Lyrik, eine späte Bekanntschaft - Rolf Kunert - E-Book

Lyrik, eine späte Bekanntschaft E-Book

Rolf Kunert

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Beschreibung

Ein Rückblick auf die wichtigen und weniger wichtigen Dinge im Lebens. Lyrik die nachdenklich macht, uns aber auch lächeln lässt.

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Seitenzahl: 29

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Die Spinne

Knittelvers

Ansprüche

Das Schneckchen

Zipfel fliegt

Zipfel wird gerettet

Ein Wandertag

Volksliedstrophe

Hiddensee

Ein schöner Tag

Jambus

Mein Garten

Mein Herbst

Trochäus

Der Nachwuchs fehlt

Die Frage

Daktylus

Ein Ausflug zum Wörlitzer Park

Nachts in den Bergen

Anapäst

Fortschrittsgläubig

Heute

Trochäus

Die Grenzübergangsstelle

Ballade

Die Zeit

Regieren

Vaters Tod

Chevy-Chase-Zeile

Jagdglück

Griechenland 2012

Hexameter

Hochzeitstag

Limericks

Limericks

Resümee

Stanze

Zueignung

Aus dem Tagebuch

Sonett

Der Friedens-Nobelpreis 2012

Tafelrunde

Distichon

Görlitz

Des Kaisers neue Kleider

Blankvers

Die Eurokrise

Freie Rhythmen

Die Wahl in Amerika

Tief drinnen

Alexandriner

Die Spinne

Bei mir schwingt eine dicke Spinne

Vor dem Fenster, an der Dachrinne

In ihrem Netz im Abendlicht,

Und lauert: sie bemerkt mich nicht.

Sie sitzt fest in des Netzes Mitte

Und wie bei diesen Tierchen Sitte,

Scheint sie völlig reglos und stumm,

Dreht sich in Stunden niemals um.

Ich schaue hin und möchte sehen,

Ob Motten in die Falle gehen.

Wie geschickt dann das Spinnentier

Den Fang rollt, nach bester Manier.

Doch sie gönnt mir das Schauspiel nicht,

Obwohl ihr feines Netz so dicht.

Wer hat ihr beigebracht zu weben,

Hat’ s für Spinnen Schulen gegeben?

Später scheuchte ich sie weit fort.

Zu suchen einen neuen Ort

Für Mottenmord im Jagdrevier.

Blank sei das Fenster vom Getier.

Nur ein langer Tag war vergangen,

Schon hat sie wieder da gehangen

Da gab ich ihr jetzt doch Pardon

Für den letzten Rest der Saison.

Ansprüche

Die Erdhummel und der Weberknecht

Stritten sich um das gute Recht,

Auf einer Rose zu verweilen.

Beide wollten den Platz nicht teilen.

Geh in dein Erdloch bei den Steinen,

Du Flieger mit sechs kurzen Beinen,

Sagte das graue Spinnentier:

Schau, ich bin mit acht Beinen hier.

Was Du nicht sagst, kannst nicht mal fliegen,

Sprach die Hummel und wollte gern liegen

Sie flog zum roten Rosenblatt

Und legte sich schnell hin, ganz matt.

Das Spinnentier, das ärgert sich,

Doch scheute es der Hummel Stich.

Drum versuchte es noch im Guten

Frieden zu halten, nicht zu bluten.

Ich bin am längsten auf dem Land,

Länger, als du es je gekannt.

Deshalb ist die hier meine Rose,

Sagt die Spinne mit stolzer Pose.

Die Erdhummel kneift es im Magen.

Sie will Opa-Langbein verjagen,

Mit dem Stachel, der Spinne zuleide,

Da kommt die Elster und frisst beide.

Das Schneckchen

Der Zipfel und der Zapfel,

Die fanden einen Apfel.

Unter dem Apfelbaum

Vorn am Gartenzaun.

Goldgelb mit roten Bäckchen,

Obendrauf ein Schneckchen.

So lag er im grünen Gras,

Ein Glück, dass ihn kein Igel fraß.

Zapfel möcht in den Apfel beißen,

Das Schneckchen weg vom Platze reißen,

Der Zipfel aber will das nicht

hör auf, sagt er, Du Bösewicht

Das Schneckchen da, das schläft so schön,

Wir sollten still von dannen gehen.

Wirst Du aus deinem Kissen

So aus dem Schlaf gerissen?

Die Mutti süße Pflaumen hat,

sie gibt dir gerne davon ab.

So wie es der Zipfel gesprochen,

war das Schneckchen schon weg gekrochen.

Zipfel fliegt

Der Zipfel auf dem Baumstumpf steht,

Da grad ein frisches Lüftlein weht.

Schnell breitet er die Arme aus,

Als wär er eine Fledermaus.

Ich kann fliegen, ruft er Zapfel zu,

Schwingt die Arme und schreit juhu.

Damit er besser starten kann,

Zieht er das rechte Bein noch an.

Der Zapfel sitzt da und wartet,

Er glaubt nicht, dass Zipfel startet.