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Karla und Sabine sind Schwestern, Richard und Paul verbindet eine Freundschaft. Allein sind alle vier. Deshalb treffen sich Karla und Richard zu einem Blinddate und berichten dann Sabine und Paul davon. Aber Paul hat eine App, mit der man Menschen in der Nähe aufspürt, die ein ähnliches Profil aufweisen wie das eigene. So kommt es, dass er Karla trifft. Und da sich Richard als Lehrer ausgebrannt fühlt, geht er zu einer Therapeutin, die Sabine heißt und Karlas Schwester ist. Dass aber Paul beim Verfassen seines App-Profils geflunkert hat und Sabine zwar Patienten behandelt, eigentlich aber selber Hilfe braucht, erfährt man in Markus Köbelis melancholischer Single-Komödie erst nach einer heiteren Odyssee zahlreicher Irrungen und Wirrungen. Virtuos und federleicht lässt er uns zwei Paare kennenlernen, die sich auf geradem Weg kaum begegnet wären und sich am Ende aufmachen, die Welt neu zu entdecken – "Als hätte es noch nichts gegeben. Können wir das?" Den frischen Paaren ist das zuzutrauen.
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Seitenzahl: 68
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Karla (33), Floristin
Sabine (39), Psychotherapeutin
Richard (36), Lehrer
Paul (37), Autor und Taxifahrer
Auf der Bühne sind vier Schauplätze eingerichtet: Karlas Zimmer, Richards Küche, Sabines Therapieraum und ein Café. Dies kann reduziert und rudimentär sein. Das Zimmer besteht im Wesentlichen aus einem Bett, die Küche aus einem Küchentisch, Stühlen und einem Kühlschrank, der Therapieraum aus einem Pult, Computerbildschirm, Bürostuhl und Besuchersessel, das Café aus einem Tisch mit zwei Stühlen. Die Anordnung der Schauplätze ist frei wählbar, sollte aber einem Konzept dienen, weil sie Einfluss auf das Stück nimmt.
Mit entsprechenden Lichtwechseln wird der Fokus auf den jeweiligen Spielort oder die jeweiligen Spielorte gelegt.
Licht auf: Café
Karla und Richard sitzen sich gegenüber an einem kleinen Tisch. Es ist ihr erstes Treffen, ein Blind Date.
KARLA Ich habe mir da ein paar Fragen aufgeschrieben.
Karla schaut in ihre Notizen.
Man ist ja immer etwas nervös in einer solchen Situation. Da könnte schon mal das eine oder andere vergessen gehen.
RICHARD Natürlich. Verstehe.
KARLA Ich meine, es ist eine gewisse Hilfe. Vorausgesetzt, dass Sie nichts dagegen haben?
RICHARD Nein, kein Problem. Fragen Sie.
KARLA Mögen Sie Tiere?
RICHARD Ja. Warum? Haben Sie einen Hund?
KARLA Nein.
RICHARD Katzen?
KARLA Nein. Die Frage war mehr so allgemein gedacht.
RICHARD Allgemein? Elefanten, Tiger, Schimpansen und so? Kühe? Auch Frösche und sowas?
KARLA Tiere halt. Die Natur. So allgemein.
RICHARD Ja. Nicht dass ich viel Zeit verbringen würde in der Natur, aber…ja. Oder dachten Sie an etwas Spezielles? Ein Terrarium mit Schlangen, die mit Mäusen gefüttert werden müssen?
KARLA Das war nur so eine Einstiegsfrage. Das sagt doch etwas aus über einen Menschen, auch wenn er keine Katzen oder so ein Terrarium zuhause hat.
RICHARD Alles sagt etwas aus über einen Menschen. Ganz egal, was es ist. Meinen Sie nicht?
KARLA Haben Sie Vorhänge an den Fenstern?
RICHARD Ja. Die hingen da schon dran, als ich in die Wohnung gezogen bin.
KARLA Trinken Sie gerne ein Glas Wein zum Essen?
RICHARD Und wie werten Sie das jetzt? Das mit den Vorhängen?
KARLA Ich weiß nicht.
RICHARD Haben Sie Vorhänge an den Fenstern?
KARLA Nein.
RICHARD Na ja, damit kann man leben, finde ich. Ich meine, was unsere Situation betrifft. Also, ich kann das. So oder so. Mit und ohne Vorhänge. Oder ist das relevant? Charakterlich?
KARLA Trinken Sie gerne ein Glas Wein zum Essen?
RICHARD Sie meinen, ob ich Alkoholiker bin?
KARLA Nein, es geht mehr um den Aspekt der Gemütlichkeit. Um den Genuss. Sind Sie ein Genussmensch?
RICHARD Also ich trinke ganz gern ein Glas Wein zum Essen. Sie nicht?
KARLA Doch. Natürlich. Ab und zu. Eher selten. Nur ausnahmsweise. Also fast nie. Eigentlich gar nie genaugenommen.
RICHARD Dann sind Sie also kein Genussmensch?
KARLA Doch. Wie kommen Sie jetzt da drauf?
RICHARD Ich versuche nur, Ihren Gedanken zu folgen.
KARLA Man muss doch nicht zwingend Wein mögen, um genießen zu können?
RICHARD Dann verstehe ich Ihre Frage nicht. Sie haben doch gesagt, es gehe um den Aspekt der Gemütlichkeit?
KARLA Ja. Im weiteren Sinn.
RICHARD Und im engeren Sinn?
KARLA Sind Sie Alkoholiker?
RICHARD Nein! Bin ich nicht! Nur weil ich ein Glas Wein mag, muss ich doch nicht zwingend Alkoholiker sein?
KARLA Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht…
RICHARD Schon gut. Vielleicht haben wir uns bei dieser Frage etwas festgefahren. Und missverstanden.
KARLA Ja. zitiert die nächste Frage Würden Sie sich eher als Morgenmenschen oder Nachtmenschen beschreiben?
RICHARD Hören Sie, Sonja…sie heißen doch Sonja?
KARLA Nein.
RICHARD Sie heißen nicht Sonja?
KARLA Nein. Ich hielt es für besser, bei einem ersten Treffen nicht gleich mit meinem Namen rauszurücken.
RICHARD Hören Sie, vielleicht sollten wir es…
KARLA Ja. Sie haben Recht. Vielleicht sollten wir es dabei bewenden lassen. Zahlen tun wir getrennt. Das ist besser. Habe ich gelesen. Man soll nicht gleich in alte Rollenmuster fallen. Obwohl das nichts mit Rollenmustern zu tun hat, wenn Sie mich fragen. Aber man sollte dem Mann nicht noch die Genugtuung geben, für den Reinfall bezahlt zu haben.
RICHARD So hören Sie doch. Ich wollte lediglich sagen, dass wir es vielleicht anders angehen sollten.
KARLA Ganz offensichtlich. Und wie möchten Sie es denn gerne angehen, Richard?
RICHARD Anders irgendwie.
KARLA Sie heißen doch wirklich Richard?
RICHARD Ja.
KARLA Also wie möchten Sie es denn gerne angehen, Richard?
RICHARD Irgendwie spontaner.
KARLA Sind sie ein spontaner Mensch?
RICHARD Nein. Ich glaube nicht.
KARLA Aha. Aber Sie wollen das jetzt spontan angehen? Na schön. Dann machen Sie mal. rafft Papiere zusammen
RICHARD Nehmen wir an, wir hätten uns hier zufällig getroffen. Sie säßen da am Tisch, mit Kaffee und einem Stück Kuchen…
KARLA Ich mag keinen Kuchen.
RICHARD Dann nur Kaffee.
KARLA Tee wäre mir lieber.
RICHARD Dann halt Tee. Sie säßen da am Tisch mit einer Tasse Tee. Und ich säße da drüben und läse die Zeitung.
KARLA Und dann?
RICHARD Na dann wären wir irgendwie ins Gespräch gekommen.
KARLA Ich weiß nicht, ob Sie mir überhaupt aufgefallen wären.
RICHARD Sie wären mir schon aufgefallen.
KARLA Warum?
RICHARD Ich finde Sie sehr attraktiv. Darf man das sagen? Ich war mir nicht sicher, ob ich das einfach so sagen darf?
KARLA Das hätten Sie schon von Anfang an sagen dürfen.
RICHARD Vielleicht wäre mir ein Teil der Zeitung runtergefallen und Sie hätten Sie aufgehoben.
KARLA Das hätte ich nicht getan. Und selbst wenn, was hätten Sie dann gesagt?
RICHARD Ich hätte mich bedankt.
KARLA Und weiter?
RICHARD Ich weiß nicht…vielleicht hätte ich sowas gesagt wie das ist nur der Sportteil. Den hätte ich bestimmt nicht vermisst. Trotzdem danke.
KARLA Und was hätte ich gesagt?
RICHARD Keine Ahnung. Was hätten Sie denn gesagt?
KARLA Ich weiss nicht. Vermutlich hätte ich gar nichts gesagt. Gern geschehen vielleicht?
RICHARD Ich glaube jedenfalls nicht, dass Sie mich gefragt hätten, ob ich Vorhänge an den Fenstern habe.
KARLA Eben. Da sind wir doch schon ein ganzes Stück weiter. Sie interessieren sich also nicht für Sport?
RICHARD Das habe ich nicht gesagt.
KARLA Aber das hätten Sie gesagt, wenn wir uns spontan getroffen hätten und Ihnen der Sportteil der Zeitung runtergefallen wäre.
RICHARD Möglicherweise.
Karlas Smartphone meldet sich.
KARLA Entschuldigen Sie. Sie prüft die Message.
Wo sind wir stehen geblieben?
RICHARD Sie können ruhig antworten. Das stört mich nicht.
KARLA Nein, ist nicht so wichtig.
RICHARD Aber wenn es wichtig wäre, dann könnten Sie ruhig…
KARLA Ich sagte doch, es ist nicht so wichtig! Glaube ich jedenfalls. Hoffe ich.
RICHARD Hoffen Sie? Dann ist es also vielleicht doch wichtig?
KARLA Ja. Wer weiß das schon, was wichtig und bedeutend ist und was nicht? Hören Sie, ich will ehrlich zu Ihnen sein. Darum geht es doch. Dass man sich nichts vormachen muss. Darum trifft man sich doch auf diese Art und Weise. Damit man von Anfang an offen und ehrlich sein kann. Damit man die Beziehung nicht gleich mit einer Lüge beginnen muss.
RICHARD Ja, vielleicht. Ich weiß nicht. So grundsätzlich habe ich mir das nicht überlegt. Es ist das erste Mal, dass ich sowas mache. Und ich dachte, ich lasse das mal auf mich zukommen.
KARLA Für mich ist es auch das erste Mal. Na ja, ich habe schon ein paar Blind Dates hinter mir, aber es ist das erste Mal, dass ich die Sache konsequent angehe. Mit allem, was möglich ist. Damit das hinter mir ist. Damit ein anderes Leben beginnen kann.
RICHARD Mit allem, was möglich ist? Wie meinen Sie das?
KARLA Diese Message zum Beispiel, das war jemand, der mich treffen will.
RICHARD Ach ja?
KARLA Ein Arzt.
RICHARD Ein Bekannter? Ein Freund?
KARLA Nein, ich kenne den nicht. Da gibt’s so eine App, und wenn da zwei in der Nähe sind und die beiden Profile einen gewissen Level an Übereinstimmung haben, dann wird das angezeigt.
RICHARD Und dann?
KARLA Dann kann man sich spontan treffen und kennenlernen, wenn man will.
RICHARD Und? Wollen Sie?
KARLA Nein. Ich bin ja jetzt mit Ihnen zusammen. Und darum habe ich mich auch nicht gemeldet, weil ich ja jetzt mit Ihnen zusammen bin.
RICHARD Und sonst hätten Sie sich gemeldet?
KARLA Ich weiß nicht. Ja. Vielleicht.
RICHARD
