Liliths magisches Abenteuer - Miriam Freitag - E-Book

Liliths magisches Abenteuer E-Book

Miriam Freitag

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Beschreibung

Lilith hat ein Geheimnis von dem nur ihre Schwester Josephine weiß: Sie kann sich in eine Meerjungfrau verwandeln! Als sie einen Brief von ihrer verstorbenen Mutter findet, in dem steht, dass im Meer eine magische Kette versteckt ist, kommen Fragen auf. Dass das nicht ihr größtes Problem ist, ahnt Lilith nicht...

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 148

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Miriam Freitag

Liliths magisches Abenteuer

© 2021 Miriam Freitag

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44,

22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-38527-6

Hardcover:

978-3-347-38528-3

e-Book:

978-3-347-38529-0

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Prolog

Mit kräftigen Flossenschlägen versuche ich gegen die Wellen anzukommen, die mich immer wieder zum Ufer treiben. Erschrocken beobachte ich, wie in der Ferne eine weitere, größere Welle herangebraust kommt. Ich möchte nach Mama rufen, aber dazu bin ich zu weit von ihr entfernt. Auch sehen kann ich Mama nirgendwo. Hoffentlich ist ihr nichts passiert! Stattdessen sehe ich den Seetang und die Algen im Meer herumschwimmen. Wie zur Bestätigung fährt mir ein tosender Windstoß durch meine nassen, zimtfarbenen Haare. Ehe ich mich versehe, ist die eben noch so ferne Welle da. Wie ein riesiger, graublauer Berg baut sie sich vor mir auf. Kurze Zeit später werde ich untergetaucht. Unter Wasser höre ich wie die Welle rauschend an der Küste meines Heimatdorfes Mousehole ausläuft. Da ich, Lilith Fey, mich im Gegensatz zu anderen Menschen in eine Meerjungfrau verwandeln und auch unter Wasser atmen kann, habe ich keine Probleme im Meer zurechtzukommen. Normalerweise… Heute jedoch ist es, als wäre das Meer gegen mich. Die Farbe des Wassers ähnelt meinem silbernen Muttermal, welches sich unter meinem linken Auge befindet. Menschen, die an die Existenz von Meerjungfrauen glauben, können daran erkennen, dass ich eine bin. Rudernd mit den Armen tauche ich wieder auf. Ich versuche mit wellenartigen Bewegungen vorwärtszukommen, jedoch ohne großen Erfolg. Da entdecke ich einen Umriss von einer Gestalt weiter draußen im Meer. Ist das etwa meine Mama? Bevor der Sturm aufgezogen ist, hatte ich mit ihr in den Wellen gespielt. Als dann der Sturm kam, haben uns die Wellen getrennt. Sehnsüchtig blicke ich in Richtung Küste. Wenn ich jetzt bloß zuhause wäre! Eine hohe, mit Gras bewachsene Klippe erstreckt sich über den mit Sand bedeckten Teil des Strandes, wo sich bei gutem Wetter immer Touristen tummeln. Heute ist jedoch keiner da. Nur ein kreischender Vogel sucht nach Futter. Von dem Rest der Küste gehen gepflasterte Stege hinaus auf das Meer, auf denen normalerweise immer Fischer hin und her laufen, aber auch diese sind heute leer. Eine Welle kommt und lässt die Fischerboote heftig schaukeln, weswegen ich befürchte, dass sich bald eines lösen könnte. Der nächste Windstoß lässt mich frieren. Ich spüre wie Wassertropfen auf mich hinabfallen. Huch was war denn das? Tatsächlich, jetzt fängt es auch noch an zu regnen! Aber dieser Regen ist kein warmer, angenehmer Sommerregen, nein, es ist ein eiskalter Schauer der sich anfühlt wie Kieselsteine auf der Haut. Immer stärker fängt es an zu Regnen und ich komme noch schwerer als vorher voran. Der Himmel ist von dunkelgrauen Wolken bedeckt. Laut prasselt der Regen auf das Wasser, vermischt mit dem Geräusch des pfeifenden Windes. Mein Blick geht in die Richtung in der ich eben die Gestalt gesehen hatte, von der ich glaube dass es Mama ist. Ich bilde mir ein, dass sie näherkommt, wenn auch nur langsam. Sie ruft etwas und gestikuliert mit den Armen, ich verstehe jedoch nicht, was sie mir sagen will. Plötzlich sehe ich nur noch das graublaue Wasser. Die Welle kam so unvorhersehbar, dass ich im ersten Moment nicht weiß, wo oben und unten ist. Ich werde, da ich mit meinen fünf Jahren sehr leicht bin, ein großes Stück weiter in Richtung Küste getrieben. Reflexartig schieße ich nach oben. Da kommt aber auch schon die nächste Welle und ich werde schon wieder untergetaucht. Immer weiter treiben die Wellen mich in Richtung Strand. Wenn der Sturm nicht bald aufhört, werde ich stranden! Langsam gehen mir meine Kräfte aus. Ich spüre, wie mir die Tränen aufsteigen. Mit dem Handrücken wische ich sie weg, was sich allerdings als eine nicht so gute Idee erweist, denn sofort fangen meine Augen an zu brennen.

„Ich muss jetzt stark sein!“, sage ich mir und atme tief ein, sodass ich neben dem Geruch von Salzwasser auch eine leichte Brise von Fisch wahrnehmen kann. Von neuem Elan gepackt versuche ich erneut mit meiner silbernen Flosse gegen die Meeresströmung anzuschwimmen, aber ich komme nur wenige Zentimeter voran. Vielleicht ist es besser, wenn ich tauche. Ich versuche es, aber die Strömung treibt mich immer wieder nach oben.

„Mama!“, rufe ich so laut wie ich kann mit meiner zarten Stimme. Meine Worte werden vom Wind davongetragen und ich glaube nicht, dass Mama es gehört hat. Was ist, wenn der Sturm nicht bald aufhört? Irgendwann würden mir meine Kräfte ausgehen und dann… Weiter möchte ich gar nicht daran denken.

„Lilith ich komme, halte durch!“, höre ich da eine vertraute Stimme rufen. Diese warme Stimme kenne ich doch! Das ist Mamas Stimme! Ich kann es kaum glauben. Da, ganz weit hinten kann ich ihre silberne Flosse erkennen, die fast mit dem Meer verschmilzt. Ihre Flossenfarbe ist dieselbe wie meine. Als ich diese Stimme höre, bekomme ich sofort mehr Energie und schieße wie ein Pfeil los, werde aber sofort wieder zurückgespült. Aufs Neue versuche ich zu tauchen und dieses Mal komme ich sogar ein paar Zentimeter voran, ohne sofort wieder zurückgetrieben zu werden. Es ist, als hätte mir jemand einen Energieschub verpasst. Ich will zu Mama, jetzt! Eine Welle treibt mich wieder zurück. Aber durch diese Welle wird Mama noch ein Stück näher zu mir getrieben.

„Ich bin gleich da Lilith“, sagt Mama mit ihrer leicht rauen Stimme. Mit Sicherheit haben wir uns heute Nachmittag eine Erkältung geholt. Egal. Da, endlich ist sie da!

„Mama! Endlich! Ich hatte solche Angst um dich!“, sage ich erleichtert und umarme sie, so gut das im Meer geht.

„Oh Lilith! Ist dir etwas passiert? Ich habe mir auch Sorgen um dich gemacht!“, antwortet Mama. Ihre kinnlangen, hellbraunen Locken sind vom Wind zerzaust und ich sehe wie erschöpft sie ist.

„Als diese eine Welle kam, wollte ich dich noch davor warnen, aber du hast es nicht gesehen“, sagt sie und schaut mich besorgt an.

„Es ist alles gut“ sage ich und lächle sie an. Ich bin so erleichtert wieder bei ihr zu sein.

„Achtung!“, ruft Mama da und nimmt mich am Arm, bevor eine große Welle uns wieder auseinandertreiben kann.

„Mir ist kalt, können wir nach Hause?“, frage ich und klappere mit den Zähnen. Inzwischen friere ich sehr und der immer noch starke Regen trägt dazu bei.

„Ja, aber…“, antwortet Mama, aber ich unterbreche sie.

„Na, dann los!“ Wir nehmen uns an den Händen und schwimmen nun gemeinsam in Richtung Klippe. Dort angekommen, schwimmen wir an eine Stelle, wo niemand uns sehen kann und ich verwandle mich zurück in einen Menschen mit sandfarbenen Beinen statt Flosse. Ich sehe mich nach meinen Anziehsachen um, die ich irgendwo hier liegen gelassen hatte.

„Was ist?“, frage ich Mama, die immer noch im für sie brusthohen Wasser umher schwimmt.

„Du…“, fängt sie an, doch ich unterbreche sie.

„Ja?“

„Jetzt lass mich doch mal ausreden Lilith!“, sagt Mama genervt. „Ich muss noch schnell etwas hier draußen erledigen“ spricht sie etwas ruhiger weiter.

„Aber… was musst du denn noch erledigen bei diesem Wetter?“, frage ich. Selbst ich hatte verstanden, dass man an den Tagen wie heute lieber nicht im Meer draußen sein sollte und ich frage mich, was Mama noch so ganz alleine im Meer machen möchte.

„Ich komme ja gleich wieder. Geh du schon mal nach Hause zu Papa und Josephine.“, meint Mama und schaut mich mit ihren warmen, braunen, mandelförmigen Augen durchdringend an.

„Na gut, aber beeile dich wirklich, okay?!“, gebe ich schließlich nach.

Mit einem komischen Gefühl im Bauch winke ich ihr nach, ziehe mir meine klatschnassen Kleidungsstücke an und mache mich im strömenden Regen auf nach Hause. An diesem Abend ahnte ich noch nicht, dass Mama nie mehr wiederkommen würde.

Kapitel 1

Wusch! Ein Auto fährt an mir vorbei. Es ist Donnerstag und ich mache mich auf den Rückweg von der Schule nach Hause. Heute hatte ich nur sechs Stunden. Ich spüre die warmen Strahlen der Frühlingssonne. Der Himmel hat heute die Farbe meiner Augen, strahlend blau. Nur ein paar Schönwetterwolken sind zu sehen. Ich laufe die Hauptstraße entlang, die sich durch das gesamte Dorf schlängelt. An beiden Straßenseiten stehen aus Sandstein gemauerte Häuser, die ein- oder zweigeschossig gebaut sind. Mein Weg führt mich auch an der Bushaltestelle vorbei. Zum Glück muss ich nicht mit dem Bus fahren, so wie einige Klassenkameraden, da die Bus-Tickets für Schulkinder ab 10 Jahren teuer sind und ich mittlerweile 11 Jahre alt bin. Außerdem mag ich das kleine, malerische Küstendorf Mousehole und könnte es mir nicht vorstellen, irgendwo anders zu wohnen. Hier kennt jeder jeden und man hilft sich gegenseitig. Ich höre Vögel zwitschern. Nichts und niemand kann meine gute Laune heute zunichtemachen. Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Beschwingt hüpfe ich über den Bürgersteig. Beim Vorbeigehen grüße ich einige Leute. Ein leichter Wind weht durch mein Haar, als ich an der Bäckerei vorbeikomme. Da fällt mir etwas ein. Ich sollte doch noch die Safranbrötchen für Papa abholen! Das Türglöckchen läutet, als ich die Bäckerei betrete. Mir steigt sofort der Duft von frisch gebackenem Gebäck in die Nase. Seit heute Morgen habe ich nichts mehr gegessen und bin nun entsprechend hungrig.

„Hallo, was darf es sein?“, fragt die Verkäuferin hinter der Theke. Sie kennt mich schon. Ich gehe oft nach der Schule zum Bäcker.

„Ähm… mein Vater hatte hier angerufen und Safranbrötchen zurücklegen lassen. Außerdem hätte ich gerne noch ein Nussteilchen.“, antworte ich. Mir läuft förmlich das Wasser im Mund zusammen, als ich die einladende Auslage betrachte.

„Das macht dann 6,50 Pfund. Schönes Wetter draußen, nicht?“ sagt die Verkäuferin. Ich nicke und schaue hinaus. Da sehe ich wie ein alter, grauhaariger Mann mit seinem Gehstock ohne auf den Verkehr zu achten, langsam über die Straße geht.

„Das ist ja Mr Williams!“, entfährt es mir. Die Verkäuferin schaut mich verdutzt an. „Er wohnt ein paar Häuser weiter“, erkläre ich, als ich bemerke, dass ich das, was mir durch den Kopf ging, eben laut gesagt habe. Peinlich…

Zu meinem Entsetzen sehe ich wie ein Auto mit hoher Geschwindigkeit angefahren kommt und zwar direkt auf Mr Williams zu! Was ist, wenn der Fahrer es nicht rechtzeitig schafft zu bremsen? Ich muss etwas tun, sonst wird mein alter Nachbar überfahren! Schnell gebe ich der Frau, die ebenfalls alles gesehen hat, das Geld, rufe:

„Stimmt so!“, renne aus dem Laden und wäre fast mit jemandem zusammengestoßen.

„He, pass doch auf!“, höre ich eine frustrierte Frauenstimme. Ich ignoriere sie. Für lange Entschuldigungen habe ich jetzt keine Zeit, es geht schließlich um Leben und Tod! In Windeseile werfe ich meinen Schulrucksack ab, ohne darauf zu achten, wo er landet und spurte auf die Straße.

„Mr Williams!“, rufe ich, aber er hört mich nicht. Das Auto kommt immer näher und der Fahrer scheint nicht einmal daran zu denken, sein Tempo zu reduzieren. Das hier ist doch keine Rennstrecke!

„Das Auto! Sehen sie es denn nicht?“, rufe ich und gestikuliere in Richtung Auto. Endlich schaut er auf!

„Hallo Lilith, was ist denn los?“, fragt er verwundert. Laute Bässe wummern aus dem Innenraum des Autos. Ich stelle mich breitbeinig mitten auf die Fahrbahn, damit das Auto anhalten muss. Der Fahrer scheint weder mich noch Mr Williams zu sehen.

„Sehen Sie denn…“ Weiter komme ich nicht, denn es geht alles ganz schnell. Ich sprinte zu Mr Williams, der gar nicht weiß wie ihm geschieht, als ich ihn am Arm packe und ihn in letzter Sekunde auf den Bürgersteig ziehe. Reifen quietschen, als der Fahrer eine Vollbremsung macht.

„Geschafft!“, keuche ich, während ich mir den Schweiß von der Stirn wische und mich auf meinen Oberschenkeln abstütze. Ich spüre wie mein Brustkorb sich hebt und senkt, so als wollte mein Herz hinausspringen. Inzwischen sind ein paar Passanten stehen geblieben und haben sich alles mit angesehen. Einige kommen nun scheinbar besorgt zu uns.

„Ist alles okay?“, frage ich Mr Williams. Erschrocken kann er nur stumm nicken und murmelt:

„Danke mein liebes Kind, danke.“

Die Verkäuferin von der Bäckerei gibt mir die Tüten mit den Brötchen und dem Teilchen darin, die ich in Eile vergessen hatte.

„Am besten gehen Sie jetzt nach Hause und erholen sich von dem Schrecken“, sage ich. Genau das würde ich nämlich jetzt auch tun. Immer noch außer Atem schultere ich meinen Schulrucksack und laufe wieder los. Meine Hochstimmung ist dahin.

Schon bald kann ich das Restaurant meines Vaters erkennen. „Zur goldenen Welle“ steht in großer, goldschwarzer, Schrift über der Eingangstür. Über dem Restaurant ist die Wohnung, wo ich mit Papa und Josephine wohne, aber eigentlich sind wir die meiste Zeit unten im Restaurant, weshalb wir unser Haus einfach nur „Restaurant“ oder „Goldene Welle“ nennen. Das Fischrestaurant befindet sich direkt am Meer und die Leute, die auf der Terrasse sitzen, haben einen tollen Blick auf die Küste. Ein Windstoß lässt die Blätter der großen Eiche rascheln. Ich gehe in das Restaurant hinein. Drinnen fällt mein Blick geradeaus auf den Tresen. Aus der Küche kommt der Duft von Essen und mein Magen knurrt. Da kommt Papa. Er hat eine Schürze umgebunden und grinst mich an.

„Hallo Papa, ich habe die Safranbrötchen mitgebracht. Josephine ist wahrscheinlich noch in der Schule, nehme ich an?“, begrüße ich ihn und gebe ihm erschöpft die prallgefüllte Tüte. Josephine ist meine achtjährige Schwester. Ich lehne mich an den Tresen und beiße in mein leckeres Nussteilchen.

„Ja, danach ist sie mit ihrer Freundin beim Turnen“, antwortet Papa. „Wie war es in der Schule? Du siehst aus als hättest du ein Wettrennen gemacht!“ meint er belustigt. Ich erzähle ihm wie Mr Williams beinahe überfahren worden wäre und ich ihn in letzter Sekunde gerettet habe.

„Mr Williams muss echt mal besser aufpassen!“, sagt Papa kopfschüttelnd und kratzt sich an seinem Dreitagebart. Wir schweigen einen Moment lang. „Ich könnte übrigens noch einen Helfer in der Küche gebrauchen“, sagt Papa schließlich. Ich stelle meinen Schulranzen ab und binde mir mit geübten Bewegungen eine Schürze um und folge ihm in die Küche. Ich helfe oft nach der Schule in Papas Restaurant. Er möchte unbedingt, dass ich es später übernehme. Ob ich das mache, weiß ich noch nicht und ehrlich gesagt, will ich mir jetzt auch noch keine Gedanken darüber machen. Alan, unser Küchenjunge kommt uns aus der Küche entgegen.

„Ich mache jetzt Mittagspause“, sagt er und geht an uns vorbei.

„Ist gut“, meint Papa und sagt zu mir „Du kannst den Fisch anbraten.“ Ich seufze. Papa will einfach nicht verstehen, dass ich Vegetarierin bin. Er versucht immer wieder mich doch zum Fleisch essen und verarbeiten zu verführen. Ich habe mich dazu entschieden, Vegetarierin zu werden, weil ich ja in zweiter Gestalt eine Meerjungfrau und somit ein Meereswesen bin. Dies weiß er jedoch nicht, weil es ein Geheimnis ist. „Wenn du es nicht willst, bereite ich den Fisch selber zu. Schneide du das Gemüse klein“, gibt Papa dann doch nach. Ich mache mich ran an die Arbeit. Möhren, Gurken und noch weitere Zutaten werden von mir kleingeschnitten. Hinter mir brutzelt Papa den Fisch. Schon bald ist die Küche vom Geruch des gebratenen Fisches erfüllt. Als Papa scheinbar gerade nicht hinschaut, wandert ein Gurkenstück in meinen Mund. Leider dreht Papa sich genau in diesem Moment zu mir um und bedenkt mich mit einem strengen Blick. Unschuldig mit den Schultern zuckend mache ich weiter. Die Salatsoße tropft auf den Boden, als ich die Flasche öffne, um diese zum Gemüse zu geben. Egal… Irgendwann bin ich fertig und stelle die kleinen Salatschüsseln nebeneinander auf ein Tablett, damit Papa sie gleich den Gästen servieren kann.

„Ich bin fertig. Falls du meine Hilfe brauchst, lass es mich wissen“, sage ich und bezweifle, dass er das überhaupt mitbekommen hat. Wenn er kocht, ist er wie in einer anderen Welt. Ich hänge meine Schürze wieder zurück an den Haken.

Als ich wieder draußen bin, werde ich von der Sonne geblendet. Ich gehe den kleinen Pfad zur Küste hinunter. Fischer eilen hin und her und laden ihren Fang aus. Diese zahlreichen hilflosen Fische zu sehen, verpasst mir einen heftigen Stich. Schnell schaue ich in eine andere Richtung. Am mit Sand bedecken Teil der Küste tummeln sich Touristen. Mit geschlossenen Augen atme ich die Meeresbriese ein. Dieses Wetter heute ist einfach nur traumhaft, nicht zu heiß und nicht zu kalt. Ich laufe zu der schroffen Klippe, die sich über den Sandstrand erstreckt. Suchend sehe ich mich nach einer stillen Ecke um, wo ich mich ungestört verwandeln kann. Aber weit und breit sind nur Fischer und Touristen. Ich muss also um die Klippe herum gehen. Ich streife meine Sandalen ab und wate ins kniehohe Wasser. Weil ich eine kurze Hose anhabe, bleibt meine Kleidung trocken. Auf der anderen Seite der Klippe ist niemand. Endlich bin ich ungestört! Hier, etwas abseits der Menschenmenge kann ich mich in Ruhe, im Schatten eines Baumes verwandeln. Ich streife meine Anziehsachen ab und bald schon bin ich von angenehm kühlem Meerwasser umgeben. Mein Bikini-Oberteil habe ich wie immer, schon heute Morgen unter mein T-Shirt angezogen. Die silbernen Schuppen meiner Flosse schillern in allen Farben des Regenbogens, als die Sonne auf sie scheint. Ich schwimme weiter auf das Meer hinaus. Ganz weit hinten, dort wo abends die Sonne untergeht, kann ich Boote erkennen, die ihre Runden ziehen. Ich lasse mich auf den Wellen treiben und höre wie sie sanft an das Ufer schwappen. Ansonsten ist es still. In mir breitet sich das Gefühl von Freiheit und zugleich Heimat aus. Hier gibt es außer den am Himmel fliegenden Vögeln nur mich und das Meer. Das ist das, was ich am Meer so liebe. Diese scheinbar unendliche Weite und Freiheit machen mich unbeschreiblich glücklich.

Es ist spät geworden und die Sonne ist gerade untergegangen. Während am Horizont noch Abendrot zu sehen ist, leuchten über mir schon die ersten Sterne.