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Desini ist es ein Rätsel. Warum kann sie nach ihrem Unfall eine Aura aus Farben um andere herum sehen? Waren das etwa Empfindungen? Anfänglich kann Desini noch im Geheimen nach Antworten suchen, doch dann tauchen am Himmel Mageias die Drachen auf, die die Königin der Legenden einst der langen Nacht übergab. Jetzt muss sie sich entscheiden. Soll sie sich als Magierin zu erkennen geben? Desini weiß aber, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Diesmal öffnet der Tod das Tor zu einer anderen Form der Magie, als zu den Zeiten der Vorfahren.
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Seitenzahl: 515
Veröffentlichungsjahr: 2016
Was ist schon ein Tropfen Blut,im Angesicht eines Rosenstrauchs?
Das Buch der Farben
Claudius Gros
© 2016 Claudius Gros; www.BuchDerFarben.de Autor: Claudius Gros Umschlaggestaltung: Claudius Gros Umschlagbilder: Andrés Ginestet; www.andresginestet.com Vorder-/Rückseite:Der Wurf/Die Königin
Verlag: tredition GmbH, HamburgISBN:
978-3-7345-4847-5
(Paperback)
978-3-7345-4848-2
(Hardcover)
978-3-7345-4849-9
(e-Book)
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Ein Wildwechsel hatte sie durch den Bergwald hindurch bis über die Waldgrenze hinauf in ein karges Hochtal geführt. Jetzt wurde sie nur noch von einigen windschiefen Föhren begleitet, die sich links wie rechts an den beiderseits zunächst sanft, dann aber immer steiler ansteigenden Hängen krümmten. Weiter talaufwärts kreiste ein Adler über ihrem kalten Ziel. Wartete er?
Die Königin schaute auf, umschloss den Stein in ihrer Hand und widmete sich dann erneut dem Pfad vor ihr. Nein. Sein scharfes Auge würde sich für das Getümmel der Murmeltiere, nicht aber für den Schicksalsfaden interessieren, der sie hierher geführt hatte. Wie auch, wenn sie nur eine alte Frau war und schon lange nicht mehr die Kraft verspürte, die der Kristall auf ihrer Stirn ausstrahlte.
Die Zeit, die vergangen war, seit ihr Draiochta in jungen Jahren den Kopf mit irrsinnigen Ideen, Legenden und mit vagen Vermutungen gefüllt hatte! Alles nur, um sie anschließend alleine zu lassen, sich selbst aber der Verantwortung zu entziehen und in die Stürme zu segeln. War es richtig gewesen, den Plan des verrückten Magiers umzusetzen, die Schatzkammer im Geheimen zu plündern und darüber hinaus so vieles mehr zu tun, worüber besser nicht gesprochen wurde?
–Manchmal ist Hoffnung–, das waren die Worte ihres Lehrmeisters gewesen, –stärker als Gewissheit.–
Cyllell hatte es auf den Punkt gebracht. Ohne seinen Zuspruch wäre vielleicht nie der Tag gekommen, an dem sich das Salz der Tränen in ihrer Hand gesammelt hatte.
Jetzt türmte sich das ewige Eis so nah Schicht um Schicht vor ihr auf, dass die Kälte mit den Fingern zu spüren war. Nach einem weiteren Schritt blieb die Königin mit gehobenem Kopf stehen. Gedämpfter Lärm erreichte ihre Sinne. Hatten ihre Gardisten den Kampf aufgenommen, unten auf dem Talboden, und sich den Verfolgern gestellt? Den Häschern ihres eigenen Sohns! Erneut senkte sie die Augen. Ein klares Wasser schlängelte sich durch das Geröllfeld hindurch bis zu ihren Füßen, von einzelnen Grasbüscheln nur umrahmt, dürr und verblichen, um sich nach einigen weiteren Windungen talabwärts zwischen den Felsen zu verlieren. Die Entscheidung war nicht weiter hinauszuzögern.
Ein letztes Mal betrachtete sie das Netz aus bläulichen Adern, das den dunkelgrünen Stein in ihrer Hand durchzog. Selbst bei Tageslicht leuchtete es noch eigenartig. Es war ein Fehler gewesen, dem Drängen nachzugeben und zuzulassen, dass seine Kräfte untersucht wurden. Wie hätte sie aber auch ahnen können, dass dieser Stein einen so unersättlichen Hunger nach Macht in ihrem Sohn wecken würde? Endlich senkte sich die Hand der Königin. Der Stein entglitt, platschte in den Gletscherbach und kullerte noch eine Zeit lang zwischen den Kieseln umher. Als würde auch er zögern, das Schicksal entscheiden zu lassen.
Was in ihrer Macht stand, das hatte sie getan. Frische Luft strömte in die Lungen der Königin, als sie sich dem Hang zuwandte und bedächtig einen Fuß nach dem anderen auf den rauen Schotter setzte. Lange Jahre waren vergangen, seit sie es vollbracht, alles unter dem blauen Schleier verborgen und Cyllell sich entschieden hatte, nicht nach Thinis zurückzukehren. Ein bescheidenes Gut habe er in den Landen erworben, so sagte man, ein Bauernmädchen geheiratet und sich zur Ruhe gesetzt. Eine weise Entscheidung vielleicht. Die Königin wünschte ihrem Lehrmeister in jedem Fall den Frieden, den sie für sich selbst nicht hatte finden können. Es gab nichts Wichtigeres, als beim Gang zu den Ahnen der Fürsorge der Nächsten gewiss zu sein.
Der Nachmittag neigte sich seinem Ende zu, als die Königin das zerklüftete Feld des Gletschers erreichte, einen Moment stehen blieb und Atem schöpfte. Es war gleich, wo man sie finden würde, wo die Häscher …
–… meinen Körper finden werden!–
Aber nicht den Stein. Sie war jetzt vollkommen allein und es würde niemanden geben, außer ihrem goldenen Reif, der sie auf ihrem letzten Pfad begleitete. Weder die Ihrigen noch den Adler, der schon lange zuvor bis zu den Gipfeln hinaufgestiegen und im Dunst der Ferne entschwunden war.
War Gestern, ist Heute, wird Morgen
Im Nebel der Zeiten, das Schicksal verborgen Die Ruhe,
die Hoffnung, die Sorgen
Die alte Frau summte eine Strophe des Liedes, das sie selbst verfasst und populär gemacht hatte. Zögerlich fuhr sie mit den faltigen Fingern durch die silbergrauen Haare. Es waren nur wenige Schritte, bis die Königin auf dem glitzernden Weiß einbrach, in eine Gletscherspalte stürzte und ihr letzter Gedanke verstarb.
Einen unverhofften Besuch erhielt sie von den Strahlen der Abendsonne, die einen Weg zwischen den Gipfeln hindurch zu ihrer Spalte fanden. Einen Augenblick lang leuchtete das Grab der Königin noch einmal rubinrot auf. Viel zu früh für die Jahreszeit zog in der Nacht ein Schneesturm auf, der das Hochtal in ein dichtes Treiben hüllte und der drei Tage später eine dicke weiße Decke zurücklassen würde. Tief genug, bis zum Winter zu halten und im nächsten Jahr selbst den Sommer zu überdauern. Überall in den Bergen wurde es jetzt kühler, die Winter länger und die Sommer kürzer. Über viele Jahre hinweg drang das mächtige Eis bis in die Täler vor und es sollten Jahrhunderte vergehen, bis die Sommer abermals länger und die Eiszungen kürzer wurden. Jahrhunderte, bis der Gletscher die letzte Ruhestätte der Königin erneut freigab.
Im Kreis ihrer Familie verlief alles so, wie Desini das erwartet hatte. Von ihrer Mutter erhielt sie einen nützlichen Korb, für Allerlei und insbesondere für ihre Nähsachen, während Heliph und Esmit sie je mit einem mehr oder minder brummigen ‘Glückwunsch’ bedachten. Mehr wäre aber auch an einem Tag wie diesem nicht von ihren Brüdern zu erwarten gewesen. Desinis kleine Schwester würde sich hingegen aufgeregt auf die Zehenspitzen stellen, strecken und ihr zur Volljährigkeit eine selbstgeflochtene Kette aus Gänseblümchen um den Hals hängen. Dazu gesellte sich das Recht der Gastfreundschaft, das Desini zum Abschluss feierlich von ihrem Vater übertragen wurde. Blieben noch die Vorbereitungen für die Feier am Abend. Die mussten sich aber gedulden, da Desini zunächst den Wanderlehrer aufsuchen wollte.
Die andere Sache mit der Volljährigkeit war, dass man nun von ihr erwartete, sich ernsthafte Gedanken über ihre Anwärter zu machen. Zum Beispiel über Barn, ganz oben auf der Liste. Ziemlich kräftig, vom Umfang her, dafür aber der Sohn des Wirts und eine gute Partie. Der zweite auf der Liste, Sinster, kam hingegen nicht wirklich infrage. Ohne Geld und zweifelsohne zu häufig betrunken. Konnte sich der Mann ihrer Träume eigentlich nicht etwas mehr anstrengen und sich endlich …
–… in der Wirklichkeit bemerkbar machen?–
Desini seufzte. An der Kreuzung bemerkte sie eine hagere Gestalt, die sich rasch nach Norden, Richtung Frostwasser entfernte.
»Der soll machen, dass er wegkommt!«
Desini fuhr herum. Von der anderen Seite näherte sich Tabber zusammen mit Vailo und einem Karren mit Werkzeugen. Die hatte sie vorher nicht gesehen.
»Haben ihm klar gemacht, dass wir Gesindel wie ihn hier nicht brauchen.«
»Wie meinst du das?«
Sie hob die Hand zur Begrüßung. Sinsters Brüder standen vermutlich auch auf ihrer Liste. Aber wenn, dann so weit unten, dass Desini sich noch nicht bis zu ihnen hatte durcharbeiten können.
»Der hat behauptet, Prediger zu sein und einem helfen zu können, wieder gesund zu werden. Hat gefragt, ob jemand in der letzten Zeit einen schweren Unfall hatte.«
Das war in der Tat seltsam. Jetzt war es Vailo, der zu einem Lächeln ansetzte.
»Glückwunsch übrigens. Sind wir heute Abend denn auch hinter die Mauer eingeladen?«
Das musste ja kommen. Als hätte niemand Besseres zu tun, als sie damit aufzuziehen, dass der Hof ihres Vaters von einer dicken Mauer umzogen wurde. Dabei wusste keiner, wozu die gut sein sollte.
»Alle sind eingeladen«, Desini verzog eine Grimasse. »Das wisst ihr doch.«
Am Abend der Volljährigkeit gab es stets ein offenes Haus, so war es üblich. Die Leute würden nach Lust und Laune vorbeikommen, allerlei zum Essen mitbringen und sich den Abend über reichlich aus dem obligatorischen Krug mit heißem Grog bedienen.
Desini überlegte noch kurz, ob sie nicht den einen oder anderen Anwärter ganz von der Liste streichen sollte, verabschiedete sich dann aber und setzte ihren Weg fort. Sie wollte zur Schenke, die schon in ihrer Kindheit tagsüber als Schulraum fungiert hatte. Desini erinnerte sich noch gut, wie der Wanderlehrer ihr einst Lesen und Schreiben beigebracht und dabei verträumt Geschichten über die Magier vergangener Zeiten erzählt hatte, über die Wunder der Welt und über das Alumnat von Kidul.
»Stellt euch einen Raum vor«, so pflegten die Geschichten des Lehrers ihren Lauf zu nehmen, »so lang wie die längste Scheune und gefüllt voll mit Büchern, Truhen und wertvollen Pergamenten. Stellt euch vor, auf einem Kissen zu sitzen und euch für Stunden in alte Berichte zu vertiefen. Wenn ihr euch das vorstellen könnt, dann befindet ihr euch in der Bibliothek des Alumnats.«
Woraufhin er immer so getan hatte, als würde er aus einem der hochehrwürdigen Pergamente vorlesen. Alles das schwirrte Desini durch den Kopf, als sie beim Wirtshaus ankam, eintrat und ernüchtert feststellen musste, dass die Schenke leer war. Bis auf einen überaus gut beleibten Jungen hinter der Theke.
»Hallo Barn. Ist denn unser Lehrer«, sie kam lieber gleich zur Sache, »nicht mehr da? Ich wollte ihn eigentlich einladen.«
»Nein, einer seiner Lanzenreiterkumpel ist gestern durchs Dorf. Er ist mit ihm fort.«
Eine ganze Menge Backe färbte sich jetzt rosa ein.
»Ach ja, die besten Wünsche!«
»Danke. Was wollte der Sturmreiter denn?«
»Antworten auf seine Fragen, so sind die halt. Sprach von den Kräften der Erde.«
»Und damit meinte er – was?«
»Ob es Abbrüche gegeben hat«, es dauerte, »entlang des Anstiegs zur Tafelebene. Unten im Süden.«
»Und der Lehrer ist dann mit ihm?«
»Auf und davon.«
Einfache Erdrutsche. Warum, bei den Kristallen, sollten die für das Alumnat von Interesse sein? Desini verfiel ins Grübeln. Währenddessen suchte Barn etwas unter dem Tresen.
»Hier«, er reichte ihr einen Brief, »den hat er für dich dagelassen.«
»Für mich? Von unserem Lehrer?«
»Sag ich doch.«
Überrascht ließ sie den Umschlag in ihren Korb gleiten. Einen Brief hatte Desini noch nie erhalten. Erst einmal war es aber höchste Zeit, sich höflich zu verabschieden. Nicht auszudenken, wie Barn ihren Besuch andernfalls aufnehmen konnte.
✯
Desini folgte vorerst ihrem Bauch. Sie würde das Schreiben ihres ehemaligen Lehrers einen Tag ruhen lassen und es dann mit Muße lesen. Zunächst konzentrierte sie sich darauf, den Abend glatt über die Runde zu bekommen, ihre Liste dabei einigermaßen in Ordnung zu behalten und gleichzeitig die ständig wechselnden Gäste zu bewirten. Desini war gut beschäftigt, bis schließlich der Zeitpunkt kam, an dem auch die letzte Pastete verspeist und der letzte Humpen Grog geleert worden war. Sie hatte gerade die verbliebenen Gäste bis zum Tor begleitet, als sich ein allerletzter Nachzügler aus dem Schatten der Scheune löste.
»Alle sind fort, Sinster. Zeit, nach Hause zu gehen.«
Desini wedelte in Richtung des Hoftors. Sinster kam ihr seinerseits mit einem reichlich verwirrten Eindruck entgegen.
»Alle? Du bist aber noch da!«
»Ich wohne ja auch hier. Wäre es aber nicht eine gute Idee, den Mond auszunutzen und sich auf den Weg zu machen? Zu deiner Hütte sind es noch einige Schritte.«
So wie Sinster wanke und dabei einen Geruch verbreitet, in dem sich schlecht verdautes Hammelfleisch innig mit eilig hinuntergespültem Grog vermischte, waren es wohl einige Schritte zuviel. Unwillkürlich wich sie zurück.
»Alle sind fort?«, seine Augen wanderten schleppend über den Hof.
–Nicht auch das noch!–
Sinster hatte sie ohne Vorwarnung an sich gezogen.
»Vielleicht wäre es besser«, Desini entwand sich, »wenn du deinen Rausch fürs Erste im Schober ausschläfst.«
Es würde sicher nicht das letzte Mal sein, dass Sinster vergaß, beim Trinken mitzuzählen. Desini deutete auf die Scheune.
»Willst wohl nicht«, er griff fester nach ihr.
»Bin dir wohl nicht gut genug?«
Damit hatte er ins Schwarze getroffen. Desini überlegte kurz, ob sie ihre Eltern rufen sollte.
–Am Tag der Volljährigkeit?–
Nein, sie würde sich nicht hinter dem Rockzipfel ihrer Mutter verstecken!
»Jetzt ist es aber genug – dort ist die Scheune!«
Desini schob Sinster kräftig von sich weg. Sie machte einen entschiedenen Schritt rückwärts, stolperte über etwas Längliches und fiel über. Vermutlich ein Holzscheit, wie Desini noch im Fallen bewusst wurde, den Esmit beim Hacken übersehen hatte. Ihr Gedanke berücksichtigte allerdings nicht die Pflugschar ihres Vaters, die sich in diesem Augenblick schmerzhaft tief von hinten in den Oberschenkel bohrte. Desinis gellender Schrei rief ihre Eltern auf den Plan.
✯
Manch einer befürchtete schon das Schlimmste, als sich die Wunde am folgenden Tag übel entzündete, gelblicher Eiter austrat und Desini sich mit hohem Fieber ins Bett legen musste. Zu Recht. Denn schon am Abend des vierten Tages war es soweit, dass der Tod Desini besuchte, sie bei der Hand nahm und zur Schwelle führte. Hier erlaubte er der Kranken ein letztes Mal, von oben herab auf sich selbst zurückzublicken.
Wie krumm ihr eigener Körper auf der zerknüllten Schlafstätte lag! Kerzen brannten auf dem Tischchen neben ihrem Bett. Woher aber jene eigentümlichen Farben kommen mochten, die ihren Leib leicht pulsierend umflossen?
–Bin ich etwa–, sie war sich da nicht sicher, –schon in der Welt der Ahnen?–
Traurig gedachte sie ihrer Familie. Desini wollte dem Tod schon durch die Pforte hindurch folgen, als sie ihre kleine Schwester bemerkte. Das tapfere Gesichtchen, mit dem Nola auf der Bettkante saß und ihr die Hand hielt! Komisch nur, dass auch sie von einer schimmernden Aura aus Farben umgeben wurde. Ein helles Gelb bei ihr. Sollte ihr Schwesterchen etwa auch schon bei den Ahnen sein? Aber wie, wenn Nola so ein lebendiges kleines Mädchen war!
Ein Mysterium lag vor ihr ausgebreitet. Ausgerechnet jetzt! Der Sog verstärkte sich, auf der einen Seite, während sich auf der anderen Seite etwas in ihr sträubte. Dem Geheimnis der Farben wollte sie nachgehen! Das Bedürfnis wurde stärker, bis Desini am Ende in einen tiefen Schlaf fiel. Sie hatte nicht bemerkt, wie ihre eigene Aura nach und nach verblasst war.
Desini erwachte mit einem Kopf, in dem sich nichts mehr an seinem vertrauten Platz befand. Was waren das für Farben, die ihre Mutter umgaben?
»Dieser Dunst«, sie hob den Arm. »Woher kommt der?«
»Was du da redest, mein Kind. Erstmal«, die Hand ihrer Mutter legte sich prüfend auf Desinis Stirn, »musst du wieder zu Kräften kommen.«
Desini nickte schwach. Wenn sie dem Tod nicht durch die Pforte hindurch in die Welt der Ahnen gefolgt war, wie sie sich zu erinnern glaubte, musste sie sich dann nicht in der Welt der Lebenden befinden? Desini war sich da nicht sicher. Sie hatte aber begriffen, dass es Fragen gab, die man besser für sich behielt.
✯
Keines der drei Bücher, die Desini nicht ganz ohne Stolz ihr Eigen nannte, hätte sie darauf vorbereiten können, dass sich für sie die Welt von einem Tag auf den anderen wandeln würde. Weder das Märchenbuch mit der Geschichte vom Burgfräulein, in der sich die Heldin am Ende durch Geschick und Mut selbst aus den Klauen des Ungeheuers befreien konnte, noch die Anleitung für Näharbeiten. Auch wenn ihr diese in den letzten Jahren durchaus nützliche Dienste geleistet hatte. Es hätte auch nichts gebracht, den Almanach besser zu studieren, den sie als kleines Mädchen nur deswegen aus der Truhe ihres Onkels ausgegraben hatte, weil der Umschlag schön farbig gestaltet war. Mit Reiter und Ross, Lanze und Sturmwappen und allem Drum und Dran.
Die ersten beiden Tage schlief sie ausgiebig. Desini war ansonsten vollauf beschäftigt jene eigentümliche Aura zu beobachten, die ihre Geschwister, Eltern und Besucher umgab.
»Sinster, dem hab ich’s gegeben.«
Heliph hob seinen Hirtenstock vielsagend in die Höhe. Er hatte ihr gemeinsam mit Nola das Abendessen auf das Zimmer gebracht.
»Seine Brüder mussten am nächsten Tag kommen und ihn in seine elende Hütte zurückschleppen. Der wird dich nicht wieder belästigen!«
Beunruhigt setzte sich Desini mit dem Tablett auf dem Schoß auf. Es war ihr nicht recht, dass Heliph Sinster verprügelt hatte und dass der Zwischenfall zu alledem ein Nachspiel haben würde. Böses Blut kochte schließlich lange. In der Aura ihres Bruders waren zudem dunkelbraune Flecken aufgetaucht. Misstrauisch verfolgte Desini, wie sich die Einfärbungen erst ausbreiteten, dann aber wieder zurückzogen.
»Glotz nicht so blöd!«
Er stampfte die Treppe runter.
Hatte Heliph recht? Desini vergaß ihre Gabel und schaute stattdessen Nola zu, die mit dem Kopf voran in ihrer Truhe wühlte.
»Liest du mir vor?«
Rosarote Farbtupfer wirbelten durch Nolas Aura, als sie den Kopf wieder hervorzog und Desini mit einem fast unwiderstehlichen Keksgesicht das Märchenbuch auf die Bettkante legte.
»Komm«, Desini stupste ihrem Schwesterchen die Nase, »wir machen ein Spiel.«
Ihr war eine Idee gekommen.
»Wenn du alle Farben aufzählst, die du an mir sehen kannst, dann lese ich dir danach vor.«
»Oh ja!«, Nola war dabei.
»Grün und grün! Das ist der Spinat auf deinem Teller, den mag ich nicht, und dein rechtes Auge«, sie lehnte sich vor. »Das linke ist aber blau!«
Was bisher alles feste Dinge waren. Aber keine Farben, …
–… die mich umhüllen würden.–
»Weiß für das Nachtkleid und braun, das ist dein Zopfband. Hm«, Nola zupfte zweimal und tippte dann auf ein Muttermal, »und nochmals braun. Oder rot?«
Sie streckte ihr die Zunge raus, weil die ja auch rot war.
–Und sonst bin ich farbenlos?–
Desini fragte nicht nach. Offensichtlich war sie die Einzige, die diese rätselhafte Aura sehen konnte. Zwar nicht an sich selbst, dafür aber bei allen anderen. Sie schlug das Märchenbuch auf. Warum aber, bei den Kristallen?
✯
Am dritten Tag hatte sich Desini schon etwas an die neuen Farben der Welt gewöhnt. Schließlich, und das war gar nicht so anders, war es ja auch kein Problem, wenn man sich im Winter einen zusätzlichen Umhang überwarf. Zudem hatte sie jetzt lange genug das Bett gehütet, um den Brief ihres ehemaligen Lehrers in Angriff zu nehmen. Neugierig glitt sie mit der Schere am Falz entlang, öffnete das Kuvert und nahm den Bogen in die Hand.
Desini! Als meine langjährige Schülerin möchte ich dir zu deiner Volljährigkeit einen Leitsatz zukommen lassen, an den ich mich selbst stets gehalten habe. Es sind Worte, die Doregis einmal auf die Frage hin gesprochen haben soll, was ein Herrscher seinem Volk geben sollte.
‘Die Freiheit, zu entscheiden’, das sollen des Königs Worte gewesen sein. ‘Denn was ist Leben, wenn nicht die Möglichkeit, über den eigenen Pfad zu bestimmen?’
Mögen diese Worte dir helfen, deinen eigenen Weg zu finden. Wie ich heute erfahren habe, mehren sich die Anzeichen für ein erneutes Erwachen der Kräfte der Erde! Das werde ich mir mit eigenen Augen ansehen und daher etwas früher als geplant abreisen.
Desini geriet ins Grübeln, er war also wirklich weg. Was aber sollte das heißen, die Kräfte der Erde würden erwachen? Und dann dieser Spruch. Lebte man etwa nicht, wenn man keine Entscheidungen traf?
»Desini«, ihre Mutter erschien in der Tür.
»Fühlst du dich stark genug, runterzukommen? Du hast Besuch.«
»Ja, wer ist es denn?«
Sie musste die Zähne zusammenbeißen, schaffte es dann aber, vorsichtig die Treppe hinunterzuhumpeln. Barn wartete ziemlich verlegen in der Küche. Vermutlich war ihm nicht bewusst, wie auch, dass eine Aura aus gedeckten Grautönen um ihn herumwaberte.
»Ich lass euch beide dann mal allein.«
Das hatte Desini befürchtet.
»Geht es dir besser?«
Barns Aura schwang gedämpft. Sie erinnerte an eine Graupensuppe, die man mühsam durchrühren musste.
»Brauchst du was aus dem Dorf? Ich könnte es dir holen.«
Desini musste sich setzen. Es klappte bei Barn einfach nicht, die Farben zu ignorieren! Dafür waren sie zu …
–Zu was?–
Zu speckig?
»Danke, dass du gekommen bist. Aber nein, ich brauche nichts.«
»Auch so.«
Desini wusste sich nicht aus der Situation herauszureden. Er meinte es ja gut und es war auch nicht Barns Schuld, dass seine Aura sie unangenehm berührte.
»Na ja, wollte es nur gesagt haben. Ich muss jedenfalls wieder los.«
»Klar dann.«
Barn war natürlich enttäuscht, so wie sich sein zweites Gewand beim Herausgehen einfärbte.
–Und die anderen?–
Auf ihrer Liste? Desini blieb noch am Küchentisch sitzen.
Würde sich auf ihrer Liste ein Anwärter finden, dessen Aura sie angenehm berührte? Desini machte sich diesbezüglich wenig Hoffnung. Eher würde sie den Mann ihrer Träume in der Welt der Wirklichkeit antreffen.
–Sehe ich Dinge–, ihr sank die Stirn auf den Tisch, –die es gar nicht gibt?–
Wenn ja, dann war sie kurz davor, durchzudrehen. Wenn aber, wenn nicht?
So viele Fragen machten es sich in ihrem Kopf gemütlich. Wie diese Sache mit dem Erwachen der Kräfte der Erde, die ihr ehemaliger Lehrer in seinem Brief angedeutet hatte. War es zu viel verlangt, dass sich hier und da eine Antwort zu dem Wirrwarr in ihrem Kopf gesellte?
✯
Am vierten Tag musste sich Desini in der Frühe eingestehen, dass es nichts brachte, mit den Händen im Nähkorb auf Antworten zu warten. Die trudelten nicht von alleine ein. Als Erstes würde sie den eigenen Lebenspfad nach einem Faden absuchen. Andernfalls würde auch das mit den Entscheidungen nichts werden.
–Jedenfalls, …–
… falls sie den Spruch des Doregis’ richtig verstanden hatte.Irgendwas musste aber falsch rübergekommen sein. Desini hatte sich nach dem Frühmahl in ihre Kammer alle Mühe gegeben, ihren Lebensweg in Gedanken auf- und abzuwandern. Es zeigten sich eigentlich aber keine Verzweigungen, lediglich Kurven und Biegungen! Alles andere waren kleinere Trampelpfade, die nirgendwohin führten.
Barn und seine gräuliche Aura zu heiraten, das kam nicht in Frage, nicht mehr, und die unteren Plätze auf ihrer Liste schon gar nicht. Was sie sich vermutlich auch schon früher hätte eingestehen können. Als grantige Jungfer auf dem Hof ihres Vaters zu enden, war aber auch nicht nach Desinis Geschmack. Abgesehen davon, dass sie allein in ihrer Kammer nie hinter das Geheimnis der Farben kommen würde. Das musste sie aber, wenn sie in der neuen Welt ein Zuhause finden wollte. Also blieb eigentlich nur eine einzige Möglichkeit. Die Nase hinaus in die Welt zu stecken und den einen Ort aufzusuchen, an dem man hoffen konnte, Antworten auch auf …
–… ungewöhnliche Fragen zu finden.–
Woher das Kribbeln kommen mochte, das sich bei dieser Überlegung urplötzlich in Desinis Bauch bemerkbar machte?
Zu sehen, wie der Pfad vor ihr eine Wendung nahm, und ihn dann auch zu betreten, das waren andererseits zwei verschiedene Paar Stiefel. Ganz entschieden. Sie brauchte einfach mehr Informationen. Sich im Dorf zu erkundigen, würde jedoch nichts als unnötige Aufmerksamkeit einbringen. Eine bessere Option war da der Fernweg, der im Norden das Frostwasser entlang durch die Landen führte. Dort fanden sich Heliphs Meinung nach auch die besten Weiden für seine Schafe. Einmal vollständig erholt, würde Desini ihren Bruder begleiten und ihr Glück bei den Reisenden versuchen. Nola würde sich ebenfalls auf den Ausflug freuen.
Die Stunde nach dem Abendmahl war die schönste des Tages. Es war die Stunde, zu der stets drei Kerzen auf dem Tisch brannten und mit dem Zwielicht der Dämmerung spielten. Eine für jeden. Heute würden sie zudem das Buch beleuchten, das sich seine Mutter für dieses Mal von ihrer Herrin ausleihen durfte.
Der Tag hatte damit begonnen, dass sein Vater ihm feierlich die Axt des Lehrlings überreicht und damit auch offiziell in die Werkstatt aufgenommen hatte – der Zimmermeister den Sohn. Nun, ihm passierte ab und zu noch das eine oder andere Missgeschick, dessen war sich Celdarien nur zu bewusst. Mal riss beim Sägen eine Leiste ein oder ein Nagel stellte sich stur und weigerte sich partout, gerade eingeschlagen zu werden. Dennoch, er würde sich anstrengen und seine Arbeit so gut machen, wie es eben ging.
Mit dem frischen Blatt der Axt auf dem Knie beobachtete Celdarien das weiße Wölkchen, das eben der Pfeife seines Vaters entstieg. Wie es sich gemächlich kringelte und über den Familientisch hinweg zu ihm herübertrieb. Unter dem Dunst wischte die Hand seiner Mutter derweilen die letzten Krümel des Abendmahls von der dunklen Platte. Zwei weitere Wölkchen hatten bereits ihre Reise angetreten, als es schließlich soweit war und das Buch auf den Tisch gelegt werden konnte. Es war beeindruckend dick, der Umschlag tiefblau und mit golddunklen Schriftzeichen verziert.
Die Legende von den lebenden Steinen
Seine Mutter setzte sich zu ihnen.
»Das klingt spannend. Mal sehen, was wir heute Abend erleben werden.«
Mit einem Lächeln für ihren Sohn strich sie vorsichtig die erste Seite glatt.
Es lebte einst ein mächtiger Magier der Kristalle, Draiochta, welcher sich, der Kriege müde, nach Ruhe und Frieden für die Seinen sehnte. Mit fünf großen Schiffen und allen Einwohnern aus seinem Dorf segelte er durch die Stürme in ein fernes Land. Dort gründete er eine Stadt, Ayu Aegara, die schönste aller Städte. Der Boden war fruchtbar und die See voller Fische, die Wälder voller Wild und die Berge voller Kristalle. Es war alles gut und sein Volk glücklich, den Schrecken der Kriege entflohen zu sein.
Für Draiochta war die Zeit gekommen, sich eine Frau zu nehmen. Seine Erstgeborene war ein fröhliches Töchterchen, das er über alles liebte und der er zum vierten Geburtstag eine ganz besondere Puppe schenkte. Ein kleines Männchen aus Stein, dem er, so groß waren die Künste des Meisters, Leben eingehaucht hatte. Außer sich vor Freude, dachte sich sein Töchterchen sogleich einen Namen für ihren neuen Spielkameraden aus und nannte ihn Babog. Draiochta freute sich mit ihr, hauchte einem weiteren Stein Leben ein und formte ein Hündchen aus festem Fels, das sich lebendig bewegen und mit dem Schwanz wackeln konnte. Jetzt hatte auch sein kleiner Sohn jemanden, mit dem er um die Wette krabbeln konnte.
Der Meister fand gleichfalls Gefallen an den lebenden Steinen. Er erbaute als Nächstes einen Knecht, der Wasser für seine Frau tragen konnte, Holz spalten und Vieles mehr. Mit den Kristallen aus dem Land der Winde formte Draiochta danach Bauern aus Stein, die die Felder auch ohne Geräte bearbeiten konnte. Das ging, da er eines ihrer drei Beine als Pflug gestaltet hatte. Die nächsten lebenden Steine konnten selbst die höchsten Bäume mit der steinernen Axt fällen, die am Ende eines zusätzlichen Arms saß. Von denen hatten sie drei.
So wie Ayu Aegara wuchs und gedieh, benötigte die Stadt eine Mauer. Also erschuf der Kristallmagier Kolosse aus Stein, die so groß waren, dass sie mächtige Quader aus den Bergen herbeischleppen konnten. Dafür gab der Meister ihnen vier Arme. Die ersten beiden Arme hatten Hände, während der dritte Arm als Hammer endete und der vierte als Meißel. So konnten sie die Felsquader selbst bearbeiten.
Es war eine Zeit voller Wohlstand. Der Kristallmeister und die Seinen lebten ohne Sorgen, während die Dächer der Stadt im Glanz der Kristalle erstrahlten. Aber auch an einem großen Meister gehen die Jahre nicht ohne Spuren vorüber und es kam, dass Draiochta die Augen für immer schloss. Er starb zufrieden mit sich und seinem Werk, umgeben von den Seinen und den Babogs, wie man die lebenden Steine mittlerweile nannte. Die Babogs selbst gestalteten die Krypta und den Sarkophag, in dem er auch heute noch ruhen soll.
Es fand sich aber kein Nachfolger für Draiochta. Wie auch, wenn nur der Tod die Pforte zur Magie öffnete und dieser sich nur selten im schönen Land zeigte? So geschah es, dass die lebenden Steine nach der ersten Stadtmauer einfach weiter bauten und eine zweite Mauer um die Stadt zogen. Sie hatten ja keinen Aufseher mehr. Es gab auch niemanden, der sie dazu bringen konnte, auch nur einen Durchlass in den äußeren Ring einzulassen. Die Bewohner von Ayu Aegara legten daraufhin Rampen an, damit sie über die torlose zweite Mauer hinweg noch in die eigene Stadt gelangen konnten.
Mit der Zeit verstarb jedoch die Magie der Kristalle, diesseits der Winde wie im schönen Land. Die lebenden Steine erkrankten, nach und nach, bis ihnen schließlich jede Bewegung unerträglich schmerzhaft wurde. Das machte die Babogs derart wahnsinnig, dass sie anfingen, wild um sich zu schlagen und alles zu zerstören. Alles, was das Unglück hatte, von ihren Armen aus Stein getroffen und zerschmettert zu werden.
In ihrer Not sperrten die Bewohner der Stadt Draiochtas die lebenden Spielzeuge ein und zerstörten danach auch die Bauern unter den lebenden Steinen. Gegen die Steinmetze waren sie jedoch machtlos. Wer hätte diesen gewaltigen Steinen auch Einhalt gebieten können? Die lebenden Kolosse wurden immer wilder, bis sie sogar die Häuser der Stadt mit ihrer Hammerhand zertrümmerten, das Vieh zerstampften und die Bewohner von Ayu Aegara mit ihrer Meißelhand durchbohrten. Es half auch nicht, in die Wälder zu fliehen, da dort die steinernen Holzfäller wüteten.
Nach vielen Jahren legte sich endlich die Zerstörungswut der lebenden Steine und sie erstarrten gleich der Magie der Kristalle. Zu diesem Zeitpunkt lebten aber schon lange keine Menschen mehr im schönen Land. Verhungert waren sie, zertrampelt und durchstochen. Lediglich die blanken Knochen sind von dem einst so stolzen Volk geblieben.
Einzig einem Fischer gelang es zu entkommen. Vom Meer aus hatte er die Schreie der Frauen gehört und gesehen, wie die Giganten durch die Straßen tobten. Aus Angst setzte der gute Mann Kurs auf die Stürme. Sein Boot wurde an die Felsen geworfen und zerschmettert, er selbst konnte sich jedoch retten, sich mit letzter Kraft an Land ziehen und durch die Winde hindurch nach Mageia zurückwandern. Dies ist seine Geschichte. So wie er sie erzählt hat, so habe ich sie euch weitergegeben.
Noch sprach niemand. Seine Mutter war eine gute Vorleserin und sie gönnten sich die Zeit, Eltern wie Sohn, ihren Gedanken in Ruhe nachzuhängen. Die Stille wurde nur von dem gelegentlichen Schmauchen seines Vaters und vom Rieseln der Kiesel unterbrochen, die draußen in unregelmäßigen Abständen den Abhang herunterrieselten. Zwischen den steilen Klippen und dem Strand fand sich wenig Platz, so dass sich die Häuser von Werna dicht unter die überhängenden Felsen drängten. Wenn in Werna, wie in diesem Augenblick, Gestein barst, dann tat es das mit einem unverkennbaren, lauten Knall.
»Raus!«
Der Blick seines Vaters zuckte zu spät zur Decke. Es donnerte, als die Geröllmassen das Dach durchbrachen und den bescheidenen Wohnraum verschütteten. Mit einem Schlag war es dunkel.
✯
Es war befremdlich. Sein Heim war eingestürzt und alles von Felsen, zerborstenen Balken und Schindeln bedeckt. Dabei war ihm, als schwebte er wie losgelöst von seinem eigenen Körper über der Unglücksstelle! Andererseits war es Nacht und stockdunkel.
Die Mutter abgeknickt über dem dicken Buch, der Vater unter einem Dachbalken begraben. Celdariens eigener Körper, selbst das konnte er von hier oben aus sehen, war hingegen unter den Familientisch gerutscht. Das eigenhändige Werk seines Vaters. War es ein Zufall, dass die dunkle Platte standgehalten hatte?
Celdarien gedachte noch der schützenden Hand seines Vaters, als er von einer Welle schwarzer Trauer erfasst wurde. Er hatte niemanden und nichts mehr, das ihn noch an die Welt der Lebenden band. Die Zeit war gekommen, seinen Eltern in die Welt der Ahnen zu folgen, sich Vater und Mutter anzuschließen und an der Seite des Todes die Pforte zu durchschreiten. Er wollte sich schon abwenden, als die Wolken den Mond freigaben, das fahle Licht einen Weg durch die Trümmer hindurch bis zur Axt fand und von deren glänzender Wange einen Moment lang direkt in sein Gesicht gespiegelt wurde. Das Geschenk seines Vaters war mit ihm unter den Tisch gerutscht. Etwas Anstrengung nur, und er würde die Axt erreichen.
Der Schmerz im Kopf explodierte, als der Sohn des Zimmermanns vorsichtig eine Hand ausstreckte. Fast raubte es ihm die Sinne. Den Blick fest auf die Axt gerichtet, schob er seinen Arm dennoch Spanne um Spanne so lange vor, bis die Finger den Schaft umschließen konnten.
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Kein Meister des Städtchens, der am nächsten Morgen nicht zur Unglücksstelle gelaufen wäre. Was aber tun? Der eine oder andere herausragende Balken wurde versuchsweise angehoben, auch wenn es zu spät war, dem Kollegen zu helfen. Der Graf würde sich letztlich um alles kümmern.
»Ruhe mal!«
Ein leises Klopfen.
»Da lebt noch jemand«, der Hufschmied hob den Arm.
»An die Arbeit!«
In der Stunde der Not ließ man einen Freund nicht im Stich.
Es dauerte den halben Vormittag, bis sie sich durch die Trümmer vorgearbeitet und die Leichen der Eltern geborgen hatten. Unter einem Tisch fanden sie den Sohn. Zusammengekauert, leichenblass und mit einer hässlichen Wunde am Hinterschädel. In den Armen ein Beil, das er zitternd umklammerte.
»Komm, Celdarien.«
Der Hufschmied reichte ihm die Hand.
»Wir haben eine Ecke im Hof, da kannst du vorerst schlafen.«
Eigentlich war Werna nichts weiter als ein übergroßes Vogelnest, das man in die rötlichen Klippen einer spärlichen Hochebene hineingebaut hatte. Oben auf dem Plateau graste neben den Schafen eine gut behütete Herde edler Stuten, die der ganze Stolz des Grafen und zugleich der Augapfel seines Schatzmeisters war. Für die meisten Bewohner der Hafenstadt bestimmte hingegen das Meer den Rhythmus des Lebens und es war der Geruch von Salz und Fisch, der das Treiben in den engen Gassen ebenso untrennbar begleitete wie die brennende Sonne des Südens.
Zudem würden schon bald Sturmreiter mit Botschaften einreiten und Werna regelmäßig mit Nachrichten aus ganz Mageia versorgen. Eine Schande für die Stadt, dass dies bisher noch nicht der Fall gewesen war. Der jungen Grafen hatte mit diesem Missstand jedoch aufgeräumt und mit einer seiner ersten Amtshandlungen dafür gesorgt, dass Werna der Kongregation des Sturms beitrat. Im Auftrag des Alumnats von Kidul war in der Folge Meister Woccat angereist, um mit seinem gepflegten weißen Bart dem Sturmhof von Werna als niedergelassener Meister vorzustehen.
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Mit der Eröffnung des Sturmhofs hatte Celdariens Leben eine entschiedene Wende zum Besseren genommen. Mit dem Wappen eines Gesellen des Sturmordens auf der Brust brauchte man sich jedenfalls morgens keine Sorgen zu machen, was man abends zu essen haben würde. Vollauf zufrieden mit der Welt, genoss es Celdarien denn auch, neben seinem neuen Meister auf der Schwelle des Sturmhofs zu stehen und durch sein wirres Haar hindurch in die tiefstehende Sonne zu blinzeln. Vor dem Sturmhof vertrieben sich die Leute die Zeit mit Gesprächen über Wind und Wellen. Die Ankunft des ersten Lanzenreiters war allemal etwas besonders.
Die Sonne hatte kaum den Horizont erreicht, als zwei Buben die Gasse vom Tor heruntergerannt kamen.
»Er kommt, er kommt!«
Noch auf halbem Weg kündigten sie den Lanzenreiter an. Für einige der Wartenden war es jedoch eine Enttäuschung, dass sich dieser als ein älterer Mann erwies. Mit tiefgrauem Haar, dafür aber mit Pferd und Lanze, Sturmwappen und allem, was dazugehörte. Celdarien wusste um seine Aufgabe. Er trat vor, begrüßte den Reiter mit einem angemessenen Nicken, nahm ihm die Zügel ab und wartete anschließend, bis dieser abgestiegen war.
»Meister Faisean!«
Nun trat auch Woccat mit ausgestreckten Armen vor.
»Wie gut, dich wiederzusehen. Du reitest noch immer unter dem blauen Banner? Ich hatte erwartet, du hättest es schon längst gegen ein rotes getauscht und einen Sturmhof übernommen!«
»Auch meine Freude ist groß, dich gesund und stark zu finden!«
Faisean legte Woccat seinerseits die Hände auf den Arm.
»Du hast aber recht. Auch wenn mich die Neugierde noch immer und fast wie am ersten Tag hinaus in die Welt treibt, so macht sich das Alter natürlich auch in meinen Knochen bemerkbar. Mir ist schon bewusst, dass der Abschied naht. Du hast hingegen schon einen Gesellen gefunden?«
»Ja, darf ich dir Celdarien vorstellen? Er wird sich um dein Ross kümmern, wenn es dir recht ist.«
Was Celdarien dann auch tat.
Woccat hatte ihm den Ablauf der Ankunft genauestens erläutert. Die erste Pflicht des Reiters war es, dem lokalen Meister die Botschaften zu überbringen und ihm auch allgemein über die Geschehnisse draußen in der Welt zu berichten. Worauf Woccat seinerseits von den örtlichen Vorkommnissen erzählen würde. Dieser Teil der Unterredung würde allerdings bedauerlich kurz ausfallen, da Werna am Ende einer langgestreckten Landzunge lag und sich hinter der Stadt lediglich die unendlichen Weiten des Ozeans erstreckten. Erwähnenswert seien dafür die insbesondere im vorderen Teil der Halbinsel immer häufiger vorkommenden Abbrüche entlang der Klippen. Nach dem Austausch von Meister zu Meister würden diese der Einladung des Grafen folgen und sich zur Burg begeben.
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Jegliche Förmlichkeiten waren verschwunden, als Celdarien tags darauf das Frühstück bereitete, die Meister bediente und sich anschließend selbst mit einem Fladen in eine Zimmerecke zurückzog. Es wäre unhöflich gewesen, die Gespräche der beiden Männer über Wind und Wetter zu stören. Celdarien war bei seinem dritten Bissen, als ein Junge in der Tür erschien. Außer Atem und mit furchtsamen Augen, die stumm von Meister zu Meister sprangen.
»Was hast du auf der Zunge?«
Woccat fragte nicht unfreundlich, wenn auch entschieden.
»Sprich gerade heraus.«
»Der Hufschmied schickt mich. Ich soll fragen, ob Celdarien kommen kann. Es ist wichtig!«
»Hat er dir auch den Grund genannt, warum er meinen Gesellen braucht?«
»Es ist eine der Stuten des Grafen!«
Der Laufbursche machte ein Gesicht, als ob damit alles erklärt wäre.
»Eine seiner Zuchtstuten. Sie hat einen Dorn in der Fessel, tritt aus und will ihn sich nicht ziehen lassen. Der Lehrling hat schon eine abbekommen.«
»Der Graf«, nun mischte sich auch Faisean ein, »hat uns gestern in der Tat von seiner Zucht berichtet. Was hat Celdarien aber damit zu tun? Er ist nur dem Sturmhof verpflichtet.«
Der Junge senkte den Kopf.
»Er ist aber doch der Einzige!«
»Das soll heißen?«
»Der einzige, der sie beruhigen kann. Obed sagt es.«
Celdarien hatte vom hinteren Teil des Zimmers aus mit zugehört. Natürlich kannte er den Laufburschen aus der Pferdegasse, es oblag aber dem Meister zu entscheiden. Woccat wandte sich ihm zu.
»Mir ist schon zu Ohren gekommen, dass du ein gutes Händchen für Tiere hast. Geh nur, diesen Gefallen können wir dem Grafen gerne erweisen.«
»Ich werde die Jungen begleiten.«
Faisean erhob sich ebenfalls.
»Eine prachtvolle Stute ist immer ein paar Schritte wert.«
Die Probleme des Hufschmieds hatten eine kleine Traube Menschen angezogen. Ein Sattler und ein Wagner standen bei ihm und der Stute und geizten nicht mit Ratschlägen. Celdarien kannte das. Er hatte sich etliche Jahre hier mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser gehalten und wenn einer in der Pferdegasse Ärger mit dem Grafen bekam, dann war das für alle nicht gut. Obed erwartete ihn bereits.
»Gut, dass du kommen konntest, Celdarien.«
»Darf ich vorstellen?«
Celdarien hob gleichfalls die Hand. Von Woccat war er auch in Sachen Umgangsformen eingewiesen worden.
»Meister Faisean, Lanzenreiter aus Kidul – Hufschmied Obed.«
»Nur keine Umstände! Ich bin lediglich mitgekommen«, Faisean wehrte ab, »um einen Blick auf die Stute zu werfen. Ein Weg, der sich in der Tat gelohnt hat.«
Obed nickte dem Sturmmeister zu, kurz, um Celdarien danach beim Arm zu nehmen und ihm einen jener wurmstichigen Äpfel zu reichen, von denen er stets einige vorrätig hatte.
»Der Stachel sollte schnellstens gezogen werden. Kannst du sie beruhigen?«
»Mal sehen.«
Celdarien hielt sich lieber bedeckt. Er trat an die Stute heran, legte ihr die Hand auf den Hals und nahm Kontakt auf. Das arme Tier war vollkommen nassgeschwitzt. Es war auch kein gutes Zeichen, dass die Stute nervös mit den Ohren zuckte und sich bereits Fetzen eines stichigen Violetts schmerzhaft tief in ihre Aura eingenistet hatten. Der Stachel musste schon länger in der Fessel sitzen. Celdarien gab ihr den Apfel und wartete danach erst einmal ab, wie sich die Dinge entwickelten. Man konnte es nicht erzwingen.
–Vertrauen ist gut.–
Ein erstes fahles Türkis zeigte sich in ihrer Aura. Jetzt brauchte er es nur noch zu erwidern und kräftig in der Entwicklung zu unterstützen. Auch wenn das leichter gesagt als getan war. Kurz danach gesellte sich sogar ein zerzaustes Rosa hinzu.
–Hoffnung–, Celdarien half auch ihm auf die Sprünge, –ist noch besser.–
Die Farben der Stute machten nun schon einen deutlich besseren Eindruck. Celdarien gab Obed das Zeichen, die Arbeit aufzunehmen, um die Gedanken dann zu dem einen Bild driften zu lassen, das ihm stets vor den Augen erschien. Erneut sah er den Familientisch vor sich, die Pfeife in den Händen seines Vaters, die Stimme seiner Mutter, wie sie sprach, und auf den Beinen die frische Axt. Drei Kerzen hatten gebrannt, für jeden eine. Wie durch ein Wunder hatte er an jenem Abend den Erdrutsch überlebt, der sie alle verschüttet hatte. Seine Eltern hingegen nicht.
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Faisean war nicht in Eile. Er würde noch zusehen, wie Celdarien es anstellte, das nervöse Tier zu beruhigen. Immerhin hatte man ihn extra dafür gerufen. Eigentlich machte Woccats Geselle aber nichts Ungewöhnliches. Die Stute streicheln und ihr einen Apfel zum Fressen geben, mehr nicht. Dennoch beruhigte sich das Tier überraschend schnell, trat nicht aus und ließ den Hufschmied am Ende willig seine Arbeit verrichten.
Dem Sturmmeister fiel auf, dass Obed auf Celdariens Zeichen hin einfach mit seiner Arbeit anfing und sich nicht selbst noch einmal vergewisserte, ob das Pferd auch wirklich bereit war. Faisean begann nachzudenken. Dieses blinde Vertrauen in Woccats Gesellen. Warum …
–… gerade er?–
Sein Blick blieb auf Celdariens Rücken haften.
–Nur er könne die Stute beruhigen.–
Das waren die Worte des Laufburschen gewesen. Konnte es sein, dass seine eigene, seine lange Suche hier ihr Ziel gefunden hatte? Nach so vielen Jahren vergeblicher Nachforschungen? Jetzt, wo sich die Lebenskraft seines Körpers dem Ende zuneigte? Diesen letzten Versuch musste er wagen!
Schon ein halbes Jahr später kam der Tag, an dem sich der alte Sturmmeister zur Ruhe setzte und in allen Ehren vom Alumnat verabschiedet wurde. Faisean ließ sich aber nicht in Kidul nieder, wie man das allerseits erwartet hatte, sondern in einem Städtchen, das an der Spitze einer langgestreckten Landzunge lag. Dort suchte er sich eine bescheidene Hütte. Dabei half ihm der ansässigen Meister, ein alter Freund, den Faisean auch fragte, ob er ihm seinen Gesellen überlassen könne. Er brauche im Alter jemanden, der ihm zu Hand ginge.
Woccat war einverstanden, gerne, da Celdarien zu seinem Bedauern so oder so nicht bei ihm hätte bleiben können. Es hatte sich gezeigt, und das vertrug sich nicht mit den Pflichten eines Gesellen der Kongregation, dass der Junge erhebliche Schwierigkeiten hatte, Berichte zu lesen und niederzuschreiben.
Seit einigen Tagen wanderte Celdarien parallel zum südlichen Ufer des Frostwassers durch die Landen. Ein fruchtbarer Flecken Erde, der vom Frostwasser im Norden bis hinunter zur Tafelebene im Süden reichte. Felder und Wiesen gaben sich hier ihren Wechsel mit kleineren Waldflecken und Ortschaften. In den Landen gab es zudem reichlich Gelegenheit, sich das Abendessen zu verdienen und dafür mal hier einen Klafter Holz zu spalten oder dort einen Vorgarten umzugraben. Es war schon ein Vorteil, auf Wanderschaft ausreichend Zeit und eine Axt sein Eigen zu nennen. So oder so gab es nicht viel an diesem staubigen jungen Mann, das ungebührliche Aufmerksamkeit erregt hätte. Weder das halblange Haar, das etwas wirr eine nachdenkliche Stirn umrahmte, noch die leicht verträumten Augen, die zwar beständig suchend umherschweiften, dabei aber nie unhöflich lange auf dem Gegenüber haften blieben.
Rechts des Weges graste eine Anzahl Schafe unter der Aufsicht eines Hirten, den Celdarien mit der Hand grüßte. Nach den dazugehörigen Augenbrauen sprang Celdariens Blick zu dem Arbeitskleid einer jungen Frau, die samt Schürze, Korb und blonden Locken ein Stück weiter am Rand der Wiese stand. Zu ihren Füßen war ein kleines Mädchen dabei, sich einen Strauß Butterblumen zusammenzupflücken. Ein auffordernder Stups genügte aber, damit es sich aufrichtete und mit ihrem Blümchenstrauß behände den Weg entlang auf ihn zu hüpfte.
»Hast du was zum Nähen oder Stopfen?«
Das kam nicht ganz unerwartet.
»Richte deiner Mutter doch aus, dass mein Herz zwar voller Träume«, Celdarien beugte sich zu ihr, »mein Geldbeutel aber ebenso leer ist.«
Zwei sowieso schon große Augen wurden jetzt noch größer. Schließlich nahm das Mädchen die Beine in die Hände und rannte zurück.
»Desini!«
Es war ein Gebot der Höflichkeit, auch einer fremden Person einige Schritte entgegenzukommen. Was aber voraussetzte, dass man selbst nicht zu sehr abgelenkt war. Celdarien brauchte jedoch einen Moment zu lange, um die Augen von den Farben der Frau abzuwenden, die sich jetzt ihrerseits eine Strähne aus dem Gesicht strich und auf ihn zukam. Fast hätte er zudem vergessen, den Blick einmal über ihren Körper wandern zu lassen und so zu tun, als würden sich seine Augen eigentlich an etwas ganz anderem erfreuen. Bei seinem Schritt nach vorne übersah Celdarien dann auch prompt eine Wurzel, die am Straßenrand eigentlich nichts zu suchen hatte.
–Nicht schon wieder!–
Mit Situationen wie dieser kannte er sich zur Genüge aus. Am besten, man klagte gar nicht erst und machte, dass man zusammen mit dem Reisebündel einigermaßen würdevoll wieder auf die Beine kam. Dabei kam es Celdarien einen Moment lang so vor, als spiegelte sich das frische Blau des Forstwassers in ihrem linken und das zarte Grün der Wiese in ihrem rechten Auge. Immerhin lachte die Frau vor ihm nicht.
»Mein Name ist Desini. Die Jacke«, sie deutete auf die angerissene Seitentasche, »die bringen wir schon wieder in Ordnung. Ich kann sie flicken.«
»Celdarien aus Werna. Danke für das Angebot, das ich mir leider aber nicht leisten kann. Das Leben hat seine Tücken, wenn der eigene Geldbeutel beständig Bedenken äußert.«
»Das macht nichts. Geschichten von Reisenden aus fernen Ländern werden durchaus als Bezahlung angenommen.«
»Damit könnte ich dienen.«
Einige Stiche würden seiner Wanderjacke gewiss nicht schaden. Desini nahm sie entgegen und holte dann nach, was er vergessen hatte – die Taschen zu leeren. Anschließend klopfte sie den Staub aus. Um einen Verdienst war es ihr anscheinend gar nicht gegangen.
»Dieses Abzeichen …«
Sie unterbrach für das Wappen, das Celdarien noch immer auf dem Hemd aufgenäht trug.
»Es ähnelt einem Sturmwappen. Aber ohne den Bord und die Lanze in der Mitte. Welche Bedeutung hat es denn?«
»Es ist das Zeichen eines Gesellen eines Sturmmeisters.«
»Dann bist du im Auftrag deines Meisters unterwegs?«
Seine Schneiderin ließ sich auf der Wiese nieder, fischte ein Fadenbündel aus ihrem Korb und glich die Farbe ab. Celdarien setzte sich zu ihr.
»Nein. Faisean, mein Meister, er ist im Frühjahr am Alter verstorben.«
Was es nach zwei Jahren Gesellenzeit auch nicht leichter gemacht hatte.
»Der Glanz der Kristalle sei mit ihm. Er hat im Tod aber das gefunden, wonach er das Leben lang gesucht hatte.«
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Desini benutzte die Anstandspause, um die Aura des jungen Manns vor ihr zu betrachten, einen Faden aufzufädeln und sich die Ferne vorzustellen, in die Celdariens Gedanken in diesem Augenblick wie im Einklang mit sich selbst trieben. Ihrem Eindruck nach musste er zwei schöne Jahre bei jenem Meister verbracht haben, der sein Leben lang nach etwas gesucht hatte.
»Mein Mitgefühl. Und welches ist nun dein Ziel, wenn ich fragen darf?«
»Das Alumnat von Kidul. Die Annahmeprüfung findet zum Herbstanfang statt, das ist nicht mehr lang. Ich plane, Novize zu werden.«
»Davon«, sie hätte sich fast in den Finger gestochen, »habe ich noch nicht gehört. Was wird denn da geprüft?«
»Das weiß ich selbst nicht so genau. Faisean meinte, dass es untersagt sei, darüber zu sprechen. Er hat es auch nie getan.«
»Man muss sicherlich eine ganze Menge wissen. Können denn nur Gesellen Novizen werden?«
»Nein, das ist keine Voraussetzung. Das Vorwissen ist angeblich auch nicht wichtig, Lesen und Schreiben sollte man aber können. Das versteht sich.«
Was nicht das Problem wäre. War es am Ende einfacher, dem Alumnat beizutreten, als sie gedacht hatte? Ihr würde nicht viel Zeit für eine Entscheidung bleiben.
»Kommst du?«
Heliph bedachte Celdarien mit einem seiner argwöhnischen Blicke und begann dann, die Schafe zuerst zusammen- und danach zurückzutreiben. Wobei Nola natürlich das Schäferhündchen spielen musste. Jetzt …
–… oder nie?–
»Du wirst einen Platz zum Schlafen brauchen.«
Nach einem letzten Stich gab sie Celdarien die Jacke zurück.
»Unser Hof ist nicht weit. Sei doch heute Nacht unser Gast!«
Das Recht der Gastfreundschaft würde sich unerwartet schnell nützlich machen. Falls sie denn nur das Richtige tat.
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Ihre Eltern reagierten auf ihren Gast, wie Desini es vorhergesehen hatte; höflich, zuvorkommend und zugleich beliebig misstrauisch. Wollte sich die eigene Tochter etwa einen staubigen Gesellen als Ehemann fischen? Sowieso schien es da ein Missverständnis bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse gegeben zu haben. Jedenfalls demnach zu urteilen, wie Celdarien leicht verwirrt zu ihr hinüberblinzelte, als Nola ihrer Mutter in der Küche in die Arme sprang. Desini sagte aber nichts weiter, so alt war sie nun auch nicht.
Viel mehr als einige höfliche Bemerkungen über Wind und Wolken kamen beim Abendessen anfänglich nicht zustande. Das änderte sich aber, als Celdarien anfing, von der Pferdegasse in Werna zu erzählen, von den Arbeiten des Wagners, des Hufschmieds und der anderen Gewerbe. Jetzt hatte er das Interesse aller. Desini wurde hingegen stiller und stiller. Der Abend nahm seinen Lauf, bis sie sich die Worte am Ende dreimal im Kopf zurechtgelegt hatte und nichts anderes mehr tun konnte, als auf eine Pause zu warten.
–Jetzt?–
»Vater!«
Fast hätte sie den Moment noch verpasst.
»Seit meinem Unfall sind mir einige Dinge durch den Kopf gegangen. Ich weiß jetzt, dass ich mehr von den Geheimnissen der Welt erfahren und dafür dem Alumnat von Kidul beizutreten möchte.«
Ihre Mutter schrie unterdrückt auf, damit hatte Desini schon fast gerechnet, stürzte zum Herd und begann, aufgeregt zu hantieren. Esmit hielt es gleichermaßen nicht am Tisch. Er murmelte noch etwas von Stall und Nachsehen, um Nola dann am Handgelenk zu packen und mit ihr die Wohnstube schneller als je zuvor zu verlassen.
»Celdarien hat zufälligerweise das gleiche Ziel. Das ist eine Gelegenheit. Ich möchte ihn daher bitten, mich als seine Reisebegleiterin mitzunehmen.«
Heliphs Faust prallte auf den Tisch.
»Habe ich es doch gleich gewusst«, es klirrte, »dieser Landstreicher will sich doch nur an Desini ranmachen!«
Er brüllte, langte hinter sich und griff nach seinem Hirtenstock.
»Hat sich sogar vor ihr auf den Boden geworfen. Raus!«
»Ruhe!«
Desinis Vater donnerte, ebenfalls.
»Das kann nur ein Missverständnis sein. Unser Gast wird uns jetzt erklären, wie es dazu kommen konnte.«
Bei alledem waren dunkelbraune Wolken von einer furchteinflößenden Intensität in Heliphs Aura aufgezogen. Desinis Magen verknotete sich. Es kostete sie, bis sie Heliphs Farben ignorieren und Celdarien einen entschuldigenden Blick zuwerfen konnte. Er hätte nicht mit abwehrenden Händen aufzustehen gebraucht.
»Es ist ja nur ein Versuch, Vater. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich die Annahmeprüfung gar nicht bestehen und bin dann in nicht einmal zwei Monden wieder da.«
Desini unterbrach, da sich nun auch in Celdariens Farben Andeutungen dunkler Flecken zeigten. Hoffentlich wurde es jetzt nicht zwischen ihm und Heliph ernst! Sie überlegte noch, wie sie die Situation entschärfen konnte, als die Aura ihres Bruders ohne Vorwarnung derart rasant in sich zusammenbrach, dass vom ursprünglichen Gespinst lediglich ein trübes Grau übrig blieb. Ruckartig donnerte er seinen Stab auf den Tisch.
»Rattendreck, soll sie doch machen, was sie will!«
Es knallte, dann hatte auch Heliph den Raum verlassen. Desini war perplex. Was war da eben geschehen?
»Kind«, ihre Mutter setzte sich neben sie.
»Das kannst du doch nicht machen. Du brauchst doch nicht gleich davonzulaufen, wenn du deinen Weg nicht klar vor dir siehst.«
Desini wusste sich nicht zu erklären. Jetzt von den Farben anzufangen, würde dem hellen Gelb in der Aura ihrer Mutter auch nicht helfen. Wo Worte keinen Weg fanden, so sagte man, …
–… da konnten Gefühle beizeiten einen Pfad aufzeigen.–
Es ging schon besser, als sie die Hand ihrer Mutter in die ihre nahm.
Derweilen ritzte ihr Vater gedankenverloren mit einem Messer in der Tischplatte. Desini hätte nicht sagen können, was in ihm vorging, zu viele Farben zeigten sich in seiner Aura, erstarkten und zogen sich erneut zurück. Die Kerbe wurde tiefer, bis sie schließlich das frische Holz erreichte, der innere Kampf ihres Vaters zur Ruhe kam und seine Aura ein dunstiges Gelb annahm. Desini seufzte, bemerkte dann aber, wie sich ein dunkles Türkis hinter den gelblichen Schleier schob. Was das bedeuten mochte?
»Ich möchte alles über das Alumnat erfahren. Welche Aufgaben haben Novizen?«
Desinis Vater bedeutete dem Gesellen aus Werna, sich wieder zu setzen.
»So nennt man doch die Schüler dort?«
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Am nächsten Tag ging jeder seiner Beschäftigung nach. Heliph zog mit seinen Schafen noch vor dem Morgengrauen los, während sich Esmit gleich nach dem Frühstück in den Stall zurückzog. Celdarien hatte für sich kein Problem darin gesehen, mit Desini weiterzureisen, einen Tag Pause einzulegen und sich inzwischen nützlich zu machen. So kam es, dass die rhythmischen Schläge seiner Axt den Morgen über die Vorbereitungen von Mutter und Tochter für ihren Aufbruch begleiteten.
–Einen Tag, das eigene Leben hinter sich zu lassen, …–
Allmählich wurde sich Desini der Tragweite ihrer Entscheidung bewusst.
–… das ist verdammt wenig!–
Ihr Reisebündel wurde vielmals gepackt, erneut aufgerollt, sein Inhalt unzählige Male überprüft und kritisch begutachtet. Wobei sich erhitzte Diskussionen über essentielle Dinge ergaben. Wie konnte man auch wissen, ob Ersatzknöpfe oder eine zweite Überdecke unabdingbar waren?
Am Ende des Vormittags verlagerten Mutter und Tochter ihre Diskussionen in das Schlafzimmer der Eltern, wo Desinis Mutter einen eingeschlagenen Bund Leder aus den Tiefen ihrer Hochzeitstruhe zutage förderte. Zu Desinis Überraschung enthielt das Bündel zwei erlesene Dolche, die einander wie eineiige Zwillinge glichen. Nie zuvor hatte sie Klingen gesehen, die wie diese zur Mitte hin zunächst leicht auseinanderliefen, um sich zur Spitze hin wieder elegant zu verjüngen.
»Es sind Erbstücke aus den Zeiten unserer Ahnen. Das Heim sei sicher, so heißt es, solange die Dolche glänzen, Gewalt und Verderben würden sie fernhalten. Vielleicht gilt das ja auch für den Träger. Ich habe sie von der Mutter deines Vaters geerbt, die Kristalle seien ihr gnädig, und sie von ihrer Mutter. Du wirst sie besser gebrauchen können.«
»Aber Mutter!«
Dieses Geheimnis war gut gehütet worden.
»Ich habe doch nie gelernt, einen Dolch zu führen!«
»Vielleicht brauchst du das gar nicht. Vielleicht tun sie ihre Wirkung ja auch, wenn du sie nur bei dir trägst.«
Das klang entschieden nach Aberglauben. Darüber wollte sich Desini aber nicht am Tag des Abschieds mit ihrer Mutter streiten. Vorsichtig nahm sie eine der Klingen von ihrer Mutter entgegen. Eine silbrige Verzierung umwand den Griff in einer Spirale.
»Celdarien meinte, dass Novizen auch an Waffen unterwiesen werden.«
Sie entschied, die Dolche mitzunehmen.
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Zur Mittagszeit verabschiedete sich ihre Mutter in Richtung Küche. Desini machte den Fehler, auf ihrem Reisebündel sitzenzubleiben und nicht die vielen Zweifel wegzuscheuchen, die urplötzlich in ihrem Kopf auftauchten. Wie hartnäckig sie von ihr verlangten, zu bleiben! Es dauerte denn auch, bevor jenes Kribbeln im Bauch wieder die Oberhand gewann, sie aufstehen und sich auf den Weg zum Hof machen konnte.
In der Tür nahm sich Desini die Zeit, noch einmal stehenzubleiben und ihr zukünftiger Reisebegleiter beim Holz spalten zuzusehen. Celdarien schien ganz in seinem Element zu sein, wenn sich seine Muskeln rhythmisch unter dem Hemd bewegten, die Axt niederdonnerte, zwei Scheite links und rechts beiseite fegten, diese fein säuberlich landeten und zielstrebig zwei je schon stattliche Haufen vergrößerten.
Seltsam, was das Holz da machte. Bei Esmit würde das Spaltholz im halben Hof herumfliegen und sich nicht eigenständig auf zwei ordentliche Stapel sortieren. So hatte Desini das nie erlebt. Ein Blitz? Verwirrt bemerkte sie ein silbriges Leuchten, das sich um einen der Scheite wand. Sie musste sich in den Flur zurückziehen und an die Wand lehnen. In Desinis Kopf kreiste es. Um Antworten zu suchen, dafür würde sie morgen das Haus ihrer Kindheit verlassen.
–Werde ich womöglich …–
… nur auf neue Fragen treffen? Plötzlich war sie sich da nicht mehr sicher. Mit einen Ruck trat sie am Ende in die Sonne hinaus.
»Celdarien, meine Mutter ist eine gute Köchin! Wir können essen.«
Sie trat näher, begutachtete die Stapel mit dem gespaltenen Holz und nickte dann anerkennend.
»Alle Achtung, du arbeitest schneller als Esmit. Vielleicht kannst du ihm den einen oder anderen Kniff zeigen.«
»Vermutlich nur eine Frage der Übung. Was aber die Kochkünste deiner Mutter angeht, die haben durchaus schon das ihrige getan, sich verführerisch anzukündigen!«
Desini musste lächeln, als Celdarien so tat, als würde er in der Luft schnuppern. Sie hatte noch etwas nachzuholen.
»Ich möchte mich für gestern Abend entschuldigen. Es war unhöflich von mir, dich nicht in meine Pläne einzuweihen. Vielleicht kann ich das eines Tages ja wieder gutmachen.«
»Schon fast vergessen«, er winkte ab.
»Es gibt genug in der Welt zu sehen, dass es auch locker für vier Augen reicht.«
»Dann werde ich meine ja mal offen halten!«
Desini lachte. Sie verschwieg aber lieber, dass ihrer Erfahrung nach nicht alle Augen das Gleiche sahen.
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Tags darauf war es dann soweit – sie brachen auf! Am schwierigsten wurde es für Nola, die das alles nicht verstand. In Windeseile hatte sie mit ihren Tränen den Rock ihrer Mutter durchnässt. Celdarien hatte jedoch eine Überraschung parat. Er ging vor dem kleinen Mädchen in die Hocke, zog aus einer seiner vielen Taschen eine kleine rosa Muschel hervor und überreichte sie Nola
»Wo ich herkomme, da findet man Muscheln wie diese am Strand. Da, wo das Meer rauscht und die Wellen mit dem Sand spielen. Bewahre sie gut auf und wenn deine Schwester eines Tages zurückkommt, dann wirst du ein besonderes Andenken für sie haben.«
Seelies Gedanken waren zu ihren drei niedlichen Doggen abgedriftet. Sicherlich lagen die Welpen jetzt zusammengerollt in ihrem ausstaffierten Körbchen und dösten. Wann sie wohl die Augen öffnen würden? Eine Woche war seit der feierlichen Zeremonie vergangen, bei der ihr ältester Bruder sein Erbrecht erhalten hatte. Neben Seelie waren auch ihre beiden anderen Brüder reich beschenkt worden.
Artemas, der Zweitälteste, hatte ein eigenes Atelier samt einem imposanten Quader aus dunklem Marmor erhalten. Darüber hinaus war es ihm erlaubt worden, vollständig seiner Bildhauerei nachzugehen. Keine anderen Verpflichtungen! Nicht wie Seelie, die sich jeden Vormittag pünktlich für ihre Unterweisungen im Audienzsaal einzufinden hatte. Was der Preis dafür war, dass sie zwar die Jüngste, als einzige und älteste Tochter aber die Zweite in der Erbfolge war. Manchmal würde aber auch Tansalis am Unterricht teilnehmen. Als jüngster der drei Brüder war er der Vierte in der Erbfolge. Hinter Intrepian, ihr selbst und Artemas. Er hatte sein Geschenk vor sich auf dem Tisch liegen: ein Schwert mit einer eindrucksvoll glänzenden Klinge und einer Miniatur, die in den Griff eingraviert worden war. Es würde ihm perfekt in der Hand liegen.
Ob sie sich auch für eine Waffe entscheiden sollte?
»Heute werden wir uns«, ihr Lehrmeister runzelte die Stirn, »nochmals mit Königin Lachesis befassen.«
Immerhin ihr Lieblingsthema. Mit einem letzten Gedanken an eine Waffe wachte Seelie aus ihren Träumereien auf.
»Von den Kristallkriegen habe ich dir ja bereits erzählt. Du wirst dich erinnern, wie deine Ahnherrin diese beendet hat. Dass Lachesis damals zugestanden hatte, die Macht der Kristalle fortan nur für zivile Zwecke einzusetzen.«
»War es nicht so«, das war die letzte Stunde drangekommen, »dass der Friede mit dem Bau der Brücke der Tausend Kristalle besiegelt wurde? Die gibt es doch immer noch, oder?«
»Richtig. Jahrhunderte sind vergangen und dennoch überspannt Lachesis’ Werk auch heute noch die Tafelschlucht.«
Ihr Lehrer gab ihr einen Fingerzeig. Wie stets würde er ihr nebenbei erklären, was gerade auf der anderen Seite des Saals bei der Audienz vor sich ging.
»Die Anfrage des Grafen Miskin wurde behandelt und von der Krone an den Fürsten von Legash weitergeleitet. Ein Teil seiner Grafschaft steht nach der ungewöhnlich starken Frühlingsschwemme des östlichen Tridents weiterhin unter Wasser.«
Seelie blickte zu ihrem Vater, der die Audienz von einem leicht erhöhten Sessel aus abhielt. Wie immer würde er sich dabei mit Intrepian besprechen. Nach dem Grafen trat ein Mann in einem erlesenen Gewand vor, der, dem Teint nach zu urteilen, aus der Fremde stammen musste. Bei dem Mädchen an seiner Seite tippte Seelie auf die Tochter.
An ihr war alles ungewöhnlich. Das salzblonde, fast glitzernde Haar, das Stirnband und dazu ihre Tracht. Sie trug ein tiefgrünes Wams zu Hosen, wie sonst nur bei Jägern üblich, und keine Mädchenkleidung! Dabei war sie auch erst in Tansalis’ Alter. Seelie winkte ihr zu. Es gab ein kurzes Hin und Her, bis die junge Jägerin Seelie bemerkt, sich mit ihrem Vater abgesprochen und zu Seelies Tisch gekommen war.
»Darf ich bekanntmachen, Seelie und Tansalis aus Thinis. Mit wem«, der königliche Lehrmeister stellte sie einander vor, »hätten wir es zu tun?«
»Acalia«, sie verbeugte sich.
»Wir kommen aus Bocah, der Stadt auf den Kindern des Meeres. Mein Vater hegt die Hoffnung, nach Thinis überzusiedeln.«
