Löwenjagd und Rock 'n' Roll - Inge Hirschmann - E-Book

Löwenjagd und Rock 'n' Roll E-Book

Inge Hirschmann

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Beschreibung

Kreuzfahrt ins Chaos Frühsommer 2014: Der untergetauchte Expolizist Adam Asbeck hat auf der »Magic Symphony« eine neue Heimat gefunden. Eine Metal Cruise startet Richtung Portugal, das Publikum ist jung und laut, ebenso die Bands. Adam lernt sogar den Rocksänger Cinzio Pardi kennen, mit dem er ständig verwechselt wird. Doch ausgerechnet der muss vor einem fiesen Killer geschützt werden. Adams Onkel Max seinerseits kämpft nicht nur mit seiner Abneigung gegen Rockmusik, sondern auch mit den Geistern der Vergangenheit. Als plötzlich ein kaum vorstellbarer Angriff droht, scheint nur noch Adams Listenreichtum das Leben tausender Menschen retten zu können. Packende Reise in ein haarsträubendes Abenteuer.

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Seitenzahl: 352

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Inge Hirschmann

Löwenjagd und Rock 'n' Roll

Schiffskrimi

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Nachwort: Wie ich Karl Holzinger begegnet bin

Danksagung

Impressum neobooks

Kapitel 1

Löwenjagd und Rock ′n′ Roll

Schiffskrimi

Inge Hirschmann

Impressum

Texte: © Copyright by Inge HirschmannUmschlag: © Copyright by Inge HirschmannVerlag: Karl Pritzl oHG,

Wolfgang und Inge Hirschmann

Hauptstraße 1494086 Bad [email protected]

Druck: epubli, ein Service der

neopubli GmbH, Berlin

Printed in Germany

Die Mitwirkenden

Sicherheitsdienst:

Edmund Sandtner: Teamleiter

Adam Asbeck: sein heimlicher Stellvertreter

Jochen Kornreder: Adams bester Freund

Max Leitner: Kriminaler im Ruhestand

Frank Marek: Sprachgenie

Jonas Hauser: liebt Bits und Bytes

Alice LeBecq: Jochens Freundin

Hilda Weber: wehrhafte Dame

Otto Jensen: ein gutmütiger Schrank

Jupp Luckner

und zwölf weitere

Sonstige Besatzungsmitglieder:

Rudolf Klopstock: Kapitän

Heiko Larson: Erster Offizier

Dr. Robert Baumann: der neue Schiffsarzt

Ellen Vermeer: Adams Freundin, Krankenschwester

Ferdinand Moss: Quartiermeister/Hoteldirektor

Eduardo: Friseur

Salvo: Barkeeper

Passagiere:

Cinzio Pardi: italienischer Sänger

Dario: Cinzios Begleitband

Peter Mersmann: Apotheker und Pechvogel

Ungebetene Gäste, gefährlicher als ihre Namen:

Francisco el Carnicero: Schlachter und Bäcker

Mikel Arana Martillo: Schmalspurterrorist

Josu: schießwütiger Finsterling

sowie neun weitere fragwürdige Charaktere

In Hallerbach:

Alex Starnecker: Kriminalhauptmeister

Linda Baumann: seine Nichte, Amateurdetektivin

Frank Schwarz: Lindas Freund, Totengräbergehilfe

Fritz Massinger: der Postwirt

Noch zeigte sich der Frühsommer des Jahres 2014 selbst im meist regnerischen Hamburg von seiner besten Seite und verhieß für die bevorstehende vierwöchige Reise nur Gutes, während sich in südlicheren Gefilden bereits eine unwillkommene Hitzewelle anbahnte. Einerlei, auf dem Meer wehte immer eine kühlende Brise. Und die Getränkelager des mittelgroßen Kreuzfahrtschiffes »Magic Symphony« waren bis zum Bersten gefüllt.

Max Leitner war buchstäblich auf den letzten Drücker angereist: Er hatte zu Hause eine Menge zu erledigen gehabt. Adam Asbeck hingegen, sein heimlicher Neffe, hatte schon anderthalb Tage konzentrierter Arbeit hiner sich. Sein Vorgesetzter an Bord, der Sicherheitschef Edmund Sandtner, hatte ihn dazu abkommandiert, gemeinsam mit dem Quartiermeister die Passagierlisten durchzukämmen und alle zu erwartenden Gäste, soweit möglich, auf Herz und Nieren zu prüfen.

»Da können Sie mal sehen, Asbeck, wie Ferdinand Moss arbeitet«, prahlte Sandtner. »Er ist unser absoluter Spezialist, was zwischenmenschliche Beziehungen betrifft. Sogar Beziehungen zwischen Menschen, die noch gar nichts davon wissen, dass sie diese Beziehungen eingehen werden.«

Gemeint war hier in erster Linie die Tischverteilung in den beiden Hauptrestaurants, wo die Vollpension zuzahlungsfrei genossen werden konnte - allerdings um den Preis, sein üppiges Mahl zusammen mit sieben anderen Menschen einzunehmen. Die meisten Tische waren hier auf acht Personen ausgelegt, und es erforderte immer wieder aufs Neue das bewundernswert treffsichere Näschen des Quartiermeisters, die richtigen Leute zusammenzusetzen.

Hauptsächlich, so lernte Adam schon in den ersten Stunden, sortierte er sie nach Interessengruppen und, soweit sich das mithilfe sozialer Medien und diverser persönlicher Homepages herausfinden ließ, nach Bildungsstand. Apotheker und Physiotherapeuten setzte er zu Ärzten, Lehrer zu ihresgleichen oder zu Logopäden und Erziehern, selbstständige Unternehmer wurden zusammensortiert, wenn möglich, nach Art des Gewerbes, das würde ihnen Gelegenheit geben, sich sozusagen gegenseitig zu befruchten - außer, sie kamen aus derselben Stadt, dann eher nicht, weil hier Konkurrenzsituationen drohten und keinesfalls einer der anderen würde befruchten wollen.

Um dieses Basiswissen zu erwerben, nutzte er alle nur erdenklichen Informationsquellen bis hin zu den Gelben Seiten der jeweiligen Wohnorte. Meistens lag Moss mit seiner Vorgehensweise richtig, auch wenn es, wie die letzte Fahrt gezeigt hatte, leider selbst seine beachtlichen Talente überforderte, Mörder vor der Zeit herauszufiltern. Oder Kindesentführer. Aber alles konnte nicht einmal der tüchtige, ja begnadete Quartiermeister der »Magic Symphony« vorhersehen, sonst hätte der Sicherheitsdienst an Bord ein eher brotloses Schattendasein gefristet.

Für normale zwischenmenschliche Komplikationen hingegen war er hervorragend gerüstet. Ja, es kam sogar vor, dass er beim Einchecken der Passagiere die Tischbesetzung noch schnell umsortierte - hierfür genügten ihm ein paar Worte Small-Talk mit den betreffenden Gästen. Und für besonders gravierende Fälle von Soziopathen - die eigentlich auf einem Kreuzfahrtschiff nichts zu suchen hatten, wenn sie nicht die Mittel für eine Butler-Suite zur Verfügung hatten - hielt er eine begrenzte Anzahl Zweier- oder sogar Einzeltische in separaten Nischen bereit. Alles zum Vollpensions-Büffett-Preis.

Nun, dieses Mal hatte es den Anschein, als würde er seine besonderen Fähigkeiten nicht wirklich beweisen können. Dafür nämlich war das Publikum zu homogen. Auf der einen Seite die Rockbands, die sich sowieso alle untereinander kennen würden, und auf der anderen deren Fans. Auch wenn es in der Welt der Metal-Musik so viele verschiedene Untergruppen gab wie in allen anderen Bereichen der Kunst, war doch nicht zu erwarten, dass sich Goth-Metaller mit den Anhängern der Symphonic-Richtung prügeln würden. Oder Progressiv-Rocker mit Film-Score-Metallern oder den Märchenonkels, die sich damit befassten, die Gebrüder Grimm zu vertonen oder Drachen-Prinzessinnen-Druiden-Epen auf die Musikbühne zu zaubern. Rockfans waren keine Fußballvereine und die Bands keine gegnerischen Mannschaften. Allüberall gab es Überschneidungen in der Stilrichtung, man half sich gegenseitig mit Keyboardern, Bassisten und Sängern aus, wenn mal Not am Mann war und einer sangesunfähig an der Grippe laborierte.

Ja, schon richtig, Kunst: Es würde niemandem geraten sein, diesen Begriff gegenüber Adam Asbeck ins Ironische zu ziehen. Der nämlich war ein rechter Metal-Head. Schließlich war er mit Alan Parsons Project, Pink Floyd und den Scorpions aufgewachsen. Im Prinzip mochte er alles, was auch eine eingängige Grundmelodie aufzubieten hatte, und so war nicht verwunderlich, dass er schwerpunktmäßig den Italienern in der Branche zugeneigt war.

Schade nur, dass seine Lieblingsband »Vision Divine« aus Pisa nicht auf der Gästeliste stand - und überhaupt so gar keine Italiener. Zur Not hätte er auch mit »Rhapsody« Vorlieb genommen oder mit »Trick or Treat«.

Im Gegensatz zu den üblichen Varieté-Künstlern, die als vorübergehende Angestellte der Reederei im Dienstbotenbereich verköstigt und untergebracht waren, wurden die Musiker, die das Schiff jetzt gleich an Bord nehmen würde, wie Passagiere behandelt. Der gesamte Hotelbereich war an einen Event-Manager untervermietet, dessen Aufgabe es war, Fans und Künstler zusammenzubringen. Diese schien er recht gut gelöst zu haben, zumindest, was die Auswahl der Bands betraf. Adam entdeckte eine Vielzahl bekannter Namen, die praktisch alle Bereiche dieser Musikrichtung abdeckten: von Symphonic Power Metal über die mehr soulige Richtung bis hin zu den ganz wilden und verruchten Death- und Gothic-Metallern. Die auch oft nur so taten, um des lieben Broterwerbs willen. Von Alice Cooper, keinem Geringeren, wurde sogar gemunkelt, dass er daheim im Kirchenchor sang.

»Verrätst du mir dein Geheimnis, Ferdinand?«, fragte Adam den Quartiermeister, bei dem er gerade in die Lehre gehen durfte. »Wie kriegst du es hin, dass sich die Tischgemeinschaften nie gegenseitig an die Gurgel gehen?«

»Ach, Adam«, der Mann in den späten Vierzigern, der sich anderen gegenüber nie anmerken ließ, dass er als Hoteldirektor dieses Schiffes eigentlich ein ganz hohes Tier an Bord war, lächelte bescheiden, wie es seine Art war, »das ist doch in der heutigen Zeit keine große Kunst mehr. Wo zumindest unter den Jüngeren so ziemlich jeder eine eigene Facebook-Seite hat. Ich schaue mir an, wie stark und mit wem sie vernetzt sind, und den Beruf krieg ich über die Kreditkarte raus. Bei der Schufa frage ich sowieso immer nach, weil die Bordkarte als internes Zahlungsmittel ja an die Kreditkarte gekoppelt werden muss, damit es zu keinen Zahlungsausfällen kommt.«

»Und bei problematischen Kunden -?«

»Sind wir eben überbucht«, erklärte Moss und strich sich zufrieden über seinen autoreifenförmigen dunklen Bart, der so dicht war wie seine hohe Stirn gelichtet.

Adam mochte ihn sehr gern. Nicht zuletzt, weil Moss sich mit ihm auf gleicher Augenhöhe unterhielt, obwohl er als einfacher Sicherheitsmann doch eher ein kleines Rädchen im Getriebe des Siebzehnhundert-Betten-Schiffes mit neunhundert Mann Besatzung war. Kürzlich begangene Heldentaten hin oder her.

Ja gut, er hatte ein entführtes Mädchen befreit und zusammen mit Max und Ellen den Mäusemörder dingfest gemacht, das würde ihm schon einen gewissen Nimbus beschert haben. Auch stand er in dem Ruf, ein guter Teamplayer zu sein, obschon mit Führungsqualitäten. Was kein Wunder war, wenn man sein Vorleben bedachte: Bis vor einem halben Jahr war er Leiter eines kleinen Polizeireviers in einer durchaus problematischen Grenzregion Nordbayerns gewesen.

Aber dieses Vorleben war geheim, weil es kein gutes Ende genommen hatte. Und Adams Vita infolgedessen dringend einen Systemneustart gebraucht hatte. Wenn man der Russenmafia so kolossal eins ausgewischt und ihr Geschäftsmodell versaut hatte wie er, war es ratsam, Namen und Beruf zu wechseln und den ständigen Wohnsitz auf ein Schiff mit schlagkräftiger Sicherheitstruppe zu verlegen.

Max Leitner, der mit ihm den Mäusemörder gefangen hatte, war sein Onkel, sein einziger noch lebender Verwandter. Aber das wusste hier niemand. Außer Ellen, die an der Verbrecherhatz ebenfalls beteiligt gewesen war. Seine neue Freundin, die Bordkrankenschwester und ein richtig patentes Mädel, das ihn, der sich nach seinen schlechten Erfahrungen der Vergangenheit nicht unbedingt als Frauenversteher gesehen hatte, im Sturm erobert hatte. Während er baldmöglichst an Bord gegangen war, sobald die »Symphony« ihre Landungsbrücke für die Besatzung öffnete, weil er in Hamburg nur eine winzige möblierte Bude sein Eigen nannte, um überhaupt den Anschein von festem Wohnsitz zu erwecken, war sie in Amsterdam gewesen bei ihren Eltern. Und Max, sein heimlicher Onkel, hatte die Zeit, die das Schiff nach fast sechs Monaten auf See zur Überholung in einem Trockendock verbracht hatte, genutzt, um der alten Heimat einen Besuch abzustatten. Adam hatte Blut und Wasser geschwitzt, aus Angst, Max könnte sich dort verplappern, und die ganze Anstrengung mit dem Zeugenschutzprogramm, das sein Neffe auf die Schnelle zusammengestopselt hatte, um sie beide aus der Schusslinie zu bringen, könnte für die Katz gewesen sein.

Für die Menschen in seiner Heimat Hallerbach war er tot, ertrunken in der Donau. Was sollte ein Polizist, der einen mafiösen Autoschieberring hatte auffliegen lassen, sonst noch für Alternativen sehen als den Freitod?

Außer, man war mit einer so kreativen Fantasie begabt wie Adam, der in Wahrheit Karl hieß. Karl Holzinger. Aber unter seinem alten und wirklichen Namen stand er seit dem Spätsommer 2013 - seit einem guten halben Jahr

also - im Sterberegister der Gemeinde Hallerbach. Adam war an Bord gegangen, sowie die »Magic Symphony« ihre Gangway für die Besatzung geöffnet hatte. Der Aufenthalt in seiner winzigen möblierten Bude war sterbenslangweilig gewesen. Aber er hatte auch keine Lust gehabt, wegen der vier Wochen, die das Schiff zur Generalüberholung im Trockendock verbracht hatte, etwas Größeres zu suchen. Obwohl er an Bord sehr gut verdiente, musste er mit seinen Mitteln haushalten: Die Pensionsberechtigung war futsch.

Die Wohnungsfrage würde er vielleicht angehen müssen, wenn diese Kreuzfahrt vorbei wäre. Oder auch nicht. Er wusste nicht genau, wie groß die Wohnung sein sollte. Seine Beziehung zu Ellen, der tüchtigen Krankenschwester vom Bordhospital, dümpelte dahin, viel zu gemächlich eigentlich, aber keiner von beiden Partnern wollte den anderen überfordern, so schien es. Ellen schien genauso viel Angst vor einer festen Beziehung zu haben wie er, das gebrannte Kind.

Adam war sich in der Zeit, wo sie fort war, ein wenig abgenabelt vorgekommen, andererseits aber auch irgendwie befreit. Insbesondere Letzteres fühlte sich nicht richtig an. War er etwa ein hoffnungsloser Fall, was feste Beziehungen anging? Früher einmal hatte er bei einer solchen viel Lehrgeld bezahlt.

»Hast du daheim alles erledigen können, Onkel Max?«, fragte er jetzt.

»Ja, aber terminlich war es Millimeterarbeit! Nicht ganz einfach, das Nachlassgericht davon zu überzeugen, dass es auf einmal pressiert mit dem Erbschein, obwohl man davor ein halbes Jahr nicht erreichbar gewesen ist... Wie auch immer, jetzt bist du als Karl Holzinger offiziell für tot erklärt, ich habe dich beerbt und deine Angelegenheiten in Ordnung gebracht, soweit das in der kurzen Zeit möglich war. Ich hab auch dein Haus ausgeräumt und zur Vermietung an die örtliche Sparkasse übergeben. Die Makler hauen immer die bestmögliche Miete raus, weil sie daran prozentual beteiligt sind. Die haben gemeint, das Objekt dürfte schnell weggehen, weil die Lage so einmalig ist und es eine ziemlich neue Zentralheizung hat. Die hätten es auch lieber gesehen, wenn ich verkauft hätte, aber ich hab mich strikt an deine Anweisungen gehalten. - Gut übrigens, dass du daran gedacht hast, das Wasser aus allen Leitungen abzulassen, ehe du untergetaucht bist. War ein harter Winter da unten, das hätte Rohrbrüche ohne Ende gegeben. Persönliche Wertgegenstände hab ich auch keine mehr gefunden.«

»Nein, alles, was mir am Herzen liegt, habe ich in Regensburg in einem Schließfach eingelagert. Mein Sparschwein, Fotos von Mama...«

Max kraulte sich das stiftelkurze Haupthaar. Er hatte sichtlich etwas auf dem Herzen. Und da war es: »Du hast wirklich an alles gedacht. - Jetzt sind's nur noch viereinhalb Jahre, bis deine Sache verjährt ist. Meinst du, du gehst dann wieder zurück nach Hallerbach?«

»Schwierige Frage! Eigentlich verbindet mich nichts mit diesem Kaff. Nur oberflächliche Freundschaften...«

»Du, so oberflächlich auch nicht. Deine Kollegen, die trauern wirklich um dich. Das hat mich ganz schön berührt, muss ich sagen.«

»Eben, darum auch: Was meinst du, wie die Stimmung gleich umschlagen würde, wenn sie wüssten, dass alles nur Theater war?«

»Aber das muss doch ein jeder verstehen - dass dein Leben keinen Pfifferling mehr wert gewesen wäre, wenn du dageblieben wärst - nicht, nachdem du den Paten vom Bayerwald ans Messer geliefert hast!«

»A propos Pate: Irgendwelche mafiösen Verwicklungen? Hat dich einer von denen behelligt?«

»Nein, seltsamerweise nicht, obwohl ich darauf gefasst gewesen wäre. Aber die scheinen alle wie vom Erdboden verschluckt. Was die Polizei nicht erwischt hat nach deinem Abgang - und da hat's wirklich große Razzien gegeben, sag ich dir - hat anscheinend schnellstens das Weite gesucht.«

»Sitzt Swetlana auch im Bau?« Die schöne Ehefrau des Paten, die mit ihren familiären Beziehungen zur Moskauer Unterwelt dessen florierende Betrugsgeschäfte überhaupt erst ins Rollen gebracht hatte.

»Nein, der hat man scheint's nichts nachweisen können. Aber das Autohaus ist pleite gegangen, danach hat man sie nicht mehr gesehen. Ist wohl zurück nach Russland.«

Die Wurzeln dieser Geschichte reichten weit in die Vergangenheit zurück. Da war Adam Asbeck noch Karl Holzinger gewesen, ein aufstrebender Polizeibeamter, leider mit einem dunkeln Geheimnis. Nach einer ebenso kostspieligen wie schmerzlichen Affäre mit einer Dame aus dem Rotlichtmilieu war er aufgrund drückender Schulden in die Abhängigkeit von Joachim Rapp geraten, der in dem grenznahen Bayerwaldmarkt ein florierendes Geschäft mit Autoschiebereien betrieben und wie eine Spinne im Zentrum diverser grenzübergreifender krimineller Geschäfte gesessen hatte.

Jahrelang hatte Karl weggeschaut und dafür von Rapp ein regelmäßiges Salär bezogen, das ihm erlaubt hatte, seine Schulden abzustottern. Als aber auf einmal Mord ins Spiel kam, hatte er die Notbremse gezogen, ein umfangreiches Geständnis hinterlassen, das Rapp und seine Hintermänner für viele Jahre hinter Gitter bringen würde, und war untergetaucht.

In Hallerbach glaubte man, in der Donau.

Und ja, diese schmerzliche Affäre mit der Prostituierten, die ihn Rapp in die Hände getrieben hatte, schien der Grund dafür zu sein, dass er seither Schwierigkeiten mit Beziehungen zu Frauen hatte. Oder sich das zumindest selber einredete.

Max Leitner mochte Ellen gern. Sie hatte das Herz am rechten Fleck, fand er, und passte hervorragend zu seinem Neffen. Wenn der nur nicht gar so paarungsrenitent gewesen wäre...

»Wie läuft's denn so zwischen dir und Ellen?«, wollte er jetzt völlig indiskret wissen. Aber da der Junge ohne Vater aufgewachsen war, hatte sich sein Onkel stets als Ersatz für einen solchen verstanden und diese Verantwortung auch gewissenhaft getragen.

Dieser Vater - das war ein Familiengeheimnis, aus dem Max nie ganz schlau geworden war. Seine Cousine Vera, Karls Mutter, hatte nie viel darüber geredet. Nun, mittlerweile, seit seiner kurzen Visite in Hallerbach, war er tatsächlich im Bilde. Ob er wollte oder nicht.

Krankenschwester war sie von Beruf gewesen und daher durchaus in der Lage, sich und ihren Buben zu ernähren. eine unabhängige Frau, die ihre wilden Jahre hinter sich hatte. Aber wild waren diese Jahre schon gewesen. Max konnte sich noch gut an die Aufregung ihrer Eltern erinnern, als sie sich freiwillig zum Roten Kreuz gemeldet und gleich ein paar Auslandseinsätze in Krisengebieten hinter sich gebracht hatte. Einmal sogar im tiefsten Afrika.

Adam zuckte die Schultern. »Geht so... Wir müssten halt mal wieder gemeinsam die Welt retten oder etwas in der Art.« Was für Max danach aussah, dass die Beziehung am Einschlafen war.

»Weißt du, Adam, es gibt auch einfachere Möglichkeiten: Kauf ihr doch mal einen schönen Blumenstrauß oder sowas.«

»Blumenstrauß! Ja, du machst mir Spaß. In den Personalkabinen gibt's nicht mal genug Platz, um irgendwo eine Vase hinzustellen.«

»Das hab ich auch schon gemerkt«, knurrte Max, für den dies die erste Fahrt als Mitarbeiter der Security auf der »Magic Symphony« war. Er war siebenundsechzig Jahre alt, und dennoch hatte Edmund Sandtner, der Chef des Sicherheitsdienstes, ihn mit offenen Armen aufgenommen. Die Sache, die er (zu der Zeit noch als Passagier), Adam und Ellen auf der letzten Fahrt durchgezogen hatten, um zuerst ein entführtes Mädchen zu befreien und dann auch noch den Mäusemörder zu stoppen, hatte mehr über seine Fähigkeiten ausgesagt, als jegliche Referenzen in Zeugnissen es konnten. Außerdem war er ein ganzes Berufsleben lang Polizeibeamter gewesen, viele Jahre davon als Personenschützer für Politiker und andere gefährdete Prominenz.

»Aber für das, was Männer und Frauen zuweilen miteinander tun sollten, um sich gegenseitig bei Laune zu halten, ist hoffentlich schon genug Platz, oder? So alt und ungelenkig seid ihr beiden ja noch nicht. Ihr würdet das auch noch in einem Kleinwagen schaffen, schätze ich...«

»Mensch, Onkel Max -!«

»Tjaja, ich weiß schon, das geht mich nichts an.«

»Stimmt auffallend.«

Leicht befangene Schweigepause. Dann wieder Max, der kein großer Schweiger war: »Schau, da kommen schon die ersten Schausteller an.«

»Schausteller -? Das sind doch keine Zirkusleute, das sind Rockbands!« Beinahe hätte Adam sich das goldfarbene Lockenhaar gerauft über soviel Ignoranz. Momentan sah er etwas seltsam aus. Er hatte beschlossen, sich die Haare wieder wachsen zu lassen, weil er mit dem Gekringel auf seinem Kopf schlechter zurecht kam als die Medusa mit ihrer Schlangenfrisur, seit er sich notgedrungen diesen Kurzhaarschnitt hatte machen lassen für seine Bewerbung zum Sicherheitsdienst auf der »Magic Symphony«. Die einzige andere Alternative wäre ein Stiftelkopf gewesen, aber Adam hatte sich einmal eine Badekappe aufgesetzt, um das zu simulieren, und fand seine Kopfform zum Gotterbarmen.

»Auf jeden Fall sind's Langhaarige«, knurrte der Onkel Max und rümpfte dabei seine leicht knollige Nase. »Wie die Hippies früher. Und überhaupt: Wie schaust denn du aus? Sind das etwa Haarnadeln in deiner Frisur?«

»Ja, soll ich vielleicht einen Haarreif tragen oder gar Kämmchen? Ich lass sie wieder wachsen, für einen Pferdeschwanz reicht's noch nicht, und ohne die Haarnadeln seh ich nicht, wo ich hinlauf.«

»Weißt, bei dem ganzen seltsamen Gekröse da unten auf unserer Gangway würde es nicht mal auffallen, wenn du dir ein paar schicke grasgrüne Strähnchen in die Haare klemmen würdest. Gibt's günstig im Drogeriemarkt.«

»Solche Sachen weißt du, Onkel Max?«

»Hmpf, ja, irgendwie...«

»Gell, du hättst mich auch lieber wieder mit einer richtigen Rockermähne, so wie früher?«

»Du spinnst«, brummte Max und holte aus, um einen Vogel zu zeigen. »Pass dann besser auf, dass die da unten dich nicht mit einem ihrer Sänger verwechseln.«

»Ausgeschlossen - ich sing wie eine Kreissäge.«

»Die doch auch«, lästerte sein Onkel schulterzuckend.

»Hi, ihr beiden! Was läuft so?« Ellen, die sich von hinten angeschlichen hatte, quetschte sich zwischen ihnen an die Reling.

Sieht aber schon so aus, als hätte sie noch Interesse an dem flügellahmen Kerl da, dachte Max in Bezug auf seinen Neffen vorsichtig optimistisch.

»Noch nicht viel - aber bald wird's hier rund gehen. Ich bin ja mal gespannt auf die Passagiere.«

»Ja, lauter Rocker halt«, unkte Max. »Die werden uns ganz schön die Hölle heiß machen, schätze ich.«

»Täuscht euch da mal nicht«, meinte Ellen abgeklärt. »Diese Metal Cruises gibt's schon seit ein paar Jahren, die Idee kommt, wie so oft, aus den USA. Dort haben sie vor ungefähr drei Jahren das erste Mal sowas veranstaltet, ein schwimmendes Rockspektakel auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Reederei war zuerst ziemlich skeptisch - und danach angenehm überrascht. Die Stimmung an Bord war klasse, das Publikum gut gelaunt, die Bands vom Feinsten... Die machen es jetzt mehrmals im Jahr auf immer größeren Schiffen, das Projekt ist längst zum Selbstläufer geworden. Und mittlerweile haben wir Europäer angefangen, die Geschäftsidee abzukupfern. Das einzig Neue an dieser Fahrt hier ist, dass wir fast doppelt so viele Rockgruppen an Bord haben werden. Und dass wir ganze vier Wochen unterwegs sein werden. Die meisten dieser Metal Cruises gehen nur über zwei bis fünf Tage. Aber die Reederei steht auf dem Standpunkt, wenn schon, dann soll sich's auch rentieren.«

»Da steckt noch mehr Kalkül dahinter, scheint mir. Auf diese Weise kriegen sie nur die Fans, die ordentlich Kohle haben und sich vier Wochen Kreuzfahrt leisten können samt den überteuerten Getränken an Bord.«

»Ja«, stimmte Max seinem Neffen leicht süffisant bei, »und die es sich leisten können, hinterher wegen fortdauernden Gehörsturzes ein halbes Jahr lang krank zu feiern.«

»Und was hast du denn zwischendrin so getrieben, Max?«, wollte Ellen gutgelaunt wissen. Es war nicht zu übersehen, dass sie sich auf diese Kreuzfahrt freute.

Aber was für eine Frage, die hatte es in sich! Max zwang sich, nicht gleich zu tief in die Materie einzusteigen, zumal er sich selbst noch nicht über deren Tragweite klar war.

Was hatte er so getrieben daheim in Hallerbach? »Was wohl? Hinter meinem durchgeknallten Neffen hab ich aufgeräumt«, sagte Max gespielt locker, nachdem er sich vorsichtshalber kurz umgesehen hatte. Ja, Ellen wusste Bescheid, sie kannte die ganze Vorgeschichte. Wenn man gemeinsam den Tod vor Augen gehabt hat, kann man einander nicht mehr belügen. »Ihn ordnungsgemäß beerbt, sein Haus ausräumen lassen und einem Makler übergeben, für die Miete ein Konto in Hamburg eröffnet, das auf meinen Namen läuft, über das aber Karl die Vollmacht hat - ich meine natürlich, Adam. Er braucht ja das Geld für die Altersvorsorge, weil er umständehalber keine Pension kriegt. Und meine eigene Wohnung, die hab ich auch untervermietet. Möbliert. An einen Aussteiger aus der IT-Branche.«

»Was - deine Wohnung? Und wo willst hin, wenn du eines Tages genug von der christlichen Seefahrt hast?«, entsetzte sich Adam.

»Jedenfalls nicht zurück nach Hallerbach. Dort denken sie doch alle, ich wär nach dem Verlust meines Neffen und einzigen Verwandten restlos durchgedreht. Außerdem ist ihr Mitleid wirklich schwer auszuhalten, wo ich es doch gar nicht verdient habe. Hamburg ist ja auch nicht so schlecht, um sich zur Ruhe zu setzen.«

»Oder Amsterdam«, meinte Ellen ein bisschen zu beiläufig.

Mensch, Adam: Geh's doch endlich an! Sein Onkel hätte sich bei so viel Zurückhaltung die Haare raufen mögen - wenn es nur ein paar mehr gewesen wären. Nein, das dichte Lockenfell, das sein Neffe Frisur nannte, kam definitiv nicht von der Leitner-Seite der Familie... Das hatte auch nur seine Cousine Vera fertigbringen können: ausgerechnet aus Afrika mit einem sonnenblonden Kind im Bauch heimzukommen!

Anstelle des Jüngeren, der die Aussage verweigerte, antwortete er: »Warum nicht? Wenn du noch einen Schwiegeronkel gebrauchen kannst...?« Dabei war ihm eigentlich nicht nach Scherzen zumute. Trug er doch ein Geheimnis mit sich herum, von dem er nicht wusste, wie er es Karl beibringen sollte, der jetzt neuerdings nur noch Adam heißen wollte.

Sein Heimspiel in Hallerbach hatte es in sich gehabt!

Kapitel 2

Tempi passati - verlorene Welt - verlorene Heimat. Solche Sätze waren Max durch den Kopf gegangen, als er erstmals seit einem halben Jahr das Haus seines Neffen betreten hatte, um dessen mannigfache Aufträge zu erfüllen, die Karl umständehalber selbst nicht mehr ausführen konnte. Was unbedingt getan werden musste, hatte er noch erledigt, ehe er sich nach Hamburg abgesetzt hatte: sämtliche Rohrleitungen entleert, auch die in den Heizkörpern, alle Fensterläden zugemacht und die Sicherungen abgeschaltet. In Kühlschrank und Tiefkühltruhe gähnende Leere hinterlassen. Insgesamt war das, was Max vorgefunden hatte, ein beinahe verkaufsfertiges Haus.

Wären da nicht all die Möbel gewesen, vollgestopft mit dem Krempel mehrerer Generationen von Holzingers.

Und wie schnell es sich herumgesprochen haben musste, dass er nach einem halben Jahr auf Kreuzfahrt wieder da war! Noch nicht einmal bis zum Dachboden war er vorgedrungen, da hatte er schon einen Wagen auf die kiesbedeckte Einfahrt brettern hören, einen Streifenwagen, aus dem sich gleich darauf das lange Gestell von Alex Starnecker entfaltet hatte, seines Zeichens Polizeihauptmeister und vor noch nicht langer Zeit Karls unmittelbarer Untergebener.

Die beiden Männer reichten sich die Hände, doch dabei blieb es nicht lange: Alex riss Max in eine heftige Umarmung. »Tut mir leid - tut mir so furchtbar leid für dich, Max!«

War es ein Wunder, dass Max da die Worte fehlten? Mehr als stumm nicken konnte er daraufhin nicht.

»Ich hätt dir so gern geholfen in deiner Trauer, aber du warst ja auf dieser Kreuzfahrt all die Zeit, nicht erreichbar. Sozusagen aus der Welt.«

»Karl...«, Max musste einen monstergroßen Frosch bezwingen, der in seiner Kehle wütete, »Karl hat sein ganzes Geld zusammengekratzt, um mich aus der Schusslinie zu bringen, und mich auf diese Reise geschickt - da hätte ich doch sein Andenken geschändet, wenn ich das nicht durchgezogen hätte.«

»Ja, klar, Max.« Alex klopfte dem um einen halben Kopf Kleineren kräftig auf die Schulter. »Das versteht hier doch jeder. Hast du schon richtig gemacht.«

Max atmete tief durch. Das würde nicht einfach werden. Alex bildete ja nur die Vorhut. »Schön, dass du vorbeischaust. Wie läuft's denn so bei euch im Revier?« Ablenken, ablenken!

Und es funktionierte: Mit tragischer Miene auf seinem langen Gesicht gab Alex zu: »Mittelprächtig. Wir haben einen neuen Revierleiter, der taugt nicht viel. Und bei dir? Kommst du klar?«

»Was bleibt mir anderes übrig?« Neues Ablenkungsmanöver erfoderlich! »Aber zurück zu dir. Dass er unfähig ist, würdest du von jedem Neuen sagen, oder? Ich dachte auch eigentlich, du wärst als Nächster an der Reihe.«

»Ich hab kein Abitur, Max. Oder zu wenige Dienstjahre, wie man's nimmt.« Alex war sechsunddreißig. »Mein Boss ist jünger als ich, nur eben mit Abi und außerdem eine Art Neffe von unserem Staatsanwalt. Aber ich weiß eh nicht, ob ich dem Laden überhaupt gewachsen wäre.«

»Immer noch so schlimm mit den bösen Jungs?«

Alex stieß leise, mit einem brummenden Vibrieren der Lippen, die Luft aus. »Tja, die Autoschieber immerhin sind wir los. Aber das bringt mich gleich zum Thema, weswegen ich hauptsächlich da bin: Du musst schon gut aufpassen, wem du hier den Rücken zuwendest. Wir haben nicht die ganze Bande erwischt.«

»Ach so, das stand ja sogar in der Bild-Zeitung, die gibt es auf der ganzen bekannten Welt. Aber die werden sich wohl hüten, hier nochmal ihre grindigen Köpfe zu zeigen, oder? Wer von denen hat sich denn der Festnahme entzogen?«

»Ein gewisser Boris Bobrow, eher ein kleiner Fisch - aber leider auch Wassili. Wassili Kurow, der Schlimmste von allen. Vor dem musst du dich vorsehen, Max. Das ist ein rachsüchtiger Teufel!«

»Ach was, der tut hier keinem mehr was - will sagen, der ist bestimmt über alle Berge.« Auweh, gerade noch die Kurve gekriegt, dachte Max und versuchte, nicht rot anzulaufen vor Aufregung. Er musste Alex schnell abwimmeln, weil er sich bei alten Freunden noch schwerer tat mit dem Lügen als schon generell.

»Wie kannst du da so sicher sein?«, insistierte der und bewies damit durchaus Revierleiter-Qualitäten. »Soweit ich weiß, hat er doch sogar Karl damit gedroht, dich vor seinen Augen in der Donau zu ersäufen, wenn ihr nicht aufhören würdet, der Bande Schwierigkeiten zu machen. Das hat Karl so aufs Diktiergerät gesprochen damals...«

Max schnaubte. Hier musste man jedes Wort auf die Goldwaage legen. »Ich an seiner Stelle hätte mich verpisst, zurück zu Mütterchen Russland. Sein Pate sitzt im Knast, und nach ihm hat man deutschlandweit gefahndet.«

»Aber es war völlig klar, dass eigentlich du die Autoschieber fassen wolltest«, bohrte Alex weiter. »Vielleicht ist seine Rachsucht stärker als sein Schutzbedürfnis.«

Anstelle einer Antwort zog Max eine Dose Pfefferspray aus seiner Hosentasche. Nur eine kleine, aber zusammen mit seinen Selbstverteidigungskünsten würde die Ladung locker reichen.

Alex seufzte, fern davon, das Feld zu räumen. »Ich versteh's immer noch nicht, dass er sich keine Hilfe geholt hat, der Karl. Oder sich einfach der Obrigkeit anvertraut. Wir haben doch eine Kronzeugenregelung samt Zeugenschutzprogramm...« Zum Glück schaute er bei diesen Worten gedankenverloren in die Ferne, so dass ihm entging, wie es Max bei diesem Wort riss. So verdammt nahe an der Wahrheit!

»Ich glaube«, sagte er vorsichtig, »darauf hat er sich nicht verlassen.« Keine Lüge diesmal. »Er dachte, er müsste ins Gefängnis - um dort von den Typen totgeprügelt zu werden, die er selbst reingebracht hatte.«

»Es gibt da so eine Theorie hier im Ort und auch drüben in Brombach, dass er gar nicht tot ist...« Max zuckte schon wieder zusammen, und abermals bekam Alex nichts davon mit, weil er immer noch den fernen Waldsaum fixierte. Auch einer von den Männern, die nicht zwei Sachen auf einmal können - reden und aufmerken. Max nahm die Revierleiter-Qualitäten in Gedanken zurück.

»Sondern?«, brachte er mit leicht belegter Stimme hervor.

»Dass ihn sich die Russen geschnappt und ihn ins hinterste Sibirien verschleppt haben. Wo man doch so gut wie nichts von ihm gefunden hat, nur ein paar Uniform- und Hautfetzen. Das könnte auch ein Trick gewesen sein, damit wir gar nicht erst nach ihm fahnden via Interpol und so.«

»Was für ein Unsinn! Also wirklich, Alex.« Behutsames, hoffentlich unauffälliges Aufatmen.

»Ja, ich weiß, das wäre womöglich noch schlimmer, als wenn er tatsächlich ertrunken wäre. Aber meinst du, die könnten ihn lang halten dort oben? Bestimmt ist er schon auf dem Weg nach Hause, zu Fuß quer durch die Taiga, und in drei Jahren ist er wieder da.«

»Wie dieser Leutnant in So weit die Füße tragen? Du schaust zuviel fern, mein Junge.« Aber die Theorie war gut, so erfreulich weit von der Wahrheit entfernt. »Den Behörden hat die Beweislage gereicht, sonst wäre ich jetzt nicht in diesem Haus und würde es ausräumen. Lass die Toten in Frieden ruhen, bitte.«

»Entschuldige«, murmelte Alex bedrückt.

Max half ihm aus der emotionalen Klemme. »Ich greif lieber gleich an. So ein Haufen Kram, das glaubst du nicht.«

»Das meiste wird noch von seiner Mutter sein«, vermutete Alex. »Sachen von einem geliebten Menschen wirft man nicht so leicht weg.«

»Genau das muss ich jetzt aber.«

»Müsstest du nicht, wenn du hier einziehen würdest. Was hat dich denn bloß geritten, auf diesem Schiff anzuheuern? Oder stimmt das überhaupt?«

»Stimmt schon. Irgendwo muss ich ja bleiben, und das Schiff ist eine gute Lösung. Die haben dort wirklich Bedarf an erfahrenen Sicherheitsleuten, meine Güte!«

»Was, passiert da so viel? Ich dachte, das ist so ein Seniorendampfer...«

»Hast du eine Ahnung. Nächstens ist eine Metal Cruise angesagt.«

»Hah - eine was?«

»Willst du gar nicht wissen.« Aber Max gierte selbstredend danach, diese neue Kalamität in seinem leidgeprüften Leben ausführlich schildern zu dürfen. »Ein ganzes verdammtes Schiff voller Rockmusiker samt ihren bekifften Fans. Weiß nicht, wie ich das durchstehen soll. Aber sie haben mir das erst gesagt, als ich den Arbeitsvertrag schon unterschrieben hatte.« Und die Schweigeklausel, erinnerte er sich. Weiß Gott, dass die nötig war auf einem Schiff wie diesem.

»Das wäre wahrscheinlich genau Lindas Kragenweite«, sinnierte Alex. »Sie liebt Rockmusik, weiß der Teufel, warum.«

»Vielleicht weiß sowas genau der Teufel«, knurrte Max. »Aber welche Linda überhaupt?«

»Sag bloß, du kennst Linda nicht! Die Tochter meiner Cousine. Jeder kennt sie, weil sie seit ewigen Zeiten in der Kirche ministriert.«

»Ach so, die Linda. Aber die ist doch noch ein Kind, oder?« Als solches hatte Max sie in Erinnerung, von den Pfadfindern her, wo er nach seiner Pensionierung aus lauter Langeweile eine Zeitlang eine Gruppe geleitet hatte.

»Ansichtssache. Sie ist achtzehn und baut gerade ihr Abitur.«

»Kinder, wie die Zeit vergeht! Aber was war nochmal mit Linda?« Hatte er doch glatt den Faden verloren. Kein Wunder bei soviel Heimlichtuerei!

»Dass ihr die Metal Cruise gefallen würde, das war. Aber hast vielleicht ein Bier für mich?«

Zähneknirschend brachte Max ihm eine Radler - mit dem Vermerk, dass Alex ja noch zwölf Kilometer heimfahren musste hernach. »Lass dir's schmecken, aber ich werd derweil wieder angreifen. Den Papierkram sortieren.« Ein dezenter Wink mit dem Zaunpfahl an Alex' Adresse, damit der sich nicht allzu lang Zeit ließ mit seinem Kaltgetränk. Max wollte einfach nur seine Ruhe haben. Doch es sollte anders kommen. Im Nachhinein, zurück auf dem Schiff, war er immer noch ratlos, ob das gut oder schlecht für die möglichen Folgen war.

Von Seelenruhe für Max jedenfalls konnte keine Rede mehr sein.

Kapitel 3

»Max, wo bist du denn auf einmal mit deinen Gedanken? Erde an Max, bitte kommen!« Sein Neffe, der Untote, weckte ihn aus der Erinnerung.

»Entschuldige, hab grad an Hallerbach zurückdenken müssen.«

»Kommt dich hart an, der Abschied, oder?«

»Ach was, woher denn. Ich kann ja jederzeit zurück. Ich schon. Aber du tust mir leid.«

»Ich mir nicht, Max. Schau dir das Traummädel da an, dann wirst du mir beipflichten.«

Ein Drittel der Securityleute um Edmund Sandtner war dazu eingeteilt, die einpassierenden Musiker zu filzen, damit nichts Schlimmeres als die unvermeidlichen Krachmachmaschinen an Bord kam. Die Röntgenscanner fiepten im Dauerbetrieb bei all dem Schwermetall, das die Bands und ihre technischen Begleiter als Handgepäck an Bord schleppten. Da war Adam direkt froh, erst bei der zweiten Schicht dran zu sein, wenn in ungefähr zwei Stunden das Boarding für die Passagiere anstand.

»Mach mich nicht fertig! Das ist doch Cinzio Pardi!« Der ekstatische Aufschrei des besagten Traummädels, das gerade noch höchst angetan zu ihm her gelächelt hatte, riss Adam schier von den Füßen. Was zum Teufel war nochmal ein Pardi? So, wie sie kreischte, irgend etwas Schlimmes, vermutete er und warf sich zurück an die Reling, um vielleicht doch wieder einmal gemeinsam mit ihr die Welt zu retten. Oder wenigstens dieses Schiff. Die Vorstellung gefiel ihm nicht schlecht.

»Was ist los - wer macht dich fertig? Zeig mir den Gegner, und ich zeig's ihm!«

»Wehe dir!«, erwiderte Ellen, aber nicht halb so harsch, wie die Worte vermuten ließen. Vielmehr hatte ihre Stimme auf einmal einen samtweichen Schmelz, der den harten holländischen Akzent in etwas Zartes, ja fast Italienisches verwandelte. »Cinzio Pardi, Adam, du Banause - da unten, das ist er, wie er leibt und lebt! Die neue Sängerlegende des Metal Rock, vier Oktaven Stimmumfang. Den wirst du doch wohl kennen, oder?«

»Ich jedenfalls kenn ihn nicht«, gab Onkel Max gelangweilt seinen Senf dazu. Aber so gelangweilt, dass er seinen kostbaren Beobachtungsposten an der Reling aufgegeben hätte, war er dann doch nicht. Er blieb stehen wie ein Fels in der Brandung.

»Ich seh nur einen Wischmop auf zwei Beinen«, ließ sich Adam herab zu antworten. Der Neid über diese prächtige, in der Sonne golden leuchtende Lockenmähne, die der Kerl da unten aufhatte, triefte ihm aus jeder Pore. »Einen Wischmop, belauert von einem Rudel paarungsbereiter Weibsbilder.«

Und damit hatte er ja gar nicht so Unrecht: Da sie sich in luftiger Höhe auf Deck zehn befanden, also zehn Stockwerke über der Wasseroberfläche und acht über dem Landungskai, war nicht viel mehr zu sehen als Köpfe und Schultern und mittels Wunder-BH hochgepushte Busen. Schleierhaft, wie Ellen darunter einen einzelnen Menschen erkannt haben wollte! Aber wenn sie es sich so fest einbildete... Um des lieben Friedens willen sollte man ihr besser nicht widersprechen, dachte er. Es war echt verdammt schwierig, sich auf eine neue Beziehung einzulassen.

»Cinzio Pardi!«, jubelte sie wieder und hüpfte auf und ab wie ein Gummiball. »Ich hab's gewusst, ich hab's gewusst!«

»Was - gewusst?«, brummte Adam und verspürte zu seinem eigenen Erstaunen einen fiesen Stich der Eifersucht in der Magengrube. Hatte sie nicht erst kürzlich zugegeben, im Grunde ihres Herzens voll auf ABBA abzufahren? Und jetzt auf einmal dieses flockige Metal-Bürschchen?

»Ja, dass er auch dabei ist, das halt. The God of Italian Metal, il Gattopardo -«

»Was willst du mir damit sagen? Ich denke, du befasst dich musikalisch mehr mit Pop?«

»Ach was, Cinzio ist da eine Ausnahme.« Sind wir jetzt schon beim Vornamen, wunderte sich Adam leicht ergrimmt. »Er hat nämlich eine richtige Opernstimme. Das hört sich schon super an. Aber brüllen kann er auch ganz ordentlich. Ich folge ihm auf seiner Instagram-Seite, daher weiß ich, dass er zurzeit keine Auftritte hat und nur an einem Solo-Projekt komponiert, zu dem ihn seine Fans schon seit Ewigkeiten drängen.«

Soso, auf seiner Instagram-Seite folgte sie ihm also! Da hatte Max schon Recht: Er musste sich künftig dringend mehr um seine Freundin kümmern, sie besser im Auge behalten...

In diesem Moment schaute das Objekt ihrer unerfindlichen Begierde tatsächlich nach oben, ließ den Blick langsam und - zugegeben - ziemlich anmutig von Deck zu Deck aufwärts schweifen und stolperte endlich über die drei müßigen Beobachter des Spektakels. Adam hätte schwören können, dass er gesehen hatte, wie sich die eine Augenbraue des vorgeblichen Superstars um einen glatten Zentimeter gehoben hatte.

»Er hat zu uns hochgeschaut!«, tirilierte Ellen. »Gott, was für schöne Augen der hat!«

Gott, was für scharfe Augen diehat!, dachte Adam. Und dann: Von irgendwo her kommt mir dieser Cinzio Pardi bekannt vor. Laut sagte er:

»God of Italian Metal - da muss ich aber schon Einspruch erheben, da sind noch eine ganze Reihe anderer vor dem jungen Hüpfer da: Conti, Lione, Luppi, Morby, Tiranti. Kennst du alle nicht, oder?« Er war überhaupt schon überrascht, dass sie sich in dieser Musikrichtung so gut auskannte. Da war so vieles, was er nicht über sie wusste. Eigentlich erzählte sie nie viel von sich, fiel ihm jetzt gerade erst auf. Er wusste, dass sie noch Eltern in Amsterdam hatte, dass ihr Vater für einen Büroausstatter arbeitete und ihre Mutter als Sekretärin. Und dass unausweichlich über kurz oder lang ein Vorstellungsbesuch bei den beiden anstehen würde, vor dem es ihm jetzt schon grauste. Weil sie unausweichlich Fragen zu seiner eigenen Vergangenheit stellen würden, die zu beantworten wieder nur mithilfe ausgeklügelter Lügen möglich sein würde. Oder welches gediegene Elternpaar aus der holländischen Mittelschicht würde wohl einen Schwiegersohn akzeptieren, der seit einem guten halben Jahr unter falschem Namen lebte, damit ihn die Russenmafia nicht kalt machte?

»Doch. Da ich nun weiß, dass du auf Italo-Metal stehst, habe ich meine freie Zeit genützt, um mich in dieser Richtung weiterzubilden. Klar kenne ich die alle. Aber von denen ist leider keiner da. Auf Cinzio bin ich auch erst im Internet gestoßen, der wird's noch weit bringen, da bin ich sicher. Von all den Leuten an Bord hat er schon jetzt den größten Namen.«

»Und du meinst, der Spatz in der Hand wär besser als die Taube auf dem Dach. Wenn schon keine von diesen Rocklegenden da ist, muss es zur Not eben Cinzio Pardi tun. Willst du es drauf anlegen, dass er dir ein Ständchen bringt oder Karaoke mit dir macht?«

Sie musterte ihn forschend. »Sag mal, Adam - du bist doch nicht etwa eifersüchtig?«

»Pffhhh! Auf den Hänfling da unten? Weißt du, ich kann vielleicht nicht singen - aber ich kann an deiner Seite die Welt retten, das soll uns erst einer nachmachen!«

Während er Ellen an sich zog und gehörig abschmuste, zeigte sein Onkel ihm hinter deren Rücken den erhobenen Daumen. Adam seinerseits machte die Pommes-Gabel, das Metal-Zeichen.

Kapitel 4

Von den achtundsiebzig Gruppen, die sich insgesamt angemeldet hatten, waren neunundsechzig tatsächlich angereist. Kein schlechter Schnitt, wie der Quartiermeister wissen wollte. Musiker waren auch nur Menschen, selbst wenn ihre Bands so unbescheidene Namen wie »Metal Thor«, »Universal Vision«, »Nightmare Resurrection«, »Dragon's Dusk«, »Sons of Mordred« und so weiter trugen: Keiner von denen war gefeit gegen Grippe, Kehlkopfentzündung, Tennisarm (bei den Schlagzeugern) oder so simple Gemeinheiten wie Sportverletzungen, Stolper-Unfälle über Bühnenkabel oder Fehlsprünge beim Stage-Diving.

Rücktrittsversicherungen hatten sie deshalb fast alle, ihre Manager bestanden darauf. Die, welche sich einen Ausfall nicht leisten konnten, taten ihr Möglichstes, um in letzter Sekunde noch Ersatz für invalide Bandmitglieder zu rekrutieren.

Und so war auch Cinzio Pardi hierher gekommen, obwohl kein Plakat, keine Internetwerbung ihn angekündigt hatte. Aus purer Gutmütigkeit war er für den erkrankten Sänger einer kleinen Band aus Krumau eingesprungen. Na ja, vielleicht hatte ihn auch die Kreuzfahrt gereizt, aber er war längst bekannt dafür, aufstrebenden Gruppen gern ein wenig unter die Arme zu greifen, indem er bei ihnen als Gastsänger auftrat, um sie damit in den Charts messbar nach oben zu befördern. Sein Netzwerk war perfekt ausgebildet und reichte über alle Kontinente. Nein, nicht ganz: In Afrika, am Südpol und in Australien hatte es noch keine Pardi-Sichtung gegeben.

Von Ellen kamen alle diese Informationen. Sie hatte sich ans Internet gehängt, das ja hervorragend und auch zu tragbaren Gebühren funktionierte, solange das Schiff Land-Empfang hatte, und über seine Instagram-Seite herausgefunden, dass er gerade ein wenig Zeit hatte, weil die zwei Bands, bei denen er hauptberuflich unter Vertrag stand, entweder über neuen Songs brüteten oder versuchten, nach der letzten anstrengenden Tour wieder zu Kräften zu kommen.

Cinzio Pardi hingegen, dem ging - wortwörtlich - scheinbar nie die Luft aus. Seine Vier-Oktaven-Stimmbänder brauchten ständig Bewegung.

Und jetzt stand er also dort unten, noch außerhalb des Terminals, wo die künftigen Passagiere kanalisiert und hin zur Gepäckabgabe und Sicherheitskontrolle geleitet wurden, und schaute sichtlich beeindruckt das Schiff an, das wie ein Gigant über ihm aufragte. Seine Kollegen von der tschechischen Band »Dario« drängten schon zur Landungsbrücke hin, er aber ließ sich Zeit. Auch der Gabelstapler, der in dröger Routine Waren von einem Lagerhaus Richtung Pier transportierte, konnte seine Kontemplation nicht stören.

»Schaut gerade so aus, als wär das seine erste Kreuzfahrt«, sinnierte Ellen.

»Ja, da hat er doch noch einmal Glück gehabt«, grummelte Adam, »dass wir die mit der ›Magic Symphony‹ machen.«

»Wieso - mit was denn sonst?«

»Pffhh... hätt uns gut auch mit der ›Magic Aria‹ erwischen können. Das alte Mädchen hier war nämlich für satte vier Wochen auf Kur, und es hat anfangs gar nicht gut ausgesehen für sie. Das hat mir der Erste Ingenieur erzählt, der Chief, wie das hier heißt. Irgendein zähes Zeug im Getriebe, zum Teil geschmolzen...«

»Etwa Latex von der Puppe?«, fragte Ellen atemlos und vergaß für einen Moment, Cinzio Pardi visuell zu stalken.