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Nach einer Idee und in Produktion von Dr. Herbert Groeger Text und Musik: Nikolaus Schapfl German and English version in one book. / Deutsche und englische Version in einem Buch. - Übersetzung / Translation: Matthew Faulk Personen: Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Die unsterbliche Geliebte (Sopran) Dieses Musiktheaterwerk für Kammerorchester, zwei Schauspieler und Sopran ist ein voller Charme gestaltetes Mini-Drama, das eine fiktive Begegnung zwischen Beethoven und Mozart entwirft. In einer provokativen, spannungsgeladenen, breit gefächerten Unterhaltung gehen die beiden größten musikalischen Genies ihrer Zeit den Geheimnissen ihrer Kunst, ihrer Lebensläufe und den Konsequenzen von getroffenen Entscheidungen auf den Grund und beleuchten ihre sehr unterschiedlichen Lebenseinstellungen. Gewürzt mit geistreichen musikalischen Kommentaren ergibt das den Geschmack eines faszinierenden Stelldicheins, das hätte stattfinden sollen - aber nie stattfand. (M. Faulk, Oxford) Based on an idea and produced by Dr. Herbert Groeger Characters: Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, The Immortal Beloved (soprano) This 'concerto for chamber orchestra, two actors and soprano' is a charmingly conceived mini-drama which imagines a fictitious encounter between Beethoven and Mozart. In a provocative, edgy, wide ranging conversation, the two greatest musical geniuses of their age word-spar around the secrets of their art and lives, the consequences of decisions they have made, and contrast their very different philosophies. Punctuated with witty musical commentary, this is the taste of a fascinating tryst that should have been - but never was. (M. Faulk, Oxford)
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Seitenzahl: 98
Veröffentlichungsjahr: 2020
Nikolaus Schapfl
Mæstro Mozart, ich bin Beethoven!
nach einer Idee von Dr. Herbert Groeger
Einsichten aus einem imaginären Gespräch
© 2020 Nikolaus Schapfl
Autor: Nikolaus Schapfl
Diese Ausgabe enthält das deutsche Original und die englische
Übersetzung von Matthew Faulk.
Umschlaggestaltung: NINA PROBST
Projektmanagement für Marketing & Kommunikation,
www.ninaprobst.de
Die Covergrafik für Mozart und Beethoven verwendet als Grundlage gemeinfreie Bilder.
Die anderen Coverbilder sind: iStock-618550346, iStock-1096528462, iStock-1136193009;
Verlag: tredition GmbH, Halenreie 40-44 / 22359 Hamburg
ISBN:
978-3-347-04310-7 (Paperback)
978-3-347-04311-4 (e-Book)
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Inhalt
Deutsches Original
Mæstro Mozart, ich bin Beethoven!
Erläuterungen zum Themenleitfaden
Lebensläufe
English version - translated by Matthew Faulk
Mæstro Mozart, I am Beethoven!
Explanation of the guidelines
Curricula vitarum
Vorwort
Bereits seit Mitte 2014 trug ich mich als Kulturschaffender mit dem Gedanken einer fiktiven Begegnung der beiden Musikgiganten Ludwig van Beethoven und Wolfgang Amadeus Mozart. Der 250. Geburtstag von Beethoven flackerte bei der Ideensammlung zwar kurz auf, das Jubiläumsjahr 2020 war aber noch in weiter Ferne. Warum gab es die Entscheidung für einen fiktiven Dialog?
1787 kam der noch 16jährige Beethoven nach Wien und wollte bei Mozart oder Haydn Unterricht nehmen. Mozart, mit Arbeiten an seinem Don Giovanni beschäftigt, empfing Beethoven nicht und als Beethoven das 2. Mal 1792 nach Wien kam, war Mozart bereits gestorben.
Für eine Stoffsammlung zum Dialog zwischen Beethoven und Mozart dienten ausgedehnte Wanderungen des Komponisten und Textdichters Nikolaus Schapfl und des Ideengebers Herbert Groeger im Siebengebirge bei Bonn, ganz im Geiste des wanderfreudigen Beethovens.
Eine Beschränkung der zentralen Dialogthemen war schon auf Grund des musikhistorisch breiten Spektrums um die beiden Großmeister der Musik geboten.
Die Feststellung Goethes: ´Die erste Zeit, da uns die Idee noch neu ist, geht immer alles frisch und besser´ (J.W. von Goethe, Briefe an Schiller, 19.Juli 1799) bewahrheitete sich in vollem Umfang und traf auch auf die Stationen der Projektentwicklung von ´Maestro Mozart, ich bin Beethoven!´ zu. Bis 2016 hatten sich in Schapfls Schreibprozess folgende Themen, die ihm als Leitfaden dienten, herauskristallisiert (siehe hierzu Erläuterungen auf S. 48):
- Dienstherren und Schaffensbedingungen
- Werke und Arbeitsweisen im Vergleich
- Frauen und Familie
- Aufgabe des Kunstwerkes
- Tod(esgründe)
- Grenzen der Kunstwerkes
- Werk und Geschichte
- Die unsterbliche Geliebte
Der Text orientiert sich an der Sprache der Akteure, ist von Ernst und Humor getragen, der Historie nahe, schwungvoll und unterhaltsam.
Die Musik ist harmonisch bis atonal. Zart einfühlsam erforscht sie die unergründlichen Tiefen der beiden Genies, berstend dissonant oder in besinnlichem Moll beschreibt sie die tragischen Ereignisse in ihrem Leben. In unerwarteten rhythmischen Akzenten erklingt Beethovens Temperament, in ausgelassenen Tempi Mozarts Lebensfreude.
Es liegt nahe, das fiktive Treffen von Beethoven und Mozart an einem historischen Ort in Wien, der den genius loci eines der beiden Genies atmet, anzusiedeln. Der ´Pfarrwirt´ am Pfarrplatz in Heiligenstadt bietet sich hierzu als idealer Standort an, hat doch Beethoven 1817 eine Wohnung im Doppelhaus des Weingutes Mayer am Pfarrplatz bezogen und hier an seiner 9. Symphonie gearbeitet, die er übrigens nie selbst auf Grund seiner tragischen Taubheit hören konnte. (Uraufführung ´Maestro Mozart, ich bin Beethoven!` am 29.10.2020 im Pfarrwirt, Wien-Heiligenstadt) Text und Komposition sind inspiriert von den einzigartigen Werkschöpfern Beethoven und Mozart und der Spurenlese von Beethoven und Mozart in Wien, Salzburg und Bonn.
Bleibt nur noch dem geneigten Leser gutes Lese- und Hörvergnügen zu wünschen, mit der Empfehlung, Lesen und Hören mit einem Glas Wein zu begleiten.
Bonn, im März 2020
Dr. Herbert Groeger
Vorbemerkung des Autors
Mozart trifft Beethoven -
Gedanken zu einem KonzeptKonzert
Nikolaus Schapfl, Salzburg im Juni 2017
Wir wissen nicht, ob es wirklich zu einer Begegnung zwischen Mozart und Beethoven gekommen ist, oder gar zu einem Gespräch. Eine Möglichkeit für ein Treffen wäre das Jahr 1787, als Beethoven nachweislich kurz in Wien war 1. Laut der Historikerin Brigitte Hamann sind alle Legenden, die sich um eine Begegnung ranken, leider nicht wahr 2.
In Musikhistorikerkreisen kursiert die Vermutung, Mozart habe Beethoven im Jahr 1787 möglicherweise deshalb nicht als Schüler akzeptiert, weil dieser Jungstar aus dem politisch stark mit Wien verbandelten Bonn Anlass für Gerede an den jeweiligen Höfen hätte sein können. Außerdem ergäbe eine Rasterfahndung im Schülerkreis Mozarts nach den Attributen „weder bemittelt noch weiblich“ wenig Chancen. Im Juli 1792, als Haydn auf der Rückreise von England in Bonn Station machte, schrieb Graf Ferdinand Ernst von Waldstein, einer der ersten adeligen Förderer Beethovens, in sein Stammbuch, er, Beethoven, würde „Mozart’s Geist aus Haydens Händen“ erhalten. Aus dem für Dezember 1792, also bereits ein Jahr nach Mozarts Tod, geplanten zweiten Studienaufenthalt in Wien wurde der dauerhafte Verbleib in der (zumindest damaligen) Musikhauptstadt. In Bonn hatte Beethoven Klavierkonzerte von Mozart aufgeführt und bei Aufführungen von dessen Opern als Bratschist im Orchester mitgewirkt, war also Kenner seiner Musik und, neben Haydn, einer der herausragenden Köpfe, wenn nicht überhaupt derjenige von allen, der ihre Bedeutung am tiefsten erfasste.
Welchen Zündstoff mag die Fiktion eines Treffens Mozarts mit Beethoven für Bühne, Film, Komposition, Musikwissenschaft und -geschichte und deren Deutung bergen? Natürlich ist der Punkt, auf dem ein Autor stehen muß, will er die Grenzen von Neigung oder gar Ideologie nicht mit beiden Beinen überschreiten, winzig, historisch dimensionslos, wohl oder übel flächenmäßig unterhalb seiner Schuhgröße. Im Hinblick auf die Schuhe solcher Autoren, die dem Ausführenden wohl zu groß sein dürften, wird ihm also erst recht künstlerische Freiheit erlaubt und diese im Glücksfall Anlass zum Nachdenken sein, darüber, was es heißen mag, mit Fleisch und Blut, Haut und Haar, Verstand und Herz, freischwebend in einer Welt blanken Nutzens, die sich gleichzeitig nach Tieferem sehnt, Künstler zu sein.
Wenn Mozarts und Beethovens Dialog im Rahmen historischer Möglichkeiten bliebe, sich also 1787 ereignen würde, wäre das wesentliche Werk Beethovens nicht behandelbar, sondern nur der blutjunge Beethoven ohne vorweisbare kompositorische Meilensteine, ein konturarmes Profil, das dieser junge Mensch aber nie gewesen sein kann. Dieser gestalterischen Regel gemäß gälte es, sich ein Treffen auszumalen, in dem etwa Mozart Beethovens Genie erkennt und Großes an musikalischer Entwicklung für die nahe Zukunft vorausahnt. Nachteil dieses Erzählweges: Beethoven bleibt auf seinen Stand als junger Stürmer-und-Dränger beschränkt. Es könnte eine ausgiebige Behandlung der Situation erfolgen: Mozart ist ausgelaugt, illusionslos, am Ende seines Weges (Stimmung des letzten Klavierkonzertes KV 595, Misserfolg des Titus, … ich kann Dir meine Empfindung nicht erklären, es ist eine gewisse Leere – die mir halt wehe thut, – ein gewisses Sehnen, welches nie befriediget wird… [Brief vom 7. Juli 1791 an Konstanze]) aber auch erfreut über den Erfolg der Zauberflöte. Beide Komponisten behandeln die Lage der Kunst und des Musikschaffens um 1790 aus ihrer jeweiligen Sicht.
Die 2. mögliche Erzählregel: Es wird eine durchlässige Zeitdimension eingeführt, die dem Hörer erst nach und nach auffällt und deren Art von Durchlässigkeit zumindest anfangs undefiniert bleibt. Der Hörer bemerkt, daß Mozart in die nach seinem Tod liegende Lebenszeit Beethovens blicken kann. Das Gespräch geschieht immer deutlicher aus überzeitlicher Perspektive, möglicherweise gegen Ende auch wieder auf den Boden der historischen Möglichkeiten zurückfindend, bleibt im Ton zweier Hauptgestalter der Musik ihrer Epoche, die aber ihren Zeitgenossen ein entscheidendes Merkmal voraushaben: Kenntnisse der Zeit nach ihnen, die sie zu Einschätzungen der Musik und der Nachwirkungen ihres Schaffens veranlassen. Der Autor entscheidet sich für Erzählregel 2.
1 Eine Sammlung zahlreicher, sich auch widersprechender Berichte von Zeitzeugen über eine angebliche Äußerung Mozarts zu Beethovens Klavierspiel (Ferdinand Ries, Schindler, Otto Jahn, Seyfried, Carl Cherny u.a.) bietet Ludwig Schiedermair in seinem Buch „Der junge Beethoven“, Leipzig 1925
2 B. Hamann, Mozart: sein Leben und seine Zeit, Wien: Ueberreuter, 2006
[Bühne dunkel]
Komposition 1 - Adagio (01: 30)
Sie können die Audiodatei im Internet anhören, indem Sie den QR-Code mit Ihrem Smartphone scannen. Nutzer: m1 / Passwort: mer1s1
[Licht] Beethoven tritt an Mozart heran, der an einem Tisch sitzend in eine Partitur vertieft ist.
BEETHOVEN
Mæstro Mozart, ich bin Beethoven!
MOZART
Ah, Beethoven! …van!
BEETHOVEN
[räuspert sich]
Darf ich fragen, welche Noten er da studiert?
MOZART
Ich verstehe, daß er da von sich reden macht, aber diese derbe Attitüde - da! Die prallen Akkorde in der Tiefe!
Musikeinspielung 1: im Klavier erklingt der Akkord m.s.
Takt 308 der Pathétique op. 13, 1. Satz
MOZART
Ge' hean’s, das degoutiert doch das Ohr!
BEETHOVEN
Ach so, seine Ohren! Laß er bloß die Perücke auf. Wenn die Läuse aus selbiger hierfürkröchen, könnte er einen wahren Ohrsturz erleiden.
—> [1. Dienstherren und Schaffensbedingungen]
MOZART
Ich habe schon gehört: Frei schaffender Künstler, Sie! Moderne Sitten. Niemand kann Sie malträtieren, wahrlich ein Fortschritt, keine Dependance in Händen eines besoffenen, eselsohrigen Fürsten, aber der bon goût versumpft doch deswegen.
BEETHOVEN
Meister! Meine Bettlektüre heißt eh Händel. Normalerweise hätte ich einem, der mit mir einen solchen Ton anschlägt, schon den Schinder an den Hals gewünscht. Ich muß mich nicht verstecken vor Ihrem Können… Ihrer keine Zwischenräume auslassenden Chromatik [gerät ins Schwärmen], dem wehschwangeren, erschütternden, unfaßbar zarten Moll, und, ja! Was für ein Licht!
MOZART
Licht…. bei den Kerzen müssen wir sparen, jedenfalls jetzt. Die Reise zur Kaiserkrönung nach Frankfurt mußte ich aus eigener Tasche bezahlen, während die Hofschranzen freigehalten waren.
BEETHOVEN
Ihre Stellung bei Hofe…
MOZART
Mit den Leuten aus der zweiten Reihe konnte ich es nie. Dabei sind sie es, die die Entscheidungen fällen.
BEETHOVEN
Man darf sich gegen alle Menschen äußerlich nie die Verachtung merken lassen, die sie verdienen, denn man kann nicht wissen, wo man sie braucht.
MOZART
Sie hat der Adel ja fortlaufend finanziert, geradezu hofiert wurden Sie. Das haben Sie geschafft. Ich war schnell am absinkenden Ast bei Ihro Gnaden. Obwohl, Sie haben - und das wundert mich - mit Ihrer - wie heißt sie doch gleich - „Eroica“ General Bonaparte, diesem Fürstenschreck, diesem Sofortgerinnungselixir allen blauen Blutes, vor aller Augen ein Denkmal gesetzt und es hat ihnen auch noch genützt!
BEETHOVEN
Vor Ihnen hat eben niemand Angst gehabt, Mozart. Mit dem Adel ist leicht verkehren, wenn man etwas hat, was ihm imponiert.
MOZART
Van.
BEETHOVEN
Tss. Die Eroica habe ich dem Fürsten Lobkowitz - Gott sei dem guten Herren gnädig - gewidmet und „Bonaparte“ tituliert. Ich habe nie einen Hehl aus meiner Überzeugung gemacht, daß man sich vor Leuten nicht verneigen muß. Dem Goethe gab ich deutlich zu verstehen, er hätte sich vor der Kaiserin und den Herzögen nicht verbeugen müssen, im Park von Teplitz, gut 20 Jahre nach Ihrem Tod, Mozart. Aber wer mein Freund war, war mein Freund, und war es auch ein Fürst.
MOZART
Muß denen völlig neuartig vor’komma sei’, ois dös Speichelleckerg’würm los g’wen z’ sei’. Mir waren die Fürsten bestenfalls gnädig gestimmt - heißt: „in Spendierhosen“.
BEETHOVEN
Könige und Fürsten können wohl Professoren machen und Geheimräte und Titel und Ordensbänder umhängen, aber große Menschen können sie nicht machen. Man muß sie in Respekt halten. Als mich Jérôme Bonaparte nach Kassel rief, spielte ich Interesse, spitzte die Ohren zum Schein, schnupperte brav wie ein Schoßfrettchen, was wohl davon zu halten beliebe, mit dem Ergebnis: Mein Bleiben wurde mir - nun ja, sagen wir - „versilbert“.
MOZART
Ich bekam einen Tritt in den Hintern. — Ja aber, Beethoven, das ist doch leiwand, daß wir uns hier begegnen, das hätte sich nicht einmal der Schikaneder ausdenken können!
BEETHOVEN
Einen Tritt in den Hintern?
MOZART
Hat mich nicht gejuckt. Verletzend waren die Beschimpfungen: „Lump, elender Bub, Fex“. Aber ein wenig Recht hatten sie - in Salzburg, als ich ihnen den Rücken kehrte. In Wien dann verdiente ich anfangs mehr als Sie, werter Kollege, viel mehr. Sie sehen ja. Da! [deutet in den Raum seitlich der Bühne]
