Mädchensalon - Constanze Kucharsky - E-Book

Mädchensalon E-Book

Constanze Kucharsky

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Beschreibung

Ein magischer Ort an der Côte d`Azur, das große Glück der Freundschaft und die Rückkehr der Liebe. Malerische Buchten, wildromantische Berglandschaften, der Duft von Lavendel und das bunte Leben rund um die glitzernde Küste von St. Tropez. In Grimaud - dort, wo die Provence mit ihren prächtigen Farben und ihrer herrlichen Lebenskunst charmant das Herz berührt, feiern die beiden Freundinnen Charlotte und Bonnie ihr langersehntes Wiedersehen. Eine überraschende Begegnung stellt die amüsanten Urlaubstage beider Frauen schließlich völlig auf den Kopf. Nichts ist verloren, aber vieles bleibt nicht, wie es war. Mädchensalon ist nicht nur eine Hommage an die zauberhafte Region um St. Tropez, es ist vor allem ein Buch über Frauen und Freundschaft. Frauen fürs Leben, Frauen, die verstehen, das Schöne noch schöner zu machen - unwiderstehlich, kostbar und unersetzlich. Vertraute, Weggefährtinnen und Herzensmenschen und eine Inspiration, genau ihnen mehr Zeit für Schönes zu schenken.

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Ein magischer Ort an der Côte d`Azur, die Kraft der Freundschaft und die Rückkehr der Liebe.

Malerische Buchten, wildromantische Berglandschaften, der Duft von Lavendel und das bunte Leben rund um die glitzernde Küste von St. Tropez.

In Grimaud – dort, wo die Provence mit ihren prächtigen Farben und ihrer herrlichen Lebenskunst charmant das Herz berührt, feiern die beiden Freundinnen Charlotte und Bonnie ihr langersehntes Wiedersehen. Eine überraschende Begegnung stellt die amüsanten Urlaubstage beider Frauen schließlich völlig auf den Kopf. Nichts ist verloren, aber vieles bleibt nicht, wie es war.

Mädchensalon ist nicht nur eine Hommage an die zauberhafte Region um St. Tropez, es ist vor allem ein Buch über Frauen und Freundschaft. Frauen fürs Leben, Frauen, die verstehen, das Schöne noch schöner zu machen - Vertraute, Weggefährtinnen und Herzensmenschen und eine Inspiration, genau ihnen mehr Zeit für Schönes zu schenken.

Constanze Kucharsky, Jahrgang 1973, hat in Mainz Publizistik studiert und arbeitete anschließend viele Jahre als PR-Beraterin und freie Redakteurin. Seit über zehn Jahren ist sie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eines Mode- und Lifestyleunternehmens verantwortlich und lehrt als freie Dozentin Medien- und Kommunikationswissenschaften.

Sie liebt selbstgebundene, bunte Blumensträuße, skandinavisches Design, moderne Kunst, schöne Papeterie und Südfrankreich.

Sie ist Fashion-Liebhaberin, beste Freundin und begeisterte Gastgeberin.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem Sohn lebt sie in Karlsruhe.

Inhaltsverzeichnis

Mädchensalon

Mensch werden ist eine Kunst

Prolog

Wiedersehen

Bonnie

Cleo

Der Mädchensalon und ich

Helen

Julia

Toni

Anni und Nita

Maximilian

Der Mädchensalon

Mädchensalon

Mensch werden ist eine Kunst

Für

Sibylle, ohne die das Leben nur halb so lustig wäre Simone und Kirsten, für die vielen schönen Momente Constantin und Markus, die alles sind meine Eltern und für Broschi

Prolog

Keine Liebe, keine Freundschaft kann unseren Lebensweg kreuzen, ohne für immer eine Spur zu hinterlassen.

(François Mauriac)

Meine Mutter Cleo hatte einen kleinen, zauberhaften Buchladen im Herzen unserer malerischen Altstadt mit dunklen, deckenhohen Holzregalen und antiken, prächtigen Rundbogenfenstern. Ein kleines Paradies neben dem historischen Stadttor, umgeben von verwinkelten Gassen und mit einem weiten Blick über den gepflasterten Marktplatz. Es war nicht nur der schönste Buchladen weit und breit, sondern auch der einzige mit einem eigenen Literatursalon.

In meiner Erinnerung sitze ich angelehnt an die alte Kassettenwand auf meinem Lieblingsplatz im Schaufenster und beobachte von hier aus das tägliche emsige Treiben unseres Städtchens. Und ich höre den hellen Klang der kleinen Glocken, wenn sich hinter meinem Rücken die schwere Ladentür öffnete und mit einem frischen Windhauch neue Kundschaft eintrat. Die schönsten Momente aber waren für mich, wenn Cleo den Laden alle paar Monate mit farbenprächtigen Blumenarrangements und feinen Canapés in ihren »Literatursalon« verwandelte. Kunden, Literatur-interessierte und Freunde wurden zu Gästen und am Abend zu Lesungen empfangen.

Jeder Literatursalon war für sich ein gesellschaftliches Ereignis. Meine Kindheit war Teil dieser fantastischen Welt voller Begegnungen, Poesie und Magie.

Umgeben von Büchern, Erzählungen, Menschen und ihren Geschichten bin ich aufgewachsen.

So sind es die kleinen und großen Lieben, die unser Leben bewegen und reich machen. Ein Leben ohne Literatur ist für meine Mutter undenkbar. Sie sagt, mit Büchern ist man niemals einsam.

Für mich dagegen bedeuten meine Mädchenfreundschaften persönliches Glück und geben mir Zufriedenheit. Dabei begleitet mich manch wunderbare Freundschaft schon seit meiner Kindheit, andere kamen im Laufe der Jahre hinzu. Einige bereiteten Kummer oder lösten sich schon nach kurzer Zeit in Wohlgefallen auf, weil das, was uns verband, einfach nicht genug war.

Alle Freundschaften haben mein Leben wesentlich bunter und aufregender gemacht. Sie lassen Freude und Erfolg größer und Niederlagen und Schmerz erträglicher werden. Sie haben mich geprägt, mich wachsen lassen und inspiriert, meinen Träumen Raum zu geben. Dabei erzählt jede einzelne Freundschaft ihre ganz eigene Geschichte und ist dennoch eng mit dem Band meiner Kindheit verknüpft.

Vertraute, Weggefährtinnen und Herzensmenschen – Frauen mit ganz unterschiedlichen Lebensentwürfen, Eigenschaften und Fähigkeiten.

Ob jung oder alt, jede einzelne für sich unwiderstehlich, kostbar und unersetzlich.

Bonnie, Cleo, Helen, Julia, Toni, Anni und Nita – Frauen fürs Leben, Frauen, die verstehen, das Schöne noch schöner zu machen, voller Lebensfreude und Humor.

Frauen und Freundinnen.

Innig verbunden durch den Mädchensalon.

Wiedersehen

Lange habe ich aus der Ferne geträumt und diesen Augenblick herbeigesehnt.

Wir verlassen die Autobahn an der Abfahrt Le Luc und folgen der Beschilderung Richtung St. Tropez. Ich öffne die Fenster und atme den warmen Duft der Kiefernwälder ein und es überkommt mich wie jedes Mal ein tiefes Gefühl der Freude und Zufriedenheit. Die Sonne scheint tief und die Straße führt geradeaus durch die savannenähnliche Landschaft mit typisch südprovenzalischen Büschen und Bäumen. Rechts und links liegen die ersten Weingüter – große gepflegte Anwesen mit breit gesäumten Alleen aus hochgewachsenen Zypressen und in der Ferne die unendlich grün bewaldeten Berge des Massif des Maures. Nach nur einer halben Stunde Fahrt schlängeln sich enge Serpentinen an dicht mit Korkeichen, Pinien und Kastanienbäumen bewachsenen Hängen hoch hinauf bis in das Bergdörfchen La Garde-Freinet. Alles ist so beschaulich wie im letzten Jahr. Romantische alte Steinhäuser, üppig bewachsen mit Weinreben säumen mit ihren farbigen hölzernen Fensterläden und den rostroten Dächern malerisch das Ortsbild. Wir fahren vorbei an kleinen Geschäften mit handbeschriebenen Angebotstafeln und winzigen Bistros mit hübschen Arkaden. Am schattig gelegenen Marktplatz erhaschen wir einen Blick auf die alten Herren beim Boule-Spiel. Die Ruhe, die Frische unter dem Laub der Bäume, die unaufgesetzte Ursprünglichkeit – da ist sie – die qualité de vie. Der Charme der Provence hat mich sofort wieder eingefangen.

Jetzt sind es nur noch wenige Minuten Fahrt den Berg hinunter, vorbei an duftendem Ginster, Zistrose und Wacholder und natürlich Lavendel. Schon hier ist die Aussicht über die gelbgrünen Felder mit den leuchtend roten Farbtupfern des gerade blühenden Klatschmohns unvergleichlich schön. Am liebsten möchte ich alle paar hundert Meter anhalten, um jedes einzelne Bild festzuhalten. Ich freue mich still und warte auf den Moment, wenn hinter der letzten Wegbiegung der grüne Hügel mit dem Château Féodal, der Burgruine, die über dem Dorf thront, erscheint.

Grimaud, du zauberhafter Platz inmitten von Olivenhaien und Weinfeldern. Du magischer Ort mit deiner üppigen Blütenpracht strahlend violetter Bougainvillea, orangefarbenem Geißblatt und duftendem Jasmin, die bis hinauf auf die Dächer deiner liebevoll restaurierten Steinhäuser ranken, eingefasst von prächtigen Agaven, Kakteen und Steingewächsen. Ich freue mich, gleich durch die eng gepflasterten kleinen Gassen mit ihren Treppchen, Torbögen und schön lackierten Holztüren, vorbei an unzähligen winzigen Kübel- und Topfgärten, hübschen Brunnen, lauschigen Plätzen und Kirchen zu schlendern. Was für ein fantastisches Farbspiel aus Farben und Formen, wenn das wärmend weiche Licht der frühen Abendstunden die Patina der Jahrhunderte streichelt.

Was habe ich dich vermisst.

Stundenlang genügt es mir, von hier das atemberaubend weite Panorama über die wunderbar mediterrane Landschaft zu genießen und meinen Blick hinunter zur glitzernden Küste mit der herrlichen Aussicht auf die Bucht von St. Tropez schweifen zu lassen.

Das Leben ist bunt, genau wie die Farben, die mich umgeben. Alles ist wieder möglich.

Ich atme, entspanne und biege in den Chemin Mignonne ein.

Da sehe ich sie in der Ferne.

Bonnie.

Wie schön.

Wir sind da.

Bonnie

Selbst wenn wir einander Monate oder sogar Jahre nicht gesehen haben, fühlt es sich beim Wiedersehen immer noch so an, als wäre unser letztes Treffen erst gestern gewesen.

Bonnie steht wie immer unter den beiden großen Oleanderbüschen, die den Eingang der wunderschönen Anlage säumen. Blond, attraktiv, hochgewachsen und mit dem typischen Sommer-Glow im Gesicht. Eine strahlende, zeitlos klassische Schönheit. Claire sitzt auf der alten Steinmauer daneben und wippt mit ihren kleinen Füßen aufgeregt auf und ab. In ihren türkis und rosé bestickten Tunikakleidern könnte man beide direkt für eine Modestrecke fotografieren, denke ich.

Als Claire uns einfahren sieht, springt sie herab, klatscht in die Hände und winkt wild mit beiden Armen. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, denke ich, dass sie in jeder Form einfach die perfekte Miniaturausgabe ihrer Mutter ist. Ich grinse und winke durch mein Schiebedach, Clemens neben mir lacht und sagt: »Schau Mama, Claire, wie sie sich freut, sie fällt vor Aufregung gleich die Treppe herunter!«

»Bonjour, bonjour, hübsch seht ihr aus! Tolle Fummel«, sage ich, als ich aussteige. Wir umarmen uns, schauen kurz, ob wir uns verändert haben – glücklicherweise nicht, vielleicht ein, zwei Fältchen mehr – aber wir sagen uns sowieso immer wieder, dass wir einfach jung geblieben sind – im Herzen wie auch in der Erscheinung. Ich vermute, dass wir uns das auch noch mit siebzig Jahren zuflüstern werden.

Claire umarmt Clemens ganz fest. Ich weiß, dass ihn das sehr freut und er von ihrer Wiedersehensfreude geschmeichelt ist. »Die Kleider haben wir heute extra auf dem Markt gekauft, nur für euch zum Empfang. Dir holen wir auch so eines«, lacht Bonnie.

»Ach Bonnie, wie ich mich freue, dich zu sehen«, sage ich und drücke sie erneut.

»Endlich!«

Während ich die ganzen Koffer und Taschen auslade, lacht Bonnie laut: »Charlie, du hast tatsächlich wieder deinen ganzen Hausrat dabei.«

Ich zwinkere ihr zu und antworte: »Man weiß schließlich nie, was kommt.«

»Na, da hast du auch wieder recht. Ich freue mich jedenfalls auf alles«, stimmt Bonnie zu.

Die Kinder rennen mit zwei Taschen voraus, Bonnie und ich schleppen das restliche Gepäck zum Ferienhaus.

Alles ist unverändert und so gewohnt wie immer. In der Anlage blühen Oleander, und liebevoll angelegte Beete mit Kräutern und Lavendel säumen die kleinen Kieswege, die zu den Ferienhäusern führen. Das gelbgetünchte provenzalische Reihenhäuschen, inmitten der pittoresken Ferienanlage mit den hübschen weißen Sprossenfenstern, strahlt in der Sonne. Im Vorgarten hinter der antiken Holztür mit schwerem Eisenbeschlag begrüßt uns der alte stämmig gewachsene Olivenbaum, die große Schatten spendende Feige und darunter die beiden weißen Holzstühle mit dem kleinen runden Mosaik-Tisch. Sofort sind viele Erinnerungen für mich ganz nah. Erinnerungen an dunkle, aber auch viele helle Tage und an Abende, deren Gespräche bis spät in die Nacht hinein reichten. Vor allem aber Erinnerungen an kostbare Momente, die ich tief in mir aufgehoben habe.

»Herzlich willkommen«, ruft Claire und breitet ihre Arme zum Eintreten weit aus. Das Ferienhaus ist auch von innen eine Augenweide. Wunderschön mit hellen geflochtenen Korbmöbeln, viel weißem Leinen, cremefarbenen Sisalteppichen und hübschen blauweißen Kissen eingerichtet, hat es im ersten Geschoss drei kleine Schlafzimmer und ein Bad. Überall liegen Treibholzfunde und Muscheln. Alles ist hell, luftig und riecht nach Sommer. Im Erdgeschoss befindet sich die offene Küche mit anschließendem Wohnzimmer. Aber das Allerschönste ist die prächtige, mit Blauregen umrankte Terrasse, von der man einen weiten Blick über die mit Weinbergen bewachsene Campagne bis hinunter zur Küste von Port Grimaud hat. Ich stelle meinen Koffer ab und trete hinaus. Die weißen Vorhänge wehen sanft im warmen Wind. Die Luft ist blütenschwer. Der Himmel zartblau. Es ist unmöglich, hier nicht zu lächeln.

Claire und Clemens wollen an den Pool. »Wunderbar, macht das«, sagt Bonnie, »dann kannst du erstmal in Ruhe ankommen. Ich habe Rosé und Crudités mit Anchovis-Dip da – wie jedes Jahr – comme chaque année!«

Ich liebe diese französische Vorspeise aus frischen Gemüsestücken, die in diesen köstlichen Dip, den Bonnie nach dem Originalrezept aus Frischkäse und Sardellen fertigt, eingetunkt werden, dazu ein kaltes Glas Rosé, c’est tout!

»Bonnie, darauf freue ich mich jetzt richtig! Schau, ich habe dir was mitgebracht.« Ich hole ein in cremefarbenes Seidenpapier eingepacktes Päckchen aus meiner Reisetasche. Als Kontrast habe ich es mit einer pinken Schleife verziert.

»Oh Charlie, was ist das?«

»Pack es einfach aus!«

Ganz langsam zieht sie die Schleife auf und wickelt vorsichtig das Papier ab. »Das kleine Keramik-Reh, das bei deinen Eltern in der Küche stand. Charlie, das ist so wunderhübsch. Das habe ich immer schon geliebt. Und was steht da auf dem Zettel – das Bambi in der Kategorie Freundschaft. Charlie, du bist einfach die Beste, was für eine schöne Idee. Ich danke dir.« Bonnie umarmt mich fest. »Und jetzt nehmen wir erstmal den Aperitif und heute Abend gehen wir ins Restaurant am Markt. Sie freuen sich schon, dass ihr wieder hier seid, insbesondere Claude.« Bonnie zwinkert mir zu. Sie hat immer die Hoffnung, dass ich hier in Frankreich eines Tages eine Amour fou finde. Ich verdrehe meine Augen.

»Charlie, es wäre wirklich mal an der Zeit für einen netten Mann in deinem Leben! Wie lange ist es jetzt her – sieben Jahre? Clemens wird seinen Weg gehen und du kannst nicht ewig nur arbeiten und den Salon führen. So schön das auch sein mag.«

»Ja, schon gut«, sage ich, »aber mit Sicherheit keinen Claude!«

»War ja auch nur ein kleiner Spaß, er findet dich so adorable, wie er immer sagt. Und wie er dann mit den großen braunen Augen rollt. Ich finde, wir brauchen einfach ein paar Sensationen.« Wir müssen beide lachen. So war das schon immer.

»Und Mathis, wann kommt er?«, frage ich.

»Er hat gerade wieder einen neuen Auftrag und arbeitet quasi Tag und Nacht und kommt nicht aus München weg. Wir haben nun also alle Zeit der Welt für uns«, grinst sie.

Wir setzen uns an den mit blau-türkis marmorierten Keramiktellern und rustikalen Weingläsern hübsch eingedeckten Holztisch auf der Terrasse.

»Santé! – Auf dich, Charlie – und auf unsere Freundschaft«, Bonnie lacht mich breit an und schwenkt ihr mit Rosé gefülltes Weinglas. – »Du musst mir en détail erzählen, was es alles Neues gibt. Aber zuerst – was macht die gute alte Cleo?«

Cleo

»Was kann mir schon geschehen? Glaub mir, ich liebe das Leben. Das Karussell wird sich weiterdrehen. Auch wenn wir auseinandergehen« (aus Vicky Leandros »Ich liebe das Leben«).

Ich schaue Bonnie an. »Cleo ist fröhlich wie immer. Sie begeistert sich für ihre Lesungen und ist ununterbrochen unterwegs. Ihre Ansicht kennst du ja«, lächele ich, »man ist nie alleine, wenn man genügend Bücher um sich hat.«

»Ach, das ist schön zu hören, Cleo, wie sie leibt und lebt. Ich vermisse sie und ich hoffe, dass ich sie bald mal wiedersehe«, antwortet Bonnie, während sie einen großen Schluck Rosé nimmt.

Bonnie und ich kennen uns seit der Schulzeit. Genauer gesagt war sie schon dort, als ich in ihre Klasse kam. Noch bevor ich vorgestellt werden konnte, sah sie mich an und rief: »Ach du liebe Zeit, schon wieder ein Neuer«, und das, obwohl sie selbst wie ein kleiner Junge aussah. Wir mussten beide lachen und genau in diesem Moment begann unsere Freundschaft. Es war Sympathie auf den ersten Blick.

Ich hatte damals sehr kurz geschnittenes Haar, nicht weil ich das so wollte, sondern weil meine Mutter Cleo, die über ausgesprochen fülliges und langes goldblondes Haar verfügte, fest davon überzeugt war, dass wenn man mir die Haare regelmäßig kurz schneidet, sie mit der Zeit dicker werden. »In der ganzen Familie haben wir noch keinen Fall gehabt, der so dünnes Haar besitzt«, sagte sie regelmäßig, fast vorwurfsvoll, »aber du hast eine gute Augenpartie, wir können uns bei dir die kurzen Haare erlauben.« Das sah ich ganz anders. Und als nach zwölf Jahren unzähliger Diskussionen die Haare immer noch nicht dicker waren, kürzte ich mir eines Tages vor lauter Wut den Pony und den halben Oberkopf auf so kleine Borsten, dass ich wie ein Radieschen aussah. Begeistert von meiner eigenen Courage und frisch frisiert, betrat ich erhobenen Hauptes ihre Buchhandlung.

Cleo war entsetzt und ihr einziger Kommentar war: »Charlotte, dafür habe ich wirklich kein Verständnis, wie kann man sich nur so verschandeln. Du siehst völlig zerfressen aus. Das ist pure Selbstverstümmelung. Aber gut, so musst du durch die Gegend laufen.« Nachdem ich mir mehrere mitleidige Kommentare ihrer Kundinnen anhören musste, zog ich es vor, für einige Zeit dort den Publikumsverkehr zu meiden. Und dennoch hatte ich erreicht, dass das Haarthema bei uns für alle Zeiten erledigt war und ich meine Haare seitdem konsequent lang trage.

Bonnie und ich wurden Komplizinnen. Wir waren, wie man so schön sagt, unzertrennlich.

Die Schule war unser Paradies, ein Ort unerschöpflicher Geschehnisse, Attraktionen und Beziehungsgeflechte, die einen unendlichen Gesprächsstoff lieferten, so dass wir mitunter gar nicht hinterherkamen, alle Neuigkeiten aufzugreifen, zu ordnen und zu bewerten. Wir waren Nachrichtensprecher, Paparazzi, Reporter, Botschafter und Geheimnisträger in einer Person.

Regelmäßig wurden wir auseinandergesetzt, was uns nicht davon abhielt, während der Stunden kleine Zettel zu schreiben, die wir mit einer Art Seilsystem unter den Bänken transportierten. Natürlich wurden wir dabei erwischt und mussten uns dann wieder etwas Neues einfallen lassen. Einmal verzehrte Bonnie in letzter Sekunde sogar ein Schreiben, das gerade an mich auf den Weg gebracht werden sollte, um dem Elternbrief noch zu entgehen. Selbst nach der Schule telefonierten wir umgehend, um den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen. So lange, bis mein Vater Kostja das damalige Mittel der Wahl nutzte und das Kabel aus der Steckdose zog. Er hat unsere, wie er gerne sagte, sinnlosen Dauergespräche über Alltagsgeschehen und Mitmenschen nie wirklich verstanden.

Dagegen blickte meine Mutter Cleo wohlwollend auf uns. Wenn mein Vater sich bei ihr beklagte, weil er wieder einmal der Meinung war, die Schule würde wegen der ganzen Quatscherei leiden, entgegnete Cleo immer: »Kostja, solange die Schulnoten im Normalbereich liegen, lass sie doch ihren Spaß haben, wichtig ist, dass sie den Lappen bekommt.« Mit Lappen meinte sie das Abitur. Er antwortete dann immer knurrig, dass »der Normalbereich ja ein sehr dehnbarer Begriff sei«.

Und noch viele Jahre später, als meine Schulzeit längst erfolgreich hinter uns lag, kam er zum größten Entsetzen und zur höchsten Verärgerung meiner Mutter immer wieder genau darauf zurück: »Cleo, aber du musst mir doch beipflichten, wenn Charlotte damals mehr Vokabeln gelernt hätte, dann hätten wir am Ende ein wesentlich besseres Abitur gehabt.«

Ich glaube, dass Cleo sich in Bonnie als junge Frau wiederfand: originell, unkonventionell und voller Neugier. Oder wie Bonnie gerne zu sagen pflegte: »Ich bin nicht neugierig Charlie, ich bin einfach aufmerksam»!

Cleo und Bonnie mochten sich von Anfang an. Regelmäßig sagte Cleo: »Bonnie, wenn du mal eine Bleibe brauchst, dich nehme ich jederzeit auf, du könntest tatsächlich meine zweite Tochter sein», was Bonnie natürlich sehr gut gefiel.

Nur Kostja war darüber äußerst besorgt. »Verschone mich bitte mit diesen Ideen, Cleo, meine Liebe zu dir ist tief, aber nicht unbegrenzt. Nachher haben wir dieses Mädchen im Haus und bekommen sie gar nicht mehr los.«

Ich habe mich manchmal schon gefragt, wie meine Eltern überhaupt zueinander gefunden haben, denn mein Vater war ausgesprochen konservativ, kritisch und gleichzeitig auch noch sehr introvertiert. Aber es war wohl genau dieser Gegensatz, der ihre Beziehung befruchtet hat. Vor allem aber war es ihre Liebe zu Literatur, Musik und Kunst. Nahezu jede freie Minute verbrachten sie miteinander, denn mein Vater arbeitete als Redakteur meist von zu Hause aus. Jeden Abend bereitete er das Abendessen für uns zu und holte Cleo dann bei einem Spaziergang nach Ladenschluss in ihrer Buchhandlung ab.

Da Cleo die Idee des offenen Hauses lebte, »wer kommen will, kann kommen«, war es gut, dass er über ein eigenes Zimmer verfügte, in das er sich dann, wenn es ihm zu hektisch wurde, auch umgehend zurückzog.