat sie einen voll definierten Körper. Super sexy, ohne dass sie es weiß! Sie ist mein Vorbild in so vielen Dingen, weil sie immer ihrem Bauchgefühl folgt und nichts tut, was sie nicht tun will.

*

Wir betreten den Sitzungsraum.

„Hi“, der Neue baut sich vor mir auf, „ich bin Ruben.“

„Hi, Rrruben, ich bin Sandrrra“, sage ich und grinse kurz Rose an. Habe ich da gerade ein bisschen übertrieben mit dem rollenden R? Er scheint das sowieso nicht gemerkt zu haben. Er schaut mich an ohne Regung im Gesicht.

Ruben ist groß, hat grüne Augen, dunkles, gewelltes Haar und ist ein bisschen stämmig gebaut mit Hüftgold. Seine vollen Lippen sind sehr schön, aber das ist auch alles. Sein Blick ist grimmig und arrogant, wie Rose beschrieben hat. Nein, ich finde ihn wirklich auch nicht allzu gutaussehend. Echt unsympathisch.

„Willkommen in der Firma, Rrruben. Hast du gut gestarrrtet?“, frage ich. Rose schaut mich mit großen Augen an. Sie versucht, mir dezent ein Zeichen zu geben, damit aufzuhören. Aber ich finde es gerade so lustig.

„Ja, danke. Ich habe gut gestartet und ich würde sehr gern direkt zum Thema kommen. Ich arbeite im Business-Process-Team. Ich habe den Auftrag, die internen Prozesse zu optimieren und dafür sollen wir beide zusammenarbeiten. Ich habe gehört, dass du die Prozesse sehr gut kennst von den einzelnen Teams. Das wurde mir so gesagt.“ Er schaut mich an mit einem unangenehmen Stechblick, der mich schon jetzt ziemlich nervt.

„Klar, können wir gern tun, stell mir doch einfach für nächste Woche einen Termin ein, dann kannst du mir genau erklären, was du zu tun hast und wie ich dir dabei helfen kann.“

Er schaut mich fragend an. „Können wir nicht jetzt damit beginnen? Wir werden gemeinsam an diesem Projekt arbeiten. Ich denke, dass die Zusammenarbeit ein paar Monate dauern wird, und es wäre gut, wenn wir das jetzt vorbesprechen können.“

Rose räuspert sich. „Leute, ich denke, dass ihr mich hier nicht braucht, oder? Hat mich gefreut, Ruben. Bis gleich, Sandra.“ Sie steht auf, lächelt mich an, zwinkert mir zu und verlässt einfach den Sitzungsraum.

Oh Mann, wie das nervt. Ich schaue Rose flehend nach und sie zieht einfach die Tür hinter sich zu, ohne noch einmal zurückzuschauen.

„Ruben, ich habe keine Zeit, aber wenn du mir für die nächste Woche einen Termin schicken könntest, dann...“

Er unterbricht mich: „Du kommst mir irgendwie bekannt vor, Sandra. Tanzt du Salsa?“

Ich bin etwas überrascht. „Eh, ja, wieso?“

Er lacht. „Weil wir uns vor Jahren einmal begegnet sind in der Dream Dancers Tanzschule. Ich glaube, dass du da Salsa geschnuppert hast.“

Ich erinnere mich. „Stimmt, da habe ich mal geschnuppert. Warst du auch in diesem Kurs? Ich kann mich nicht an dich erinnern.“

Er starrt mich an. „Wir haben sogar getanzt für etwa 15 Sekunden. Ich war damals ein bisschen dicker.“

Ich überlege. „Ich hatte da nur mit dem Tanzlehrer kurz den Grundschritt demonstriert, der mir gesagt hat, dass ich Anfängerniveau tanze.“

Er grinst, zieht eine Augenbraue hoch und nickt.

Ich kneife die Augen zusammen. Ungern erinnere ich mich an diesen Moment zurück. Er hatte sich vor der ganzen Klasse lustig gemacht über mich. „Ach, das warst du! Jetzt, wo du es sagst, erinnere ich mich. Na ja, es hat mir dann doch nicht so gut gefallen in dieser Tanzschule. Ich habe mich für eine andere entschieden. Aaalso, Ruben, dann sehen wir uns nächste Woche? Schick mir bitte einen Termin. Ich muss jetzt los.“

Wir verabschieden uns und ich gehe zurück an meinen Arbeitsplatz.

Rose grinst mich breit an. „Tut mir leid, ich hatte echt keinen Bock, über Prozesse zu sprechen, das interessiert mich nun wirklich nicht. Ich weiß echt nicht, wieso mein Boss mir gesagt hat, dass gerade ich dieses Meeting arrangieren soll. Der Typ ist schrecklich, oder!?“

Ich verdrehe die Augen. „Oh ja, ich finde ihn echt unsympathisch, arrogant, und stell dir vor, wir kennen uns. Hilfe!“

Rose macht große Augen. „Waaas!!!“

„Ja, vor drei Jahren habe ich mal einen Schnuppertanzkurs gemacht in der Dream Dancers Tanzschule. Er war der Lehrer! Ich habe ihn nicht wiedererkannt, weil er damals ziemlich dick war. Außerdem hat er einfach auch keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Ich lache laut.

„Das gibt’s doch nicht! So ein Zufall. Die Welt ist klein.“

Ich packe meine Sachen zusammen. „Ja, stimmt. Die Welt ist echt klein. Hey, ich gehe nach Hause. Wir sehen uns morgen.“

Rose nickt, schickt mir einen Luftkuss zu und vertieft sich wieder in ihren Bildschirm.

In Gedanken versunken spaziere ich zur Bushaltestelle. Rrruben. Was haben diese Südländer nur für ein Selbstvertrauen. Woher kommt das bloß? Der Blick von Rose war so lustig. Er ist derart arrogant, obwohl er bis auf diese großen, vollen Lippen nicht gut aussieht.

Wieso gibt es in unserer Firma nicht einen einzigen schönen Mann, aber dafür umso mehr schöne Frauen? Wahrscheinlich, weil 80 % der Führungskräfte Männer sind, die nur die schönsten Frauen aussuchen, um sich täglich aufzugeilen. Bei den Männern suchen sie wahrscheinlich die kleinste Konkurrenz aus, deshalb muss es ein hässlicher Idiot ohne IQ sein, damit sie selber gut dastehen. Es würde sonst auffallen, was sie für Pfeifen sind.

Was sagt das über die Führungskräfte, nein, über die Firmen, nein, über die Männer dieser Welt aus?

Ich grinse wieder und sage laut: „Sandra, achte auf dein Karma!“

2

Ich wiege mich hin und her zum sanften Klang der Musik im Hintergrund. Ich summe leise zu meinem Lieblingslied „Ne Me Quitte Pas“ von Yuri Buenaventura. Das Lied hat etwas Melancholisches. Ich stehe auf einer großen Terrasse mit Sicht auf einen See. Oder ist es das Meer? Die Sterne und der Mond sind riesengroß und spiegeln sich im Wasser. Ich schließe die Augen, drehe mich langsam im Kreis und fange an, zur Musik zu tanzen. Die frische, warme Luft tut gut. Sie riecht nach Sommerblumen.

Ich spüre, wie sich von hinten sanft ein Körper an mich drückt. Eine Hand streicht mir über meinen Bauch und zieht mich an sich heran. Ich lege meinen Kopf in den Nacken und fühle warme Lippen an meinem Hals. Warm und … feucht. Sehr feucht! Üüüüh! Ich höre ein Schnurren. Hä? Ich öffne die Augen und liege in meinem Bett. Meine Katze liegt schnurrend auf mir und drückt mir ihre Krallen voller Liebe in die Brust.

„Aaau, Mokka! Du süßer Teufel, wieso musst du immer so geifern, wenn du schnurrst!“ Ich wische mir das Gesicht ab. „Guten Morgen, meine einzige und größte Liebe, hast du auch so schön geträumt wie ich?“ Mokka antwortet mit einem dramatischen „Miauuu“ und trabt mir hinterher ins Bad.

Was für ein Traum! Ich bin noch etwas beschwipst von diesem Gefühl und spüre ein Ziehen in meinem Bauch. Es ist tatsächlich lange her, seit ich das letzte Mal so einen Traum hatte. Was soll das! Wieso sollte ich jetzt Lust verspüren! Etwa wegen meiner Begegnung mit Ruben? Der Typ ist in seinem ganzen Wesen einfach nur abstoßend. „Was soll das, Sandra! Bist du jetzt auf einmal läufig!?“ Ich grinse und schüttle meinen Kopf.

Unter der Dusche schließe ich die Augen. Ich lasse das warme Wasser über mich rieseln. Heute fühle ich mich wirklich etwas, sagen wir mal, angeregt. So weich und warm und sexy. Na gut, wieso nicht? Die Lust ist ein seltener Besucher.

Wer soll der Glückliche sein für mein Liebesspiel? Mario Lopez oder Liam Hemsworth? Nein, er muss etwas Reifes und Dreckiges haben. Vielleicht Jason Momoa. „Jaaa, genau, du bist es, Jason!“ Ich streiche mir über meine Brüste und stelle mir sein Gesicht vor, kneife meine Brustwarzen. Ich halte kurz inne und kneife fester.

„Nee, das tut nichts für mich.“ Ich fahre mit meinen Fingern zwischen meine Schamlippen und bewege sie hin und her, dringe in mich so tief es geht mit meinem Mittelfinger ein. Ich stelle mein Bein auf den Duschrand, damit ich tiefer komme. Ich lasse meinen Finger kreisen und mache mich auf die Suche nach einem Kribbeln.

Vor einiger Zeit hatte ich in einem Buch gelesen, dass Sex gelernt und geübt werden muss. Es ist nicht einfach gut. Wir Frauen müssen das wirklich regelmäßig üben. Wir müssen uns berühren und die guten Stellen finden, weil jede Frau anders ist, und wie es scheint, ist meine richtige Stelle speziell gut versteckt. Ich finde sie einfach nicht.

„Aaarg!“ Jason ist weg. Leider nein. Heute nicht! Schade. Ich bin einfach nicht sexuell. Ich ärgere mich total. Wie sehr würde ich mir eine schnelle einfache Befriedigung wünschen. Die Männer können sich so einfach und schnell erleichtern. Ich bin neidisch. „Im nächsten Leben bin ich ein Mann.“ Ich stelle die Dusche aus.

Wieso sind wir Frauen so komplexe und komplizierte Wesen? Wieso kann ich nicht einfach auf meine Lust reagieren und mich kurz selbst befriedigen? Wieso brauche ich so viel mehr, bis ich in Stimmung bin? Das ärgert mich schon lange.

„Ja, ich bin neidisch! Ich will einfach geil sein und schnell kommen können, und ich will im Stehen pinkeln können!“ Mokka schaut mich an und miaut, als ob sie mir zustimmen würde. „Wenn nicht einmal ich weiß, wie es geht, wie soll sich denn dann ein Mann zurechtfinden!“

Ich ziehe mich an und mache mich fertig für die Arbeit.

*

„Guten Morgen, meine Liebe.“ Ich schwinge mich auf meinen Bürostuhl und grinse Rose an.

„Hattest du Sex, Sandra? Du siehst heute so frisch aus.“ Rose lacht.

Ich werde ein bisschen verlegen. „Neiiin, aber ich hatte einen schönen Traum. Leider ohne Happy End. Mokka hat mich geweckt.“ Ich flüstere Rose zu: „Hattest du schon einmal einen Orgasmus in einem Traum?“

Rose überlegt. „Ja, hatte ich.“

Ich schaue sie prüfend an. Sie ist immer so offen und ehrlich, das liebe ich an ihr.

„Ja, ich auch. Sehr oft sogar, aber leider hatte ich schon lange keinen Orgasmus mehr, verfluchte Katze. Ich konnte nicht einmal sein Gesicht sehen. Meistens wache ich auf, während ich komme, weil es so intensiv ist. Wenn es möglich ist, im Traum zu kommen, müsste es theoretisch auch bedeuten, dass wir nur durch unsere Gedanken einen Orgasmus haben können, oder? Rose, ich will das können! Stell dir mal vor, dass du dich selber nur durch deine Gedanken zum Orgasmus bringen könntest. Wow, das wäre suuuper, ich hätte multiple Orgasmen. Oder während Sitzungen einfach kurz einen Quickie. Das wäre so cool.“

Rose schlürft ihren Tee. „Also ich kann mich nicht beschweren, mit Orgasmen hatte ich noch nie Mühe. Ich kann nach einer Minute schon kommen, wenn ich will. Zack und ich kommen oft auch gleichzeitig, weil ich es steuern kann.“ Sie grinst mich breit an.

Ich schüttle meinen Kopf und starte meinen Computer. „Ich hasse dich!“ Ich beneide sie in diesem Moment so sehr. Bin ich mit meinen 35 Jahren wirklich nicht fähig, einfach einen Orgasmus zu haben? Für mich ist es harte Arbeit und meistens klappt es gar nicht, auch wenn ich es mir selber mache. Wenn ich mit einem Mann zusammen bin, dann habe ich nie einen Orgasmus. Es ist doch verrückt, dass ich einfach nicht kommen kann mit einem Mann. Wie unfair!

Ich schaue meine Emails durch und verdrehe die Augen. „Stell dir vor, Rrruben hat mir für heute eine Einladung geschickt. Ich habe ihm gesagt, dass ich diese Woche nicht kann. Was soll das? Nö, die Einladung nehme ich nicht an.“ Ich klicke auf „nein“ und schreibe als Grund: „Konflikt mit einer anderen Sitzung.“

Rose schnattert: „Rrrrrrrrrrrrubääään, rrrrrhhh.“

*

Es ist Mittagszeit. Ich habe noch keine Verabredung und schreibe Stella: „Hi, willst du zum Lunch mit mir?“ Ich starre auf den Bildschirm und hoffe, dass ich heute nicht allein essen gehen muss. Bling. Die Antwort von Stella. Sie hat bereits einen Termin. Ich frage Rose, aber sie hat auch keine Zeit. „Tut mir leid, Sandra, heute geht nicht. Vielleicht morgen?“ Rose lächelt mich entschuldigend an.

„Ist okay, ja gern, lass uns morgen zusammen essen“, antworte ich.

Ich packe meine Jacke und verlasse das Gebäude. Ich hole mir einen Take-Away-Salat, gehe ein Stück bis zum Waldrand, wo ich mich auf eine Bank setze und einfach ein bisschen in die Ferne schaue. Mit schöner Musik im Ohr beobachte ich die Leute, die an mir vorbeigehen. Gruppo Galé singt „Ven a Medellín“.

Hach, ich liebe dieses Lied! Die Welt erscheint einfach fröhlicher, wenn man Salsa hört. Es ist die pure Lebensfreude. Ich habe immer ein Dauergrinsen auf meinem Gesicht, wenn ich Salsa höre und es zuckt mir in den Beinen. Ich bekomme total Lust zu tanzen und wippe im Takt mit.

Mir klopft jemand auf die Schulter. Ich schaue in das Gesicht von Ruben. Er lächelt mich an und fragt, ob es okay ist, wenn er sich setzt.

„Klar, die Bank ist groß genug für uns beide“, sage ich knapp.

„Was hörst du für Musik?“, fragt er mich.

Ist wohl fertig mit der Ruhe. Ich seufze, ziehe die Kopfhörer raus und sage: „Ich liebe die alten Salsa-Lieder. Aber ich höre querbeet alles, was gut ist. Es muss einfach mein Herz berühren.“

„Gehst du noch Salsa tanzen?“, fragt er.

„Ja, ab und zu. Leider tanzen meine besten Freunde nicht, aber ich kenne mittlerweile einige Leute, die tanzen. Dann bin ich nie allein zum Glück.“

Er schaut in die Ferne und sagt: „Machst du noch Tanzkurse?“

Ich öffne meinen Salat und fange an zu essen. „Nein, ich mache keine Kurse mehr. Ich finde, dass ich die nicht mehr brauche. Neue Figuren kann ich auch während des Tanzens bei einer Party lernen. Im Kurs steht man sowieso meistens nur rum und bezahlt viel Geld dafür.“

Ruben schaut mich mit großen Augen an. „Du tanzt schon so gut, dass du keinen Tanzkurs mehr brauchst? Das meinst du damit, oder?“

Ich überlege. „Ja, ich denke schon. Ich tanze gut genug.“

Er fängt schallend an zu lachen. „Wow, dann hast du entweder riesige Fortschritte gemacht oder du bildest dir da ganz schön was ein!“

Ich verschlucke mich fast an meinem Salat. Was für ein Arsch! „Dann bist du wohl der Salsa-King, oder?“ Ich verdrehe die Augen.

„Nein, nein, so war das nicht gemeint. Hey, ich muss da noch etwas ansprechen. Du hast meinen Terminvorschlag einfach abgesagt ohne einen Gegenvorschlag. Dein Kalender ist heute frei, wieso treffen wir uns nicht um 15 Uhr für unser erstes Meeting?“

Oh Mann, jetzt kommt er damit. „Ja, also, ich habe viel zu tun. Deshalb würde ich gern erst nächste Woche damit anfangen.“ Ich gebe zu, dass das gelogen ist, deshalb weiche ich seinem Blick aus.

Er schaut mich wieder mit diesem bohrenden Blick an und schmunzelt. „Komm schon, eine halbe Stunde wirst du wohl entbehren können für mich?“

Es ist mir sehr unangenehm, daher lächle ich und sage: „Wenn es unbedingt heute sein muss, dann erst um 18 Uhr. Früher habe ich keine Zeit.“

Er nickt. „Ja, das geht auch.“

Ich verabschiede mich von ihm und mach mich auf den Weg zurück ins Büro. Was für ein arroganter Scheißkerl. Ist das jetzt mein Karma? Echt? Zurück im Büro öffne ich meine Mailbox und habe bereits eine Einladung von Ruben in meiner Inbox für heute um 18 Uhr. Ich krieg die Krise.

*

Es ist 16 Uhr. Stella kommt normalerweise um diese Zeit vorbei, weil wir oft zu dritt zum Bus gehen. Aber heute muss ich wohl oder übel dableiben. Ich winke den beiden Ladys zu und könnte mir in den Arsch beißen.

Jetzt sitze ich schon seit Stunden da und habe nichts zu tun, einfach nur, weil ich diesen Ruben ärgern will. Ich spiele Solitär, als ich heute ein zweites Mal von der Seite angesprochen werde. Wer sonst? Ruben!

„Hey Sandra, ich sehe, dass du waaahnsinnig beschäftigt bist. Wollen wir unser Meeting vielleicht auf 17 Uhr vorverschieben oder sogar auf jetzt?“ Er schaut mich ernst an.

Ich fühle mich ertappt und reagiere total verdattert. „Ehm, ja, wir können unser Meeting jetzt machen. Lass uns ins Sitzungszimmer gehen.“ Ich nehme meinen Laptop und gehe an ihm vorbei, ohne ihn eines zweiten Blickes zu würdigen.

Wir setzen uns ins nächste Sitzungszimmer. Ruben schaut mich freundlich an. Er fängt an: „Bevor wir starten, wollte ich mich noch entschuldigen. Ich habe das Gefühl, dass wir zwei falsch angefangen haben und das liegt an mir. Tut mir leid. Ich habe einen blöden Humor und merke manchmal nicht, dass andere meine Aussagen ernst nehmen und ich damit sehr verletzend sein kann.“ Er beobachtet meine Reaktion.

Ich starre ihm in die Augen. „Ja, stimmt, du hast wirklich eine sehr arrogante, überhebliche und gemeine Art. So machst du dir keine Freunde, das kann ich dir versprechen!“

Sein Blick hält meinem stand. „Das tut mir leid, wenn ich so rüberkomme. Falls ich etwas gesagt habe, was dich ärgert, dann tut es mir wirklich leid.“

Er grinst. „Zum Beispiel das mit dem Tanzen.“

Ich verziehe keine Miene. „Ich bleibe dabei. Du hast eine sehr arrogante Art und du bist beleidigend und dabei kenne ich dich nicht einmal. Das finde ich sehr unprofessionell.“

„Okay, ich habe keine Chance. Zwischen uns herrscht Krieg, oder? Wir müssen nun an diesem Projekt zusammenarbeiten und es wäre schöner, wenn wir auch Spaß hätten dabei.“ Er zieht die Augenbrauen hoch und wartet auf eine Antwort.

„Ich kann das gut trennen, Ruben. Wenn wir uns beide professionell verhalten, dann sollte das kein Problem sein. Können wir jetzt starten?“ Ich öffne meinen Laptop und starre ihn an.

„Aaah, du hast ja keine Zeit.“ Er grinst wieder und schüttelt den Kopf.

Er schaut mir eine Weile lang in die Augen und wartet auf eine Reaktion, dann gibt er auf, schüttelt wieder den Kopf und startet mit dem eigentlichen Thema Arbeitsprozesse.

Unsere Sitzung verläuft ganz gut und das Projekt interessiert mich sehr. Ruben hat alles daran gesetzt, dass die Stimmung aufgelockert wird. Das muss ich ihm lassen. Die Zeit vergeht schnell und um 18 Uhr machen wir Schluss.

Auf dem Heimweg merke ich, dass ich mich ein bisschen freue über dieses Projekt. Ich fühle mich beflügelt. Ich wollte schon immer die Arbeitsprozesse verbessern. Es ist eigentlich genau mein Ding. In unserem Bereich haben wir viele Leerläufe, weil die verschiedenen Teams nicht aufeinander abgestimmt sind. Ich habe es schon sehr oft angesprochen beim Line Management, aber bin immer auf taube Ohren gestoßen. Endlich wird das Thema ernst genommen. Ich spüre eine innere Aufregung, und wenn wir wirklich erreichen, dass die Zusammenarbeit der verschiedenen Teams verbessert wird, könnte das so gut werden.

3

Wochenende.

Wir drei Mädels treffen uns heute Abend bei Stella. Ich freue mich riesig auf unseren Mädelsabend. Ich ziehe meine Schlabberhose und ein lockeres T-Shirt an. Natürlich dürfen meine Kuschelsocken nicht fehlen, die ich in meine Tasche packe. Meine Haare binde ich hoch zu einem Pferdeschwanz. Los geht’s.

Bei Stella angekommen machen wir es uns auf dem Sofa bequem mit Kerzen und alter Schnulzenmusik im Hintergrund.

Rose erzählt ganz begeistert von ihrer Bike-Tour, die für morgen geplant ist. Es soll ja schönes Wetter werden. Sie und ihr Freund Zack treiben viel Outdoor-Sport miteinander. Morgen wollen sie zum Parramatta-Park fahren und dann das Schiff zurück zur Stadt nehmen. „Ach, ich liiiebe meinen Zack. Er hat so einen schönen Körper und er ist so klug und toll und …“, Rose schaut uns verträumt an, „wir powern uns aus auf unseren Bikes und dann am Abend kochen wir etwas zusammen und trinken einen Wein. Dann lieben wir uns bis wir erschöpft sind und dann schauen wir Dirty Dancing. Wahrscheinlich schlafen wir dann ein, vor wohliger Erschöpfung. Ich liebe solche Tage.“

Ich sehe Rose verträumt an. „Ach Rose, ein bisschen neidisch bin ich schon! Ihr seid so gut miteinander. Einfach alles stimmt bei euch. Ich weiß nicht, ob ich das schon je einmal hatte. Ihr habt gemeinsame Hobbys, guten Sex und mit Zack kann man sogar tiefgründige Gespräche führen. Was will man mehr!“

Rose lächelt. „Ehrlich gesagt weiß ich im Vergleich zu vielen auch ganz genau, was ich brauche, damit ich zu meinem Orgasmus komme. Ich mag es hart und leidenschaftlich. Ich leite ihn an und positioniere mich so, wie ich es brauche, damit ich maximal stimuliert werde. Dann klappt das super, Sandra. Es braucht ein bisschen Mut aber getrau dich einfach! Die Männer finden das toll.“

„Bist du nie gehemmt, wenn du das machst. Konntest du immer sagen, was du brauchst?“ Ich schaue Rose bewundernd an.

„Gehemmt! Never, wieso auch? Nein, das passt nicht zu gutem Sex. Ja, ich tu es einfach. Bisher hat das noch keinen gestört. Im Gegenteil.“ Sie grinst frech.

„Okay, okay. Ich weiß doch auch gar nicht mehr, wie es geht. Ich könnte euch nicht einmal sagen, wie ich es gut finde. Pfff. Keine Ahnung.“ Ich verdrehe die Augen. „Es ist eine ferne Erinnerung.“

Stella schüttelt ihren Kopf. „Ich bin auch weit weg von Sex, geschweige denn einer Beziehung. Ich bin einfach glücklich mit meiner Family. Meine Nichten und Neffen halten mich auf Trab, da habe ich sowieso keine Zeit für eine Beziehung.“ Sie zwinkert uns zu.

Stella berichtet von ihren Nichten und Neffen. Diese Kinder lieben ihre Tante und sind auch sehr anhänglich. Sie ist ständig am Telefon mit ihnen, weil sie irgendeinen Rat brauchen von Stella. Sie ist voll eingebunden und hat eine ganz wichtige Rolle in ihrer Familie. Aber irgendwie kommt es mir so vor, als ob sich Stella einfach gut ablenkt damit. Ich bin mir sicher, dass sie gern eine Beziehung hätte.

Ich erzähle von meiner letzten Salsa-Party. Stella und Rose verstehen nicht, dass ich so nah tanzen kann mit Männern und nichts fühle dabei. „Komm schon, ein leichtes Kribbeln spürst du doch, Sandra. Wenn ein Mann ein gutes Parfüm trägt und gut aussieht und sich auch gut zum Rhythmus bewegt, dann ist das doch sexy, oder? Bist du nie feucht nach so einer Tanznacht?“ Rose grinst mich an.

„Ja, es ist wirklich schön, einen anderen Körper zu spüren. Doch, es ist anregend. Aber ich glaube, dass man dieses Gefühl im Stillen genießt und nur leicht zulässt aus Respekt zu der anderen Person, aber ich war noch nie geil auf einen Mann beim Tanzen. Es ist ja auch anstrengend und man muss sich konzentrieren und sehr aufmerksam sein, damit man erahnen kann, was die nächste Figur ist. Außerdem suche ich weder Sex noch eine Beziehung. Ich bin ganz glücklich mit meinen Freunden, meiner Katze und meinen Hobbys. Mir fehlt nichts. Es gibt auch gar nicht so viele gutaussehende Männer, die Salsa tanzen. Das ist ein Gerücht.“ Ich schüttle wild meinen Kopf.

„Bist du sicher, dass dir nichts fehlt? Als du mir erzählt hast, wie lange dein letzter Sex her ist, war ich schon sehr überrascht. Du bist so eine offene und attraktive Frau und du hast einen starken Sexappeal und dann verhältst du dich schon fast frigide.“ Stella schaut mich fragend an.

„Nein, ich glaube nicht, dass mir etwas fehlt. Oder ich unterdrücke es vielleicht und lüge mich selber an. Ich weiß es nicht, aber es scheint gut zu funktionieren. Vielleicht lenke ich mich auch einfach ab durch meine Hobbys. Ach, ich habe mich auch schon gefragt, ob ich frigide oder asexuell bin. Ich glaube nicht. Aber wenn ich mein Sexleben betrachte, dann vielleicht schon. Wenn ich für mich allein bin und mich sicher fühle oder wenn ich schlafe, dann überkommt mich manchmal eine Lust. Nur nicht, wenn ich mit einem Mann zusammen bin. Ich finde es schon aufregend und spannend und ich mache alles mit, was Spaß macht, aber ich werde nicht feucht und es fühlt sich nicht so waaahnsinnig toll an. Ich spüre meinen Körper nicht. Es ist mehr so ein Fun-Event für mich.“

Rose schüttelt ihren Kopf. „Das widerspricht sich alles sehr, Sandra. Vielleicht hast du irgendeine Angst und spielst es runter. Das passiert alles in deinem Kopf. Jeder Mensch ist sexuell, davon bin ich überzeugt. Aber du unterdrückst das, weil du vielleicht diese Angst hast. Wir sind auch nur Tiere, die den Auftrag haben, sich zu vermehren, und wenn ich in den fruchtbaren Tagen bin, dann spüre ich ganz klar, dass mein Körper sich besser anfühlt, ich fühle mich sexy und ich will Sex. Die Männer reagieren auch viel mehr auf mich und machen Komplimente. Wenn ich meine Mens habe, dann bekomme ich ganz klar nicht dieselbe Aufmerksamkeit. Das ist ein natürlicher Trieb. Wir arroganten Menschen denken immer, dass wir über diesem Trieb stehen. Aber das glaube ich nicht.“

Ich schaue Rose nachdenklich an. Sie ist so schlau mit ihren 25 Jahren. Ich wende mich Stella zu: „Du bist doch auch eine glückliche Single-Frau. Fehlt dir etwas?“

Stella sieht uns verschmitzt an. „Okay, jetzt, wo du uns so intime Sachen erzählst, Sandra, will ich euch auch etwas erzählen. Ich habe einen Mann kennengelernt! Er ist nicht ganz mein Typ, aber irgendwie ist er es eben doch. Ich kann es nicht sagen. Wenn er in der Nähe ist und mit mir spricht, dann fange ich an zu schwitzen.“

Wir lachen. Die Vorstellung von Stella, die schwitzt vor Nervosität, ist lustig.

„Schwitzen! Das ist ein klares Zeichen, Stella. Wirklich, ein deutlicheres Zeichen könnte dir dein Körper nicht geben. Der Typ scheint dich positiv nervös zu machen. Sonst würdest du doch nicht schwitzen. Wie heißt er denn und wo hast du ihn kennengelernt?“ Wir schauen beide Stella ganz gebannt an.

„Er heißt Tom. Ich weiß es wirklich nicht. Ich finde ihn ganz nett, aber ich brauche noch Zeit. Wir haben uns im Coaching-Kurs kennengelernt. Ach, ich weiß es wirklich nicht. Wer will noch einen Hugo?“ Stella winkt ab und macht sich auf den Weg in die Küche.

Rose und ich grinsen uns vielsagend an. So haben wir Stella noch nie gesehen. Seit ich Stella kenne, hatte sie nie einen Freund oder einen Lover.

„Sandra, wie war dein Meeting mit Rrrrubäään?“ Rose nippt an ihrem Hugo und schaut mich interessiert an.

Stella hingegen schaut mich fragend an. „Ah, das Meeting mit dem Neuen. Habe ich etwas verpasst?“

„Oh ja, das hast du. Dieser Typ ist echt zu viel. Er sieht nicht gut aus, er ist unfreundlich und dazu sogar noch arrogant und einfach doof.“ Ich verziehe mein Gesicht. „Das Allerschlimmste ist, dass ich ihn kenne von der Zeit, als ich noch Tanzkurse gemacht habe. Ich fand ihn damals schon echt unsympathisch. Aber ich muss zugeben, dass unsere Sitzung dann noch gut war und ich freue mich echt auf das Projekt.“

„Immerhin.“ Stella lächelt mich an. „Du hattest Lust auf ein neues Projekt. Dann langweilst du dich nicht mehr so. Das freut mich für dich. Du darfst jetzt ganz viel Zeit mit Rrrrubäään verbringen!“

Wir prusten alle drei los.

4

Das Weekend ist vorbei und heute habe ich wirklich keine Lust zu arbeiten. Am liebsten würde ich mich einkuscheln in meine Bettdecke auf dem Sofa und mit Mokka Serien schauen. Aber das wird schon. Ich hole mir einen Coffee to go und spaziere zur Bushaltestelle. Ich brauche ein bisschen Aufmunterung.

Mein Tag fängt mit Ruben an. Ich hoffe, dass er freundlicher ist. Obwohl, so unfreundlich ist er ja gar nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich bin zickig. Er reizt mich einfach ständig mit seinen Blicken und mit seinen Aussagen.

„Guten Morgen“, begrüßt er mich mit einem Lächeln. „Wie war dein Wochenende?“

Ich sage nur knapp: „Danke, gut.“

Ruben zieht eine Augenbraue hoch und hält sich mit einem Kommentar zurück. Er hat wohl gemerkt, dass es heute gefährlich wäre, einen Spruch zu machen.

„Du siehst heute wirklich hübsch aus. Hast du eine neue Haarfarbe?“ Er sieht mich freundlich an.