8,49 €
Lindwacht ist ein literarisch-poetisches Werk, das sich bewusst von klassischen Erzählformen entfernt. Keine Heldenreise, keine lineare Handlung - stattdessen ein vielstimmiges Mosaik aus Gedichten, Prosaszenen und inneren Monologen. Lose verknüpfte Texte fügen sich zu einem eindrucksvollen Gesellschaftsbild, angesiedelt in einer mittelalterlich anmutenden Welt voller Spannungen, Brüche und leiser Auflehnung. Anja Buschner schreibt mit poetischer Präzision und erzählerischer Tiefe über Macht und Ohnmacht, soziale Ungleichheit, Ausgrenzung, Freiheitsdrang, Sehnsucht und Zugehörigkeit. Ihre Figuren - Magd, Barde, König, Kaufmann, Ritter, Knecht - stehen exemplarisch für gesellschaftliche Rollen und Konflikte. Die Welt von Lindwacht mag historisch wirken, doch sie ist der unseren näher, als es auf den ersten Blick scheint. Besonders hervorzuheben ist die ästhetische Gestaltung: Lindwacht erscheint als edles Hardcover im Format 17 x 22 cm mit Leseband und sorgfältiger Typografie. Zahlreiche stimmungsvolle Bildseiten begleiten die Texte, ergänzen sie visuell und schaffen Raum für Reflexion. Sie sind mehr als Illustration - sie erzählen mit. Lindwacht ist kein konventioneller Roman, sondern ein literarisches Gesamtkunstwerk - vielschichtig, nachdenklich und visuell kraftvoll. Es richtet sich an alle, die Literatur jenseits einfacher Genres suchen, an Leserinnen und Leser mit einem Sinn für Sprache, Gestaltung und gesellschaftliche Tiefe. Ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern erlebt werden will - leise, eindringlich und mit nachhaltiger Wirkung.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 46
Veröffentlichungsjahr: 2025
Tabula
Lindwacht
Festgefahren
Der Marktplatz
Eulenspiegel
Hexe
In den Gassen
Tyrannei
Prunkvolle Hallen
Der Hofmarschall
Des Hofmarschalls Rettung
Frühling
Frühlingstaumel
Währenddessen
Die Magd
Am nächsten Morgen
Des Barden Lied
Der Barde
Die Hexe und der Barde
Mit dir gegen die Zeit
Dornen
Der Knecht
Ewald
Der Kaufmann
Wahrhaftigkeit
Ritter Kunibert
In der Schänke
An die Herrscher
Armut
Die Elenden
Wandel
Schicksal
Am Hafen
Sturmflut
Sturm
Vor den Toren
Das königliche Fest
Wut der Bürger
Revolution
Ohne Gnade
Flächenbrand
Der Zorn des Volkes
Blut und Asche
Trommelschläger
Aus den Trümmern
Spitze Feder
Ein Wort vom Schreiber
Von den Bildern
Komm mit in eine Ära der Ritter und Könige
in jene Zeit, in der Prunk und Elend Tür an Tür wohnten
und das Land im ständigen Wechselspiel
von Licht und Schatten stand -
gezeichnet von Intrigen in den hohen Hallen
und von bitterer Not auf den Feldern.
Dichte Wälder, uralt und schweigsam,
umgaben das Städtchen Lindwacht wie ein lebendiger Schild.
In ihren Schatten verbargen sich nicht nur wilde Tiere,
sondern auch die Ängste und Sehnsüchte der Menschen.
Mythen und Aberglaube durchdrangen
ihren Alltag – und oft war es schwer zu sagen,
wo die Wahrheit endete und das Flüstern der Legenden begann.
Es war eine Welt voller Gegensätze –
und voller Geschichten ...
Die ersten Sonnenstrahlen brachen über den Hügeln von Lindwacht hervor und tauchten die kleine Stadt in ein warmes, goldenes Licht. Die Bewohner waren bereits erwacht, und das emsige Geschrei der Händler auf dem Marktplatz war schon von weitem zu hören, begleitet vom Klappern der Töpfe und dem Wiehern der Pferde.
Während zahlreiche Kutschen geschäftig den Marktplatz ansteuerten, um die lebhaften Stände und die verlockenden Waren der Händler zu besuchen, nahm die Fahrt der königlichen Kutsche einen anderen, weitaus unglücklicheren Verlauf.
Statt den Marktplatz zu erreichen, blieb das prächtige Gefährt am Rande eines kleinen Wäldchens stecken. Die schweren Räder hatten sich tief in den aufgeweichten, schlammigen Boden gegraben.
Der Kutscher, bemüht, das königliche Gefährt zu retten,
versuchte alles – er schrie die Pferde an, zerrte an den Zügeln
und schlug mit der Peitsche in die Luft.
Doch trotz aller Anstrengungen bewegte sich die Kutsche
keinen Zoll aus ihrer misslichen Lage.
Aus dem Grün des Waldes heraus konnten die Bediensteten
nur schemenhaft die bunten Fahnen und die Dächer
der Marktstände erkennen,
die sich in der Ferne über den Gassen der Stadt erhoben.
Die Geräusche des Marktes drangen wie durch einen Schleier
zu ihnen herüber – das Lachen der Kinder,
das laute Feilschen der Händler,
das metallische Klirren von Münzen und Gerätschaften.
Hilflos standen sie nun da, gefangen in der bedrückenden Stille
des Waldes, während vor ihren Augen das geschäftige Treiben
in der Ferne ungestört weiterging –
unerreichbar und doch zum Greifen nah.
Auf diesem Pfad, auf dem sie waren,
hat sich die Kutsche festgefahren.
Dort steckt sie nun, schon lange Zeit.
Kein Mensch, der sie daraus befreit.
Der Kutscher sitzt auf seinem Bock,
noch immer steht er unter Schock.
Die Pferde sind ihm durchgegangen,
im Matsch sind alle nun gefangen.
Im Wagen hockt auch das Gesinde,
flehend, dass der Matsch verschwinde.
Da sitzen sie und jammern nun.
Was gäb' es sonst denn auch zu tun?
Der Marktplatz präsentierte sich wie an jedem Morgen
in seiner vollen Pracht und Vielfalt.
Der Duft von frisch gebackenem Brot
mischte sich mit dem rauchigen Aroma verbrannten Holzes,
das von den Feuerstellen der Händler aufstieg.
Mägde in bunten Schürzen eilten geschäftig von einem Stand
zum nächsten, prüften Obst, Fleisch und Stoffe mit geübtem Blick
und feilschten mit Nachdruck – bemüht, die besten Waren
für ihre Herren zu ergattern. Ihre Körbe füllten sich langsam,
während sie sich durch das Gedränge bewegten –
stets mit wachsamen Augen, damit ihnen nichts entging.
Hier und da huschte eine mutige Ratte durch die verschlammten Gassen, nur um von einer Meute hungriger Katzen verfolgt zu werden.
Zwischen Rufen, Lachen und Klirren lag ein Stimmengewirr über dem Platz, so dicht, als sei es ein einziger, lebendiger Klang.
Die Sonne blitzte durch die Lücken der Stände, ließ Metall glänzen
und warf tanzende Schatten auf den Boden.
Über allem lag die Spannung eines neuen Tages –
noch voller Möglichkeiten.
Die bunten Stände, bedeckt mit Stoffen und Waren,
bildeten einen lebhaften Kontrast zu den düsteren Seitengassen,
wo Schmutz, Hunger und Armut herrschten.
Mitten im bunten Marktgewimmel stand ein seltsamer Geselle,
dessen Worte die Menschen in ihren Bann zogen.
Sein Auftreten war ebenso auffällig wie seine Reden.
Mit schillernden Gewändern und einem verschmitzten
Lächeln zog er die Blicke auf sich.
Man nannte ihn Eulenspiegel.
Ich bin ein Prahlhans und ein Scharlatan,
ein Traumverkäufer und ein Egoist.
Ja, meine Worte wähl' ich stets mit Plan,
und sage das, was mir von Nutzen ist.
Mit Worten groß und voller Poesie,
so preis' ich hoch die Wunder dieser Welt
und werfe euch ein süßes Lächeln zu.
Ich weiß, wie man die Massen unterhält.
Ich bin ein Blender und ein Tunichtgut.
Ja, einen Spiegel halte ich euch vor.
So schaut hinein, beweist mir euren Mut
und seht, was ihr noch niemals sah 't zuvor.
Das kleine Hafenstädtchen Lindwacht,
sonst geprägt von Alltag und gewohnter Routine,
war von einer unsichtbaren Unruhe durchdrungen.
In den engen Gassen, den Schankstuben
und selbst in den dunklen Winkeln der alten Fachwerkhäuser
