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Scheinbare Leichtigkeit der Worte, die manche Grenze eines Ausdrucks strapaziert: „Lyrix ! Vornehmlich Gedichte“. Die Poesie gibt sich bescheiden hautnah, plaudert in reimnahen Zeilen vom Schnee im Jetzt. Holt sich Zitate von Descartes und Spinoza, um sie - kristallgeworden - unters Philosophenmikroskop zu legen. Gedichte und Prosa breiten eine (Liebes-) Geschichte aus, die die großartige Mittelmäßigkeit des Seins beschreibt - einen Kosmos (ob Mikro- oder Makro-), der an seinem unscharfen Lupenrand stets ‚Gott und die Welt‘ in den Augen behält.
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Seitenzahl: 40
Veröffentlichungsjahr: 2013
>> Schmeicheleien lieben nicht, sie
riechen lediglich nach Trug und
x-beinigem Gehabe.
Und Erschöpfung. <<
Laurids Anders, 1959 in Berlin geboren, verbrachte seine Jugendjahre in Siegen/Westfalen. Er studierte in Freiburg Medizin und ist seit 1989 in einem Hamburger Krankenhaus als Arzt tätig.
1. Teil
Ausgang
Muse
Aufgeblickt
Zeit genug
Gesagt
Vorurteilen
Geburtstag
Damals Kleinsein
Nachtmeer
Ausfahrt
Wetterabend
Ahnung
Allsein
Angst
Der Name
Woanders
Fenstergucker
Lyrix stoppt.
Zeitgleich
Langsam liest
Aufbruch
Fieberschlaf
Mut
Zurücklassen
Liebe
2. Teil
Lyrix' einholende Gedanken
Kaltkram
Vom 10.12.2012 wiedergefunden
Landschafts Ruhe
Descartes
Lebenslauf
Erde
Nichts
Mikrokosmos
Schneeflöckchen
Erwachen
Mittendrin
Mittendraußen
Mitte zum Dritten
Der Knall
Wärme
Nachklang
Ausklang
Appendix 1
Appendix 2
Appendix 3
05.10.2012
Glaubst du, dass Amseln über dich reden?
Nein? - Doch, sie tun das.
Sie sitzen auf den Dachfirsten oder in Bäumen, und wenn man genau hinhört, zwitschern sie nicht über jeden.
Sie haben ein Gespräch, abends, im Dunkelnass, dann, wenn der Regen aufhört zu Plitschern.
Ein lautes Twuitsch-Zita. Slang-slang Oik tschaza wartet kurz auf Antwort.
Ganz fern höre ich die gleiche Melodie.
Sag ich doch - Amseln erzählen von dir.
25.11.2012
Der Herbst stürmt eindringlich unter den Jackenstoff. Ich ziehe die schwarze Strickmütze aus der rechten Seitentasche in der Hoffnung auf warme Ohren, und meine Hände streifen sie rasch über den kaumbehaarten Schädel.
Pfützen schimmern dunkles Grau des frühen Abends wider. Spiegelbilder des Himmels auf dem Straßenteer.
In den Eingangsfluchten links und rechts raschelt der Wind die Eichblätter kreiselrund. Eilig blickt das Schrittgeklacker auf rote Häuserziegel. Und dicke Wolkenfetzen breiten unablässig ihr Wetter über die laubleeren Bäume aus.
Ein "Holla" ruft der Schatten links. Beine rückgestreckt, und Knickekehle vorne formt sich das Unerwartete zu einem Reiher. "Na, wenn das mal gut geht!", sucht er sich keck die Lücken zwischen Astgerippen.
Am Abzweig sagt der Wald ein "Bitteschön" und legt mir seine Seele orangebraun vor die Füße. Ich trete artig ein und darf die Schuhe anbehalten.
Ganz leise setzen sie auf Wattewegen einen vor den anderen.
Die Luft ist nicht mehr ganz so mürrisch hier. Aufrauschen mal, dann Platschen. Patsch: Es sind die Blätter, die nach der Böe auf den Boden prallen, wie Regentropfen.
26.11.2012
Wer küsst morgens meine Muse wach?
Ich weiß das nicht - und müsste doch eigentlich.
Das Lachen für den Tag,die Ruhe der Erinnerung an gestern.
Meine Muse hat keine Sorgen.
Sie ist woanders, hat immer irgendwo ein Alibi.
Manchmal sehe ich sie,das ist dann besonders schön.
In der Stadt zum Beispiel, und sie winkt von der anderen Straßenseite herüber.
Auf dem abgemähten Feld, hinter der nächsten Kurve.
Beim Klönschnack, unbekannt auf Du. Lachen jetzt am Stehtisch vor den Kaffeetassen.
Wenn die Muse aufsteht, flüstert sie mir Kichererbsen in mein Ohr. Ich kratze mich und muss sie machen lassen.
Meine Muse begleitet mich hin und wieder durch die schnellen Felder, wie neulich am Lauerabend.
Ich setze den Blinker hinterm Tor links fürs Maisfeld und weiß: Sie liebt die verborgenen Straßen und engen Gassen.
Im Hinterblick steht die Maschine schräg auf dem Seitenständer, und weite Kreise schieben schnelle Wolken drüber.
Ja - die Muse, die ich niemals küssen darf, ist oft woanders - aber genau so oft bei mir.
28.11.2012
"Moin" unter der Ohrenwärmermütze. Der ist neu. Stiefel mit Pelzkragen. Ein Euro im Nebelabend steckt die Zeitung in meine Manteltasche.
Mit wagenklackerndem Geruckel summt die braune Tür nach innen. Und ein 'Ich brauch nicht viel' schiebt Wärme vor die Auslagen mit Weihnachtsgaben.
Ärmliche Liebe zwischen allem rotgoldenen Glitzertum. Stiller Disklang abseits glühweinrauchiger Gelage. Klimaluft rauscht. Und Leute ackern sich durch die Regale.
Ein 'Uhps' klötert mit einem Mal Wasserflaschen zu einer Sprudelpfütze. Die ‚Ungeschickte' dreht sich um und bückt sich um den rollenden Rest. Ich hebe ein Plastikding auf, und sie nimmt es zurück in die Auslage mit einem Dankeschön.
Eingeschweißte Brote. Rote Beete, Kartoffeln und Zwiebeln links. Am Kühlkabinett vorbei zum Klopapier. Küchentücher! Ich ziehe an der prima Qualität und wollte doch nur ein Paket.
Ungeschickt sieht sie mich an. Ich stapel die Viererrollen vom Boden wieder oben auf. Vages Lächeln im Zwinkerblick.
Die Kassenschlange ist eine Traube. Unruhiges Geruckel vor mir will Erster sein. Langsam. Vor. Langsamkeit mit Ahnung für Ungeduld.
Waren legen vorne wieder, ruckeln Stopp.
Tackklack. Start und Stopp rollt sich das Band.
Endlos.
Die Wagen schlagen unschuldiges Stück-für-Stück im demütigen Taperschritt. Zuckelband. Und Halt bleibt wieder stehen.
Spitze Finger suchen Centmünzen in riesigen Geldbörsen. Nein - zwei Cent zu viel. Ja. Danke - wird vorne alles gut.
