Lindwacht - Anja Buschner - E-Book

Lindwacht E-Book

Anja Buschner

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Beschreibung

Lindwacht ist ein literarisch-poetisches Werk, das sich bewusst von klassischen Erzählformen entfernt. Keine Heldenreise, keine lineare Handlung - stattdessen ein vielstimmiges Mosaik aus Gedichten, Prosaszenen und inneren Monologen. Lose verknüpfte Texte fügen sich zu einem eindrucksvollen Gesellschaftsbild, angesiedelt in einer mittelalterlich anmutenden Welt voller Spannungen, Brüche und leiser Auflehnung. Anja Buschner schreibt mit poetischer Präzision und erzählerischer Tiefe über Macht und Ohnmacht, soziale Ungleichheit, Ausgrenzung, Freiheitsdrang, Sehnsucht und Zugehörigkeit. Ihre Figuren - Magd, Barde, König, Kaufmann, Ritter, Knecht - stehen exemplarisch für gesellschaftliche Rollen und Konflikte. Die Welt von Lindwacht mag historisch wirken, doch sie ist der unseren näher, als es auf den ersten Blick scheint. Besonders hervorzuheben ist die ästhetische Gestaltung: Lindwacht erscheint als edles Hardcover im Format 17 x 22 cm mit Leseband und sorgfältiger Typografie. Zahlreiche stimmungsvolle Bildseiten begleiten die Texte, ergänzen sie visuell und schaffen Raum für Reflexion. Sie sind mehr als Illustration - sie erzählen mit. Lindwacht ist kein konventioneller Roman, sondern ein literarisches Gesamtkunstwerk - vielschichtig, nachdenklich und visuell kraftvoll. Es richtet sich an alle, die Literatur jenseits einfacher Genres suchen, an Leserinnen und Leser mit einem Sinn für Sprache, Gestaltung und gesellschaftliche Tiefe. Ein Buch, das nicht nur gelesen, sondern erlebt werden will - leise, eindringlich und mit nachhaltiger Wirkung.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 46

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Tabula

Lindwacht

Festgefahren

Der Marktplatz

Eulenspiegel

Hexe

In den Gassen

Tyrannei

Prunkvolle Hallen

Der Hofmarschall

Des Hofmarschalls Rettung

Frühling

Frühlingstaumel

Währenddessen

Die Magd

Am nächsten Morgen

Des Barden Lied

Der Barde

Die Hexe und der Barde

Mit dir gegen die Zeit

Dornen

Der Knecht

Ewald

Der Kaufmann

Wahrhaftigkeit

Ritter Kunibert

In der Schänke

An die Herrscher

Armut

Die Elenden

Wandel

Schicksal

Am Hafen

Sturmflut

Sturm

Vor den Toren

Das königliche Fest

Wut der Bürger

Revolution

Ohne Gnade

Flächenbrand

Der Zorn des Volkes

Blut und Asche

Trommelschläger

Aus den Trümmern

Spitze Feder

Ein Wort vom Schreiber

Von den Bildern

Komm mit in eine Ära der Ritter und Könige

in jene Zeit, in der Prunk und Elend Tür an Tür wohnten

und das Land im ständigen Wechselspiel

von Licht und Schatten stand -

gezeichnet von Intrigen in den hohen Hallen

und von bitterer Not auf den Feldern.

Dichte Wälder, uralt und schweigsam,

umgaben das Städtchen Lindwacht wie ein lebendiger Schild.

In ihren Schatten verbargen sich nicht nur wilde Tiere,

sondern auch die Ängste und Sehnsüchte der Menschen.

Mythen und Aberglaube durchdrangen

ihren Alltag – und oft war es schwer zu sagen,

wo die Wahrheit endete und das Flüstern der Legenden begann.

Es war eine Welt voller Gegensätze –

und voller Geschichten ...

Die ersten Sonnenstrahlen brachen über den Hügeln von Lindwacht hervor und tauchten die kleine Stadt in ein warmes, goldenes Licht. Die Bewohner waren bereits erwacht, und das emsige Geschrei der Händler auf dem Marktplatz war schon von weitem zu hören, begleitet vom Klappern der Töpfe und dem Wiehern der Pferde.

Während zahlreiche Kutschen geschäftig den Marktplatz ansteuerten, um die lebhaften Stände und die verlockenden Waren der Händler zu besuchen, nahm die Fahrt der königlichen Kutsche einen anderen, weitaus unglücklicheren Verlauf.

Statt den Marktplatz zu erreichen, blieb das prächtige Gefährt am Rande eines kleinen Wäldchens stecken. Die schweren Räder hatten sich tief in den aufgeweichten, schlammigen Boden gegraben.

Der Kutscher, bemüht, das königliche Gefährt zu retten,

versuchte alles – er schrie die Pferde an, zerrte an den Zügeln

und schlug mit der Peitsche in die Luft.

Doch trotz aller Anstrengungen bewegte sich die Kutsche

keinen Zoll aus ihrer misslichen Lage.

Aus dem Grün des Waldes heraus konnten die Bediensteten

nur schemenhaft die bunten Fahnen und die Dächer

der Marktstände erkennen,

die sich in der Ferne über den Gassen der Stadt erhoben.

Die Geräusche des Marktes drangen wie durch einen Schleier

zu ihnen herüber – das Lachen der Kinder,

das laute Feilschen der Händler,

das metallische Klirren von Münzen und Gerätschaften.

Hilflos standen sie nun da, gefangen in der bedrückenden Stille

des Waldes, während vor ihren Augen das geschäftige Treiben

in der Ferne ungestört weiterging –

unerreichbar und doch zum Greifen nah.

Festgefahren

Auf diesem Pfad, auf dem sie waren,

hat sich die Kutsche festgefahren.

Dort steckt sie nun, schon lange Zeit.

Kein Mensch, der sie daraus befreit.

Der Kutscher sitzt auf seinem Bock,

noch immer steht er unter Schock.

Die Pferde sind ihm durchgegangen,

im Matsch sind alle nun gefangen.

Im Wagen hockt auch das Gesinde,

flehend, dass der Matsch verschwinde.

Da sitzen sie und jammern nun.

Was gäb' es sonst denn auch zu tun?

Der Marktplatz präsentierte sich wie an jedem Morgen

in seiner vollen Pracht und Vielfalt.

Der Duft von frisch gebackenem Brot

mischte sich mit dem rauchigen Aroma verbrannten Holzes,

das von den Feuerstellen der Händler aufstieg.

Mägde in bunten Schürzen eilten geschäftig von einem Stand

zum nächsten, prüften Obst, Fleisch und Stoffe mit geübtem Blick

und feilschten mit Nachdruck – bemüht, die besten Waren

für ihre Herren zu ergattern. Ihre Körbe füllten sich langsam,

während sie sich durch das Gedränge bewegten –

stets mit wachsamen Augen, damit ihnen nichts entging.

Hier und da huschte eine mutige Ratte durch die verschlammten Gassen, nur um von einer Meute hungriger Katzen verfolgt zu werden.

Zwischen Rufen, Lachen und Klirren lag ein Stimmengewirr über dem Platz, so dicht, als sei es ein einziger, lebendiger Klang.

Die Sonne blitzte durch die Lücken der Stände, ließ Metall glänzen

und warf tanzende Schatten auf den Boden.

Über allem lag die Spannung eines neuen Tages –

noch voller Möglichkeiten.

Die bunten Stände, bedeckt mit Stoffen und Waren,

bildeten einen lebhaften Kontrast zu den düsteren Seitengassen,

wo Schmutz, Hunger und Armut herrschten.

Mitten im bunten Marktgewimmel stand ein seltsamer Geselle,

dessen Worte die Menschen in ihren Bann zogen.

Sein Auftreten war ebenso auffällig wie seine Reden.

Mit schillernden Gewändern und einem verschmitzten

Lächeln zog er die Blicke auf sich.

Man nannte ihn Eulenspiegel.

Eulenspiegel

Ich bin ein Prahlhans und ein Scharlatan,

ein Traumverkäufer und ein Egoist.

Ja, meine Worte wähl' ich stets mit Plan,

und sage das, was mir von Nutzen ist.

Mit Worten groß und voller Poesie,

so preis' ich hoch die Wunder dieser Welt

und werfe euch ein süßes Lächeln zu.

Ich weiß, wie man die Massen unterhält.

Ich bin ein Blender und ein Tunichtgut.

Ja, einen Spiegel halte ich euch vor.

So schaut hinein, beweist mir euren Mut

und seht, was ihr noch niemals sah 't zuvor.

Das kleine Hafenstädtchen Lindwacht,

sonst geprägt von Alltag und gewohnter Routine,

war von einer unsichtbaren Unruhe durchdrungen.

In den engen Gassen, den Schankstuben

und selbst in den dunklen Winkeln der alten Fachwerkhäuser