Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Wer einmal anfängt zu lesen, kann nicht mehr aufhören. Hier wird die Beziehung der Generationen, sehr ausgeprägter Charaktertypen am Beispiel einer geplanten Australienreise dargestellt, die beinahe zu platzen scheint wegen eines unvorhergesehenen Oberschenkelhalsbruches. Mut und Energie der Generation 80+ werden verdeutlicht, aber auch deren Überschätzung und teilweise Unterschätzung durch andre Menschen. Die Tochter, die alles versucht zu arrangieren, versucht in allem die Wünsche ihrer betagten Eltern zu berücksichtigen und kommt dabei selbst manchmal fast an ihre Grenzen. Die vielen Stolpersteine, die sich ergeben, sind humoristisch dargestellt ebenso wie die unterschiedlichen Charaktere.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 143
Veröffentlichungsjahr: 2015
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Christine Pfeiffer
Lustige Stolpersteine
Mit Ältern nach Neuseeland, Australien
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Lustige Stolpersteine
Reisevorbereitungen
Kommt alles anders?
Die Reiseplanung schreitet voran
Es ist soweit – die Abreise
Von Frankfurt nach Dubai, der 2. Reisetag
Unser dritter Reisetag –der Flug von Dubai nach Sydney
Der 4. Tag – Umsteigen in Sydney
Endlich in Neuseeland – unser 5. Reisetag und der 1. Tag in Auckland
Rotorua – die Überraschung, unser 6. Reisetag und 2. Tag in Neuseeland
Von Rotorua nach Wellington, unser 7. Reisetag und 3. Tag in Neuseeland
Von der Nordhalbinsel zur Südhalbinsel, unser 8. Reisetag und 4. Tag in Neuseeland
Von Kaikoura nach Dunedin, unser 9. Reisetag und 5. Tag in Neuseeland
In Dunedin, unser 10. Reisetag und 6. Tag in Neuseeland
Auf der Otago-Halbinsel, unser 11. Reisetag und 7. Tag in Neuseeland
Von Dunedin nach Christchurch, unser
Von Christchurch zur Goldcoast, unser 13. Reisetag und 10. Tag in Neuseeland
Die letzten 5 Tage bei der Freundin meiner Mutter an der Goldcoast
Abschied und Heimreise, nach 18 Tagen Australien und Neuseeland
Nachlese
Impressum neobooks
Eine Reise nach Australien ist schon etwas ganz Besonderes. Es ist ein Abenteuer. Allein der Zeitsprung, der von einer Zeitzone in die andere zu bewältigen ist, hat etwas Außergewöhnliches. Ist man dann, nach mindestens einem Zwischenstopp, endlich da, sind auch noch die Jahreszeiten genau verkehrt herum! Fliege ich im Frühling von Deutschland komme ich im australischen Herbst an, und das, obwohl ich noch nicht einmal 2 Tage unterwegs war. Noch kurioser wird es bezüglich der Himmelsrichtungen. Wenn ich nach Norden fahre, wird es wärmer, fahre ich nach Süden, wird es immer kälter. – Das ist verkehrte Welt.
Am spannendsten ist es aber, wenn ich diese Reise mit meinen Eltern antrete. In ihrem hohen Alter von 84 und 89 Jahren wollten sie unbedingt noch einmal zu ihrer Freundin nach Australien! – Und natürlich wären die Beiden auch allein geflogen. Schließlich hatten sie vor 20 Jahren mal 1 Jahr lang einen Englischkurs für Anfänger an der Volkshochschule besucht. Und meine Mutter war bis zu ihrem Tod noch davon überzeugt, dass sie, die in der Schule 2 Jahre lang ein wenig Englisch hatte, sich gut verständigen könnte.
Mich gruselte ein wenig bei der Vorstellung, dass meine alten Eltern sich mit wenig Englischkenntnissen allein auf diesen weiten Weg machen sollten. Obwohl - sie wären sicher dort angekommen, wo sie hinwollten.
Hinzu kommt, dass ich, wie auch mein Vater, selbst ziemlich reiselustig und immer für neue Herausforderungen zu haben bin.
Also habe ich meinen Eltern den Vorschlag unterbreitet, doch mit mir gemeinsam die Reise anzutreten. Ich würde mich um alles kümmern. 7 Jahre zuvor waren meine Tochter und ich schon einmal mit meinen Eltern in Nordaustralien unterwegs – also, warum nicht?
Meine Eltern waren nicht gerade hoch erfreut, aber doch einverstanden, dass ihre Tochter alles managt und mitfährt. Wichtig bei dieser Entscheidung war für meine Mutter vor allem die Uhrzeit, zu der sie getroffen wurde, so dass sie sofort ihre Freundin in Kirra anrufen konnte, um ihr den Besuch aus Deutschland anzukündigen. Schließlich kann man nur morgens um 11 Uhr mit Australien telefonieren, wegen der Zeitverschiebung, danach ist am anderen Ende der Welt sozusagen Bettruhe. Meine Mutter war davon felsenfest überzeugt! Ihre Freundin, selbst 84 Jahre und trotz Blutkrebs noch rüstige Autofahrerin, war amuzed. Natürlich könnten wir alle bei ihr übernachten. – Doch da gab mein Vater mir mit Zeichen zu verstehen, dass ich es bloß nicht meiner Mutter sagen sollte. Aber er möchte schon eine kleine Kursänderung erst einmal nur mir gegenüber bekannt geben. – Wenn schon Australien, dann wollte er doch wenigstens noch ein einziges Mal nach Neuseeland.
Nun gut, auch ich war vordem noch nicht in Neuseeland. Und wie an anderer Stelle schon erwähnt, lerne auch ich gerne Neues kennen. Tja, und wenn wir schon nach Australien fliegen, liegt Neuseeland, wie fast jeder weiß, in greifbarer Nähe. Warum nicht, dachte ich. Ein Fünkchen Hoffnung, nun auch diesen Teil der Welt entdecken zu dürfen, entbrannte sofort in mir.
Da ich nur zu bestimmten Zeiten Urlaub machen kann, wurde der Frühling, sprich März/April als ideale Reisezeit für uns alle auserkoren. Natürlich war für meine Mutter sofort klar, dass die Reise aller allerhöchstens 3 Wochen dauern dürfte. – Schließlich musste der Garten, in dem nicht ein einziges Unkraut zu finden war, wieder auf Hochglanz gebracht werden!! Das braucht richtig Zeit, auch wenn es schon morgens um 6 Uhr hell wird!
Nach weiteren schwierigen Absprachen ob der Zeit in Australien und Neuseeland, der unbedingt zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten wurde ich erst einmal mit der Buchung der Flüge und der genaueren Reiseplanung beauftragt. Meine Mutter wusste noch nichts von Neuseeland. Trotzdem konnte schon einmal gebucht werden.
Das erfüllte doch alle meine Wünsche für die kommenden Freizeiten. Und es gab immer ein Zukunftsthema über das ich mit meinen Eltern fantasieren konnte. Herrlich!!! Ich musste nur aufpassen, dass ich meiner Mutter noch nichts von dem geplanten Neuseelandtrip verriet! Neben Job und Familie war nun der Inhalt meiner restlichen Freizeit gesichert.
Also saß ich noch am selben Abend vertieft in Reiseportale und Angebote diverser Fluggesellschaften vor meinem dafür so heiß geliebten PC. Natürlich wurde es spät, nach Mitternacht fand ich erst meine Bettstelle, Von wohligen Zukunftsträumen Bett schwer gab ich mich dem nicht steuerbaren Schlaf hin. Beim Klingeln des Weckers am nächsten Morgen zuckte ich ein wenig zusammen und erlag fast der Versuchung noch ein bisschen weiter zu träumen. – Aber die Pflicht rief.
Einige Wochen beschäftigte ich mich nun mit den wohl günstigsten, aber auch komfortablen Angeboten von Fluggesellschaften. Dabei spielten auch die Flugdauer, die Abflugs- und Ankunftszeiten eine wichtige Rolle. Nach etlicher Zeit des Suchens flog mir dann endlich ein Flugangebot ins Haus bzw. den Computer, dem ich nicht widerstehen konnte. In meinen Augen war es die beste aller Fluggesellschaften, die sicherste und komfortabelste, auch in der Economy Class. Ich war stolz auf mich.
Meine Eltern nahmen meine enthusiastischen Ausrufe am Telefon stoisch hin, meinem Vater war nur der Preis wichtig, damit er mir das Geld erstatten konnte. Meine Mutter interessierte vielmehr wie sie zu ihrer Freundin kommen sollte. – Sie ging im Übrigen noch davon aus, dass wir gemeinsam zu ihrer Freundin fliegen würden. Aber nach Abzug der Flugtage blieben leider reell nur noch 15 Tage für Australien und Neuseeland. Und von Neuseeland wollten mein Vater und ich ja auch ein bisschen was sehen, nicht nur die eine Halbinsel.
Meine Mutter musste nun eingeweiht werden. Leider blieb das Geständnis, dass sie allein zu ihrer Freundin fliegen sollte, während wir für 10 Tage nach Neuseeland starten wollten, an mir hängen. Mein Vater würde in den nächsten Tagen deshalb noch genug Ärger bekommen. Und dass meine Mutter sich hintergangen und benutzt fühlte, war ja auch verständlich. – Meine Mutter erklärte meinen Vater kurzerhand für verrückt. Er immer mit seinen Spinnereien. Aber, dass ich dabei mitmachen würde, enttäuschte sie schwer. Es hieß mal wieder Vertrauen aufbauen, durch Kommunikation für gegenseitiges Verständnis sorgen.
Nun ging die Sucherei also weiter, nachdem ich mit meinen Eltern abgesprochen hatte, wer wo wie lange bleibt.
Die weitere Recherche in den Tiefen des Internets ließ eine der beiden australischen Billigairlines erscheinen, über die ich auch schnell entschlossen die weiteren notwendigen Flüge buchte. Von Sydney für 1 Person zur Goldcoast, nach Auckland von Sydney aus 4 Stunden später für 2 Personen., den Flug von Christchurch 10 Tage später zur Goldcoast für 2 Personen und letztendlich den Flug für 3 Personen von der Goldcoast zurück nach Sydney, um von dort aus den Heimflug nach Deutschland anzutreten. Da bahnte sich eine relative kurze Zeit für einen Urlaub in Übersee an. Aber meine Mutter war zufrieden, dass sie nun nach 3 Wochen auf jeden Fall wieder zu Hause sein konnte. Natürlich wurden sämtliche Freunde und Nachbarn, aber auch flüchtige Bekanntschaften in den Plan der Australienreise eingeweiht. Meine Mutter sonnte sich in dem Mut in ihrem Alter noch solch eine beschwerliche Reise anzutreten.
Während mein Vater und ich uns immer mehr mit der Landeskunde Neuseelands beschäftigten, kamen bei meiner Mutter nun doch Ängste wegen des Essens unterwegs auf. Sie litt nämlich seit Jahrzehnten schon an Speiseröhrenkrämpfen, die immer häufiger auftraten und das Essen auch durch die Nase wieder noch oben beförderten. In solchen Situationen war neben dem, was heraus befördert wurde, auch das Problem, dass sie nicht mehr schlucken konnte, nicht einmal Wasser ging durch ihre Kehle.
Meine Mutter zeichnete ein unerschütterlicher Glaube an die moderne Medizin und die Götter in Weiß aus. Aber nach häufigen Besuchen der verschiedensten Fachrichtungen stand für meine Mutter fest, dass sie damit leben musste. Fleisch wurde nach und nach vom Speiseplan gestrichen, weil dieses häufig der Auslöser für die eben beschriebene Situation zu sein schien. Zu Hause war das alles kein Problem, mein Vater kannte ja das Erbrechen bei Tisch und nahm alles stoisch hin. Aber wie peinlich war es, wenn Fremde dabei waren, noch dazu im Flugzeug. Meine Mutter war dabei eine Strategie zu entwickeln wie sie diese brenzlige Essenssituation im Flugzeug am besten meistern könnte. Leider war die einzige Lösung die sie fand, nur Joghurt zu sich zu nehmen, eventuell Pudding und Wasser.
So waren wir alle sehr beschäftigt mit einer Reise, die ein halbes Jahr später stattfinden sollte.
Beim nächsten Wochenendbesuch unterbreitete ich meinem Vater die von mir entworfene Reiseroute und die dabei zu entdeckenden Sehenswürdigkeiten. – Natürlich hatte ich darauf geachtet, dass immer wieder kurze Pausen gemacht werden mussten. Durch seine Entwässerungstabletten getrieben musste mein Vater häufiger als andere Menschen immer wieder schnell ein stilles Örtchen aufsuchen.
Für neun Nächte waren Hotels zu buchen, außerdem musste ein Mietwagen her, mit dem alles abgefahren werden konnte. Die Entfernungen abschätzend, die unterschiedlichen Highlights bedenkend und natürlich das Alter meines Vaters war bald nicht nur der Reiseverlauf in Neuseeland klar, sondern auch alle Hotels mit dem Komfort, den mein Vater in seinem hohen Alter brauchte, gebucht.
Um alles noch weiter zu entspannen, legte ich den ersten Zwischenstopp in einem Hotel schon in Frankfurt in Deutschland ein. Nach der Arbeit würde ich mit meinen Eltern einen Flieger nach Frankfurt nehmen, dann ganz geruhsam im Hotel einchecken und am nächsten Vormittag spät wieder zum Frankfurter Flughafen zurückkehren, um dann endlich mit meinen Eltern den langen Flug nach Australien anzutreten. Es gab zum Glück gerade günstige Inlandsflüge nach Frankfurt, ein Hotel in Flughafennähe war auch schnell gefunden.
Nur für die Rückreise gestaltete sich die Planung von Frankfurt zum Heimatort schwierig. Es gab keine Flüge mehr. Meine Eltern wollten auf gar keinen Fall auf der Rücktour noch irgendwo in Deutschland eine Zwischenübernachtung.
Als Transportmittel erster Wahl haben wir ja auch immer noch die Deutsche Bahn. Dort ergatterte ich nun erschwingliche Tickets für die Rückreise ab Frankfurt, natürlich erster Klasse! Unter dem reiste meine Mutter schon lange nicht mehr.
Soweit war alles vorbereitet, mein Vater hatte mir den für sie beide verauslagten Teil des Geldes schon zurückerstattet. Meine Mutter war in Gedanken am Packen, mein Vater sicherlich insgeheim auch. Vorfreude auf diese große Reise machte sich breit. Es waren Reiseführer angeschafft worden, die auf wunderbare unterschiedliche Landschaften, Vogelarten und Meeressäuger aufmerksam machten. Auch mein Vater informierte sich ausgiebig über die sehr unterschiedlich geartete Natur auf der Süd- und Nordhalbinsel Neuseelands. Auf der Nordhalbinsel wollten wir auf jeden Fall die Schlammlöcher, Schwefelquellen und vor Hitze kochende Erde entdecken. Auf der Südhalbinsel lockten eine spezielle Pinguinart, riesige Robbenkolonien, wunderbare Küstenlandschaften auch zur Walbeobachtung und eine Seenlandschaft, die es in Europa ähnlich vor allem in Norwegen gibt. Wir lasen uns immer mehr in die Wunderwelt Neuseelands ein, sehr gespannt auf das, was uns in Wirklichkeit erwarten würde.
Nebenbei ging ich weiterhin meinem 50 Stunden Ganztagsjob nach und chattete hin und wieder mit meiner jüngsten Tochter, die sich gerade für 3 Monate in Australien aufhielt.
Ende Oktober, ich war spät abends von der Arbeit zurück und hatte mich erschöpft hingelegt, klingelte nachts das Telefon. Meine Mutter teilte mir aufgeregt mit, dass mein Vater auf der Toilette gefallen wäre und vor Schmerzen geschrien hätte.
Zum Glück waren meine Eltern beide bis zum Ende geistig fit und in Notsituationen praktisch veranlagt. Auf Geheiß meines Vaters hatte sie dem Notarzt Bescheid gesagt, notwendige Sachen für meinen Vater in einen kleinen Koffer gepackt und war mit ihm zusammen im Rettungswagen in das Krankenhaus gefahren, nicht ohne vorher noch ihrem Schwiegersohn und der Nachbarin Bescheid zu sagen. Mit diesem Anruf war ich hellwach, raffte das Nötigste zusammen und machte mich auf den Weg ins Krankenhaus. Zum Glück war es Freitag und ich musste am nächsten Tag nicht arbeiten! Nach gut einstündiger nächtlicher Fahrt kam ich im Krankenhaus an und fand meine Mutter auf dem Krankenhausflur sitzend vor. Mein Vater hatte sich einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen, wurde sofort operiert. Nach kurzem Informationsaustausch mit dem Krankenhauspersonal nahm ich sozusagen meine vollkommen aufgelöste Mutter an die Hand und fuhr mit ihr gemeinsam in mein Elternhaus. Die Nacht war nur noch kurz! Ich lag in meinem alten Kinderzimmer im Bett, das gerade noch mein Vater benutzt hatte!
Die Nacht war wirklich kurz!! Meine Mutter war um 5 Uhr schon wieder auf den Beinen. Das war keine senile Bettflucht, sondern ihr, beziehungsweise auch mein ganzes Leben lang schon so. Sie konnte nur wenig Schlaf finden, zu sehr drückten sie die Sorgen um meinen Vater und sicher auch um ihre Zukunft. Und das alles trotz der Schlaftablette, die sie nun ausnahmsweise in doppelter Menge geschluckt hatte!
Leider bin ich ein Mensch, der sehr viel Schlaf braucht und gerne morgens auch einmal ein bisschen länger im Bett bleibt, gerade an arbeitsfreien Wochenenden. Doch daran war nun überhaupt nicht zu denken. Meine Mutter weckte mich zwar nicht, rumorte aber im ganzen Haus herum. Als ich mich endlich auch aus dem Bett gequält hatte, war der Tisch schon fürs gemeinsame Frühstück gedeckt. Ihr Mantel hing über dem Stuhl, die Handtasche lag bereit, auch das Brötchengeld lag schon abgezählt auf dem Tisch. Mit der Bemerkung, dass sie schon fast ein Taxi gerufen hätte, zog meine Mutter ihren Mantel an, nahm Handtasche und Geld, öffnete die Garage. Ich hatte mich währenddessen auch in Windeseile fertig gemacht, den Autoschlüssel geschnappt und war nun bereit zum Gehen beziehungsweise Fahren. Im Auto gab meine Mutter Anweisungen wie zu fahren sei, wo ich zu parken hätte, nämlich genau vor der Eingangstür und öffnete schon mal den Sicherheitsgurt, noch bevor ich überhaupt angehalten hatte. Während ich etwas unglücklich mit meinem Wagen nun genau vor der Eingangstür der Tankstelle, denn nur hier gab es nach Meinung meiner Eltern wirklich gute Brötchen, auf ihre Rückkehr wartete, hielt sie ein kleines Pläuschen mit der Inhaberin, erzählte ihr ein wenig detaillierter das Unfalldilemma meines Vaters. All das sah ich anhand der Gestikulationen. Die bösen Blicke der aus dem Shop hinauskommenden Leute, denen ich mit dem Auto deutlich den Weg versperrte, ignorierte ich standhaft. Endlich wieder im Auto angekommen, forderte meine Mutter mich ungeduldig auf nun aber mal schnell loszufahren. Während der Fahrt unterhielt sie mich damit, wie nett und einfühlsam die Dame an der Tankstelle sei.
Noch nicht auf der Auffahrt wurde der Gurt schon wieder gelöst und ich dem erbärmlichen Piepen des Anschnallsignals überlassen. Ich denke, meine Mutter hörte diesen dank ihrer zunehmenden Schwerhörigkeit nicht mehr wirklich. Meine Mutter sprang aus dem Auto, ich hinterher. Die Tür wurde geöffnet, noch im Mantel der vorbereitete Kaffee angestellt. Ich war bemüht mich an den Vorkehrungen meiner Mutter zu beteiligen, konzentrierte mich auf die für sie nächsten wichtigen Schritte, um sie wenigstens ein wenig zu entlasten. Schnell riss ich also den eben fertig gebrühten Kaffee aus dem Automaten, goss ihn in eine andere dafür vorgesehene Kanne, schraubte den Deckel auf und konnte gerade noch rechtzeitig vor meiner Mutter den Kaffeeautomaten für den Nachmittagskaffee präparieren. Dabei hätte ich doch beinahe vergessen, den Schalter der Kaffeemaschine auszustellen.
Ich brachte den fertigen Kaffee an seinen angestammten Platz, allerdings nicht bevor ich meiner Mutter und mir Kaffee in die Tasse eingeschenkt hatte. Mit einem unauffälligen schnellen Blick über den gedeckten Tisch stellte ich fest, dass meine Mutter wie immer an alles gedacht hatte. Ja, leider, wie in Zeiten meiner Kindheit lagen die schon mit Butter beschmierten Brötchenhälften auf meinem Frühstücksteller. Für mich kaum zu ertragen, waren die Brötchenhälften sehr ungleich geschnitten, hauchdünn das Unterteil, dafür um so dicker das Oberteil. Ich hasse das, schluckte aber meinen Ärger ohne Kommentar herunter.
