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Ist es Mami, die durch ihre kleine Tochter spricht? Oder ist es Mami, die es schafft, was nur Mütter können: Die Gedanken ihres Kindes zu verstehen und sie zu «übersetzen»? Wie auch immer, die ungeschminkten Einblicke in das Leben mit erst einem, und später zwei Kleinkindern in 55 Textschnipseln sind eine sehr unterhaltsame Lektüre für Eltern, Grosseltern, Familie und Freunde, die darin viele Identifikationsmomente finden werden. Auch Paare, die Eltern werden wollen oder es bald sein werden, können sich anhand der mit einem Augenzwinkern geschriebenen Texte schon einmal darauf vorbereiten.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2023
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Die Autorin
Ihren ersten Roman schrieb Romi Schmid mit acht. Gut, der war damals nur für Mami und hatte gerade mal fünf Seiten. Aber es gab sehr viel Beifall und Bewunderung. An grosse Erfolge ist schwer anzuknüpfen, deshalb ist lange kein weiteres Buch erschienen. Die Leidenschaft fürs Schreiben ist geblieben. Deshalb hat die Autorin Kommunikationswissenschaften studiert und viele Jahre in verschiedenen Positionen in der Kommunikation gearbeitet. Heute ist sie als Journalistin und Autorin tätig und lebt mit ihrem Mann, ihren zwei Töchtern und einem kleinen Mini-Zoo in Lenzburg.
Für alle, die mich mit ihrer Liebe durchs Leben tragen.
Kapitel EINS
Kapitel ZWEI
Kapitel DREI
Kapitel VIER
Kapitel FÜNF
Kapitel SECHS
Kapitel SIEBEN
Kapitel ACHT
Kapitel NEUN
Kapitel ZEHN
Kapitel ELF
Kapitel ZWÖLF
Kapitel DREIZEHN
Kapitel VIERZEHN
Kapitel FÜNFZEHN
Kapitel SECHZEHN
Kapitel SIEBZEHN
Kapitel ACHTZEHN
Kapitel NEUNZEHN
Kapitel ZWANZIG
Kapitel EINUNDZWANZIG
Kapitel ZWEIUNDZWANZIG
Kapitel DREIUNDZWANZI G
Kapitel VIERUNDZWANZIG
Kapitel FÜNFUNDZWANZIG
Kapitel SECHSUNDZWANZIG
Kapitel SIEBENUNDZWANZIG
Kapitel ACHTUNDZWANZIG
Kapitel NEUNUNDZWANZIG
Kapitel DREISSIG
Kapitel EINUNDDREISSIG
Kapitel ZWEIUNDDREISSIG
Kapitel DREIUNDDREISSIG
Kapitel VIERUNDDREISSIG
Kapitel FÜNFUNDDREISSIG
Kapitel SECHSUNDDREISSIG
Kapitel SIEBENUNDDREISSIG
Kapitel ACHTUNDDREISSIG
Kapitel NEUNUNDDREISSIG
Kapitel VIERZIG
Kapitel EINUNDVIERZIG
Kapitel ZWEIUNDVIERZIG
Kapitel DREIUNDVIERZIG
Kapitel VIERUNDVIERZIG
Kapitel FÜNFUNDVIERZIG
Kapitel SECHSUNDVIERZIG
Kapitel SIEBENUNDVIERZIG
Kapitel ACHTUNDVIERZIG
Kapitel NEUNUNDVIERZIG
Kapitel FÜNFZIG
Kapitel EINUNDFÜNFZIG
Kapitel ZWEIIUNDFÜNFZIG
Kapitel DREIUNDFÜNFZIG
Kapitel VIERUNDFÜNFZIG
Kapitel FÜNFUNDFÜNFZIG
Mami hat keine Schokoladenseite – sie sieht von allen Seiten aus wie Pudding. Sagt sie! Ich finde, sie ist einfach grossartig, mit oder ohne Dellen. Schliesslich hat sie mich gerade erst zur Welt gebracht, das allein ist jede Beule wert! Seit meiner Geburt gibt es für Mami und Papi sowieso nichts anderes mehr als mich – ihr Smartphone quillt bereits über mit hunderten zahnloser Babyfotos. Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett: Die ersten Wochen ziehen schneller an uns vorbei als ein vorbeifahrender Schnellzug in einem Durchgangsbahnhof. Besuch kommt und geht. Es gibt Blumen und warme Worte. Stundenlanges Kuscheln und das regelmässige Surren der Milchpumpe. Wir befinden uns in einem totalen Ausnahmezustand. Eine Art Armageddon. Alles neu, alles fremd, gegenseitiges Kennenlernen, in die Elternrolle finden. Den ersten Tag zuhause verbringt Mami weinend in der Waschküche – auch wegen der vielen Wäsche, aber nicht nur. Die erste Zeit mit einem Kind ist keine Zeit, in der man alles besonders gut auf die Reihe kriegt, sagt sie. Ein heftiges Hormonfeuerwerk, graue Wintertage, Schlafmangel. Mami ist maximal glücklich – aber auch maximal erschöpft. Alles, was hilft, hilft. Wenn es ihr also besser geht, wenn Papi ihr einen Tee in die Hand drückt und sie mal ein paar Minuten allein hat, um zu duschen oder zu essen, dann ist das für mich schon okay. Mami soll heilen. Gut ist besser als perfekt.
Einige Wochen später. Wir sind angekommen in unserem neuen Alltag und Mami wieder die starke Frau, die sie schon immer war. Auch wenn sie noch überlegt, ob sie ein früher Vogel, eine Nachteule oder doch eher eine Art permanent erschöpfte Taube ist. Denn an Schlaf ist zurzeit nicht zu denken. Da nützt auch der wohlwollende und sinnlose Spruch aller Freunde nichts: «Schlaf doch einfach, wenn das Baby schläft.» Wer bitte soll dann den Haushalt schmeissen? Eine Fee, die Zackzack, ohne viel zu fragen alles putzt? Mami reicht es schon, in diesen kurzen Pausen allein aufs Klo zu gehen – ohne Zuschauer – oder die Rotzflecken vom Sofa zu wischen und dabei mit einem Käsebrot im Mund eine Netflixserie zu schauen.
Papi ist übrigens seit meiner Geburt komplett der Müsli-Häsli-Schätzli-Sprache verfallen. Mal ernsthaft: Muss das sein? Ich meine, wer will schon so angeredet werden? Huhuuuu! Haaaalloooo! Hallöchen kleines Menschlein. Gutschigutschi Dada? Gehts gut? Au jaa? Jöö super. Jödijöchen. Äuglein schön aufmachen, gäll. Butzi-Butzi, suuuuuuper. Als wäre die schnucklige Ammensprache nicht schon schlimm genug, habe ich bereits gefühlte tausend Kosenamen. Müsli, Böhnli, Schätzli, Fraueli, Zwärgli – mal ehrlich, ich hoffe, ich kann mich bald von meinen Spitznamen befreien und heisse nicht noch als Zehnjährige so. Spätestens, wenn Papi mich in die Oberstufe mit «Ganz es schöns Tägli, Böhnlischätzli, Winke-Winke Tschüssi-Tschüssi Dada» verabschiedet, werde ich mein Recht darauf, ernstgenommen zu werden, geltend machen. Vorausgesetzt, das süsse Gesäusel hat mein Sprachzentrum bis dahin nicht komplett trockengelegt.
Mami kletterte früher auf Bäume, trug zerrissene Jeans und kickte mit Jungs auf dem Sportplatz um die Wette. Nie wollte sie eine dieser typischen Mädchen-Mütter werden. Irgendwo zwischen Kreissaal und Wochenbett ist sie dann aber doch dem Rosa-Glitzer-Einhorn-Mädchen-Wahnsinn verfallen. Seither quillt mein Kleiderschrank über mit rosa Schleifchen, Lätzchen, Röckchen und Mützchen mit Strasssteinchen und Spitzen-Rüschchen. Meine Palette an Haarspangen reicht von zart- über dunkel bis altrosa. Und ja, damit frisiert sie jeden Tag meine Babyglatze. Mein kleiner Windel-Po wird täglich in Rüschenhöschen gesteckt und pinke Lack-Lauflernschuhe warten im Regal auf meine ersten Gehversuche. Ja, Mami liebt es, Mädchenmami zu sein. Sie freut sich bereits auf jede Menge Flechtfrisuren, Puppenhäuser und Brautkleid-Kauf mit gleichzeitigem Prosecco-Trinken. Aber wer weiss, vielleicht wird aus mir ja auch eins dieser Mädchen, die zerrissene Jeans anstelle pinker Kleidchen tragen, auf Bäume klettern und lieber mit Fussbällen als mit Barbies spielen. Dann können Mami und Papi doch noch in stinkenden Turnschuhen mit einer Trillerpfeife im Mund am Fussballplatz stehen und nebenbei kiloweise Fleisch vom Grill heben.
Mami ist keine dieser «Pschschscht»-Mütter. Ich darf schreien, quietschen, tröten, blöken, kreischen, brabbeln, maulen und lachen, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Ich werde nicht präventiv gemassregelt und nicht im Spiel abgewürgt, wenn ich meine Spielzeuge mal wieder unsanft taktiere. Aber wehe dem, der Lärm macht, wenn ich ein Schläfchen mache. Mami und Papi sind in vorauseilendem Gehorsam mucksmäuschenstill, wenn ich schlafe – nicht mal die Nutzung der Kaffeemaschine ist erlaubt. Störende Lärmquellen werden von beiden frühzeitig erkannt und eliminiert. Auch ein grosses Verbotsschild an der Haustüre weist möglichen Besuch freundlich darauf hin, nicht zu klingeln. Es kam, wie es kommen musste: Eines Tages verstiess ein Postbote gegen das elfte Gebot und klingelte während meines Mittagsschlafs Sturm. Schon allein die Art und Weise, wie Mami die Tür öffnete, versprach Ärger. Ich hörte sein laut pochendes Herz bis ins Bett, als Mami ihm die Leviten las. Laut und mit tiefer, knurrender Stimme. Seit jenem Tag hat es an unserer Tür nie mehr geklingelt. Nicht nur, weil der Postbote nie mehr wieder kam – man munkelt, er habe das Land verlassen – sondern auch, weil Mami die Klingel kurzerhand rausgerissen hat.
