Lilith & Samael - Josephine Launspach - E-Book
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Josephine Launspach

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Beschreibung

Ich glaube an Engel. Doch das hat hiermit nichts zu tun. Allein aus meinem Interesse für Mythologien und meiner Faszination für Liebesgeschichten heraus entstand diese Neuerzählung mehrerer alter Legenden: Die Geschichte Liliths, der ersten Frau Adams, und die des Erzengels Samael. Dieses Buch erzählt die Legende, wie aus zwei von Gott im Licht geschaffenen Gestalten zwei der dunkelsten Figuren der Hölle wurden. So wie sie noch nie erzählt wurde.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Josephine Launspach

Lilith & Samael

Inhalt

Eden
Der Erzengel
Adam & Lilith
Der Goldene Käfig
Gebete an den Tod
Lilith & Samael
Flügel
Engelslichter
Der Gefallene Engel
Konsequenz
Der Fall
Das Treibhaus
Der Plan
Der Stygische Rat
Schall und Rauch
Feuer und Asche
Rot
Epilog

Eden

Am Anfang war das Wort.

Gottes Wort (so wird es in der Bibel erzählt) ist der Anfang der Geschichte des Universums. Unsere Geschichten jedoch beginnen alle ganz anders. Jeder hat seine eigene. Auch sie wird uns erzählt. Denn niemand kann sich mehr selbst an das erste Kapitel seines Lebens erinnern. Ich wage zu behaupten:

Am Anfang war eine Mutter.

Ob dies ein Fluch oder Segen ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, doch jeder hat eine. Wobei auch diese Annahme falsch wäre.

Die Schriften erzählen von Eva. Der Frau, die aus Adams Rippe geschaffen wurde und den Titel der Mutter aller Lebendigen tragen darf. Allerdings ist sie weder die einzige noch die erste von Gott eigenhändig geformte Frau. Vor ihr kam Lilith. Die Bibel schweigt von ihr, weshalb nun dieser Text ihre Geschichte erzählen soll:

Am Anfang war ein Garten.

Diesen Garten nannte man Eden, das Paradies. Es war die Wiege des Lebens selbst. Bäume der schönsten Farben versuchten mit ihren Blättern über die weichen Wolken zu streicheln. An ihren Ästen hingen die saftigsten Früchte aller Sorten, von denen hin und wieder ein Baumbewohner naschte. Was nicht durch die Bäume huschte, um zu essen, bediente sich an den köstlichen Beeren der Sträucher, die im Schatten der Bäume in Frieden wuchsen. Doch nicht nur die Sträucher und Tiere genossen diesen Frieden.

Inmitten der Pflanzen, gewärmt von sanften Sonnenstrahlen, lag eine junge Frau. Zugedeckt von ihrem langen, welligen, lilienroten Haar, schmiegte sie ihre Wange in das hohe, weiche Gras. Dabei ging ihr keine einzige Sorge durch den Kopf. Denn der Mensch war noch mit unschuldigem und vollkommenem Unwissen gesegnet.

Bekannte Frucht, die das einst ändern wird, hing an diesem Tag (dem Siebten der Schöpfung) noch immer unberührt am Baum der Erkenntnis, welcher sich verwunden mit dem Baum des Lebens im Zentrum des Gartens zum Himmel erstreckte.

Allmählich jedoch begann die Sonne, alles in ein rötlich-goldenes Licht zu tauchen und die Kühle des Abendrots in die Luft zu weben. Sie berührte Liliths weiße Haut. Auch wenn es sie nicht fror, reichte es, ihr einen leichten Schauer zu versetzen, der sie sanft weckte.

Mit leicht geöffneten Augen beobachtete sie die lieblich duftenden Blumen, die sich nun langsam schlossen und zur Ruhe legten. Da fiel ihr Blick auf ihr Haar, welches sie überrascht zwischen die Finger nahm und im abendlichen Licht betrachtete. Das Rot ihrer Haare schien selbst in einem warmen Licht zu strahlen. So stand sie also auf und lief eiligst zum nächsten Gewässer, um sich im letzten Licht des Tages das erste Mal in ihrem Leben richtig zu betrachten. Doch als sie sich hinunterbeugen wollte, fielen ihre Haare in den Weg und verdunkelten das Wasser, sodass ihr Blick versperrt war. Als sie hastig zurückwich, spürte sie den kühlen Schreck der nassen, zurückschwingenden Haare an ihrer Seite.

So entfuhr ihr ein kleines Lachen, und als sie einen Blick auf ihr Spiegelbild im Wasser warf, strich sie mit ihren Fingern ihr Haar hinter ihr Ohr und erkannte, dass sie wunderschön war.

Der Erzengel

Währenddessen klangen im Himmel allmählich die Loblieder zu Ende, die die Engel den ganzen Tag voll Dankbarkeit über den Schöpfer so großer Dinge gesungen hatten. Nach dem Unglück, welches der Fall des Verräters Lucifer und mit ihm eines Drittels aller Engel war, fanden sie Trost in der Schönheit der neuen Welt.

Auch hier jedoch, weit über der Erde, gab es Seelen, die die Ruhe des Abends mehr schätzten als den Trubel. In der sechsten Sphäre des Himmels, unterhalb der Siebenten (in der noch immer Gesang, Instrumente und Lob klangen) und damit näher an der Erde, leisteten sich zwei Engel Gesellschaft, um Gottes Schöpfung aus der Nähe zu beobachten.

So schrieb der eine zufrieden alles, was vom Herrn Leben eingehaucht bekommen hat, mit einer Feder in ein großes Buch. Ihm zur Seite stand ein Seraph und Erzengel, der den Herrn ins Paradies begleiten durfte und nun berichtete.

»Samael, Azrael«, rief da die Stimme Samyazas, des Anführers der nun für die Erde zuständigen Wächter, die Grigori genannt wurden. Die beiden erhoben ihre Blicke, als er sich zu ihnen gesellte, »Die Sonne ist noch nicht ganz untergegangen und die anderen lobpreisen noch des Allmächtigen Werk und ihr–«

»Wir loben seine Werke durch unsere Arbeit«, unterbrach ihn Samael und bot ihm neben sich einen Platz an, »Azrael wurde eine ehrenvolle Aufgabe zuteil.«

Der Engel hörte jedoch nicht das Lob, welches der Erzengel über ihn sprach, zu vertieft war er in das Verfassen seiner Schriften.

»Wie auch dir, wie ich hörte. Meinen Glückwunsch an den Anführer der Grigori.«

Eben besagter bedankte sich für diese Worte: »Treuer, guter Samael, die Glückwünsche sollten dir gelten. In der Aufgabe, die Menschen zu führen, die euch Erzengeln übertragen wurde, liegt größere Ehre, als sie still beobachten zu müssen.«

Natürlich wurde ihnen eine große Ehre zuteil, doch Samael kam nicht umhin, den Grund für diese Ehre zu bedauern.

Die Erzengel waren die treusten Diener und stärksten Kämpfer Gottes. Dass ihnen nun diese Aufgabe zugewiesen wurde, kam allein daher, dass ihre große Schlacht gekämpft war. Gegen einen der ihren noch dazu. Zwar hatten Engel keinerlei Verwandtschaftsverhältnisse außer der Liebe zu ihrem Schöpfer wie die für einen liebenden Vater, doch die sieben Erzengel sahen sich als Geschwister. Das alles fühlte sich an, als sei es eine Ewigkeit her. Dabei waren es keine zehn Tage.

»Doch mit der Zeit werde ich vielleicht etwas anderes in dieser Aufgabe finden als Ehre«, fuhr Samyaza fort, der nun tat, was ab dem morgigen Tag seine Aufgabe sein würde. Beobachten und Wachen.

Der in Gedanken versunkene Samael folgte des Wächters Blick, der auf die im Gras liegende Frau gerichtet war.

»Vorsicht, aus dir spricht die Tochter des Verräters«, antwortete nun auch Azrael, »Sünde, die so viele von uns verdarb.«

»Höret, wer spricht«, spottete Samyaza, »Azrael, der unserem Herrn nicht huldigt und seine Pflicht verfrüht beginnt.«

Besagter war außer sich. Es war … anders vor dem Kampf. Kein Engel hätte je gestritten. Sie hätten über keinen Streit Samael vergessen und dort sitzen gelassen. Aber so war es gekommen. Und Samael bemerkte es nicht einmal. Sein Blick hatte sich nie von der Frau gelöst, die zu einem kleinen See gegangen war. Und deren Lächeln ihn eine Liebe fühlen ließ, bei der er sich nicht sicher war, ob sie von der richtigen Art war.

Adam & Lilith

So verbrachte sie den ganzen Abend am See. Dabei betrachtete sie nicht nur sich selbst, sondern auch alles um sich herum. Von den Tieren des Wassers zu den Vögeln hoch oben in den Bäumen. Nicht alles davon konnte sie sehen. Aber wenn sie ihre Augen schloss, konnte sie es hören.

Ein Geräusch tat es ihr dabei ganz besonders an. Zwischen dem Rauschen der Blätter und dem verklingenden Zwitschern der Vögel des Tages hörte sie ein trillerndes Pfeifen.

Da es sie zu rufen schien, stand sie auf und machte sich auf die Suche. Tatsächlich wurde es immer lauter, desto näher sie sich auf das kleine Waldstück zubewegte. Erst wurde es zu einem Wimmern, dann plötzlich zu einem lauten Schrei, der sie direkt neben einem Baum mit einem Astloch, das nicht größer als ihre Hand war, zum Stehen anhielt.

»Hallo«, flüsterte sie in das Astloch. Die Finger vorsichtig an den Rand gelegt. Worauf nur ein »Huu« von einem der beiden Federkneule mit den runden Augen zurückkam.

»Habt ihr euch den ganzen Tag hier versteckt? Dann braucht ihr sicher noch einen Namen.« Es brachte ihr eine Freude, die sie nicht in Worte fassen konnte, all die Tiere benennen zu dürfen, für die sie so große Liebe empfand.

»Ich habe dich gesucht.« Das Gras hinter ihr raschelte unter Adams Schritten, die geradewegs auf sie zukamen.

»Wirklich?« Glück schwang in der Stimme der geschmeichelten Frau mit, als sie dies hörte.

Der Mann legte von hinten seine Arme um ihre Hüfte und fragte, ob sie ihn denn nicht gesucht hätte.

Doch sie verneinte nur: »Wieso hätte ich das tun sollen?«

Verwirrt zog er seine Augenbrauen zusammen. »Hattest du dich nicht verlaufen? Ich hät–«

»Keineswegs«, ein Lachen fiel von ihren Lippen, als sie zu ihm aufsah, »Ich folgte dem Falter und fand eine Lichtung, von der ich dann–«

»Du folgtest was, wohin?« In seinem Gesicht machte sich völliges Unverständnis breit und er schien gekränkt zu sein.

Sie hingegen wand sich begeistert aus seinen Armen und stellte sich vor ihn, um ihren Gedankengang zu demonstrieren. Wie zum Gebet legte sie ihre Handflächen zusammen, klatschte beinahe geräuschlos mit ihren Fingern und erhob ihre Hände, während sie erklärte: »Einem Falter! Er faltete seine Flügel auf und zu und wenn er sie öffnete, nutzte er den Wind, um–«

Doch Adam unterbrach sie erneut: »Du sprichst von einem Schmetterling. Waren wir uns nicht einig, die Namen gemeinsam zu bestimmen?«

»Du hast dem zarten Wesen auch einen Namen gegeben«, entgegnete sie verwirrt, »Noch dazu so einen harten. Weshalb?«

Die Augen verdrehend wehrte er ab: »Das würdest du nicht verstehen.«

Auch auf ihre Bitte, es zu erklären, ging er nicht ein, »Es wird spät und ich muss dich noch zu unserem Heim zurückführen.«

»Ich sagte doch, ich habe mich nicht verlaufen. Ich bin dem Falter gefolgt.«

»Schmetterling«, verbesserte er.

Mit einem Seufzen gab sie nach: »Na gut, du bekommst deinen Schmetterling, aber der Name der Kreischeule bleibt.«

Adams Augenbrauen schossen in die Höhe, woraufhin Lilith nur einen Schritt zur Seite tat.

»Wir haben doch schon besprochen«, setzte er an, »Das ist ein Baum.«

»Sieh genau hin«, bat Liliths süße Stimme.

Da erkannte er zwei ihm in die Seele starrende Augen zwischen dem Rindenmuster. Erschrocken nahm er Liliths Hand und zog sie mit sich fort.

Der Goldene Käfig

»Warte doch«, flehte sie mit leicht zitternder Stimme. Ihre Enttäuschung darüber, dass sie sich nicht mehr von ihren kleinen gefiederten Freunden verabschieden konnte war groß.

»Du musst dich verlaufen haben. Ansonsten gäbe es keine Erklärung, weswegen du nicht zu mir zurückgekommen bist letzte Nacht«, erklärte ihr Adam. Woraufhin Lilith einfach stehen blieb, was ihn zwang, ihr Handgelenk loszulassen.

»Oh, ich wollte einfach nicht«, sprach sie mit ihrer süßen Stimme und einem ebenso unschuldigen Lächeln schneidende Worte, »Ich habe den Sternenhimmel betrachtet. Leiste mir heute Nacht Gesellschaft und beobachte ihn mit mir gemeinsam.«

---ENDE DER LESEPROBE---