LINZI - Daniela Rubio - E-Book

LINZI E-Book

Daniela Rubio

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Beschreibung

Linzi ist tot … doch auf wundersame Weise kehrt sie ins Leben zurück. Die Ärzte können sich nicht erklären, wie die junge Linzi Seevers den brutalen Angriff überleben konnte. Nach ihrem Erwachen ist nichts mehr so, wie es vorher war. Von da an wird Linzi, von einem schwebenden, pelzigen Fisch begleitet, der lispelt und sich Gustav nennt. Zudem hat sie plötzlich Fähigkeiten, die sie komplett überfordern. Gemeinsam mit ihrem neuen Freund Frederik, macht sie sich auf die Suche nach Antworten und findet sie in ihrer Vergangenheit. Linzis geheimnisvoller und skurriler Psychiater Dr. Leopold Grünwald hilft ihnen, auf die richtige Spur zu kommen. Doch noch ahnen sie alle nicht, wie machtvoll und gefährlich ihre Gegner tatsächlich sind …

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Dannie Rubio ist im beschaulichen Städtchen Schaffhausen in der Schweiz aufgewachsen. Ihr Lebensweg hat sie durch verschiedene Etappen geführt. So lebte sie in Los Angeles, Madrid, Solothurn, Extremadura, Zürich, Luzern und schließlich in Alicante, wo sie mit ihrem Mann, Sohn und Hund sesshaft geworden ist. Hier erwachte auch ihr lang gehegter Traum des eigenen Buches. Dannie verschlingt Bücher aus dem Thriller Genre wie andere Schokolade. Sie schreibt Geschichten, die berühren, zum Nachdenken bewegen, schockieren, Hoffnung machen, herausfordern, aber einen auch zum Lachen bringen.

Dannie Rubio hat die Ausbildung zu Rennreiterin in der Schweiz absolviert. Pferde begleiteten sie ihr ganzes Leben lang. Bis sie das BMX-Rad vor 3 Jahren neu entdeckte. Seither findet man sie jeden Tag auf ihrem BMX-Rad am Trainieren. Sie fährt Rennen in ganz Europa, startete 2019 an der Weltmeisterschaft in Belgien. Außerdem ist sie zertifizierte, Life Coachin.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© 2022 Booklandrubio

Herausgeber: HumanTalent & Me

Autor: Dannie Rubio

Umschlaggestaltung, Illustration: © Phönix Graphics Spain

Lektorat: Holger Bruns

Verlag & Druck: Human Talent & Me Verlag/ LLAR digital Spain

Calle Bonitol 4

03110 Mutxamel/Spain

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und der Autorin unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prolog

 

„So, liebe Kinder, dann zeigt mir doch bitte die schönen Bilder, die ihr zu Hause gemalt habt.“

Claudia Fürth ist Lehrerin mit Herz und Seele. Sie liebt die ihr anvertrauten Kinder über alles. Als Hausaufgabe für heute mussten sie ein Bild von sich und ihrer Familie zeichnen. Zeichnet eure Familie so genau wie möglich, hieß die Aufgabe. Ein Kind nach dem anderen kommt vor und zeigt stolz sein Werk. Für jedes der Kleinen hat sie ein liebes Wort, selbst wenn die Zeichnung nur aus simplen Strichmännchen besteht. Als Linzi Martin vorkommt und ihre Zeichnung präsentiert, stockt der Lehrerin der Atem. Geschockt betrachtet sie das Bild. Die 9-jährige Linzi lächelt sie erwartungsvoll an.

„Das ist ... das ist ... Das hast du sehr schön gezeichnet, Linzi.“

Sie kann ihre Augen nicht von dem verstörenden Bild abwenden. „Wenn die Stunde vorbei ist, bleibst du bitte noch einen Moment bei mir?“

Liebevoll lächelt sie das süße blonde Mädchen an.

„Hhmm.“

Linzi nickt und geht zurück zu ihrem Platz.

Schrill klingelt die Pausenglocke. Fröhlich springen die Kinder von ihren Stühlen auf. Lachend und schreiend verlassen sie das Klassenzimmer. Nur Linzi sitzt stumm an ihrem Platz. Claudia lächelt sie an.

„Komm her, Linzi“, fordert sie das Mädchen auf.

Gehorsam steht sie auf und stellt sich neben die Klassenlehrerin.

„Willst du mir dein Bild erklären?“

„Ich weiß nicht, ob ich das darf“, antwortet Linzi besorgt. „Sie haben mir gesagt, dass es ein Geheimnis sei und ich keinem davon erzählen darf.“

„Keine Angst, Linzi, mir darfst du es erzählen.“

„Sicher?“

Ihr ängstlicher Blick schnürt Claudia die Kehle zu.

„Ganz sicher.“

Mit ihren kleinen Fingern zeigt das Mädchen auf das Bild.

„Das ist David.“

Sie zeigt auf einen als Mann erkennbare Person, die auf dem Sofa sitzt und Fernsehen schaut.

„Und David ist wer?“

„David ist mein Papa, aber er will nicht, dass ich ihn Papa nenne, weil er ja eigentlich nicht mein Papa ist.“

Sie lächelt verstört. Claudia weiß, dass Linzi mit 2 Jahren adoptiert wurde und das David und Laura Martin ihre Adoptiveltern sind.

„Und wer ist das hier?“

Sie zeigt auf eine Frau, die an einem Tisch sitzt und etwas isst.

„Das ist Laura, meine Mama, und daneben sitzt mein Bruder Anton, er ist ein bisschen älter als ich.“

„Und wo bist du, Linzi?“

Linzi zeigt auf eine Kartonschachtel, die sie gezeichnet hat. Die Schachtel hat ein kleines Loch und in dem Loch kann man zwei blaue Punkte erkennen.

„Das bin ich, aber sie sehen nur meine Augen.“

Linzi strahlt Frau Fürth an, dieser ist das Lachen vergangen. Linzi hat die blauesten Augen, die Claudia je gesehen hat, die Tiefe darin und der Ausdruck, der für ein so kleines Kind viel zu dunkel ist, fiel ihr schon am ersten Tag auf.

„Und was machst du in der Kiste?“

Claudia bemüht sich um einen fröhlichen Tonfall.

„Ich lebe darin.“

Sie atmet tief ein.

„Du lebst in der Kiste?“

„Ja, wenn ich nach Hause komme, muss ich in die Kiste.“

Traurigkeit legt sich wie Nebelschwaden über ihr Gesicht.

„Und was machst du da? In der Kiste? Ist es dein Spielzeug?“

„Ich mache alles in der Kiste – spielen, essen, schlafen.“

Ihr Lächeln ist gewichen.

„Und dein Bruder Anton? Lebt er auch in der Kiste?“

„Nein, Anton hat ein Zimmer und isst am Tisch.“

Claudia Fürth muss ihre Tränen zurückhalten.

„Durch das Loch, das ich rein gepopelt habe, kann ich fernsehen.“

Linzi lächelt begeistert.

Claudia wendet ihren Blick ab, verstohlen wischt sie sich Tränen aus den Augen. Liebevoll legt sie ihre Hand auf Linzis Schulter.

„Du wirst nicht mehr nach Hause gehen. Dafür werde ich sorgen.“

„Und Tiger?“, fragt Linzi weinerlich.

„Wer ist Tiger?“

Linzi zeigt auf ein vierbeiniges Etwas auf ihrer Zeichnung, dass neben der Kiste sitzt.

„Ist Tiger ein Hund?“

„Ja, mein einziger Freund.“

Linz verzieht ihr Gesicht.

Claudia streicht dem Mädchen über die Wange.

„Wir werden sehen, okay?“

Linzi nickt und senkt den Blick zu Boden.

 

Claudia Fürth hat Wort gehalten und alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit Linzi aus der Familie genommen wird. Verschiedener Ämter stellten Nachforschungen an und schließlich wurde Linzi der Familie Martin entzogen und ins Kinderheim gebracht. Linzi war traurig, weil sie Tiger nicht mitnehmen durfte. Doch das Schicksal meinte es gut mit ihr. Ein Jahr später wurde sie von Carola und Torsten Seevers adoptiert und mit Liebe überschüttet. Zu Beginn war sie überfordert und die Liebe machte sie traurig. Sie hatte keinen Ort, wo sie sie hintun konnte und so lief sie über. Doch nach und nach lernte sie, geliebt zu werden und zu lieben.

 

 

1.

 

Aus Linzi Seevers wurde mit der Zeit eine hübsche junge Frau. Sie ist von der Statur eher klein, mit kurzen blonden Haaren, die wild in alle Richtungen stehen, und ihre Augen fallen jedem sofort auf, ob gewollt oder nicht. Sie sind tiefblau und wenn man zu lange hineinschaut, verliert man sich darin. Ihre Kindheit hat Linzi gut verarbeitet, das glaubt sie zumindest. Einzig ihre Gier nach Liebe erinnert sie an ihre lieblose Kindheit. Sie lechzt nach Liebe, Linzi würde für den Mann, den sie liebt, alles tun. Dazu kommt noch der ein oder andere Spleen, aber darüber soll niemand Bescheid wissen. Sie treibt Sport, macht Crossfit und fährt Fahrrad. Ohne Mühe hat sie die Ausbildung zur Architektin abgeschlossen. Sie liebt ihren Beruf und geht darin auf. Als sie 18 wurde, hat sie sich eine eigene Wohnung gemietet, nicht weil sie es zu Hause nicht mehr ausgehalten hätte, sondern weil sie so leben wollte, wie sie es für richtig hielt. Seit vier Jahren lebt sie alleine in einer kleinen Stadtwohnung über einer kauzigen Buchhandlung. Seit Kurzem ist sie mit Armin Koller liiert, er ist 8 Jahre älter als sie, dominant und direkt. Manchmal macht er ihr Angst, aber gleichzeitig gibt er ihr durch seine Stärke Halt. Sie fühlt sich beschützt und geliebt. Ihre Eltern – Adoptiveltern – mögen Armin nicht, es schmerzt Linzi, sie hätte sich gewünscht, dass sie ihn gerne haben und akzeptieren. Das Leben ist kein Ponyhof, sagt sie sich und geht ihren Weg. Eigentlich ist sie seit 2 Jahren in Frederik Raschke verliebt. Frederik arbeitet mit ihr, ist 14 Jahre älter und war bis vor Kurzem noch verheiratet. Bevor sich etwas zwischen ihnen entwickeln konnte, war Armin zur Stelle.

Heute kommt Armin zum Essen. Zum ersten Mal hat sie ihn in ihre Wohnung eingeladen. Linzi ist keine großartige Köchin, aber Reis mit Curry Chicken kriegt sie hin. Punkt 19 Uhr klingelt Armin an der Haustür. Aufgeregt trabt sie hin und öffnet breit grinsend die Tür.

„Hallo Kleine“, begrüßt er Linzi und drückt sie fest an sich.

„Hi“, erwidert Linzi. „Komm rein.“

Um sich schauend betritt Armin die Wohnung. Ihr Zuhause ist klein, aber hat Charme und Persönlichkeit. Die Wände sind mit bunten Sprüchekarten behangen. Jede in seinem eigenen farbigen Rahmen. Ein einfaches Sofa steht einsam im Wohnzimmer. Davor ein großer Flachbildfernseher. Ein kleiner runder Tisch, der fröhlich farbig gedeckt ist, ziert das Esszimmer.

„Schön hast du es hier“, sagt Armin und schleicht durch die Wohnung.

„Danke. Setz dich, das Essen ist fertig.“

Armin setzt sich voller Vorfreude auf das leckere Essen.

„Es riecht gut.“

„Danke.“

Linzi trägt den Teller mit dem dampfenden Essen an seinen Platz. Dann holt sie ihren Teller und setzt sich zu ihm an den Tisch.

„Das ist lecker, Linzi“, schwärmt er.

Sie lächelt verlegen.

„Sag mal, Linzi.“ Armin kaut auf dem Essen, spricht dann mit vollem Mund weiter. „Die verschlossene Tür da drüben.“ Er zeigt mit dem Kopf Richtung Tür. „Hast du da Leichen versteckt?“

Er grinst doof.

„Nein.“

„Warum ist sie geschlossen?“

„Weil ich nicht will, dass jemand in das Zimmer geht.“

„Jemand? Du meinst mich.“

„Jeden, der mich besucht.“

Er legt seinen Kopf zur Seite.

„Was hast du für Geheimnisse?“

„Keine, ich will einfach nicht, dass jemand da rein geht.“

„Das ist seltsam, weißt du das?“

Linzi fühlt sich unwohl und in die Ecke gedrängt.

„Lass mich rein“, sagt er ernst.

„Nein.“

Er blickt sie ernst an.

„Ist es das Schlafzimmer?“

Sie nickt, es gefällt ihr gar nicht, welche Richtung dieser Abend einschlägt.

„Was könntest du im Schlafzimmer haben, das ich nicht sehen soll?“

Er kneift seine Augen zusammen und schaut sie nachdenklich an.

„Lass es doch einfach, kannst du es nicht akzeptieren?“

„Nein, ich mag es nicht, dass mein Mädchen Geheimnisse vor mir hat.“

„Wenn wir länger zusammen sind, werde ich es dir zeigen.“

„Na schön.“

Nach dem Essen trägt Linzi die Teller in die Küche und bereitet den Nachtisch zu. Mit größter Anstrengung hat sie einen Schokoladenkuchen gebacken. Armin gesellt sich zu ihr. Von hinten legt er seine Arme um sie, atmet laut in ihre Ohren. Linzi schluckt, sie fühlt sich eingeengt. Sein Griff ist viel zu kräftig.

„Liebst du mich Linzi?“, haucht er in ihr Ohr.

„Ja“, erwidert sie leise.

„Lass uns in dein Schlafzimmer gehen.“

„Nein“, sagt sie entschieden.

Er dreht sie zu sich. Schaut ihr tief in die Augen.

„Wenn du mich liebst, dann gehen wir jetzt in dein Schlafzimmer.“

„Nein, bitte. Ich liebe dich, aber ich will nicht ins Schlafzimmer.“

Flehend schaut sie ihn an. Sie will, dass er sie liebt, aber auf keinen Fall wird sie ihn in das Schlafzimmer lassen.

„Du machst mich an, wenn du mich so anschaust.“

Linzi denkt nach, wie sie ihn denn wohl anschaut. Angst. Sie hat Angst. Zaghaft versucht sie, ihn wegzustoßen. Er lächelt nur und drückt sie gegen die Wand.

„Wollen wir es gleich hier tun?“

„Ich will nicht, nicht jetzt“, fleht sie.

„Ach komm, zier dich nicht.“

Mit zittrigen Händen macht er sich an ihrer Jeans zu schaffen.

„Bitte Armin.“

„Pssst.“

Er atmet heftig. Hastig zieht er ihr die Jeans runter. Linzi lässt es über sich ergehen. Sie liebt ihn und das hier tun Liebende. Oder etwa nicht? Sie fühlt sich schrecklich, als ob er ihr das Leben ausgesaugt hätte. Enttäuscht und traurig steht sie da. Er zieht sich nach dem lieblosen Akt zurück.

„Ich gehe ins Bad, mach den Nachtisch fertig“, befiehlt er ihr. Sie nickt, am liebsten würde sie ihn aus der Wohnung werfen, sich in ihrem Bett verkriechen und weinen. Ein paar Minuten später kommt er zufrieden grinsend aus dem Bad zurück und setzt sich an den Tisch.

„Mmhh, Schokoladenkuchen.“

„Ja.“

Gierig macht er sich über den mit Liebe gebackenen Kuchen her.

„Lecker, Linzi.“

„Danke.“

„Hör mal, am Samstag hat mein Kumpel Geburtstag. Er hat uns eingeladen. Ich hole dich um 20 Uhr ab, okay?“

Er fragt sie nicht einmal.

„Ja ist gut.“

Sie traut sich nicht, ihm zu widersprechen.

Für Linzi ist der Abend gelaufen.

 

2.

 

Der gestrige Abend lässt Linzi nicht los. Unendlich enttäuscht, verletzt und verwirrt, versucht sie sich bei der Arbeit zu konzentrieren. Als es zweimal leise an der Bürotür klopft, schreckt sie hoch. Frederik streckt seinen Kopf grinsend durch den Türspalt hindurch. Linzis Herz macht Luftsprünge. Seine blauen Augen ziehen sie magisch an. Mit seinen dunklen Locken und dem frechen Grinsen sieht er aus wie ein kleiner Junge in einem Männerkörper.

„Wie geht es dir, Linzi?“

„Es geht. Ich hatte gestern Ärger mit meinem Freund.“

„Oh, ich habe nicht gewusst, dass du einen Freund hast.“

Linzi versucht, seinen Blick zu deuten. Sieht sie etwa Enttäuschung darin?

„Eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mit mir zum Mittagessen gehst.“

Ohne zu zögern, antwortet Linzi: „Ja, sehr gerne.“

„Schön, um 12 Uhr?“

„Perfekt.“

Ihr Tag ist gerettet. Sie zweifelt daran, dass sie Armin wirklich liebt. Er ist grob, egozentrisch, besitzergreifend und eifersüchtig. Irgendwie liebt sie ihn. Seine Stärke, das Gefühl der Sicherheit, welches er ihr schenkt, aber das, was er gestern getan hat, war nicht in Ordnung.

Punkt 12 Uhr steht Frederik vor der Bürotür. Linzi freut sich, ihn endlich mal etwas näher kennenzulernen. Ihre Wahl fällt auf ein chinesisches Restaurant.

Lächelnd sitzen sie sich gegenüber.

„Wir arbeiten schon so lange in derselben Firma, kennen uns aber kaum“, stellt Frederik fest.

„Ja, das stimmt.“

„Erzähl was von dir, Linzi.“

„Was willst du wissen?“

Er denkt nach.

„Wie alt bist du?“

„23. Und du?“

„37.“

Er beobachtet ihre Reaktion.

„Schön.“ Sie grinst ihn an. „Du bist geschieden?“, fragt sie geradeheraus.

„Ja, seit ein paar Monaten.“

Er blickt auf seine Gabel.

„Warum?“

„Wir haben von Anfang an nicht zusammengepasst. Die Luft war schnell draußen.“

Er hebt die Schulter und presst seinen Mund zusammen.

„Hast du Kinder?“

„Nein, einen Hund.“

Linzi schaut ihn begeistert an.

„Ich liebe Hunde.“

Ihre Augen funkeln.

„Wir können mal zusammen spazieren gehen“, schlägt er vor.

„Das wäre toll.“

Der Kellner kommt und nimmt die Bestellung auf.

„Was tust du in deiner Freizeit?“

„Ich mache Crossfit, fahre Fahrrad und lese sehr gerne.“

„Oh wow, dann bist du ziemlich fit.“

„Ja, ich glaube schon.“ Sie lächelt verlegen. „Was machst du in deiner Freizeit?“

„Ich geh mit meinem Hund Clark Kent spazieren …“

Linzi unterbricht ihn.

„Dein Hund heißt Clark Kent?“

„Ja.“ Er lächelt verstohlen. „Ich bin DC Comics Fan.“

Frederik hebt entschuldigend die Schultern.

„Das ist süß.“

„Findest du?“

„Ja, irgendwie schon.“

Der Kellner bringt das Essen.

„Guten Appetit“, wünscht er und lässt die beiden allein.

„Ich war zu spät.“

Fragend blickt Linzi ihn an.

„Was meinst du?“

„Du hast noch nicht lange einen Freund.“

„Ah.“

Linzi blickt verloren auf den Reis.

„Du bist nicht glücklich mit ihm, stimmts?“

„Ich weiß nicht, er ist sehr ... dominant und herrisch.“

Frederik schaut sie ernst an.

„Aber er schlägt dich nicht, oder?“

„Nein.“

Besorgt denkt sie an gestern, sie hatte Angst vor Armin. Genau genommen hat er sie vergewaltigt. Er hätte es nicht tun dürfen.

„Linzi, du kannst mich jederzeit anrufen, okay?“

„Danke.“

Sie unterhalten sich locker und entspannt. Sie fühlt sich wohl in Frederiks Gegenwart und genießt die Zeit mit ihm.

Abends sitzt sie entspannt im Schneidersitz in ihrem Bett und schaut Fernsehen, als es unerwartet an der Tür klingelt. Sie wundert sich über den späten Besucher und öffnet. Armin steht mit einem großen Strauß Blumen vor ihr.

„Es tut mir leid wegen gestern.“

Linzi ist gerührt und vergibt ihm, ohne zu zögern.

Er drückt ihr die Blumen in die Hand.

„Du hast mich so angemacht, ich konnte mich einfach nicht kontrollieren.“

Er küsst sie wild und leidenschaftlich.

Sie geht in die Küche und stellt die Blumen in eine Vase. Sie hört, wie er versucht, die Tür zu ihrem Schlafzimmer zu öffnen.

„Sie ist geschlossen“, sagt sie, den Blick auf ihn gerichtet.

„Ich bin neugierig. Was versteckst du im Schlafzimmer, Linzi?“

„Ich werde es dir zeigen, wenn wir länger zusammen sind.“

Mit langsamen Schritten geht er auf sie zu. Er beugt sich zu ihr herunter.

„Zeig es mir jetzt“, zischt er in ihr Ohr.

„Nein Armin, bitte.“

Er atmet laut aus.

„Na schön, wenn du mir nicht vertraust, muss ich wohl damit leben.“

Beleidigt setzt er sich aufs Sofa.

„Bring mir einen Kaffee.“

Linzi fühlt sich überrannt, nicht wahrgenommen, abgelehnt. Wie früher. Für ein bisschen Liebe würde sie alles tun. Gehorsam macht sie ihm einen Kaffee und setzt sich neben Armin aufs Sofa.

„Du hast den Geburtstag morgen nicht vergessen, oder?“

„Nein.“

„Gut.“

Er schaut sie mit einem Blick an, den sie nicht leiden kann. Gierig, überheblich, besitzergreifend und gemein.

„Meine kleine Linzi.“

Er zieht sie fordernd zu sich und küsst sie. Widerwillig erwidert sie den Kuss. Plötzlich hört er abrupt auf.

„Hast du einen anderen?“

Seine Augen funkeln.

„Nein“, sagt sie erstaunt.

„Du bist so abweisend.“

Jetzt hält er seinen Kopf ganz nahe an ihren und blickt ihr tief in die Augen.

„Das würde dir leidtun, glaub mir das.“

„Ich habe keinen anderen“, antwortet sie leise.

Er steht auf.

„Ich muss los, habe noch etwas zu erledigen.“

Linzi ist froh, wundert sich aber, was er um diese Uhrzeit zu erledigen hat, doch sie fragt ihn nicht.

„Dann bis morgen um 19 Uhr. Ich hole dich ab.“

„Gut.“

Sie schließt die Tür zu ihrem Schlafzimmer auf, setzt sich auf ihr Bett und schaut Fernsehen.

 

3.

 

Es ist Samstag, Linzi hat frei. Sie fragt sich, ob sie ein Geschenk für Armins Freund kaufen soll. Aber sie lässt es bleiben, sie kennt ihn ja nicht. Kurz vor 19 Uhr klingelt ihr Smartphone. Es ist Frederik.

„Hallo Linzi.“

„Hallo Frederik“, erwidert sie seinen Gruß begeistert.

„Ich hoffe, ich störe nicht.“

„Nein.“

„Ich wollte fragen, ob du Lust hast, morgen mit mir Essen zu gehen.“

Offensichtlich ist es Frederik gleichgültig, dass Linzi einen Freund hat. Fakt ist,... sie mag Frederik mehr als Armin.

„Ja, das wäre sehr schön.“

„Toll, um 18 Uhr?“

„Ja gerne.“

„Ich hole dich ab.“

„Super, ich freue mich.“

„Ich mich auf.“

Linzi beendet den Anruf mit einem Lächeln im Gesicht, ihre Gedanken haben Freiflug, doch das Klingeln der Haustür holt sie zurück in die Realität. Es ist Armin.

„Hallo.“

Er guckt sie enttäuscht an.

„Jeans? Bluse?“

Linzi blickt an sich herunter.

„Du hättest dir auch was Sexigeres anziehen können.“

Sie ist vor den Kopf gestoßen, weiß nicht, was sie sagen soll.

„Komm schon, gehen wir.“

Bedrückt geht sie hinter ihm her. Am liebsten würde sie sofort mit ihm Schluss machen. Nach dem Geburtstag wird sie ihn vor vollendete Tatsachen setzen. Stumm fahren sie durch die Stadt und parken vor einem Zweifamilienhaus.

Die Musik der Party ist schon von Weitem hörbar. Sie hat keine Lust auf Feiern und auf Armins Freunde noch viel weniger. Als sein Freund die Tür öffnet, rauscht eine Rauchwolke über sie hinweg. Zigarren und Hasch. Unsicher tritt Linzi in die Wohnung. Seine Freunde begrüßen sie herzlich. Die Party ist laut und oberflächlich. Der Rauch bereitet ihr Kopfschmerzen. Sie setzt sich auf ein Sofa und trinkt eine Cola. Armin gesellt sich mit einem Glas Alkohol zu ihr.

„Hier trink“, befiehlt er.

„Nein danke.“

„Das war keine Bitte, du sollst das trinken.“

Er hält ihr das Glas hin. Sein Blick ist ernst und duldet keine Widerrede.

„Nein, ich will nicht.“

Er wird ihr vor all den Leuten hier nichts antun, da ist sie sich sicher. Seine Nasenflügel heben sich, seine Adern an seinen Schläfen pulsieren gefährlich. Hastig legt er seine Hand an ihre Kehle.

„Was glaubst du, wer du bist?“, zischt er leise.

Linzi erstarrt. Wieder fürchtet sie sich vor ihm.

„Hey Armin, was tust du?“, fragt ein junger, hochgewachsener Mann mit besorgter Miene.

„Nichts, nichts, wir spielen nur ein bisschen“, antwortet Armin und lacht falsch.

„Bist du okay?“, fragt der junge Mann Linzi.

„Ja, danke.“

Armin blickt genervt umher.

„Lass uns gehen“, sagt er und zieht sie hinter sich her.

„Wir sind doch gerade erst gekommen.“

„Scheiß Party, wir gehen.“

Stumm fahren sie nach Hause.

„Ich schlafe bei dir.“

„Nein, das geht nicht.“

„Verdammt noch mal, Linzi, hör auf mir die ganze Zeit, zu widersprechen.“

Tränen sammeln sich in ihren Augen.

Als sie in ihrer Wohnung ankommen, stößt er sie grob aufs Sofa.

„Wer ist der Kerl?“

„Welcher Kerl?“

„Lüg mich nicht an, du hast was laufen, mit einem anderen.“

„Nein, hab ich nicht.“

„Gib mir dein Telefon.“

„Was?“

„Du sollst mir dein Telefon geben.“

Zögernd gibt sie es ihm.

„Passwort?“, fragt er wütend.

„Tiger“, flüstert Linzi.

Sie zittert und hat Angst.

„Was ist das für ein beschissenes Passwort.“

Er scrollt durch die Anrufliste und wird auch gleich fündig.

„Frederik Raschke, wer ist das?“

„Ein Arbeitskollege.“

Er grinst dämonisch.

„Ah, er hat heute angerufen, was wollte dein Arbeitskollege an einem Samstagabend?“

Wut breitet sich in Linzi aus.

„Es ist aus zwischen uns.“

Sie steht auf und will ihm damit deutlich machen, dass er ihre Wohnung verlassen soll.

Theatralisch reißt er die Augen auf.

„Wow, der Frederik muss gut sein im Bett, er hat dein Herz im Sturm erobert.“

„Ich bin nicht mit ihm zusammen.“

Er macht zwei schnelle Schritte auf sie zu und schlägt sie ins Gesicht. Sie fällt zurück aufs Sofa. Geschockt leckt sie sich die Lippen. Tränen rollen über ihre Wangen. Er drückt die Nummer von Frederik.

„Hey Linzi.“

„Hey Frederik.“

„Ähm.“

„Ja, Überraschung, hä? Wie lange treibt ihr es schon hinter meinem Rücken.“

„Wo ist Linzi?“, fragt Frederik besorgt.

„Hier neben mir, sie heult wie ein kleines Kind, willst du hören?“

Er hält das Telefon nahe zu Linzi.

„Keiner verarscht mich. Keine Frau lässt mich im Trockenen stehen. Das wird ihr leidtun.“

„Ich will mit ihr reden.“

„Komm doch her, mal sehen, ob sie dann noch imstande ist zu reden.“

Er beendet den Anruf. Ohne zu zögern, schlägt er zu. Er schlägt und tritt sie. Linzi hat keine Chance, sich zu wehren. Als sie auf dem Boden liegt, versucht sie schützend die Hände vor ihr Gesicht zu halten. Vergeblich, seine Schläge und Tritte treffen sie überall. Selbst als sie das Bewusstsein verliert, macht er noch weiter. Erst als er von weitem Sirenenklang vernimmt, sucht er das Weite.

„Das hast du verdient, Miststück.“

Eilig verlässt er die Wohnung, nicht ohne zuvor noch mal zu versuchen, die Schlafzimmertür zu öffnen. Vergeblich.

Es sind zuerst die Polizisten, die am Tatort eintreffen.

„Oh Gott“, entfährt es dem ersten beim Anblick von Linzi, die in einer riesigen Blutlache zusammengerollt auf dem Boden liegt.

„Lebt sie noch?“, fragt er seinen Kollegen.

Dieser duckt sich zu ihr hinunter und misst ihren Puls.

„Ganz schwach“, sagt er und blickt seinen Partner an.

„Was ist passiert?“

Frederik kommt aufgeregt in die Wohnung gerannt.

Ein Polizist stellt sich ihm in den Weg.

„Stop, ganz ruhig. Wer sind Sie?“

„Ich bin ein guter Freund. Verdammt lassen Sie mich durch“, fleht er.

Sanitäter kommen mit einer Trage angerannt. Frederik erhascht einen Blick auf die schwer verletzte Linzi.

„Oh nein!“

Ihm wird übel und er wendet sich ab.

Die Sanitäter tun alles Menschenmögliche, um Linzis Leben zu retten. Hektisch gehen Beamte rein und raus, Sanitäter geben sich Anweisungen, bis sie die Schwerverletzte endlich auf der Trage in den Krankenwagen transportieren. Frederik schnürt es den Magen zu, als sie an ihm vorbeigehen. Linzis Gesicht ist über und über mit Blut besudelt, die Kleidung auch, überall ist Blut. Geschockt sinkt er auf den Boden.

„Brauchens sie einen Arzt?“, fragt ein freundlicher Polizist.

„Nein, ich brauche nur einen Moment.“

Als sich er sich wieder gefangen hat, fährt er zuerst ins Büro, um die Nummer von Linzis Eltern zu notieren, danach rast er ins Krankenhaus. Dort angekommen, setzt er sich in den Wartesaal und ruft Linzis Eltern an. Sie fallen aus allen Wolken und versprechen in einer halben Stunde bei ihm zu sein. Noch etwas schneller als angekündigt treffen Carola und Torsten Seevers ein. Frederik winkt die beiden zu sich.

„Sind Sie Frederik?“, fragt Carola Seevers mit zittriger Stimme.

„Ja.“

„Gibt es schon Informationen über ihren Zustand?“

„Nein, noch nicht.“

„Was ist passiert?“, fragt Torsten.

Frederik erzählt, was er zu wissen glaubt, in Wirklichkeit hat er keine Ahnung.

„Ich wusste, dass dieser Kerl nicht sauber ist“, schimpft Torsten.

Carola schnieft. Die beiden setzen sich. Nach weiteren zwei Stunden kommt ein Arzt durch die Tür.

„Familie Seevers?“, fragt er.

Seine Miene lässt nichts Gutes erwarten.

„Ja.“

Torsten hält seine Frau fest.

„Der Zustand ihrer Tochter ist sehr ernst. Sie hat viele gebrochene Knochen und innere Verletzungen. Wir kämpfen um ihr Leben.“

Carola Seevers bricht weinend zusammen.

„Es tut mir leid“, sagt der Arzt leise und verschwindet wieder durch die Tür.

Auch Frederik muss sich setzen. Stumm warten sie auf weitere Informationen, noch bleibt ein kleiner Funken Hoffnung.

 

Noch zwei Stunden später, kämpft das Ärzteteam verzweifelt um Linzis leben.

„Wir verlieren sie“, ruft eine Assistentin erschrocken. In diesem Moment erklingt der gefürchtete lange Piepton. Ganze 40 Minuten versucht das Team sie zurückzuholen. Vergeblich.

„Zeitpunkt des Todes …“ Dr. Klein blickt auf die Uhr. „… 0:18 Uhr.“

Bedrückt und erschöpft verlässt er den Operationssaal und hat die undankbare Aufgabe, die Eltern über den Tod ihrer Tochter zu informieren.

Schon an seinem Gesicht können sie erkennen, dass es keine guten Nachrichten sind. Ängstlich stehen sie da und halten verzweifelt an der Hoffnung fest.

„Es tut mir sehr leid“ Dr. Klein atmet laut ein. „Sie hat es nicht geschafft.“ Er blickt betrübt zu Boden. „Wir haben über 40 Minuten versucht, sie wiederzubeleben.“

Carola und Torsten hängen sich weinend in den Armen, Frederik hat sich hingesetzt.

„Wir werden Ihnen psychologische Hilfe zur Seite stellen, sie werden Ihnen helfen.“

Dr. Klein fühlt sich hundeelend, eine so junge Frau durch ein tragisches Ereignis zu verlieren, geht ihm sehr nahe, zu nahe.

„Dr. Klein!!!“

Eine Assistentin kommt aufgeregt aus dem OP gerannt. Er blickt auf.

„Dr. Klein! Kommen Sie schnell!!“

„Was ist los?“, fragt er überrascht.

„Sie, sie ist zurück!“

Ihr Ausdruck spricht Bände, die Assistentin kann es nicht fassen.

„Was?“

Er wirft einen kurzen Blick auf Linzis Eltern. Wenn das ein Scherz ist, dann ist er mehr als geschmacklos. Doch die Assistentin macht keine Witze, ihr ist es todernst. Aufgeregt rennt der Arzt in den OP. Als er eintritt, hält er inne. Der Monitor piepst rhythmisch. Kollegen legen Zugänge und Infusionen, die sie bereits entfernt hatten, neu.

„Das gibt's doch nicht.“

Er kann es nicht fassen. Dr. Klein nähert sich Linzi und leuchtet ihr in die Augen. Tatsächlich, die Pupillen reagieren.

„Los Leute, wir dürfen sie nicht nochmals verlieren.“

Weitere zwei Stunden später wird Linzi aus dem OP auf die Intensivstation geschoben. Dr. Klein nähert sich ihren Eltern, die eine Achterbahn der Gefühle durchleben. Er lächelt sanft. Dr. Klein ist Ende 40, seine braunen Augen sind lebendig und neugierig, die Nase ist fast zu klein für sein kantiges Gesicht. Sein Mund deutet ein Lächeln an.

„Ihre Tochter ist stabil, sie wurde auf die Intensivstation gebracht. Sie ist noch nicht außer Lebensgefahr.“

Wieder umarmen sich Carola und Torsten. Diese Nacht wird sie um Jahre altern lassen.

„Wir wissen nicht, wie es möglich ist, dass sie nach fast einer Stunde wieder zurück ins Leben kam. Das ist eigentlich unmöglich.“

Er knabbert auf seiner Unterlippe.

„Sie müssen wissen, dass sie, wenn sie überlebt, Schäden davontragen wird. Ihr Hirn war fast eine Stunde ohne Sauerstoff.“

„Was für Schäden, Doktor?“, fragt Torsten ängstlich.

Er atmet laut aus.

„Wahrscheinlich wird sie nicht mehr alleine leben können und auf Maschinen angewiesen sein.“

„Oh Gott“, murmelt Frederik.

„Sie wird ein Pflegefall sein.“

Tausend Gedanken schwirren durch Carolas Kopf. Wäre es vielleicht besser gewesen, sie hätte es nicht geschafft? Und wieder ist es die Hoffnung, die sie trägt. Die Hoffnung, dass der Arzt übertreibt und alles nicht so schlimm ist.

„Sie dürfen sie morgen besuchen.“

Dr. Klein nickt und entfernt sich.

„Kommen Sie Linzi auch besuchen?“, fragt Carola mit gebrochener Stimme.

„Ja, selbstverständlich“, antwortet Frederik.

Wortlos verlassen Torsten und Carola den Wartesaal. Frederik setzt sich hin und versucht, alles zu verarbeiten. Er denkt zurück an das Mittagessen mit Linzi. Sie hat ihm von ihrem Freund erzählt, dass er dominant und herrisch sei. Hätte er es verhindern können? Weshalb hat er ihn angerufen? Hat er ihr Telefon durchsucht und hat gesehen, dass er Linzi mit Linzi telefoniert hat. Oh Gott, es ist seine Schuld. Frederiks Kehle brennt. Erschöpft steht er auf und geht nach Hause.

 

 

4.

 

Früh am nächsten Morgen steht der leitende Arzt Dr. Ludwig an Linzis Bett. Aufmerksam kontrolliert er den Monitor und die Resultate der letzten Untersuchungen, die ihm eine Krankenpflegerin in die Hand drückt.

„Aber das gibt es doch gar nicht.“

„Was?“, fragt die Pflegerin neugierig.

„Sind Sie sicher, dass dies die Resultate von Frau Seevers sind?“

„Ja, ganz sicher.“

Noch einmal blickt er darauf.

„Stimmt etwas nicht?“

Er schüttelt mit gekräuselter Stirn den Kopf.

„Es geht ihr viel zu gut.“

Die Pflegerin lacht, doch sie bemerkt sofort, dass Dr. Ludwig todernst ist.

„Aber das ist doch gut.“

Sie lächelt verunsichert.

„Natürlich, aber es ist eigentlich unmöglich. Diese Frau war knapp eine Stunde lang tot, hat reihenweise Knochenbrüche und innere Verletzungen.“ Wieder blickt er auf die Resultate. „Seltsam.“

Er blickt auf. „Ziehen Sie ihr die Sauerstoffmaske aus.“

Erstaunt blickt sie ihn an.

„Aber ... sind Sie sicher?“

„Ja machen Sie, aber halten Sie sich bereit, falls Sie sie ihr gleich wieder aufsetzen müssen.“

Vorsichtig zieht die junge Frau Linzi die Sauerstoffmaske vom Kopf.

---ENDE DER LESEPROBE---