Maddrax 547 - Science-Fiction-Serie - Christian Schwarz - E-Book

Maddrax 547 - Science-Fiction-Serie E-Book

Christian Schwarz

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1,49 €

Beschreibung

Matthew Drax hat Agartha noch nicht aufgegeben. Zwar fand sich bei seinem ersten Besuch seit den Weltenwechseln keine Spur mehr von dem tibetischen Königreich, aber er weiß, dass es in einer Parallelwelt noch immer existieren muss. Wie erstaunt sind er und seine Freunde, als sie nun unter Eis und Fels ein anderes, zerstörtes Agartha vorfinden! Was mag hier geschehen sein - und bedroht dieselbe Gefahr nun die versetzten Agarther?

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Seitenzahl: 143

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Inhalt

Cover

Impressum

Was bisher geschah...

Zombie-Dämmerung

Leserseite

Vorschau

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

© 2021 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Unholy Vault Designs / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7517-0841-8

www.bastei.de

www.luebbe.de

www.lesejury.de

Am 8. Februar 2012 trifft der Komet »Christopher-Floyd« – in Wahrheit eine Arche Außerirdischer – die Erde. Ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, »Maddrax« genannt, dessen Staffel durch einen Zeitstrahl vom Mars ins Jahr 2516 versetzt wird. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula erkundet er diese ihm fremde Erde. Bis sie durch ein Wurmloch in ein Ringplanetensystem versetzt werden, während der Mond auf die Erde zu stürzen droht. Matt findet Hilfe und Verbündete und die Rettung gelingt in letzter Sekunde – aber etwas geht schief: Areale aus verschiedenen Parallelwelten manifestieren sich plötzlich auf der Erde...

Um diese 50 Kilometer durchmessenden Parallelwelt-Areale, die von hohen Dornenhecken umgeben sind, aufzuspüren, nutzen Matt und Aruula ein Satelliten-Netzwerk im Erdorbit. Mit ihrem Gleiter überwinden sie die Pflanzenwälle. In einem parallelen Rom treffen sie auf einen zeitreisenden Archivar namens Patrem, der mit Hilfe gefährlicher Artefakte herrschen will. Matt setzt dem ein Ende. Seine Waffen deponiert er im Hort des Wissen.

Da erscheint ein weiteres Areal: die Stadt Coellen – und mit ihr der Neo-Barbar Rulfan, ein in ihrer Welt längst verstorbener Freund, der sich ihnen anschließt. Gemeinsam kämpfen sie gegen Professor Dr. Jacob Smythe, Matts alten Erzfeind, der in dieser Welt im All verschollen ist, und können ihn besiegen, wobei Smythe jedoch entkommt.

Ein zweiter Feind, Colonel Aran Kormak, wird derweil auf der Suche nach Verbündeten Chefexekutor der Reenschas in Glasgow. Er greift den Hort des Wissens an, eine Enklave befreundeter Retrologen und Wissenschaftler,scheitert aber und landet im Kerker. Matt und Aruula erleben mit, wie er auf der Flucht in einem Ballon von einem Artefakt verkleinert wird! Später dringt er in den Hort ein, erfährt vom Zeitstrahl und versucht ihn zu durchqueren.

Da empfängt Aruula einen Hilferuf der Pflanzenentität GRÜN. In Neuseeland treffen die Freunde auf eine botanische Seuche, die aus einer Parallelwelt herübergekommen ist. GRÜN, der für die Dornenhecken rund um die Anomalien verantwortlich zeichnet, ist dagegen machtlos. Gemeinsam mit den Hydriten – Fischmenschen, die seit Äonen auf der Erde leben – entwickelt man eine Waffe gegen die Rote Pest.

Inzwischen wissen die Archivare, dass ihre Reisen in die Vergangenheit für die Weltenwechsel verantwortlich sind: Wo immer sie ein Portal schufen, wurde die Raumzeit geschwächt und bricht nun durch den Wurmloch-Unfall auf! Spätere Generationen entwickeln ein Gegenmittel, das aus ferner Zukunft in einer Stasiskugel zurückversetzt wird und schicken Worrex, einen der ihren, zurück. Er schließt sich den Gefährten an. Doch als die Freunde die Kapsel finden, ist sie leer! Das Wesen darin hat vier Menschen okkupiert, die »Krieger des Lichts«, die einen Feldzug gegen den Weltrat in Washington führten! Nun mutieren sie zu mächtigen Wesen, die auf der Suche nach Energie eine Schneise der Verwüstung hinterlassen. In einem verfallenen Freizeitpark holen die Gefährten sie ein – und müssen sich gegen mutierte Gejagudoos erwehren. Als Worrex den Gleiter bruchlandet, können die Krieger abermals entkommen. In einer Mormonen-Siedlung bringen sie drei X-Quads in ihren Besitz, mit denen sie die letzte Etappe ihrer Reise antreten.

Es zieht die Krieger des Lichts zu einem atomaren Endlager, wo sie von Scorpocs angriffen werden und mit ihnen verschmelzen. So finden sie die Gefährten, und Worrex macht dem Wesen klar, dass es auf seiner Suche nach Energie nie Erfüllung finden kann, denn letztendlich wurde es nur für einen Zweck geschaffen: die Strahlung innerhalb der Parallelwelt-Portale zu absorbieren. Es gelingt ihm, die Kreatur zu überzeugen, mit ihnen zu kommen – in der Stasiskapsel, die der Android Miki Takeo zwischenzeitlich repariert hat.

Derart vorbereitet, machen sie sich nach Lancaster auf, um das erste Portal zu schließen – und finden eine Schreckensherrschaft der blutsaugenden Nosfera vor, die sie zunächst beenden müssen. Dann fliegen sie weiter nach Waashton, wo Worrex erkennen muss, dass sich der Weg zurück geschlossen hat und er auf der Erde festsitzt. Da meldet sich der Hydrit Quart'ol bei seinem Freund Matt: Auf dem Grund des Atlantiks ist eine Stadt aufgetaucht, in der einst der legendäre Friedensstifter Ei'don verschwand: Atlantis! Tatsächlich wurde Ei'don zurückversetzt – ein Umstand, auf den die Hydriten schonend vorbereitet werden müssen. Quart'ol zieht sich mit ihm zurück, und die Gefährten fliegen weiter zum nächsten Portal auf der Halbinsel Yucatán in Mexiko, wo sie im Streit zwischen Sauroiden und Menschen vermitteln müssen, bevor sie das Portal schließen können.

Als sie nach Coellen zurückkehren, stellt Jacob Smythe ihnen eine Falle, kann aber nur Rulfans Frau Maleen töten, bevor er sich absetzt. Nun steht für Rulfan eine Entscheidung an: Bleibt er in der für ihn fremden Parallelwelt oder kehrt er in seine zurück, um den Krieg gegen die Daa'muren anzuführen? Er entscheidet sich für Letzteres. Die Gefährten schließen den Dimensionsriss und reisen weiter nach Paris, dessen Bewohner sie aus der zerstören Stadt nach Berlin leiten – nachdem sie dort und in der Parallelwelt für normale Verhältnisse gesorgt haben.

Zombie-Dämmerung

von Christian Schwarz

Agartha in der Parallelwelt

Tashi Dawa hob die Hand. Der Trupp hinter ihr stoppte sofort. »Hier stimmt was nicht«, murmelte sie. Ihr Instinkt schlug Alarm.

»Was ist?«, fragte John Walker nervös. Er stand neben ihr und brachte seinen Flammenwerfer in Schussposition.

Dawa schüttelte den Kopf. Mit zusammengekniffenen Augen musterte sie das dichte Gebüsch, das sich über ihnen den Hang hinaufzog. In der Abenddämmerung verschwamm es zu einer kompakten Masse, in der man keine Einzelheiten erkennen konnte. Sie zuckte mit den Schultern. »Hab' mich wohl geirrt. Los, weiter!«

Sie hatte noch keine drei Schritte gemacht, als es knackte. »Fresser!«, schrie ein Mann. Dawa fuhr herum.

Sie brachen grunzend aus den Büschen über ihnen, ließen sich förmlich in sie hineinfallen. Dawa war bereits an den Fressern vorbei. Sie zog ihr Schwert. Walker wich einem Angreifer mit einer eleganten Körperdrehung aus. Aber zwei der Männer wurden den Hang hinuntergerissen. Einer schrie fürchterlich. Und verstummte.

Walker verpasste dem an ihm vorbeitaumelnden Fresser einen Tritt. Das Wesen, dem die Bezeichnung »Untoter« noch am ehesten gerecht wurde, fiel auf den Hang unter ihnen und blieb inmitten einer Blumenrabatte liegen.

Dawas Blicke huschten hin und her. Die agarthische Sicherheitschefin sah Walker den Flammenwerfer hochreißen. Mit einem wütenden Schrei, der sich mit dem Fauchen der Waffe vermischte, bestrich er das Gebüsch über ihnen. Die Hitze traf Tashi Dawa wie ein Hammerschlag und nahm ihr für einen Moment den Atem.

Der Hochdruck-Flammenstrahl ließ die trockenen Büsche sofort auflodern. Und mit ihnen die vier Fresser, die noch darin lauerten. Mit grotesken Bewegungen versuchten sie die Flammen an ihren Körpern zu ersticken. Dabei stießen sie mit Worten vermischte Schreie aus, die Dawa eisige Schauer über den Rücken jagten. Sie wusste aus Erfahrung, dass sie »Fleisch!« riefen. Selbst im Tod denken sie nur ans Fressen, dachte sie.

Vier ihrer Leute hatten die Angreifer abgeschüttelt und standen bereits wieder auf den Beinen. Mit gezogenen Schwertern drangen sie auf die sechs Fresser ein. Nun, da der Überraschungseffekt verpufft war, hatten die keine Chance mehr.

Die geschmeidige Dragpa fintierte und zog ihr Schwert waagerecht durch. Der Hieb trennte den fischähnlichen Kopf vom Hals des Fressers, und der Torso fiel leblos auf den Hang.

Das alles geschah innerhalb weniger Augenblicke. Dann war die Lage auf dem schmalen Weg unter Kontrolle, auch wenn in diesen Kampfsituationen keine Laserwaffen benutzt werden durften. Tashi Dawa hatte das ausdrücklich verboten, nachdem zwei ihrer Leute in unübersichtlichen Lagen durch Friendly Fire ums Leben gekommen waren.

Die abgerutschten Männer benötigten dringend Hilfe. Zumindest Chenpo. Soweit sie es in der Dämmerung sehen konnte, lag ein Fresser auf ihm. Schreiend versuchte Chenpo ihn sich vom Hals zu halten, im wahrsten Sinne des Wortes.

Chöpel hingegen schien bereits tot zu sein. Er bewegte sich nicht mehr unter dem zuckenden Körper des Fressers, der sich halb auf ihn geschoben und bereits mit seinem grausigen Mahl begonnen hatte.

Dawa stürmte die flach abfallende, rund zehn Meter hohe Terrasse mit den Blumenrabatten hinunter. Tief unter sich sah sie die ringförmigen Wasserkanäle schimmern. Sie gehörten zu den terrassenförmig angelegten Palastgärten, in denen sie sich gerade bewegten.

Auf halber Höhe erreichte sie Chenpo. Der war inzwischen verstummt. Mit verzerrtem Gesicht und lahmer werdenden Armen hielt er den ständig schnappenden Fresser auf Distanz.

Tashi Dawa trat breitbeinig über das fürchterlich stinkende Monster und bückte sich. Sie legte beide Hände um die Stirn des Fressers und zog seinen Kopf mit einem scharfen Ruck nach hinten. Es knackte hässlich, als das Genick brach. Sofort erlahmte der Körper des Fressers. Dawa zog die Leiche von Chenpo herunter.

Ohne abzuwarten, fuhr sie herum und rannte die sieben, acht Schritte zu Chöpel hinüber. Die widerlichen Fressgeräusche drehten ihr fast den Magen um. Der Untote, der auf ihrem Kameraden lag, badete förmlich in dessen Blut. Mit einer unglaublichen Gier riss er Fleischstücke aus seinem Hals und dem, was einmal ein Gesicht gewesen war. Jetzt war es nur noch eine blutige Masse, aus der das linke Auge an seinem Sehnerv hing.

Tashi Dawa war abgehärtet. Ähnliche Szenen hatte sie schon oft gesehen. Deswegen handelte sie ruhig und trotzdem mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch. Ihr Schwert enthauptete auch dieses entsetzliche Monster.

Als sie mit Chenpo zusammen den Hang hochstieg, fühlte sie sich unendlich müde und erschöpft. Sieben Terrassen über ihr erhoben sich die Mauern des Zentrums der Welt, des gigantischen Königspalasts mit einer Höhe von insgesamt zweiundfünfzig Metern. Die Palastgärten darunter überwanden noch einmal eine lichte Höhe von knapp dreihundert Metern.

In zahlreichen Fenstern des Palasts schimmerten bereits Lichter. In drei oder vier Minuten würde es endgültig dunkel sein. Die Laternen am Lustwandelweg waren bereits angegangen.

Lustwandelweg, dachte Dawa bitter. Das war einmal. Jetzt würde es Pfad des Todes besser treffen. Sehr viel besser...

Ihre Leute erwarteten sie mit steinernen Gesichtern. Walker streckte ihr eine Hand entgegen, um sie den letzten Meter über den Rand zu ziehen. Reflexartig zog er sie wieder zurück, als er Dawas blutbeschmierte Hand bemerkte. Es war ihm peinlich. »Entschuldigung«, murmelte er betroffen, »ich wollte nicht...«

Tashi Dawa winkte ab, während sie auf den Weg trat. Sie aktivierte ihr Armbandcom. »Fresserangriff. Wir haben einen toten Kameraden zu beklagen«, sagte sie mit leiser, krächzender Stimme. »Holt Chöpels sterbliche Überreste ab und bringt sie in den Totenraum.«

Die mit tiefer Erschöpfung gepaarte Müdigkeit wollte auch unter der kalten Dusche nicht weichen. Tashi Dawa war über dreißig Stunden fast ununterbrochen im Einsatz gewesen. Die Lage wurde immer kritischer; ihr Einsatz war an vielen Stellen nötig.

Aber selbst eine Führungskraft brauchte irgendwann Schlaf. Dawa konnte viel ertragen, aber jetzt war sie nahe am Anschlag. Am liebsten hätte sich die Erste Sicherheitsführerin direkt aus der Dusche auf ihr Lager fallen lassen. Das ging jedoch nicht. Noch nicht. Zuerst musste sie die allabendliche Konferenz aufsuchen, um der Führung Bericht zu erstatten.

Ihre Gedanken schweiften zurück in die Vergangenheit. So wie sie es in letzter Zeit immer häufiger taten, wenn ihr Momente des Nachdenkens geschenkt wurden.

Als Agartha in diese elende Parallelwelt versetzt worden war, waren sie inmitten der Apokalypse gelandet.* Ein hochansteckendes Virus, das als Waffe aus der Tantrondrüse von Maro'sianern gewonnen worden war, hatte fast die komplette Menschheit zu zombieähnlichen, extrem aggressiven Wesen gemacht, die von einer unstillbaren Gier nach Fleisch getrieben wurden. Wenn das Virus einmal in den Blutkreislauf gelangte, war der Befallene rettungslos verloren; eine Heilung gab es nicht.

Denn das Virus, das die agarthischen Wissenschaftler Frema-1 getauft hatten, ein Kofferwort aus »Fressen« und »Maro'sianer«, konnte von der körpereigenen Immunabwehr aufgrund seiner Fremdartigkeit nicht bekämpft werden. Es ließ sich von Blutzellen transportieren und setzte sich in der menschlichen Hypophyse fest. Dort ging es eine Verbindung mit einigen von der Hypophyse produzierten Hormonen ein.

Die daraus entstehende neue Substanz veränderte nicht nur die für die Aggression zuständigen Nervenzellgruppen des Hypothalamus, sondern auch den Frontallappen des Hirns, und löste damit eine Hunger-Ataxie aus, die die neuen Wesen zum unaufhörlichen Fressen zwang. Damit einher ging ein fast kompletter Intelligenzverlust. Der Fresstrieb regierte Tag und Nacht. Schlaf benötigte die neue Spezies, wenn man sie so nennen wollte, ebenfalls nicht mehr.

Der unheimlichste Effekt aber war, dass sich die Befallenen auch äußerlich veränderten und zu Wesen wurden, die irgendwo zwischen Hydriten und Menschen angesiedelt waren. Dabei nahm auch die Körpermotorik beträchtlichen Schaden. Die Fresser, wie sie genannt wurden, konnten sich nur noch ungelenk bewegen.

Tashi Dawa seufzte, verließ die Dusche und begann sich abzutrocknen.

Das alles galt im Prinzip immer noch. Seit die agarthischen Wissenschaftler aber in der Lage waren, ein Antiserum in großen Mengen herzustellen, war der Kampf gegen die Fresser einfacher geworden.

Zunächst jedenfalls. Wer regelmäßig mit dem Serum versorgt wurde, musste sich keine Gedanken mehr darüber machen, schon durch die kleinste Wunde infiziert zu werden. Dann aber hatte der dämonische Yama höchstselbst eingegriffen und den Agarthern einen teuflischen Strich durch die Rechnung gemacht: Das Königreich war von den Fressern gestürmt worden!

Längst war das Zentrum der Welt zum Hort verzweifelten Widerstands der Menschen gegen die Untoten geworden. Nur dort gab es noch relative Sicherheit, während sich die Monstren längst überall im Stadtstaat herumtrieben. Wer waffenlos von ihnen überrascht wurde, hatte keine Chance und wurde bei lebendigem Leib gefressen.

Die Sicherheitschefin schlüpfte in eine frische Uniform und verließ ihre Unterkunft im Südflügel des Palasts. In der prachtvollen Halle, die sich vor dem Ratssaal erstreckte, traf sie John Walker. Der hagere Mann mit den schütteren braunen Haaren und dem Dreitagebart lächelte sie an. Er trug jetzt ein dunkelgrünes, eng anliegendes tibetisches Gewand. Mit dem schmalen Oberkörper und den dünnen Armen, die kaum Muskeln aufwiesen, wirkte er nicht gerade wie ein Kämpfer.

Aber das täuschte. Walker konnte durchaus kämpfen, auch wenn er es erst in fortgeschrittenem Alter gelernt hatte – es lernen müssen. Denn der Dreiundfünfzigjährige war der Anführer einer Gruppe von Überlebenden gewesen. Dawas Luftschiffpatrouille hatte sie in der Großstadt Shigatse aufgespürt und unter dramatischen Umständen gerettet.*

Anfänglich war es Walker schwergefallen, sich ihr und anderen agarthischen Autoritäten unterzuordnen. Mittlerweile klappte das aber sehr gut. Nun, da er zum Ersten Sprecher der Geretteten ernannt worden war und als ihr Vertreter im Zirkel der Mächtigen mitreden durfte, erwies er sich als mutig, umsichtig, vor allem aber loyal und voller Ideen.

Er hatte nur Angst, plötzlich in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden...

Sie begrüßten sich kurz, dann betraten sie den Ratssaal. Der mit dunkelblauem Teppich ausgelegte Raum war relativ klein. Sieben prunkvolle Sessel, in einem nach unten führenden Halbkreis angeordnet, dominierten ihn. Die Wand dahinter bestand aus einem bunten Bild, das den Kreislauf des Lebens im leidhaften Samsara zeigte.

Ein dämonisches Wesen hielt das in zahlreiche kuchenförmige Stücke unterteilte Lebensrad, das bedrückende Szenen der menschlichen Existenz zeigte. Diesen Kreislauf nach mehreren Leben zu verlassen und schließlich erlöst im Gestaltlosen Nichts zu landen, war das Ziel jedes Tibeters.

König Yönten Wangmo saß auf dem höchstgelegenen Sessel in der Mitte. Er trug ein gelbes Gewand. Links und rechts besetzten je drei Große Räte die restlichen Sessel. Sie trugen rote Gewänder.

Wangmo machte eine einladende Handbewegung. Dawa und Walker nahmen auf den beiden Stühlen Platz, die innerhalb des Halbkreises standen. Auf dem Tisch vor ihnen stand dampfender Buttertee.

Tashi Dawa schenkte sich eine Tasse ein, Walker verzichtete darauf. Dann musterte sie, wie es die Höflichkeit gebot, jedes einzelne der braunen Gesichter. Die meisten wirkten alt, faltig, ausgezehrt und so erschöpft wie ihres. Auch das des Königs. Hellwache funkelnde Augen verrieten ihr aber, dass das dahinter wohnende Geistesleuchten noch immer hell strahlte.

»Was hat der Tag gebracht? Berichten Sie es uns, Erste Sicherheitsführerin«, forderte Wangmo sie mit leiser Stimme auf.

»Leider gibt es nicht viel Gutes zu berichten, Hoheit«, kam Dawa seiner Aufforderung mit fester Stimme nach. »Über Nacht müssen wieder neue Fresser in die Palastkaverne eingedrungen sein. Um die Mittagszeit hat eine Gruppe aus sieben Fressern, die unten durch Agartha-Stadt streifte, eine unserer Patrouillen eingekreist und angegriffen. Dabei wurde einer meiner Leute leicht verletzt. Die drei hatten aber keine Mühe, die Fresser mit Laserschüssen zu eliminieren.«

Yönten Wangmo nickte.

»Haben Sie dieses verfluchte Loch noch immer nicht gefunden, durch das die Fresser in die Palastkaverne eindringen können?«, fragte die Große Rätin Pelden Sherab aufbrausend. Dabei erhob sie sich sogar ein klein wenig von ihrem Sessel, als wolle sie Dawa gleich angreifen.

»Nein, Große Rätin Sherab-la«, antwortete Dawa ruhig, auch wenn sofort Ärger in ihr aufstieg. Sherab war die Unbedachteste und Dümmste unter den Großen Räten und längst so etwas wie Tashi Dawas persönliche Feindin geworden. »Ich darf noch einmal betonen, dass wir dieses Leck irgendwo in Wasserspiele suchen müssen, da ist sich die militärische Führung sehr sicher. Aber falls Sie schon einmal in diesem Stadtteil auf der Anhöhe gegenüber dem Palast gewesen sein sollten, Große Rätin Sherab-la«, fuhr sie mit süffisantem Unterton fort, wobei es ihr immer schwerer fiel, die Höflichkeitsformel »-la« an den Namen anzuhängen, »sollten Sie wissen, wie groß und unübersichtlich er ist. Das erschwert die Suche enorm, zumal ich Teile meiner einsatzfähigen Leute zum Patrouillendienst abstellen muss. Das Zentrum der Welt