Liora im Zauberwald - Renate Wettach - E-Book

Liora im Zauberwald E-Book

Renate Wettach

0,0
4,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Im Dorf am Rand des Zauberwaldes flüstern die Bäume, doch nur Liora kann sie hören. Während die Erwachsenen den Wald fürchten und über Liora den Kopf schütteln, spürt sie: Etwas stimmt nicht. Schatten schleichen zwischen den Stämmen, Tiere verstummen, und der Wald klingt jeden Tag ein bisschen leiser. Als ein rätselhafter Rabe ihr ein kleines, leuchtendes Zauberbuch bringt, beginnt das größte Abenteuer ihres Lebens. Geführt von funkelnden Seiten, einem frechen Wassergeist und mutigen Tierfreunden wagt sie sich tief in den Wald – bis zum uralten Herzbaum, wo sich ihre größte Angst und ihre größte Stärke begegnen. „Liora im Zauberwald und das geheimnisvolle Zauberbuch“ ist eine liebevoll erzählte Fantasy‑Geschichte über Mut, Zuhören und die leise Magie in uns allen – zum gemeinsamen Wegträumen, Nachdenken und Immer‑wieder‑Vorlesen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Liora im Zauberwald und das geheimnisvolle Zauberbuch

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Umschlaggestaltung: Renate Wettach unter Verwendung eines KI-erzeugten Bildes (Midjourney und Adobe Photoshop)

Bilder und Grafiken: alle Illustrationen wurden von Renate Wettach KI-erzeugt (Midjourney), das Autorenportrait wurde mit ChatGPT erstellt unter Verwendung eines Fotos der Autorin (Fotograf: Dominik Pfau) und eines KI-erzeugten Bildes (Midjourney)

Der Ursprungstext wurde unter Verwendung von KI-Tools (hier: ChaGPT) erstellt und anschließend von der Autorin redaktionell bearbeitet und verantwortet.

ISBN 978-3-98864-105-2 (Print Softcover)

E-ISBN 978-3-98864-106-9 (ePUB)

E-ISBN 978-3-98864-107-6 (Tolino)

© LöwenStern Verlag Renate Wettach

Frankfurt am Main 2026, 1. Auflage

Gedruckt auf alterungsbeständigem, säurefreiem Papier.

Druck: CPI Druckdienstleistungen GmbH, Ferdinand-Jühlke-Straße 7, 99095 Erfurt

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Verwendung, auch auszugsweise, nur mit ausdrücklicher Genehmigung des LöwenStern Verlags.

Verlag, Redaktion, Herstellung, Design & Layout:

Renate Wettach, LöwenStern Verlag, Weckerlinstr. 4, 65929 Frankfurt am Main, Deutschland

www.loewenstern-verlag.de

Liora im Zauberwald

und das geheimnisvolle Zauberbuch

Renate Wettach

Inhaltsverzeichnis

1    Das Dorf am Flüsterwald 7

2    Das Schweigen des Waldes 15

3    Die Botschaft des Rabens 23

4    Der Entschluss 31

5    Die Kristallhöhle 41

6    Die Nebelbrücke 51

7    Der Silbersee 59

8    Das Herz des Waldes 67

9    Das Leuchten des Zauberbuchs 75

10    Die Heimkehr 83

Autorenprofil Renate Wettach 93

1    Das Dorf am Flüsterwald

Liora lebte in einem kleinen Dorf, das sich wie ein warmes Nest an den Rand eines großen Waldes schmiegte. Die Menschen nannten es Flüsterheim, und niemand konnte sich genau erinnern, wann es zum ersten Mal so genannt wurde. Es schien schon immer so geheißen zu haben, weil es schon immer diesen Wald gegeben hatte, der nachts flüsterte. Die Häuser waren aus hellem Holz gebaut, mit schiefen, strohbedeckten Dächern, auf denen im Sommer Wildblumen wuchsen. Morgens hing Rauch über den Schornsteinen, und der Duft von frischem Brot, feuchter Erde und Vieh mischte sich zu einem Geruch, der für Liora nach Zuhause roch.

Ihr Alltag begann früh. Noch bevor die Sonne ganz über die Hügel geklettert war, stand sie mit ihrer Mutter im Ziegenstall, in dem es nach Heu und Milch roch. Die Ziegen blökten, scharrten mit den Hufen und versuchten, vorwitzig am Saum von Lioras Rock zu knabbern. „Bella, lass das“, schimpfte ihre Mutter lachend und tippte der frechsten Ziege sanft auf die Nase. Liora setzte sich auf den niedrigen Schemel, schob den Eimer zurecht und begann, die erste Ziege zu melken. Die warme Milch plätscherte in den Eimer, und sie spürte, wie ihre Hände ruhiger wurden, je länger sie dem gleichmäßigen Geräusch lauschte.

Nach der Stallarbeit gab es Frühstück: dicker Haferbrei mit einem Klecks Honig, ein Stück Brot, das noch warm war, und ein Krug mit kühler Milch. Ihr Vater sprach nur wenig, aber wenn er lächelte, tat er es mit den Augen. „Noch ein Tag, an dem die Sonne uns geschenkt wird“, sagte er manchmal, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Liora mochte solche Sätze – sie klangen, als wären sie aus Geschichten direkt in ihr Leben gehüpft.

Sobald ihr Teller leer war, zog es sie hinaus. Am liebsten traf sie sich mit Tim, dem Sohn des Bäckers. Tim hatte strohblonde Haare, die immer ein bisschen aussahen, als hätte er mit dem Wind gerauft, und Sommersprossen, die über seine Nase tanzten. Er lachte schnell, oft und laut, und er hatte eine erstaunliche Begabung dafür, überall dort aufzutauchen, wo es nach Abenteuer aussah. „Heute zum Bach?“, rief er, sobald er Liora sah. „Ich wette, ich fange mehr Frösche als du.“

„Du kannst deine Frösche behalten“, erwiderte Liora manchmal. „Ich will sehen, ob die Forellen heute springen.“ Doch am Ende endeten sie beide mit nassen Schuhen, egal, was sie sich vorgenommen hatten. Sie bauten Dämme aus Steinen, ließen kleine Holzboote fahren, jagten dem Echo hinterher, wenn sie in den Wald hineinriefen. Manchmal erzählte Tim ihr, was er später einmal werden wollte: Schmied, wie der kräftige Mann mit den rußigen Händen; oder Bäcker, wie sein Vater; oder – an Tagen, an denen er sich besonders mutig fühlte, – Abenteurer, der fremde Länder bereiste.

„Und du?“, fragte er Liora einmal, als sie am Wasser saßen und Kieselsteine übers Wasser springen ließen. „Was willst du werden?“

Liora zögerte. Die naheliegende Antwort wäre gewesen: „So wie Mama, im Stall und im Haus.“ Aber in ihr regte sich ein anderes Bild: Sie sah sich selbst tiefer im Wald als je zuvor, an Orten, an denen niemand aus Flüsterheim je gewesen war. „Ich weiß es noch nicht“, sagte sie schließlich. „Aber ich will nicht mein ganzes Leben lang nur von hier aus auf den Wald schauen.“

Tim entrüstete sich: „Du und dein Wald. Er ist schön, ja. Aber er ist eben nur ... Wald. Bäume, Tiere, ein paar Beeren. Du machst daraus immer ein so etwas Besonderes.“

Liora zuckte mit den Schultern. „Vielleicht weil ich darin mehr höre als du“, dachte sie, sagte es aber nicht. Stattdessen warf sie einen Stein, der bis zur anderen Seite sprang. Tim pfiff anerkennend.

Tagsüber war Flüsterheim voller Geräusche: Hämmer, die auf Metall schlugen, Rufe von den Feldern, Hufgetrappel, Gelächter. Doch wenn die Sonne hinter dem Wald versank und der Himmel sich erst orange, dann violett färbte, veränderte sich die Stimmung. Die Menschen beendeten ihre Arbeit, die Tiere wurden in Ställe gebracht, und nach und nach zogen sich alle in ihre Häuser zurück. Nur Liora blieb oft noch einen Moment länger draußen.

Sie liebte diese Zeit zwischen Tag und Nacht. Sie setzte sich gern auf die kleine Mauer hinter dem Stall, von der aus sie einen guten Blick auf den Waldrand hatte. Der Flüsterwald stand dann wie eine dunkle Wand vor dem Himmel. Für jemanden, der ihn nicht kannte, mochte er bedrohlich wirken. Für Liora war er etwas anderes: ein alter Freund, der tagsüber schlief und abends zum Erzählen erwachte.

Beim Einbruch der Dunkelheit begann der Wald zu flüstern – zuerst ganz leise, kaum mehr als ein Rascheln. Dann verdichteten sich die Geräusche zu einem Muster, das Liora von klein auf begleitet hatte. Die Blätter schienen nicht nur im Wind zu tanzen, sondern miteinander zu sprechen. Die Äste knarzten nicht nur, weil sie sich bewegten, sondern es klang, als würden sie seufzen oder lachen. Der Wind, der durch die Kronen strich, brachte keine zufälligen Laute, sondern Melodien mit sich, die sich wiederholten, sich veränderten, und die Geschichten erzählten.

Die meisten Dorfbewohner hörten darin nur ein beruhigendes Rauschen. „Es ist schön, nicht wahr?“, sagte die alte Marga oft, wenn sie auf der Bank vor ihrem Haus saß. „Der Wald singt uns in den Schlaf.“ Für Liora war es viel mehr. Sie konnte manchmal einzelne Worte heraushören, nicht so klar, dass sie sie hätte aufschreiben können, aber deutlich genug, dass sie wusste: Das hat eine Bedeutung.

Manchmal waren es Bilder, die in ihrem Kopf auftauchten, wenn sie dem Flüstern lauschte: der Lauf eines Baches unter der Erde, ein Fuchs, der durch das Unterholz huschte, eine Eule, die lautlos durch die Nacht glitt. Ein anderes Mal waren es Gefühle: Freude, wenn der erste Schnee fiel; Schmerz, wenn ein Baum vom Sturm getroffen wurde; Stolz, wenn ein neues Leben im Wald erwachte.

Als sie kleiner gewesen war und zum ersten Mal davon erzählte, hatten die Erwachsenen gelächelt und ihr den Kopf getätschelt. „Du hast eine blühende Fantasie“, hatte ihr Vater gesagt. „Das ist etwas Schönes. Pass nur auf, dass sie dich nicht nachts wach hält.“

Als sie es Tim erzählte, war er weniger vorsichtig gewesen. „Bäume reden nicht“, hatte er gesagt und einen Frosch hochgehalten. „Sie knarzen und rascheln. Das ist alles. Du hörst Dinge, weil du es hören willst.“

Liora hatte gelacht, um sich nicht verletzt zu zeigen. „Vielleicht“, hatte sie gesagt. Aber wenn es nur Einbildung wäre, dachte sie, warum fühlt es sich dann so echt an? Warum tröstet es mich, wenn ich traurig bin? Warum weiß ich manchmal Dinge über den Wald, bevor jemand anderes es tut?

Sie erinnerte sich an den Tag, an dem sie als kleines Kind in den äußeren Rand des Waldes gerannt war, weil sie einem Schmetterling gefolgt war. Sie hatte den Weg zurück nicht mehr gefunden, war gestolpert und hatte geweint. Da hatte sie zum ersten Mal das Flüstern bewusst gehört: sanft, beruhigend, wie eine Stimme, die ihr sagte, wo sie hintreten sollte, welchen Ast sie zur Seite schieben musste. Am Ende war sie dort aus dem Wald getreten, wo ihre Mutter und der Schmied gerade eine Suchtruppe hatten zusammenstellen wollen. „Du hast Glück gehabt“, hatten sie gesagt. Glück, hatte sie gedacht. Oder Freunde.

Je älter sie wurde, desto weniger sprach sie darüber. Es war schwer, ein Geheimnis zu erklären, das man selbst nicht ganz verstand. Aber sie hörte weiter ganz genau zu. Der Flüsterwald war ihr vertrauter als mancher Mensch im Dorf. In seinen Stimmen fühlte sie sich verstanden, auch wenn sie noch nicht alle Bedeutungen entschlüsseln konnte.

An einem Abend, kurz bevor alles anders wurde, saß sie wieder auf der Mauer. Der Himmel war klar, und die ersten Sterne blinkten über den Baumwipfeln. Der Wald flüsterte lebendig – nicht lauter als sonst, aber mit einer ungewöhnlichen Dringlichkeit. Liora schloss die Augen und ließ die Laute in sich hineinsinken. Sie meinte, Fragmente zu hören: „Achte ... komm ... Herz ... Schatten…“ Das Wort „Schatten“ ließ sie frösteln. Sie konnte es nicht richtig greifen, und doch blieb es in ihr hängen.

---ENDE DER LESEPROBE---