(M)ein Schleudertrauma - Stephanie Pudenz - E-Book

(M)ein Schleudertrauma E-Book

Stephanie Pudenz

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Beschreibung

Die Autorin des Buches erlitt bei einem Auffahrunfall eine schwere Beschleunigungsverletzung. Das umgangssprachlich genannte Schleudertrauma ist die am meist kontrovers diskutierte Verletzung in der Medizin und in der Justiz und wird oftmals ver- und nicht anerkannt. Die Autorin beschreibt ihr Leben mit der Beschleunigungsverletzung und die unglaublichen Praktiken von Versicherungen und Gutachtern mit Hilfe von Zitaten aus Gutachten, medizinischen Befunden und Fachliteratur

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EPUB
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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Stephanie Pudenz

(M)ein Schleudertrauma

the story of my life

© 2016Stephanie Pudenz

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback: 978-3-7345-5529-9

Hardcover: 978-3-7345-5530-5

e-Book: 978-3-7345-5531-2

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Stephanie Pudenz

(M)ein Schleudertrauma

the story of my life

Alle Rechte Vorbehalten

Alle zitierten Gutachten liegen im Original vor, wurden jedoch zumSchutz der Persönlichkeitsrechte anonymisiert.

Ebenso verändert wurden Ortsangaben oder Zeitangaben.

Für Zitate aus Fachliteratur, sowie anderen Büchern liegen schriftliche Abdruckgenehmigungen der Verlage oder Autoren vor.

Widmung

für meine Kinder

Say how you feel, leave the job you hate,

find your passion, love with every ounce of your bones,

stand up for the things that matter,

don´t settle,

don´t apologize for who you are,

be brave

James van Praagh

Inhaltsverzeichnis

Meine Geschichte

Mein Leben vorher

Der Tag, der alles veränderte

Mein Leben danach

Überprüfung meiner Dienstfähigkeit

Verzweifelter Kampf um ein normales Leben

Die Höhle des Löwen

Zusammenfassung der Gutachten

Arbeitsversuche

Klage gegen meinen Arbeitgeber

Mein eigenes gefährliches Halbwissen

Blick in die MdE Tabelle

Die Versicherung

Die illegale Videoüberwachung

Die Güteverhandlung

Ein paar Worte zum Abschluss

Resüme

Danksagung

Literaturverzeichnis

Vorwort

Ich habe sehr lange überlegt, ob ich dieses Buch schreiben sollte oder nicht. Vor allem, weil ich mir doch immer so viel Mühe gebe, mir nicht anmerken zu lassen, wie es mir geht. Eigentlich beiße ich mir lieber die Zunge ab, als zuzugeben, dass es mir nicht so gut geht.

Ich habe schon vor Jahren damit angefangen, das Buch zu schreiben. Dann habe ich wieder alles verworfen, neu angefangen und wieder Teile verworfen, bis ich irgendwann für mich einen Weg gefunden hatte, alle meine Gedanken in diesem Buch nieder zu schreiben. Irgendwann habe ich das Buch „Allein gegen Goliath“ von Frau Caroline Bono-Hörler aus der Schweiz gelesen, was mich sehr betroffen gemacht hat. Teilweise habe ich sogar beim Lesen geweint, weil mir doch vieles so extrem bekannt vorkam. Sie war es, die mir mit ihrem Buch den Weg für mein Buch gezeigt und mir damit Mut gemacht hat.

Die Original-Zitate aus Gutachten, Befunden (inklusive der dortigen Rechtschreibfehler) oder anderen Quellen, sind in diesem Buch kursiv geschrieben.

Meine Geschichte

Ich habe meine Geschichte aus meinen Erinnerungen, einigen Gedächtnisprotokollen, sowie aus Zitaten, Befunden und Gutachten zusammengeschrieben. Es war schwieriger als ich dachte und es hat mich wahnsinnig viel Kraft und Energie gekostet. Insgesamt ging es nur langsam voran, meine Konzentration reichte einfach nicht aus, um lange am Ball zu bleiben und sicherlich habe ich hin und wieder auch „verwirrt“ geschrieben. Aber das bin ich, so wie ich jetzt bin. Mein Leben teilt sich auf in ein Vorher und ein Danach. Und alles, was ich mit den Gutachtern erlebt habe, kann jeden Menschen treffen, nicht ausschließlich nur Unfallopfer.

Mein Leben vorher

Ich hatte alles, was manch anderer sich erträumt. Eine großartige Familie, zwei bildhübsche, kluge Töchter, einen Ehemann, ein Haus mit Grundstück, einen Beruf und ein Pferd, einen Hund und eine Katze. Ich arbeitete 42 Stunden pro Woche, stand jeden Morgen um vier Uhr auf und fuhr mit dem Zug zum Dienst, kam nachmittags nach Hause und fuhr mit meinen Mädels dreimal in der Woche zum Leichtathletiktraining. Meine Mädchen trainierten, um an Leichtathletikwettkämpfen teilzunehmen und ich trainierte in der gleichen Zeit, um fit zu bleiben, mit den kleineren Kindern in einer Gruppe.

Zumindest reichte es für mich auch für die regionalen Wettkämpfe und bei einem großen Sportevent schaffte ich die

Walkingstrecke von acht Kilometern in unter 60 Minuten. Damit lag ich im Mittelfeld von allen Teilnehmern, was mich wahnsinnig stolz machte.

Wenn wir nicht beim Sport waren, war ich bei meinem Pferd. Meistens ritt ich aus, manchmal nahm ich auch Reitunterricht. Auch unser Hund musste ja regelmäßig jeden Tag raus. Unsere tägliche Standardrunde war ungefähr fünf Kilometer lang, wofür ich ca. eine halbe Stunde im normalen Spaziergehtempo brauchte.

Wenn an den Wochenenden mal keine Wettkämpfe stattfanden, waren wir oft anderweitig unterwegs; Kletterparks, Schwimmbad, Kino und ganz wichtig Shopping mit den Mädels. Außerdem musste unser Haus mit Grundstück versorgt werden. Meine Tage waren ausgefüllt und mein Leben bestand aus Bewegung.

Ich war Polizeibeamtin von Beruf. Das wollte ich schon von klein auf werden. Ich kann mich erinnern, wenn ich als Kind nachmittags nach der Schule gespielt habe, war ich sehr oft „die Polizei“. Nach dem Schulabschluss wurde mein Traum wahr und ich schaffte die Aufnahmeprüfung bei der Polizei auf Anhieb und begann im September 1991 meine Ausbildung. Nach erfolgreichem Abschluss schlossen sich verschiedene Orte an, an denen ich zunächst im Schichtdienst meinen Dienst absolvierte. Aber irgendwie zog ich auch immer wieder diese Dinge und Situationen an, die kein Mensch gerne hat: Ich habe mehrere Personen nach Totschlag festgenommen und war bei sehr vielen Wohnungsöffnungen mit Leichenfunden dabei. Überhaupt schien ich irgendwie die Leichen gepachtet zu haben, sodass ich auf einer Dienststelle den Spitznamen „Leichenlilly“ bekam. Ich muss sagen, es war so ziemlich alles an „Toden“ dabei, die vorkommen können. Ich fand mich in prügelnden Fußballgruppen wieder, habe mich mit fremden Menschen wortwörtlich herum geschlagen. Nicht weil sie mich persönlich nicht mochten, sondern nur weil ich eine Uniform trug.

Ich habe etliche Todesnachrichten überbracht, Bankräuber und Totschläger auf frischer Tat festgenommen, vermisste Kinder gesucht, die anschließend tot aufgefunden wurden und die verzweifelten Fernsehaufrufe der Eltern live erlebt. Ich war bei einem unbeabsichtigten Schusswaffengebrauch dabei und ein Messer wurde auch schon nach einem Kollegen und mir geworfen; zwar nicht gezielt, aber na ja. Und das ist nur ein kleiner Bruchteil dessen, ohne dass ich dabei Einzelheiten und Details erzähle, was ich alles erleben durfte. In annährend 20 Dienstjahren bin ich nur ein einziges Mal völlig ausgerastet. Das war in einem Kinderkrankenhaus, in dem ein kleines Kind mit hochgradigem Diabetes eingeliefert wurde und die Eltern die Behandlung aus Glaubensgründen ablehnten. Da bin ich nach über einer Stunde, in der ich zusammen mit dem Kollegen ruhig auf die Eltern einredete, komplett ausgerastet und habe den Vater des Kindes zusammengeschrien. Ich war völlig außer mir und ich konnte das Gefühl nicht ertragen, dass dieses Kind ohne Behandlung sehr bald sterben wird.

Es gab dabei in all den Jahren, wie in jedem Beruf, Kollegen, die man gerne mochte und welche, die ich nicht mochte.

Irgendwann im Laufe der Jahre, kam es bei uns zu einer Dienstzeiterhöhung von einer 38-Stunden-Woche auf eine 42-Stunden-Woche. Danach war es für mich mit zwei Kindern und Haushalt mit diesem Schichtdienstsystem von Spätdienst, am nächsten Tag morgens Frühdienst und anschließend am gleichen Tag Nachtdienst, plus Zusatzdienste, extrem schwierig meine Hobbys aufrecht zu erhalten.

Es begann alles irgendwie schwierig zu werden. Ich habe sehr, sehr lange Zeit versucht, alles aufrecht zu erhalten. Aber plötzlich begannen die Alpträume. Träume, bei denen ich exakt von einem dienstlichen Erlebnis träumte, welches ich erlebt hatte, bei dem ich eigentlich Angst hätte haben müssen. Ich hatte aber keine Angst während des Einsatzes verspürt. Die Angst kam dann jedoch plötzlich nachts mit den Träumen. Es war oft so, dass ich nachts schweißgebadet von so einem Traum aufwachte und entweder das Bettzeug komplett wechseln musste oder massenhaft Handtücher ins Bett reinlegte, um mich wieder hinlegen zu können. Nach einer Weile hatte ich tagsüber dann plötzlich sogenannte Flashbacks. Dabei drängt sich einem die Erinnerung an einen Einsatz tagsüber plötzlich auf und man kann nichts dagegen tun. Ich wurde über die Zeit extremst übellaunig und auch meinen Kindern gegenüber unfair. Ich habe nur noch in einem Ton mit ihnen gesprochen, der wirklich nicht sehr nett und für die Kinder bestimmt schwer auszuhalten war. Dann war mir häufig schlecht und schwindlig und ich war müde. Aber es war eine besondere Art von Müdigkeit, nicht so eine Müdigkeit, die man wegbekommt, wenn man geschlafen hat. Ich war tatsächlich des Lebens müde. In den freien Stunden zuhause lag ich nur noch apathisch da und zog mir die Decke über meinen Kopf. Ich tat nur noch, was sich gar nicht aufschieben ließ. Zum Dienst bin ich immer erschienen und habe mir auch nie etwas anmerken lassen – weder gegenüber Kollegen noch gegenüber den Menschen, mit denen ich zu tun hatte. Man kann sich unangemessenes Verhalten schlecht bis gar nicht leisten. Man muss tough sein und darf nie Schwäche zeigen. Dies gelang mir, bis eines Tages dann tatsächlich ein regelrechter Zusammenbruch kam. Ein Arzt für Allgemeinmedizin stellte zunächst die Diagnose „Burn-out“. Ein Burn-out, also ausgebrannt sein, wird in der Fachliteratur unterschiedlich definiert. Manche beschreiben es als Zustand völliger körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung aufgrund von langanhaltenden negativen Gefühlen. Andere sprechen von langanhaltendem Stress und zu hohen Zielen und Erwartungen der Betroffenen. Oft wird beschrieben, dass jemand der ausgebrannt ist, zuvor Feuer und Flamme für etwas gewesen sein muss und die Flamme nun erloschen ist.

Wenn ich zurückdenke, haben sich bei mir schon sehr lange vor dem eigentlichen Zusammenbruch die ersten Anzeichen des Burn-outs gezeigt – immer mit dem Gefühl, dass etwas falsch läuft oder nicht richtig ist, oder ich zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen bin, obwohl eigentlich alles in Ordnung war.

Ich wurde krankgeschrieben und während der Behandlung beim Facharzt kam dann noch die Diagnose PTBS, also Posttraumatische Belastungsstörung dazu.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung tritt als verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis oder eine außergewöhnliche Bedrohung oder aufgrund von Serien verschiedener traumatischer Einzelereignisse auf.

Ein typisches Symptom für eine PTBS sind unter anderem die Flashbacks und die Alpträume.

Ich bekam Medikamente verschrieben und war insgesamt ein dreiviertel Jahr krankgeschrieben und machte eine fünfwöchige Reha. Wer jemals so viele heftige Dinge erlebt hat, wie ich sie erlebt habe, kann sich vorstellen, wie schwierig es für mich war, zurück zur Arbeit zu gehen. Ich hatte Angst zum Dienst zurück zu müssen und konnte mir das fast gar nicht vorstellen. Vermeidung der auslösenden Situation ist übrigens ein weiteres Merkmal der PTBS.

Ich erzähle diesen Teil meines Lebens aus nur einem einzigen Grund:

Mir wurde später, nach dem Unfallgeschehen, unter anderem vorgeworfen, ich hätte keine Lust mehr zu arbeiten, ich wäre ein Simulant, ich würde das Unfallgeschehen ausnutzen, das wäre alles nur psychisch und ich würde einfach schlecht mit dem Unfallgeschehen umgehen.

Rückblickend kann ich eigentlich sagen, dass mein Körper etwas total Normales gemacht hat; er hat die Reißleine gezogen.

In einer Therapie, wie ich sie nach meinem Burn-out / PTBS gemacht habe, wird ja immer das Positive verstärkt und ein kreativer Lösungsvorschlag zu meinem „Fall“ war – neben diversen anderen Vorschlägen wie „Berufswechsel“, „Umschulung“ ect. – ein Fernstudium aufzunehmen, um vielleicht, sollte es mir nicht gelingen, das Burn-out/ PTBS befriedigend abzuarbeiten, irgendwann den Beruf wechseln zu können. Ich fing sehr schnell mit diesem Fernstudium an; die Unterlagen waren recht einfach online zu bestellen. Ich wollte nicht untätig sein, ich wollte wieder ein aktiver Mensch sein. Von einem Arzt, der über meine Dienstfähigkeit zu entscheiden hatte, wurde ich aufgrund meiner Symptomatik in den Ermittlungsdienst abgeordnet, was bedeutete, nicht mehr im Schichtdienst, sondern nur im Tagesdienst zu arbeiten. Überhaupt wieder zum Dienst zu gehen und dann die Umstellung, die der Tagdienst mit sich bringt, war am Anfang recht schwierig für mich, aber ich begann nach einiger Zeit damit langsam wieder klarzukommen.

Ich kenne Kollegen, die aufgrund eines PTBS pensioniert wurden, da das Erlebte so schlimm für sie war, dass sie es nicht so aufarbeiten konnten, dass sie wieder dienstfähig werden konnten. Aber anstatt sich zu freuen, dass man es zumindest so weit gebracht hat, überhaupt wieder im Dienst zu erscheinen, erlebte ich es teilweise ganz anders. Es gab Neider, die nur sahen, dass ich knapp über 30 Jahre alt und körperlich voll leistungsfähig war und im Tagesdienst arbeitete. Das Burn-out und PTBS wurden offensichtlich als weniger dramatisch bewertet.

Nun bin ich kein Mensch, der solche Sachen wie ein Fernstudium anfängt und nicht zu Ende bringt, zumal die ganze Fernstudiumsgeschichte recht teuer war. Also führte ich mein Fernstudium weiter. Komischerweise sehr zum Leidwesen einiger Kollegen.

Es gab aber auch Kollegen, die sich für mich freuten, dass ich es geschafft hatte, wieder dienstfähig zu sein, was wirklich nicht selbstverständlich ist. Trotzdem hatte ich immer noch Angst davor, zurück in den Schichtdienst zu müssen. Ich denke, dass kann nur jemand nachempfinden, der Ähnliches erlebt hat, was ich dort erlebte.

Ich verheimlichte gegenüber den Kollegen nicht, dass ich dieses Fernstudium machte und auch aus welchen Gründen nicht. Es war ja bekannt, warum ich solange krankgeschrieben und in den Tagesdienst abgeordnet war.

Irgendwann wurde mir angeboten, in einer anderen Dienststelle mit speziellem Aufgabengebiet zu hospitieren, um zu sehen, ob das etwas für mich wäre. Diese Stelle würde für mich bedeuten, dass ich fest im Ermittlungsdienst tätig sein würde, ohne je wieder in den Schichtdienst zu müssen. Ich sagte sofort zu und fing ein paar Tage später mit meiner Hospitation an.

Auch dort verheimlichte ich das Studium nicht und auch nicht die Gründe dafür. Ich verheimlichte auch nicht, dass ich unter Umständen den Beruf wechseln würde. Auf der anderen Seite wusste ich aber auch, dass ich mit dieser Stelle niemals mehr Angst haben müsste, je im Schichtdienst arbeiten zu müssen. Alle meine Sorgen und Ängste hätten sich in Luft aufgelöst und ich würde, sollte mir diese Stelle nun liegen, wahrscheinlich niemals meinen Beruf aufgeben, von dem ich als Kind schon geträumt hatte.

Der Tag, der alles veränderte

Ich war gerade 14 Tage auf der neuen Dienststelle. Viele Dinge waren anders oder wurden anders angegangen. Trotzdem versuchte ich mich möglichst schnell einzuarbeiten.

An einem Freitag im Herbst 2010 fuhr ich mit meinem Kollegen in ein Krankenhaus in der Stadt, um eine am Tag vorher verunglückte Autofahrerin zu vernehmen. Nachdem wir die Vernehmung geschlossen hatten, beschlossen wir, zu ihrem Unglücksort zu fahren, um dort vor Ort in der Nähe zu ermitteln.

Wir befuhren eine gut ausgebaute Straße, die aus der Stadt hinaus führt. An einer Kreuzung außerhalb der Stadt, wollten wir nach links abbiegen. Der Kollege fuhr und musste an der Kreuzung anhalten, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Ich wollte unbedingt die Erste sein, die einen Ermittlungserfolg hatte, wollte ich doch diese Stelle unbedingt haben. Ich beugte mich nach vorne und schaute in die linke Straße, um dort etwas vor dem Kollegen zu entdecken.

Direkt nachdem das entgegenkommende Fahrzeug passiert hatte, knallte es von hinten ohrenbetäubend und wir wurden nach vorne geschoben. Ich schleuderte in den Gurt, und wurde abrupt von diesem gestoppt. Ich hatte das Gefühl, dass mein ganzer Körper auseinander gerissen werden würde. Die Heckscheibe unseres Zivilwagens flog uns dabei in kleinen Stücken um die Ohren.

Wir kamen irgendwie zum Stehen und der Kollege sagte, dass seine Brille weg sei. „OK, wir hatten einen Unfall“ dachte ich mechanisch. „Beweg erst mal alles“.

Meine Wirbelsäule knackte dabei, aber nur bei der ersten Bewegung, dann war es erst einmal in Ordnung. „Ich muss aussteigen und gucken, was passiert ist“. Ich stieg also aus dem Auto aus. Ich hatte ein eigenartiges Gefühl dabei, was sehr schwer zu beschreiben ist. Es war so, als wäre mein Inneres an eine andere Stelle geschoben worden und ich würde alles aus einer anderen Perspektive sehen. Ich war schon irgendwie in mir, aber auch irgendwie so, als würde ich neben mir stehen.

„Bloß nichts anmerken lassen, das geht wieder weg“, dachte ich bei mir.

Ich ging auf die Unfallverursacherin und meinen Kollegen, die beide auf der Straße standen, zu. Sie entschuldigte sich bei mir. Ich wusste, sie hatte das nicht mit Absicht getan und ich war ihr auch nicht böse. Jedem Menschen kann das passieren.

Der Kollege schickte mich los, um die Personalien eines Zeugen aufzunehmen. Ich suchte verzweifelt Stift und Zettel im Auto und versuchte dann die Personalien zu notieren. Meine Hände fühlten sich komisch an. Irgendwie kribbelten sie und irgendwie fühlten sie sich an, als hätte ich „Elefantenhände“. So dick, obwohl alles normal ausschaute. Ich schaffte es mit viel Mühe, die Personalien zu notieren und den Zeugen zu entlassen.

Der Kollege übernahm die Organisation vor Ort, von Mitteilung unserer Leitstelle über Bestellung von anderen Kollegen, die den Unfall aufnahmen und Bestellung des Abschleppdienstes.