Malizia  -   Das Beste kommt zum Schluss - oder? - Olivera Mager - E-Book

Malizia - Das Beste kommt zum Schluss - oder? E-Book

Olivera Mager

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Beschreibung

Ein Roman über Liebe, Untreue und Menschen, deren Lebenswege sich in München kreuzen. Die Handlung entführt zu exotischen Schauplätzen auf die Malediven und nach Singapur. Hartmut Landrich führt mit seiner schwangeren Frau Anette ein ruhiges, geregeltes Leben. Berufliche Erfolge und die Vorfreude auf das erste Kind deuten auf eine glückliche Zukunft. Da tritt plötzlich die rassige Malizia in Hartmuts Leben, die skrupellos ihre Ziele verfolgt. Kann ein romantischer Urlaub auf den Malediven Anettes und Hartmuts Ehe festigen? Jahre später: Nach einem Schicksalsschlag in Singapur, zieht Dorette nach München und lernt Hartmut kennen. Welche Wendungen bringt die Zukunft? Die Geschichte über Liebe, Untreue und Menschen, deren Lebenswege sich in München kreuzen.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 326

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Olivera Mager

Malizia

Das Beste kommt zum Schluss - oder?

© 2021 Olivera Mager

Umschlag, Illustration: Olivera Mager

Lektorat, Korrektorat: Joana Dörfler

Verlag und Druck:

tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN

 

Paperback:

978-3-347-13142-2

Hardcover:

978-3-347-13143-9

e-Book:

978-3-347-13144-6

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die neue Kollegin

Frankfurt, 1998

Seit Tagen regnete es ununterbrochen. Das Aprilwetter machte seinem Namen alle Ehre. Hartmut war heute später als üblich von zuhause losgefahren. Dichter Verkehr drückte sich zähfließend aus der Vorstadt in die City. Angespannt saß er hinter dem Steuer. Windböen peitschten den Regen gegen die Windschutzscheibe. Die Scheibenwischer hasteten hin und her und verdrängten den Wasserschleicher nur für kurze Augenblicke.

Ausgerechnet heute komme ich zu spät ins Büro, dachte er ärgerlich.

Auf dem Parkplatz hatten sich bereits große Pfützen gebildet. Hartmut parkte seinen Toyota, stieg aus, schloss ab und spurtete zum Bürogebäude. Bei jedem Schritt spritzte Wasser auf seine Hosenbeine. Die über den Kopf gehaltene Aktentasche schützte ihn kaum vor dem prasselnden Regen. Sein Mantel begann, an den Schultern zu durchnässen. Auch das noch, dachte er.

Die Stimmung während des Frühstücks war wieder einmal angespannt. Wie so häufig in den letzten Wochen, schlief seine Frau Anette schlecht, fühlte sich matt und erschöpft. Sie war im 7. Monat schwanger. Ihr Rücken schmerzte, und sie sehnte die Geburt ihres Kindes herbei.

Im Gebäude angekommen zog er den nassen Mantel aus und nahm den Aufzug ins dritte Obergeschoss. Er öffnete die Türe zum Büro. Im Vorbeigehen grüßte er die Sekretärin am Empfang.

„Herr Landrich, Sie sind heute spät dran“, rief sie ihm zu. „Der Chef will Sie sprechen.“ Hartmut ging zuerst in sein Büro, das er sich mit Peter Müller teilte. Peter war nicht da. Er hatte heute Morgen einen Termin auf der Baustelle.

Die beiden Schreibtische standen sich direkt gegenüber. Wie immer türmten sich Pläne und Ordner auf Peters Schreibtisch. Auf Hartmuts Tisch lag ein Plan zusammengefaltet neben einem Ordner. Er räumte seinen Schreibtisch abends immer auf.

Hartmut hing den Mantel auf, stellte seine Aktentasche neben den Schreibtisch und machte sich auf den Weg ins Chefbüro. Er klopfte. Ein kräftiges „Herein“ ließ ihn eintreten. Herr Wegner saß hinter seinem großen Mahagoni-Schreibtisch.

„Guten Morgen, Herr Wegner“.

„Guten Morgen, Herr Landrich, nehmen Sie doch bitte Platz.“ Zu der Frau vor dem Schreibtisch gewandt, sagte Herr Wegner: „Dies ist unser Büroleiter, Herr Landrich.“

„Herr Landrich! Frau Paiva – unsere neue Mitarbeiterin, die ich Ihnen bereits ankündigte“, stellte Herr Wegner die beiden vor.

Langsam drehte sich die Frau mit schulterlangem lockigem schwarzem Haar zu Hartmut um. Sie sah Hartmut herausfordernd an.

Ca. 1,80 m groß, schlank, breitschultrig, hellbraunes Haar, dunkelgraue Augen, gutaussehend, etwa in meinem Alter, musterte sie ihn mit geschultem Blick.

Mit einem „Guten Morgen, Señor Landrich“, streckte ihm Malizia mit einschmeichelndem Lächeln ihre Hand entgegen.

„Guten Morgen, Frau Paiva.“

Sie hielt seine Hand etwas länger als nötig und blickte Hartmut verführerisch in die Augen. Ihre stahlgrauen Augen hoben sich kalt von ihrem dunklen Teint ab. Ihr Blick hielt ihn gefangen. Eine Gefühlswoge von Faszination gepaart mit Unsicherheit durchströmte ihn. Er entzog ihr seine Hand, trat einen Schritt zurück, als wolle er sich ihrem Bannkreis entziehen.

Hartmut nahm auf dem Stuhl neben ihr Platz.

„Frau Paiva hat in Kolumbien bei Rogelio Salmona studiert und 1989 ein Semester an der TH Aachen verbracht. Nach ihrem Architekturstudium hat sie in Bogota in einem international tätigen Architekturbüro gearbeitet, das auch in Deutschland tätig war. Mit den deutschen Normen und Vorschriften hat sie sich vertraut gemacht, wird aber ab und zu Ihre Hilfe benötigen, bis sie sich bei uns eingearbeitet hat“, erläuterte Herr Wegner weiter.

„Frau Paiva, ich hoffe, wir werden gut zusammenarbeiten.“

„Da bin ich mir ganz sicher, Señor Landrich!“

„Frau Paiva, Sie werden sich mit Frau Haller ein Büro teilen. Herr Landrich, bitte zeigen Sie ihr alles. Ich wünsche Ihnen einen guten Start bei uns.“ Damit entließ Herr Wegner die beiden.

Sie verließen das Chefbüro, und Malizia folgte Hartmut den Flur entlang zu Frau Hallers Büro. Wie alle Kollegen hatte auch Susi ihre Bürotür weit geöffnet.

Susi Haller, eine Frau Ende 50, arbeitete seit vielen Jahren im Architekturbüro Wegner. Sie war die gute Seele der Firma. Alleinstehend und pflichtbewusst sprang sie immer ein, wenn Not am Mann war und Überstunden erforderlich wurden. Alle schätzten sie sehr, und keiner der Kollegen hätte je ihre Gutmütigkeit ausgenutzt.

„Hallo Susi, darf ich dir Frau Paiva vorstellen? Sie arbeitet seit heute bei uns und wird sich künftig mit dir das Zimmer teilen.“

„Guten Tag, Frau Paiva, ich bin Frau Haller.“ Susi streckte der neuen Kollegin freundlich die Hand entgegen.

„Grüß Sie, ich freue mich, mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Wollen wir uns nicht duzen? Ich bin Malizia.“ – „Sehr gerne, ich heiße Susi. Dem Akzent nach zu schließen bist du Spanierin.“ – „Nicht ganz“, entgegnete Malizia. „Meine Muttersprache ist Spanisch, aber ich komme aus Kolumbien. Deutsch lernte ich in der Schule.“

„Nun, wenn Sie etwas brauchen, Frau Paiva, wenden Sie sich bitte an Susi oder an mich“, wandte sich Hartmut an Malizia.

„Danke, auf das Angebot komme ich bestimmt zurück“, antwortete Malizia mit einem lasziven Lächeln. „Nenn mich doch bitte Malizia; Frau Paiva ist zu förmlich.“

Verdutzt antwortete Hartmut: „Gerne, ich heiße Hartmut – ich überlasse euch eurer Arbeit! Einen schönen Tag noch!“ Hartmut fühlte sich unsicher in Malizias Gegenwart.

„Ich kenne noch niemanden in Frankfurt. Wir könnten nach der Arbeit gemeinsam etwas unternehmen. Susi, was hältst du davon?“

„Sehr gerne, Malizia, von mir aus schon heute Abend.“

Susi freute sich auf einen gemeinsamen Abend. Sie klagte nie über ihr Leben. An den vielen einsamen Abenden alleine in ihrer Wohnung, wenn sie einen Anflug von Melancholie verspürte, rief sie sich ins Gedächtnis, wie sehr ihr ihre Arbeit Befriedigung gab. Natürlich hatte sie gute Bekannte und Freunde, die jedoch verheiratet waren oder in einer Partnerschaft lebten. Wenn sie mit ihnen ausging, kam sie sich häufig wie das fünfte Rad am Wagen vor, obwohl ihre Freunde dies niemals so empfanden.

„Hartmut kommt mir jung vor und ist bereits Büroleiter. Wie kommt das?“, stellte Malizia verwundert fest.

„Vor einem Jahr hat er bei einem Wettbewerb einen Architekturpreis gewonnen. Daraufhin hat ihm Herr Wegner die Stelle als Büroleiter angeboten“, erklärte ihr Susi.

„Dann hatte er bereits eine Stelle hier im Büro?“, wollte Malizia wissen.

„Nein, bevor er hier anfing, arbeitete er hie und da als Volontär in verschiedenen Architekturbüros. In der Zeit nahm er an vielen Wettbewerben teil. Den Lebensunterhalt hat damals seine Frau bestritten. Ohne ihre Hilfe und Unterstützung hätte er es sich nicht leisten können, seine ganze Arbeitskraft in die Entwürfe für Wettbewerbe zu investieren. Dafür ist er ihr sehr dankbar, wie er immer betont. Sie ist eine zarte, ganz reizende Person“, erklärte Susi.

„Dann haben sie keine Kinder, sonst hätte sie nicht arbeiten können“, bemerkte Malizia.

„Noch nicht, aber bald erwarten sie ihr erstes Kind. Wir sammeln schon für ein Geschenk zur Geburt. Wenn du möchtest, kannst du dich auch beteiligen. Wieso interessiert dich Hartmut so?“, fragte Susi ein wenig irritiert.

„Ach, nur so allgemein. Man muss ja schließlich wissen, wer der direkte Vorgesetzte ist“, wiegelte Malizia ab und fragte Susi nach dem Projekt, an dem sie mitarbeiten sollte.

Peter war zurück von der Baustelle. „So ein Mist! Stell dir vor, bei den Badfliesen gibt es Lieferschwierigkeiten. Sie kommen erst in zwei Wochen.“

„Wir haben eine neue Kollegin“, unterbrach ihn Hartmut. „Sie sitzt in Susis Büro und heißt Paiva, bzw. Malizia, denn sie hat Susi und mir sofort das Du angeboten.“

„Na, dann will ich den Neuzugang gleich mal begutachten.“ Peter sprang auf, um sich auf den Weg in Susis Büro zu machen.

Hartmut lehnte sich im Stuhl zurück und dachte über die Neue nach. Der etwas zu lange Händedruck, der laszive Blick, das vertrauliche Du, obwohl sie sich erst vorhin kennenlernten. Flirtete sie mit mir? Ach Unsinn! Das ist bestimmt nur das südamerikanische Temperament. Er schüttelte den Kopf, um diese Gedanken zu verscheuchen.

Ich muss den Statiker anrufen und fragen, ob er die neue Statik für die Umplanung schon berechnet hat. Gleich danach rufe ich Anette an. Hoffentlich geht es ihr besser, versuchte er sich auf andere Gedanken zu bringen. Doch das Bild von Malizia hatte sich schon in seinem Gehirn eingenistet.

Nach der ersten Woche hatte Malizia alle im Büro für sich eingenommen. Sie war witzig, lebenslustig, temperamentvoll und versprühte ihren Charme. Vor allem die überwiegend männlichen Kollegen waren ihr allzu gerne behilflich, die eine oder andere Aufgabe zu erledigen.

„Am Freitagabend gebe ich eine Einstandsparty bei mir zuhause. Ihr seid alle eingeladen“ verkündete Malizia bei ihrem Rundgang durchs Büro.

Im Flur traf sie den Chef. „Herr Wegner, ich möchte Sie gerne zu meiner Einstandsparty am Freitag bei mir daheim einladen.“ – „Danke, Frau Paiva, ich schaue, ob ich es einrichten kann.“

***

In der Mitte des Wohnzimmers der kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung stand Malizia umringt von den Kollegen und Kolleginnen. „Schön, dass ihr alle gekommen seid.“ Sie hob ihr Glas und rief „Prost!“

Ob Herr Wegner noch kommt, fragte sie sich. Sie trank einen kleinen Schluck und wandte sich dann an Susi, die neben ihr stand. „Hilfst du mir in der Küche?“ Die beiden Platten mit den Häppchen bedeckten fast die ganze Arbeitsplatte in der kleinen Kochnische. Malizia nahm eine der Platten und drückte sie Susi in die Hände. „Bitte biete jedem etwas an, und wenn du alle verteilt hast – hier steht die zweite Platte.“ Mit einer Handbewegung deutete sie darauf.

Es klingelte. Malizia ging zur Tür und öffnete. „Danke für die Einladung, Frau Paiva! Darf ich Ihnen meine Gattin vorstellen?“ Herr Wegner überreichte ihr einen Blumenstrauß. „Herzlichen Dank für die Blumen! Wie nett, Herr Wegner, Sie haben Ihre Frau mitgebracht.“ Sie begrüßte die Frau des Chefs und bat beide herein.

Ein erfolgreicher, vermögender Mann Anfang 60 – ein lohnendes Ziel! Dieser Gedanke kam Malizia bereits beim ersten Bewerbungsgespräch.

Bringt seine Frau mit! Na, dann eben nicht! Es gibt noch andere Kandidaten. Mal sehen, was der Abend so bringt, sinnierte sie.

Mit einem lauten „Jetzt wird getanzt“ schnappte sie sich einen Kollegen und zog ihn mit sich in die Mitte des Raumes.

Zur Musik von ABBAs Dancing Queen begann sie, sich im Rhythmus zu wiegen. Die Augen fast aller Männer im Raum waren auf ihren sich aufreizend bewegenden Körper gerichtet. Das karminrote Jersey-Kleid schmiegte sich eng an ihre sehr ausgeprägten Rundungen.

Peter flüsterte Hartmut zu: “Sexy Frau, wäre genau meine Kragenweite.“ „Versuche es doch bei ihr, du bist ungebunden“, ermutigte ihn Hartmut.

Gegen dreiundzwanzig Uhr verabschiedeten sich die Gäste nach und nach. Peter sagte zu Hartmut: „Ich muss leider auch gehen. Susi hat zu viel getrunken, und ich will sie nach Hause fahren.“ „Dann komme ich gleich mit.“ Hartmut wollte seinen Mantel holen, da hielt ihn Malizia zurück. „Hartmut, du musst mir noch helfen! Ich muss die leeren Flaschen in den Keller bringen. Alleine schaffe ich es nicht.“

„Dann fahre ich nachher mit dem Taxi heim“ sagte Hartmut zu Peter, der schon im Flur im Mantel mit Susi unterm Arm wartete.

Hartmut begann, die vollen Aschenbecher zu leeren.

Malizia verabschiedete Peter und Susi. Sie schloss die Wohnungstür und ging zurück ins Wohnzimmer. Sie legte eine Smooth Jazz-CD von Peter White ein. Langsam schritt sie auf Hartmut zu, der mit dem Rücken zu ihr stand und die letzten Flaschen in den Korb stellte, um sie in den Keller zu tragen.

„Lass das!“ Malizia nahm seine Hand und drehte ihn zu sich um. „Aber – ich sollte doch…“ Hartmut konnte den Satz nicht zu Ende sprechen. „Später!“ Sie presste ihre vollen Lippen auf seine und schmiegte sich ganz eng an ihn. Mit der rechten Hand massierte sie seinen Nacken mit leichtem Druck. Der leidenschaftliche Kuss kam völlig unerwartet. Eine Welle der Wollust durchströmte ihn heiß. Sein Körper wollte mehr, aber er drückte Malizia von sich weg.

„Das geht nicht! Ich bin verheiratet!“ Hartmut schwankte zwischen Vernunft und Verlangen. Er hatte schon seit langem keinen Sex mehr mit seiner Frau. Seit ihre Schwangerschaft auf das Ende zuging, hatte sie häufig unter körperlichen Beschwerden zu leiden. Ihre Libido war kaum noch vorhanden.

Malizia erkannte seine Unsicherheit. „Vergiss heute mal alles, genieße den Augenblick!“ Mit sanften, aber entschiedenem Druck schob sie ihn hinüber zur Couch. Er verlor das Gleichgewicht und fiel rückwärts auf die Couch. Malizia legte sich auf ihn, küsste ihn herausfordernd und begann zuerst, den Gürtel und dann seine Hose zu öffnen.

Sie streifte ihm die Schuhe ab, und mit einem Ruck zog sie ihm die graue Chinohose samt Unterhose aus. Wie gebannt ließ es Hartmut geschehen. Mit einem geschickten Handgriff öffnete sie den Reißverschluss, zog ihr Kleid über den Kopf und warf es auf den Boden. Der rote Spitzen-BH und der Spitzentanga hoben ihre üppigen Brüste und die weiblichen Rundungen mehr hervor, als sie zu verhüllen. Mit lasziven Bewegungen streifte sie BH und Tanga ab. Das Verlangen nach diesem Körper erfüllte Hartmut ganz und gar. Er griff nach ihr, was sie nur allzu gern geschehen ließ. Sie setzte sich auf ihn und ließ ihn innerlich triumphierend in sich eindringen. Sie hatte ihn unter ihrer Kontrolle und würde ihn nicht wieder entkommen lassen, dessen war sie sich sicher.

Vorsichtig schloss Hartmut die Wohnungstüre auf. Es war fast zwei Uhr. Langsam schlich er sich wie ein Einbrecher in Richtung Schlafzimmer. Er wollte seine Frau Anette nicht wecken. Fast geräuschlos zog er sich aus. „Du kommst spät“, murmelte Anette schlaftrunken. „Schlaf weiter, Liebes“ flüsterte ihr Hartmut zu. Die Erinnerung an das Geschehene ließ ihn noch lange nicht einschlafen.

***

Von Schuldgefühlen geplagt, versuchte Hartmut, Malizia seit dem One Night Stand in der Woche zuvor möglichst aus dem Wege zu gehen. Er fürchtete, die Kollegen könnten ihnen anmerken, was zwischen ihnen geschehen war. Er beschränkte sich auf Berufliches und vermied jedes private Gespräch mit ihr.

Er liebte doch seine Frau, und sie freuten sich sehr auf die Geburt ihres ersten Kindes! Nein! Was zum Teufel hat mich geritten, eine Affäre zu beginnen?, schoss es ihm durch den Kopf. Es ist keine Affäre, sondern war nur ein einmaliger, unbedeutender Ausrutscher, entschuldigte Hartmut sich selbst.

***

Heute Abend überrasche ich Hartmut mit einem romantischen Abendessen. Anette kam vom Einkaufen zurück. Mittlerweile fiel es ihr schwer, die Treppen zu ihrer Wohnung im ersten Stock zu erklimmen. Sie stellte den schweren Einkaufskorb ab, um die Wohnungstüre aufzuschließen. Die letzten Wochen war ich zu Hartmut immer so abweisend. Wenn mich nur nicht die fürchterlichen Rückenschmerzen immer wieder plagen würden. Sie wollte ihrem Mann deutlich zeigen, wie sehr sie ihn liebte. Ich werde nicht zulassen, dass wir uns entfremden! Anette war fest entschlossen, die Romantik in ihre Ehe zurück zu holen. Wenn erst mal unser Kind da ist, werden wir eine glückliche, kleine Familie sein, dachte Anette fest überzeugt.

Keuchend räumte sie den Korb aus und stellte das Gemüse und das Fleisch in den Kühlschrank. Heute wollte sie Hartmuts Lieblingsgericht zubereiten – französischen Kalbsbraten mit grünen Bohnen und Rosmarin-Kartoffeln, zum Nachtisch Crème brûlée. Vor ihrem geistigen Auge sah Anette den gedeckten Tisch, die Kerzen und wie sie beide verliebt am Tisch saßen. Genug geträumt, dachte sie. Ich habe viel zu tun, damit alles rechtzeitig fertig wird.

Gewöhnlich kam Hartmut gegen neunzehn Uhr nach Hause. Bis dahin musste alles perfekt sein. Anette bereitet den Braten vor und schob ihn in den Backofen. Die Bohnen und Kartoffeln hatten noch Zeit. Zuerst wollte sie den Tisch festlich decken!

Sie holte die beiden silbernen Kerzenständer und das Silberbesteck aus dem Schrank, um sie zu polieren – beides Geschenke ihrer Eltern zur Hochzeit.

Hartmut und sie kannten sich seit der Schulzeit und heirateten vor neun Jahren, nachdem Hartmut sein Studium beendet hatte. Der jahrelang vergebliche Kinderwunsch und die beiden Fehlgeburten, die sie erlitten hatte, belasteten ihre Ehe stark. Sie wünschte sich sehnlich ein Kind und war sehr glücklich, ohne Komplikationen im 7. Monat schwanger zu sein.

Obwohl erst vierunddreißig, war Anette medizinisch bereits Späterstgebärende. Dieses Mal durfte nichts das Leben ihres Kindes gefährden! Beide freuten sich, eine kleine Familie zu werden. Hartmut und sie kamen überein, dass sie ihren Beruf als Restauratorin für ein Jahr nach der Geburt aussetzen würde, um sich ganz ihrem Kind zu widmen.

Aus der Küche duftete der Braten köstlich. Der Tisch war gedeckt. Die Kartoffeln und die grünen Bohnen hatte sie zum Warmhalten ebenfalls in den Backofen gestellt. Anette hatte sich ihr hellblaues Kleid angezogen. Ihr schokobraunes, kinnlanges Haar hatte sie nach innen geföhnt. Trotz ihres Babybauches und der Gewichtszunahme während der Schwangerschaft wirkte sie immer noch zart.

Anette ging ins Wohnzimmer und knipste die Stehlampe bei der Couch ein, die den Raum augenblicklich in ein behagliches Licht tauchte. Sie ging hinüber zum Esstisch. Prüfend besah sie ihr Werk: die weiße Leinentischdecke, auf die sie ein paar rote Rosenblätter gestreut hatte, die passenden Stoffservietten, das weiße Porzellan, die Weingläser – für sie jedoch nur mit Wasser gefüllt – und die beiden Kerzenständer mit roten Kerzen.

Alles sah wunderschön aus, wie sie zufrieden feststellte. Es war kurz vor neunzehn Uhr. Gleich musste Hartmut da sein. Anette konnte es kaum erwarten, Hartmuts überraschtes Gesicht zu sehen.

Da klingelte das Telefon. Sie ging in den Flur und nahm das Gespräch an.

„Hallo Liebling!“ – Am anderen Ende der Leitung war Hartmut. „Hallo Hartmut, wo bleibst du? Ich warte auf dich“. – „Es tut mir leid, ich muss heute länger arbeiten. Gerade ist die Besprechung mit dem Bauherrn zu Ende, und ich muss einige Umplanungen vornehmen.“ – „Kannst du das denn nicht morgen erledigen? Ich habe mich auf einen schönen Abend mit dir gefreut!“ Enttäuschung schwang in Anettes Stimme mit. „Leider geht das nicht, denn morgen müssen die Tekturpläne sofort zum Statiker, damit dieser die Änderungen neu berechnet“, antwortete Hartmut ganz sachlich. „Warte nicht auf mich, es kann sehr spät werden“, fügte er hinzu.

„Gut, dann gehe ich früh zu Bett“ antwortete Anette mit einem unterdrückten Seufzer. Sie legte auf. Tränen schossen ihr in die Augen. Sie hatte sich so sehr auf einen romantischen Abend mit ihrem Mann gefreut! Ein Anruf zerschlug all ihre Wünsche. Weinend ging sie in die Küche, stellte den Herd ab und nahm den Braten aus dem Backofen.

Die ganze Mühe umsonst, ging es ihr durch den Kopf. Warum musste dies ausgerechnet heute passieren! Den Tisch räume ich nicht ab. Er soll sehen, was er verpasst hat! Zu der tiefen Enttäuschung mischte sich Wut.

Den Anblick des romantischen Szenarios im Wohnzimmer konnte sie nicht ertragen. Der Abend war verdorben! Sie wollte nur noch ins Bett und hoffentlich bald einschlafen können.

Hartmut stellte das Telefon in die Ladestation. Anette klang so enttäuscht, wunderte er sich. Sie hatten für den heutigen Abend nichts Besonderes geplant. Die Abende verliefen seit längerem nach dem gleichen Schema. Sie aßen und sahen sich die Nachrichten an. Anette wurde immer früh müde und ging meistens zeitig zu Bett. Hartmut saß üblicherweise bis dreiundzwanzig Uhr alleine im Wohnzimmer, wo er las oder ab und zu noch arbeitete.

Wieso klang sie heute enttäuscht? Er wischte den Gedanken schnell weg und konzentrierte sich auf die Arbeit. Wenn er sich ranhielt, konnte er in zwei Stunden fertig werden.

Die letzten Kollegen waren längst gegangen; nur Malizia war noch im Büro. Sie hatte Hartmuts Telefonat belauscht. Daher wusste sie, dass er heute länger arbeiten würde. Seit Wochen vermied er öfter als nötig, mit ihr zu sprechen. Malizia wartete auf eine Gelegenheit, dies zu ändern. Heute würde sie ihre Chance nutzen. Schnell sprang sie zum Feinkostladen an der Ecke. Sie kaufte ein paar Canapés mit Räucherforelle, Lachstatar, Foie gras und Büffelmozzarella. Dazu bestellte sie Antipasti-Gemüse und belegte Brote mit italienischer Salami und Leberwurst. Eine Flasche Rotwein aus dem Piemont rundete das geplante Büro-Picknick perfekt ab.

Hartmut war vertieft in seine Arbeit. Er bemerkte deshalb nicht, dass noch jemand im Büro war.

Malizia räumte ihren Schreibtisch ab und arrangierte all die Köstlichkeiten auf dem Tisch. Aus der Teeküche holte sie zwei Gläser und schenkte den Wein ein. Es war kurz nach einundzwanzig Uhr. Sie ging hinüber in Hartmuts Büro. Hartmut schaute verdutzt auf. „Malizia, du bist noch hier?“ fragte er erstaunt.

„Ich wollte einen Entwurf zu Ende bringen, und daheim wartet sowieso niemand auf mich. Ich habe eine Frage: Könntest du zu mir ins Büro kommen?“ fragte sie lächelnd.

„Gleich bin ich fertig, dann komme ich rüber.“ Hartmut hatte sich wieder seiner Arbeit zugewandt. Malizia ging zufrieden lächelnd zurück in ihr Büro.

Kurze Zeit später erschien Hartmut. „Was für ein Problem gibt es denn?“ fragte er sachlich. Erst jetzt sah er, dass der Schreibtisch mit Köstlichkeiten gedeckt war. Der Duft der Leckereien stieg ihm in die Nase. Sein Magen knurrte. Ihm wurde bewusst, dass er seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hat. Die Vorbereitung für das Gespräch mit dem Bauherrn heute Nachmittag ließ ihm keine Zeit für ein Mittagessen.

„Was ist denn das?“ fragte er erstaunt. Malizia reichte ihm ein Glas Wein. „Setz‘ dich. Eine kleine Überraschung. Du bist bestimmt hungrig, und ich habe auch noch nicht zu Abend gegessen. Da dachte ich, wir machen ein kleines Picknick. Lass uns anstoßen! Auf einen entspannten Feierabend!“ Malizia hob ihr Glas und prostete ihm zu.

Eigentlich sollte ich heim – ging es ihm durch den Kopf. Andererseits ist Anette bestimmt schon im Bett, und ich habe einen Riesen-Hunger.

Hartmut leerte das Glas Wein in großen Zügen. Genau sein Geschmack! Trocken, dunkelrote Farbe, Aroma von dunklen Beeren. Die Wirkung des Alkohols verflüchtigte seine Bedenken, und er spürte eine wohlige Entspannung.

„Malizia, die Überraschung ist dir geglückt! Seit heute Morgen habe ich nichts gegessen. Ich habe einen Mordshunger.“

Sie saßen nebeneinander, ließen sich die Canapés schmecken und genossen den Wein. „Ich hätte nicht gedacht, dass dieser stressige Tag so angenehm ausklingen würde“, bemerkte Hartmut. „Ich weiß eben, was dir guttut“, antwortete sie süffisant.

Malizia stand auf und setzte sich auf seinen Schoß. Ehe er sich versah, umschlang sie ihn mit ihrem Armen und küsste ihn. Eine Woge durchfuhr ihn heiß. Er wollte seine Frau nicht betrügen, aber das Verlangen war stärker.

„Wir sollten das nicht tun.“ Hartmut sagte es mehr zu sich selbst, als zu Malizia.

„Ich will dich! Wir sind alleine, keiner stört uns. Genieße das Hier und Jetzt!“, bestärkte sie ihn.

Diesmal genoss er den Sex mit ihr weit mehr als beim ersten Mal. Sein schlechtes Gewissen quälte ihn nicht mehr ganz so stark.

Fast geräuschlos schlich er in die Wohnung, ohne das Licht einzuschalten. Die Rollläden waren offen, und das Licht der Straßenbeleuchtung fand den Weg durchs Wohnzimmerfenster, durchdrang die Dunkelheit und erhellte den Flur gerade genug, damit er den Weg ins Schlafzimmer fand.

Am nächsten Morgen stand er als erster auf. Sein Gewissen plagte ihn ein wenig, und er wollte das Frühstück für sich und Anette zubereiten.

Auf der Arbeitsfläche in der Küche stand der Braten gut sichtbar, als wolle dieser ihn mahnend auf seinen Fehltritt hinweisen. Sie hat gestern für mich gekocht. Er ging hinüber ins Wohnzimmer. Der Esstisch war noch festlich gedeckt. Du bist ein Scheißkerl!, durchfuhr es ihn. Anette plante einen romantischen Abend, und du treibst es mit einer Anderen. Ich muss es wieder gut machen.

Er hörte Anette ins Bad gehen. Bald darauf kam sie ins Wohnzimmer. „Es tut mir so leid, Anette. Du hattest einen so schönen Abend geplant, und ich habe ihn dir verdorben!“ Hartmut fühlte sich schlecht. „Du musstest arbeiten, das muss ich hinnehmen.“ In ihrer Stimme vermischten sich Enttäuschung und Ärger. „Ich bin den ganzen Tag alleine, und abends kommst du auch häufig spät. Gestern Abend habe ich mir überlegt, ich fahre für eine Woche zu Pia.“

„Bitte sei nicht böse wegen gestern“ sagte Hartmut zerknirscht. „Bin ich nicht, aber ein wenig Abwechslung täte mir gut.“ Anette war fest entschlossen, sich nicht umstimmen zu lassen.

„Wann möchtest du fahren?“ Unmut machte sich in Hartmut breit. Ich konnte nicht ahnen, dass sie mich überraschen wollte. Wenn sie beleidigt ist, wenn ich länger arbeiten muss, dann soll sie doch fahren, dachte er verärgert.

„Ich dachte an morgen. Ich nehme den Zug gegen Mittag. Ich rufe Pia nachher an, um alles mit ihr zu besprechen. Erst letzte Woche fragte sie mich, wann ich sie endlich wieder besuchen komme.“

„Ich kann aus dem Büro kommen und dich zum Bahnhof fahren.“ Hartmuts schlechtes Gewissen versuchte, einzulenken.

„Das ist doch viel zu umständlich für dich, den ganzen weiten Weg vom Büro hierher und zurück. Ich nehme ein Taxi zum Bahnhof.“

***

Pia hatte sie am Bahnhof in Freiburg abgeholt. Nun saßen die Freundinnen im Wohnzimmer. Das gemütlich eingerichtete alte Häuschen in dem reizenden, kleinen Ort unweit von Freiburg bewohnten Pia und ihr Mann mit ihren drei Töchtern.

Aus dem ersten Stock drang Lachen und das Trapsen von Kinderfüßen.

„Danke, Pia, dass ich euch so kurzfristig besuchen darf.“ – „Du weißt, dass du uns, besonders mir, jederzeit willkommen bist. So habe ich die Gelegenheit, auch mal tagsüber Erwachsenengespräche zu führen.“

„Solange Gitta und Tine in der Schule sind, kann ich auf Emma aufpassen. Dann kannst du in Ruhe ein paar Stunden am Stück arbeiten“ schlug Anette vor. Sie liebte die Kinder. Besonders die kleine Emma war ihr ans Herz gewachsen.

„Das wäre wunderbar. Ein Auftrag muss bis nächste Woche fertig werden.“ Ein wenig Druck fiel von Pia ab. Mit Anettes Hilfe konnte sie sich mehr ihrer Arbeit widmen.

Im Anbau hatte sie sich vor fünf Jahren eine kleine Goldschmiedewerkstatt eingerichtet, als die Zwillinge drei Jahre alt waren und in den Kindergarten kamen. Ihr Mann Herrmann unterstützte sie voll und ganz bei der Verwirklichung. Als Informatiker lag seine Kreativität auf einem anderen Gebiet als Pias.

Mit der Zeit entwickelte sich durch Mundpropaganda ein immer größerer Kundenstamm, der Pias individuelle Kreationen sehr schätzte. Sie liebte ihren Beruf: das Zusammenspiel aus handwerklicher Fähigkeit und künstlerischer Kreativität, das Arbeiten mit Gold und farbigen Schmucksteinen. Besonders gerne verarbeitete sie Weißgold mit dunkelblauen Saphiren aus Sri Lanka oder Saphire aus Madagaskar, deren Farbschimmer von Blaugrün zu Grauviolett changierten. Neulich hatte sie einer jungen Kundin mit kleinem Budget einen Anhänger mit einem Ametrin empfohlen. Diese war begeistert von der Zweifarbigkeit des aus einem Amethyst und Citrin bestehenden Steines aus Bolivien. Natürlich war der wirtschaftliche Erfolg wichtig, aber stets stand die Freude und Zufriedenheit der Kunden bei Pia an erster Stelle.

„Aber wir nehmen uns auch Zeit nur für uns beide und machen einen Einkaufsbummel in Freiburg.“ Pia war fest entschlossen, die Zeit mit ihrer Freundin aus Kindheitstagen zu genießen.

Das Telefon klingelte. Pia nahm ab. „Grüß dich, Hartmut. Wir trinken gerade Tee. Ja, gerne, ich gebe sie dir.“ Pia reichte ihrer Freundin das Telefon. „Die Fahrt war gut, und Pia erwartete mich schon am Bahnhof“, antwortete Anette auf Hartmuts Frage. „Unternimm doch mal was mit Peter! Ich wünsche dir auch einen schönen Abend und schlaf gut!“ Damit legte Anette auf.

„Ist Anette verreist? Dann hast du ja sturmfreie Bude! Komm, lass‘ uns nach Feierabend was essen gehen.“ Peter hatte das Telefonat mitangehört. Auf ihn wartete niemand daheim. Er freute sich, mal wieder einen Abend mit Hartmut zu verbringen.

„Ok, das machen wir“, antwortete Hartmut ein wenig bedrückt, denn seine Frau war am Telefon sehr wortkarg gewesen.

Malizia stand draußen im Flur und hatte alles mit angehört.

***

„Tante Anette, gehen wir auf den Spielplatz?“ Anette nahm Emma an die Hand, die im Februar vier Jahre alt wurde. Gemeinsam verließen sie den Kindergarten. „Zuerst essen wir mit Gitta, Tine und Mama zu Mittag. Danach können wir spielen gehen. Vielleicht wollen deine Schwestern auch mit“, antwortete Anette. – „Aber ich will mit dir alleine spielen“, forderte Emma. – „Gitta und Tine spielen sicher miteinander, dann spiele ich mit dir“, beschwichtigte Anette.

An der Gartentüre trafen Anette und Emma die achtjährigen Zwillinge Tine und Gitta, die soeben aus der Schule kamen. Die Zwillinge liefen ins Haus, warfen ihre Schulranzen auf den Boden, zogen die Jacken aus und setzten sich gleich an den gedeckten Tisch in der Küche.

Anette und Emma folgten ihnen in die Küche. Pia hatte eines der Lieblingsessen der Kinder gekocht: Spaghetti mit Tomatensoße und natürlich reichlich Parmesan darüber.

Nachdem die hungrige Bande gesättigt war, sagte Pia zu ihren Kindern: „Zuerst macht ihr Hausaufgaben, dann dürft ihr mit Anette auf den Spielplatz.“

„Ich habe keine Hausaufgaben“, seufzte Emma traurig. – „Du hast es gut, Emma. Komm Tine, beeilen wir uns!“, rief Gitta ihrer Schwestern zu. Beide liefen nach oben in ihr Zimmer.

„Pia, du kannst in deine Werkstatt gehen! Ich räume hier auf und gehe anschließend mit den Mädchen spielen.“ – „Danke, Anette! Du bist mir eine große Hilfe. Ich muss ein Armband fertig machen, auf das ein Kunde wartet, ein Geburtstagsgeschenk für seine Frau.“ Damit begab sich Pia in ihre Werkstatt. Anette räumte die Küche auf und ging, nachdem die Zwillinge ihre Hausaufgaben erledigt hatten, mit den beiden und Emma zum Spielplatz.

Kurz vor achtzehn Uhr kamen sie erschöpft und hungrig zurück. Anette machte den Mädchen belegte Brote. Nachdem die Kinder satt waren, ging sie mit ihnen nach oben, um vor allem Emma beim Waschen zu helfen. Kurz darauf kam Pia aus der Werkstatt ins Haus. Sie hörte die Kinderstimmen aus dem Bad und stieg die Holzstufen hinauf. „Ihr seid schon bettfein?“ sagte sie erstaunt.

„Es war ganz toll mit Anette. Und wir haben schon gegessen. Morgen gehen wir nach der Schule ins Tiergehege. Anette hat es versprochen!“, erzählten sie ihrer Mutter und redeten dabei wild durcheinander. „Na, hoffentlich nehmt ihr Anette nicht zu sehr in Beschlag. Sie darf sich nicht zu sehr anstrengen, denn sie bekommt bald ein Baby“, erklärte Pia ihren Töchtern. „Nö, tun wir gar nicht! Sie saß sogar eine Weile auf der Bank und hat sich ausgeruht“, verteidigte sich Gitta. „Sie waren ganz brav, und für mich war es ein sehr schöner Nachmittag“, beschwichtigte Anette.

„Liest du uns noch eine Geschichte vor, Anette“, bettelten die Mädchen. „Sehr gerne“, antwortete sie mit einem Lächeln. „Gut, dann gehe ich in die Küche und mache Abendessen für uns Erwachsene. Hermann kommt bald nach Hause.“

***

Malizia saß in ihrem kleinen Wohnzimmer auf der Couch und sinnierte. Sie hatte heute Nachmittag das Telefonat von Hartmut mit seiner Frau belauscht. Seine Frau ist verreist, und er ist für die nächsten Tage alleine zu Hause. Am liebsten würde ich gleich zu ihm fahren, aber der Blödmann von Peter muss sich gleich aufdrängen und mit ihm heute Abend was unternehmen, ging es der verärgerten Malizia durch den Kopf. Macht nichts, übers Wochenende ist seine Frau nicht da, dann fahr ich bei Hartmut vorbei. Diese Chance lass‘ ich mir nicht entgehen!

Malizia hatte Susie ausgefragt – natürlich so geschickt, dass diese nur kollegiales Interesse vermutete. Das war nicht schwer. Malizia verstand sich darauf, Menschen zu umgarnen, um zu bekommen, was sie wollte. Im Gedanken checkte sie die erhaltenen Informationen über Hartmut: Seit Jahresanfang ist er Büroleiter, Mitte dreißig, sehr ambitioniert. Mit solch einem Mann bekomme ich gesellschaftliches Ansehen und finanzielle Sicherheit. Sie sah sich in Gedanken schon als die Frau an Hartmuts Seite.

***

„Was hast du am Wochenende vor? Wir könnten gemeinsam eine Radtour unternehmen!“ fragte Hartmut Peter. „Schade, geht leider nicht, meine Schwester mit Familie kommt mich übers Wochenende besuchen. Ich muss mich beeilen, einkaufen und alles herrichten.“ – „Na, dann nehme ich mir Arbeit mit nach Hause. Anette wird erst am Dienstag zurückkommen“, antwortete Hartmut etwas enttäuscht. „Schönes Wochenende“ rief ihm Peter zu, als er eilends das Büro verließ.

Malizia stand beim Kopierer und hörte interessiert zu. Beschwingt ging sie zurück in ihr Büro, nahm ihre Tasche und ihre Jacke und wünschte Susi ein schönes Wochenende.

„Aber wir wollten die Mauerwerks-Ausschreibung für den Schulhausneubau durchgehen“, sagte Susi mit einem fragenden Gesichtsausdruck. – „Oh, das würde ich gerne, aber ich treffe mich mit einer Freundin, die nur heute in der Stadt ist, tut mir leid, Susi. Ich hatte versprochen, sie zu treffen und kann doch mein Wort nicht brechen! Das verstehst du doch bestimmt! Arbeite nicht zu lange und ein schönes Wochenende!“ Damit ließ sie Susi verdutzt stehen.

Eine Stunde später verabschiedete sich Hartmut von seinem Chef. Dabei sah er Susi in ihrem Büro. „Susi, du bist ja immer noch da. Es ist Freitag, und du machst Überstunden.“ „Ich habe die Mauerwerks-Ausschreibung durchgesehen. Am Montag kann sie verschickt werden. Jetzt mach‘ ich mich auch auf den Weg nach Hause.“

Susi wirkte müde. „Pack‘ alles zusammen, ich fahre dich heim!“, entschied Hartmut. „Danke, das ist sehr nett von dir, Hartmut! Dann brauche ich nicht auf die S-Bahn zu warten. Wegen den Bauarbeiten kommt es momentan laufend zu Verspätungen.“

Malizia saß in ihrem Fiat 500 vor Hartmuts Wohnung und wartete. Sie hatte sich umgezogen, ihre seriöse Bürokluft gegen ein Kleid mit Ausschnitt getauscht, sich frisch geschminkt und ein betörendes Parfum aufgetragen. Hartmut findet mich sicherlich unwiderstehlich, stellte sie fest, als sie sich wenige Minuten zuvor zufrieden im Spiegel betrachtet hatte.

Als er auf ihr Klingeln hin nicht öffnete, wunderte sie sich, wieso er nicht zuhause war. Sie ging zurück zu ihrem Auto und stieg wieder ein. Sie hatte deutlich gehört, dass er zu Peter sagte, er wolle sofort heimfahren.

Das Warten kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Was, wenn er es sich überlegt hatte, nun doch noch etwas unternahm und ihren schönen Plan zunichtemachte?

Wo bleibt er nur so lange, dachte sie ungeduldig. Endlich kam er. Er parkte seinen Wagen und stieg aus, bepackt mit einer Lebensmitteltüte und seiner Aktenmappe. Malizia beobachtete ihn. Lass ihn erst alles wegräumen, beruhigte sie sich.

Kurz darauf ging sie hinüber zur Haustüre. Gerade, als sie klingeln wollte, öffnete sich die Haustüre, und eine Frau mit Hund kam heraus. Schnell schlüpfte sie ins Treppenhaus und ging hinauf zu Hartmuts Wohnungstür. Sie drückte die Klingel.

Hartmut hatte gerade das kurze Telefonat mit Anette beendet und war dabei, die Einkäufe zu verstauen. Er ging zur Tür, öffnete und sah verdutzt Malizia vor sich stehen.

„Malizia, was machst du hier?“ – „Überraschung!“ Sie hielt ihm die Champagnerflasche vors Gesicht. „Bittest du mich nicht herein?“ säuselte sie. – „Komm herein, bevor dich jemand sieht.“ Hartmut zog sie in die Wohnung. – „Du bist heute aber stürmisch. Ich dachte, wir trinken erst mal etwas“, bemerkte sie zweideutig. Hartmut schloss die Wohnungstür. „Wieso kommst du hierher? Was, wenn meine Frau hier wäre?“ – „Mach dir keine Sorgen! Ich hörte, dass sie verreist ist. Entspann‘ dich und lass uns den Abend genießen.“ Sie schmiegte sich an ihn und küsste ihn. Er ließ es einfach geschehen. Die Begierde siegte über das Gewissen.

***

Gitta und Tine waren zu einem Kindergeburtstag eingeladen, und da es Samstag war, durften sie bei ihrer Schulfreundin übernachten. Herrmann fuhr die Zwillinge hin und anschließend mit Emma weiter, um seine Eltern zu besuchen. Pia und Anette hatten jetzt ausgiebig Zeit für sich. Das Wochenende gehörte ganz ihnen.

Sie entschlossen sich zu einem kleinen Bummel durch Freiburg: am neuen Rathaus vorbei, die Kaiser-Josef-Straße entlang – von den Freiburgern nur „Kajo“ genannt – mit ihren vielen Modeläden, Juwelieren und Porzellangeschäften. Dann ging’s hinüber zum Münster: Mit seinem 116 m hohen Turm, dem Hochaltar von Baldung Grien und den Glasmalereien gehörte das Münster zu den Meisterleistungen gotischer Architektur in Europa.

„Welch ein herrliches Bauwerk. Ich bin jedes Mal fasziniert, wenn ich es sehe. Welche Schicksale wohl mit der über 300-jährigen Bauzeit verknüpft sind? Haben die Menschen in all der langen Zeit seit der Grundsteinlegung im Jahre 1200 mehr Glück oder Leid erlebt?“ Anette sagte dies mehr zu sich selbst als zu Pia.

„Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Meist nehme ich im Alltag die wundervollen Gebäude in der Altstadt gar nicht wahr, wenn ich hastig meine Einkäufe erledige“, antwortete Pia.

„Ich bin ein wenig müde, Pia. Können wir uns in ein Café setzen?“

„Lass uns auf den Schlossberg gehen. Bis zur Schlossbergbahn im Stadtgarten sind es nur ein paar Minuten“, schlug Pia vor. Kurz darauf saßen sie in der Bahn, die auf den Schlossberg hochfuhr.

Oben angekommen, fanden sie auf der Café-Terrasse einen freien Tisch.

„Herrlich, der Blick über ganz Freiburg!“ Anette war hingerissen, und die Rückenschmerzen ließen ein wenig nach.

„Wie steht es mit dir und Hartmut? Du hattest am Telefon von Spannungen zwischen euch gesprochen“, fragte Pia. Anette atmete tief durch. „Eigentlich ist alles gut. Aber ich bin oft allein, denn er arbeitet sehr viel. Ich schlafe häufig schlecht, und der Rücken schmerzt oft. Dann bin ich leicht reizbar. Kurz bevor ich zu euch kam, hatte ich einen romantischen Abend geplant, den Tisch schön gedeckt und sein Lieblingsessen gekocht. Und dann ruft er kurz bevor er normalerweise heim kommt an und sagt, er müsse länger arbeiten. Warum tut er das? Ich war verletzt und wütend. Er kam sehr spät heim, ich wachte kurz auf. Wir schlafen seit ein paar Monaten nicht mehr miteinander. Das fehlt ihm sicherlich, aber ich fühle mich häufig schlecht und habe keine Lust in meinem Zustand. Ich habe Angst, dass wir uns entfremden. Ich liebe Hartmut sehr und will auf keinen Fall unsere Ehe gefährden.“ Anette saß zusammengesunken da und war den Tränen nahe.

Pia legte ihre Hand tröstend auf Anettes. „Ihr liebt euch doch. Bald bekommt ihr ein Kind, auf das ihr euch beide freut. Du wirst sehen, nach einer Weile hast du bestimmt wieder Lust auf Sex. Mir ging es während der Schwangerschaft ähnlich. Nach der Geburt der Zwillinge normalisierte sich unser Sexleben ganz von alleine. Sicherlich machen viele Ehepaare so eine Phase durch. Überrasche ihn und hole ihn vom Büro ab. Geh‘ mit ihm essen, und macht euch einen schönen Abend! Sag ihm, dass du mehr Zeit mit ihm verbringen möchtest. Meiner Meinung nach habt ihr keine wirklichen Probleme. Das bekommt ihr hin!“

Anette fuhr bereits am Montag heim – einen Tag früher als geplant. Sie wollte am Abend ihren Mann überraschen und ihn vom Büro abholen. Von Pia aus hatte sie einen Tisch bei ihrem Lieblingsitaliener reserviert. Hartmut und sie genossen die gute Küche von Luigi.

Bald würde der Zug Frankfurt erreichen. Er erwartete sie erst morgen. Die Überraschung gelingt mir sicherlich, freute sich Anette. Sie konnte es kaum erwarten, ihren Mann zu umarmen. Es war noch genügend Zeit, um nach Hause zu fahren, ihr Gepäck abzustellen und danach mit dem Taxi zu Hartmut ins Büro zu fahren.

Sie bezahlte das Taxi, stieg aus und ging zum Eingang des Bürogebäudes. Sein Auto stand auf dem Parkplatz. Hartmut arbeitete noch. Es war kurz vor neunzehn Uhr. Sie hatte den Tisch auf neunzehn Uhr dreißig bestellt. Es war noch genügend Zeit, um pünktlich bei Luigi zu sein.

Sie fuhr mit dem Fahrstuhl hoch. Das Vorzimmer war leer. Mein armer Mann, durchfuhr es Anette. Arbeitet immer so lange. Im Büro war es still. Alle Angestellten waren offensichtlich schon nach Hause gegangen. Nur ein paar Geräusche drangen aus Hartmuts Büro an ihr Ohr. Sie ging den Flur entlang.

Seine Tür war offen. Schon von weitem sah sie ihn und eine Frau. Hartmut stand mit dem Rücken zur Türe. Die Frau sah in ihre Richtung. Plötzlich umschlang sie Hartmut und küsste ihn leidenschaftlich. Er nahm das nicht einfach nur überrascht hin, sondern seine Hände erforschten begierig den Körper der Frau.