Lykanerprinzessin, Schicksalsgefährte - Laura Dutton - E-Book

Lykanerprinzessin, Schicksalsgefährte E-Book

Laura Dutton

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Beschreibung

Sie hat ihre Krone begraben.
Sie hat ihre Vergangenheit ausgelöscht.
Sie hätte nie erwartet, dass das Schicksal blutend auf ihren OP-Tisch zurückkehrt.
Dr. Marianna Jackson ist die Frau, die Monster fürchten und der Menschen vertrauen – eine weltbekannte Unfall- und Traumachirurgin, die unter grellem OP-Licht Leben rettet und dabei eine Wahrheit verbirgt, älter als die moderne Welt selbst. Sie ist lykanisches Königshaus: eine Prinzessin, geformt durch Verrat, und die letzte Überlebende einer Blutlinie, die zum Herrschen bestimmt war. Seit Jahrhunderten lebt sie im Schweigen – aus nur einem einzigen Grund: das Kind zu schützen, das niemals jemand entdecken darf.
Bis zu jener Nacht, in der ihr Schicksalsgefährte in ihr Krankenhaus gebracht wird – angeschossen, blutend und bewusstlos.
Maximiliano Wolf ist Tech-Milliardär, König der Unterwelt und lykanischer Prinz – ein Mann, dessen Kontrolle ihn nie im Stich gelassen hat… bis sein Wolf erwacht und die Frau über ihm als seine Gefährtin erkennt: die Frau, die vor Jahren nach einer einzigen Nacht verschwand, die das Schicksal selbst zerbrach.
Sie weist ihn zurück.
Sie weist das Schicksal zurück.
Doch das Schicksal lässt seine Klauen nicht so leicht los.
Während uralte Feinde näher rücken und die lykanische Hierarchie nach einem verlorenen royalen Erben jagt, wird das Krankenhaus zum Schlachtfeld, die Vergangenheit prallt auf die Gegenwart – und die verborgene Macht eines Kindes droht, die Gesetze ihrer Welt neu zu schreiben. Begehren wird gefährlich. Liebe wird tödlich. Und das Band, das keiner von ihnen wollte, könnte das Einzige sein, das sie alle retten kann.
Denn Marianna hütet nicht nur ein Geheimnis.
Sie verbirgt die Zukunft.
Und wenn der Mond sich blutrot färbt, wird Blut entscheiden, wer herrscht… und wer überlebt.

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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Lykanerprinzessin, Schicksalsgefährte

Eine geheime Babyromanze, ein abgewiesener Partner, ein Milliardär und ein Werwolf

LAURA DUTTON

Copyright © 2026, Laura Dutton

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form oder von irgendeinem Medium reproduziert werden.

elektronische oder mechanische Mittel, einschließlich Informationen

Speichersysteme und Abrufsysteme, ohne

schriftliche Genehmigung des Verlags.

Veröffentlicht von: Laura Dutton

HAFTUNGSAUSSCHLUSS

Dieser Roman ist ein fiktives Werk. Namen, Charaktere, Schauplätze, Organisationen und Ereignisse sind entweder Produkte der Fantasie des Autors oder werden fiktiv verwendet. Jegliche Ähnlichkeit mit tatsächlichen Personen, ob lebend oder tot, oder mit realen Ereignissen ist rein zufällig.

Es behandelt Themen wie Leidenschaft, Macht, übernatürliche Konflikte und emotionale Intensität, die möglicherweise nicht für alle Leser geeignet sind. Wir empfehlen daher, dies mit Vorsicht zu genießen.

Die Meinungen, Gefühle und Handlungen der Figuren sind rein fiktiv und spiegeln nicht die Überzeugungen oder Ansichten des Autors wider.

INHALTSVERZEICHNIS

 

PROLOG

Kapitel 1 – Die Frau, die niemals blutet

Kapitel 2 – Ankunft im Code Black

Kapitel 3 – Unter OP-Leuchten

Kapitel 4 – Der Wolf, der erwacht

Kapitel 5 – Inhibitoren

Kapitel 6 – Eine vertraute Narbe

Kapitel 7 – Das Kind im sechsten Stock

Kapitel 8 – Abgelehnt

Kapitel 9 – Unternehmenswölfe

Kapitel 10 – Blutgruppenverträglichkeit

Kapitel 11 – Keine Geheimnisse mehr

Kapitel 12 – Der abtrünnige Wissenschaftler

Kapitel 13 – Alte Feinde

Kapitel 14 – Linien im Dunkeln

Kapitel 15 – Belagerungsvorbereitungen

Kapitel 16 – Der Wolf im Menschen

Kapitel 17 – Erwachen der Blutlinie

Kapitel 18 – Die Krone enthüllt

Kapitel 19 – Massaker im Operationssaal

Kapitel 20 – Die Wahl

Kapitel 21 – Ein neues Alpha

Kapitel 22 – Nachwirkungen

Kapitel 23 – Die Entscheidung

Kapitel 24 – Die neu erschaffene Welt

Kapitel 25 – Nicht Schicksal, sondern Wahl

EPILOG

 

PROLOG

Sie rennt davon, bevor der Schrei ihre Kehle erreicht.

Stein schneidet in Mariannas nackte Füße, als sie den letzten Torbogen passiert. Ihr Atem entweicht in scharfen, flachen Stößen, die sich nicht vertiefen wollen. Die Nachtluft schmeckt nach Eisen und Asche. Irgendwo hinter ihr trifft Stahl auf Knochen. Irgendwo hinter ihr wird ihr Name gerufen – nicht aus Treue, sondern im Triumph.

Der Palast stirbt.

Sie blickt nicht zurück. Zurückzublicken hieße, die Leichen zu sehen. Zurückzublicken hieße zu begreifen, dass die Mauern, die sie erzogen, geformt und in Stille gekrönt hatten, lange bevor eine Zeremonie es je hätte tun können, bereits gefallen sind. Sie presst die Zähne zusammen und schreitet voran, die Wunde an ihrer Seite umklammernd, aus der warmes, stetiges Blut zwischen ihren Fingern rinnt.

Der Mond hängt zersplittert über ihr, sein Licht von schnellziehenden Wolken gespalten. Er leitet sie nicht. Er beobachtet sie nur.

Marianna stolpert durch das äußere Tor, gerade als es nach innen einstürzt und die Steine unter ihrem Geschehen kreischen. Die Druckwelle schleudert sie nach vorn. Sie schlägt hart auf dem Boden auf, ihre Rippen schmerzen, ihre Handflächen schürfen sich beim Abrollen auf. Ihre Sicht verschwimmt. Sie schmeckt Erde, Kupfer und etwas Bitteres, das sie nicht benennen will.

Aufstehen.

Sie stemmt sich in die Knie, der Befehl hallt aus einer Tiefe wider, älter als die Furcht selbst. Sie zwingt sich aufzurichten, schwankt. Der Wald jenseits der Palastmauern gähnt weit und dunkel, seine Äste krallen sich in den Himmel. Dort liegt die Sicherheit. Dort auch das Exil.

Hinter ihr erhebt sich ein Heulen – zu nah, zu schrill.

Marianna rennt.

Äste reißen an ihrer Haut, als sie in den Wald stürzt. Ihre Lungen brennen. Ihr Herz hämmert gegen ihre Rippen, jeder Schlag ein Countdown. Jetzt spürt sie sie, spürt den Sog ihres Blutes, der Raubtiere herbeiruft, die ihr einst zu Füßen geschworen haben. Der Verrat lastet schwerer als die Wunde. Schwerer als der Verlust.

Ein Schatten kreuzt ihren Weg. Marianna weicht zu spät aus.

Ein stechender Schmerz durchfährt ihre Schulter, als sie gegen etwas Hartes prallt. Starke Hände fangen sie auf, bevor sie auf dem Boden aufschlägt, ihre Finger krallen sich in ihre Arme. Instinktiv schlägt sie um sich, ein Blitz aus Zähnen und Wut, doch der Griff wird fester, unnachgiebig.

„Ganz ruhig“, schnauzt eine Stimme – leise, menschlich, angespannt. „Du willst leben?“

Ihre Augen reißen auf.

Der Mann, der sie hält, gehört nicht zu ihnen. Sein Geruch trifft sie zuerst – Öl, Metall, Schweiß, scharf und fremd, überlagert vom klaren Brennen des Adrenalins. Keine Marke. Kein Besitzanspruch. Seine Augen sind dunkel, wachsam, reflektieren das Mondlicht, ohne darauf zu reagieren.

Menschlich.

„Wie …“ Ihre Stimme bricht. Sie schluckt und presst das Wort hervor. „Wie bist du zwischen den Stationen hindurchgekommen?“

„Nein“, sagt er kurz angebunden. „Sie sind heruntergekommen.“

Wie herbeigerufen, zerreißt ein weiteres Heulen die Bäume, diesmal näher. Der Mann flucht leise und zerrt sie mit sich, trägt sie halb, während er tiefer in den Wald rennt. Mariannas Füße berühren kaum den Boden. Ihr Blickfeld verengt sich. Sie spürt, wie sie abrutscht, wie etwas Gewaltiges gegen ihre zerbrechliche Gestalt drückt.

Nicht jetzt.

Sie brachen durch die Baumreihe auf eine Lichtung, wo eine Maschine wartete – Metall und Glas, leise summend. Ein Fahrzeug. Ihr Verstand verharrte bei der Unmöglichkeit, selbst als der Mann eine Tür aufriss und sie hineinstieß.

„Bleib unten“, befiehlt er.

Sie gehorcht, weil das Heulen erneut ertönt, so nah, dass es ihr bis ins Mark erschüttert.

Die Tür knallt zu. Der Motor heult auf. Das Fahrzeug ruckt vorwärts, die Reifen quietschen, als es über unebenes Gelände rast. Marianna krümmt sich zusammen, ihr Atem geht dünn und stockend. Ihr Blut glänzt auf dem Sitz unter ihr. Sie presst fester gegen die Wunde und kämpft gegen die Schwäche an, die sich in ihren Gliedern ausbreitet.

Sie durchbrechen den Wald und gelangen auf eine weite Steinfläche, die im Mondlicht schwach leuchtet. Der Palast verschwindet hinter ihnen, verschluckt von Bäumen und der Ferne. Mariannas Brust schnürt sich zusammen; der Kummer schneidet tiefer als jede Klinge.

„Es sieht schlimm aus“, murmelt der Mann und wirft ihr einen Blick zu. „Du blutest.“

„Ich weiß“, flüstert sie.

Er reißt einen Stoffstreifen von seinem Ärmel ab und drückt ihn ihr ohne zu fragen an die Seite. Seine Berührung ist fest, zweckmäßig. Sie sollte nichts bedeuten.

Nein.

Unter seiner Hand lodert eine stechende, verwirrende Hitze auf. Marianna atmet scharf ein, ihre Finger krallen sich in den Sitz. Etwas in ihr regt sich, erwacht, streckt sich ihm mit gefährlichem Interesse entgegen. Ihr Herz setzt aus, dann schlägt es heftiger.

Der Mann erstarrt. Sein Blick huscht zu ihrem Gesicht. Einen Herzschlag lang rührt sich keiner von beiden.

„Was bist du?“, fragt er leise.

Sie sollte lügen. Sie hat schon einmal gelogen, sie wird wieder lügen. Doch die Worte verheddern sich auf ihrer Zunge, gefangen in der seltsamen Anziehungskraft, die zwischen ihnen herrscht.

„Jemand, der in Bewegung bleiben muss“, sagt sie stattdessen.

Seine Mundwinkel verziehen sich. Er nickt einmal und drückt das Gaspedal stärker durch.

Zeitbrüche.

Die Straße wird ebener. Die Luft verändert sich. Der Wald weicht Formen und Lichtern, die keinen Sinn ergeben – Türme aus Glas und Stahl, leuchtende Linien, die die Dunkelheit durchschneiden, das ferne Dröhnen einer Welt, die es eigentlich nicht geben dürfte. Marianna hebt wider Willen den Kopf, der Schmerz vergessen angesichts von Staunen und Schrecken.

„Wo sind wir?“, haucht sie.

Der Mann lacht einmal scharf und ungläubig. „Du bist nicht von hier.“

Das Fahrzeug bremst an einer Ampel ab. Er fährt unter ein massives, summendes Gebäude über ihnen. Die Nacht hier riecht seltsam – zu sauber, zu laut. Mariannas Ohren klingeln davon.

„Du kannst nicht mitkommen“, sagt sie plötzlich.

Er wendet sich ihr mit zusammengezogenen Brauen zu. „Du bist nicht in der Verfassung, um –“

„Ich kann nicht“, wiederholt sie, nun fester. Die Anziehungskraft zwischen ihnen ist wieder da, stärker, eindringlicher. Sie ängstigt sie mehr als die Klingen. „Wenn ich bleibe, werden sie mir folgen.“

Stille breitet sich aus. Er mustert sie, als wolle er sie sich einprägen, sein Blick verweilt auf ihrem Gesicht, dem Blut an ihren Händen, der Art, wie sie sich trotz allem gibt.

„Dann bringe ich dich an einen sicheren Ort“, sagt er. „Nur für die Nacht.“

Sie sollte sich weigern. Jeder Instinkt schreit ihr zu, zu fliehen, zu verschwinden, diesen Faden zu durchtrennen, bevor er sich zu fest zuzieht. Doch die Erschöpfung lastet schwer. Die Wunde pocht. Die Nacht bricht herein.

„Eines Nachts“, stimmt sie zu.

Der Ort, an den er sie bringt, ist klein, karg, erfüllt vom Summen seltsamer Geräte und dem Duft von Seife. Vorsichtig reinigt er ihre Wunde, die Kiefer angespannt, den Blick abgewandt, fast absichtlich. Sie beobachtet ihn durch gesenkte Wimpern, ihre Sinne streifen seine wie Funken an trockenem Holz.

Als er fertig ist, weicht er zurück, als wäre er verbrannt.

„Du solltest dich ausruhen“, sagt er. „Ich nehme die Couch.“

Marianna schüttelt den Kopf. „Bleib.“

Das Wort rutscht ihr heraus, bevor sie es verhindern kann.

Er blickt sie an, ein Ausdruck tiefer Verletzlichkeit huscht über sein Gesicht. „Du weißt nicht, was du da fragst.“

"Ich tue."

Die Nacht senkt sich um sie, schwer von Ungesagtem. Als er sie erneut berührt, ist es ehrfürchtig, fast vorsichtig, als spüre er die Verletzlichkeit unter ihrer Haut. Ihre Körper fügen sich mit verblüffender Leichtigkeit zusammen, Hitze, Atem und Dringlichkeit lassen die Grenzen der Welt verschwimmen. Für ein paar gestohlene Stunden gibt es keinen Thron, keinen Staatsstreich, keine Zukunft – nur den gleichmäßigen Schlag zweier Herzen, die einen Rhythmus finden, der sich unausweichlich anfühlt.

Marianna wacht vor Tagesanbruch auf.

Die Stadt jenseits des Fensters leuchtet blass, unwirklich. Der Mann schläft neben ihr, seine Züge sind im Schlaf weich. Sie prägt sich die Linie seines Mundes ein, die feine Falte zwischen seinen Brauen, das gleichmäßige Heben und Senken seines Brustkorbs.

Der Abschied schmerzt mehr, als es je könnte, wenn man bliebe.

Sie zieht sich leise an und sammelt die letzten Reste ihrer selbst zusammen. An der Tür hält sie inne, eine Hand auf ihren Bauch gepresst, während eine seltsame, tiefe Wärme in ihr aufsteigt, ungewohnt und beängstigend.

Der Mond ist verschwunden.

Verständnis überkommt sie mit einer furchtbaren Ruhe.

Der Wandel hat bereits begonnen.

Kapitel 1 – Die Frau, die niemals blutet

 

Sie wacht auf, bevor die Monitore Alarm schlagen.

Marianna Jackson öffnet die Augen und hört das leise Summen der Maschinen und die schwachen Vibrationen unter dem Boden, die ihr verraten, dass das Krankenhaus auch um diese Zeit noch in Betrieb ist. Für einen kurzen Augenblick drängt sich die Erinnerung an einen anderen Morgen auf – der Geruch von Öl und Seife, die Wärme in ihrem Bauch, die Gewissheit, dass ihr Weggang mehr als nur ihr eigenes Leben gerettet hatte.

Sie atmet langsam aus und lässt die Vergangenheit hinter sich.

Das Bereitschaftszimmer ist spartanisch und sauber, geschaffen für die seltene Ruhe. Marianna schwingt die Beine über die Kante des schmalen Bettes und steht da, den Rücken gerade, den Atem ruhig. Der Spiegel über dem Waschbecken reflektiert eine Frau, die völlig beherrscht wirkt: dunkles Haar streng zurückgebunden, hellgoldene Augen klar und wach, das Gesicht so gefasst, dass es fast streng wirkt. Nichts ist mehr von dem Mädchen zu sehen, das einst barfuß durch blutgetränkte Steinhallen rannte.

Sie wäscht sich aus Gewohnheit lange und gründlich die Hände, obwohl noch kein Patient wartet. Das Ritual gibt ihr Halt. Haut. Knochen. Druck. Präzision. Dinge, die Regeln gehorchen.

Ihr Handy vibriert auf der Küchentheke.

Trauma One im Anflug. Voraussichtliche Ankunft in sechs Minuten.

Marianna greift schon nach ihrem Mantel, als die zweite Nachricht eintrifft.

Mehrere Schussverletzungen. Männlich. Achtunddreißig. Bekannte Persönlichkeit.

Ihre Finger ruhten.

Bekanntheit bedeutet Komplikationen. Sicherheitsvorkehrungen. Fragen. Zu genaue Beobachtung. Nichts davon wünscht sie sich, doch ihr Puls bleibt ruhig. Er bleibt immer ruhig. Deshalb vertrauen sie ihr auch die schlimmsten Nächte an.

Sie betritt den Flur, ihre Absätze knallen gleichmäßig auf den polierten Boden. Das Krankenhaus atmet um sie herum – ferne Stimmen, das Rollen der Wagen, die stille Dringlichkeit eines Ortes, der niemals schläft. Als sie um die Ecke zum Schockraum biegt, richten sich die Angestellten wie von selbst auf. Gespräche brechen mitten im Satz ab. Selbst diejenigen, die ihr um Jahre voraus sind, fügen sich in den Gleichschritt.

Marianna erhebt nicht die Stimme. Sie hat es nicht nötig.

„Bereite Bay One vor“, sagt sie und ist schon in Bewegung. „Tippen und kreuzen. Bildgebende Verfahren anrufen und OP-Unterstützung alarmieren.“

„Ja, Dr. Jackson“, ertönt der Refrain.

Taylor Montgomery erscheint an ihrer Seite, ihr Pferdeschwanz schwingt, ihre Augen sind trotz der späten Stunde wachsam. „Du hattest recht“, sagt sie leise. „Es ist schlimm.“

„Das ist immer so“, antwortet Marianna.

Sie treten durch die Doppeltüren in den Schockraum. Unter ihrem Blick herrscht sofort volle Einsatzbereitschaft. Die Handschuhe sind fest angezogen, die Instrumente bereitgelegt, die Lampen perfekt ausgerichtet. Marianna schlüpft in ihren OP-Kittel, die Hände erhoben, die Haltung entspannt – eine Ruhe, die nur Gewissheit schenkt.

Die Vergangenheit bleibt dort, wo sie hingehört. Begraben.

Die Türen flogen auf.

Die Trage wird mit kontrollierter Wucht in den Raum gefahren, flankiert von Sanitätern, die schnell und laut sprechen. Blut färbt die Laken dunkel und breitet sich aus. Der Patient liegt regungslos da, der Brustkorb hebt sich nur flach, der Kiefer selbst in der Bewusstlosigkeit angespannt.

„Schussverletzungen im Bauch- und Schulterbereich“, berichtet ein Rettungssanitäter. „Zwei Projektile wurden am Einsatzort sichergestellt, eines davon steckt vermutlich noch im Körper. Der Blutdruck sank auf dem Weg zum Unfallort.“

Marianna tritt vor, ihre Augen scannen automatisch die Wunde. Eintrittswunde. Austrittswunde. Der Winkel sagt ihr mehr als Worte. Ihre Hände schweben knapp über der Haut des Patienten und erfassen bereits die darunterliegenden Verletzungen.

„Der Blutdruck sinkt“, sagt Taylor. „Er hat Tachykardie.“

„Intubieren“, befiehlt Marianna. „Sofort.“

Sie beugt sich näher – und die Welt gerät ins Wanken.

Als Erstes nimmt sie den Geruch wahr. Öl. Metall. Hitze.

Ihr Atem stockt, bevor sie ihn stoppen kann.

NEIN.

Ihr Blick fällt auf das Gesicht des Patienten, auf die harten Konturen seines Kiefers, die dunklen Stoppeln auf seiner Wange, die feine Falte zwischen seinen Brauen, deren Bedeutung ihr unbekannt ist. Die Zeit scheint stillzustehen, der Raum verengt sich, bis sie nur noch ihn sieht.

Er kann es nicht sein.

„Doktor?“ Taylors Stimme durchdringt das Klingeln in ihren Ohren.

Marianna zwingt sich, ihre Aufmerksamkeit wieder in die Gegenwart zu richten. Die Monitore piepen immer schneller. Blut sammelt sich. Der Körper auf dem Tisch blutet wie jeder andere.

Reiß dich zusammen.

„Name?“, fragt sie scharf.

Der Sanitäter zögert. „Maximiliano Wolf.“

Der Name trifft wie ein Schlag.

Für einen Sekundenbruchteil – dessen Existenz sie später leugnen wird – bricht Mariannas Fassung. Die Mauern, die sie über Jahrhunderte errichtet hat, erzittern, und die Erinnerung, die sie verdrängt hat, krallt sich mit Zähnen, Hitze und Verheißung an die Oberfläche.

Ein Mann unter einem Fenster, dessen Gesicht im Morgengrauen erbleicht war. Eine tiefe, sanfte Wärme. Eine Gewissheit, die sie nicht benennen wollte.

Ihre Hände ballen sich in den Handschuhen zu Fäusten.

„Dr. Jackson“, sagt Taylor erneut, jetzt näher. „Soll ich …?“

„Ich hab ihn“, schnauzt Marianna, schärfer als beabsichtigt.

Sie blickt Taylor nicht an. Sie kann es nicht riskieren, in ihm Wiedererkennung zu sehen. Stattdessen wendet sie ihre ganze Aufmerksamkeit dem Patienten zu, Maximiliano Wolf, der auf ihrem Tisch verblutet, als hätte das Universum selbst einen grausamen Sinn für Humor entwickelt.

„Der Druck sinkt immer noch“, sagt jemand.

„Klemme“, antwortet Marianna mit nun ruhiger Stimme. „Saugkraft.“

Sie arbeitet.

Die Welt reduziert sich auf die vertraute Sprache der Krise. Einschnitt. Druck. Das kontrollierte Chaos synchroner Bewegungen. Ihre Hände wissen, was zu tun ist, während ihr Verstand ihr zuschreit, innezuhalten, zu fliehen, Abstand zwischen sich und den Mann zu bringen, den das Schicksal wieder in ihr Leben geführt hat.

Sein Blut ist dunkler, als es sein sollte.

Die Beobachtung fügt sich leise, ohne Aufsehen, ohne Kommentar ein. Sie speichert sie ab und geht weiter.

„Doktor“, sagt der Anästhesist, „er wehrt sich.“

Marianna blickt auf. Der Kiefer des Patienten spannt sich an, die Muskeln unter der Haut ziehen sich zusammen, der Herzschlag beschleunigt sich trotz Sedierung.

„Er ist stark“, fügt der Anästhesist ungläubig hinzu.

Marianna schluckt.

„Passen Sie die Dosierung an“, sagt sie. „Vorsichtig.“

Ihre Finger streifen seine Haut, als sie sich über ihn beugt, und die Reaktion ist sofort da. Unter ihren Handschuhen lodert eine scharfe, unübersehbare Hitze auf, ein Drang, der einem Drang entspricht, den sie ihr Leben lang unterdrückt hat. Ihr Herz setzt einen Schlag aus, beruhigt sich dann aber allein durch Willenskraft.

Nicht jetzt.

Sie unterdrückt das Gefühl und greift nach dem kleinen Fläschchen, das diskret in ihrer Tasche steckt. Ihre Bewegungen bleiben präzise, als sie ihm das Schmerzmittel über den intravenösen Zugang verabreicht und den Akt in einer Hektik notwendiger Handgriffe verbirgt.

Die Reaktion erfolgt sofort. Seine Muskeln entspannen sich. Die Monitore zeigen wieder normale Werte an.

Niemandem sonst fällt es auf.

Marianna richtet sich langsam auf, ihr Puls pocht in den Ohren. Die Verbindung – denn es gibt kein anderes Wort dafür – pulsiert unter ihrer Haut, wütend und hellwach. Sie hat jahrhundertelang geschlafen. Dafür hat sie gesorgt.

Ihn zu sehen, hat die Situation verändert.

„Wir müssen umziehen“, sagt sie. „Oder: Jetzt.“

Sie schieben ihn mit geübter Geschwindigkeit hinaus, die Trage gleitet durch die Gänge, die von Sicherheitskräften geräumt wurden, die viel zu schnell eingetroffen sind. Männer in dunklen Anzügen säumen die Wände, ihre Augen scharf, die Hände nahe an Waffen, die sie nicht zeigen.

In der Tat ein hochkarätiges Projekt.

Während sie sich bewegen, fängt Marianna Bruchstücke von geflüsterten Gesprächen auf.

„—Der Treffer war sauber—“

„—nicht zufällig—“

—jemand wollte ihn tot sehen—

Sie ignoriert all das. Ihr Fokus richtet sich auf das gleichmäßige Heben und Senken seines Brustkorbs, auf die Art, wie sich seine Stirn selbst unter Sedierung runzelt, als ob ein Teil von ihm wüsste, dass er nicht in Sicherheit ist.

Die Türen des Operationssaals schwingen auf. Das Licht strahlt hell. Die vertraute Umgebung sollte sie beruhigen.

Nein.

Als sie ihn auf den Tisch umsetzen, schlägt er die Augenlider auf.

Stahlgrau trifft auf Gold.

Für einen Herzschlag steht die Welt still.

Ein Blitz der Erkenntnis huscht über sein Gesicht – keine Erinnerung, noch nicht, sondern Instinkt. Etwas Tiefes in ihm regt sich, erwacht, greift nach ihr. Sein Blick trifft ihren mit beunruhigender Intensität.

Marianna empfindet es wie einen Schlag in die Brust.

„Nein“, flüstert sie so leise, dass es niemand anderes hören kann.

Seine Lippen öffnen sich. Kein Laut kommt heraus, aber seine Augen weichen nicht von ihrem Gesicht.

Dann wirken die Drogen wieder, sein Kopf fällt nach hinten, das Bewusstsein schwindet.

Der Raum atmet aus.