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Emma und David stehen noch am Anfang einer Beziehung, Marc und Marie sind ein geübtes Paar. Die einen trennt der Ärmelkanal, die anderen schlittern in eine Ehekrise. Marc verbringt gezwungenermaßen seine Ferien als Single in jenem südfranzösischen Ort, in dem auch Emma mit ihrem Schicksal hadert. Er verliebt sich in Emma. Emma ist hin- und hergerissen, einerseits genießt sie es, schön und begehrenswert zu sein, andererseits liebt sie David und will ihre Beziehung zu ihm nicht aus Trotz zerstören. Auf der Suche nach einem Ausweg stolpern alle übereinander, über die Hindernisses des Alltags - und über Milou, den temperamentvollen Junghund, der in den entscheidenden Augenblicken auf seine Art "eingreift".
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Seitenzahl: 250
Veröffentlichungsjahr: 2015
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Valeska Indetzky
London? Paris! Oumps.
Liebes. Leben.
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Impressum neobooks
Kapitel 1
„Milou? Milou!“
Wo mochte dieser schwarze Teufel nur wieder stecken? Emma lehnte vorsichtig ihre Farbrolle gegen den Eimer. Als sie sich das letzte Mal auf die Suche nach ihrem Vierbeiner gemacht hatte, war die triefende Rolle auf der Unterlage festgeklebt, ganz wunderbar. Aber immerhin war sie gerade noch zurecht gekommen, um Milou daran zu hindern, die letzten der kleinen orangefarbenen Rosen auch noch zu köpfen. Davor hatte sie ihm Schnecken samt Gehäuse aus dem Maul gepult, davor … ein Auge auf einen ungebärdigen Junghund haben und gleichzeitig ein Schwimmbecken streichen war eine Schnapsidee.
„Milouuuuu?“ Kein Gebell, nichts. Nur die Zikaden zirpten in der heißen südfranzösischen Frühsommersonne. Abgesehen davon herrschte mittägliche Ruhe. Diese Stille war verdächtig und währte auch nicht lange. Ein lautes Platschen brachte Emma auf die Spur – oh je, nun war dieser Rabauke ausgebüchst und im Nachbarpool gelandet! Sie kletterte über die halbhohe Mauer, die für einen lebhaften Riesenwelpen offensichtlich kein Hindernis darstellte, und flitzte um die Hausecke. Zum Glück waren die Nachbarn nicht da.
„Mi“ – die zweite Silbe blieb Emma im Hals stecken, denn auf einer
Liege neben dem nachbarlichen Schwimmbecken räkelte sich ein Mann. An einem Mann war an sich nichts Erschreckendes, aber dieser Mann war nackt. Er trug buchstäblich nichts bis auf seine dunkle Sonnenbrille, die er gerade abnahm und mit ihr in Richtung Wasser wedelte.
„Wenn Sie einen schwarzen Kleinbären suchen, der ist gerade baden gegangen.“
Das war in der Tat nicht zu überhören.
„Ich, äh, er ...“
Warum war es bloß so schwer, einem nackten Mann beim Sprechen in die Augen zu sehen? Emma kam sich hochgradig dämlich vor. Gut, normalerweise waren ihre Gesprächspartner bekleidet, aber sie hatte in ihrem Leben auch durchaus schon mehr als einen nackten Mann gesehen. Warum machte dieses Exemplar dann aus ihr einen stotternden Teenager – oder ehrlicher eine stotternde ältliche Jungfer? Weil, wie sie sich nach einem raschen zweiten Blick aus den Augenwinkeln gestand, dieser zu der sehr ansehnlichen Sorte Mann gehörte, obwohl er sicher auch bereits wie sie selbst die 40 bereits hinter sich hatte. Schluss jetzt, Emma rief sich resolut zur Ordnung und wandte sich dem Schwimmbecken zu, über dessen Rand gerade der Kopf ihres herzallerliebsten tierischen Lebensgefährten auftauchte, in Begleitung von zwei dicken Tatzen, mit denen er sich krampfhaft am Beckenrand festhielt. Wider Willen musste Emma lachen.
„Du siehst aus wie ein begossener Pudel“, begrüßte sie den Ausreißer, „das kommt davon, wenn man nicht hören will.“
Sie beugte sich nach vorn, um Milou am Fell zu packen und aufs Trockene zu hieven. Das war leichter gedacht als getan, denn der junge Briardrüde strampelte heftig mit den Hinterläufen. Um ein Haar wäre Emma kopfüber ins Wasser gestürzt, erst im letzten Augenblick gelang es ihr, das Gleichgewicht wiederzufinden. Als die Rettungsaktion dann endlich beendet war, waren Hund und Mensch nahezu gleich nass. Ohne das zappelnde Wesen loszulassen, drehte sich Emma langsam um und hielt Ausschau nach dem Liegestuhlmann. Der hatte sich in der Zwischenzeit eine Shorts übergezogen, was seiner Attraktivität keinen Abbruch tat.
„Hallo“, sagte der schöne Fremde, „tut mir leid, dass ich Sie erschreckt habe. Ich heiße Marc.“
„Nein“, wehrte Emma ab und war zu ihrem Unwillen schon wieder verlegen, „ich muss mich entschuldigen, dass ich so einfach hier eingedrungen bin. Aber ich wusste nicht ...“ ... dass hier ein nackter Mann im Garten liegt oder was willst du sagen? Emma war mit sich höchst unzufrieden. „ ... dass hier jemand ist“, beendete sie ihren Satz etwas lahm. „Ich heiße übrigens Em ...“, weiter kam sie nicht, denn Milou hatte es geschafft, ihre Hand abzuschütteln und sich ein weiches Plätzchen mitten auf dem gepflegten Rasen ausgesucht, um dort nach all der Aufregung in Ruhe seinen Haufen zu machen.
„Ach Herrje, du Unglücksviech“, hektisch sah sich Emma nach etwas Geeignetem um zur Beseitigung der tierischen Hinterlassenschaft.
„Ich hole Ihnen eine Tüte“, bot sich Marc an. Gelassen sah er zu, wie Emma sich an die Säuberungsaktion machte und nahm die unterbrochene Vorstellung wieder auf. „Also, Sie sind Em, und das ist ...?“
„Milou“. Als der Hund seinen Namen hörte, wedelt er fröhlich und legte sich ins Gras, Vorderteil nach unten, Hinterteil erhoben. „Nein, Milou, jetzt wird nicht gespielt“, beschied Emma ihn knapp.
„So, Milou.“ Marc beäugte das triefende Tier leicht erstaunt.
„Ich weiß“, räumte Emma ein, „Milou ist eigentlich klein, weiß und ziemlich pfiffig.“ Jedes Kind in Frankreich kannte Milou, den plietschen Hund aus der Comicserie Tintin, Tim und Struppi.
„Na, der da macht doch auch einen ganz aufgeweckten Eindruck.“ Marc ging in die Hocke und hielt Milou eine Hand hin. Der hielt sich nur kurz mit dem Beschnuppern auf, dann begrüßte er seinen neuen Freund stürmisch mit einem kleinen Hüpfer und einem Nasenstüber, woraufhin Marc sich prompt auf den Hosenboden setzte. Milou legte den Kopf schief, als versuchte er sich an etwas zu erinnern, dann schüttelte er sich ausgiebig.
Es reicht, beschloss Emma und klemmte sich den Kleinen, wie sie ihn für sich nannte, unter den Arm. Knapp zwanzig Kilo nasser Hund waren zwar nicht sehr bequem zu tragen, aber so konnte er ihr auch nicht wieder ausbüchsen. „Noch einmal, entschuldigen Sie bitte die Störung.“ Dann trat sie den ungeordneten Rückzug über die Gartenmauer an.
Später, als sie wieder in ihrem Schwimmbecken stand und friedlich die letzte Wand strich – friedlich deshalb, weil sie Milou auf der Terrasse angebunden und ihr schlechtes Gewissen ob dieser drakonische Maßnahme mit einem Kauknochen für den Kleinen besänftigt hatte – kehrten ihre Gedanken zu dem Fremden in Nachbars Garten zurück. Dunkle, kurze Haare, braune Augen umgeben von sympathischen Lachfalten, ein sensibler, sinnlicher Mund, schlank, aber athletisch gebaut - wer er wohl war? War er allein gekommen? Wie lange würde er bleiben? Die möglichen Antworten lenkten sie zumindest vorübergehend davon ab, über sich, ihr Leben im Allgemeinen und David im Besonderen nachzudenken.
* * *
Marc räkelte sich wieder auf der Liege. Von einer Nachbarin hatte sein Freund Hervé nichts erzählt, als er ihm anbot, es sich in seinem Haus in Oumps in der südfranzösischen Provinz gemütlich zu machen. Warum auch, schließlich hatte Marc kein Ferienhaus mit privatem Anschluss gesucht, als er kurzfristig nach einer Unterkunft für seinen Urlaub gesucht hatte. Er war aus allen Wolken gefallen, als Marie, seine Frau, ihm eine Woche vor ihren geplanten, gemeinsamen Ferien mitgeteilt hatte, dass sie in diesem Jahr allein wegfahren würde. Sie wolle sich eine Auszeit nehmen, um über ‚vieles’ nachzudenken. Und nun saß oder vielmehr lag er hier unter der südfranzösischen Sonne und versuchte seinerseits, zu verstehen, was mit ihnen beiden passiert war. Er hatte gerade versucht herauszufinden, wie es um über seine Gefühle für Marie bestellt war nach fast zwanzig Jahren Ehe. Noch vor wenigen Wochen wäre er um eine Antwort nicht verlegen gewesen, er hätte ohne nachzudenken, ganz spontan geantwortet: „Ich liebe sie.“ Aber im Moment war er sich nicht mehr sicher, und damit stellte sich die Frage nach ihrem weiteren gemeinsamen Leben. Wenn es denn ein gemeinsames Leben gab, denn Marie hatte dazu sicher auch einiges zu sagen, wenn sie sich nach dem Urlaub wieder trafen.
Marc und Marie – sie waren schon so lange zusammen, dass Marc sich ein Leben ohne Marie gar nicht vorstellen konnte. Nach seiner Ansicht hatten sie sich harmonisch und liebevoll in ihrer Zweisamkeit eingerichtet. Er kannte Marie so gut, er respektierte sie und liebte sie auf eine selbstverständliche Art, die er nicht genau erklären konnte. Und bis vor kurzem war er davon überzeugt gewesen, dass Marie ihr gemeinsames Leben ebenso sah wie er, dass Marie ihn mit der gleichen, beständigen Liebe wiederliebte.
Aber irgendwo in der Vergangenheit hatte er offenbar einen Wendepunkt nicht mitbekommen, er hatte sich zu sicher gefühlt in der trauten Geborgenheit ihrer Ehe, die wohl doch trügerisch gewesen war. Seit einigen Wochen war Marie, die rationale und ausgeglichene Marie, immer fahriger und nervöser geworden. Manchmal kam es ihm so vor, als sei nur noch ihr Körper anwesend, ihre Seele und ihr Geist aber hielten sich in weit entfernten Regionen auf. Sie hatten sogar gestritten, nicht diskutiert, nein richtig gestritten, und zudem auch noch aus völlig unwichtigen Anlässen! Eine dieser Auseinandersetzungen, die wieder einmal aus dem Nichts entstanden war, sprang urplötzlich auf elementare Grundzüge ihrer Beziehung über. Sprachlos vor Erstaunen hatte Marc erlebt, wie Marie schließlich in einer ungewohnt heftigen Art hervorgestoßen hatte: „Dieses Leben, das wir führen, kommt mir so furchtbar oberflächlich vor. Und du ... du bist mir manchmal so fremd, dass ich gar nicht mehr meinen Marc in dir erkenne.“
‚Oberflächlich’ wäre nun nach Marcs Einschätzung wirklich nicht die treffende Bezeichnung für ihr Leben gewesen. Insbesondere Marie war alles andere als oberflächlich. Sie hatten keine Kinder, obwohl sie gern welche gehabt hätten. Woran es lag, konnten auch nach einer schier unendlichen Reihe von Untersuchungen nicht mit Sicherheit geklärt werden. Aber Marc und Marie waren sich einig, dass sie der ‚Natur nicht auf die Sprünge helfen’ wollten, wie Maries Gynäkologe es mehrfach vorgeschlagen hatte. Und nach einigem Nachdenken hatten sie auch den Gedanken verworfen, Kinder zu adoptieren. Sie hatten sich irgendwann damit abgefunden, Onkel und Tante zu sein und die Kinder ihrer Freunde zu hüten. Marie engagierte sich außerdem sehr wirkungsvoll in Hilfsprojekten für benachteiligte Kinder und Jugendliche. Marc unterstütze sie dabei, wenn auch eher mental. Seinen Tatendrang lebte er in der Firma aus, seine Gefühle und Leidenschaften mit Marie.
Nicht nur, dass ihn die Streitereien mit Marie zermürbten, er vermutete dahinter einen ernsten Grund. Bisher aber war es ihm nicht gelungen, herauszufinden, was seine Frau wirklich bedrückte. Hartnäckig hatte sie alle Fragen abgewehrt. Und als er auf einer Antwort bestand, kurz vor Beginn der gemeinsamen Ferien, weil er so nicht weitermachen wollte und konnte, war sie kurzerhand mit dem Vorschlag, nein, mit ihrer gefällten Entscheidung herausgerückt, allein wegzufahren. Zeit zum Nachdenken hatte sie sich erbeten und gefordert, als er nicht nachgeben wollte. Am Ende dieser Diskussion war er so geschafft, dass er erleichtert war über die Atempause, die sie ihnen mit der dem Vorschlag verschaffte, im Sommer getrennt Urlaub zu machen. Sie wollte sich in ein Wellnesshotel zurückziehen, ein für die Marie, die er kannte, völlig abwegiger Vorschlag, und er ... nun, er wusste eigentlich nicht so recht, was er wollte, außer, dass er bestimmt nicht allein zu Hause sitzen und grübeln wollte, an welcher Gabelung ihres Lebensweges sie denn eigentlich diese holprige Abzweigung genommen hatten. Der Vorschlag seine Freundes Hervé kam daher ganz gelegen, und so war Marc also in Richtung Süden aufgebrochen.
Und in diesem ganzen Durcheinander war eine Affäre wirklich das Letzte, was Marc brauchen konnte, auch wenn Em, was für ein kurioser Name im übrigen, interessant und attraktiv war. Aber in der warmen Sonne wollte er ohnehin über nichts nachdenken. Marc rollte sich auf den Bauch und war kurz darauf eingeschlafen.
Marie bog um die Ecke des Flures und atmete auf. Sie war allein. Der Wintergarten, der am späten Nachmittag zum beliebten Treffpunkt wurde, lag verlassen vor ihr. Sonnenstrahlen malten hellgelbe Kringel auf den Terrakottaboden, die Blüten ihr unbekannter Blumen dufteten verführerisch, ein kleiner Wasserfall rauschte beruhigend, verborgen hinter dichten Palmenwedeln. Marie ließ sich in einen weich gepolsterten Rattansessel sinken, zog die Beine unter sich und kuschelte sich in ihren Bademantel. Sie hatte Angst. Unsinn, schalt sie sich, das ist völlig irrational. Noch ist gar nichts entschieden. Aber die Tests waren abgeschlossen, jetzt gab es kein Zurück mehr. Und die Warterei auf die Untersuchungsergebnisse zehrte an ihren Nerven. Flüchtig schoss ihr der Gedanke durch den Kopf, Marc anzurufen, aber sie verwarf ihn sofort wieder. Es war das erste Mal in ihrer Ehe, dass sie Marc ganz bewusst ausschloss, und manchmal ertappte sie sich dabei, dass sie mit der für sie neuen Situation, ganz allein auf sich gestellt zu sein, ohne seinen Rat und seine Meinung einzuholen, nur schwer zurechtkam. Aber sie hatte es so gewollt, und nun musste sie durchhalten. Aufgeben kam für Marie nicht in Frage.
Gedankenverloren zupfte sie an dem Blatt einer tropischen Pflanze, die in einem Topf neben ihrem Sessel wuchs. Ein paar Tage würde es dauern, bis alle Unterlagen vollständig waren, hatte Dr. Pivot ihr erklärt. In der Zwischenzeit ... Marie legte versonnen das Kinn auf ihre Knie ... diese Klinik war zwar komfortabel und elegant wie ein Fünf-Sterne-Hotel, aber es war eben eine Klinik. Sie musste ja nicht hier bleiben, sondern konnte sich ein paar Verwöhntage am Meer gönnen. Schließlich war es ja genau das, was sie Marc erzählt hatte. Einen Wellnessurlaub wolle sie machen. Von der Klinik hatte sie ebenso wenig erzählt wie von den vorangegangenen Untersuchungen bei ihrem Hausarzt. Warum hatte sie das alles für sich behalten?
Marc und sie hatten nie Geheimnisse voreinander gehabt, immer hatten sie alles besprochen, was in ihrem Leben vorging. Aber die mögliche Krankheit bedrohte ihr gewohntes Leben, hing wie eine dunkle Wolke über ihr, und ihr war nur zu bewusst, was sich alles ändern würde, wenn die Untersuchungsergebnisse positiv ausfielen. Allein der Gedanke an die Folgen, die ihren Beruf ebenso betrafen wie natürlich ihr Leben mit Marc, erschreckte sie so sehr, dass sie es noch nicht gewagt hatte, sich das schlimmste aller Szenarien in allen Einzelheiten vorzustellen. Bisher war es ihr gelungen, sich davor zu drücken. Werde nicht hysterisch, hatte sie sich selbst zur Räson gebracht, bevor du nicht die endgültigen Resultate hast, ist alles andere nur Schwarzseherei. Du bist schließlich Wissenschaftlerin, benutze deinen Verstand. Vielleicht hatte sie sich deshalb nicht Marc anvertraut, weil sie so die Krankheit als eine Möglichkeit in der Schwebe halten konnte. Wenn sie erst anfing, darüber zu sprechen, würde sie Wirklichkeit werden.
Aber durch die Bedrohung durch die Krankheit, die Marie sich weigerte, beim Namen zu nennen, hatte sich ihr Blick für den Alltag geschärft und die Menschen, denen sie darin begegnete. Immer häufiger fand sie sich in der Rolle der zynischen Beobachterin wieder, die verständnislos Diskussionen anhörte, die ihr weit am eigentlichen Thema vorbei zu gehen schienen. Vieles wirkte oberflächlich, berührte den Kern der Sache nicht, vieles lief parallel, ohne sich zu berühren. Auch ihre Ehe und Marc unterzog sie ihrer neuen, kritischeren Bewertung. Obwohl sie nie geglaubt hätte, dass es ihnen beiden passieren könnte – solche Dinge geschahen immer nur anderen und waren bei ihnen höchsten Anlass zu besorgten Gesprächen über eben diese anderen -, kam es Marie so vor, als lebten Marc und sie ebenfalls nur noch nebeneinander her, als würden die gemeinsamen Berührungspunkte immer seltener. Beide waren sehr in ihren Beruf vertieft, und Marie engagierte sich nebenher noch für weitere Projekte, aber das schon immer so gewesen. Nach außen trübte nichts die Harmonie ihres Zusammenlebens, viele ihrer Freunde beneideten sie um den Gleichklang, in dem sie sich offenbar bewegten. Und doch hatte sich etwas Wesentliches verändert. Marie vermisste immer stärker die kleinen Zeichen der Aufmerksamkeit, die sie so lange als selbstverständlich hingenommen und genossen hatte: eine e-Mail zwischendurch, ein Anruf, die Verabredung in einem Café zwischen zwei Terminen.
Marie fühlte sich nicht mehr geliebt, und, was sie sich selbst nur sehr zögern eingestand, sie fühlte sich nicht mehr begehrt. Zumindest nicht von ihrem eigenen Mann, denn in den Augen anderer Männer sah sie sehr wohl, dass sie mit ihren 44 Jahren immer noch attraktiv und mindestens einen zweiten Blick wert war. Das wollte sie in Marcs Augen auch wieder sehen, dieses Aufleuchten, wenn er sie entdeckte. Und es sollte von ihm kommen, sie wollte seine Zeichen der Liebe nicht einfordern, was für einen Sinn hätte das? Marie seufzte tief. Vielleicht waren sie an dem Punkt angekommen, an dem es besser war, getrennte Wege zu gehen. Vielleicht hatte sich Marcs Liebe zu ihr in ein undefinierbares Gefühl zwischen Freundschaft, Verantwortung und alter Vertrautheit verwandelt, und das hätte sie angesichts der vermutlichen Veränderungen, die sich machtvoll in ihr Leben drängten, nicht ertragen. Um keinen Preis wollte sie, dass Marc aus Mitleid bei ihr blieb. Also hatte sie ihm die ersten Symptome und ihre Besuche beim Arzt ebenso verschwiegen wie den Aufenthalt in der Klinik und statt dessen zu der Ausrede mit dem Urlaub am Meer gegriffen.
Vielleicht hatte Jeanne Zeit, sie zu begleiten. Jeanne, die liebe Seele, ihre Schwester und Mutter einer Großfamilie mit vier Kindern konnte sicher eine Pause von ihren alltäglichen Verpflichtungen brauchen. Sie müssten nur jemanden finden, der für sie einsprang. Dankbar konzentrierte sich Marie auf die Lösung dieses konkreten Problems. Nach kurzem Nachdenken hellte sich ihr Gesicht auf, entschlossen setzte sie die Füße auf den Boden, stemmte sich aus den Kissen und machte sich auf den Weg in ihr Zimmer, zum Telefon.
„Das ist Gedankenübertragung“, erklang Jeannes fröhliche Stimme aus dem Hörer, kaum dass Marie sich gemeldet hatte. „Du stehst auf meiner Telefonliste ganz oben. Wie geht es dir?“
Marie umging die Antwort. „Was macht die Familie?“
„Sie hat sich in alle Himmelsrichtungen zerstreut.“ Jeanne schien darüber keineswegs untröstlich. „Die Mädchen sind bei den Großeltern, die Jungen im Ferienlager. Und Pierre hat einen Lehrauftrag an der Sommeruniversität.“
„Fühlst du dich einsam?“
„Machst du Witze? Ich genieße es, morgens in aller Ruhe eine zweite Tasse Kaffee zu trinken und dabei in die Zeitung zu schauen, ohne dass ich alle fünf Sekunden aufspringen muss, weil jemand nach mir ruft. Oh nein, ich fühle mich voller Tatendrang und werde vielleicht das ganze Haus umräumen.“
„Oder mit mir ein paar Tage verreisen ...?“
„Was ist denn mit Marc?“
„Marc kann nicht weg,“ log Marie. Sie wollte nichts von ihren Sorgen und Nöten erzählen, sie wollte nicht, dass ihre Schwester aus Mitleid alles stehen und liegen ließ und zu ihr eilte. Sie wollte überhaupt kein Mitleid, von niemandem. „Und ich würde gern ans Meer fahren und mich pflegen und verwöhnen lassen. So wie damals, als wir uns das gemeinsame Wochenende gegönnt haben, weißt du noch?“
„Dass du uns gegönnt hast, meine Lieblingsschwester. Als ich wegen meines vierzigsten Geburtstages ganz melancholisch war und in eine ausgewachsene Midlife-Krise zu rutschen drohte.“
„Und dabei bin ich drei Jahre älter als du! Ich habe eher das Recht auf eine Krise!“ Und ich bin viel dichter dran, als du dir vorstellen kannst.
„Ach, es war jedenfalls himmlisch, und ich bin als ganz neuer Mensch zurückgekommen.“
„Um zehn Jahre jünger, dank der Massagen ...“
„... und des guten Essens!“
Beide lachten bei der Erinnerung an das ungläubige Gesicht der Empfangsdame des Hotels, als sie energisch und übereinstimmend erklärten, sie wollten auf gar keinen Fall eine wie auch immer geartete Diät, sie wollten nicht auf einzelnen Körnern oder Salatblättern ohne Dressing kauen, sondern sich vom Küchenchef verwöhnen lassen. Es hatte die junge, aber deutlich mit ihren Pfunden kämpfende Hotelangestellte ihre ganze Professionalität gekostet, mit nur leicht säuerlichem Lächeln zuzustimmen: „Eine Diät brauchen Sie auch ganz sicher nicht.“ Sowohl Marie als auch Jeanne hatten die schlanke Statur ihres Vaters geerbt und gehörten zu den Menschen, denen Kalorienzählen völlig fremd waren.
„Wo möchtest du denn gern hin?“, wollte Jeanne wissen.
„Irgendwo an die Atlantikküste“, so genau hatte Marie über ihre Reisepläne noch gar nicht nachgedacht, nur allzu weit weg von der Klinik konnte sie nicht fahren.
„Ich habe eine wunderbare Idee! Pierres Eltern haben doch ein kleines Strandhaus in St. Valery, da können wir bestimmt für ein paar Tage hin. Am Wasser laufen, Fisch essen, im Sonnenuntergang auf der Terrasse sitzen, und in der Nähe hat gerade ein erstklassiges Hotel mit einem viel gerühmten Wellnessbereich aufgemacht – na, wie hört sich das an?“
„Falls deine Schwiegereltern es nicht vorziehen, genau dieses selbst zu tun.“
„Sie sind gar nicht da, sie hüten die Kinder von Pierres Schwester Isabelle, die mit ihrem Mann unterwegs ist. Ich ruf sie an. Soll ich dich abholen, sagen wir morgen Vormittag?“
„Nein, nicht nötig“, erwiderte Marie schnell. Schließlich wusste ihre Schwester nichts von dem Klinikaufenthalt, und so sollte das zumindest vorerst auch bleiben. „Wir treffen uns in St. Valery. In dem Café neben der Kirche, um die Mittagszeit.“
„Woher weißt du, dass es in St. Valery ein Café neben der Kirche gibt?“, wunderte sich Jeanne.
„Na, das wäre der erste französische Ort, in dem das nicht so wäre.“
„Also abgemacht, bis morgen Mittag. Ich freue mich riesig!“
* * *
„ ...ich kann mir auch ein Sofakissen auf den Kopf setzen und als Sessel weitermachen. Für meinen Mann scheine ich ja doch nur zur Einrichtung zu gehören.“
Ausgerechnet ich muss diesen Job übernehmen und die Kummerkastentante spielen. Als wäre gerade ich in der Lage, anderen bei ihren Problemen zu helfen. Emma biss herzhaft in die Ohren eines Schokoladenhasen, der überraschenderweise seit Ostern überlebt hatte und nun ihr Mittagessen war. Ebenso gut könnte ich einen Ratgeber über gesundes Essen schreiben. Mit meinem Schokoladenkonsum und meiner Abneigung gegen Obst und Gemüse wäre ich dafür genauso ideal geeignet wie für diesen Job. Aber was soll’s, reiß dich zusammen, du musst schließlich Geld verdienen, und das ist im Moment wirklich schwer genug.
„Liebe Corinna,
die Idee mit dem Sofakissen wäre einen Versuch wert. Wenn Ihr Göttergatte darauf allerdings mit der Frage reagiert: „Hast du ein neues Kleid an?’, müssen Sie schärfere Geschütze auffahren. Sie könnten sich zum Beispiel die Haare neongrün färben lassen. Oder sämtliche Möbel verkaufen. Kündigen Sie per Plakat am Zaun einen Garagenverkauf an. Spätestens, wenn sich bei Ihnen eine Menschenmenge drängt, die nach dem Preis für seinen Lieblingssessel fragt und schon mal gemütlich Probe sitzt, sollte der Mann an Ihrer Seite merken, dass irgendetwas nicht stimmt.
Aber vielleicht geben Sie ihm noch eine Chance. Sie schreiben, Ihr Mann sei Controller. Dann müsste er sich mit Konten bestens auskennen. Eröffnen Sie für sich ein privates Konto, schreiben Sie auf die linke Seite, was nach Ihrer Meinung in Ihrer Ehe nicht stimmt. Auf der rechten Seite sollten sie notieren, was Ihnen im Zusammenleben mit Ihrem Mann gefällt. Nutzen Sie das Konto als Grundlage für ein klärendes Gespräch, vielleicht in Ihrem Lieblingsrestaurant, wenn es Ihnen leichter fällt, in einer neutralen Umgebung über so schwierige Themen zu reden.“
Miteinander reden, lachen, einen Abend ohne unterschwellige Spannungen verbringen, Emma träumte mit offenen Augen. David fehlte ihr, obwohl sie es niemals zugegeben hätte.
„Mach, was du willst“, hatte sie ihn schließlich angefaucht, „ich komm auch sehr gut ohne dich zurecht.“
Es war ihr erster wirklicher Streit gewesen, und sie hatten sich benommen wie Anfänger und nicht wie zwei erwachsene Menschen, die es aus Erfahrung eigentlich besser wissen sollten. Wenn es ein Thermometer für Beziehungen geben würde, wären wir bei etwa zehn Grad angekommen. Was für ein Absturz von gut und gern über dreißig Grad. Aber wenigstens noch im Plus.
Drei Jahre, drei harmonische, wunderbare Jahre hatten sie gehabt, seit David wie ihr weißer Ritter aufgetaucht war, um ihr aus der schlimmsten Katastrophe ihres Lebens zu helfen.
Emma griff nach dem Foto, das auf ihrem Schreibtisch stand und fuhr zärtlich mit der Fingerspitze über das lachende Gesicht des Mannes, der braun gebrannt im Wasser stand. Er war tot. Selbst nach dieser langen Zeit meinte sie noch die Wärme seiner Haut zu spüren, sah das strahlende Leuchten seiner Augen, wenn sie ihre Hände auf sein Gesicht legte oder mit dem Finger sanft die vertrauten Konturen seines Mundes nachzeichnete. Sie hatte ihn so sehr geliebt, ihren Mann, sich wohlig geborgen bei ihm gefühlt, aufgehoben und angenommen in ihrer vielschichtigen, nicht immer ganz einfachen Persönlichkeit. Sie lebten in einem nie verstummenden, immer währenden Gespräch miteinander, der Austausch ihrer Gedanken und Beobachtungen war wie ein beständiger Strom. Selbst an den Tagen, an denen es in ihren Jobs kunterbunt durcheinander ging, fanden sie Momente nur für sich, für zwei, drei Sätze, ein liebevolles Wort. Diese Verbindung war elementar, innig und sehr stark, und dann riss sie von einer Sekunde auf die andere ab, ohne Vorwarnung, gnadenlos, für immer.
Sie besuchte ihn in der Klinik, in der er sich gründlich durchchecken lassen wollte. Die Klinik war nicht weit von ihrer Wohnung entfernt, und sie kam an diesem Tag bereits zum zweiten Mal. Es war abends, die Sterne funkelten am kalten Herbsthimmel, als sie ihr Fahrrad abstellte und die Treppen zu ihm nach oben lief. „Streberin“, zog er sie auf, er, der möglichst jede körperliche Anstrengung vermied. „Ach was, ich wollte nur so schnell wie möglich bei dir sein“, murmelte sie in seinen Armen, „und der Aufzug ist mir zu langsam.“ Über das lange Wochenende sprachen sie, dass sie sich gönnen wollten nach seinem Check. Über ihren Traum, die Stippvisiten in ihrem südfranzösischen Haus bald endlich durch einen langen Aufenthalt zu ersetzen. Plötzlich wurde ihm schwindelig, er rang nach Luft. Erschrocken klingelte sie nach der Krankenschwester, die sofort die Stationsärztin alarmierte. Während sich beide Frauen um ihren Mann bemühten, hielt sie seine bloßen Füße in ihren Händen, streichelte seine Zehen und ließ ihn fühlen, dass sie da war. Schließlich forderte die Ärztin sie auf, das Zimmer zu verlassen und im Pflegeraum zu warten. „Meine Frau soll bei mir bleiben.“ Sie hörte seine Stimme zum letzten Mal. „Ich bin hier draußen auf dem Flur, gleich vor der Tür, und ich bleibe bei dir“, antwortete sie ihm von der Zimmertür. Und noch heute hoffte sie inständig, er möge sie verstanden haben.
„Es tut mir leid“, sagte die junge Ärztin später, viel später, „wir konnten nichts mehr für ihn tun.“ Sie verstand zunächst gar nicht, was die Frau, die ihr gegenüber Platz genommen hatte, damit sagen wollte. Die Ärztin wartete, ließ ihr Zeit, das Unbegreifliche zu begreifen. Dann folgten medizinische Erklärungen, die sie nicht mehr aufnahm. ‚Er ist nicht mehr da, und er wird nie wieder da sein’, an nichts Anderes konnte Emma denken. ‚Nie wieder ...’. Es tat immer noch weh, wie ein blauer Fleck auf der Seele, der nie heilt. An die Tage, Wochen und Monate danach hatte sie nur nebelhafte Erinnerungen, als wäre sie einfach dahingetrieben, in tiefer Dunkelheit.
Aus diesem schwarzen Loch hatte David ihr herausgeholfen, geduldig und verständnisvoll. Er ließ ihr Zeit zu trauern und war dabei ihre Verbindung zum Leben. Zu einem Leben, das schließlich wieder wichtiger wurde als Dunkelheit und Verzweifelung. Und jetzt, wo sie bereit war für ein anderes, ein neues Leben, ein Leben mit ihm, jetzt hatten sie auf einmal Probleme miteinander.
Emma wischte sich mit dem Ärmel die Tränen ab, schniefte und griff dann zum Telefon. Sie wollte mit David reden. Aber anstatt seine männliche Stimme zu hören, die ihr Herz trotz aller Missstimmung zwischen ihnen immer noch höher schlagen ließ, teilte ihr ein unpersönlicher Computer mit, dass dieser Teilnehmer zur Zeit nicht zu erreichen sei, sie ihm aber eine Nachricht hinterlassen könne. Was soll ich ihm sagen? Dass er mir fehlt? Dass ich Sehnsucht nach ihm habe? Noch während sie nach Worten suchte, war die Gelegenheit vorbei, und die Mobilbox schaltete sich aus.
Energisch klappte Emma den Laptop zu und beschloss, dass ein Tapetenwechsel sie auf andere Gedanken bringen würde. Außerdem hatte sie längere Zeit nicht mehr nach Milou geschaut. Hoffentlich hat er in der Zwischenzeit nichts angestellt. Ich hätte ihn Rambo nennen sollen.
Marc langweilte sich. Er war seit Menschengedenken nicht mehr allein in Urlaub gefahren. Wenn er es recht bedachte, war er überhaupt nur selten in seinem Leben allein gewesen. Und was ihm nach anfänglichem Zögern durchaus reizvoll und eine gute Idee erschienen war, stellte sich jetzt als eher strapaziös heraus. Mit seinen Überlegungen, wie das nun mit Marie und ihm weitergehen sollte, steckte er fest. Wenn er ehrlich war, verstand er Maries Problem nicht. Er fühlte sich wohl mit ihr, hatte nie den Wunsch gehabt, sich bei anderen Frauen beweisen zu müssen und war bis vor Kurzem noch davon ausgegangen, dass Marie und er in Ruhe zusammen alt werden würden.
Aber mit der Ruhe war es vorbei. Marie war dieses Sich-Zusammen-Wohlfühlen nicht genug, sie wollte ... ja, was genau sie eigentlich wollte, hatte Marc eben nicht begriffen. Marie war doch eine vernünftige Frau, sie konnte nicht ernstlich erwarten, dass es nach so vielen Jahren des Zusammenlebens knisterte und funkte wie am Anfang ihrer Liebe.
„Liebst du mich denn überhaupt noch?“ hatte sie ihn fast schüchtern gefragt.
„Natürlich liebe ich dich.“ Die Antwort war ganz automatisch gekommen.
Aber stimmte das wirklich? Und wenn ja, war das vermutlich nicht die Art von Liebe, die Marie erwartete. Frauen konnten wirklich kompliziert sein, und dabei hieß es doch, Männer hätten in diesem Alter große Probleme, sich in ihrem Leben zurechtzufinden und neigten dazu, alles hinzuschmeißen und noch einmal neu zu starten. Ach, verdammt, er hatte genug von dem Problemgewälze und griff zum Telefon.
„Nur mal hören, ob es ihr gut geht“, murmelte er, als er Maries Handynummer eingab. Eigentlich hatten sie eine Telefonpause verabredet, aber das war ihm im Moment egal. Maries Telefon war ausgeschaltet. „Na, dann werde ich mich mal ein bisschen bewegen, das bringt den Kreislauf in Schwung und mich auf andere Gedanken.“ Marc grinste ein bisschen, als er sich dabei ertappte, wie er mangels eines Partners mit sich selbst sprach. „Wirst eben alt, mein Guter.“
Marc wanderte eine Runde durch den Garten und versuchte, sich zu erinnern, was Hervé ihm über das Schwimmbecken erzählt hatte. Wann sollte er welche Produkte nachfüllen? Und wo waren sie noch? Vielleicht konnte Em ihm helfen, denn wenn er es richtig sah, schimmerte durch die Eichen, die die beiden Grundstücke voneinander trennte, ebenfalls das Weiß eines Schwimmbades. Allerdings war der Zaun so zugewachsen, dass ein ungehinderter Blick auf Nachbars Garten unmöglich war, und er weder Frau noch Hund entdecken konnte. Also vertagte er das Thema Schwimmbad auf später und machte sich auf, um im nahe gelegenen Supermarkt den Kühlschrank aufzufüllen.
* * *
