Make Me Fall - Ember Leigh - E-Book
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Make Me Fall E-Book

Ember Leigh

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Beschreibung

Für sie galt immer nur eine Regel: Halte dich von den Daly-Brüdern fern

Connor und Kinsley wurden dazu erzogen, einander zu misstrauen, aber so richtig kann sich Kinsley nicht gegen seine Anziehungskraft wehren. Als sie in San Diego feststellt, dass die beiden in derselben Firma arbeiten, ist das Herzklopfen sofort zurück. Doch was sollte ausgerechnet Connor Daly – erfolgreich, durchtrainiert und wahnsinnig gutaussehend – an einer unscheinbaren Mittzwanzigerin in der Quarterlife-Crisis finden?

Eines Abends in der Bar kommt jedoch eines zum anderen, und er macht er ihr ein Angebot, was sie nicht ablehnen kann: Sie soll ihn nach Bayshore begleiten und sich dort vor seiner Familie als seine Freundin ausgeben. Klingt einfach, doch kann sie diesen blauen Augen wirklich widerstehen? Schnell verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was echt und was fake ist ...

»Make me Fall« ist der zweite Teil der Bayshore-Reihe um die Daly Brüder. Alle Teile können unabhängig voneinander gelesen werden.

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Seitenzahl: 329

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Für sie galt immer nur eine Regel: Halte dich von den Daly-Brüdern fern

Connor und Kinsley wurden dazu erzogen, einander zu misstrauen, aber so richtig kann sich Kinsley nicht gegen seine Anziehungskraft wehren. Als sie in San Diego feststellt, dass die beiden in derselben Firma arbeiten, ist das Herzklopfen sofort zurück. Doch was sollte ausgerechnet Connor Daly – erfolgreich, durchtrainiert und wahnsinnig gutaussehend – an einer unscheinbaren Mittzwanzigerin in der Quarterlife-Crisis finden?

Eines Abends in der Bar kommt jedoch eines zum anderen, und er macht er ihr ein Angebot, was sie nicht ablehnen kann: Sie soll ihn nach Bayshore begleiten und sich dort vor seiner Familie als seine Freundin ausgeben. Klingt einfach, doch kann sie diesen blauen Augen wirklich widerstehen? Schnell verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was echt und was fake ist ...

»Make me Fall« ist der zweite Teil der Bayshore-Reihe um die Daly Brüder. Alle Teile können unabhängig voneinander gelesen werden.

Über Ember Leigh

Ember Leigh stammt aus dem nördlichen Ohio und lebt derzeit mit ihrem argentinischen Ehemann und zwei Kindern in der Nähe des Eriesees, wo sie einen argentinisch-amerikanischen Food Truck betreiben.

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Ember Leigh

Make Me Fall

Aus dem Amerikanischen von Michelle Landau

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

Newsletter

Kapitel 1 — KINSLEY

Kapitel 2 — CONNOR

Kapitel 3 — KINSLEY

Kapitel 4 — CONNOR

Kapitel 5 — KINSLEY

Kapitel 6 — CONNOR

Kapitel 7 — KINSLEY

Kapitel 8 — KINSLEY

Kapitel 9 — CONNOR

Kapitel 10 — CONNOR

Kapitel 11 — KINSLEY

Kapitel 12 — CONNOR

Kapitel 13 — KINSLEY

Kapitel 14 — CONNOR

Kapitel 15 — KINSLEY

Kapitel 16 — CONNOR

Kapitel 17 — KINSLEY

Kapitel 18 — KINSLEY

Kapitel 19 — CONNOR

Kapitel 20 — KINSLEY

Kapitel 21 — CONNOR

Kapitel 22 — KINSLEY

Kapitel 23 — CONNOR

Kapitel 24 — KINSLEY

Kapitel 25 — KINSLEY

Kapitel 26 — CONNOR

Kapitel 27 — CONNOR

Kapitel 28 — KINSLEY

Kapitel 29 — KINSLEY

Kapitel 30 — CONNOR

Kapitel 31 — KINSLEY

Kapitel 32 — CONNOR

EPILOG

ANMERKUNGEN DER AUTORIN

Impressum

Kapitel 1

KINSLEY

»Ist das dein Ernst? Ohne Ausweis keine Chance.«

Der warnend harsche Tonfall des Barkeepers lässt mich mit den Zähnen knirschen. Er tut gerade so, als wäre ich eine Sechzehnjährige, die sich in eine Bar schleicht, um reihenweise RumChata-Shots runterzukippen.

Aber da liegt er falsch. Ich bin eine Fünfundzwanzigjährige, die vollkommen legal auf der Suche nach ein paar Shots RumChata ist, weil ich mir das nach einer Arbeitswoche redlich verdient habe.

»Moment.« Ich greife nach meiner Tasche, die zugegebenermaßen auch aussieht wie etwas, das eine Sechzehnjährige sich kauft, um erwachsener zu wirken. Ich habe sie aus dem Secondhandladen bei mir um die Ecke, der sich auf vergessene Artefakte aus den Achtzigern spezialisiert hat. Der überdimensionierte Perlenverschluss schnappt auf und klappert auf den Tresen wie ein billiges Feuerwerk.

Ich werde oft nach meinem Ausweis gefragt, man sollte also meinen, ich wäre inzwischen daran gewöhnt, mein Alter zu beweisen. Aber nein. Heute habe ich echt die Nase voll davon.

Mein Ausweis weigert sich, aus der kleinen Plastikhülle an meinem Geldbeutel zu kommen, der zudem ein ganzes Fach nur für Schecks hat. Da ich nie Schecks mit mir rumtrage, habe ich das Fach mit interessanten Visitenkarten gefüllt. Eine davon flattert jetzt heraus – von einem witzigen Sex-Shop, den ich vor Kurzem entdeckt habe, Spankin’ Trails. Das macht keinen guten Eindruck, ist mir schon klar.

»Da.« Ich schiebe dem Barkeeper meinen ganzen Geldbeutel rüber, und er mustert ihn, als hätte er noch nie in seinem Leben einen Ausweis gesehen.

»Die Fälschungen heutzutage sind echt überzeugend«, murmelt er, bevor er den Geldbeutel zurückschiebt. »Du sieht keinen Tag älter aus als zwölf.«

Schnaubend verdrehe ich die Augen. »Komm schon. Ja, ich sehe jung aus, aber doch nicht vorpubertär, um Himmels willen. Gib mir endlich meinen RumChata, Alter.«

Während er davonstapft, um meinen Drink zuzubereiten, sieht er mich immer wieder aus dem Augenwinkel an, als wolle er herausfinden, was ich vorhabe. Aber das hier ist kein Spiel. Das ist einfach hundert Prozent Kinsley: tollpatschig, schlaksig, milchgesichtig.

Seufzend lasse ich mich auf dem hochlehnigen Barhocker zurücksinken. Ich bin aus einem einzigen Grund hierhergekommen – um meinen höllischen Job zu vergessen –, aber jetzt wurde ich wieder schmerzhaft daran erinnert, wie höllisch mein Leben außerhalb der Arbeit ist.

Ich lebe seit knapp acht Jahren an der Westküste. Seit ich Bayshore mit achtzehn verlassen habe, um an der UCLA zu studieren, habe ich die kalifornische Seite meiner Ohio-basierten DNA weiterentwickelt. Eigentlich hat alles ziemlich gut angefangen. Das Unileben war wild und hat Spaß gemacht. Ich habe meinen Abschluss geschafft und einen tollen Job gefunden. Aber dann … ist alles den Bach runtergegangen. Meine Miete ist explodiert, einfach weil #SanDiego. Und dann habe ich realisiert, dass der Rest meiner Generation in einem anderen Universum zu reifen scheint. Im Vergleich zu meinem schlichten, ungetuschten Gesicht aus dem mittleren Westen sehen meine perfekt geschminkten Altersgenossinnen aus wie wunderschöne Aliens. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit ihnen mithalten soll, und bin mir auch gar nicht sicher, ob ich das überhaupt will. Zu allem Überfluss hat sich der einzige Mann, mit dem ich jemals ausgegangen bin, als nur unmerklich besser herausgestellt als all die Psychos in diesen True-Crime-Sendungen.

Wie ist es möglich, dass ich mit fünfundzwanzig schon so verloren bin wie ein Achtzigjähriger mit einem iPhone? Diese ganzen inspirierenden Posts mit Sprüchen wie Lebe dein Leben aufrichtig und Sei dein authentisches Selbst gehen mir einfach nur auf die Nerven. Wie kann ich aufrichtig und authentisch sein und gleichzeitig genug verdienen, um meine Miete zu bezahlen?

Tja, das nennt man wohl eine Quarter-Life-Crisis.

Großartig.

Um mich herum surren leise Stimmen. Diese Bar ist die erste, die man von meinem Arbeitsplatz aus erreicht, deswegen war ich schon ein paarmal hier. Diesen Muskelprotz von Barkeeper habe ich allerdings noch nie gesehen. Er muss neu sein. Der Laden ist schick, mit edlen Holzböden und Spiegeln an den Wänden. Damit alle sehen können, wie reich und mächtig sie sind, während sie den süßen Nektar schlürfen, der sie – uns – von ihren furchtbaren Jobs ablenkt.

Wenn das mal nicht die Definition von #adulting ist.

Endlich kommt Muskelprotz mit meinem RumChata zurück – vielen Dank auch. Ich nippe schweigend daran, während sich meine Schultern allmählich etwas entspannen. Ach ja, was für ein Leben. Ich bringe mich dazu, meinen erdrückenden Job zu vergessen, bevor ich nach Hause gehe, allein, in mein überteuertes Apartment und mein nicht existentes Sozialleben.

Mit einem Ausbruch von Floskeln und Schulterklopfen löst sich eine Runde an einem Tisch in der Nähe auf, alles Geschäftsmänner. Die waren schon hier, als ich ankam, doch als sie jetzt aufstehen, fällt mir einer der Bürohaie ins Auge.

Er hat breite Schultern, und nicht einmal sein graues Hemd kann verbergen, wie trainiert er ist. Als er sich in meine Richtung dreht, mit Lachgrübchen im Gesicht, stockt mir der Atem.

Ich kenne ihn.

Das ist Connor Daly! Diese blonde, durchtrainierte Sahneschnitte von Mann, der bei derselben Firma arbeitet wie ich. Einer der berüchtigten Daly-Brüder von zu Hause. Der Mann, der die Sechzehnjährige in mir verzückt aufkreischen lässt.

Statt mit dem Rest seiner Gruppe zu gehen, kommt Connor auf die Bartheke zu. Das Lächeln verschwindet aus seinem markanten Gesicht, und etwas Raues, Wundes nimmt seinen Platz ein. Vermutlich hat er meinen Blick noch nicht bemerkt. Ich verschmelze perfekt mit jedem Achtzigerjahre-Hintergrund und den meisten Bars. Er lässt sich auf einem Hocker etwa fünf Plätze von mir entfernt nieder, und ich kann meinen Blick immer noch nicht von ihm losreißen. Der Barkeeper bedient ihn sofort, natürlich ohne nach einem Ausweis zu fragen, und kurz darauf stehen drei Shotgläser vor Connor.

Jetzt bin ich wirklich neugierig. Connor war immer der Sonnyboy, schon damals in der Schule. Auch wenn wir nicht allzu viel Kontakt hatten, weil er ein Jahr über mir war, kann ich sehen, dass sich daran nichts geändert hat. Damals habe ich für ihn geschwärmt, weil er gutmütige Reden darüber gehalten hat, dass man nicht betrunken Auto fahren sollte. Heute schmachte ich ihn an, weil er einer der erfolgreichsten Entwickler unserer Firma ist.

Er ext einen Shot. Dann noch einen. Nachdem er auch den dritten runtergekippt hat, kann ich meiner Neugier nicht länger widerstehen. Ich schnappe mir meine Tasche und gehe auf ihn zu.

Er scheint mich immer nicht zu bemerken. Das ist nichts Neues. Niemand bemerkt mich. Schon seit der Uni nicht mehr. Das Motto meines erwachsenen Lebens: kein Mädchen mehr, aber auch keine Frau. Ich habe keine Ahnung, was für einen geheimen Code all die anderen Frauen bekommen haben, aber mein Paket ist nie angekommen, obwohl ich es mit Expresslieferung bestellt habe.

Ich räuspere mich, als ich wieder Platz nehme, und winke dem Barkeeper zu. Einen Moment später steht er vor mir.

»Noch einen RumChata, bitte.« Ich halte kurz inne, werfe Connor einen Blick zu. »Und noch zwei von was auch immer er hatte.«

Schnaubend richtet Connor seinen unfokussierten Blick auf mich. Er hat die gleichen strahlend blauen Augen wie seine Brüder, die Art Blau, die den meisten Leuten hier einen Job als Model einbringen würde. Es tut beinahe weh, seinem Blick zu begegnen. Sein gutes Aussehen ist unheilvoll. Als würde er mir das Herz brechen, auch wenn das unmöglich ist. Denn Connor könnte niemals mit jemandem wie mir zusammen sein.

Woher ich das weiß? Weil er mit meiner Chefin liiert ist. Und diese fiese Hexe ist das genaue Gegenteil von mir. Die wissenschaftliche Schlussfolgerung ist also, dass er nicht an jemandem wie mir interessiert sein kann.

»Lädst du mich etwa auf einen Drink ein?«, fragt er, und der Geruch von Rum dringt an meine Nase.

Ich zucke mit den Schultern. »Sieht so aus, als würdest du wegen irgendetwas Trübsal blasen. Genau wie ich. Wieso also nicht gemeinsam Trübsal blasen?«

Mein Herz rast. Es kostet mich jede Menge Anstrengung, so entspannt zu klingen. Aber vielleicht ist das hier der Beginn meines neuen Lebenswegs als echte Frau. Indem ich ein Gespräch mit einem miesepetrigen Kollegen und ehemaligem Schwarm anfange. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Connor und ich in unserem Leben kaum mehr als dreißig Worte miteinander gewechselt haben, aber das ist egal. Ich bin hier, um diese Summe auf mindestens vierzig zu erhöhen.

Connor stößt ein tiefes, lang gezogenes Seufzen aus. »Meine Großmutter ist gestorben.«

Ich verziehe das Gesicht. »Oh, Mist. Das tut mir wirklich leid.« Ich kneife mir in die Nasenwurzel, durchforste mein Gedächtnis nach ihrem Namen. Viel weiß ich nicht über die Dalys, eigentlich nur das Folgende: Jeder der Brüder ist absurd attraktiv, und jeder der Brüder ist absolut tabu.

Meine Eltern haben sich vor Ewigkeiten mit Connors Eltern zerstritten, und niemand hat dem anderen je verzeihen. Ich bin mit dem Wissen aufgewachsen, dass die Dalys ein übler Haufen sind, ohne jemals zu erfahren, wieso. Aber das ist jetzt egal. Wir sind in San Diego. Meine Eltern können mich nicht sehen, außer ich starte aus Versehen einen Videoanruf – was mir tatsächlich mal passiert ist, als ich gerade wild mit einem Typ rumgeknutscht habe. Ich kann mich mit dem Teufel verbrüdern, wenn ich das will. Vor allem, wenn er aussieht wie die Mischung aus einem Abercrombie-Model und einem Software-Nerd.

»Sie war schwer dement.« Connors Stimme klingt erstickt, als müsse er gegen seine Emotionen ankämpfen.

Mit einem Stirnrunzeln rutsche ich näher zu ihm, widerstehe aber dem Drang, ihn zu berühren. »Das ist hart«, sage ich. »Hast du gerade erst davon erfahren?«

Er schüttelt den Kopf. »Heute Nachmittag während der Arbeit, aber direkt danach musste ich in ein Meeting.«

»Ah. Also ist es noch … frisch.«

Muskelprotz kehrt mit unseren Getränken zurück, eines der Shotgläser schiebe ich sofort zu Connor rüber. Mein eigenes hebe ich hoch und sehe ihn fragend an: Bereit? Er nickt und greift ebenfalls nach seinem Glas.

Dann begegnet er meinem Blick. Die Elektrizität seiner blauen Augen lässt nicht nur Funken fliegen, sie brennt meine Knochen zu Asche. Meine Arme werden heiß, und ich frage mich, ob er das auch spürt. Aber vielleicht ist das auch nur meine unerfüllte Teenager-Schwärmerei, die wieder an die Oberfläche kommt.

Wir kippen den Alkohol runter und ziehen beide eine Grimasse. Kaum hat er sein Glas schwungvoll zurück auf die Theke geknallt, greift er sich mit einer Hand in die Haare.

»Ich muss zurück nach Bayshore.«

Ich nicke, während ich die dunkelblonden Härchen in seinem Nacken betrachte. »Ich war seit Ewigkeiten nicht mehr dort.«

Wie sieht dieser Mann wohl unter seinem Businessoutfit aus? Einmal habe ich ihn mit drei offenen Hemdsknöpfen gesehen, aber normalerweise sind es nur zwei. Nicht, dass ich darüber Liste führen würde oder so. Zumindest nicht mehr.

Er blinzelt ein paarmal, bevor er mich wieder direkt ansieht. Etwas brodelt in seinen Augen, doch ich kann seinem Blick nicht lange genug standhalten, um herauszufinden, was es ist.

Er schnaubt, bevor er den Arm ausstreckt und ihn um meine Schultern legt. Er zieht mich an sich, in eine Art seitliche Umarmung.

»Mein Bayshore-Kumpel«, gurrt er. Als er meine Schulter noch einmal drückt, prickelt Hitze zwischen meinen Beinen. Zu gern würde ich so tun, als wäre das eine romantische Umarmung, aber das ist es nicht. Er packt mich, als wäre ich ein alter Bekannter, den er seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Ich lache nervös, und er beugt sich vor, fixiert mich mit seinem Blick.

Als er den Mund öffnet, um etwas zu sagen, erreichen mich die scharfen Rumdämpfe noch vor seinen Worten. »Du solltest mitkommen.«

Kapitel 2

CONNOR

Okay, ich bin betrunken.

Aber das heißt nicht, dass ich nicht weiß, was ich tue.

Ich weiß ganz genau, was ich tue. Ich sitze todtraurig in dieser Bar, weil meine Oma gestorben ist, und kämpfe gegen die Verbitterung an, während meine Gedanken um die eine Sache kreisen, über die ich nicht wirklich nachdenken will, nämlich, dass ich die letzten sechs Monate ein absoluter Vollidiot war.

Mein Idiotendasein hat übrigens nichts mit meiner Oma zu tun. Sie ist superlieb. War superlieb. Verdammt, diese Vergangenheitsform macht mich fertig. Da ich mich den ganzen Tag nicht damit auseinandersetzen konnte, brodelt die Trauer jetzt in mir hoch wie einer dieser Natronvulkane, die wir in der Schule gebastelt haben. Sie läuft über, hinterlässt absolutes Chaos. Zugegeben, der Rum macht es nicht gerade besser. Aber dafür sind Bewältigungsstrategien schließlich da, um auf die ungünstigste Art zu helfen.

Rum + Oma = dieser lächerliche Vorschlag, den ich gerade gemacht habe.

Ich weiß nicht mal, wie dieses Mädchen heißt. Ich weiß nur, dass wir zwölf Jahre lang in dieselbe Schule gegangen sind und jetzt dank irgendeines absurden Zufalls am anderen Ende des Landes für dieselbe Firma arbeiten. Normalerweise weiß ich, wie sie heißt – ehrlich. Aber heute Abend hat der Rum ihren Namen geklaut.

»Hör zu«, sage ich, als ihre Augen groß wie Untertassen werden. Ich lalle nicht, deswegen ist mir nicht ganz klar, wieso sie mich so verständnislos anstarrt. »Es ist gut, ab und zu nach Bayshore zurückzukehren.«

Sie runzelt die Stirn. »Ich habe momentan nicht das Geld für einen Heimatbesuch.«

Die Sache ist die: Mein Vorschlag ist nicht nur lächerlich, er ist verzweifelt. Aber das muss sie nicht wissen.

»Für die Flüge?«

Sie nickt. »Ich habe mir gerade erst ein neues Auto gekauft. Na ja, ein gebrauchtes Auto. Aber für mich ist es neu. Deswegen habe ich jetzt nichts mehr übrig, um mir Flugtickets zu kaufen.«

Ich mustere sie, während sie auf ihrer Lippe kaut und an der Serviette unter ihrem Glas zupft. Sie hat glänzendes rotblondes Haar, wie dem Titelblatt eines Surfmagazins entsprungen. Es ist zu einem ungewöhnlich langen Zopf geflochten, so lang, dass ich einfach nicht widerstehen kann, nach der Spitze zu greifen. Ich ziehe den Zopf etwas von ihrem Körper weg, betrachte die Länge.

»Das muss ja fast ein Meter sein.«

Sie sackt etwas in sich zusammen. »Sechzig Zentimeter.«

Ich schwenke die Zopfspitze vor und zurück, und sie versteckt ihren Mund hinter einer Hand. Als würde ihr das vielleicht gefallen. Meine Gedanken driften in absurde Gefilde ab – Zopfenden als erogene Zonen –, und ich schnaube.

»Was?«

»Nichts.« Ich lasse ihren Zopf los und drehe mich auf meinem Barhocker, um mich ihr mehr zuzuwenden. Sie rührt sich nicht, bleibt weiterhin dem Tresen zugewandt, doch die aufsteigende Röte in ihrem Gesicht verrät mir, dass sie sich meiner Aufmerksamkeit durchaus bewusst ist.

Ich habe sie noch nie so intensiv angesehen. Habe noch nie so viel mit ihr gesprochen. Sie ist die Art Mädchen, die immer im Schatten bleibt, entweder weil sie übersehen wird oder weil sie es selbst so will. Kurz gesagt, sie ist unauffällig. Eine hoch sitzende Hose, eine sehr züchtige Bluse. Es ist unmöglich zu sagen, was für eine Figur sich darunter verbirgt. Ihre schwarzen Halbschuhe sind wenig anregend. Sie überlässt alles der Vorstellungskraft, ohne den Hauch eines Hinweises.

»Du willst also nicht mit mir nach Bayshore kommen?«

Ich werde das nicht einfach vergessen. Sie weiß es zwar noch nicht, aber sie ist die perfekte Kandidatin für eine Position, die vor Kurzem frei geworden ist. Bisher war meine Ex immer für solche Situationen zur Hand. Aber wir haben unsere Beziehung letzte Woche endlich beendet, nach einem monatelangen Hin und Her, von dem ich fast seekrank geworden bin.

Ich dachte, wir würden gut zusammen passen – gut aussehende Mittzwanziger, gierig nach Erfolg. Oder zumindest dem Anschein davon. Aber offenbar braucht es mehr, um wirklich kompatibel zu sein.

Trotzdem, meine Brüder werden auch in Bayshore sein. Meine Eltern werden einen strahlenden Bericht meines Lebens im Westen wollen. Vor allem Dom und Grayson können es sicher kaum erwarten, von jedem noch so kleinen Fehlschlag zu hören, um mir ihren eigenen Erfolg unter die Nase reiben zu können.

Nein, ich verdiene nicht so viel wie sie. Bei Weitem nicht. Und der einzige Trumpf in meiner tölpelhaften Hand ist die Tatsache, dass ich als Einziger eine feste Freundin habe. Was bis vor Kurzem auch so war.

Ich will es wieder wahr werden lassen, zumindest für die Dauer meines Besuchs in Bayshore.

»Ich meine, ich würde schon gern mal wieder zu Hause vorbeischauen, aber …«

»Ich zahle deinen Flug.«

Sie sieht mich aus schmalen Augen an, als wollte sie sagen Ach, komm schon. »Du zahlst nicht für meinen Flug.«

»Wieso nicht? Ich habe genug Geld.«

»Aber du …« Sie gerät ins Stottern. »Wir sind nicht mal …«

Ich beuge mich vor, streife mit den Fingern ihr Handgelenk. Sie klappt den Mund zu, senkt den Blick auf ihre Hände.

»Wir sind Bayshore-Kumpels.« Ich drücke sanft ihr Handgelenk, und sie beißt sich auf die Lippe. »Wir kommen beide von dort. Das heißt doch was. Deswegen haben wir eine Verbindung, die sonst niemand hat.«

Ich bin so betrunken, dass ich jeden Mist von mir geben würde, um zu bekommen, was ich will – was ich brauche. Und ich kann sehen, dass dieses unscheinbare Mädchen mir alles glauben wird. Ihre Augen haben die Farbe eines Sommerhimmels, am Rand vertieft sich das Blau beinahe zu Lavendel, und in ihrem Blick liegt etwas Scharfes, Heißes, das meine Arme prickeln lässt. Ich bin mir nicht sicher, ob sie naiv ist oder nur damit spielt.

»Eine Verbindung, mhm?« Ihr Stimme klingt rau, ungläubig, und etwas in ihrem Lachen weckt eine Erinnerung in mir. Kinsley. Das ist ihr Name. Ich erinnere mich daran, weil Tamara sich deswegen immer über sie lustig gemacht hat. Sie fand den Namen männlich. Tamara, meine Ex. Tamara, Kinsleys Chefin.

Tamara hatte von Anfang an ein Problem mit Kinsley, aber ich habe ihren Beschwerden nur mit halbem Ohr zugehört. Ich erlebe selbst zu viele Dramen auf der Arbeit, um mich in die Probleme anderer hineinziehen zu lassen. Allerdings gibt diese Sache meinem vorgeschlagenen Arrangement eine weitere perfekte Dimension.

Tamara wird ausrasten, wenn sie mitbekommt, dass ich zusammen mit Kinsley nach Bayshore reise. Und wenn es einen süßen Racheakt gibt, auf den ich so richtig Lust habe, dann diesen.

»Kinsley. Wann warst du das letzte Mal zu Hause?«, frage ich und schiebe meinen Stuhl näher zu ihr.

Sie hat schon wieder ihre Unterlippe zwischen den Zähnen. »Ist ein paar Jahre her …«

»Also zu lange. Viel zu lange. Lass mich dich einladen. Komm schon. Ich fliege sowieso, und ich hätte gern Gesellschaft während des Flugs.«

Sie zupft weiter an den feuchten Spitzen der Serviette unter ihrem Glas. »Wann würdest du loswollen?«

»In ein paar Tagen. Ich habe noch keine Flüge recherchiert.«

»Und für wie lange?«

»Vermutlich zwei Wochen.«

Sie schüttelt den Kopf. »Ich kann nicht einfach so zwei Wochen Urlaub machen. Das muss geplant werden. Ich …«

»Hast du Haustiere?«

Sie runzelt die Stirn. »Nein.«

»Irgendwelche Hauspflanzen? Sukkulenten? Unkontrollierbare Ranken?«

Ein Lächeln huscht über ihre Lippen. »Nein, nichts davon.«

»Dann ist doch alles in Ordnung. Und unsere Firma ist großzügig in Sachen Urlaub.«

Sie seufzt, trommelt mit den Fingern auf den Tresen, als würde sie wirklich darüber nachdenken. »Es wäre schön, meine Eltern mal wiederzusehen.«

»Dann lass mich das für dich ermöglichen.«

Sie reibt sich übers Gesicht, quietscht hinter ihren Händen kurz auf und ruft dann: »Okay! Es ist verrückt, aber ich bin dabei.«

Ich drücke ihre Schulter wie zuvor, diesmal fallen mir jedoch die femininen Kurven unter ihrer seidigen Bluse auf. Ihr schmales Schulterblatt, dass nahezu nach einem weiten Shirt oder dem rutschenden Riemen eines sexy BHs schreit. Hitze steigt in mir auf, doch mir ist klar, dass nur der Alkohol daran schuld ist. Kinsley und ich, wir bewegen uns nicht in denselben Kreisen. Das ist die Art Wahrheit, die immer blubbernd im Hintergrund köchelt.

Was meinen nächsten Vorschlag umso ungeheuerlicher macht, aber auch umso machbarer.

»Es ist wichtig, ab und zu nach Hause zu kommen.« Ich schenke ihr mein bestes gewinnendes Lächeln. Noch wichtiger, als nach Hause zu kommen, ist es, meiner Familie zu beweisen, dass ich ihren absurden Erwartungen von Erfolg gerecht werde. Vor allem meinem dominanten Vater, der mein Leben zu einer ganz besonderen Hölle gemacht hat, kaum dass ich zwölf geworden und damit offiziell in seinen Kosmos der Konkurrenz hineingewachsen bin.

Diesen harten Boxring, in dem meine zwei älteren Brüder und ich uns regelmäßig Gefechte liefern, angefeuert von unserem Anführer und Trainer: Dad.

»Ich habe mich nur gefragt, ob du mir vielleicht einen kleinen Gefallen tun würdest.« Ich bemühe mich um einen lockereren Tonfall. Unbekümmert. Als hätte ich nicht vor, sie um diese absolute Absurdität zu bitten. »Du müsstest dich als meine feste Freundin ausgeben, während wir dort sind.«

Sie blinzelt ein paarmal, bevor ihre blauen Augen zögerlich meinem Blick begegnen. Riesige Fragezeichen schwimmen darin, ein Hexenkessel der Verwirrung. »Was?«

»Ich weiß, es klingt verrückt«, bestätige ich, und erst da fällt mir mein Lallen auf. Mist. Das ist jetzt wirklich nicht hilfreich. »Du würdest mir damit wirklich sehr helfen. Meine Familie … sie …«

»Wieso nimmst du nicht deine tatsächliche Freundin mit?«

Einen Moment lang starre ich sie stumm an, verliere mich in den feinen Zügen ihres Gesichts. Sommersprossen ziehen sich über ihre Wangen, ihre Haut hat dieses sonnengeküsste Leuchten, das sie jünger wirken lässt, als sie vermutlich ist. Wir sind zusammen zur Schule gegangen, ich weiß also, dass sie unmöglich achtzehn sein kann, auch wenn sie so aussieht. Ich bin siebenundzwanzig, dann muss sie fünf- oder sechsundzwanzig sein.

»Tamara?«, hilft sie mir auf die Sprünge, als ich zu lange schweige.

»Oh«, platze ich raus. »Richtig. Tja, sie ist nicht mehr meine Freundin. Deswegen nehme ich sie nicht mit.« Meine Brust zieht sich etwas zusammen, allerdings nicht, weil ich sie vermissen würde. Das zwischen Tamara und mir war die Definition einer toxischen Beziehung. Und zwar nicht die Definition aus dem Lexikon, nein, die umgangssprachliche Definition, voller Schimpfwörter und Slang, der beschreibt, wie miserabel wir zusammenpassen.

»Aber seid ihr nicht schon seit Ewigkeiten zusammen?«, fragt Kinsley.

»Wir haben uns vor einer Weile getrennt.« Wenn man von dem Zeitpunkt ab rechnet, an dem ich mich emotional von ihr abgegrenzt habe, ist es sogar noch länger her. Mir war von Anfang an klar, dass das mit uns eine schlechte Entscheidung war. Ich habe an etwas festgehalten, das sie versprochen hat, mir zu geben. Wessen Schuld ist es also, dass sie nicht geliefert hat?

Kleiner Tipp: meine.

Kinsleys Miene wird weicher. Sie dreht ihr leeres RumChata-Glas in den Händen. Jede Zelle meines Körpers ist angespannt. Sag einfach Ja. Wenn sie sich darauf einlässt, werde ich ihr so viel mehr geben als nur ein Flugticket, um ihre Familie zu besuchen. Ich werde ihr einen Schrein errichten und ihr jeden Tag die Füße küssen. Denn sie hilft mir dabei, drei Gewinne einzustreichen: mich an Tamara zu rächen, mich meiner Familie besser zu präsentieren, als ich es tatsächlich bin, und zu guter Letzt: meinem Vater eins reinzuwürgen.

Denn Kinsley ist nicht einfach irgendeine alte Bayshore-Bekanntschaft. O nein. Sie ist Kinsley Cabana. Die Tochter der ehemals besten Freundin meiner Mom und des erklärten Erzfeindes meines Vaters.

Ja, ich will besser dastehen als meine Brüder, aber was ist ein Wettkampf, wenn er nicht ein paar Gemüter erregt?

Und Kinsley mit nach Hause zu bringen, wird sie nicht nur erregen, sondern in lichterlohe Flammen aufgehen lassen.

Der Rum hat mein inneres Genie geweckt, und ich würde mir morgen in den Hintern treten, wenn ich nicht wenigstens versuchte, diese unerwartet perfekte Gelegenheit zu nutzen.

»Du bist betrunken«, wirft sie mir vor, doch ich sehe auch in ihrem Blick den Alkohol schimmern.

»Genau wie du.«

»Nein, ich bin angeheitert«, sagt sie und rutscht dabei fast von ihrem Barhocker, fängt sich jedoch rechtzeitig am Rand der Theke ab.

»Komm mit mir«, dränge ich, wieder nach ihrem Handgelenk greifend.

Vielleicht löst das eine Entscheidung aus. Die Hitze ihrer gebräunten Haut bringt mich dazu, die Finger um ihr Handgelenk zu schließen und mit dem Daumen ein langsames Muster über ihren Puls zu zeichnen. Ich höre, wie sie nach Luft schnappt.

»Jetzt sofort?«, fragt sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Ihre Frage bringt mich zum Lächeln. Gott, es ist süß, wie unbedarft sie ist. »Nach Bayshore«, stelle ich klar.

»Oh, richtig.« Sie richtet sich auf und greift nach ihrer Tasche. »Gib mir deine Nummer. Ich will eine Nacht drüber schlafen.«

Schnell tippe ich meine Nummer in ihr Handy, bevor sie es sich anders überlegt. Als der Barkeeper die Rechnung bringt, zahle ich alles, auch die RumChata, die sie vor unserem Gespräch getrunken hat.

»Das wird lustig.« Ich werfe einen letzten Blick auf ihre hübschen Augen, bevor ich die Bar verlasse.

Kinsley einzuladen, mich nach Bayshore zu begleiten, war nicht geplant. Und auch wenn sie sich noch nicht entschieden hat, kann ich schon vor mir sehen, wie sich die kommenden Tage mit ihr an meiner Seite gestalten.

Dieser rotblonde Zopf hat etwas an sich, das Abenteuer verspricht.

Ich frage mich nur, ob ich bereit dafür bin.

Kapitel 3

KINSLEY

In dieser Nacht schlafe ich kaum. Wie auch? Connor hat mein Handgelenk drei Mal berührt, das muss die wohl öffentlichste Zurschaustellung züchtigen Flirtens seit der Erfindung der viktorianischen Liebesromane gewesen sein.

Und ja, ich masturbiere. Wie könnte es auch anders sein?

Es ist nicht schwer, mich zum Höhepunkt zu bringen. Mit den Fingern zwischen meinen Beinen winde ich mich auf dem Bett, stelle mir vor, wo dieser Abend noch hätte hinführen können. In einem alternativen Universum natürlich, denn auch wenn er will, dass ich mich als seine Freundin ausgebe, bin ich nicht so dumm, zu erwarten, dass tatsächlich etwas zwischen uns passieren wird.

Dabei würde ich mehrere Finger meiner linken Hand für die Gelegenheit geben, Connor dicht an mir zu spüren. Ach was, ich wäre schon zufrieden damit, durch den Stoff seiner Boxershorts die Silhouette seines Schwanzes zu sehen, er müsste nicht mal ganz steif sein. Und in meinen wildesten Fantasien sehe ich vor mir, wie er mit zwei Fingern über die Spalte meiner Pussy fährt, mein Höschen beiseiteschiebt … bevor er ganz langsam seine Finger in mir versenkt …

Ich muss mir nicht mal richtigen Sex mit diesem Mann vorstellen, um zu kommen. So sehr hat es mich erwischt.

Connor ist mein Traumtyp, aber nur aus der Ferne. Ich weiß nichts über ihn, habe also keinen Anlass zu glauben, dass wir gut zusammenpassen. Aber von außen betrachtet ist er eine breite Wand der Maskulinität, eine Mischung aus unbekümmertem Lächeln und nachdenklichen Blicken, bei denen er sich mit dem Daumen über sein kantiges Kinn streicht. Ich habe ihn schon in mehreren Meetings beobachtet, er richtet seine blauen Augen mit einer solchen Intensität auf den Redner, dass es mich jedes Mal wieder überrascht, dass derjenige nicht in Flammen aufgeht.

Und nach unserer kurzen Begegnung in der Bar kann ich seine Intensität schmecken wie einen guten Wein. Es ist schwer, sich davon nicht berauschen zu lassen. Verdammt, ich wollte von Anfang an Ja sagen. Nur Verlegenheit hat mich davon abgehalten, sofort zu unterschreiben. Denn wie bescheuert ist das bitte? Sehne ich mich so verzweifelt nach Aufmerksamkeit, dass ich mich auf die erste Gelegenheit stürzen muss, mich als die Fake-Freundin meines Highschool-Schwarms auszugeben?

Ja ist nicht die richtige Antwort. Großer Gott, ja trifft es schon eher.

Mein Ex – dessen Namen ich nicht mehr ausspreche, um ihn aus meinem Herzen zu verbannen – hat mich fertiggemacht. Er hat mein Selbstbewusstsein nicht nur geschwächt, er hat es vollkommen zerstört. Das ist allerdings nicht der Grund für meine hässlichen Handtaschen. Nein, diese veralteten Monstrositäten trage ich mit mir herum, weil ich es will.

Eine schlaflose Nacht später bin ich mir sicher, zu wissen, was zu tun ist. Ich bin schon dabei, eine E-Mail an Tamara zu tippen, mit dem plötzlichen verzweifelten Verlangen nach Urlaub. Ich erinnere meine Chefin daran, wie überflüssig ich bin, weil ich weiß, dass sie das ohnehin ansprechen wird. Ganz im Ernst, ich freue mich darauf, mal eine Pause von dieser Ziege zu bekommen.

Tamara ist eine furchterregende Frau, wobei ich mir nicht sicher bin, was schlimmer ist – ihre zu perfekt manikürten Klauen oder die Art, wie sie ihre emotionalen Reaktionen als Waffe einsetzt.

Ich will ihren Job, weil ich ihn besser machen würde, fairer. Vor drei Jahren habe ich meinen Abschluss in BWL gemacht und eigentlich erwartet, in der Personaler-Welt inzwischen höher aufgestiegen zu sein.

Aber Tamara hält mich an der kurzen Leine, überhäuft mich mit bescheuerten Aufgaben und geschmacklosen Trainingsmodulen, die mir das eindeutige Gefühl geben, dass sie mich hasst.

Tamara ist all das, was ich nicht bin. Sie ist die Verkörperung eines HR-Posters, das Mitarbeiter dazu aufruft, Missbrauch am Arbeitsplatz zu melden: breites weißes Lächeln, perfekt eingerahmt von mauvefarbenem Lippenstift. Haar wie Mahagoni, immer tadellos frisiert. Sie ist groß und sexy und trotzdem sittsam. Sie scheint alles im Griff zu haben. Und eine Zeit lang hatte sie sogar Connor, was bedeutet, sie hatte alles.

Aber wie meldet man Missbrauch am Arbeitsplatz, wenn die Person, der man das melden soll, dafür verantwortlich ist?

Ich könnte mich auf Jobsuche begeben, aber allein der Gedanke ist deprimierend. Denn das hier war immer mein Ziel. Ich habe darum gekämpft, an der Westküste zu leben, und jetzt weiß ich nicht, was ich falsch mache. Ich weiß nur, dass etwas nicht stimmt. Tamara spielt dabei genauso eine Rolle wie meine nie erhaltene Beförderung und mein nicht existentes Sozialleben. Wieso ausgehen, wenn ich lieber mit meinen Collegefreunden telefoniere, während wir in unterschiedlichen Städten Tütenwein trinken? Außerdem müssen wir noch eine Folgen Friends aufholen, eine Tradition, die wir ironischerweise erst begonnen haben, als wir nach der gemeinsamen Zeit an der UCLA getrennte Wege gegangen sind.

Dating steht auch nicht zur Debatte. Mir ist klar, dass ich viel zu unattraktiv bin, und sämtliche Dating-Apps, die ich ausprobiert habe, haben nur zu einer Flut von unerwünschten Schwanzbildern geführt. Und mein Ex hat mir den Rest gegeben. Der erste Mann, mit dem ich nach dem College zusammen war, hat mich emotional missbraucht. An manchen Tagen hielt er mich für wunderschön, am nächsten für eine bucklige Hexe. Natürlich hat er mir das jedes Mal mitgeteilt, hat mich erst aufgebaut, um mich dann wieder runterzuziehen. Zwölf schreckliche Monate lang habe ich das mitgemacht. Und jetzt, ein Jahr später, habe ich endlich das Gefühl, langsam wieder aus der Höhle hervorzukriechen, in der er mich zurückgelassen hat.

Dieser kleine Ausflug nach Bayshore ist also vielleicht genau das, was ich jetzt brauche. Connor kann nicht ahnen, wie richtig er damit lag. Ich habe Hoffnung, dass ein Besuch bei Mom und Dad mich aus diesem depressiven Loch holt. Vielleicht verschafft mir die frische Seeluft die Klarheit, die mir im Trubel der Großstadt abhandengekommen ist.

Um neun akzeptiere ich schließlich, dass ich nicht noch mal einschlafen werde, und schicke Connor eine Nachricht.

KINSLEY: OK. Ich bin dabei. Lass es uns tun.

Seine Antwort lässt so lange auf sich warten, dass ich befürchte, sein Angebot war doch nur dem Alkohol geschuldet und er hatte nie vor, es tatsächlich durchzuziehen. Zehn Minuten vergehen in quälender Unentschlossenheit.

KINSLEY: Außer du warst nur betrunken und hast es nicht ernst gemeint?

Als mein Handy endlich piepend eine neue Nachricht verkündet, spannt sich mein gesamter Körper an. Ich verziehe das Gesicht, bevor ich überhaupt auf den Bildschirm sehe. Ich bin auf absolute Enttäuschung eingestellt. Das Angebot war zu gut, um wahr zu sein. Bestimmt bereut er es jetzt, nachdem er seinen Rausch ausgeschlafen hat.

CONNOR: Ich hoffe, du hast deinen Urlaub schon beantragt, denn ich habe gerade unsere Tickets gebucht. Wir fliegen am Dienstag. Leite dir die Buchungsbestätigung weiter.

Einen Moment später zeigt mein Arbeits-Account eine neue E-Mail an, und ich traue meinen Augen kaum, als die Buchungsbestätigung auf meinem Bildschirm erscheint.

Heilige Scheiße.

Das ist echt.

Ich fliege mit Connor nach Hause … und gebe mich als seine Freundin aus.

Aufregung brodelt heiß und wild in meinem Inneren. Jubelnd springe ich aus dem Bett. Mir bleiben drei Tage, um zu packen und mich vorzubereiten. Ich brauche neue Schuhe. Und vermutlich auch ein paar neue Oberteile. Also ist ein Notfallbesuch im Secondhandladen angesagt.

Nur weil alles gespielt ist, heißt das noch lange nicht, dass ich ihn nicht tatsächlich beeindrucken will.

Connor ist ein freier Mann. Und wenn auch nur ein Bruchteil meiner wildesten Träume wahr wird, wird dieser Ausflug nach Bayshore der beste Urlaub meines Lebens.

Kapitel 4

CONNOR

Wir haben ausgemacht, uns am Check-in zu treffen. Ich bin Business Premium-Kunde und deswegen schon eingecheckt und abflugbereit, bevor ich den Flughafen überhaupt erreiche. Dementsprechend laufe ich jetzt ungeduldig in der großen Halle auf und ab, während ich auf Kinsley warte und immer wieder auf mein Handy schaue.

Reisen ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Theoretisch natürlich eine tolle Sache, aber stundenlang in Autos oder Flugzeugen gefangen zu sein, macht mich einfach wahnsinnig. Meistens kann ich nach ein oder zwei Stunden kaum noch stillsitzen. In Begleitung zu reisen hat also auch den Vorteil, dass die Ablenkung mir hilft, die Langeweile zu bewältigen.

Doch als Kinsley mit einer olivgrünen Reisetasche auftaucht, als wäre sie unterwegs zum Casting eines schlechten Kriegsfilms, wird mir klar, dass ich vielleicht die falsche Wahl getroffen habe. Dieses Mädchen ist nicht normal. Im harschen Tageslicht betrachtet, weiß ich plötzlich nicht mehr, was ich mir dabei gedacht habe, eine Fremde zu bitten, sich als meine Freundin auszugeben.

Ja, mein Dad wird ausrasten. Ja, ich werde den Eindruck erwecken, in Sachen Beziehung erfolgreich zu sein. Und ja, Tamara wird definitiv einen hysterischen Anfall bekommen, wenn sie herausfindet, dass Kinsley und ich »zusammen« sind. Allerdings habe ich ein essenzielles Detail meines teuflischen Plans vergessen.

Ich muss die nächsten zwei Wochen mit dieser Person verbringen.

Was zur Hölle habe ich mir dabei gedacht?

Kinsley wirkt nervös, als sie auf mich zu humpelt. Ich beeile mich, ihr die Tasche abzunehmen; sie fühlt sich an, als hätte sie ausschließlich Gewichte eingepackt. Mit einem Stöhnen schwinge ich sie mir über die Schulter. Meine Bauchmuskeln spannen sich an, und ich gerate kurz ins Stolpern.

»Was zur Hölle ist da drin?«

»Ebenfalls Hallo, freut mich auch, dich zu sehen.« Sie lächelt etwas bedröppelt, als sie sich ein paar lose Strähnen aus dem Gesicht schiebt. »Nur das Nötigste. Alles, was ich zum Jetsetten brauche.«

Ich schnaube. »Was Stahlstangen und Eisengewichte beinhaltet?«

»Ach, komm schon. So schwer ist die gar nicht. Ich konnte sie schließlich auch tragen.«

»Du bist quasi gehumpelt.«

Sie geht einfach an mir vorbei. »Ich muss einchecken.«

Ich folge ihr zum Schalter, wo eine Angestellte ihren Ausweis scannt und sie bittet, ihr Gepäck auf die Waage zu stellen. Die rote Digitalanzeige klettert immer weiter in die Höhe, bis sie schließlich bei etwas über vierundzwanzig Kilo stehen bleibt. Die Flughafenangestellte kneift die Augen zusammen und schnalzt mit der Zunge.

»Ihre Tasche liegt über dem Gewichtlimit«, sagt sie mit mechanischer Stimme. »Sie müssen etwas rausnehmen oder eine Gebühr für Übergepäck zahlen.«

Kinsley flucht, öffnet ihre Tasche und beginnt, darin zu wühlen. Über ihre Schulter hinweg kann ich sehen, dass sie mindestens eine Million Bücher eingepackt hat. Kein Wunder, dass die Tasche so verdammt schwer ist.

»Dir ist klar, dass es auch in Ohio Bücher gibt, oder?«, flüstere ich. Sie wirft mir nur einen Blick zu, bevor sie eine Auswahl von Dingen aus der Tasche nimmt und in ihre überdimensionierte Handtasche stopft. Doch die Reisetasche ist immer noch zu schwer, also biete ich an, die Gebühr zu zahlen, um diese Episode möglichst schnell zu beenden.

»Das musst du wirklich nicht«, sagt Kinsley. »Ich kann mehr Bücher rausnehmen …«

»Wir müssen zum Gate. Lass mich einfach zahlen.«

Sie tippt mit den Fingern auf den Tresen, während sie ihre Tasche anstarrt. »Ich zahle es dir zurück.«

»Wie wäre es, wenn du mir stattdessen ein Buch leihst?«

Ein Grinsen begleitet von Grübchen huscht über ihr Gesicht, und dieses schüchterne Lächeln entlockt auch mir eines. Wäre ich mit Tamara hier, hätte ich statt Büchern tonnenweise Make-up in ihrer Tasche gefunden. Diese Frau hat immer ein Arsenal eingepackt, mit dem man die Gesichter Tausender Models schminken könnte. Wenig später habe ich die Gebühr bezahlt, und das Laufband befördert Kinsleys Tasche in die Untiefen des Flughafengebäudes. Wir gehen durch die Sicherheitskontrolle und schließen uns dem Strom von Leuten an, die durch die Wartehalle laufen.

Kinsley strahlt Nervosität aus. Immer wieder spielt sie mit der goldenen Kette an ihrem Hals und streicht ihre graue Hose glatt. Sie ist wie für eine Geschäftsreise gekleidet, gleichzeitig aber so angespannt, als hätten wir einen Raubzug geplant.

Am Gate angekommen, suchen wir uns zwei freie Plätze am Rand, und ich spreche endlich an, was wir bisher vermieden haben. »Also. Wir sollten wohl über … die Regeln sprechen.«

Sie nickt eifrig. »Ja. Sag mir, was ich tun muss.«

»Ich will nicht, dass diese Sache merkwürdig oder unangenehm wird. In meinem Zimmer zu Hause stehen zwei Einzelbetten, wir müssen also nicht im selben Bett schlafen. Wir verhalten uns wie ein Pärchen, mit minimaler Zurschaustellung von Zärtlichkeiten. Händchenhalten oder vielleicht mal ein Kuss auf die Wange, mehr nicht. Klingt das machbar?«