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Delilah Williams führt eine vermeintlich glückliche Beziehung mit Brandon Woods, dem Gitarristen der Newcomer-Band Win Sheets. Doch nach einem dramatischen Vorfall auf einer Afterparty, entwickelt sich eine leidenschaftliche Affäre mit Austin Miller. Während Delilah versucht, sich gegen die Anziehung zu wehren, droht ihre Beziehung zu Brandon zu zerbrechen, nachdem ein Skandal den anderen jagt. Und als die Tour abgebrochen wird und sie Las Vegas verlassen muss, scheint alles zu Ende. Oder doch nicht?
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Veröffentlichungsjahr: 2025
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Losing
You
Means
Losing
Me
Alrun Bosse
Playlist
My Favorite Part - Mac Miller feat. Ariana Grande
Another Love - Tom Odell
Calling America - Electric Light Orchestra
She Will Be Loved - Maroon 5
One Right Now - The Weeknd feat. Post Malone
The Spins - Mac Miller
Scar Tissue - Red Hot Chilli Peppers
I Fall Apart - Post Malone
Ladders - Mac Miller
First Date - Blink 182
Gorgeous - Taylor Swift
Kiss Me - Sixpence None The Richer
If I Lose Myself - One Republic
Love Lost - Mac Miller
Those Eyes - New West
Let Me Love You - Mario
This Is Me Trying - Taylor Swift
I Miss You - Blink 182
Stay - Mac Miller
That‘s Life - 88-Keys feat. Mac Miller & Sia
Chemical - Post Malone
Paper Rings - Taylor Swift
Grow Old With Me - Tom Odell
Soulmate - Mac Miller
Kapitel 1
Brandon
Meine Freundin betrügt mich.
Ich wälze mich im Bett herum und starre aus dem bodenlangen Fenster. Die Vorhänge stehen offen und ich betrachte die Lichter in der Dunkelheit.
Ich kann die ganze Stadt überblicken. Ich wohne im Penthouse.
Und kann nicht schlafen.
Ich kriege ein ganz bestimmtes Bild nicht aus meinem Kopf.
Es macht mich wahnsinnig.
Ich bin der Sänger der Band Win Sheets, die ich gemeinsam mit meinen Kumpels Timmy, Brad und Dean gegründet habe. Wir machen überwiegend Alternative, Indie und Rock. Wir haben gerade erst unser erstes Studioalbum rausgebracht und es läuft gut. Jeden Tag verkaufen sich mehr Platten, immer mehr Klicks aufs YouTube, Spotify und Apple Music, also was will man mehr.
Und obwohl ich der glücklichste Mensch der Welt sein sollte, weil jeder einzelne Mensch da draußen gerne mit mir tauschen würde, gibt es nur eine Sache, die mir den Boden unter den Füßen wegreißen würde.
Ich bin mit meiner Freundin hier in Vegas. Wir sind vor einer Woche angereist. Jeden Tag stand ich seitdem auf der Bühne, während sie jedes Mal ganz vorne im Publikum stand und mir zujubelte. Ich konnte mich kaum konzentrieren.
Heute ist sie mit der Band auf einer Party. Ich bin nicht mitgegangen. Ich wollte einfach mal früh schlafen gehen und Kraft tanken. Ich habe so gut wie gar nicht geschlafen in den letzten Wochen.
Aber es funktioniert nicht. Ich kann nicht schlafen.
Ich sehe andauernd Bilder vor meinem inneren Auge, wie sie mich mit einem anderen betrügt. Ich kriege es nicht aus meinem Kopf und ich hasse es.
Ich will das nicht sehen und ich verstehe nicht, wieso ich diese verdammten Gedanken habe.
Sie ist nicht wie die anderen Frauen. Sie ist keine Schlampe, kleidet sich nicht wie eine und bietet sich auch nicht an. Sie ist das intelligenteste und zurückhaltendste Mädchen, das ich kenne.
Und so wunderschön.
Sie hat lange hellbraune Haare und tiefblaue Augen. Richtig schöne dunkelblaue Augen. Immer wenn ich in sie hineinsehe, fällt es mir schwer, wegzusehen. Ich könnte sie stundenlang anstarren.
Und das überraschendste ist, dass sie gar nicht weiß, wie hübsch sie ist.
Sie ist so süß. Und ich liebe sie so verdammt sehr.
Es würde mir wirklich das Herz brechen, wenn sie mich verlassen würde. Ich wäre richtig traurig. Vielleicht würde ich sogar heulen.
Jedenfalls komme ich nicht runter.
Ich wälze mich wieder herum und starre an die Decke.
Ich sehe sie vor mir wie sie einen fremden Mann anlächelt, der sie über den ganzen Raum hinweg anstarrt. Sie wechseln immer mal wieder Blicke.
Bis er zu ihr kommt und sie berührt. An der Hüfte. Fuck, an der Hüfte.
Und sie berührt seine Brust, um ihn spielerisch wegzuschieben, während er sie näher an sich zieht. Sie lachen bis er sich zu ihr neigt und sie küsst.
Ich stehe einfach nur da und kann nicht wegsehen. Es macht mich krank.
Ich drücke die Augen zu, um das Bild zu vertreiben, doch es funktioniert nicht.
Ich atme tief durch und setze mich auf.
Ich reibe mir die Augen und fahre mir durchs Haar. Fuck, was ist, wenn es einen Grund dafür gibt, dass ich dieses Kopfkino habe? Ich meine, wieso sollte ich auf einmal dieses Gefühl haben?
Ich sitze einfach nur da und starre hinunter aufs lebendige Vegas.
Wir haben uns vor zwei Jahren kennengelernt. Auf einer Party.
Sie war das hübscheste Wesen, das ich je gesehen habe. Habe ich schon erwähnt, wie hübsch sie ist?
Sie tanzte ohne Begleitung auf der Tanzfläche. Ich beobachtete sie, während ich an meinem Drink nippte. Als ich genug Mut gefasst hatte, ließ ich mein Getränk stehen und ging auf sie zu. Sie stand mit dem Rücken zu mir, also ging ich um sie herum und grinste sie an.
Ihr hättet ihren Blick sehen sollen. Soviel Abneigung.
Ihr Gesicht hatte all die Zeit einen friedlichen und glücklichen Ausdruck und kaum sah sie mich, war sie genervt. Später erzählte sie mir, dass sie einfach die Nase voll von Männern hatte, die sie dauernd ansprachen und von sich überzeugt waren, nur, um sie ins Bett zu kriegen. Ihrer Meinung nach, machte ich genau diesen Eindruck.
Wenn sie nur wüsste.
,, Wie heißt du?“ fragte ich. Sie sah mich mit diesem genervten Blick an und wandte sich ab. ,, Ich will dich nicht anbaggern.“
,, Und wieso stehst du dann bei mir?“ gab sie schnippisch zurück. Sie hatte eine schöne Stimme.
Ich zuckte die Schultern. ,, Weil ich die Stelle gut finde.“
Sie grinste mich an. ,, Sehr witzig.“
Sie drehte sich um und ging einfach davon. Ich folgte ihr.
,, Aber da du ja offensichtlich betest, dass ich dich anbaggere, weil du so scharf auf mich bist, kann ich das natürlich auch machen.“
Sie blieb stehen. ,, Ich bin nicht scharf auf dich.“
Ich stellte mich vor sie. ,, Ach, nein? Und wieso hast du mich dann förmlich ausgezogen mit deinen Blicken?“
Sie wurde rot. Wow, ich wollte sie eigentlich nur aus der Reserve locken.
,, Das hast du dir eingebildet.“
Ich lachte. ,, Und wieso wirst du dann rot?“
,, Weil es heiß hier drin ist, Mr Dawson. Darf ich mir jetzt einen Drink holen oder…?“ sagte sie und sah mich auffordernd an, beiseite zu treten.
Sie ist wirklich klasse. ,, Dürfen Sie, Miss Rose.“
Ich wusste nicht mehr, wie sie mit Nachnamen hieß.
Sie sah mich an und ich bemerkte das Funkeln in ihren Augen. Mit einem versucht versteckten Grinsen im Gesicht, ging sie kopfschüttelnd davon.
Ich ließ sie gehen und sah ihr hinterher. Die Art wie sie lief. Als wäre sie ganz alleine in diesem Raum. Sie nahm keine Notiz von den anderen. Ich will damit nicht sagen, dass sie eingebildet war, das als allerletztes. Sie nahm sich selbst einfach nicht für wichtig und das fiel mir auf.
Gott, sie ist so hübsch.
Ich konnte nicht fassen, dass sie sich selbst nicht so sah. Sie ist genau das, was sich jeder Mann wünscht, der etwas Hirn hat. Vielleicht habe ich deswegen solche bedenken.
Es ist nicht so, dass ich ihr nicht vertraue. Ich weiß nur einfach, was sie für eine Ausstrahlung hat. Und ich weiß ganz genau, dass es jedem einzelnen Typen auffällt.
Jedenfalls ließ ich sie für den Rest des Abends nicht aus den Augen. Sie ignorierte mich gekonnt. Das amüsierte mich. Besonders weil ich sie dabei ertappte, wie sie heimlich zu mir rübersah.
Als ich sah wie sie sich noch einen Drink holte, ergriff ich erneut die Initiative. Sie goß sich lächelnd ihren Whiskey auf Eis mit Zitrone ein, als sie mich bemerkte. Ich sah sie an, während ich nach irgendetwas griff.
,, Verfolgst du mich?“ fragte ich, während ich nicht aufhören konnte, sie anzustarren.
Sie lachte. ,, Oh ja, jede Sekunde“ gab sie sarkastisch zurück.
Ich grinste sie an. ,, Dann sollte ich dir wohl besser meine Nummer geben, damit du dir keine Mühe mehr machen musst“ sagte ich. ,, Du hast mich überzeugt.“ Sie lachte leise und schwieg. ,, Oder du gibst mir deine. Das ginge auch.“
Sie hob den Blick und musterte mich. Lange. Sehr lange. Wir standen einfach nur da, während wir uns anstarrten. Ihre Augen funkelten und waren ein wenig gerötet, sowie ihre Wangen. Ihre Haare klebten verschwitzt an ihrer Stirn, doch das machte sie nur umso hübscher für mich.
Irgendwann hob ich dann die Augenbrauen und fragte sie: ,, Ist das ein Test?“
Sie legte den Kopf schief. Es war großartig, ihr einfach unverwandt ins Gesicht sehen zu dürfen. Ich war ihr richtig verfallen. Von der ersten Sekunde an.
Sie überlegte und murmelte: ,, Mmh. Ich weiß noch nicht.“
,, Vielleicht kann ich dir helfen.“
Sie überlegte. „Woher soll ich wissen, dass du ein Dawson und kein Hockley bist?“
Ich habe in meinem Leben noch nie so sehr gelacht.
Sie ist wahrscheinlich die einzige Frau auf dieser Welt, die diesen Film mag. Wer schaut heutzutage noch Titanic?
Das war aber nicht das, was mich amüsierte. Die Art wie sie es sagte, amüsierte mich.
,, Das kannst du nur herausfinden“ sagte ich und sah sie herausfordernd an. ,, Also. Bin ich das Risiko wert?“
Sie lächelte mich an und ihre Augen funkelten so sehr. Heller als die Sterne.
,, Okay“ sagte sie plötzlich.
Es überraschte mich ein wenig, doch ich zeigte es ihr nicht. Sie sollte weiterhin denken, wie charmant ich war.
Sie griff in ihre Tasche und holte einen Kugelschreiber raus. Sie griff nach meinem Arm und zog ihn zu sich. Ihre Berührung entfachte ein Kribbeln auf meiner Haut. Sie schrieb mir ihre Nummer auf und lächelte mich dann an.
,, So. Frau Nummer eins geschafft.“
Ich schmunzelte. ,, Und dabei bleibt es.“
Sie schüttelte grinsend den Kopf. ,, Charmeur.“
Ich sah auf ihre Nummer und las ihren Namen, den sie dazugeschrieben hatte.
,, Delilah“ las ich und ließ ihn auf der Zunge zergehen. ,, Und weiter?“
,, Delilah Roxanne Williams“ antwortete sie.
,, Deine Eltern standen auf Musik, oder?“ sagte ich.
Sie lachte. ,, Ja“ sagte sie. ,, Meine Mum mochte dieses Lied Hey There Delilah und mein Vater stand auf The Police.“
,, Das ist ein schöner Name, Delilah“ sagte ich. ,, Er passt zu dir.“ Ich sah sie lange an und lächelte. ,, Ich bin Brandon Dawson.“ Sie lachte und schüttelte meine Hand. ,, Woods. Brandon Woods.“
Ich ließ ihre Hand nicht sofort los und hielt sie fest in meiner. Ich wollte sie echt nicht mehr loslassen.
Sie drehte sich jedoch weg, ließ mich los und wollte wieder zurück auf die Tanzfläche gehen. Ich hielt sie schnell am Arm zurück. Sie drehte sich fragend zu mir um.
,, Du hast doch jetzt alles.“
Ich zog ihre Hand zu mir und strich sanft über ihren Daumen. ,, Tanz mit mir.“
Sie wurde wieder rot. Kann es sein, dass vorher niemand so mit ihr umgegangen war? Sie nickte und es wurde einer der besten Abende meines Lebens.
Ich ertappe mich dabei wie ich grinsend ins Badezimmer laufe. Sie ist bis heute der beste Mensch, den ich je kennengelernt habe.
Ich greife auf dem Waschtisch nach meinem Handy und klingele bei ihr durch.
Vielleicht kann mich das ja beruhigen.
Zu allem Übel geht sie nicht ran. Verdammt, sie hat ihr Handy immer bei sich.
Ich klingele nochmal bei ihr durch. Dasselbe.
Es hilft nichts. Schlafen kann ich nicht und untätig im Zimmer rumhängen will ich nicht. Ich brauche einfach Gewissheit.
Also ziehe ich mir Jeans und ein Shirt an und fahre zur Party.
Kapitel 2
Austin
Ich beobachte sie schon die ganze Zeit. Die Art wie sie sich zur Musik bewegt, fesselt mich. Sie tanzt als wäre sie alleine im Raum, ohne dabei überheblich rüberzukommen.
Sie fiel mir direkt ins Auge, als sie ins Haus kam. Ich bin schon seit letzter Woche hier und wir haben jeden Tag durchgefeiert. Gelegentlich habe ich mich zurückgezogen, was ich heute auch vor hatte. Meine Freunde ließen das aber nicht zu. Also stand ich die ganze Zeit genervt rum bis sie plötzlich reinkam. Sie kam mit ein paar Typen zusammen an. Ich glaube aber nicht, dass einer von denen ihr Freund war. Sie wirkten alle sehr freundschaftlich.
Während die Typen sich direkt zu den Getränken aufmachten, kapselte sie sich ab und ging auf die Tanzfläche. Seitdem tanzt sie alleine zu jedem Song.
Und ich beobachte sie dabei. Seit Stunden.
Gelegentlich lief sie ohne mich anzusehen an mir vorbei und holte sich etwas zu trinken, aber unterhalten hat sie sich bisher mit keinem. Es wirkt nicht so als würde sie Kontakte suchen. Ob sie einzelgängerisch ist?
Es ist völlig neu für mich, dass mich eine einzige Frau so anzieht. Normalerweise sind Frauen für mich eben Frauen, die ich einfach abschleppe und dann geht das Leben weiter. Aber so eine schöne Frau habe ich noch nie gesehen. Es ist als würde sie ein Zauber umgeben. Oder als hätte sie eine Sekundenkleber-Aura um sich herum.
Bryce, ein Kumpel von mir, quatscht mich währenddessen unentwegt voll und kriegt nichtmal mit, dass ich keine Ahnung habe, wovon er spricht. Ich erinnere mich nichtmal mehr daran, wann er sich zu mir gestellt hat. Oder ob ich zu ihm gegangen bin.
Ich weiß nichtmal mehr, was in den letzten Paar Stunden passiert ist, außer, dass sie das Haus betreten hat.
Das hier ist nicht meine Party. Ich wohne nichtmal hier. Steve gehört das hier alles. Er ist ein alter Freund von mir und säuft sein Leben eigentlich nur durch. Nicht, dass er ein Alkoholiker ist. Er feiert einfach gerne.
Und jegliche Frauen jeglicher Art dürfen natürlich nicht fehlen. Eigentlich sind hier ziemlich viele Verlockungen, aber keine zieht mich wirklich an. Außer dieses eine Mädchen mit ihren hellbraunen Haaren und ihren, meine Meinung nach, blauen Augen.
Sie trägt ja nichtmal knappe Kleidung. Ich meine, normalerweise zieht mich genau das bei Frauen an. Der wenige Stoff. Doch sie trägt einfach eine Jeans und ein weites Shirt. Von ihrem Körper sehe ich also nicht viel.
Wenn er aber genauso perfekt wie ihr Gesicht ist, ist sie die verdammte Göttin der Liebe. Ganz ehrlich.
Plötzlich schnipst Bryce vor mir herum. ,, Hey, Bro“ sagt er. ,, Noch da oder was?“
Ich blinzele mehrmals. ,, Was?“
,, Du hörst gar nicht zu“ sagt er. ,, Ich rede hier über meine Ex, die mich verdammt nochmal immer noch wahnsinnig macht und du glotzt die ganze Zeit in irgendeine Richtung.“
,, Sorry“ sage ich und starre sie immer noch an.
,, Wo starrst du denn hin?“ fragt er und folgt meinem Blick. Ich bemerke, dass sein Blick ebenfalls länger auf ihr Kleben bleibt. Das liegt wohl daran, weil sie die einzige hier ist, die er noch nie gesehen hat. Oder die er noch nicht gevögelt hat. Er sieht mich wieder an und grinst. ,, Verstehe.“
Ich sage nichts dazu, sondern trinke einen Schluck, während ich ihn anstarre. Wieso stört es mich, dass er so über sie redet? Oder sie anguckt?
Ich kenne sie nichtmal. Ich habe sie noch nie zuvor gesehen.
,, Also deine Ex wieder, ja?“ sage ich, um das Thema zu wechseln.
,, Keine Ahnung. Sie ist einfach anstrengend“ antwortet er. ,, Aber der Sex ist geil.“
,, Dann schreib ihr. Soll sie herkommen.“
Er zieht die Augenbrauen zusammen. ,, Junge, nicht für dich.“
Ich lache. ,, Ich würde nie im Leben deine abgeworfene Ware anfassen.“
,, Hoffe ich für dich“ sagt er und sieht wieder zu ihr rüber. ,, Sonst schnappe ich sie mir.“ Ich starre ihn an. Er hebt abwehrend die Hände. ,, War nur ein Scherz, Bro, ganz locker.“
Wir wissen beide, dass es kein Scherz war. Er witzelt nie über sowas.
Fuck, wieso reagiere ich so empfindlich? Ich kenne sie nicht und allein der Gedanke, sie könnte etwas mit Bryce haben, macht mich eifersüchtig.
Eifersüchtig.
Ich hab nichtmal ein Wort mit ihr gewechselt und bin schon eifersüchtig.
Was ist nur los mit mir?
Während ich an meinem Drink nippe, lasse ich sie nicht aus den Augen. Ich beobachte wie sie ihre Hüfte bewegt und ihre Arme in der Luft hält. Wie ihre Haare fliegen.
Und Bryce labert weiter über seine Ex. Als ob mich das interessiert, wenn so eine Frau in meiner Nähe ist.
Plötzlich bewegt sich ein Typ auf sie zu. Ich spüre wie ich mich anspanne.
Als er ihre Hüfte berührt, bin ich so wütend, dass ich mich nicht bewegen kann.
Sie dreht sich zu ihm um und … schubst ihn weg.
Jede einzelne Frau, die ich kenne, hätte sich an diesen Mann gepresst und einfach getanzt. Völlig egal, ob sie ihn geil findet oder nicht. Sie aber schubst ihn weg. Sie ist ganz anders als alle anderen Frauen, die ich kenne.
Er lacht und zieht sie wieder an sich. Sie drückt ihn von sich und sagt die ganze Zeit, dass er sie nicht anfassen soll. Ich glaube zumindest, dass sie das sagt. Während sie sich immer mehr wehrt, drückt er sie immer mehr an sich und kneift in ihren Arsch.
Als ich gerade auf sie zugehe, läuft ein Typ an mir vorbei auf sie zu und geht dazwischen. Er zieht den Typen von ihr weg und knallt ihm seine Faust ins Gesicht. Der Typ taumelt nach hinten und brüllt: ,, Fuck, Mann.“
Er wischt sich das Blut von der Nase und geht davon.
Fürsorglich legt der Schlägertyp seine Arme um sie. Mir schießt gerade durch den Kopf, wie krank der ist, dass er sie nach dieser Sache an sich zieht und versucht, selbst die Chance zu ergreifen, als sie ihre Hände an seine Brust legt.
Oh mein Gott, ist das ihr Freund?
Blut tauscht mir in den Ohren. Ich stehe Mitten im Raum und starre die beiden an.
Scheiße.
Kapitel 3
Delilah
Zitternd lege ich meine Hände auf seine Brust und atme auf. Er legt seine Arme um mich und zieht mich an sich. Ich versuche zu realisieren, was gerade passiert ist. Brandon legt seine Hand an meinen Hinterkopf und ich lehne mich an seine Brust. Er streicht mir übers Haar, während ich versuche, nicht mehr zu zittern.
Wieso gibt es solche Männer? Und was geht bei denen im Kopf vor?
Ich genieße seine Berührung und spüre, wie mein Körper sich langsam wieder entspannt. Ich atme seinen Duft ein und lasse mich von seiner Wärme umhüllen.
Bald darauf hebe ich den Kopf und sehe in seine leuchtend grünen Augen.
,, Wieso bist du überhaupt hier?“ frage ich.
Er lächelt mich an. ,, Eine tolle Begrüßung.“
Ich lächele und sofort wird mir leichter ums Herz. Ich lasse meine Hände zu seinem Gesicht gleiten und ziehe ihn runter zu mir.
Alles um mich herum wird leiser und rückt in den Hintergrund als seine Lippen auf meine treffen. Er zieht mich an sich und küsst mich innig.
So als würde er genau das genau jetzt brauchen.
Ich wurde noch nie so von einem Mann geküsst wie jedes einzelne Mal von ihm.
Nicht, dass es so viele gewesen wären. Er ist gerade Mal Nummer zwei.
Ich löse mich von ihm und lächele ihn an. ,, Hey“ sage ich.
Er grinst mich an, doch es erreicht seine Augen nicht. ,, Geht‘s dir gut?“ fragt er.
Ich nicke. ,, Seit du da bist“ sage ich. ,, Ja.“
Er lächelt und zieht mich an sich. ,, Tut mir leid, dass dir das passiert ist“ sagt er. ,, Ich hätte diesen Typen ins Krankenhaus prügeln sollen.“
Ich schüttele den Kopf. ,, Höre auf“ sage ich nur und streiche über seine Wange.
Ich liebe sein Gesicht. Und ihn natürlich.
Er hat braune Haare, die er nie stylt und trotzdem sehen sie einfach immer gut aus. Unter seinem rechten Auge hat er einen kaum sichtbaren Leberfleck und ich liebe es, darüber zu streichen. Ich habe noch nie einen so hübschen Mann gesehen. Zumindest nicht im echten Leben.
Als er mich damals auf der Party ansprach, war ich hin und weg. Ich wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte, weil mich seine Attraktivität irgendwie eingeschüchtert hat. Solche Typen sind doch immer nur auf Aufreißer-Tour.
Er war das nicht. Er war charmant und brachte mich zum Lachen. Die Art wie er mich ansah, ließ mich dauernd rot werden und ich hasste mich dafür.
Er war einfach umwerfend und das ist er noch immer. Von Anfang bis Ende.
Als ich ihn gerade auf mich zukommen sah, wollte ich weinen. Es ist einfach nicht in Worte zu fassen, wie schlimm es sich angefühlt hat, diesen Mann an meinem Körper zu spüren. Und wie er mich begrapscht hat.
Ich bin froh, dass ich Brandon habe. Er sieht genauso aus, wie er ist. Ein wirklich, wirklich guter Mensch. Er ist der loyalste und ehrlichste Mann, den ich jemals kennengelernt habe.
Ich sehe ihm in seine Augen. Er hat die speziellste Augenfarbe, die jedesmal dafür gesorgt hat, dass ich nicht wegschauen kann. Aus der Entfernung könnte man meinen, er hätte braune Augen, doch erst wenn man direkt vor ihm steht, fällt einem auf, dass sie strahlend grün sind. Bei hellem Licht erkenne ich einen braunen Punkt an der Iris. Ich könnte mich in seinen Augen verlieren und es wäre mir egal, ob ich mich jemals wieder davon lösen könnte.
,, Ich hatte so ein Gefühl“ sagt er und holt mich aus den Gedanken. ,, Deswegen bin ich hier.“
,, Was für ein Gefühl?“ fragte ich. ,, Dass etwas passiert?“
Er nickt und sieht mich entschuldigend an. Ich erwidere seinen Blick und warte darauf, dass er mir mehr erzählt, doch er bleibt schweigsam.
Es fühlt sich so an als wären wir alleine hier und nicht in einer hüpfenden Menschenmenge.
Er zuckt die Schultern. ,, Nicht, weil ich dir nicht vertraue“ sagt er. ,, Ich weiß nur einfach, wie du auf andere wirkst und ich dachte -“
,, Ich würde dich niemals betrügen“ unterbreche ich ihn.
Er schüttelt den Kopf. ,, Ich weiß das“ sagt er. ,, Nur wissen die Männer das nicht.“ Ich sehe ihn lange an und sage nichts mehr. Seufze. Er zieht mich zu sich. ,, Es tut mir leid. Ich wollte dir nichts unterstellen.“
,, Du hattest ja recht“ sage ich. ,, Es ist ja was passiert.“
Er legt seine Lippen an meine Stirn. ,, Ich hätte mitkommen sollen.“
Wir wiegen uns hin und her, obwohl überhaupt kein ruhiger Song läuft. Während die Leute um uns herum hüpfen, stehen wir einfach da.
Er lässt seinen Kopf an meine Wange gleiten und ich schmiege mich an ihn.
,, Du trägst keine Schuld“ sage ich. ,, Es hätte auch passieren können, wenn du hier gewesen wärst. Ich danke dir einfach, dass du mir geholfen hast.“
Er hebt den Kopf und sieht mich ungläubig an. ,, Du bedankst dich dafür, dass dein Freund dich beschützt hat?“ sagt er und schüttelt den Kopf. ,, Du bist wirklich einmalig. Es ist meine Lebensaufgabe dafür zu sorgen, dass dich niemand verletzt.“
Ich werde rot. Er sagt mir immer Sachen, die mich erröten lassen. Ich glaube, das ist nichtmal seine Absicht. Er sagt einfach das, was er denkt, aber für mich bedeutet das Schmetterlinge im Bauch und ein flatterndes Herz.
,, Ich liebe dich“ sage ich.
Er küsst mich sanft auf die Wange. ,, Ich liebe dich auch“ sagt er.
Er lässt seine Lippen über mein ganzes Gesicht wandern und bringt mich damit zum Lachen. Er legt seine Hand an meine Wange und lässt sich sanft in mein Haar gleiten. Er mustert lange mein Gesicht, was er öfter tut, und küsst mich anschließend nochmal. Ich könnte ihn für immer einfach küssen. Er küsst so gut.
Besser als jeder andere, obwohl ich ihn nur mit einem Mann vergleichen kann und mit dem war ich nichtmal zusammen. Er küsste mich einfach nach einem Date im Kino. Es war okay, aber es hat mir nicht all meine Gedanken geraubt oder mich fühlen lassen als könnte ich fliegen.
Bei Brandon fühle ich alles.
Kapitel 4
Austin
Ich stehe immer noch da und starre die beiden an. Wie sie ihn berührt und ihn ansieht. Mir entgeht nicht, wie innig sie miteinander umgehen.
Sie sind eindeutig die ein Paar. Wie es aussieht auch schon etwas länger.
Das wäre eigentlich der Punkt, an dem ich mich abwenden und mit jemand anderem beschäftigen sollte, aber wenn ich etwas Schönes sehe, muss ich es einfach haben.
Kein Wort habe ich mit ihr geredet und doch kann ich den Blick nicht von ihr abwenden. All meine Sinne sind auf sie fokussiert.
Ich wende mich ab und hole mir noch einen Drink. Vielleicht kriege ich so ein wenig Mut, um sie auszusprechen, wenn er weg ist.
Hätte sie ihn nicht geküsst, hätte ich versucht, mir einzureden, dass er nur irgendein Kumpel ist und sie beide einfach eng miteinander umgehen.
Sowas gibt es schließlich.
Bryce folgt mir auf Schrift und Tritt.
,, Kennst du die?“ fragt er als ich nach dem Eis greife.
Ich schüttele den Kopf. ,, Nein.“
,, Und was reagierst du dann so?“ fragt er.
Ich greife nach dem Whiskey und schneide anschließend eine Scheibe Zitrone.
Ich zucke die Schultern. ,, Keine Ahnung“ sage ich. ,, Sie ist halt hübsch.“
Er nickt. ,, Aber an die kommst du nicht ran.“
Ich sehe ihn an. ,, Wieso nicht?“ frage ich ihn, während er sich ein paar Shots eingießt. ,, Kennst du sie?“
,, Nicht persönlich oder so“ antwortet er. ,, Aber ein bisschen was weiß ich schon.“
,, Wieso hast du das vorhin nicht gesagt?“ sage ich und starre ihn immer noch an.
,, Du hast nicht gefragt“ antwortet er und zuckt die Schultern.
Ich nicke nur und sehe an ihm vorbei zu ihr. Sie hat ihren Kopf an seine Schulter angelehnt, während sie sich zu The Weeknd hin und her wiegen.
,, Also“ sage ich und wende mich ab. ,, Sag schon.“
Er kippt sich einen Shot hinter und dreht sich halb zu ihr um. Er verharrt kurz in der Position und sieht mich anschließend an. ,, Der Typ bei ihr“ beginnt er. ,, Ist ihr Freund, offensichtlich. Er ist Frontmann bei Win Sheets. Sie haben vor einem Jahr ihr erstes Album rausgebracht.“
Nie von denen gehört.
,, Wieviele verkaufte Platten?“
,, Bisher sind es zehn Millionen, glaube ich“ antwortet er. Fuck, die müssen echt gut sein. ,, Sind also ziemlich erfolgreich zur Zeit.“
,, Und weißt du wie die sich kennengelernt haben?“ frage ich.
Er schüttelt den Kopf. ,, Nein, keine Ahnung, aber sie ist bei jedem Konzert dabei gewesen.“ Also unterstützt sie ihn. ,, Ich weiß nur, dass die beiden seit zwei oder drei Jahren zusammen sind. Sie hält sich aber mehr im Hintergrund.“
Hätte ich nicht anders erwartet. ,, Merkt man.“ Er nickt. ,, Und was weißt du über ihn?“
Bryce ist manchmal eine richtige Tratsche bei solchen Dingen. Er weiß alles über jede Newcomer Band und deren Privatleben. Zumindest alles, was sich bisher so erzählt wurde. Daher weiß ich, dass alles im groben Sinne stimmen muss, was er über sie sagt.
,, Er heißt Brandon Woods. Er kommt aus der Gegend“ erzählt er. ,, Sie ist, glaube ich, seine erste langfristige Beziehung.“
Ich nicke nur. ,, Interessant“ sage ich. ,, Und weißt du wie sie heißt?“
,, Delilah Roxanne Williams“ antwortet er. ,, Ihre Eltern müssen fanatisch in Musik gewesen sein. Das würde auch die Beziehung zu ihrem Freund erklären.“ Ich lache.
Bryce wendet sich ab als eine schwarzhaarige Frau an uns vorbeiläuft und folgt ihr wie ein Hundebaby. Ich starre wieder zu ihr.
Delilah Roxanne Williams. Klingt genau wie eine Frau, die mit einem Musiker zusammen ist. Oder die selbst Musikerin ist.
Plötzlich sieht sie zu mir rüber, während ihr Freund sie immer noch hält.
Ich kann selbst von hier erkennen, dass sie dunkelblaue Augen hat. Ihre Augen bohren sich in meine und ich trinke meinen Drink aus, während ich sie anstarre.
Sie sieht nicht weg, sondern starrt mich weiterhin an.
Ich kann ihren Blick nicht deuten. Er ist unergründlich.
Ich weiß auch nicht, ob sie mich zum ersten Mal ansieht oder ob ich ihr vorher schon aufgefallen bin.
Ich weiß nicht, wie lange wir uns anstarren, doch sie sieht irgendwann weg und hinauf zu ihrem Freund. Sie betrachtet sein Gesicht, hebt die Hand und fährt ihm durchs Haar. Wie es sich wohl anfühlt, wenn sie das macht?
Sie sehen sich beide einfach an, mehr nicht. Nichtmal einen Kuss.
Fuck, wenn sie das bei mir machen würde, könnte ich mich nicht mehr zurückhalten und würde sie küssen bis sie den Verstand verliert.
Ich wende mich ab und versuche, mich abzulenken, damit ich nicht die ganze Zeit nur an sie denke oder nur sie anstarre.
Ich versuche, sie gleichzusetzen mit allen anderen Frauen hier, aber sie scheinen mir alle nicht gut genug. Neben ihr sehen sie für mich alle aus wie Schlampen. Billige Weiber, die nur eine Nacht wert sind. Wenn überhaupt.
Und alle so fake. Von gemachten Titten bis hin zu Botox im ganzen Gesicht.
Jetzt wo ich Delilah gesehen habe, weiß ich nicht, wie ich jemals solchen Frauen nachgaffen konnte.
Richtig ablenken kann ich mich also nicht. Der ganze Abend scheint ihr zu gehören. Ich kriege meinen Blick nicht von ihr los.
Sie tanzen lange miteinander bis sich sich voneinander lösen und über irgendwas reden. Sie nickt als er seine Hand an ihre Wange legt und sie auf die Stirn küsst. Dann kommt er auf mich zu. Ich stehe bei den Getränken, das wird der Grund sein.
Ich sehe an ihm vorbei. Sie dreht sich um und verlässt das Haus. Scheiße, verlässt sie die Party?
Ich wende mich ab als dieser Typ, dessen Name ich jetzt schon vergessen habe, mir die Sicht versperrt.
Ich gieße mir noch einen Drink ein, um irgendwas zu tun zu haben.
Ich erwarte nicht, dass er mit mir redet. Ich wüsste auch nicht, wieso. Ich sehe ihm nur unauffällig dabei zu wie er sich ebenfalls einen Whiskey macht. Scheiße, trinkt er dasselbe wie ich?
,, Der ist gut“ sage ich. Vielleicht finde ich ja so raus wie er tickt. Ich brauche einen Hinweis darauf, dass er ein Arsch ist.
Er sieht beiläufig zu mir und nickt anschließend. ,, Ja, stimmt.“
,, Mach‘s mit Eis und Zitrone. Schmeckt besser.“
Er schüttelt den Kopf. ,, Meine Freundin trinkt den andauernd so“ sagt er. ,, Mir schmeckt es einfach nicht.“
Sie trinkt ihn genauso wie ich. Erste Gemeinsamkeit.
,, Hast du‘s schon probiert?“
Er nickt. ,, Ich muss den oft für sie machen“ sagt er. ,, Also ja.“
Ich sage nichts weiter dazu.
Keine Ahnung, ob er jetzt ein Arsch ist. Man könnte es so verstehen, dass er das nur nicht trinkt, weil seine Freundin ihn so trinkt. Das wäre ein Anzeichen darauf, dass er vielleicht genervt von ihr ist.
,, Dann ist dir das zu feminin, den so zu trinken?“
Er schüttelt den Kopf und lacht. ,, So war das nicht gemeint“ antwortet er und sieht mich an. ,, Ist doch auch egal.“ Er hebt das Glas und stößt damit gegen meins. ,, Also dann.“
Er geht davon, jedoch nicht in ihre Richtung, sondern zu den Männern, mit denen sie vorhin hergekommen ist. Vielleicht sind das die Leute aus seiner Möchtegern erfolgreichen Band.
Ich denke nicht länger darüber nach und folge ihr nach draußen. Wo auch immer sie hin ist, ich werde sie schon finden.
Kapitel 5
Delilah
Ich ziehe die Tür meines Autos zu und atme auf. Endlich Ruhe. Manchmal kriegt man gar nicht mit, wie laut es die ganze Zeit war ist. Erst wenn es wieder still ist. Das ist genau das, was ich jetzt brauche.
Ich bin keine Einsiedlern oder so. Ich bin gerne unter Menschen und ich mag es auch zur Musik zu tanzen. Ich mag es nur nicht die ganze Zeit. Einen kurzen Moment mal Ruhe zu haben und sich kurz zu regenerieren, tut gut.
Brandon versteht das und ich bin froh darüber. Die meisten haben das nie verstanden.
Ich finde es auch schön, dass wir die stumme Vereinbarung haben, dass er in der nächsten halben Stunde zu mir kommt. Er hält es nicht lange ohne mich aus und das ist noch etwas, was ich absolut an ihm mag. Er kann nie aufhören mich zu berühren oder bei mir zu sein, toleriert es aber, wenn ich Zeit für mich brauche.
Wir ergänzen uns immer und immer wieder aufs Neue.
Ich schalte das Radio an und lausche den Klängen von Fleetwood Mac. Ich lehne meinen Kopf gegen die Stütze und beobachte die Leute in dem riesigen weißen Haus.
Ich kenne diesen Steve nichtmal. Er ist irgendwie ein Freund von Timmy, den Schlagzeuger der Win Sheets. Ich weiß ja nichtmal, wie er aussieht und trotzdem bin ich in seinem Haus und feiere. Irgendwie ist das komisch.
Ich lasse die Fensterscheibe runter und schließe kurz die Augen. Es ist eine drückende Hitze, aber bei geschlossenen Fenstern im Auto habe ich das Gefühl, nicht atmen zu können.
Es waren aufregende Wochen. Mit Win Sheets auf Tour zu gehen, ist aufregend, aber auch anstrengend. Es ist schwierig genug Schlaf zu bekommen. Brandon‘s Freunde können 24/7 feiern, streckenweise auch nächtelang durch.
Er ist nicht ganz so. Er kann natürlich auch zwei Tage durchfeiern, aber dann brauch er auch wieder seine Ruhe. Wir ähneln uns da ziemlich.
Es ist trotzdem schön mit ihm auf Tour zu sein. Ich weiß nicht, ob man es Tour nennt, wir sind eigentlich nur in Vegas. Ich weiß nicht, wann die erste weltweite Tournee stattfinden wird oder ob sie erstmal nur in Amerika spielen wollen. Erfolg haben sie jedenfalls, das steht fest.
Und ich unterstütze ihn in jeglicher Weise. Ich versuche immer ganz vorne an der Bühne zu stehen, damit er mich sieht. Ich kann nie aufhören zu grinsen, wenn er da oben sein Ding macht. Ich denke jedes Mal, dass er genau dort hingehört und wenn ich ihm das sage, sagt er immer, dass er nur zu mir gehört. Ich werde dann immer rot. Es ist richtig nervend, dass ich dauernd rot werde.
Jedenfalls ist es genau das, was er bis an sein Lebensende machen muss.
Brandon hat direkt angemerkt, dass wir beide ein eigenes Abteil im Haus brauchen. Ein eigenes Badezimmer und auch eine eigene Küche.
Die anderen hatten nichts dagegen. Ich bin froh, dass er denselben Gedanken hatte wie ich. Ich hatte bedenken, ob ich überhaupt etwas von ihm haben werde, wenn wir unterwegs sind. Schließlich gibt es einen strikten Zeitplan und ich hatte befürchtet, dass ich nicht hineinpasse und es unserer Beziehung schaden könnte. Aber so ist es nicht.
Wir leben zwar mit den anderen im Penthouse, haben aber trotzdem unsere Ruhe. Morgens liegen wir immer lange im Bett und Nachts schlafen wir eng umschlungen als wäre das Bett fünfzig Zentimeter breit.
Manchmal nimmt er nach dem Sex auch seine Gitarre und covert einfach irgendein Lied. Letztes Mal war es Can’t help falling in love.
Ich lausche dann immer seiner Stimme und starre ihn an.
Sein Gesicht nimmt immer einen ganz besonderes Ausdruck an, wenn er singt.
Das ist schön.
Plötzlich klopft es an der Fensterscheibe. Ich zucke zusammen und stoße mir mein Knie am Lenkrad. Während ich die Stelle reibe, folge ich dem Geräusch und sehe einem Mann ins Gesicht, der mich durchs Beifahrerfenster hindurch ansieht. Es ist der, der mich die ganze Zeit angestarrt hat, während ich mit Brandon tanzte.
Ich öffne das Fenster auf der Beifahrerseite und sehe ihn an. ,, Ja?“ sage ich. ,, Hab ich dich zugeparkt oder sowas?“
Er grinst mich an und schüttelt den Kopf. ,, Äh, nein, das nicht“ sagt er. ,, Darf ich?“
Er deutet auf den Platz neben mir und noch bevor ich den Kopf schütteln kann, setzt er sich neben mich ins Auto. Er knallt die Tür zu und sieht mich an.
,, Äh, was soll das?“ frage ich. Oh Gott, bitte nicht der Nächste. Ist heute Tag des Arschlochs?
Er zuckt die Schultern. ,, Anbaggern will ich dich jedenfalls nicht“ antwortet er.
,, Würdest du dann bitte wieder aussteigen?“ sage ich.
,, Komm, ich will einfach nur in einem Auto sitzen und meine Ruhe haben. Deins hat sich gerade angeboten“ sagt er. Was für eine schlechte Anmache. ,, Ich brauche nur mal kurz Ruhe. Ich will dich nicht vögeln oder umbringen.“
Ich schlucke. ,, Jemand, der das wollen würde, würde wahrscheinlich dasselbe sagen.“
Er grinst und nickt. Anschließend hebt der den Blick und sieht mich an … Was für blaue Augen.
,, Was muss ich tun, damit ich hier bleiben kann?“ sagt er. ,, Soll ich dir irgendwas als Pfand geben, damit du das später der Polizei geben kannst?“ Ich merke wie mir kurz die Gesichtszüge entgleiten. Er mustert mich und lacht. Grübchen treten an seinen Wangen hervor.
,, Das war nicht nett“ sage ich und lache auf.
Er nickt. ,, Das stimmt“ sagt er. Er kramt in seiner Hosentasche. Jetzt kommt das Messer, schießt es mir durch den Kopf. Aber nein, er holt einfach eine Schachtel Zigaretten raus. ,, Stört es dich, wenn ich rauche?“
Ich schüttele den Kopf. ,, Nein.“
Ich beobachte, wie er sich eine rausholt und sie zwischen die Lippen schiebt. Bevor er sie sich anzündet, sieht er mich an und fragt: ,, Willst du auch eine?“
Brandon stört es, wenn ich rauche. Er mag das überhaupt nicht. Abschlagen kann ich diesem Fremden das Angebot trotzdem nicht.
Ich nicke. Er hält mir seine Schachtel hin und ich ziehe mir eine raus.
Während er sich seine anzündet, beobachte ich wie er die Augenbrauen zusammenzieht und eine Zug nimmt. Anschließend reicht er mir sein Feuer. Ich zünde sie an und gebe es ihm zurück.
Ich bin nicht abhängig oder so, aber ich genieße es wie das Nikotin in meinen Körper strömt.
So sitzen wir einfach da, während im Hintergrund immer noch She will be loved im Radio läuft.
Plötzlich hebt er die Hand und hält sie mir hin, während er die Zigarette zwischen den Lippen hält. ,, Ich bin übrigens Austin“ sagt er. ,, Austin Miller.“
Ich ergreife seine Hand. ,, Delilah Roxanne Williams“ antworte ich.
Er nickt. ,, Okay. Ein langer Name“ sagt er.
Ich nicke. ,, Aber eine Abkürzung gibt es nicht.“
Er nimmt einen Zug und starrt nach draußen. ,, Und genießt du die Party?“
Ich lache auf. ,, Oh ja“ sage ich sarkastisch. ,, Alle sehr verständnisvoll.“
,, Ah ja, sorry“ sagt er. ,, Ich hab‘s mitbekommen. Leider gibt es überall solche Arschlöcher.“
Ich nicke. ,, Ja.“
,, Und der Typ war dein Freund?“ fragt er. ,, Also der, der dir geholfen hat?“
Ich nicke. ,, Genau.“
Wir schweigen wieder. Irgendwie hat es etwas friedliches. Austin strahlt wirklich eine Ruhe aus. Das ist angenehm.
,, Wie alt bist du?“ fragt er.
,, 21“ antworte ich.
,, Dann hast du gerade dein College beendet?“ fragt er.
Ich nicke. ,, Ja“ antworte ich. ,, Ich hab Meeresbiologie studiert, aber ich weiß nicht, ob ich das fortführen will.“
,, Wieso nicht? Ist doch cool.“
, Ach ja? Hast du Ahnung?“
Er lacht. ,, Nein, das nicht, aber ich stelle es mir cool vor.“
Ich nicke. ,, Eigentlich ist es das auch“ sage ich. ,, Aber irgendwie bin ich gerade in einer komischen Phase. Ich weiß nicht so, wohin mit mir.“ Er raucht weiter, ohne den Blick von mir zu nehmen. ,, Aber wem erzähle ich das. Ich kenne dich nicht mal.“
,, Ganz richtig ist das nicht. Ich weiß schließlich wie du heißt und, dass du auf Oldtimer stehst.“
Ich lache. ,, Das Auto war ein Geschenk von meinem Grandpa“ sage ich. ,, Er hat es restaurieren lassen und mir zum Achtzehnten geschenkt. Ein Jahr später ist er gestorben.“
Wieso auch immer ich ihm das erzähle, aber was soll‘s? Ich sehe ihn sowieso nie wieder nach diesem Abend und danach hat er sowieso alles vergessen.
,, Mein Beileid“ sagt er.
,, Danke“ sage ich. ,, Und wie alt bist du?“
,, 23“ antwortet er.
,, Und du machst …?“
Er zuckt die Schultern. ,, Dies und das“ antwortet er. ,, Ich bin dabei, Musiker zu werden.“
Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. ,, Wie kann man dabei sein ein Musiker zu werden? Ich meine, entweder man ist es oder nicht. Oder?“ hake ich nach.
Er lacht. ,, Ich bin dabei ein erfolgreicher Musiker zu werden. Klingt das besser?“
Ich nicke. ,, Und welche Richtung?“ frage ich weiter.
,, Bisher Hip Hop“ antwortet er. ,, Aber ich würde gerne Alternative oder Country probieren. Ich will mich noch nicht so festlegen.“
,, Das ist schonmal ein guter Anfang, finde ich.“
Wir schweigen, während das Lied mittlerweile vorbei ist. Ich genieße seine Gesellschaft. Er hat gleichzeitig etwas selbstbewusstes, aber auch schüchternes an sich. Das ist interessant. Naja, und er ist tätowiert.
An der Hand, an den Armen und hinterm Ohr. Soweit ich zumindest sehe kann.
Ich weiß ja nicht, was unter den Klamotten steckt.
,, Was bedeuten sie?“ frage ich. ,, Deine Tattoo‘s?“
Er sieht hinab auf seine Hände. Er deutet auf die schlanken Finger seiner linken Hand und zeigt auf seinen Daumen. Quer ist in Schreibschrift etwas geschrieben, was ich nicht richtig lesen kann.
Er dreht seine Daumen zu mir, damit ich es besser sehen kann. ,, Hier steht Trust“ sagt er. ,, Weil ich immer ein Problem damit hatte, anderen oder mir selbst zu vertrauen.“
,, Wieso?“ frage. ,, Also wenn es einen Grund dafür gibt.“
Er zieht seine Hand zurück und zuckt die Schultern. ,, Wahrscheinlich liegt es an meinem Vater“ antwortet er. ,, Obwohl das irgendwie ein Klischee ist mittlerweile. Ich meine, alle geben ihren Eltern die Schuld an ihren mentalen Problemen.“
,, Und bei dir ist das nicht so?“ hake ich nach.
Er schüttelt den Kopf und schnippst seine Zigarette aus dem Fenster. ,, Nein“ sagt er. ,, Ich bin bei meinem Vater aufgewachsen. Meine Mutter ist bei meiner Geburt gestorben.“
,, Oh“ sage ich. ,, Das muss sicher schwer gewesen sein.“
Er nickt. ,, War es auch“ gibt er zurück. ,, Es ist ein Trugschluss, dass ein Junge seiner Mutter nicht braucht, sondern eher den Vater. Jeder braucht beides.“
,, Das stimmt“ sage ich. ,, Die meisten haben das aber nicht.“
,, Ja. Aber das liegt nicht an uns.“
Ich sehe ihn lange an. ,, So hatte ich das noch nicht betrachtet.“
Er erwidert meinen Blick und lächelt mich an. Seine Augen funkeln. Es ist dunkel im Wagen. Nur die Straßenlaternen leuchten zu uns herein. Es ist eine schöne Atmosphäre und es wäre auch romantisch, wenn mir in diesem Moment nicht Brandon einfallen würde.
Ich wende mich ab und nehme einen letzten Zug, bevor ich die Autotür aufmache und die Zigarette austrete. Anschließend schließe ich die Tür wieder.
,, Wieso hast du sie nicht einfach raus geschnipst?“ fragt er.
,, Die Hitze steht und es besteht eine hohe Brandgefahr“ antworte ich. ,, Ich will nicht Schuld daran sein.“
Er sieht mich lange an, während ich verwirrt die Augenbrauen zusammenziehe. Er nickt, öffnet seine Autotür und tritt seine bereits raus geschnipste Zigarette aus. Anschließend schließt er wieder die Tür hinter sich.
,, Du hättest das nicht machen müssen. Ich habe das jetzt nicht von dir erwartet.“
,, Ich weiß“ sagt er. ,, Aber du hast Recht.“
Ich lächele ihn an. In diesem Moment ertönt Seven Nations Army von White Stripes und sofort schnellt seine Hand vor und er dreht etwas lauter.
Ich sehe ihn überrascht an. ,, Du?“ sage ich.
Er lacht. ,, Ich stehe einfach drauf“ sagt er. ,, So schlimm?“
Ich schüttele den Kopf. ,, Nein“ antworte ich. ,, Aber jemand, der Rap Musik macht, hört doch meistens keine White Stripes oder? Entschuldige, vielleicht ist das auch einfach ein totales Schubladendenken.“
Er nickt. ,, Ein bisschen ist es das“ gibt er zurück. ,, Aber ich kann es nachvollziehen. Man denkt immer, dass Rapper nur Rap hören. Ich stehe eigentlich auf alles. Außer Techno und Schlager.“
Ich lache. ,, Ja, das ist grauenhaft.“
Er nickt und lehnt seinen Kopf gegen die Stütze.
Kapitel 6
Austin
Ich sehe verstohlen zu ihr rüber, während ich meinen Kopf an der Stütze anlehne. Ich dachte kurzzeitig wirklich, dass sie mich rausschmeißt, weil ich so aufdringlich bin. Diesbezüglich bin ich froh, dass sie es einfach zulässt.
Wenn unser Augenkontakt zu lang wird, sieht sie weg. Sie ist ein sehr loyaler Mensch und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie ihn nicht betrügen würde.
Nicht, dass ich es erwarte.
,, Und wieso fühlst du dich verloren?“ frage ich sie.
Sie braucht eine Weile bis sie antwortet. Sie sieht von ihren Händen auf und blickt durch die Frontscheibe. ,, Ich frage mich zur Zeit einfach, wohin der Weg gehen soll“ sagt sie. ,, Und was ich wirklich für den Rest meines Lebens machen will. Ich meine, ist es nicht irgendwie bescheuert, dass in den Zwanzigern von dir erwartet wird, zu entscheiden, was du für immer machen willst. Ich sterbe doch nicht mit dreißig, also wieso werde ich dann so unter Druck gesetzt?“
,, Du weißt nicht, ob du mit dreißig stirbst“ sage ich, um sie zum Lachen zu bringen, doch es klappt nicht. Offensichtlich belastet sie das Thema stärker als sie zeigt. Sie hat nämlich eine relaxten Gesichtsausdruck.
Sie versucht zu lächeln und starrt weiter hinaus, während ich sie mustere.
,, Und wer setzt dich unter Druck?“ frage ich weiter.
,, Meine Eltern, die Gesellschaft …“
,, Ja, aber es ist dein Leben“ sage ich. ,, Du musst damit leben können. Für dich muss es okay sein, jeden Tag in irgendeiner Firma zu arbeiten. Nicht für die, mit denen du Kontakt hast. Die Einstellung solltest du ändern.“
Sie sieht mich an und lächelt sanft. ,, Das ist manchmal schwieriger als es klingt.“
Ich nicke. ,, Ich weiß“ sage ich. ,, Aber was würdest du missen, wenn du jetzt sterben würdest? Wärst du glücklich?“
,, Ist das jetzt ein Wink mit dem Zaunpfahl?“ sagt sie. Ich lache. ,, Bist du doch ein Mörder?“
,, Erwischt“ sage ich. Sie lacht. Das schönste Lachen überhaupt und ich sehe sie dabei grinsend an.
Wir werden wieder ernster und ich sehe ihr an, dass sie über das nachdenkt, was ich gesagt habe. ,, Ich wäre glücklich“ sagt sie. ,, Ich würde nichts anders machen.“
,, Da hast du‘s.“
Ich spüre ihren Blick auf mir, während ich mir noch eine Kippe rausfische und ihr meine Schachtel wortlos reiche. Sie ergreift sie und folgt meiner Einladung.
Es ist einfach toll hier mit ihr zu sitzen und über alles mögliche zu sprechen.
,, Du bist wirklich die beste Autobekanntschaft, die ich je hatte“ sagt sie, nachdem sie sich die Zigarette angezündet hat. ,, Und die erste.“
Ich grinse sie an. ,, Du auch.“
Wir reden lange so weiter und ich schwöre, dass wir zwei Stunden in diesem Wagen sitzen. Die Zeit vergeht jedoch wie im Flug. Als würde sie gegen uns rennen und gewinnen. Ich will nicht, dass dieser Abend endet.
Als mein Handy brummt, fische ich es raus und lese:
Bryce. Schnee. Kuscheln.
Fuck.
Ich schiebe mein Handy in meine Tasche und sehe sie an.
,, Ich würde mir gerne noch Anekdoten über deine Kindheit anhören und ganz ehrlich, ich stehe jetzt schon voll auf deinen Grandpa“ sage ich. ,, Aber ein Freund von mir stürzt da drin gerade ziemlich ab und ich sollte reingehen.“
Sie nickt. ,, Ich komme mit“ sagt sie. ,, Dann kann ich Brandon vielleicht überreden nach Hause zu gehen.“
,, Du nennst ein Hotel dein Zuhause?“
Sie lacht. ,, Wie soll ich es sonst nennen.“
,, Hotel.“
Sie haut mir spielerisch auf den Arm und steigt aus. Ich folge ihr und warte bis sie um den Wagen herumgegangen ist, damit wir gemeinsam zum Haus laufen können.
Ich versuche, mir nichts anmerken zu lassen, aber es fuckt mich ab, dass Bryce es nicht auf die Reihe kriegt die Finger von Kokain zu lassen. Er macht einen Entzug nach dem anderen, ohne jemals in eine Klinik gehen zu wollen, aber fängt jedes Mal nach spätestens drei Monaten wieder an.
Und jetzt prügelt er sich auch noch mit irgendeinem armen Schlucker.
Ich würde lieber noch länger mit Delilah im Auto sitzen, statt mich jetzt um meinen Kokskopf von Freund zu kümmern.
Ich bleibe stehen, damit sie vor mir durch die Tür gegen kann. Zum Teil, weil ich ein Gentleman bin und zum Teil damit ich auf ihren Arsch gucken kann.
Sie blickt sich direkt suchend um und sieht nach links an den Getränken vorbei zur Küche. Ich folge ihrem Blick und verstehe, wieso sie so erschrocken guckt.
Ihr Freund ist derjenige, der sich mit Bryce prügelt.
Sie geht sofort auf die beiden zu, doch ich überhole sie, damit sie nicht verletzt wird, und versuche Bryce zu packen, der am lachen ist. Das ist das Koks.
Ich packe diesen Brandon also an seiner schwarzen Jacke und ziehe ihn zurück.
Er knallt gegen den Kühlschrank, wodurch die Glasflaschen lange nicht aufhören können zu klappern und sieht japsend von Bryce zu mir.
Er schubst mich zurück, damit ich ihn loslasse, geht jedoch nicht nochmal auf Bryce los. Er rauft sich das Haar und ich bemerke das Blut an seinem Handrücken.
Sein Blick gleitet suchend durch den Raum und bleibt an Delilah hängen, die hinter mir steht. Als sich ihre Blicke treffen, geht sie an mir vorbei zu ihm. Er schlingt sofort selbstverständlich die Arme um sich und sie legt ihre Hände wieder an seine Brust. Wieso tut sie das andauernd? Das macht mich irgendwie wahnsinnig.
Ich wende mich also ab und gehe zu Bryce. Sein Gesicht ist blutüberströmt.
Brandon sieht nicht gerade raus wie The Rock, aber er hat einen guten rechten Haken. Bryce wird ewig so aussehen.
Auch wenn ich mich auf meinen Kumpel konzentrieren sollte, spüre ich ihre Anwesenheit in jeder Phase meines Körpers.
Kapitel 7
Brandon
Ich lehne an der Theke und trinke mein Bier. Timmy erzählt irgendetwas über irgendeine Party auf der er gestern noch war, nachdem Delilah und ich nach Hause gefahren waren.
Ich kann wirklich nicht fassen auf was für Ideen er immer kommt. Eine Matratze in eine volle Badewanne zu legen, nur weil die Beschichtung ihm zu hart für seinen überaus wichtigen Rücken ist, ist absolut bescheuert.
Wer macht sowas?
Während alle um uns herum lachen, schmunzele ich gelegentlich.
Ich nehme mir vor, gleich mal zu Delilah zu gehen. Ich versuche dauernd, mich von den anderen loszureißen, aber sie halten mich dauernd auf, wodurch ich mein Mädchen warten lasse, ohne es zu wollen.
Plötzlich läuft ein kleiner Typ an uns vorbei und wirft mir einen grinsend gehässigen Blick zu. Keine Ahnung, was mit dem los ist, aber solche Blicke muss man sich wohl sein Leben lang gefallen lassen.
,, Hast du ein Problem?“ wirft ihm Timmy plötzlich hinterher.
Ich stöhne. Er kann einer Schlägerei nie aus dem Weg gehen.
,, Ich weiß nicht“ antwortet dieser Typ. ,, Fragen wir doch mal dich, du arroganter Scheißkerl.“ Damit meint er mich. Ich versuche wirklich nicht zu lachen, aber es klappt nicht. Die anderen um mich herum übertönen mich sowieso. ,, Du mit deiner fucking Band. Ihr habt die ganzen Platten wahrscheinlich selbst gekauft, um auf zehn Millionen zu kommen.“
Ich wusste gar nicht, dass wir so viele verkauft haben. Aber unser neuer Manager hier hat wohl mehr Ahnung als ich.
,, Was willst‘n du eigentlich, Frodo?“ schießt Timmy an mir vorbei. ,, Geh mal wieder deine Pilze sammeln, solltest du ja immer sehen können bei deiner Größe.“
Ich lache. Mit allen anderen, die in diesem Raum sind.
Der kleine wird ungeheuer rot im Gesicht und starrt mich an als ob ich derjenige wäre, der das gesagt hat. Ich wende mich ab, um mir noch ein Bier zu holen.
Das wird mir nun wirklich zu dumm. Wenn er sich prügeln will, soll er es bei jemand anderem versuchen.
,, Wenigstens ist mein Schwanz groß genug, um Delilah abzuschleppen“ sagt er. Ich bleibe abrupt stehen. Fuck, hat er das gerade ernsthaft gesagt? Ich brauche gerade wirklich sehr viel Selbstbeherrschung, um ihm nicht eine reinzuhauen.
,, Ach, halt‘s Maul“ sagt Timmy an mir vorbei.
,, Wahrscheinlich wünscht sie sich nichts anderes, so wie sie sich bewegt“ sagt er. Ich balle die Hand zu Faust und konzentriere mich darauf zu atmen. ,, Mal einen richtigen Mann in sich zu haben.“ Ich drehe mich langsam zu ihm um. ,, Ich meine, wer würde sie nicht gerne ficken? Ich würde es ihr so hart besorgen, dieser kleinen Schlampe -“
Ich ramme ihm meine Faust so hart gegen den Kiefer, dass er direkt zu Boden geht. Ich beuge mich über ihn und schlage weiter zu.
Jeder einzelne Schlag, ist jedes einzelne Bild das ich vorhin noch im Kopf hatte, bevor ich auf diese scheiß Party gekommen bin.
So eine Scheiße darf niemand über mein Mädchen sagen.
Tommy versucht, mich von ihm zu ziehen, doch ich schubse ihn weg. Ich bin wie im Wahn.
Als meine Hand blutig genug ist, stehe ich auf und lasse ihn einfach liegen. Ich wische meine Hand an der Jacke ab und will gerade raus zu Delilah gehen als ich diesen Idioten immer noch reden höre.
,, Komm schon, wir wissen doch alle, dass sie nicht bei dir bleiben wird. Sie ist eine Frau, die bleiben nie. Früher oder später wird sie mit jemandem ficken, der reicher ist als du“ sagt er rau und wischt sich das Blut aus dem Gesicht, verwischt es aber nur noch mehr. ,, Ich werde sie irgendwann ficken bis sie deinen Namen nicht mehr weiß.“
Ich ziehe ihn am Kragen hoch. ,, Was ist dein scheiß Problem, he?“ schreie ich ihm ins Gesicht.
,, Dass du sie fickst und nicht ich“ antwortet er. Er rammt mir seine Faust ins Gesicht und ich taumele zurück. Während er versucht, sich das Blut aus dem Auge zu wischen, verliere ich keine Zeit und schlage ihn.
Diesmal lässt er es nicht über sich ergehen. Wir prügeln uns durch die ganze Küche. Er schmeißt mich gegen den Spiegel, der sofort zersplittert, während ich ihn mit all meiner Kraft gegen alles stoße, was ihm Schmerzen bereiten könnte.
Plötzlich reißt mich jemand von ihm runter und stößt mich gegen den Kühlschrank.
Es ist dieser Typ mit seinem Whiskey. Er drückt mich an der Brust zurück und hält mich davon ab, wieder auf Frodo loszugehen.
Ich schubse ihn zurück, damit er mich loslässt und habe jetzt wirklich nur einen Gedanken. Ich lasse meinen Blick über alle Köpfe gleiten, kann sie jedoch nicht entdecken.
Ich versuche, mich zu beruhigen. Dieser dumme Penner.
Ich kann es ja ertragen, wenn er mir erzählt wie scheiße meine Band ist und die Musik, die ich mache. Das ist okay für mich, weil es mich nicht juckt, was so ein Junkie denkt.
Als ich an ihm vorbeisehe, trifft ihr Blick auf meinen. Ich sehe Angst. Sie hat mich so noch nie erlebt und ich wollte auch nie, dass es so kommt.
Sie schiebt diesen Whiskey-Typen beiseite und kommt auf mich zu. Ich ziehe sie sofort an mich und sie legt ihre Hände auf meine Brust.
Ich weiß noch als ich einen schlimmen Albtraum hatte und in der Nacht hochgeschreckt bin. Ich weiß nicht mehr, worum es ging. Sie ihre Hände an meine Brust gelegt. Ich habe ihr gesagt, wie sehr es mich beruhigt. Es fühlte sich so an als würde sie versuchen meine Atmung zu regulieren. Seitdem macht sie das immer, wenn ich aufgebracht bin.
Ich wische schnell das Blut an meiner Hose ab, damit sie es nicht sieht.
Sie blickt fragend zu mir auf, doch ich ziehe sie einfach an mich. Ich vergrabe mein Gesicht in ihrem Haar und atme den Duft von Vanille ein.
,, Was ist passiert?“ fragt sie. Ich schüttele den Kopf. Ich will jetzt nicht darüber reden. Sie streichelt über meinen Rücken. ,, Wollen wir nach Hause fahren?“
Ich nicke an ihren Hals.
Sie löst sich von mir und greift nach meiner Hand. Sie zieht mich hinter sich her.
Wir gehen an Frodo und dem Whiskey Typen vorbei. Mir entgeht nicht, wie er sie ansieht.
Kapitel 8
Delilah
Auf der Fahrt nach Hause oder ins Hotel, wie Austin meinte, sitzt er neben mir und versucht, sich das getrocknete Blut von der Hand zu wischen.
Ich sehe ihn an, doch er schweigt.
,, Sagst du mir jetzt, was passiert ist?“
Es hat mich einfach erschrocken, ihn so zu sehen. Er hat sich noch nie geprügelt. Eine reingehauen, ja, aber richtig schlimm prügeln? Nein, in den zwei Jahren Beziehung habe ich ihn nie so erlebt. Es muss also etwas unangenehmes vorgefallen sein. Brandon flippt nicht leicht aus. Er hat seine Prinzipien zu denen er steht, aber er ist kein Schläger.
,, Er hat gesagt, dass er dich vögeln will“ sagt er. Mein Herz zieht sich zusammen. Wie widerlich. ,, Und dass du nicht mehr lange bei mir bleiben wirst, wenn du erstmal merkst, dass es reichere Typen gibt als mich.“
Ich schüttele den Kopf. ,, Dieser Schlumpf“ sage ich sauer. Er lacht neben mir und greift nach meiner Hand. ,, Der war wahrscheinlich einfach nur betrunken. Du hättest dir das nicht zu Nahe nehmen sollen.“
,, Er hätte das nicht sagen sollen“ widerspricht er.
,, Das auch“ sage ich. ,, Aber wieso lässt du dich nur provozieren? Du weißt doch ganz genau, dass ich dich niemals betrügen würde. Ich liebe dich und das ist nichts, was ich einfach abschalten kann.“ Er streicht mit seinem Daumen über meinen Handrücken. ,, Und niemand außer du kann mit mir allein dieser Berührung die Nerven rauben.“
Als wir an der Ampel halten, sehe ich ihn an.
Ich erwidere seinen Blick und als mir aufgefallen ist, dass er mich die ganze Zeit beobachtet hat, werde ich wieder rot.
Er lehnt sich zu mir und seine Haare berühren meine Stirn. Ich rieche seinen Atem, der nach Bier riecht, doch das stört mich nicht.
Seine Lippen gleiten über meine Wange und küssen mich. Küssen mich hinab zu meinen Lippen auf denen sie lange verharren. Ich lasse meine Hände in sein Haar gleiten und ziehe ihn an mich. Er stöhnt in meinen Mund.
Seine Hände gleiten zu meiner Hüfte hinunter zu meinen Beinen.
Und plötzlich hupt es. Ich zucke zusammen und stoße mich am Lenkrad. Zum zweiten Mal heute.
Er lehnt sich zurück und stöhnt. Es hupt schon wieder. Er dreht sich genervt um. ,, Diese Spinner.“
Ich starte das Auto und fahre los, doch in diesem Moment überholt uns der Wagen. Als er an uns vorbeifährt, wird er langsamer und ich erkenne Austin am Steuer. Und diesen kleinen Mann neben ihm. Er hält den Mittelfinger hoch und sieht an mir vorbei zu Brandon.
,, Was für eine Null“ sage ich und sehe zu Brandon. Er sieht an mir vorbei ins andere Auto und greift nach meiner Hand.
,, Du sagst es.“
Sie fahren vorbei und ich folge ihnen mit etwas Abstand. Ich stelle das Radio etwas lauter, um Mazzy Star zuzuhören und betrachte die Straßen, die absolut nicht leer sind. Ich versuche, mich von den leuchtenden Reklametafeln und Lichtern der Gebäude nicht ablenken zu lassen. Ich drücke ein bisschen aufs Gas und lasse den kühlen Wind durch mein Haar flattern. Es tut so gut.
,, Wieso starrt dich dieser Typ eigentlich immer so an?“ fragt er plötzlich.
,, Weil er dich provozieren will“ antworte ich.
,, Ich meine den anderen“ sagt er. ,, Der am Steuer saß.“
,, Du meinst Austin?“ sage ich.
,, Du kennst ihn?“ fragt er und sieht mich verwundert an.
,, Aber erst seit heute“ erzähle ich. ,, Als ich mich draußen ins Auto gesetzt habe, ist er eingestiegen und wir haben ein bisschen gequatscht.“
,, Aber er hat dich nicht angebaggert?“ hakt er nach.
Ich lache auf. ,, Gott, nein“ sage ich. ,, Das habe ich ihn auch gefragt und er hat nein gesagt.“
Er streicht wieder mit dem Daumen über meine Hand. ,, Männer sind nicht einfach grundlos nett zu Frauen“ sagt er.
Ich verdrehe die Augen und sage nichts dazu. Er rollt das Thema auch nicht nochmal auf.
Er drückt meine Hand, führt sie zu seinen Lippen und küsst meinen Handrücken. Ich sehe ihm an, dass ich ihm seine Last genommen habe und lächele vor mich hin.
Er wechselt den Sender, dreht die Musik auf. Ich hätte das Lied wirklich gerne noch gehört, doch Brandon ist etwas penibel, was Musik, während einer Autofahrt betrifft. Es muss immer etwas laufen, was ihm gefällt.
So fahren wir weiter.
Kapitel 9
Brandon
Ich küsse sie. Überall. Und schiebe sie zum Fahrstuhl.
