Mama, ich liebe einen Killer - C.B. Behm - E-Book

Mama, ich liebe einen Killer E-Book

C.B. Behm

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Beschreibung

Mitten in Tokyo wird ein angesehener Börsenmakler erschossen. Der Killer entkommt unerkannt vom Tatort.In unmittelbarer Entfernung geht der talentierte Taiki seinem Job als Assistenzarzt mit großer Hingabe nach. Sein geregeltes Leben endet jäh, als er auf einen schwer verletzten Mann trifft, der um keinen Preis im Krankenhaus behandelt werden will. Kurzerhand gewährt er ihm Unterschlupf, operiert diesen, ohne zu wissen, welche Kette von Ereignissen er damit lostritt. Nach einigen Bedenken akzeptieren beide die gegenwärtige Situation und zunächst sieht alles danach aus, dass Yusei sich gesund pflegen ließe und anschließend unbehelligt seiner Wege ginge.Obwohl sie sich während ihrer gemeinsamen Zeit näher kommen, bleibt ihr Verhältnis zueinander unge-klärt.Auf offener Straße küsst Yusei Taiki, um einer vorbeifahrenden Polizeistreife zu entgehen. Verschreckt und in der festen Überzeugung, heterosexuell zu sein, will Taiki fliehen, doch Yusei lässt das Zerbrechen ihrer Freundschaft nicht zu. Taiki von dieser Art Beziehung zu überzeugen, fällt ihm nicht schwer, denn der junge Mediziner ist in dieser Hinsicht vollkommen unerfahren. Unvermeidlich kommt der Tag, an dem sich ihre Wege trennen und Taiki realisiert zu spät, dass er sein Zimmer mit jemandem geteilt hat, über den er nicht das Geringste weiß. Während Taiki sich betrübt mit dieser Tatsache abfindet, kehrt Yusei in sein altes Leben zurück. Als er einen seiner Abstecher ins Bordell-Viertel Tokyos macht, wird ihm zunehmend bewusster, dass es keinen Sinn hat, seine Gedanken an Taiki zu verdrängen.Yusei besucht ihn in dessen Haus und erlebt eine Situation voller Absurdität: Taiki wird von seiner schrei-enden Mutter mit einem Messer bedroht und verhält sich dabei selbst wie ein verstörtes Kind. Bei Yuseis Auftauchen versucht Frau Kohara sogar, ihren Sohn zu töten, in der absurden Meinung, Taiki dürfe keine Freunde haben. Yusei kann Schlimmeres verhindern.Diesen Ereignissen folgend, beschließt Yusei, dass es an seiner Seite in keinem Fall gefährlicher ist, als in der Nähe von Taikis Mutter. Er kann Taiki davon überzeugen, für eine Weile zu ihm zu ziehen. Taiki ist Yusei sehr dankbar für seine Unterstützung. Dem Luxus, auf den er in Yuseis Umfeld trifft, begegnet er mit Argwohn, obgleich sein Gastgeber seine finanzielle Situation herunterzuspielen versucht. Yusei entgeht der Frage nach seinem Reichtum, indem er Taiki von seiner Vergangenheit als Findel- und ewig ungeliebtes Heimkind erzählt. Nachdem beide sich ihre Gefühle gestanden haben, folgt für den unerfahrenen Taiki eine heiße, erste Nacht mit seinem rücksichtsvollen Gastgeber.Endlich scheinen die Risse in Taikis Gefühlswelt einigermaßen zu verheilen, da entdeckt er zahllose Waffen in einem von Yuseis sonst verschlossenen Schränken.

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Seitenzahl: 357

Veröffentlichungsjahr: 2013

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C. B. Behm

Mama, ich liebe einen Killer

Himmelstürmer Verlag, Kirchenweg 12, 20099 Hamburg,

Himmelstürmer is part of Production House GmbH

www.himmelstuermer.de

E-mail: [email protected], August 2013

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Verlages

Rechtschreibung nach Duden, 24. Auflage

Coverfoto: Coverfoto:© fotolia.com

Das Model auf dem Coverfoto steht in keinen Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches und der Inhalt des Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Models aus.

Umschlaggestaltung: Olaf Welling, Grafik-Designer AGD, Hamburg.www.olafwelling.de ISBN print 978-3-86361-325-9 ISBN epub978-3-86361-326-6 ISBN pdf: 978-3-86361-327-3

Die Handlung und alle Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeiten mit realen Personen wären rein zufällig.

Tokyokiller

Tokyo.

Eine riesige Stadt.Ein Bürogebäude.Er lag auf dem Dach und die Dämmerung des ausklingenden Tages senkte sich langsam auf ihn herab.Warten, das war sein Job. Beobachten, ohne gesehen zu werden. Auf eine ganz bestimmte Person zu warten, abzudrücken und ihr das Leben auszuhauchen. Das war sein Job als Auftragskiller.Das Timing war nahezu perfekt. Zeit- und Ortsangabe seines Auftraggebers stimmten auf die Minute genau überein. Ein gefährliches Grinsen schlich sich in sein Gesicht, als das Zielobjekt ahnungslos in das rote Fadenkreuz seiner Mac Millan spazierte. Eine faszinierende Waffe, die wirklich angenehm in seiner Hand lag. Das Zielobjekt war ein dicker Mann. Ein stinkreicher Kerl, der in zwanzig Sekunden in einer schwarzen Limousine verschwinden würde.Also noch mehr als genug Zeit für ihn, darüber nachzudenken, was es für einen Unterschied machte, wenn dieser Typ gleich mit einem sauberen Kopfschuss auf dem Asphalt aufprallen würde. Gut, erst mal wäre er selbst dann um eine üppige Prämie reicher. Die Miete seiner kleinen Wohnung und die regelmäßigen Besuche bei diversen Imbissbuden wären erst einmal gesichert. Eindeutig ein Grund dafür! Des Weiteren wäre sein Auftraggeber zufrieden mit ihm und würde ihn vielleicht endlich nicht mehr wie einen Anfänger behandeln. Schließlich war er schon seit acht Jahren erfolgreich im Geschäft und verdiente es nicht, dass der arrogante Penner ihm jedes Mal die halbe Zigarre ins Gesicht pustete! Also noch ein Grund dafür. Kinder oder eine Frau hatte sein Ziel nicht und der Gesellschaft würde ein Aktieninhaber mehr oder weniger sicher auch nicht stören. Nur noch zehn Sekunden ... Also sollte er sich langsam auf den Grund konzentrieren, aus dem er spät abends mit dem Bauch auf einem eiskalten Dach lag ...„Mhm ...” Zweieinhalb Bar lasteten auf einem drei Bar Abzug. Jeder Muskel seines Körpers war bis auf das Äußerste angespannt und dann ...Kaum hatte er abgedrückt, ruckte der leichte Rückstoß der Waffe gegen seine Schulter. Kaum eine Viertelsekunde später brach ein wohlbeleibtes Individuum, wie von ihm vorausgesehen, mit einem sauberenKopfschuss, halb in der Tür seiner unheimlich teuren Limousine hängend, zusammen und Tokyo war um einen reichen Pinkel ärmer ...Kein großer Verlust.Nach einem belustigten Schnauben zog er sich von der Dachkante zurück und richtete sich völlig gelassen auf. Unruhe und Hektik verraten ihn nur, das hatte er früh gelernt. Deshalb und auch, weil es für ihn ohnehin keinen Anlass zur Eile gab, schlenderte er in aller Ruhe auf das Treppenhaus zu. Die schöne, neue Mac warf er in einen offenen Lüftungsschacht, der viele Meter tiefer über einer Mülltonne endete, welche morgen früh geleert werden würde. Es spielte keine Rolle, ob sie die Waffe fanden oder nicht. Seine Lederhandschuhe trug er wie immer, schließlich war er Profi, und anders als seine eigenen Waffen war dieses Gewehr nur für diesen Auftrag gedacht und selbstverständlich nicht registriert, noch sonst irgendwie mit ihm oder seinem Auftraggeber verbunden. Trotzdem tat es ihm um das schöne Stück leid ... Es polterte laut den Schacht hinunter, während er selbst den langsameren Weg über die Treppen nahm.„Hm, hm, hm ...” Summend zog er einen Schokoriegel aus seiner Jacke und machte sich darüber her. Genüsslich ließ er sich die Schokolade auf der Zunge zergehen und zog seine schwarze Mütze bis über beide Ohren, bevor er das Treppenhaus durch eine schwere Metalltür verließ und die Handschuhe in seiner Jackentasche verschwanden. Zwar war es noch kalt genug für Handschuhe, aber normalerweise trug er keine und an einen Typen mit Handschuhen würde man sich eher erinnern, als an einen ohne. Zufrieden stopfte er noch eine seiner Strähnen unter die Mütze und biss erneut von dem Riegel ab. Wie oft hatte er schon darüber nachgedacht, sich die Haare zu färben ...? Irgendein völlig gewöhnliches Matschbraun wäre perfekt, denn seine natürliche Haarfarbe, ein hell leuchtendes Weiß, war für jemanden, der Leute gegen Geld umbrachte, nicht unbedingt eine gute Tarnung ... Jedoch, so oft er bereits darüber nachgedacht hatte, verzagte er letztendlich doch. Er hasste es, sich zu verstellen und der Gesellschaft wegen zu verbiegen. Auf eine gewisse Art mochte er seine Haarfarbe. Sie kam gut bei den Frauen an. Nicht, dass er ernsthaftes Interesse daran hegte ... Bei seinem Job konnte er sich ohnehin keine feste Beziehung leisten. Trotzdem war es hin und wieder toll, mit nur einem Zwinkern und einem anzüglichen Grinsen jede Schönheit dazu zu bekommen, ihm überall hin zu folgen.„Milchshake bitte. Vanille.” Vier Münzen wanderten über den Tresen und er spazierte weiter. Es stimmte wirklich, was diese vertrottelten Bullen in den Fernsehshows erzählen. Es zog den Schuldigen anden Ort des Verbrechens. Er wollte hingehen. Zusehen, wie sie die Leiche abtransportierten und ein betroffenes Gesicht für den Ermordeten machen. Der Polizei unschuldig sagen, dass er nichts gesehen habe und wie schrecklich gefährlich es doch auf den Straßen Tokyos geworden sei. Natürlich tat er nichts davon. Diesen Drang spülte er mit seinem Vanilleshake hinunter. Schließlich war er Profi.Seufzend blieb er vor dem Schaufenster einer Frauenboutique stehen und starrte in die Auslage. Es war sinnfrei und er tat es nur, um sich abzulenken. Stattdessen überlegte er, dass er immer noch Hunger hatte. Hinter ihm befand sich eine Kneipe. Das wusste er genau, denn diese Gegend war ihm nicht unbekannt. Auch, wenn seine kleine Wohnung, zu der ihn im Moment noch nichts zog, in einem völlig anderen Stadtteil lag. Nein, die leeren vier Wände, welche er Zuhause nannte, würden noch eine Weile auf ihn warten müssen. Ein weiterer Schokoriegel fand in seinen Magen, bevor ihn der skeptische Blick der Boutique-Inhaberin traf und er weiter schlenderte. Mit seiner Mütze sah er wohl nicht besonders vertrauenerweckend oder charmant aus ... Völlig sorglos streckte er sich in die Länge, während er durch die Fußgängerzone auf die Straße zuhielt. Dies war der Moment, in dem es passierte.Aus heiterem Himmel fühlte er einen Stich in der rechten Wade, bevor das wahre Ausmaß der Schmerzen in Sekundenschnelle seinem Gehirn gemeldet wurde und er sich die Hand vor den Mund schlug, um nicht laut aufzuschreien.Scheiße! Das muss die Konkurrenz sein!Oder sein Auftraggeber, der das Interesse an ihm verloren hatte! Sofort blickte er wild um sich und sah durch Zufall im Schein der Straßenlichter etwas blitzen. So schnell es ihm möglich war, humpelte er auf die Bäume und Böschung rechter Hand zu und lehnte sich schmerzhaft keuchend gegen einen der Stämme.Scheiße, Scheiße, Scheiße!Vorsichtig schielte er zu seinem Bein hinunter, sah aber sofort wieder auf und drehte sich mit einem gequälten Laut zu dem Baumstamm um. Seine Jeans war vom Knie abwärts dunkel gefärbt.Scheiße!Hier war er zwar vorläufig in Sicherheit, da er unter den Bäumen kein Ziel bot, doch wie sollte er hier wegkommen? Abgesehen von dem Typen, der offensichtlich ihn zum Zielobjekt hatte, konnte er sich vor Schmerzen kaum das Schreien verkneifen und das, obwohl er nur an einen Baum gelehnt stand! Laufen zu wollen, wäre utopisch! Von den Passanten hatte offensichtlich niemand etwas bemerkt. Er wusste nicht, ob er sich darüber freuen oder den Egoismus der Welt verfluchen sollte ... Mit wachsendem Entsetzen bemerkte er, dass sich die Lache unter seinem Fuß in Windeseile vergrößerte. Was zum Teufel war da los? Und warum drehte sich in seinem Kopf alles?

Judento Hospital

„Kohara-sensei!”

Aufgeregt zog eine der Schwestern am Ärmel des jungen Mannes.Taiki Kohara sah sich um.„Beeilen Sie sich!”Zwar lag das Klemmbrett des vorigen Patienten noch in seiner Hand, jedoch folgte er dem Ruf sofort. Er mochte Minako und ihre Anrede schmeichelte ihm sehr. Allerdings war er nur Assistenzarzt im dritten Lehrjahr. Erst in einem halben Jahr hätte er sich den Titel „Sensei” verdient! Dafür arbeitete er hart und er war gut.Die Platzwunde des fünfjährigen Jungen versorgte er in aller Ruhe. Auch die Mutter, welche ihm hysterisch ins Ohr schrie, ihr Kind sei fast verblutet, ignorierte er gekonnt und überließ sie der Schwester. Kaum war er fertig, lächelte er den schluchzenden Kleinen an und zauberte aus seiner Kitteltasche einen Schokoriegel hervor.„Sieh mal”, zog er die Aufmerksamkeit des Jungen auf sich, woraufhin er einen misstrauischen, verheulten Blick erntete und das Kind ihn beim Öffnen der Verpackung beobachtete.„Soll ich mit dir teilen?” Lächelnd ließ Taiki ein Stückchen in seinem Mund verschwinden und musterte den Jungen fragend. Dieser nickte langsam und streckte schniefend seine kleine Hand aus. Die Tränen waren bereits vergessen, als der kleine Patient sich grinsend zwei Stück Schokolade in den Mund schob. Aufmunternd streichelte Taiki über die vor Aufregung gerötete Wange.„So ein tapferes Kind”, lobte er. „Wollen wir deiner Mama auch ein Stück geben?” Sichtlich fasziniert nickte der Kleine und der Assistenzarzt ließ ihn sich ein weiteres Schokoladenstück nehmen, bevor er der aufgeregten, jungen Frau gutmütig den Rest hinhielt. Auch sie schien von seiner Wirkung auf ihren Sohn beeindruckt zu sein und nahm die Schokolade perplex entgegen.„D-Danke”, brachte sie über ihre Lippen.„Dafür nicht”, entgegnete er mit einem freundlichen Nicken und wendete sich ab, denn der nächste Fall erforderte seine Aufmerksamkeit. „Minako-san1, kümmere dich bitte um den Rest.” Dem kleinen Jungen winkte er noch zu, bevor er ging. „Mach’s gut!”Sich um Kinder zu kümmern war das Highlight seines Jobs. Der nächste Fall war allerdings deutlich anderer Natur. Bei einem Autounfall hatte sich einer Frau ein spitzer Gegenstand in die Brust gebohrt. Natürlich war das nichts, was man einem Noch-Lehrling wie ihm überließe. Dennoch assistierte er seinem Chefarzt Taoka fleißig wie üblich und rettete gemeinsam mit ihm ihr Leben.Vor dem OP-Saal ließ sein Chef sich seufzend auf einen der Stühle fallen und zog sich den Atemschutz vom Gesicht, ebenso wie er selbst es tat. Dennoch wollte der junge Arzt gleich weiter eilen, um zu sehen, ob es in der Aufnahme etwas zu tun gäbe.„Kohara-kun2”, hielt Taoka den Jüngeren zurück, bremste seinen Eifer, indem er auf den Stuhl neben sich deutete und ihm anschließend die Hand auf die Schulter legte. „Das hast du gerade sehr gut gemacht.”Der junge Mann, dessen kurze, schwarze Haare ihm ein wenig ins Gesicht hingen, bedankte sich nickend. Sie mochten sich und Taoka war der beste Arzt, von dem er lernen konnte. Fachlich wie menschlich.„Aber, Junge,”, tadelte der Ältere sachte, „lass es ruhiger angehen, verstanden? Du bist der beste Azubi, den wir haben, aber ein so großes Krankenhaus hat viele Ärzte. Nicht du allein bist für die da vorne zuständig, klar?”Errötend senkte der Assistenzarzt den Blick auf seine Knie. Sein Übereifer packte ihn des Öfteren und immer wieder holte Taoka ihn auf den Teppich zurück. Dass er sich dabei fühlte, wie ein kleiner Junge, der von seinem Vater gelobt und getadelt wurde, störte keinen der beiden.„Sie haben recht, Verzeihung.” Für einen Moment gab der Lehrling seine Körperspannung auf, um tief durchzuatmen. Zufrieden strich er sich die Haare aus der Stirn. „Danke vielmals für Ihr Lob, Sensei.” Er stand auf und wusste, dass sein Chef ihm lächelnd nachsah, als er nun gemächlich auf die Aufnahme zu schritt.„Du hast es verdient, Kohara-kun.”Die Aufnahme war recht leer. Minako kam auf den Tresen, an dem er stand, zu und strahlte ihn aus ihren großen, braunen Augen an.„Wie Sie mit dem Jungen umgegangen sind, Kohara-sensei ... Sogar die Mutter war völlig beeindruckt!”„Ach, wirklich?” Verlegen studierte er eine vollkommen unwichtige Akte.„Ja, sie hat gefragt, wer das denn gewesen sei und ich habe gesagt: Das war der allerbeste Arzt des Judento Hospital!”Vor lauter Entsetzen ließ er seine Akte sinken und starrte sie an. Das konnte sie nicht ernsthaft gesagt haben! Bitte nicht!!„D-Das hast du nicht wirklich ...” Ihr schallendes Lachen bei seinem Gesichtsausdruck verriet sie und er fand sein Lächeln erleichtert wieder.„Nein, keine Sorge. Ich habe das ‚Assistenz’ vor dem ‚Arzt’ nicht vergessen, aber sonst stimmt es”, gab sie zu.Dennoch errötete er. Er war gut, ja, aber warum mussten es ihm alle direkt sagen? Warum mussten sie ihn in den Mittelpunkt stellen? Er mochte es nicht, aber das musste er wohl ertragen, solange er nicht zu den weniger fähigen Beschäftigten seines Fachs gehörte.„Würden Sie nach der Schicht etwas mit mir trinken gehen?”Nach einem Moment nickte er und brachte sie damit dazu, wieder fröhlich in einer der Behandlungskabinen zu verschwinden. Er sah ihr nach, wusste jedoch nicht viel damit anzufangen. Zwischen ihnen herrschte offensichtliche Sympathie und ihm war klar, dass sie ihn bewunderte und sicher gern öfter außerhalb der Arbeit etwas mit ihm unternommen hätte. Doch ob er für sie mehr als Freundschaft empfand, wusste er nicht.Die Schicht endete und draußen begann es bereits zu dämmern, als sie in die kühle Abendluft hinaustraten. Sie gingen in eine Bar und tranken etwas. Während sie Smalltalk hielten, fragte er sich fortwährend, ob er mehr für sie empfand, jedoch kam er zu keinem Ergebnis. Selbst wenn er zu einem gekommen wäre, musste er immer wieder daran denken, wie er wohnte. Als Assistenzarzt hatte er kein allzu großes Einkommen und unter anderem deshalb wohnte er mit seinen sechsundzwanzig Jahren noch bei seiner Mutter. Auch, um sie zu versorgen natürlich, aber wenigstens hatte er sein völlig privates Reich. Ihm gehörte der gesamte Wohnkeller - ein riesengroßer Raum mit Bad, also fast eine kleine Wohnung. Aber eben nur fast. Eine potenzielle Freundin mit dorthin zu nehmen, wäre dennoch lächerlich, wie er beschlossen hatte. Bisher war er allerdings auch nie in die Verlegenheit gekommen, jemandem sein Zuhause zeigen zu müssen.„Ich denke, wir sollten langsam schlafen gehen”, meinte er nach gut einer Stunde mit Blick auf die Uhr. Sofort nickte seine Begleitung zustimmend.„Ja, meine nächste Schicht beginnt in sieben Stunden”, seufzte sie.Zuvorkommend half er ihr in den Mantel.„Meine erst in zehn Stunden, aber ich muss noch dringend einkaufen.” Das hatte er seiner Mutter versprochen und so trennten sie sich vor der Bar.Gemütlich schlenderte er auf die Fußgängerzone zu. Ebenso wie Minako wohnte auch er nicht weit entfernt, jedoch musste er noch den Umweg wegen des Einkaufs machen.Unvermittelt hörte er ein leises Stöhnen. Für seine geübten Ohren hörte es sich deutlich schmerzerfüllt an. Verwirrt blickte er sich um und blinzelte, als er glaubte, jemanden unter den Bäumen zu erkennen. Tatsächlich! Dort lehnte ein Mann in ungefähr seinem Alter mit den Armen über dem Kopf an einem Baumstamm! Leise näherte er sich dem Unbekannten. Er war nicht neugierig, aber sein Drang zu helfen ließ außerhalb des Krankenhauses nicht plötzlich nach. Erst bemerkte er nur erstaunt die ungewöhnlich hellen Haare, welche unter der Mütze, in die sich der Mann griff, hervorlugten.„Ah, ... Scheiße!” Jetzt, da er so nah war, hörte der Assistenzarzt deutlich die Qual in der Stimme des Fremden.Dieser krümmte sich schmerzhaft stöhnend gegen den Baum, während sein eigener Blick tiefer wanderte. Entsetzt riss der Mediziner die Augen auf: Das rechte Hosenbein des Mannes war vollkommen rot durchtränkt und das Blut sprudelte nur so aus dem Schuh zu Boden!„Oh mein Gott!” Geistesgegenwärtig, wie für einen angehenden Arzt üblich, stürzte er auf den Fremden zu und zog noch währenddessen den Gürtel aus seiner Hose. Der Verletzte bemerkte ihn zähneknirschend und zog sich die Wollmütze tiefer ins Gesicht. Doch dafür hatte Taiki keinen Blick übrig, sondern schlang den Gürtel um den Oberschenkel knapp über dem Knie. Bevor er zuzog, wollte er den Verletzten jedoch vorwarnen.„Ich helfe Ihnen, aber das wird jetzt verdammt weh tun.” Auf diese Worte hin biss sich der Verletzte nur in den Ärmel seiner Lederjacke und schluckte schwer, dann lehnte er die Stirn gegen den rauen Stamm des Baumes und der junge Assistenzarzt zog so fest er konnte.Und der Killer schrie.

Folgenreiche Begegnung

Der Schrei wurde durch den Ärmel gedämpft und die Passanten auf der Straße gingen weiter, ohne etwas zu bemerken, wie der Verletzte durch ein halb geöffnetes Auge über seine Schulter hinweg erleichtert feststellte. Keuchend vor Schmerzen galt sein nächster, misstrauischer Blick aus schmalen Augen dem schwarzhaarigen, jungen Mann, welcher den Gürtel knapp über seinem Knie festschnallte. Der Typ kannte ihn nicht einmal, aber in seinem Handeln war eine Zielstrebigkeit und Ruhe erkennbar, die ihn beeindruckte. Dennoch ... Er musste hier weg! Der Kerl würde nur unbequeme Fragen stellen und sich an ihn erinnern! Angestrengt versuchte der Killer, sich vom Baum weg in Richtung Fußgängerzone zu bewegen. Doch schon ein einziger Schritt ließ die Schmerzen erneut losbrechen und ihm schwarz vor Augen werden. Er sah nichts mehr und fiel! Sein Körper gehorchte nicht!

„Nicht!”, wurde er streng unterbrochen und als die schwarzen Flecke vor seinem Blick verschwanden, bemerkte er, dass der Schwarzhaarige sich seinen rechten Arm über den Nacken gelegt hatte und ihn mit dem anderen Arm um seine Hüfte stützte. „Ich bringe Sie ins Krankenhaus.”Taiki Kohara bemerkte irritiert, wie der Verletzte sich trotz der offensichtlichen Schmerzen weigern wollte.„Nein”, flüsterte der Fremde. „Kann nicht ins Krankenhaus. Lassen Sie mich los. Komme schon klar.”Selbstverständlich dachte der junge Mediziner nicht im Traum daran, akzeptierte aber, dass der Andere nicht ins Krankenhaus wollte. Sicher hatte er einen triftigen Grund dafür.„Nicht ins Krankenhaus”, bestätigte Taiki, zog den Mann aber auf die Zone zu und stützte ihn weiter. Erneut zog der Fremde sich die schwarze Wollmütze tiefer ins Gesicht. „Aber ich helfe Ihnen trotzdem. Bei dem Blutverlust muss eine Arterie durchtrennt oder zumindest angerissen sein. Damit kann ich Sie nicht allein lassen.”„Schhht”, zischte der Mann und stöhnte dann erneut leise. „Danke ...”„Wo wohnen Sie?”, erkundigte Taiki sich. Er hatte Mitleid und hätte sich am Liebsten sofort um die Verletzung gekümmert, aber jetzt mussten sie erstmal von der Straße weg.„Sh-Shinjuku ...” Seufzend sah Taiki auf. Das war viel zu weit weg! Ein völlig anderer Bezirk. Er traf eine Entscheidung.„Ich versorge Sie bei mir”, teilte er mit, ging los, erwartete aber doch eine Antwort. Jedoch gab der Verletzte keine. Einige Leute warfen ihnen Blicke zu, aber darum kümmerte er sich nicht.Ich habe keine Wahl, schoss es dem Killer durch seinen vernebelten Verstand, während er sich weiter schleifen ließ.Er bringt mich nicht ins Krankenhaus, also bin ich erstmal sicher ... Verdammt, tut das weh!„Was ist Ihnen passiert?”, fragte Taiki leise. Offenbar wollte der Typ nicht, dass die Umgebung auf seinen Zustand aufmerksam wurde, was ja auch nur verständlich war. Wer würde schon in aller Öffentlichkeit wegen einer Verletzung bemitleidet werden wollen?„Hund hat mich gebissen.”„Auweia, das muss ja ein mörderisches Vieh gewesen sein ... Ich heiße Taiki Kohara. Wie ist Ihr Name?” Einen Moment antwortete der Verletzte mit der außergewöhnlichen Haarfarbe nicht und Taiki nahm an, dass er sich zu sammeln versuchte. Nur noch eine dünne Blutspur folgte ihnen, aber falls er ihn nicht schnell versorgen konnte, würde er in Lebensgefahr geraten!„C-Connor Smith”, murmelte der Killer kraftlos. „Immobilien ... makler ...”Stutzend, aber ohne seinen Schritt zu verlangsamen, sah Taiki dem Weißhaarigen ins Gesicht. Jedoch hatte der den Kopf wieder gesenkt und konzentrierte sich offensichtlich darauf, voran zu kommen.Amerikaner?, überlegte der Schwarzhaarige ungläubig.Das hätte ich bei seinem Aussehen und seiner Aussprache als Allerletztes vermutet ...Um festzustellen, wie weit sie bereits gekommen waren, sah er auf und stutzte erneut. Auf der rechten Seite befand sich eine Bar mit dem Namen „Connors’ Club”. Der Kneipe gegenüber war das Damenbekleidungsgeschäft „Camilla Smith” angesiedelt. Sein Blick wanderte zu dem nahen Immobilienbüro.Will der mich für dumm verkaufen?Misstrauisch richtete er seinen Blick wieder in das Gesicht des Mannes. Jedoch sank dessen Kopf genau in diesem Moment haltlos nach vorn und der ganze Körper erschlaffte, als der Verletzte bewusstlos wurde. Mit einem leisen Ächzen bog Taiki um eine Ecke. Was hatte er sich da nur ans Bein gebunden? Einen merkwürdigen Typen, der unerklärlich von einem Hund gebissen wurde, nicht ins Krankenhaus wollte und sich eine Identität aus Geschäftenamen bastelte? Prima ... und den Einkauf konnte er jetzt auch vergessen ...„Naja, es gibt Wichtigeres als das ...”, seufzte er und schloss beinah lautlos die Haustür auf. Hoffentlich schlief seine Mutter schon ... So leise wie möglich, mit einem Bewusstlosen halb auf sich hängend, durchquerte er den Flur und drückte die unglücklicherweise quietschende Klinke seiner Kellertür hinunter. Missbilligend verzog er das Gesicht, öffnete sie dann kurzerhand, schleppte Connor Smith die Treppe hinab und zu einem seiner Sessel.„Taiki? Bist du schon da?”Hastig sah der Schwarzhaarige auf.„Äh ..., ja, Mama!”, rief er zurück und stülpte schnell eine Einkaufstüte über das immer noch blutende Bein, damit nicht alles eingesaut wurde.„Was ist denn das hier auf dem Flur? Sieht ekelig aus ...”Erschrocken hielt der junge Mediziner inne. Das Blut!„D-Das ist nur Tomatensaft!”, rief er nicht besonders überzeugt von sich. „Mir ist eine Tüte kaputt gegangen. Ich wische es gleich weg.” Sofort nahm er sich einen Lappen und fing damit an. Seine Mutter schien mit der Erklärung zufrieden gestellt zu sein, denn es kamen keine weiteren Fragen und ihre Schritte entfernten sich. Kaum kam Taiki mit seinem Lappen auf der obersten Stufe an, hielt er verwirrt inne.Warum habe ich sie angelogen? Warum habe ich nicht die Wahrheit gesagt?Sein Blick wanderte zu dem in seinem Sessel sitzenden, bewusstlosen Mann. Mit einem irritierten Kopfschütteln setzte er seine Arbeit fort und beeilte sich, denn eigentlich hatte er etwas viel Wichtigeres zu tun, als den Flurboden sauber zu wischen!Eilig trat er zwei Minuten später an seinen Sessel heran und zog nacheinander die Augenlider des Fremden hoch. Doch da war, wie nicht anders zu erwarten, nur weiß zu sehen. Seltsam ... Vorhin hatte der Typ seine Augen auch nie richtig offen gehabt, oder? Nebenbei zog Taiki die schwarze Mütze vom Kopf und löste den Gürtel der Jeanshose.„Wow ... Was für Haare ...”, bewunderte er beiläufig und griff sachte in das silberweiß schimmernde Haar. „Warum versteckt er denn so etwas Tolles?“„Unwichtig”, beschloss der Assistenzarzt und nahm seine Konzentration wieder auf. Vorsichtig zog er die Jeans soweit es ging herunter. „Sie können von Glück reden, dass ich immer Verbandskram und alles Wichtige hier habe ...” Die Hose musste er letztendlich natürlich zerschneiden, da er nicht riskieren wollte, dass Mister Smith durch das Lösen des Gürtels noch mehr Blut verlor. Als das Bein gesäubert war und sein kritischer Blick sich auf das kleine Loch im oberen Bereich des Unterschenkels richtete, fragte Taiki sich erneut, was er sich da ins Haus geholt hatte. Ein Hundebiss sah anders aus. Er verfrachtete den Unbekannten auf seinen mit einer Plastikplane abgedeckten Schreibtisch und tat, wozu man ihn ausbildete ...

Die Identität des Mister Smith

Lautlos, wie für ihn üblich, erwachte der Killer, der sich den Namen Connor Smith geben hatte. Noch bevor seine Sinne richtig beieinander waren, fühlte er, dass er weich lag und zugedeckt war. Eine minimale Bewegung teilte ihm mit, dass er bis auf seine Unterhose völlig nackt war. Sein rechtes Bein fühlte sich an, als würde es Tonnen wiegen. Es pochte schwach und sendete leise Schmerzen aus. Minimal wendete er den Kopf nach links, da er rechts Widerstand fühlte - anscheinend lag er auf einem Sofa - und öffnete seine Augen einen winzigen Spalt weit. Allerdings musste er sich jetzt anstrengen, sie nicht völlig aufzureißen! Vor dem Sofa stand ein rechteckiger Holztisch und darauf lag sorgfältig ausgebreitet all sein Hab und Gut. Nicht nur seine Geldbörse, unzählige Schokoriegel, seine Handschuhe, sein Handy und das Klappmesser ... Auch seine drei Faustfeuerwaffen! Erschrocken sog er Luft ein.

Wenn der Typ ...Mitten im Gedanken hob er den Blick und bemerkte den schwarzhaarigen jungen Mann, welcher in einem Sessel ihm gegenüber saß und die Augen geschlossen hatte. Doch genau in diesem Moment öffnete der Kerl seine Augen. Scheinbar war er durch sein Geräusch aufgewacht, wenn er denn überhaupt geschlafen hatte. Nun sah er ihn einfach an. Leise kroch dem Killer Panik die Kehle hinauf. Der Kerl hatte ihn gesehen! Der Kerl hatte ihn ausgezogen und seine Waffen gefunden! Wie viel wusste er jetzt?Wozum Teufel befand er sich hier überhaupt? Als der Fremde den Kopf hob und den Mund öffnete, riss er blitzschnell eine seiner Waffen an sich und richtete sie mit einem unwilligen Gesichtsausdruck auf denjenigen, den er in diesem Moment für seinen Kontrollverlust verantwortlich machte.„Schnauze, sonst knallt’s!”, knurrte er bedrohlich. Langsam hob der Junge die Hände, sah aber nicht besonders erschrocken aus. Mit leichter Verzweiflung blickte sich der Killer um. Keine Fenster! Ächzend richtete er sich halb auf und bemerkte die Treppe, aber kaum hatte er sie gesehen, schossen Schmerzen in sein Bein und er musste seine Position mit einem gequälten Laut aufgeben. Keuchend sank er Schulter voraus auf das Sofa zurück. Eine der erhobenen Hände des Schwarzhaarigen deutete auf etwas, das auf dem Tisch lag.„Ein seltsamer Hund muss Sie gebissen haben, Smith-san.”Der Blick des Weißhaarigen fiel auf eine kleine Metallschale, in der ein noch kleineres, platt gepresstes Geschoss lag.D-Der Typ hat ...„S-Sie haben in meinem Bein rumgepokelt??”, schrie er fast außer sich. Die Waffe in seiner Hand zitterte gefährlich. Warum war das verdammte Scheißteil nur so schwer? Die Ruhe, mit der der Fremde seinen Finger vor die Lippen legte, trieb ihn fast zur Weißglut.„Schht, ich wohne nicht alleine in diesem Haus. Ich bin Assistenzarzt im letzten Lehrjahr. Es ist nicht das erste Mal, dass ich eine Schusswunde behandele.”Angestrengt stützte er seine Waffe mit der anderen Hand ab.Habe ich jetzt scheiß Pech, den Typen überhaupt getroffen zu haben, oder scheiß Glück, weil er Arzt ist?„Warum haben Sie nicht zurückgeschossen, Smith-san?”, fragte der Schwarzhaarige neugierig.Irritiert verzog der Killer sein Gesicht. Das Kerlchen sah völlig unschuldig aus, wenn er ihn genau betrachtete. Weshalb stellte er solch eine Frage?„Weil nur ein Idiot mitten in der Fußgängerzone rumballern würde”, knurrte er widerstrebend. „Moment mal ...“ Erneut hob er die zitternde Waffe. „Woher wollen Sie wissen, dass ich nicht zurückgeschossen habe?” Ein schrecklicher Verdacht machte sich in ihm breit und er richtete den Blick unbemerkt auf seine Waffe.„Weil keines der Magazine angebrochen ist”, kam die Antwort wie selbstverständlich. „Wenn Sie nicht unter Schmerzmitteleinfluss stünden, wäre Ihnen sicher aufgefallen, dass ihre Pistole zu leicht ist.”Zähneknirschend drehte der Killer seine Waffe und sah, dass der Kerl recht hatte. Kein Wunder, dass er so seelenruhig da saß! Eine Waffe ohne Magazin ist ein Spielzeug ... Kraftlos ließ er sie auf den Tisch sinken. „Scheiße ...” Halbherzig wanderte sein Blick zum Messer. Dann sah er wieder sein Gegenüber an und bemerkte, dass dieser seinen Blick interessiert verfolgt hatte, jedoch machte er eine gleichgültige Handbewegung und ließ die Hände nun sinken.„Sie sollten sich genug Zeit nehmen, zu überlegen, was in Ihrer Situation sinnvoll ist”, sagte Taiki entschieden. Die Vorstellung, der junge Mann könne mit dem Messer herumfuchtelnd auf seinem Sofa sitzen, belustigte ihn auf eine gewisse Weise. „Sie kommen keinesfalls die Treppe rauf und falls Sie es doch versuchen und schaffen würden, kämen Sie mit dem erlittenen Blutverlust keine zwei Straßenecken weit, bevor Sie wieder das Bewusstsein verlieren.”Langsam ließ die Körperspannung des Verletzten nach und damit auch seine Schmerzen. „Wunderbar. Was werden Sie jetzt tun?”Vielleicht ist er ein perverser Schnippelfreak, der mich jetzt gefangen hält ...,schoss es dem Killer durch den Kopf.Wie eine Wohnung ist es hier ja schoneingerichtet ...Wieder musterte er sein junges Gegenüber, welches erstmalig keine Antwort parat zu haben schien und nachdachte.Blödsinn, der kann nicht älter als ich sein und scheint keinen Plan zu haben, warum er mir geholfen hat.Erschöpfung machte sich in seinen Gliedern bemerkbar. Das Ganze war viel zu anstrengend gewesen ... Entkräftet sank sein Kopf in das weiche Kissen, doch den Fremden ließ er nicht aus den Augen.„Ich ... also, ich denke, dass ich Ihnen erlaube, hier zu bleiben, bis Sie gesund sind und dann gehen Sie einfach. Für die Waffen haben Sie ja Scheine und, dass Sie mich damit bedroht haben, könnte ich ... vergessen. Zumal eine ungeladene Waffe ja keine echte Bedrohung ist ...”, überlegte Taiki laut.Deutlich misstrauisch war der Blick des Verletzten auf seinem Sofa.„Ich bin ein völlig Fremder, den Sie mit ‘ner Kugel im Bein auf der Straße aufgelesen haben ... Und Sie lassen mich hier bleiben? Einfach so?” Ganz genau beobachtete er jede Bewegung des Schwarzhaarigen, als dieser erneut überlegte. „Ich könnte ja ein verrückter Auftragskiller sein.” Seltsamerweise brachte das den jungen Mann zum Lachen und der Killer fühlte sich genötigt, zu grinsen. Das Lachen des Anderen klang wirklich angenehm und völlig unbedarft.„Oh ja”, begeisterte Taiki sich amüsiert. „Und ich bin ein perverser Dr. Frankenstein, der abartige Experimente in seinem Keller durchführt.” Amüsiert wischte er sich eine Lachträne aus dem Augenwinkel und bemerkte dadurch nicht, wie sein Gast eine Augenbraue hob, als er dessen Gedanken aussprach. Gutmütig lächelnd hielt er seinem Gegenüber die rechte Hand hin. „Taiki Kohara. Sehr erfreut.”Des Killers Grinsen schwächte sich etwas ab, doch er ergriff die Hand und antwortete halbwegs von sich überzeugt: „Connor Smith, freut mich auch.” Vor Überraschung verlor er sein Grinsen völlig, als Kohara ihn tadelnd ansah und dann eine kleine Karte neben sein Gesicht hob, ohne seine Hand dabei loszulassen.„Sehr seltsam, Smith-san ...”, meinte Taiki nachdenklich. „Sie sehen dem Herrn auf diesem Personalausweis in Ihrer Geldbörse ausgesprochen ähnlich ...”Leise stöhnte der Killer und signalisierte damit seine Aufgabe. Er war wirklich gezwungen, diesem Jungen zu vertrauen ... Zumindest vorläufig. Also setzte er ein ehrliches, wenn auch müdes Grinsen auf und sah erneut in die dunklen Augen seines Gastgebers. Die amerikanische Begrüßung war also nur eine Finte gewesen ... Schließlich gab man sich in Japan für gewöhnlich nicht die Hand.„Yusei Shirokawa. Freut mich immer noch.”

Geheimnisse im Keller

„Kohara-sensei?”

Mit einem fragenden Blick drehte Taiki sich nochmals um, als die mit ihm befreundete Schwester ihn zum Schichtende in der großen Empfangshalle einholte.„Minako-san? Was gibt es?”, lächelte er freundlich.„Wir haben fast denselben Heimweg. Darf ich Sie begleiten?” Erfreut über die Begleitung nickte er und verließ seinen Arbeitsplatz Seite an Seite mit der jungen Krankenschwester. Er bemerkte, wie sie auf seinen Arm hinab schielte. „Was haben Sie denn alles dabei?” Verlegen lachte er.„Als wir uns gestern getrennt haben, bin ich einem jungen Mann mit einer Platzwunde begegnet. Da konnte ich einfach nicht nein sagen und habe ihn bei mir zu Hause verarztet”, erzählte der junge Mediziner seine vorbereitete Geschichte.„Oh, und jetzt füllen Sie Ihre Vorräte wieder auf?”, lächelte Minako, woraufhin ihr Lieblingskollege nickte.„Unser Krankenhausshop hat ja wirklich alles da ...”, meinte er ablenkend und sah kurz auf die zahllosen Verbände in seinem Arm hinab. Seine Mutter hatte den fehlenden Einkauf gestern glücklicherweise nicht bemerkt, also würde er das heute erledigen. Leise gähnte er in seinen Ärmel.„Schlafen Sie nicht genug, Kohara-san?”, fragte die junge Frau besorgt. Er schüttelte den Kopf.„Gestern nicht wirklich. Ich konnte nicht schlafen.” Dass er fünf seiner zehn freien Stunden damit verbracht hatte, einen bewusstlosen Fremden auszuziehen, zu waschen, eine Kugel aus seinem Bein zu operieren und anschließend mit dessen Waffen vor sich darauf zu warten, dass er aufwachte, verschwieg er.„Ich kann heute sicher auch nicht schlafen. Haben Sie gehört, was ein paar Straßen weiter passiert ist?” Der aufgeregte Tonfall ließ ihn aufhorchen, aber er musste verneinen. „Ein super reicher Mann wurde gestern Abend von einem Heckenschützen erschossen. Er war wohl auf dem Weg, irgendwelche Aktien zu verkaufen, als der Kerl ihn erwischt hat.”„Das ist ja schrecklich ...”, meinte Taiki betroffen. „Hat die Polizei den Täter schon gefasst?”Die Schwester schüttelte den Kopf, dass ihre dunklen Löckchen flogen. „Sie wissen noch nicht mal genau, von wo aus er geschossen hat. Obwohl das sicher nur eine Frage der Zeit ist ...”
Erneut nickte der Schwarzhaarige. „Hoffentlich schnappen sie ihn.” Gentlemenlike brachte er die Schwester dieses Mal nach Hause, da ja ein gefährlicher Killer frei herum lief, und erledigte dann seine Einkäufe                                                        „Taiki? Bist du das?”
„Ja, Mama!”, rief der junge Mann zurück. Er ging direkt über den Flur an seiner Kellertür vorbei in die Küche und schmatzte seiner Mutter einen Kuss auf die Wange.Sie war nicht ganz so groß wie er selbst, hatte lange, dunkelbraune Haare und ein wenig Übergewicht. Doch so sehr er sich auch bemühte, sie ließ sich nicht davon abbringen, abends ihr Eis mit flüssig Sahne zu essen ... Dafür, dass er ihr das vom Einkauf mitbrachte, musste sie ihn aber auch kochen lassen und Taiki liebte es, zu kochen.Er war beinah fertig damit und holte aus der Diele ein paar Getränke.„Warum hast du eigentlich deine Tür abgeschlossen, Taiki?”, fragte seine Mutter aus der Küche. Taiki lächelte. Er hatte noch nie irgendeine Tür abgeschlossen. Nicht mal die Badezimmertür schloss er für gewöhnlich ab.„Ich habe mir da unten eine Fotokammer eingerichtet, um ein paar Filme zu entwickeln. Damit du nicht daran denken musst, hab ich abgeschlossen.” Wieder eine Lüge ... Langsam sollte er sich vielleicht Gedanken darüber machen ... Aber er konnte ihr auch keinesfalls sagen, dass er einen völlig fremden, verletzten Typen in seinem Keller gesund pflegte und ihr bisher kein Sterbenswörtchen davon gesagt hatte. Langsam ging er zurück in die Küche, stellte die Getränke auf dem Tisch ab und sah über ihre Schulter hinweg nach seinem Essen auf dem Herd.„Hast du nicht viel zu viel gekocht?”, meinte seine Mutter zweifelnd und rührte in dem kochenden Gemüse.„Ach nein ...”, murmelte Taiki ausweichend und drehte die beiden Monsterschnitzel um, von denen weder er noch seine Mum sehr viel mehr als die Hälfte schaffen würden. „Unsere Nachbarin hat einen verletzten Fuchs am Stadtrand gefunden und päppelt ihn gerade auf. Ich denke, ich bringe unsere Reste rüber.” Und da war sie. Die nächste Lüge. Während er mit seiner Mutter zu Abend aß, zerbrach sich der angehende Arzt den Kopf darüber, wieso es ihm so leicht fiel, für den weißhaarigen Kerl in seinem Keller zu lügen.

Leise schloss er seine Kellertür auf und hinter sich wieder ab. Die Ausrede mit der Dunkelkammer würde es noch eine Weile tun. Bereits von oben warf er seinem Sofa einen Blick zu, doch Shirokawa schlief offensichtlich. Er konnte leises Atmen hören, als er fast geräuschlos die Treppe hinunter stieg und den Teller auf dem Tisch abstellte. Auch die Tüte mit den neuen Verbänden und Medikamenten stellte er neben dem Tisch ab. Sein Blick fiel auf die vielen leeren Schokoriegelverpackungen. Auch der Apfel, den er heute Morgen hingelegt hatte, war bis auf den Stiel verputzt. Verhungert war sein Gast jedenfalls nicht.Lächelnd hockte er sich vor den Tisch und ließ sich von der silberweißen Haarpracht faszinieren.Wie kann so ein gut aussehender Mann nur in so einen Schlamassel geraten?Als hätte er seinen Gedanken gehört, seufzte der Weißhaarige leise und völlig entspannt.Er wirkt völlig harmlos, wenn er schläft.Mit einem gegrinsten Kopfschütteln erhob er sich und ließ sich erledigt auf sein Bett kippen. Schon nach wenigen Sekunden döste er trotz dieser relativ unbequemen Position ein.

Erst eine gute Viertelstunde später brachte ihn leises Klappern wieder an die Oberfläche seines Bewusstseins zurück. Nachdem die Müdigkeit zurückgekämpft war, richtete Taiki sich blinzelnd auf.„Schmeckt’s?”, lächelte er etwas benommen. Der Weißhaarige, der halb auf dem Tisch hing und halb auf dem Sofa lag, nickte mit einem schwachen Grinsen.„Total lecker, obwohl’s kalt ist. Den Laden müssen Sie mir empfehlen”, antwortete Yusei und aß ausgehungert weiter. Lachend kam sein Gastgeber zu ihm und ließ sich auf dem Sessel nieder.„Das habe ich selbst gekocht, also kann ich leider keine Empfehlung geben. Aber ich danke Ihnen für Ihr Lob, Shirokawa-san.”Trotz seines Hungers hielt der Weißhaarige einen Moment inne und musterte sein Gegenüber verkniffen.„Schmeckt wirklich gut. Duz’ mich und sag einfach Yusei”, forderte er und stopfte sich weiter Gemüse und Fleisch in den Mund. So etwas Feines hatte er schon lange nicht mehr bekommen. Schmeckte doch deutlich besser als Mc’s oder Ramen und dabei war er nicht einmal zu arm, sondern nur zu faul, um richtig essen zu gehen oder sich gar etwas zu kochen.„In Ordnung”, antwortete Taiki und dachte an den Personalausweis. Der Weißhaarige war zwei Jahre älter als er selbst, also stand es ihm zu, die Anrede zu bestimmen und es kam ihm selbst seltsam vor, jemanden, mit dem er in einem Zimmer schlief, zu siezen. „Möchtest du nach dem Essen duschen, Yuseimaru-kun?”Dem Verletzten blieb vor Entsetzen das Essen im Hals stecken. Hustend presste er sich eine Hand auf den Mund, um nichts über den Tisch zu spucken. Irgendwie schaffte er es, zu schlucken und hustete nochmals, bevor er Taiki scharf ansah. Dieser machte nun ein äußerst erschrockenes Gesicht. Ob nun wegen des halben Erstickungsanfalls oder des durchdringenden Blicks ...
„G-Geht es dir gut?”
Erleichternderweise nickte sein Gast entwarnend. Doch der Blick, der ihn zu durchbohren schien, blieb, bis der Ältere drohend einen Finger hob.
„Yusei heiße ich. Mit nix dahinter”, knurrte er nachdrücklich. „Schon gar nicht diesem Anfall fehlgeleiteter Kreativität. Vergiss, dass du das jemals auf meinem Perso gelesen hast.” Schuldbewusst wich der Jüngere seinem Blick aus.
„Verzeihung”, murmelte Taiki niedergeschlagen. „Ich werde es mir merken.”
Yusei nickte besänftigt und deutete nach einem Moment auf seine Decke, unter welcher sich der Verband befand. „Kann ich denn damit duschen, oh Sensei-sama3?” Zufrieden grinsend vernahm er das glockenhelle Lachen des jungen Gastgebers, welches wohl durch seine übertrieben förmliche Anrede verursacht wurde. Der Schwarzhaarige zog etwas aus einer Tüte, das aussah wie eine Duschhaube für alte Damen.
„Alles kein Problem. Ich habe von der Arbeit einen Duschstrumpf mitgebracht”, antwortete Taiki.

Infektion

Mit einem lauten Gähnen rieb Yusei sich durch sein Gesicht und blinzelte verschlafen. Als Erstes stellte er fest, dass er dringend einmal zur Toilette musste. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es kurz nach vier am Nachmittag war.

„Taiki-kun?”, fragte er trotzdem probehalber. Doch auf eine Antwort hoffte er kaum und es kam auch keine. Die Schicht seines Gastgebers endete erst gegen 18 Uhr ...
Leise stöhnend richtete Yusei sich auf und schlug die Decke zurück. Ohne Rücksicht auf Verluste verfrachtete er sein bandagiertes Bein auf den Boden, was er sofort bereute. Gequält zischend kommentierte er die aufflammenden Schmerzen, stemmte sich nach einem Moment dennoch hoch und humpelte schwankend auf das Bad ein paar Meter hinter dem Sofa zu.
„Scheiße, mein Schädel platzt gleich”, murmelte er und stützte sich schnell an einem schmalen, hohen Tisch ab, welcher mit Büchern voll beladen war. Natürlich kippte dieser prompt unter seinem Gewicht um und verstreute die Literatur über den Teppichboden.
„Verdammt!” Er selbst fand zu seinem Glück wieder Stand und klammerte sich bei nächster Gelegenheit am Rahmen der Badezimmertür fest. Vor Anstrengung und Schmerz stöhnend, ließ er sich auf der Toilette nieder. Mit einem tiefen, erleichterten Seufzen hob er den Blick und starrte das Foto genau gegenüber auf einem kleinen Tischchen an. Gestern hatte er es doch nicht mehr geschafft, zu duschen, deshalb sah er es jetzt zum ersten Mal. Es zeigte einen lachenden, schwarzhaarigen Jungen, vielleicht acht Jahre alt, und ein jüngeres Mädchen mit kandiszuckerfarbenen Haaren. Dahinter stand ein Ehepaar, bestehend aus einer untersetzten, jungen Frau und einem hochgewachsenen Mann, der die Frau liebevoll im Arm hielt und dem schwarzhaarigen Jungen lächelnd über den Kopf wuschelte.
Pinkeln, pinkeln, pinkeln. Ich will pinkeln!Genervt seufzend streckte Yusei die Hand aus und drehte das Bild um.
„Sorry, Taiki-kun, aber wenn dein lachendes Kinder-Ich samt deiner wunderbaren, heilen Familie zuguckt, kann ich nicht pinkeln.” Er wollte grinsen, als es endlich plätscherte. Die auflodernden Kopfschmerzen brachten ihn jedoch dazu, unwillig den Mund zu verziehen und sich brummelnd an die Stirn zu fassen.
„Jetzt nur noch zurück zum Sofa kommen ...”, nuschelte er benebelt, erhob sich unbeholfen und betätigte die Spülung. Mühsam schwankte er auf die Rückseite seines Zielorts zu, dann jedoch begannen schwarze Punkt vor seinen Augen zu tanzen und sein unverletztes Bein gab nach. Unter Schmerzen in Bein und Stirn sank er auf Hände und Knie und senkte den Kopf.
Was ist nur los? Wo ist ... Taiki-kun?Alles drehte sich und Yusei verlor nach und nach das Gefühl für seinen Körper. Leise stöhnend sank er völlig zu Boden.
Ich penne einfach hier weiter ..., dachte er noch, bevor sich sein Bewusstsein endgültig verabschiedete.
„Ja, Mama, ich habe noch ein paar Fotos, die ich entwickeln muss.” Mit einem entspannten Gesichtsausdruck, einer Tüte um sein Handgelenk und einem Teller in der Hand schlenderte Taiki gemächlich die Treppe hinab, nachdem er die Tür wieder abgeschlossen hatte. Als er seinen entspannten Blick zum Sofa schickte und gleich danach durch den Raum, wäre ihm der Teller allerdings beinah die Treppe abwärts entkommen.
„Oh Gott, Yusei!” Nach dem ersten Schreck eilte er besorgt zum Tisch und entledigte sich aller Sachen, bevor er neben dem nur mit einer Unterhose bekleideten Mann niederkniete, der neben dem umgekippten Tisch und von Büchern umgeben am Boden lag. Ganz leise röchelte der Verletzte, weshalb Taiki ihm die Hand auf die Stirn legte. Fieber! Vorsichtig legte er seine Hand in die Kniekehle des bandagierten Beines und auf das Knie selbst. Sofort regte sich der Körper schwach und Yusei stemmte sich stöhnend auf die Unterarme.
„Nich’ ...”, grummelte er schwach und schob die kalten Hände von seinem Bein weg. „Was machst du da?” Sein Kopf stand kurz davor, zu explodieren. Warum weckte ihn der Blödmann? Benebelt sah er auf und registrierte am Rande die Sorge in den dunklen, mandelförmigen Augen.
„Komm, ich bringe dich wieder auf’s Sofa, Yusei”, lächelte Taiki sanft, zog seinen Patienten umsichtig hoch und stützte ihn zum Sofa. Der Ältere war dabei keine große Hilfe und legte ihm nur den Arm um den Hals.
„Was ist los?”, murmelte Yusei erneut in seiner Verwirrung.
Behutsam ließ Taiki den glühenden Körper auf sein Sofa sinken und deckte Yusei zu, bevor er ihm sachte über die Stirn strich. Bei einem Patienten täte er das normalerweise nicht, aber der Weißhaarige hatte hier schließlich niemand Anderen und sah wirklich fix und fertig aus. „Du hast dir eine Infektion zugezogen, als ich die Kugel rausgeholt habe”, antwortete Taiki seufzend und nahm eine kleine Verpackung vom Tisch. „Ich habe damit gerechnet und deshalb Antibiotika mitgebracht. Mein Zimmer ist schließlich kein steriler Operationssaal.” Yusei sah völlig abgespannt aus, wie er da lag und ihm seine eigentlich glatten, weißen Haare wuschelig ins Gesicht hingen.