Lucies Reise oder die Suche nach dem Schatz - Carolin Kamlade - E-Book

Lucies Reise oder die Suche nach dem Schatz E-Book

Carolin Kamlade

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Beschreibung

Lucie ist Anfang zwanzig und Mitten in ihrem Studium. Die Welt ist in Ordnung, bis ihr Freund Marc sich von ihr trennt. Lucie erleidet einen Zusammenbruch, der sie in eine andere Welt entführt, die Shiva und Shakti für sie vorbereitet haben. Hier lernt sie Naro, den Hüter des Zauberwaldes kennen. Dieser soll Lucie in der anderen Welt begleiten und sie erfahren lassen, dass es Liebe gibt, damit Lucie ihre Aufgabe als Mensch erfüllen kann. Lucies findet in der anderen Welt ihren Schatz, der sie zu ihrem tiefsten Inneren führt.

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Seitenzahl: 95

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Impressum

Lucies Reise oder die Suche nach dem Schatz

Carolin Kamlade

© 2022 Yukiko/Carolin Kamlade

(Steindamm 2, 29410 Salzwedel

[email protected])

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 9783987567414

In tiefer Dankbarkeit ist dieses Buch all jenen gewidmet, denen ich in meinem Leben begegnen durfte!

Kapitel 1 – Shakti

Kapitel 2 – Lucie

Kapitel 3 – Naro

Kapitel 4 – Der Drache

Kapitel 5 – Shiva

Kapitel 6 – Die Schatzsuche

Kapitel 7 – Kundalini

Kapitel 1 – Shakti

Sie rannte so schnell sie konnte. Die Zweige, die ihr ins Gesicht schlugen und über ihren Körper streiften, fühlten sich wie Peitschenhiebe an. Ihre nackten Füße berührten kaum den moosigen Waldboden, der sie sicher über den weichen unebenen Untergrund trug. Der Mond, ihr treuer Begleiter, leuchtete ihr den Weg durch die Dunkelheit.

Sie liebte den Duft des Waldes, der sie jedes Mal ausfüllte, wenn sie ihn bewusst einatmete. Doch heute blieb ihr keine Zeit, um ihre Lungen ausgiebig und intensiv mit ihm zu füllen.

Diesen Wald kannte sie wie ihre Westentasche. Sie liebte ihn, mit seiner gleichgültigen Erhabenheit. Die alten Laubbäume verrieten ihre Sanftmut durch ihr feines Blätterspiel und hielten für sie Sicherheit bereit. Hier war sie verbunden und eins mit allem.

Sie rannte schneller, als sie jemals gerannt war, um rechtzeitig die Lichtung zu erreichen. Wenn sie es nicht schaffte, konnte das gravierende Auswirkungen haben. Jetzt und hier wusste dieser Teil davon und sie musste alles vorbereiten.

Damit der nächste Tag nicht der Anfang vom Ende war.

Hier in Ihrem Zauberwald war sie ihr vollkommener Avatar. Sie konnte sich hervorragend bewegen, war flink und wendig, gekleidet wie eine Kriegerin und genauso stark. Ihr Körper strotzte vor Energie und Kraft.

Ihre Gabe, sich zu verwandeln, nutze sie nur selten und nur, wenn es nicht anders ging. So wie jetzt. Sie wusste wer sie war, warum sie existierte und was sie zu tun hatte. Hier war es möglich, ihre Zukunft zu gestalten. Und das musste sie jetzt tun. Um ihrer Seele willen.

Sie hatte auf der Erde etwas zu erledigen.

Und deshalb rannte sie, so schnell sie konnte.

Sie musste ihre zweite Hälfte treffen.

Sollte sie es bis zum Morgengrauen schaffen, konnte sie noch mit ihr sprechen, alles vorbereiten und es in Liebe geschehen lassen, was unausweichlich war.

Sie rannte um ihr Leben.

Als die Bäume lichter wurden, wusste sie, dass sie die Lichtung gleich erreichen würde. Sie wurde langsamer und ging bedächtig, auf jeden Schritt achtend die letzten Meter, bis sie die Lichtung einsehen konnte. Sie berührte kaum den Boden und gab kein Geräusch von sich. Die Stille war ein Teil von ihr.

Sie erblickte seinen Schatten erst, als sie aus dem Wald heraus trat. Vor den Mond hatten sich jetzt dunkle Wolken geschoben. Ein grauer Schleier zog sich über die Lichtung und es war so dunkel, dass sie kaum die Hand vor Augen sehen konnte. Ihre übrigen Sinne waren so geschärft, dass sie die Dunkelheit kaum wahr nahm.

Im Wald hinter ihr war es so still, dass es sie fast etwas beunruhigte. Hörte sich so das Ende an? Oder war es die Vorbereitung des Waldes auf das Neue? Es war der Anfang, der sich hier ankündigte. Und dafür wollte sie alles, was in ihrer Macht stand, beitragen.

Als sie die Lichtung betrat, wurde sie bereits erwartet.

Mit sanften Schritten trat sie aus dem Schatten heraus und hauchte leise seinen Namen.

Jetzt waren sie vereint.

Jetzt konnte es beginnen.

Jetzt konnte ihr Licht anfangen zu scheinen.

Kapitel 2 - Lucie

„Lucie! Mach die Tür auf! Lucie!“

Lucie schlug die Augen auf. Das Klopfen an der Tür und das Rufen ihres Namens bedeuteten nichts Gutes. Schlaftrunken quälte sie sich aus dem Bett. Das quietschende Geräusch beim Öffnen der Tür tat in ihren Ohren nur halb so weh wie in ihrem Kopf. Blitzartig fiel ihr der quietschende Deckel der alten Truhe wieder ein. Genau hier war sie aufgewacht. Was war das für ein verrückter Traum gewesen? Verschwommen kamen ihr weitere Fetzen des Traumes vor ihrem inneren Auge in den Sinn, bis sie die Tür ganz geöffnet hatte. Vor ihr stand ihre Mutter.

„Du hast verschlafen, zieh dich schnell an, sonst kommst du zu spät.“ Mit diesen Worten und einem vorwurfsvollen Blick, den ihre Mutter immer dann aufsetzte, wenn sie etwa machen musste, dass nicht in ihren Zeitplan passte, machte Lucies Mutter auf dem Absatz kehrt und ließ Lucie etwas verwirrt in der Zimmertür stehen.

Seltsamerweise war es unwirklich hier zu stehen und den Flur mit seiner langen Flucht zu betrachten, durch den sie seit ihrer Kindheit gegangen war. Lucie lebte mit ihrer Familie seit sie sich erinnern konnte in diesem Haus. Ihre Eltern hatten es vor der Geburt ihrer älteren Schwester gekauft und ein gemütliches Nest gebaut. Lucie fühlte sich wohl zu Hause und fand, dass ihre Kindheit nicht schöner hätte sein können. Aber langsam war es Zeit, sich abzunabeln. Sie war alt genug, studierte, hatte einen festen Freund und das Bedürfnis, sich ihr eigens Nest zu bauen.

Als Lucie die Tür schloss und dabei über ihre Schulter auf das zerwühlte Bett schaute, schüttelte sie den Kopf, als wollte sie die Gedanken abschütteln. Da quietschte ihre Zimmertür erneut und Lucie dachte schlagartig wieder an den Traum der letzten Nacht. Sie hatte noch nie einen Traum als so real empfunden, auch wenn sie sich nur ganz dunkel und bruchstückhaft erinnern konnte.

Langsam ging sie in ihr Zimmer zurück und öffnete geistesabwesend ihren Kleiderschrank. Beim Öffnen der Tür hielt sie abrupt inne. Mist, heute war Dienstag! Sie hielt in der ersten Stunde ein Referat in Deutsch. Über die Romantik. Und Marc war in ihrem Kurs. Sie schaute auf ihr neues iPhone, dass sie sich vor ein paar Wochen von ihren Ersparnissen geleistet hatte. In fünfzehn Minuten fuhr der Bus. Sie musste sich beeilen.

Eine Nachricht von Marc war auch auf ihrem Handy. Schnell schaute sie nach, was er ihr schrieb. In ihrem Gesicht erschien ein sanftes Lächeln und ihr Herz schlug schneller, als sie las, dass er nach dem Deutschkurs auf sie warten würde. Es machte sie etwas stutzig, dass er extra erwähnte, dass er mit ihr sprechen wollte, aber gab dem keine besondere Bedeutung. Marc drückte sich öfter etwas skurril aus. Sie und Marc waren sehr unterschiedlich. Während sie eher die Strukturierte und Ordentliche war, passte bei Marc das Wort Chaos wohl am Besten. Er war spontan, machte sich fast nie einen Plan über irgendetwas und ging ohne nachzudenken seinen Bedürfnissen nach. Lucie hingegen wog immer genau ab, überlegte oft lange, bis sie sich zu einer Entscheidung durchringen konnte und machte sich oft Gedanken darüber, ob sie einen anderen Menschen mit ihrem Verhalten verletzten könnte. Obwohl beide so unterschiedlich waren, liebte ihn Lucie genau deshalb. Er brachte eine andere Sichtweise in ihr Leben und sie liebte es, wenn er sie mit seinen verrückten Ideen überraschte.

Sie hetzte ins Badezimmer, nahm ihre Zahnbürste, um gleich darauf schnell wieder in ihr Zimmer zu hasten. Dort packte sie, während sie Zähne putzte, ihre Tasche für die Uni, achtete darauf, das alle Zettel von ihrem Schreibtisch für das Referat in der Mappe landeten, bevor auch diese in der schwarzen Umhängetasche verschwand und sprang mit einem Satz zum Schrank, um ihre Garderobe für den heutigen Tag auszuwählen. Diese musste gut aussehen, sie redete heute vor Marc und rund fünfzig anderen Studenten.

Mit den Klamotten lief sie zurück ins Badezimmer, spülte sich den Mund aus und sprang unter die Dusche. Als sie sich mit gewaschenen Haaren das Handtuch überwarf, um sich abzutrocknen, hatte sie noch sieben Minuten, bis der Bus fuhr. Sie band ihre langen blonden Haare zusammen und tuschte schnell ihre langen Wimpern schwarz, bevor sie sich etwas Make up auflegte. Dann schaute sie noch einmal kurz in den Spiegel, betrachtete ihr Gesamtbild und guckte sich einmal kurz in die Augen. Sofort viel ihr der Traum wieder ein und sie versank kurz in ihren blauen Augen, wobei sie mehr durch sie hindurch guckte, als direkt in sie hinein. War sie das da im Spiegel? Ihr kam das, was sie sah so fremd vor. Irgendwie passte das nicht mit ihrem inneren Gefühl zusammen. Mit einem erneuten Kopfschütteln wendete sie sich von ihrem Spiegelbild ab. Für solche Gedanken hatte sie jetzt keine Zeit.

Vier Minuten später stand sie angezogen mit ihrer schwarzen Umhängetasche in der Küche und angelte sich ein Croissant vom gedeckten Frühstückstisch. Mit den Worten „Danke für`s wecken, ich komme heute erst gegen vier nach Haus.“ verließ sie das elterliche Haus.

Bis zur Bushaltestelle war es nicht weit, so dass sie sich nicht sonderlich beeilen musste. Sie wartete sogar noch kurz, bevor der Bus kam. Dabei fiel ihr auf, dass an der Seite ihrer Tasche ein Fleck zu sehen war. Sie konnte im Schein der aufgehenden Sonne nicht genau erkennen, was es war, als sie darüber strich, ging der Fleck jedoch nicht weg und fühlte sich rauh an. Also beschloss sie, den Fleck später in der Uni genauer zu begutachten und zu beseitigen.

Es war ein wunderschöner Sommertag und bald würden die Semesterferien beginnen. Sie stellte sich gerade vor, wie sie die freie Zeit mit Marc verbringen würde, als sie den Greifvogel über sich bemerkte, der stetig seine Runden drehte und hin und wieder mit einem Schrei auf sich aufmerksam machte. Lucie genoss den Augenblick, schloss die Augen und streckte ihr Gesicht der Sonne entgegen, bis der Bus vor ihr hielt und sie einsteigen konnte.

Es war Mitte Juni und Lucie dachte kurz daran, dass sie noch ein Geburtstagsgeschenk für ihren Vater besorgen musste, der im August Geburtstag hatte. Auf Anhieb fiel ihr aber nichts ein. Das war jedes Jahr so, denn ihr Vater hatte einfach schon alles.

Sie ging im Kopf noch einmal kurz das Referat durch, war sich aber sicher, dass sie für die zehn Minuten Vortrag ziemlich gut vorbereitet war. Sie liebte die Romantik und sie hatte sich dieses Thema extra ausgesucht, weil sie sich dort einigermaßen sicher fühlte. Schließlich war es schon Herausforderung genug vor dem ganzen Kurs zu sprechen. Und dann auch noch vor Marc. Sie hoffte sehr, dass alles gut lief und gab ein kurzes Stoßgebet Richtung Himmel ab. „Wird schon schiefgehen“, sagte sie zu sich selbst.

Um nicht noch aufgeregter zu werden, lenkte Lucie sich damit ab, die Menschen in ihrer morgendlichen Routine zu beobachten. „Wie emsig die Menschen schon am frühen Morgen sind, wie Bienen.“, dachte Lucie gerade, als ihr ein gutaussehender junger Mann auffiel, der versunken auf einer Bank saß, die Beine im Schneidersitz, die Augen geschlossenen. Er wirkte, als bekäme er von der Welt um ihn herum nichts mit. Er schien zu meditieren. Lucie war so fasziniert von diesem Anblick, dass sie sich auf ihrem Sitz umdrehte, als der Bus an dem jungen Mann vorüber fuhr. Sie wünschte es sich sehr, vor anderen Menschen einfach das tun zu können, worauf sie gerade Lust hatte. Aber ihr fiel es sogar schon schwer, aus sich heraus zu kommen und ihre Freude zu zeigen, wenn andere Menschen dabei waren. So wie andere vor Freude ihre Hände in die Luft streckten und dabei jauchzen und jubelten, traute sie sich einfach nicht. Versunken auf einer Parkbank zu sitzen, während andere sie beobachteten, war kaum vorstellbar für sie.

Zwei Haltestellen vor der Uni stieg Lucies Freundin Pia ein und setzte sich lachend und viel zu aufgedreht für die frühe Stunde neben sie.