Lofoten-Rudi - Rudolf Neumann - E-Book

Lofoten-Rudi E-Book

Rudolf Neumann

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Beschreibung

260.000 gesegelte Seemeilen: Nord- und Ostsee, Mittelmeer, Schwarzes Meer, Nordatlantik, Karibik und Pazifik. In über 40 Segler-Kurzgeschichten nimmt uns Rudolf Neumann, genannt Lofoten-Rudi, mit auf Reisen, hinein in eine Welt voller Segelabenteuer und kurioser Begebenheiten. Ein stets kurzweiliges, spannendes und zum Schmunzeln einladendes Werk. Nicht nur für Segler, sondern auch für solche, die einfach einmal ins Seglerleben reinschnuppern möchten.

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Seitenzahl: 109

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Über das Buch

260.000 gesegelte Seemeilen: Nord- und Ostsee, Mittelmeer, Schwarzes Meer, Nordatlantik, Karibik und Pazifik.

In über 40 Segler-Kurzgeschichten nimmt uns Rudolf Neumann, genannt Lofoten-Rudi, mit auf Reisen, hinein in eine Welt voller Segelabenteuer und kurioser Begebenheiten.

Ein stets kurzweiliges, spannendes und zum Schmunzeln einladendes Werk. Nicht nur für Segler, sondern auch für solche, die einfach einmal ins Seglerleben reinschnuppern möchten.

Inhaltsverzeichnis

Der Spitzname Lofoten-Rudi

Es entsprach der Wahrheit

Das Kriegsgericht

Auch Zöllner kann man zügeln

Harte Kerle

Auf einem Auge „blind.“

Rekordfahrt im Winter

„Zu heiß gebadet“

Der Heimlich–Duscher

Mäuse auf der Jutta, Ratte auf der Libeccio

Mittsommernacht in Visby und die Flagge mit dem „Werkzeug“

Vercharterter und Schiffshändler

Eine Nacht in der Zelle

Tricky Manöver

Späte Einigung

Ein schwarzer Reiter auf die Kartei

Unmögliche Seemannschaft

Der Oberprüfer

Verhaftet in Casablanca

Schwergewicht

Eine Schreckens–Tour

Der Prüfer vom Bodensee

Mitten im Krieg

Ein merkwürdiger Kauz

Unter Piraten

SAME SHIT EVERY DAY (oder Rettung aus der Karibik)

Der Irrtum

Eine „traumhafte“ Erscheinung

Ein Jahr „illegal“ in Tunesien

Seeräubers Nachfolger

Die Schatzsucher

Gefährliche Begegnungen

Die Fäkalien Dusche

Queens-Pub Kirkwall (Echte Wikinger)

Wellcome to Iceland

Schnelle Ausbildung

Die Fingeramputation

Schreckliche Biskaya

Sirene für den Schiffsuntergang

Ein Loch in der Nordsee (Mastbruch)

Fachbegriffe und geographische Orte

Über den Autor

Der Spitzname Lofoten-Rudi

Im Jahre 1978 dachte selten jemand daran mit einer 10 m Segelyacht, ohne Heizung, von Hamburg hoch in den Norden, jenseits des Polar-Kreises zu fahren.

Zu diesem Zeitpunkt gab es weder GPS noch DECCA oder SAT-Nav. Und die heutzutage gängige Thermo–Bekleidung war auch noch nicht auf dem Markt.

Mit meiner S & S 34 namens „SUNRISE“ unternahm ich dennoch eine Reise zu den Lofoten.

Mit an Bord war mein Mitsegler Bernd Gallbach, genannt Galle.

Der erste Teil der Reise über Dänemark und Südnorwegen verlief ohne größere Probleme. Auf der Insel Ona hatten wir Mittsommernacht gefeiert. Weiter nach Norden segelnd gerieten wir in einen heftigen Nordwest – Sturm, mit schweren Schauerböen.

Galle sprach später davon, dass die Seen so hoch wie doppelstöckige Häuser gewesen seien.

In diesem Unwetter hatte eines unserer Vorsegel stark gelitten und musste später in Wedel bei „Brüder–Segel“ zur Reparatur.

Wir erreichten letztendlich den Hafen Svolvaer auf den Lofoten.

Auf der Rückreise wollten wir zunächst die Färöer–Inseln ansteuern, gerieten abermals in schweres Wetter, dabei lösten sich die Mastkeile und wir mussten deshalb vor Erreichen der Inseln abdrehen, über Lerwick auf den Shetlands und die englische Ostküste in unseren Heimathafen Wedel/ Holstein zurückkehren.

Das war die Kurzfassung der zurückgelegten Reise.

Danach brachte ich das beschädigte Vorsegel zwecks Reparatur zum Segelmacher.

Nach Fertigstellung holte ich das Segel wieder ab. Da sich der Segelmacher aber den kompletten Namen des Auftraggebers nicht gemerkt hatte, hing an dem Segelsack ein Label mit der Aufschrift „LOFOTEN–RUDI“.

Der Spitzname war geboren und machte fortan die Runde.

Es entsprach der Wahrheit

Im Jahr 1979 hatte ich als Kapitänleutnant und Segeloffizier eines Geschwaders der Bundesmarine den Auftrag, eine Navigations-–Belehrungsfahrt mit den Meistern (Portepee Unteroffizier) des Geschwaders von Borkum nach Edinburgh durchzuführen. Als Schiff hatten wir eine Dienstsegelyacht vom Typ 7 Kr (Kielschwerter) mit Namen „Monsun“ zur Verfügung.

Das Geschwader hatte zu diesem Zeitpunkt einen neuen Stabsarzt als Wehrpflichtigen bekommen.

Aus der medizinischen Fakultät wurden damals Ärzte vordringlich gebraucht. Sie trugen zwar auch die blaue Uniform, hatten aber in der Regel von der Seefahrt, Marine und schon gar nicht von Yachten und Segeln eine Ahnung.

Um diesen Umstand nun zu kompensieren, wollte der Arzt unbedingt an dieser Reise teilnehmen.

Ich war zunächst dagegen, entschied mich dann aber ihn mitzunehmen, weil ein Arzt an Bord von Nutzen sein konnte.

Die damaligen 7 KR–Schiffe besaßen eine Nasszelle mit Pump–Klo, ferner ein ausziehbares, geräumiges Waschbecken, das sich aber von der Holzverkleidung nicht besonders abhob und nicht auf Anhieb zu erkennen war.

Die Reise verlief zunächst ohne Probleme. Der Arzt allerdings fügte sich aufgrund seiner vermeintlich gehobenen Ausbildungsposition nicht so recht in die Besatzung ein.

Irgendwann tauchte einer der Meister mit nassem Kopf und Haaren im Niedergang auf .Spontane Frage unseres Doktors: „Wo haben Sie sich gewaschen?

Kurze Antwort:“ „Im Klo!“ Statt genauer nachzufragen, betretenes Schweigen.

Nach kurzer Zeit tauchte wieder jemand mit nassen Haaren auf.

Frage vom Dok: „Wo haben Sie sich gewaschen?“ Antwort: „Im Klo!“

Danach tauchte der Arzt selbst in die Nasszelle um diese zu inspizieren. Kam aber wohl nicht hinter das Geheimnis.

Da aber immer wieder Leute nass nach oben kamen, stellte der Dok. plötzlich an mich die Frage: „Herr Kaleu, ist es wahr dass die Leute sich im Klo waschen?“

Antwort: „Na klar, wo denn sonst.“

Bis zum Ende der Reise hat sich der Arzt in einer Plastikschüssel auf dem Achterschiff gewaschen.

Das Kriegsgericht

Zu Zeiten, da die Bundesrepublik noch reich war und sich eine größere Armee und damit verbunden auch eine größere Marine leisten können musste, hatte sie auch für Ausbildungszwecke in mehreren Standorten verschiedene Yachten zur Verfügung.

Mit diesen Yachten wurden unter anderem auch interne und externe Regatten gesegelt.

An einer dieser Regatten nahm auch ich als Schiffsführer einer 6,5 KR.Yacht namens „Magellan“ teil.

Auf einer 7 KR. Yacht dieses Feldes fuhr als Schiffsführer ein uns allen bekannter Fregatten-Kapitän -nicht besonders beliebt, ausgerüstet mit einer markigen Knurrstimme, und absolut tadellosem Äußeren, d. h. staub- und fleckenfreier Uniform, sowie als besonderes Markenzeichen weiße Glacé–Handschuhe an der Pinne.

Im Laufe des Rennens geriet unser Feld bei ganz leichten Winden in eine plötzlich aufkommende Nebelwand.

Nach einiger Zeit wusste niemand mehr wo man innerhalb des Feldes lag und wo sich die Konkurrenz befand. Dann dröhnte plötzlich vor uns aus der Nebelwand eine Stentorstimme: „Wenn der Spinnaker noch einmal einfällt, bring ich Sie vor das Kriegsgericht!“

Da wussten wir sofort, vor uns lag der Siebener des besagten Fregattenkapitäns.

Die anschließende Siegerehrung an die Regatta machte dann die „Kriegsgerichtsverhandlung“ überflüssig.

Auch Zöllner kann man zügeln

Auf einer Reise mit einer Dienstsegelyacht von Kiel nach Granton Harbour/Edinburgh, war ich als Kaleu der Skipper.

Weil es bequemer war, trug die ganze Besatzung (sechs Mann) keine Uniform, sondern zivile Hemden und Jeans.

Die Reise verlief ohne Zwischenfälle. Nach dem Einlaufen in Granton erwarteten wir die Obrigkeit, also Harbourmaster und Zoll.

Nach ca. zwei Stunden, es war gerade Niedrigwasser, erschien oben auf der hohen Pier ein wütender Zöllner in blauer Hose und weißem Hemd nebst einem auszubildenden Adlatus. Er war offensichtlich im Stress.

Die zu uns an Deck führende Steigleiter war ölig und sehr schlickig, so dass beider Uniform entsprechend litt. Als beide an Deck und ins Schiff gebeten waren, entlud sich sein Zorn. Er schmetterte kurze Fragen hervor: “High spirits …, how many bottles… , cigarettes …, tobacco …, and coffee” usw.

Order an den Adlatus “Has all to be sealed”

Mein ruhiger Einwand: „Wir verfahren mit Kriegsschiffen ihrer britannische Majestät z. B. in der ‚Kieler Woche‘ völlig anders, da wird nichts versiegelt.

Antwort: „Warships under Queens’s regulations, they stay under different rules. “

Daraufhin von mir: “Alright Sir: This is a naval ship as well, it belongs to the Federal German Navy and I am Lieutenant Commander Neumann, commanding officer of this warship.”

Seine Frage: ”Can you make that proof?”

Antwort: “Of course Sir, here is my I. D. Card.”

Danach knickte er völlig ein und brachte nur noch hervor: “Sir, excuse me Sir, Sir nothing has tobe sealed!”

Im von Bord gehen, mehrmals „Sir, excuse me Sir.“

Nun aber war ich noch mal am Zuge. „Jetzt zeigen Sie mir mal die nächste Fernschreibstelle, damit ich meine Einlaufmeldung an die Flotte abgeben kann.“

Das tat er dann auch sehr beflissen.

Harte Kerle

In den 1950iger Jahren fuhr ich auf einem Kadetten-Schulschiff der Marine, mit Heimathafen Kiel. Unser erster Wachoffizier war ein Badefreak, egal, welche Wassertemperaturen herrschten.

Er setzte einfach ein Temperaturlimit fest, bei dem noch geschwommen werden sollte. In der Regel waren es sieben Grad. Gebot war, darüber musste geschwommen werden, darunter nicht mehr.

Die daraufhin erfolgte Temperaturmessung auf der Brücke des Schiffes ergab oft, 7,2° oder 7,3 °, also über dem unteren Grenzwert, es war schließlich November/Dezember.

Bei schneidendem Ostwind ging es dann ab, in die eiskalte Ostsee.

Einige Jahre später, auf einem Segeltörn zu den Lofoten, mit meiner S & S 34 „Sunrise“ gerieten beim Anlegen im Hafen Svolvaer Reste eines Fischernetzes in den Propeller. Die Maschine stand sofort still. Ausgekuppelt lief sie einwandfrei, also musste etwas die Schiffsschraube blockieren. Ein Tauchgang war deshalb erforderlich. Temperatur des Wassers schaurige 6°.

Also hieß es, Badehose an, auf der Pier Gedanken und Körper warm laufen, danach Sprung ins Eiskalte. Zunächst war man paralysiert und konnte sich nicht bewegen. Nach Auflösung der Starre, wurde mit Messer zwischen den Zähnen getaucht, um an die Welle mit dem Propeller zu gelangen und diese vom Netzwerk zu befreien.

Es war nicht einfach, da das Kunststofftauwerk durch die Reibung völlig verschmolzen war.

Insgesamt waren vier Tauchgänge des Skippers und drei Tauchgänge von Mitsegler „Galle“ erforderlich, danach war alles wieder frei. Die Maschinenanlage endlich wieder betriebsklar.

Das bedeutete im Anschluss daran, trotz einiger Rum–Grog und Einsatz aller verfügbaren Wolldecken, eine Nacht klappern, um die Unterkühlung zu überstehen. Problem gelöst, alles wieder normal!

Viele Jahre später, ich war inzwischen 70 Jahre alt, hatte ich den Auftrag die 35 m lange Wishbone–Ketsch „Sintra“ von Boothbay Harbour (Main USA) nach Glückstadt an der Elbe zu überführen.

In dieser Jahreszeit, es war März, war in Boothbay noch Winter, es gab noch Schneeschauer, auf der Pier lagen gewaltige Schneehaufen, kurz hinter dem Schiff begann im River die Eisgrenze.

Im Fluss weiter oberhalb waren die Schiffe noch eingefroren. Die Wassertemperatur betrug ca. zwei Grad.

Die Sintra hatte lange Zeit aufgelegen, so konnte ich im klaren Wasser erkennen, das der Propeller völlig mit Seegras und Muscheln bewachsen war. Das hieß der Wirkungsgrad war gleich null.

Ich überlegte, wo zwecks Reinigung der Schraube ein Taucher zu erreichen war? Das hatte sich aber schnell erledigt, denn ich hatte ein Crewmitglied aus Cuxhaven an Bord. Ein austrainierter Kerl mit Kraft und Ausdauer. Der sagte: „Das haben wir gleich.“

Er erschien in Badehose an Deck, lief sich warm und sprang mit Schrubber und Spachtel bewaffnet ins Wasser, tauchte, schrubbte den Propeller sauber, tauchte wieder auf, lief sich erneut warm. Also binnen einer halben Stunde war alles erledigt.

Solche Kerle braucht man manchmal!

Auf einem Auge „blind.“

Meine Sunrise lag in der Glückstädter Yachtwerft. Ich bearbeitete das Unterwasserschiff, das mit Hardantifouling gestrichen war. Dabei muss mir beim Schleifen ein Splitter in das linke Auge geraten sein. Bemerkt habe ich es nicht bewusst. Auf der Rückfahrt nach Hamburg wurde das Auge sehr rot, schmerzte und ich bekam zusätzlich Kopfschmerzen. Wird wohl eine normale Bindehautentzündung sein, glaubte ich und träufelte am Abend zu Hause ein paar Augentropfen hinein.

Ich hatte Urlaub und sollte am nächsten Tag für Ulli Hübner aus Schilksee eine Gin Fizz, mit Namen „Happy Four“, und Gästen auf der Ostsee nach Samsö und zurück fahren.

Der Morgen kam, es war ein Sonntag, das Auge nicht recht besser, aber meine Freundin und ich fuhren nach Schilksee.

Im Büro der Charter-Firma fiel mein rotes Auge sofort auf, aber ich sagte: „Mit ein paar Tropfen vergeht das unterwegs.“

Das Auge wurde nicht besser, jedoch so lange der kühle Wind hinein blies, war es erträglich.

In Ballen auf Samsö legte ich mich abends in meine Koje. Das Auge brannte und schmerzte, also wieder Tropfen rein. Als ich morgens wach wurde, es war schon heller Tag, erschien mir die in das Deck eingelassene Lichtzitrone in einem diffusen bräunlichen Licht.

Ich hielt das kranke Auge zu und sah die Zitrone glasklar, dann hielt ich das gesunde Auge zu und sah nichts.

Ich war sofort hellwach. Jetzt musste sofort was unternommen werden. Kein Arzt in Ballen, was tun?

Da ich im aktiven Marinedienst war, rief ich über Lyngby-Radio meine Kollegen mit der Bitte um Hilfe, im RCC-Glücksburg an. Die sagten mir Hilfe zu, im Notfall per Hubschrauber.

Nach kurzer Zeit wurde ich wieder von Lyngby– Radio gerufen und es meldete sich der Flag Officer Danmark. Ich bekam die Order, sofort nach Tunö zu laufen, da sei alles informiert.

Also Leinen los, auf nach Tunö.

Schon beim Anlegen sahen wir den Hafenmeister, der in Holzpantinen auf dem Fahrrad angehechelt kam. „Ganz wichtig, Flag Officer“, brachte er hervor.

Meine Freundin und ich folgten ihm, in dem Glauben er würde uns zu einem Arzt führen, aber wir landeten bei einer Hebamme.

Die Dame startete sofort eine Untersuchung folgender maßen: „Sitz in Stuhl!“

Dann bewegte sie einen Zeigefinger hin und her, dem ich folgen sollte. „Kieke hier, kieke da, kanne gucken?“ (Gar nichts war zu sehen)

Nein, auf einem Auge nichts.

„O, ganz slimm, ganz slimm, musse dokter.“

Das wollte ich ja auch.

Sie telefonierte mit dem Festland, Augendoktor nicht da.

„Musse Hov, dann Klinik Arhus.“

O.k. Der Hafenmeister gleich klar bei Heimwehr– Kutter und los ging es nach Hov, dann Taxi zur Augenklinik nach Arhus. Dort kam ich gleich dran.

Drei junge Augenärzte, Untersuchung vor Spaltlampe: „Das kriegen wir wieder hin.“