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Das Buch beschreibt die Lebensreise eines 66-jährigen, der die ersten 35 Jahre seines Lebens aus seiner Wahrnehmung her bereist. Die Strenge des Elternhauses werden genau so beschrieben, wie auch die heiteren Seiten des Lebens und tragische Ereignisse.
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Seitenzahl: 427
Veröffentlichungsjahr: 2022
Josef Kellermann
wurde 1956 als zweites von 4 Kindern eines
Arbeiter-Ehepaares geboren, und erzählt auf den
nachfolgenden Seiten über seine Reise durch sein
abwechslungsreiches Leben mit Höhen und Tiefen,
über die damit verbundenen Glücksmomente, aber
auch von den tragischen Ereignissen aus den
ersten 35 Jahren seines Lebens
Josef Kellermann
Macht der „liebe Gott“ auch mal nen Fehler
Lebensreise
© 2022 Josef Kellermann
ISBN Softcover: 978-3-347-77280-9
ISBN Hardcover: 978-3-347-77281-6
ISBN E-Book: 978-3-347-77282-3
ISBN Großschrift: 978-3-347-77283-0
Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Germany
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", An der Strusbek 10, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Entgegen dem Liedertext von Udo Jürgens „Mit 66 Jahren fängt das Leben an“ und der damit verbundenen Hoffnung, nun das Leben in vollen Zügen genießen zu können, steht bei mir am Dienstag nach Ostern dieses Jahres, nicht einmal 2 Monate nach meinem 66. Geburtstag, der Sensenmann vor meiner Tür. Er klopft sehr laut und nachdrücklich an, bereits zum drittenmal in meinem Leben, um mich abzuholen. Auf seine nicht besonders freundliche Einladung hin, bereits heute mit ihm zu kommen, antworte ich ihm mit einem Satz der mich schon fast mein Leben lang begleitet:
„Man lernt solange, bis alle Finger gleich lang sind“
während ich ihm meine beiden Hände vors Gesicht halte, „also komm wieder, wenn es so weit ist!“.
So trollt er sich dahin und ich sehe, wie er sich schon 5 Häuser die Straße hinab vor der nächsten Tür aufstellt und klopft und denke so bei mir: „Nein, nein, mein Freund, ich will noch nicht, ich brauche schon noch ein wenig Zeit“.
Ich kann in diesem Augenblick noch nicht einmal mehr 2 Stufen ohne Atemnot eine Treppe hochsteigen und selbst wenn ich nur auf dem Sofa sitze, wird die Luft mir immer knapper. Bei der Einlieferung im Krankenhaus kurz nach dem gemeinsamen Mittagessen mit meiner Frau Renate geht es dann ganz schnell: ab in den OP, Magenspiegelung und schon steht fest: Massives Magenbluten.
So erhalte ich zunächst, nachdem man mir die aufgeplatzten Wucherungen im Magen mittels Stromstößen verschlossen, bzw. verschweißt hat, umgehend insgesamt 5 Beutel frischen Blutes und zusätzlich auch noch einen Beutel Eisen, ich frag mich aber schon, wie die das verflüssigt haben. Bereits wenige Tage später kann ich das Krankenhaus wieder verlassen und ich merke, wie ich von Tag zu Tag, wieder besser Luft bekomme und langsam schaffe ich es sogar auch wieder, eine Treppe ohne größere Probleme hoch zu kommen. In den Tagen im Krankenhaus habe ich die Zeit intensiv genutzt, um über mein bisheriges Leben nachzudenken, ich habe gesehen, wie endlich auch mein Leben ist und so entschließe ich mich, noch in diesem Sommer eine für mich ganz besondere Reise anzutreten.
Ich war mit Ausnahme der ersten Lebensmonate noch nie an dem Ort, an dem ich geboren wurde. Wenn ich nach meinem Geburtsort gefragt werde, antworte ich immer: in der Nähe von Wolfratshausen, dort wo die Floßfahrten auf der Isar los gehen“. Ich war zwar schon zigmal in der Gegend, aber noch nie an meinem Geburtsort Schwaigwall. Um den ersten Teil meiner Reise etwas unterhaltsamer zu gestalten, biete ich die Tour im Internet bei der Mitfahrzentrale Bla-Bla-Car an, da ich zum einen gerne Mitfahrer habe, mit denen man sich im Regelfall gut unterhalten kann und zum anderen ist die Reise mit mehreren Personen im Auto ja auch nachhaltiger. Nachdem ich meine Mitfahrer am Treffpunkt in Chemnitz aufgenommen habe, geht es wieder auf die Autobahn, vorbei an der wunderschönen Stadt Plauen im Vogtland, wo ich zuletzt in meinem aktiven Berufsleben etwas über 3 Jahre beim Möbel-Biller in der Teppich-Abteilung gearbeitet habe. Weiter geht´s vorbei an Hof, unter Regensburg hindurch und dann hinüber, zwischen den hochaufragenden Hopfenfeldern, zum Autobahndreieck Hallertau, von dort geht es dann hinein in diese mittlerweile zu einem Moloch gewordene Stadt München, wo ich meine Mitfahrer am Hauptbahnhof absetze, bevor ich dann hinaus nach Wolfratshausen fahre.
In Wolfratshausen habe ich direkt an der Loisach übers Internet einen Zeltplatz für die erste Nacht gebucht, eine Adresse, die ich im Nachhinein wirklich jedem empfehlen möchte, der einmal als Camper mit Zelt, Wohnwagen oder Wohnmobil nach Wolfratshausen kommt. Auf der sehr schönen, gepflegten Anlage werde ich vom Besitzer des Platzes Michael Kramer wirklich herzlich begrüßt. Nachdem ich mein Zelt auf einer großen Wiese aufgestellt habe, gehe ich noch einmal zu ihm hinüber in sein Büro, um bereits meine Platzmiete zu entrichten, da ich am nächsten Morgen um 7 Uhr starten will. Nachdem ich ihm erzähle, dass ich auf dem Landgut Schwaigwall geboren wurde, fragt er mich, welcher Jahrgang ich denn bin. „1956 bin ich geboren“ sage ich zu ihm und er lacht, “ich auch“ sagt er und fragt, ob ich denn auch in Gelting, da wo er geboren ist, eingeschult wurde. Er erzählt, dass die Kinder aus Schwaigwall dort hin zur Schule gingen. Ich erkläre ihm, dass meine Eltern mit mir bereits 1957 von Schwaigwall nach Bodman an den Bodensee umgezogen sind und wir deshalb keine Schulfreunde werden konnten. Wir sitzen an diesem Abend bei 1 oder waren es doch 2 Radler-Maß, noch bis gegen 23 Uhr zusammen und erzählen uns gegenseitig so einige Geschichten aus unserem Leben, bevor wir uns voneinander verabschieden.
Übrigens: Wer bei einem Besuch in Wolfratshausen einmal nach München reinfahren möchte, der kann am Bahnhof in Wolfratshausen sein Auto für z.Zt. 1,60 Euro einen ganzen Tag dort abstellen. Man ist von dort aus mit dem Bus schnell in Starnberg oder mit der S-Bahn in gut einer halben Stunde in München und man spart sich so die unverschämt hohen Parkplatzgebühren die in der bayrischen Landeshauptstadt erhoben werden. Außerdem ist es ja bekanntlich auch wesentlich nachhaltiger, mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln zu fahren. Nachdem ich die erste Nacht in meinem Zelt sehr gut geschlafen habe, packe ich kurz nach 7 Uhr am Morgen all meine Sachen zusammen und mache mich nach dem kurzen Stopp in einer Bäckerei in Wolfratshausen für ein kleines Frühstück, auf den Weg zur „Pupplinger Au“, einem Naturschutzgebiet an der Isar. Ich habe durch verschiedene Fernsehsendungen und Publikationen von der Pupplinger Au gehört und gelesen und bin dementsprechend neugierig, was meine Heimat denn dort so bietet. Der erste Tag in „meiner Heimat“ ist zwar etwas kühl und ein wenig regnerisch, nichts desto trotz genieße ich den Weg von einer knappen halben Stunde vom Parkplatz durch den Auwald über einen Knüppelpfad bis hinunter zur Isar. Es ist eine gute Idee, die Pupplinger Au frühmorgens zu besuchen, es herrscht eine angenehme Stille, die nur durch das Gezwitscher der zahlreichen, im Auwald lebenden Vögel unterbrochen wird. Um diese Zeit ist hier noch niemand unterwegs, anders als an den Wochenenden und bei schönen Wetter, wenn unzählige Besucher vor allem aus München, an die Ufer und auf die Kiesbänke der Isarströmen und dann kaum noch ein freier Platz, trotz der Weite der Pupplinger Au, zu finden ist. Nachdem ich kurz nach neun wieder den Parkplatz, auf dem ich mein Auto abgestellt habe, erreiche, geht meine Fahrt weiter in Richtung Schwaig-wall. Beim Überqueren der Isarbrücke erhasche ich einen Blick auf ein Floß und ich halte daher kurz hinter der Brücke bei der nächsten Gelegenheit an, um mir das doch einmal etwas näher anzuschauen.
Startpunkt der „Isar-Floßfahrten in Wolfratshausen
Von dem kleinen Parkplatz gehe ich das Stück bis zur Isar-Brücke zurück, da man von hier den besten Überblick hat. Am Ufer liegen insgesamt 3 abfahrbereite Flöße, die hier bereits beladen mit Getränken und sonstigen Schmankerln, die zu einer zünftigen Floßfahrt auf der Isar gehören, auf ihre heutigen Gäste warten. Am Ufer oberhalb der abfahrbereiten Flöße liegen die riesigen Baumstämme, aus denen hier, nachdem die Flöße ihre Gäste aufgenommen und abgelegt haben, in der Saison tagtäglich neue Flöße gebaut werden. Die Flöße, die Saison geht vom 1.Mai bis zum 2. Sonntag im September, sind auf lange Zeit ausgebucht, obwohl der Preis mit rund 200 Euro pro Person zu Buche schlägt.
Wieder ins Auto eingestiegen geht es für mich jetzt weiter zum „Landgut Schwaigwall“, meinen Geburtsort. Im Internet habe ich schon ein wenig recherchiert und weis daher, dass dieses Gut seit mehreren Generationen im Besitz der Familie Fuchs ist und heute zur Gemeinde Geretsried gehört. Es liegt ein Stück südlich von Wolfratshausen und östlich des Starnberger Sees einsam und idyllisch im Voralpengebiet.
Gegen 11 Uhr erreiche ich den Gutshof der Familie Fuchs. Die Mutter des jetzigen Betreibers, Dr. Franz Fuchs, begrüßt mich aus einem der oberen Fenster des Herrenhauses und fragt nach meinen Wunsch. Ich erkläre ihr, dass meine Eltern früher hier gearbeitet haben und ich nach dem Haus suche, in dem ich hier 1956 geboren wurde. Sie erklärt, dass ihr Ehemann mir mit Sicherheit alle Auskünfte hätte erteilen können, aber dieser sei leider vor 3 Jahren verstorben. Während des Gesprächs kommt Dr. Fuchs junior, der jetzige Betreiber des Gutes, um die Ecke des Herrenhauses und übernimmt das Gespräch, nachdem ich auch ihm erklärt habe, dass meine Eltern 1956 hier als Landarbeiter für seinen Vater gearbeitet haben und ich hier geboren wurde. Er weist mir den Weg, die Straße ca. 300 Meter hinunter, zu einem großen Wohnhaus, in dem die Mitarbeiter des Gutes seit jeher wohnen. Bevor ich mich auf den Weg zu dem Haus begebe, zeigt er mir noch ein wenig seinen Hof, der vom Herrenhaus dominiert wird. Er legt sehr viel Wert auf eine tiergerechte Haltung, wie er mir erklärt. Die im Sommer auf den umliegenden Weiden gehaltenen Kälber ernähren sich dabei vornehmlich säugend von der Milch ihrer Mütter (sog. „Mutterkuhhaltung”). „Im Winter sind die Tiere in großzügigen Freiställen untergebracht“ erklärt er mir ausführlich. Die Schlachtung erfolgt direkt hier im Betrieb und ist somit für die Tiere fast stressfrei. Nach seinen Erklärungen bedanke ich mich bei ihm für die
Mein Geburtshaus
Führung und die Informationen und fahre nun hinunter zu dem Haus, in dem ich geboren wurde. In dem vor mir liegenden Mehrfamilienhaus wohnen auch heute noch die Mitarbeiter des Gutes. Hier in diesem Haus wurde ich am 19. Februar 1956, einem eiskalten Sonntag, unter tatkräftiger Hilfe mehrerer Nachbarinnen geboren, da die Unmengen an Schnee, die zu dieser Zeit hier lagen, es nicht zuließen, dass eine Hebamme oder gar ein Arzt meiner Mutter in diesem Augenblick helfen konnten. Nur wenige Tage nach meiner Geburt erkrankte ich dann an einer schweren Lungenentzündung und ich stand mit meinem Leben nach der Aussage meiner Eltern auf der Kippe, aber als „Sonntagskind“ lies es der liebe Gott scheinbar noch nicht zu, dass dieses junge Leben schon wieder enden sollte.
Nach dem Besuch meines Geburtsortes zieht es mich nun weiter zur zweiten Station meines Lebens, nach Bodman am Bodensee. Da ich die Strecken auf der Reise durch mein Leben aber, wie bereits angemerkt, nicht nur stupide abfahren möchte, werde ich gleich die erste Gelegenheit, die sich mir im sogenannten „Pfaffenwinkel“ bietet, zur Besichtigung nutzen. So genieße ich zunächst die Fahrt durch die sanfte, hügelige Landschaft, die sich vor mir auftut. Die Bezeichnung „Pfaffenwinkel“ ergibt sich aus der Tatsache, dass es in dieser Region überdurchschnittlich viele Klöster und Wallfahrtskirchen gibt. So komme ich als erstes nach Beuerberg wo auf der Anhöhe über der Loisach eine große Klosteranlage liegt, die zu früheren Zeiten die Augustiner-Chorherren und bis vor wenigen Jahren noch Nonnen des Salesianer-Ordens beherbergte. Das Kloster wurde bereits im Jahr 1121 durch die Grafen von Iringsburg gegründet. Die Anlage, zu der die Kirche St. Peter & Paul gehört, wird derzeitig aufwändig saniert, so dass ich heute nur die an die Klosteranlage angrenzende Kirche St. Marien besuchen kann, stelle aber, nach dem ich diese Kirche betreten habe, fest, dass es auf jeden Fall ein sehr lohnender Besuch ist. Nach der ausgiebigen Besichtigung dieser sehr schönen und für mich eindrucksvollen Kirche führt mich mein weiterer Weg von Beuerberg unterhalb des Starnberger Sees, durch Murnau am Staffelsee und Bad Kohlgrub hin zu der weltberühmten "Wies-Kirche" bei Steingaden.
Hier habe ich heute das ganz besondere Glück, dass der „Wies-Kurat“, so lautet die offizielle Amtsbezeichnung für den Pfarrer der Wies-Kirche, Florian Geis, einen einstündigen Vortrag zur Geschichte dieser Kirche und die Bedeutung der einzelnen Ausstattungsmerkmale dieses Juwels des Rokoko-Baustils hält. Nach dem der für mich sehr aufschlussreicher Vortrag endet, in dem ich heute so viel Neues über die Hintergründe und zur Geschichte der Wies-Kirche für mich erfahren habe, komme ich mit ihm in der Kirche in ein längeres Gespräch. So erzähle ich ihm über meine Reise und dass ich bereits seit Dezember 1999 in Dresden lebe und so auch noch den Aufbau der Frauenkirche miterlebt habe. Der „Wies-Kurat Florian Geis hat heute bei mir einen wirklich nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So wie ich ihn heute kennengelernt habe, muss ich sagen, dass er einer ist, bei dem ich mit Sicherheit wieder sonntags regelmäßig zur Kirche gehen würde.
Für mich geht es aber nun auf meiner Reise weiter, vorbei an Orten wie Halblech, den herrlichen Schlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau, am Bannwaldsee und den Forggensee, dann über die Lechbrücke hinein nach Füssen. Nach einer kurzen P…..pause und dem schnellen Verschlingen einer gebratenen Rindfleischscheibe, eingebettet in 2 Brötchenhälften in einem Restaurant eines bekannten Fast-Food-Unternehmens (ja, genau das, da wo man zum Verzehr seines Essens keine Messer und Gabeln bekommt), verlasse ich Füssen wieder und fahre hinauf zum Alatsee, an den ich eine besondere Erinnerung an meine Jugend habe. Meine damalige Krankenkasse, die Barmer Ersatzkasse, bietet mir damals im Frühsommer 1974 diesen „Kurlaub“ als eine Vorsorgemaßnahme an. Vier Wochen Erholung in einer Gruppe von 15 Jungen im Alter von 16 bis 18 Jahren im „Hotel am Alatsee, verbunden mit einem kleinem Programm an Sport und Wanderungen und ein wenig kulturelle Bildung durch Besichtigungen (Wies-Kirche, Königsschlösser und Oberammergau) und viel Freizeit, die wir sehr oft in Füssen oder in Vils/Österreich verbringen.
„Alatsee“ oberhalb von Füssen
Im Gasthaus „Krone“ in Vils stillen wir damals nicht nur unseren Hunger nach der knapp 1-stündigen Wanderung dorthin mit leckeren Schinkenbroten, sondern auch unseren unbändigen Durst, so dass der Rückweg meist um die 2 Stunden dauert und das nicht nur wegen der Pinkelpausen. In Füssen ist unser Ziel zumeist die Jugendherberge, in der regelmäßig, alle drei, vier Tage, „Frischfleisch“ in Form 15-16-jähriger Mädels auf Klassenfahrt angeliefert wird. Da wir im Hotel um 22 Uhr 30 immer „Zapfenstreich“ durch unseren Betreuer haben, wir aber die Zeit mit den Mädels möglichst lang auskosten wollen, haben wir einen Taxifahrer gefunden, der uns mit seinem überlangen Mercedes, in dem unsere ganze Truppe Platz findet, fährt. Jaja, ich weis, es entsprach auch schon zur damaligen Zeit wie auch heut zu Tage nicht ganz der Straßenverkehrsordnung, aber es ist für den Taxler ein gutes Geschäft mit 3 DM pro Person wenn wir mit 10 Mann oder mehr unterwegs sind. Er ist bei Bedarf pünktlich ab 22 Uhr vor der Jugendherberge und bringt uns so rechtzeitig zu unserem „Zapfenstreich“ ins Hotel An all das muss ich bei meinem heutigen kurzen Besuch am Alatsee oberhalb von Füssen denken Der See liegt herrlich grün schimmernd vor mir, rundherum in Wäldern eingebettet, aber ich stelle doch einige Veränderungen zu früher fest, so z.B. sind an der ehemals schmalen Zufahrtsstraße große Parkflächen entstanden, auf denen sehr viele Fahrzeuge gegen Gebühr abgestellt sind und im Gegensatz zu früher, sind heutzutage Unmengen an Touristen rund um den See unterwegs. Nachdem auch ich mir auf einem kleinen Spaziergang hin zum Hotel am Alatsee die Füße vertreten habe, geht es für mich über die Höhen und durch die Täler des Allgäus weiter in Richtung Bodensee. Von Lindenberg im Allgäu komme ich hinunter an den Bodensee nach Lindau, wo ich nun immer nahe am See entlang, in Richtung meines Tagesziels Bodman fahre. Je näher ich diesem Ziel komme, umso mehr sehe ich die riesigen Plantagen mit Äpfeln, Birnen, Pflaumen und Weintrauben die sich über die Hänge oberhalb des Sees hinziehen. Anscheinend hat es hier ausreichend Regen und Sonne über den Sommer hinweg gegeben, der Fruchtstand vom Mais ist über 2 Meter hoch und die Bäume sind so proppenvoll mit Früchten, so dass sie sich unter der Last biegen. Ich denke schon daran, an die Seite zu fahren um die Obstbauern von der Qual der Ernte dadurch etwas zu entlasten, dass ich mein Auto mit den viel zu vielen Früchten, die da hängen, auffülle. Nein, ich lasse es, ich bin ja hier nicht auf „Klautour“
Mein heutiges Ziel, den Campingplatz „Schachenhorn“ in Bodman habe ich auch bereits vor einigen Tagen übers Internet reserviert und stelle bei meiner Ankunft voller Freude fest, dass ich mit meiner Wahl scheinbar einen Volltreffer gelandet habe. Ich darf mir den Platz sogar selbst aussuchen und halte mich dabei an das Motto von ARD und ZDF:
„Bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe“.
Da ich mein Zelt direkt am Ufer des Sees aufstellen kann, habe ich einen unverstellten Blick auf den See. Ein erstes Bad in dem angenehm temperierten und sauberen Wasser des Bodensees ist sehr entspannend. Anschließend genieße ich den Blick auf den See, auf dem eine Menge an Segelbooten kreuzen, von einer der beiden großen Holzliegen, die dort am Ufer stehen und auf der bis zu 4 Personen Platz finden. Danach noch schnell etwas einkaufen, damit ich heute
Badestrand am Campingplatz Schachenhorn in Bodman
Abend nicht hungrig ins Zelt krabbeln muss. Auf der Suche nach einem Supermarkt komme ich an einem großen Obstverkauf nicht vorbei ohne drei 4-Kilo-Träger mit herrlichen Bodensee-Äpfeln zu kaufen. Anschließend geht es weiter und nach kurzem Suchen findet sich ein Lebensmittelladen, in dem ich alles finde, was ich für das Abendbrot brauche: Semmeln, Wurst, Tomaten und 2 Dosen Radler. Zurück auf dem Zeltplatz genieße ich das Abendbrot, während sich die Oberfläche des Sees immer mehr leert und die Segelboote langsam in ihre Häfen entschwinden. Gegen 21 Uhr liegt der See spiegelglatt vor mir und so wird es auch für mich Zeit, mich in mein Zelt zu verkriechen.
Den Morgen beginne ich mit einem erfrischenden Bad im See, auf dem zu diesem Zeitpunkt noch keine Boote kreuzen. Anschließend geht es für mich auf meine Spurensuche in Bodman. Ich habe 2 alte Fotos dabei, die, so hoffe ich, mir weiterhelfen, unsere damalige Wohnung in Bodman zu finden. Mein Vater hat damals für den Grafen von Bodman als Landarbeiter gearbeitet, meine Mutter bekochte in dieser Zeit dort die Praktikanten und Lehrlinge. Um an weitere Informationen zu kommen, will ich mit meiner Suche im gräflichen Rentamt beginnen, welches im Schloss des Grafen von und zu Bodman untergebracht ist. Auf dem Parkplatz hinter dem Schloss treffe ich auf einen sehr freundlichen Mitarbeiter, der sich nach meinem Anliegen erkundigt. Von ihm erhalte ich den Hinweis auf 2 Häuser direkt an der Straße unterhalb des Schlosses. Ich darf mein Auto am Schloss abstellen und gehe den Weg durch den kleinen Schlosspark zu der Straße hinunter. Die Häuser weisen zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit einem meiner Fotos auf, ich habe jedoch nicht das Gefühl, hier richtig zu sein. Also gehe ich durch den Park wieder zurück zu meinem Auto, bedanke mich bei dem Mitarbeiter und verlasse den Parkplatz am Schloss und fahre die Straße hinab bis zur nächsten Weggabelung.
„Manchmal lenkt dich Neugier auf die richtige Spur“
und so kommt es, dass ich aus dem Augenwinkel noch die Kirche von Bodman sehe. Da ich mir ja gerne Kirchen ansehe, entschließe ich mich, auch dort neugieriger Weise einen Blick hinein zu werfen. Vor dem Portal zur Kirche ist eine alte Frau damit beschäftigt, das erste Laub zusammen zu fegen. Ich gehe an ihr vorbei hinein in die Kirche und stelle für mich aber schnell fest, dass die Kirche zwar schön, doch relativ schmucklos ist und so verlasse ich sie wieder. Nachdem ich die Kirche verlassen habe und bereits einige Meter an der alten Frau vorbei gegangen bin, verspüre ich plötzlich den Drang, diese anzusprechen. Ich drehe mich also zu ihr um, frage sie, ob sie denn eine gebürtige Bodmanerin sei, was sie bejaht. Ich sage, dass meine Eltern in der Zeit von 1957 bis 1959 damals für den Grafen von Bodman gearbeitet haben, mein Vater in der Landwirtschaft und meine Mutter als Köchin und ich nun nach dem Haus suche, in dem meine Familie damals gewohnt hat. Ich weiß nur noch, dass das Haus sehr nah am See gelegen war. Sie fragte mich nach meinem Namen und so antworte ich: „Josef Kellermann". Daraufhin sagt sie lachend zu mir: „Der Alois und die Irmgard und sie hatten doch noch eine etwa 2 oder 3 Jahre ältere Schwester“.
Unser ehemaliges Wohnhaus in Bodman, direkt am See gelegen
In diesem Augenblick weiß ich eigentlich nicht mehr was ich sagen soll, hätte ich doch einmal so viel Glück beim Lotto spielen, und so folge ich mit meinen Augen ihrer Hand, die direkt auf das Haus unterhalb des Kirchplatzes zeigt. „Ja, dort unten habt ihr gewohnt“ höre ich sie sagen. Nachdem ich mich von diesem unerwarteten, aber positiven Schock erholt habe, frage ich sie nach ihrem Namen und weshalb sie sich so gut nach über 60 Jahren erinnert. Ihr Name ist Heidi und man sei zu dieser Zeit ja Nachbar gewesen, sie selbst wohnt 2 Häuser unterhalb der Kirche die Straße hinab und so habe man sich zu der damaligen Zeit gegenseitig gekannt. Meine Eltern sind in dieser Zeit u.a. mit ihr und der Familie Schenck gut befreundet gewesen. Das mit der Familie Schenk weiß ich bereits aus den alten Bildern und einer alten Postkarte, die ich im Nachlass meines Vaters gefunden habe. Klaus und Rosl Schenk hatten auch eine Tochter mit Namen Rosemarie. Ich frage Heidi auch noch, ob sie sich auch noch an den „Kaiser-Opa“ erinnert, der für uns Kinder so eine Art Ersatz-Opa gewesen ist, da unsere Großeltern in Heufeld bei Bad Aibling, bzw. in Waldkirchen bei Passau lebten. Ja, an den kann sie sich auch noch gut erinnern, das sei ein sehr guter, aber armer Mensch gewesen. Er hat lange für den Grafen gearbeitet. Seine kleine Rente hat aber nicht für eine Wohnung ausgereicht und so habe er zu dieser Zeit im nahegelegenen Pferdestall geschlafen und wurde von meiner Mutter mit verpflegt erzählt sie mir.
Jetzt wohnt in unserem ehemaligen Zuhause der alte Graf von und zu Bodman, nachdem er vor einiger Zeit das Schloss an seinen Sohn übergeben hat. Ich bedanke mich herzlich bei Heidi und gehe das kleine Stück Weg hinunter zum Haus, das mit einer Mauer und Hecke abgegrenzt zur Straße direkt am Ufer des Bodensees liegt. Da der Graf zurzeit auf Reisen ist, wie mir Heidi erklärt hat, verzichte ich darauf zu klingeln. Ich mache durch die Hecke hindurch noch einige Fotos vom Haus, der alten Scheune, die immer noch so aussieht, wie damals, als ich mit meiner Schwester Luise und dem Kaiser-Opa davor gesessen habe, und dem Innenhof des Anwesens, das tatsächlich direkt an den See grenzt und in dem wahrscheinlich noch immer der Trachtenschmuck meiner Mutter liegt, den ich, als sie mich zum Stubenarrest in ihrem Schlafzimmer einschloss, in den See geschmissen haben soll, wie sie mir später einmal erzählte. Ich verabschiede mich nochmals von Heidi, bevor ich mich ins Auto setze und winkend an ihr vorüberfahre, meinem nächsten Ziel, Dollhof auf der schwäbischen Alb zustrebend.
Liebe Heidi,
an dieser Stelle nochmals herzlichen Dank, für all Deine
Auskünfte. Mit Deiner Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft
hast Du zum Erfolg meiner Reise ganz erheblich beigetragen.
Ich danke Dir und wünsche Dir vom ganzen Herzen noch viele Jahre
bei bestmöglicher Gesundheit auf Deiner Lebensuhr!
Dollhof, ca. 60 Kilometer nordöstlich vom Bodensee zwischen Sigmaringen und Bad Buchau gelegen, wurde von April 1959 bis April 1960 unsere nächste „Heimat“. Die Staatsdomäne wurde bereits damals von der Familie Hagmann bewirtschaftet, die umliegenden Gemeinden liegen mindestens 5 Kilometer von der einsam gelegenen Domäne entfernt. Dort angekommen treffe ich auf Hubert Hagmann, den Sohn des damaligen Betreibers, der die Domäne jetzt bewirtschaftet und seinem riesigen Jagdhund. Nachdem ich ihm über die Beweggründe über meine Reise durch mein Leben berichte, zeigt er mir den Hof und das Haus in dem wir in der Zeit auf Dollhof lebten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass uns ein ehemaliger Kollege meines Vaters von hier einmal in einem Goggomobil, einem Kleinwagen der 60er Jahre, in Vogelried besucht hat. „Ja, das kann doch eigentlich nur der Greiner gewesen sein“ meint Hubert Hagmann. „Greiner sei der Typ „ein bisschen verrückt, aber sehr fleißig“ erzählt er mir. Ich kann mich beim Greiner daran erinnern, dass er bei seinem Besuch bei meinen Eltern in Holzham ein Stück Schmelzkäse samt der Verpackung mit den Worten „Hab ich bezahlt und alles was ich bezahle, esse ich auch“ verspeiste. "Ja der Greiner sei so einer gewesen, der konnte aber arbeiten wie ein Pferd, er hat bis um 2005 auch immer wieder einmal bei ihm gearbeitet, hat aber auch beim kleinstem Anlass alles hingeschmissen" erinnert sich Hagmann. Nach einem fast einstündigen Gespräch und dem Rundgang durch die Domäne, empfiehlt er mir, auf meine Frage nach besonderen Sehenswürdigkeiten der Region doch einen Abstecher zur „Heuneburg“ und nach „Zwiefalten“ zu machen.
Unser ehemaliges Wohnhaus auf der „Domäne Dollhof“
Ich werde von ihm noch mit dem Hinweis verabschiedet, dass ich mir ruhig auf meiner Fahrt bis zur nächsten Hauptstraße so viele Äpfel wie ich möchte pflücken darf, weil die Bäume alle ihm gehören aber er die nicht alle selbst abernten kann. Nachdem ich mich von ihm verabschiedet habe, mache ich mich wieder auf meinen Weg. Nach ca. 1 Kilometer stechen mir am Straßenrand 2 besonders prall bestückte Apfelbäume ins Auge und so halte ich an und pflücke mir um die 10 Pfund bester Äpfel von der Schwäbischen Alb.
Danach geht es weiter zu der nur wenige Kilometer entfernten Heuneburg, einer vor- und frühgeschichtlichen Höhensiedlung der Kelten am Oberlauf der Donau im Ortsteil Hundersingen, der zur Gemeinde Herbertingen gehört, etwa 14 Kilometer östlich von Sigmaringen gelegen. Die befestigte Kernanlage des frühkeltischen Fürstensitzes aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. ist etwa 300 Meter lang und bis zu 150 Meter breit. Sie ist eine der bekanntesten Fundstellen aus keltischer Zeit in Mitteleuropa. Da es heute ziemlich heiß ist, begnüge ich mich aber mit der sich mir bietenden Aussicht vom Eingangsbereich aus, über die vor mir liegende Anlage, bevor ich mich wieder zu meinem Auto auf dem Parkplatz begebe. Auffällig auf diesem Parkplatz ist eine Strom-Tankstelle, an der 3 E-Bikes gleichzeitig aufgeladen werden können, eine gute Sache, denn es sind hier sehr viele Radfahrer unterwegs. Ja, man merkt es schon: Man ist halt im „Ländle“.
Klosterkirche Zwiefalten „Unserer lieben Frau“
Durch die landschaftlich sehr ansprechende Strecke und das tolle Wetter genieße ich meine Weiterfahrt nach Zwiefalten, einer zunächst unscheinbaren Gemeinde auf der Schwäbischen Alb. Als ich hinunter in den, in einem Talkessel liegenden Ort fahre, fällt mir sofort die große Klosteranlage auf, die neben anderen Bauwerken an der „Schwäbischen Barockstraße liegt. Vor der Kirche sind 4 Frauen damit beschäftigt, am Hauptportal einen riesigen Blumenteppich auszulegen. Nachdem ich sie passiere und durch das Seitenportal die Kirche betrete, passiert mir genau das, was mir der "Wies-Kirchen-Kurat" Florian Geis bei unserem Gespräch erzählte. So käme es sehr oft vor, dass Besucher der „Wies-Kirche“ die Türe öffnen, den Mund weit aufreißen und sich umdrehen und im hinausgehen die Türe wieder schließen. Auf meine Frage: "Warum?" hat er mir geantwortet: Die Leute sind, wie man das heute auf gut neudeutsch sagt, „GEFLASHT“ von dem Prunk und der Pracht in dieser Kirche.
Ja, genau dieses Gefühl habe ich auch in diesem Moment, ich bin total „geflasht“, ich drehe aber nicht um, und ich verlasse auch die Kirche nicht, sondern ich schaffe es gerade noch auf eine Sitzbank. Nachdem ich dort etwa 5 Minuten so in der Bank, wohl mit offenem Mund, gesessen habe, kommt einer der Gärtner, die im Altarraum, dabei sind, 2 ineinander geflochtene Herzen für eine am nächsten Tag stattfindende Hochzeit aufzustellen, auf mich zu, und fragt mich fürsorglich, ob denn mit mir alles in Ordnung sei. „Jaja, es ist schon alles gut, ich bin nur etwas überwältigt“. „Ja das passiert hier schon oft“ ist seine Antwort. Nachdem ich mich noch einige Zeit in der Kirche umschaue, verlasse ich sie wieder durch das Nebenportal und sage zu den Frauen, die am Hauptportal den Blumenteppich vervollständigen, wie viel es denn kostet, an einem solch wundervollen Arbeitsplatz wie diesen, arbeiten zu dürfen? Sie lachen und eine sagt: „Nein bezahlen müssen wir dafür nix, aber unser Chef dürfte auch gerne noch ein bisschen drauflegen“.
Gegenüber der Klosteranlage befindet sich ein Laden namens "Bierhimmel", in dem die Spezialitäten der Klosterbrauerei und sonstige Souvenirs angeboten werden. Um mein Abendbrot nicht gänzlich trocken verspeisen zu müssen, versorge ich mich aus dem dort stehenden Kühlschrank mit 3 Flaschen der unterschiedlicher Sorten des leckeren Klosterbieres und packe diese in meine im Auto befindliche Kühlbox um die Kühlkette nicht zu unterbrechen.
Nun geht es für mich zunächst auf die nahegelegene Autobahn, vorbei an Ulm und Augsburg nach München. Den direkten und kürzesten Weg mitten durch die „Weißwurst-Metropole“ München nehmend und dann weiter auf der Autobahn Richtung Salzburg führt mein Weg mich bis nach Rosenheim und von dort nördlich nach Schechen, wo ich gegen 19 Uhr mein heutiges Tagesziel erreiche. Von meinem Platz, an dem ich mein Zelt für die nächsten 3 Tage aufschlage, sind es nur ca. 20 Meter bis zu diesem sehr schönen Naturbadesee, von dem man bei klarer Sicht einen wunderbaren Blick auf die Chiemgauer Alpenkette hat. Ich verbinde mit diesem See sehr schöne Erinnerungen an die Zeit mit meiner ersten Frau Martina, als wir berufsbedingt seit Ende 1980 in unserer ersten gemeinsamen Wohnung in der Traberhofstraße in Rosenheim wohnten. Im Sommer 81 fuhren wir bei schönem Wetter oft am späten Abend hier an den See zum textilfreien Baden, weil Martina, hochschwanger mit unserer Tochter Ste-
„Erlensee“ bei Rosenheim
fanie, nicht mehr ins Schwimmbad gehen wollte. Nach einem ersten erfrischenden Bad im See geht es für mich noch in den direkt angrenzenden Biergarten wo ich mich nach einem kurzen Blick auf die Speisenkarte für einem wunderbaren Schweinebraten mit Kartoffelknödeln und einer schon als genial zu bezeichnenden Sauce entscheide. Mit einer frischen Radlermaß setzte ich mich auf eine Bank am See und genieße am See den Sonnenuntergang den Blick auf die Berge.
Heute Nacht habe ich auch wieder sehr gut geschlafen und so krabbele ich am Morgen frohgelaunt aus dem Zelt, schwimme eine Runde im kühlen Wasser des Sees bevor ich mich anziehe und hinüber in den Ort Schechen fahre, um mich dort in der kleinen Bäckerei mit einer Tasse Kaffee und einem Milchbrötchen zu stärken, bevor ich mir in der Metzgerei noch 2 Wurstsemmeln als Proviant für den Tag hole.
Hier fühl ich mich daheim, hier will ich sein…
…und so geht’s auf den Weg nach Holzham bei Bruckmühl, durch das Voralpenland, zu dem Ort, an dem ich den für mich schönsten Teil meiner Kindheit verbracht habe. Es hat hier kaum Veränderungen gegeben, der Ort ist im Gegensatz zu den umliegenden Gemeinden scheinbar nicht groß gewachsen, nur dass die aus Richtung Bruckmühl kommende Landstraße nicht mehr hinter dem „Gasthof zur Mühle“ über das Flüsschen Glonn führt sondern bereits davor. Der Gasthof ist seit kurzen geschlossen. Früher, als ich mit meiner Schwester im Winter vom „Winterblöcker-Hof“, den meine Eltern für Dr. Buhl bewirtschafteten, zur Schule ging, wartete die Wirtin oft auf uns und holte uns aus der Kälte hinein in die warme Wirtsstube und wir konnten uns kurz bei einer heißen Schokolade oder Milch aufwärmen, bevor wir uns auf unseren Restweg zur Schule machten. In der Zeit von 1960 bis 1964 waren die Winter halt noch Winter und die Sommer auch noch Sommer. Wir mussten uns oft genug durch mehr als 50 bis 80 cm Neuschnee durchkämpfen, und nein, ein Schulbus fuhr nicht und der kürzeste Weg zur Schule ging für uns durch den Wald.
Von der neuen Hauptstraße kommend biege ich in Unter-Holzham ab auf die Kreisstraße in Richtung Glonn und Groß-Höhenrain und folge dieser Straße für fast 2 km bis zum Abzweig nach Niederstetten/Großhöhenrain. Ich biege nach links in den Waldweg auf die immer noch schlechte Wegstrecke zum Winterblöcker ein und folge diesem Weg ca. 400 Meter, vorbei an den 2 großen Putenställen, die Mitte der 1960er-Jahre hier errichtet wurden, bevor sich der Wald zu der großen Lichtung öffnet, in deren Mitte der ehemalige Bauernhof, mittlerweile kaum mehr erkennbar, versteckt hinter Bäumen und Büschen, liegt. Hier hat sich in den letzten 58 Jahren seit unserem Wegzug einiges verändert: Nachdem man aus dem Wald kommend auf den „Winterblöcker-Hof zufährt, ist auf der rechten Seite eine Fläche für Agility, also Hundesport, von der Besitzerin Monica Nicolai angelegt worden während sich auf der linken Wegseite eine saftig grüne Wiese über die ganze Lichtung hin zieht.
Nachdem ich mein Auto vor dem idyllischen Anwesen abstelle und niemand auf mein Klingeln öffnet, umrunde ich das Haus und werde gleich von einem sehr großen, aber auch freundlichen Hund begrüßt, bevor Monica Nicolai, die mit ihrer Tochter nahe des wunderschön angelegten Teichs an einem Tisch saß, auf mich zukommt. Wir haben schon seit einiger Zeit Kontakt und ich habe ihr in der Vergangenheit bereits Fotos aus unserer Zeit auf dem Winterblöcker-Hof, zugeschickt. Das alte Haus, in dem sich die Wohnräume und angrenzend der Kuhstall befanden, wurde zwischenzeitlich abgerissen, aber aufgrund der Richtlinien für Denkmalgeschütze Bauwerke im Stil original wieder aufgebaut, aber um gut 2 Meter in Richtung des rechten Waldstücks versetzt, wie mir Monika erklärt. Sie hat mit ihrem Mann hier mittlerweile wirklich ein kleines Paradies geschaffen. Ich selbst habe vor etwa 5 Jahren bei einer unmotivierten Internet-Recherche nach einer Ferienwohnung durch reinen Zufall auf einer Web-Seite das Bild des Hofes entdeckt und es war damals, als ob mir jemand in mein Herz sticht: Obwohl sich einiges im Gegensatz zu der Zeit, als ich mit meinen Eltern und Geschwistern hier wohnte, verändert war, wusste ich sofort, das ist der „Winterblöcker-Hof“. Da hast Du mal gelebt. Und so ist mein Besuch heute für mich gewissermaßen wie ein „Nach-Hause-kommen“, wenn auch leider nur ein sehr kurzes. Sollte mir das Glück einmal beim wöchentlichen Lotto spielen besonders hold sein und mir einen hohen Millionenbetrag bringen, kaufe ich den „Winterblöcker-Hof“ um jeden Preis. Die mittlerweile auf dem Hof entstandene Ferienwohnung, die von Monika angeboten wird, erhält im Internet beste Noten von den Gästen, die hier waren, ob der Ruhe und Abgeschiedenheit und der Herzlichkeit der Gastgeber
Der „Winterblöckerhof „
Auf der anderen Seite des Teichs, direkt am Eingang zum Wald, befindet sich noch ein kleiner Pavillon, von dem man jetzt den schönsten Blick auf den jetzigen Winterblöcker hat. Nach einem ausgiebigen Rundgang um das komplette Objekt verabschiede ich mich wieder sehr, sehr schweren Herzens von diesem „Sehnsuchtsort meines Lebens“. Der Name „Winterblöcker“ begründet sich im Übrigen in der sich von hier bietenden Aussicht auf das Mangfall-Gebirge, denn man kann von hier den Winter schon früh sehen, wenn die Schneefälle in den Bergen einsetzten.
Ich möchte heute noch einige Stationen besuchen, die bei mir mit Erinnerungen und Geschichten verbunden sind und so fahre ich nach meinem Besuch zunächst wieder hinunter, vorbei am „Bäcker-Weiher“ zur Landstraße, biege aber nicht nach Holzham ab, sondern stelle hier kurz mein Auto ab. An dieser Stelle kommt vom „Bäcker-Weiher“ ein kleiner Ablauf, der ein Stück weiter dann in die Glonn mündet. Hier an dieser Stelle habe ich mich im 1. Schuljahr einmal als „JESUS“ versucht. „Wenn der aus Wasser Wein machen kann, kann ich aus Wasser doch ein wenig mehr an Milch machen“. Beim Transport der beiden gefüllten Milchkannen auf dem Leiterwagen, hat es bei der Bergabfahrt einen kleinen Unfall gegeben. Eine der Kannen ist herunter gefallen und einige Liter der Milch sind halt nicht mehr in der Kanne sondern auf dem Boden. Um den Schaden in Grenzen zu halten fülle ich die Kanne mit ein wenig Wasser aus dem Bach auf, bis die den ursprünglichen Füllstand wieder hat. 2 Tage später hat mir mein Vater den Arsch versohlt, nachdem ihn der Fahrer des Milchwagens auf die besondere Qualität seiner Milch angesprochen hat. Bevor ich wieder ins Auto steige, blicke die Straße nach Groß-Höhenrain hinauf zum Kastner-Hof und plötzlich habe ich wieder diesen ganz speziellen Geschmack der Buttercreme-Bisquitrolle von der „Kastner-Mutter“, der Anna Krapichler, in meinem Mund, als die Erinnerung an das damals Erlebte in mir hoch kommt:
Der „Bäcker-Weiher“ wird deshalb so bezeichnet, weil er dem Bäcker aus Groß-Höhenrain gehört. Als ich an einem Samstagnachmittag mit meiner Schwester Luise zum Spielen im Wald, angrenzend zum Bäcker-Weiher, bin, entdecken wir etwas für uns in der damaligen Zeit wirklich Unfassbares: Auf der Wiese unterhalb vom „Kastner-Hof, unserem nächsten Nachbarn, stehen viele Autos und auf dem angrenzenden schmalen Streifen neben dem Teich stehen einige Zelte. Das ist es aber nicht das, was uns schockiert, sondern die Leute, die da herumlaufen, denn die sind ja allesamt nackt, so nackt, wie der Adam und die Eva nach dem Sündenfall im Paradies:
„Na Super: Dicke Autos fahren, aber nix zum Anziehen“.
Nachdem wir das gesehen haben, rennen wir, als sei der Teufel höchstpersönlich hinter uns her, nach Hause: „Mamma, Mammaa, do unten am Bäcker-Weiher, do renna lauder Naggerde umannanda“. Meine Mutter will das zunächst erst gar nicht glauben, fragt dann aber auch mein Schwesterlein, die ihr das aber auch nur bestätigen kann. Dann ruft Sie aber meinen Vater, der gerade mit seinem Chef, dem Dr. Buhl, dem Besitzer des Hofes, im Stall ist: „Alois, du muassd sofort do oabe zum See, do rennen lauter Naggerde umananda“, damit der diesem unmoralischen Treiben ein Ende macht.
Dr. Buhl bei seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Ausmisten
Mein Vater steigt auf unseren „Eicher-Traktor“, neben ihm der Dr. Buhl, der mit einer Mistgabel, mit der er eben noch beim Ausmisten geholfen hat, bewaffnet ist und ich auf der anderen Seite. So fahren wir zunächst hinüber zum Kastner-Bauern, zur Familie Krapichler, um nachzufragen, ob die was wissen. „Ja, i woas nix gnaus, des Wiesenstückl gherd doch dem Bäck“ und „der hod de Wiesn an oan Verein in Minga verpacht“ erklärte uns der 19 jährige Schorsch, der ältere der beiden Söhne der Krapichlerin, die mit dem Rosenkranz in der Hand vorm Haus steht und immer nur vor sich hin murmelt: „solche Säu, solche Säu“, so a Soddom, und Gomorrah. Ihre Tochter Anna, ein hübsches Mädel, so Anfang 20, steht neben ihr und hält sich die Hände vors Gesicht, aber ich verstehe es absolut nicht, warum die ihre Finger auf Höhe ihrer Augen so spreizt
Wenig später kommt der „Bäck“ vorbei, weil der einmal nach dem „Rechten sehen will“ und erklärt dem Dr. Buhl auf Nachfrage, dass er das Gelände einem FKK-Verein aus München verpachtet hat:“Aba de Naggerden“ aus Minga derffan ersd naggerd auf dera Wiesn umananda renna, wenn de ehrern Zaun aufegstelld hom“, also der Sichtschutzzaun zur Straße und hin zum Parkstreifen aufgestellt ist. Nach dieser Information geht der Dr. Buhl (im richtigen Leben als hoher Beamter in Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn tätig und daher für jegliche Diplomatische Verhandlung geschult) immer noch die Mistgabel mit sich führend, gemeinsam mit dem „Bäck“, dem Kastner-Schorsch und meinem Vater hinunter zum Teich, um den „Naggerden“ ihr Missfallen ob der dort von ihnen gezeigten nackten Tatsachen mitzuteilen und sie an die mit dem „Bäck“ getroffenen Absprachen zu erinnern.
In der Zwischenzeit hat mich die "Kastner-Mutter" an der Hand genommen, beordert aber auch die Anna in die Küche, wo bereits der 16-jährige Sepp, der jüngste der drei Krapichler-Kinder Zeitung lesend sitzt, und zieht auch mich mit in die Küche, damit „ihr ned a no do de naggerden umanander laafen segts“. Dann geht sie zum Schrank hinüber und holt die auf einer Kuchenplatte liegende frisch gebackene Buttercreme-Bisquittrolle, schneidet für jeden von uns ein mächtiges Stück ab und versüßt uns so den „Stubenarrest“ in ihrer Kuchl. An den Geschmack dieses Kuchenstücks denke ich bei dieser Erinnerung immer gerne zurück. Nach einigen Minuten kommen der "Bäck" und die anderen zurück, während die „Naggerden“ beginnen sich anzuziehen und ihre Bemühungen intensivieren, ihren Sichtzaun aufzustellen. Für uns scheint die Sache eigentlich erledigt, bis auf die Tatsache, dass der Pfarrer von Holzham, Stuhlreither, am folgenden Sonntag die Gelegenheit weidlich ausnutzt, um all seine Schäfchen von der Kanzel auf dieses „Sodom und Gomorra“ hinzuweisen, was am Ende dazu führt, dass meine Eltern mit uns Kindern und auch der Dr. Buhl nicht mehr nach Holzham zur Kirche gehen und dem Pfarrer nun immer die 20 Mark fehlen, die der Dr. Buhl bei seinem Kirchbesuch immer hat in den Klingelbeutel fallen lassen, sondern wir zur Messe immer nach Weihenlinden fahren. Ja so war sie, meine erste Begegnung mit der Nacktheit der Menschen.Nach dieser Erinnerung steige ich nun doch wieder hinein ins Auto, ab über die Kreuzung, auf der kleinen Verbindungsstraße vorbei an dem großen Bauernhof Schnaitt und hinunter zu der kleinen Brücke, die über die Glonn führt, dann hinauf zum Weiler Hirschberg, zum Franz Gilg, einen meiner Schulfreunde aus den Kindertagen. Leider treffe ich ihn nicht an und so geht meine Fahrt hinüber zum ehemaligen Schulhaus weiter, wo ich heute auf den Tag genau vor 60 Jahren am 04. September 1962 in der "Zwergschule" in Holzham eingeschult wurde. Das Gebäude ist mittlerweile erweitert und umgebaut worden und wird nun als Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Es ist schon sehr erstaunlich, was so eine kleine Gemeinde wie Holzham auf die Beine stellen und mit Leben füllen kann. Der mittlere Gebäudeteil war früher unser Klassenraum, in dem unser Lehrer, Herr Konrad Fleisch, die Schüler von der 1. bis zur 8. Klas
rechts nach links: Franz Gilg, Kathi Obermayer, Johanna Rau und ich
se alleine in einem Raum unterrichtete, bis auf den Religionsunterricht, den der damals schon fast 90-jährige Pfarrer Stuhlreither abhält. Als wir eingeschult werden, sind wir mit 4 Schülern die größte Klasse, in den anderen sind nur 1,2 oder 3 Schüler. Unser Lehrer, Herrn Fleisch hat hier 1960 seine erste Lehrerstelle angetreten, er ist also noch jung und unverbraucht. So kommt es durchaus vor, dass der Unterricht öfters sehr unkonventionell abläuft: bei schönem Wetter draußen auf der Wiese und dem kleinen Sportplatz, bei schlechtem Wetter werden des öfteren die Tische im Klassenraum zur Seite geschoben und es werden Kegel aufgestellt und wir kegeln die ein oder andere Stunde. Trotzdem lernen wir gut und ich denke gerne an diese Schulzeit zurück.
Nicht ganz so gerne bleibt mir eine Mitschülerin in Erinnerung, die "Schneider Vroni“, die hat wirklich wunderschöne, herrlich lange Zöpfe. Irgendwann kommt bei mir der Übermut ins Spiel, als die Vroni in der Bank vor mir sitzt: Ich ergreife die beiden Zopfenden von der Vroni und ziehe, wohl auch etwas zu kräftig, mit den Worten „Hüh und Hott“, mal nach links und mal nach rechts. Kaum habe ich das „Hott“ herausgebracht, dreht sich die Vroni um und verpasst mir mit dem Schwung ihrer Drehung eine derartige „Watschen“ (Ohrfeige), dass ich noch heute daran denke, bzw. ich damals 2 Tage mit angeschwollener, roter Backe durch die Gegend laufe. Ich schwöre:
Ich habe nie wieder ein Mädel an den Zöpfen gezogen.
Ja, es ist eine schöne Zeit für mich in Holzham und auf dem Winterblöcker-Hof, ich habe früh gelernt Traktor zu fahren, wir haben einen tollen Abenteuerspielplatz in den unseren Hof umgebenden Wäldern und am Bäcker-Weiher, ich kenne die besten Stellen, wo die größten Steinpilze wachsen und so weiter. Mit dem Lohmeyr-Buam vom uns gegenüber am Hang liegenden Bauernhof hab ich auch gelegentlich Kontakt, wenn wir an unserem Bach, der den Bäcker-Weiher speist, spielen, wie zum Beispiel im Februar 62. Es war so nicht geplant, aber wir haben da einmal getestet, ob man zu dieser Zeit in dem Bach schon baden kann, Ja, man kann! Aber wirklich nur ganz, ganz, ganz kurz und dann schnell nach Hause, mit anderen Worten, wir sind auf zu dünnem Eis unterwegs, das urplötzlich seine Tragkraft einbüßt und wir hüfthoch in der kalten Brühe stehen. Zum Aufwärmen meines abgekühlten Körpers hat es vom meinen Vater ordentlich was auf den Hintern gegeben
Unser Mischlingshund „Putzi“ hat ein Reh entdeckt, ab geht die Fahrt…..
Mit unserem Hund “Putzi“ habe ich auch einen guten und treuen Spielkameraden, mit dem ich durch die Gegend streiche. Bei dem obligatorischen Verdauungsspaziergang nach dem Festessen anlässlich der Taufe meiner Schwester Gisela, drückt meinen Onkel Xaver die Blase und so gibt er mir die Leine von "Putzi" in die Hand. Kaum habe ich die Leine ergriffen, rast das "Vieh" wie bescheuert los, ich stürze und so geht es einige Meter, in der guten Anzugshose, durch eine große Pfütze, an deren Ende ich, nachdem ich mich wieder aufgerappelt habe, wie der bekannte "begossene Pudel" aussehe. Die Hose und das Hemd sind ruiniert und mein Herr Vater, mein ach so liebenswerter Onkel Xaver und auch der Dr. Buhl halten sich angesichts meines desolaten Aussehens die Bäuche vor Lachen. Das vergeht denen aber ganz schnell als wir wieder nach Hause kommen und uns meine Mutter herzlichst (!!!) begrüßt. Irgendwann im Oktober 62 ist unser Hund „Putzi“ dann verschwunden. Wie sich dann durch Zufall einige Tage später herausstellt, hat dieser „Scheißmörder“, der „Bäck“, ihn angeblich beim Wildern erwischt und erschossen.
Freitags kommt in der Zeit von März bis Oktober der Imker aus Heufeld, der sein großes Bienenhaus am Wald stehen hat und bei dem ich mich auch gerne aufhalte und dem ich auch, soweit es mir möglich ist, ein wenig zur Hand gehe, wofür er mich immer wieder mit einem Glas von dem köstlichen Honig belohnt.
„Mein Freund, Dich lasse ich da erst mal nicht runter“
Auch an unserem Hund „Nero“, einen mächtigen Bernhardiner, der die Nachfolge von „Putzi“ antritt, denke ich sehr gerne zurück, wobei er es mir einmal sehr deutlich macht, dass er es als nicht besonders nett von mir empfindet, als ich mit einer Bierflasche nach ihm werfe: Meine Eltern sind auf unserer Wiese unten an der Glonn am arbeiten, als ich beim Spielen auf dem Hof Nero zu nahe komme und ich mich nur auf das Dach seiner Hundehütte retten kann. Jedes Mal, wenn ich versuche, von dort herunter zu kommen, rennt er knurrend auf mich zu. So muss ich einige Stunden auf dem Dach seiner Hundehütte verbringen, bevor meine Eltern wieder nach Hause kommen. Trotzdem liebe ich diesen Hund, denn man kann mit ihm auch gut herumtollen und im Winter hat er uns auf dem Schlitten gezogen
Nachdem ich nun in Holzham und auf dem Winterblöcker-Hof gewesen bin, drücken mich gegen 13 Uhr der Hunger und der Durst. Der Gasthof "Zur schönen Aussicht" in Kleinhöhenrain, der Name ist hier wirklich wortwörtlich zu nehmen, ist nicht weit und so beschließe ich, dort auf der Aussichtsterrasse einen Imbiss einzunehmen. Hier habe ich damals auf Veranlassung vom Dr. Buhl die erste "Radler-Maß" meines Lebens anlässlich meiner Einschulung im September 1962 getrunken. Dr. Buhl kam sehr oft an den Wochenenden zu Besuch auf den von meinen Eltern bewirtschafteten Hof und so ging es sonntags, nach dem gemeinsamen Kirchbesuch, regelmäßig entweder nach Schloss Maxlrain oder hier her zum „Männer-Frühschoppen“. Man hat von hier wirklich einen traumhaft schönen Blick auf das Mangfall-Gebirge und den Wendelstein. Nach einer Portion Leberkäse mit Kartoffelsalat und dem obligatorischen „Radler“, diesmal aber alkoholfrei, weil ich ja noch weiter fahren will, geht es für mich auf meine heutige spezielle Mission in Richtung Weyarn zur
„Mission ROSENHEIM COPS“
Als ein bekennender „Rosenheim-Cops-Fan“ möchte ich gerne einmal den Bauernhof des Kommissars Hofer aus der Serie besuchen. Der Hof liegt lt. meiner Recherche nahe Weyarn, in der Nähe einer kleinen Wallfahrtskapelle, die ca. 30 Minuten fußläufig von dem Parkplatz, auf dem ich mein Auto abstelle, sein soll. Da die Beschilderung nicht sehr genau ist, 3 Wege gehen vom Parkplatz ab auf dem ich stehe und die Wegweiser total verbogen in alle möglichen Himmelsrichtungen zeigen, nehme ich den mittleren Weg, die schmale, steile Straße, na ja, was soll`s: Rucksack auf den Rücken und auf geht’s. Nachdem ich nach gut einer halben Stunde etwa 70 bis 80 Höhenmeter hinter mir habe und nichts entdecke, was mein Ziel sein könnte, entscheide ich mich für den Rückweg, um den Waldweg in Angriff zu nehmen. Also zurück zum Parkplatz und hinein in den Waldweg, der sich nach der zweiten Kurve auch relativ steil nach oben zieht. Auf halber Strecke kommt mir ein Traktor der Forstverwaltung entgegen, der Fahrer hält kurz und fragt mich, wo ich denn hin will. Ich erkläre es ihm mit kurzen Worten, worauf er mir erklärt, dass ich auf dem ersten, bergauf führenden Weg schon richtig gewesen bin. „Steig auf, ich nehm dich bis zum Parkplatz mit, da kannst Du mit dem Auto hochfahren, aber pass auf, die Straße ist sehr eng. Am Parkplatz angekommen bedanke ich ihm, steige in mein Auto um und fahre die steile Straße hinauf. nach oben, dann durchquere ich dabei das vor mir liegende Hochtal auf cirka 600 Metern Länge, bevor ich das noch engere und noch steilere, sich in Serpentinen windende Sträßchen in Angriff nehme. Höhe ist für mich ja immer ein Problem, aber nun überwinde ich meine Höhenangst und ich bete, dass mir ja keiner entgegenkommt. Wenige Minuten später ist es dann endlich soweit, ich erreiche den „Hofer-Hof“. Ich muss aber am Hof vorbei fahren, da ich hier nicht parken kann. Etwa 200 Meter weiter kann ich meinen Wagen dann aber an einem schmalen Streifen neben der Straße abstellen und so gehe ich den Weg zurück, vorbei an 2 weiteren Anwesen, die aufgrund der auf den Innenhöfen parkenden Fahrzeugen (Rolls Royce, Ferrari, mit Münchner Kennzeichen) auf „sozialen Wohnungsbau“ hinweisen, bis hinunter zu dem „Hofer-Hof“ wo ein Schild auf das Privatgrundstück hinweist was ich natürlich respektiere und mich dabei an eine Episode aus meiner Kindheit auf dem Winter-blöcker-Hof erinnern lässt:
An der Zufahrt zu unserem Hof, unten an der Abzweigung der Hauptstraße von Holzham nach Glonn stand auch ein Schild mit „PRIVAT“ und so habe ich dann mittels unserer furchteinflößenden Bestie NERO“ eine unserem Haus zustrebende Familie derart verschreckt, dass sie bis zum Kastner-Bauern hinüberlaufen, von dort aus meine Mutter anrufen und nach gut 20 Minuten den erneuten Versuch wagen, sich dem Hof zu nähern. Wie kann ich denn wissen, dass irgendwelche buckligen Verwandten darauf hoffen, sich kostenfrei den Bauch bei uns voll zu schlagen. Erst als meine Mutter aus dem Haus kommt und mich mit dem Nero zur Hundehütte beordert, erfahre ich, dass es sich dabei um eine der
Der „Hofer-Hof“ auf dem die Protagonisten der Serie „Die Rosenheim-Cops,
Korbinian Hofer und seine Schwester Marie leben.
Schwestern meiner Mutter handelt. Zenta, ihr Mann Paul und deren 3 Kinder Rosemarie, Constanze und Christian aus Wolfsburg wollen uns einmal besuchen Nachdem sich die Situation damals aufgeklärt hat, ist die Sache mit dem „Privat“ auch ein für alle mal geklärt und immer, wenn ich die „Prankl´s dann und wann in Wolfsburg besuche, lachen wir auch heute noch immer herzlich über diese Geschichte.
Nachdem ich abschließend von der Straße aus einige Fotos vom „Hofer-Hof“ gemacht habe, gehe ich das kleine Sträßchen hinter dem Hof zu meinem Auto wieder hinauf und genieße dabei den herrlichen Blick über das Voralpenland, den man von hier oben hat. Nach meinem Besuch am „Hofer-Hof“ verstehe ich auch, weshalb der Korbinian Hofer auch immer so spät zum Dienst ins Polizei-Präsidium nach Rosenheim kommt:
Der lange Weg!!!
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