Manege der Lust - Nikki Magennis - E-Book

Manege der Lust E-Book

Nikki Magennis

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Beschreibung

Verführung unter der Zirkuskuppel Die junge Tänzerin Julia Spark hat Mühe, den richtigen Job zu finden. Schließlich wird sie von einem geheimnisvollen Zirkus engagiert, der eine aufreizende Show mit erotischen Darbietungen liefert. Julia genießt das prickelnde Gefühl, ihren Körper ohne Hemmungen dem Publikum darzubieten. Doch die inszenierten Liebesspiele auf der Bühne und lustvollen Begegnungen hinter den Kulissen lassen Julia nie ihren brennendsten Wunsch vergessen: den unnahbaren Zirkusdirektor Robert zu verführen …

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EPUB

Seitenzahl: 364

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Nikki Magennis

Manege der Lust

Erotischer Roman

Aus dem Englischen von Johannes Sabinski

Ihr Verlagsname

Über dieses Buch

Verführung unter der Zirkuskuppel

 

Die junge Tänzerin Julia Spark hat Mühe, den richtigen Job zu finden. Schließlich wird sie von einem geheimnisvollen Zirkus engagiert, der eine aufreizende Show mit erotischen Darbietungen liefert. Julia genießt das prickelnde Gefühl, ihren Körper ohne Hemmungen dem Publikum darzubieten. Doch die inszenierten Liebesspiele auf der Bühne und lustvollen Begegnungen hinter den Kulissen lassen Julia nie ihren brennendsten Wunsch vergessen: den unnahbaren Zirkusdirektor Robert zu verführen …

Über Nikki Magennis

Nikki Magennis ist Autorin mehrerer erotischer Romane.

Inhaltsübersicht

Erstes KapitelZweites KapitelDrittes KapitelViertes KapitelFünftes KapitelSechstes KapitelSiebtes KapitelAchtes KapitelNeuntes KapitelZehntes KapitelElftes KapitelZwölftes KapitelDreizehntes KapitelVierzehntes KapitelFünfzehntes KapitelSechzehntes KapitelSiebzehntes KapitelEpilog

Erstes Kapitel

«FREIIIIIIIIIIIIIIIIHEIT!»

Eine junge Frau in zerknittertem Ballkleid und Stöckelschuhen stand auf der obersten Treppenstufe und schwenkte in einer Hand eine leere Champagnerflasche. Ihr zerzaustes Haar und die geröteten Wangen verliehen ihr ein wildes Aussehen, das in scharfem Gegensatz zu ihrem üblicherweise gesetzten Auftreten stand. Julia, die ihr von unten auf der Straße zuschaute, kannte sie aus dem Unterricht in klassischem Tanz. Sie hatte die junge Frau immer für eine hochnäsige Primadonna gehalten und sah sie nun stillvergnügt außer Rand und Band geraten und so verschwitzt, dass ihr die Wimperntusche die Wangen herunterlief.

Julia schmunzelte. Heute Abend würde sie zum letzten Mal mit allen ihren Mitstudenten zusammen sein. Neben ihrer Freundin Karin hockte sie draußen auf der Mauer vor dem Studentenschaftsgebäude und stürzte ihre Hälfte einer unerlaubten Flasche Schampus herunter, ehe sie beide auf den Abschlussball gehen würden. Es war ein milder Sommerabend; die Luft prickelte von Feierlaune, und sie verspürte eine erwartungsvolle Anspannung, die sie schwindlig und nervös machte.

Im Saal lief ein schneller, funkiger Song von Stevie Wonder, und die Musik floss aus den hohen Fenstern hinaus auf die Straße. Unwillkürlich fing Julia an, die Taktschläge mitzuzählen, und bewegte ihre Schultern im Rhythmus. Sie konnte nicht anders – hörte sie Musik, nahm sie deren Takt auf wie einer von Pawlows Hunden. Sie fühlte ihre Hüften zucken und die Schmetterlinge in ihrem Bauch aufflattern. Sie stieß Karin mit dem Ellbogen an.

«Freiheit, tatsächlich», sagte sie. «Sind wir für sie bereit?»

«Bereit? Spinnst du, Mädel? Ich bin verrückt danach. Kein Anfangen früh um sechs Uhr, kein Pilates für Fortgeschrittene mehr … Herrje, Julia, jetzt können wir wieder raus ins wirkliche Leben.»

Julia sah zu, wie ein paar Burschen die Stufen erklommen, die weißen Hemdkragen aufgeknöpft und Hände in den Hosentaschen. Sie bewegten sich mit der natürlichen Anmut von Tänzern, ihre Muskeln straff und Wirbelsäulen gerade. Julia musterte sie anzüglich.

«Schon, ja, aber die Kontaktimprovisation wird mir fehlen.»

«Julia, wenn du von hier wegkommst, kannst du deine Körpersprache an ganz London erproben. Eine Welt von Männern zum Ficken.»

«Stimmt. Aber du weißt ja, dass Tänzer nun mal die erstaunlichste Ausdauer haben.»

«Und verblüffend überempfindlich sind. Wenigstens müssen wir uns jetzt nicht mehr mit Eifersuchtsanfällen herumplagen», gab ihr Karin zu bedenken.

«Oh, da hast du auch wieder recht. Drei Jahre schmollende Jungs reicht völlig.»

«Drei Jahre lang Liebhaber jonglieren würde jeden zur Erschöpfung bringen. Vor allem bei täglich sechs Übungsstunden obendrein.»

Julia nickte.

«Ich schätze, eigentlich hätte wohl der Tanzunterricht den Vorrang haben sollen.»

Beide schauten den Jungs auf ihrem Weg durch die Glastüren ins Studentenschaftsgebäude hinterher, wo sie sich dem Gedränge in der Eingangshalle zugesellten. Während Julia das Gewühl aus aufgebrezelten, aufgekratzten Absolventen betrachtete, spulte vor ihr alles noch einmal ab – als Wirbel aus schwitzenden Körpern, schmerzenden Muskeln, dem heftigen Schlag ihres Herzens, während sie unermüdlich übte, übte, übte – und alles folgte einem beständig stampfenden Takt, einem endlosen Rhythmus, dem sie nicht widerstehen konnte.

«Auf zum Tanzen!», sagte sie, wandte sich dabei Karin zu und erhob ihr Glas.

«Scheiß aufs Tanzen, lass uns auf unser Entkommen anstoßen.»

«Und auf wilde Abenteuer.»

Hinter ihnen floss der Lärm der Party die Stufen herab. Julia leerte ihr Glas und hüpfte von der Mauer hinunter.

«Komm in die Hufe. Unsere letzte Chance, die Studenten der niedrigeren Semester zu verführen.» Sie zog das Seidenkleid über ihren Hüften glatt. Der silberne Stoff schimmerte wie Fischhaut und betonte ihre strammen Kurven und die straffe Muskulatur ihrer Schenkel. «Die Nacht ist noch jung.» Mit einem Augenzwinkern zu ihrer Freundin tanzte sie die Stufen empor und in die Eingangshalle der Schule.

Drinnen herrschte ein einziges Durcheinander aus Ballons, Luftschlangen, jungen Frauen in tollen Kleidern und Männern im Smoking, die Hemden am Kragen offen und zerknittert. Betrunkene Studenten klammerten sich aneinander und lallten Beteuerungen von unverbrüchlicher Freundschaft. Karin stieg leichtfüßig über eine Schnapsleiche hinweg, die ohnmächtig auf dem Fußboden ausgestreckt lag, und strebte dem Ballsaal entgegen, wo die Musik und das Stimmengewirr zu einem ohrenbetäubenden Brausen anschwollen. Die Ecken waren voll von sich windenden Leibern, Pärchen, die sich in letzter Minute noch in einem allgemeinen Gefühlsausbruch abknutschten. Es hätte eine Szene aus einem französischen Maskenball sein können. Julia bahnte sich mit selbstbewussten Schritten ihren Weg durch die Menge. Dabei wandten sich ihr überall die Köpfe von Männern zu, die ihren drall gerundeten Arsch und ihre strammen Waden beäugten. Julia trug meist Sachen, die genauso neckisch und lebhaft wie ihre Persönlichkeit waren – es aufs Aufreizen anlegten. Sie wusste, dass alle auf den Umriss ihrer Titten unter dem Kleid glotzten und lächelte zurück, während sie zur Mitte des dunklen, höhlenartigen Ballsaals vorstieß.

Hier drinnen war die Musik laut genug, um ihre Eingeweide zum Beben zu bringen, und sie spürte, wie ihr in der Hitze von zweihundert sich aneinander reibenden Körpern der Schweiß ausbrach. Die Tanzfläche war berstend voll, und die beiden jungen Frauen mussten sich durch das Geschiebe kämpfen. Julia schlang einen Arm fest um Karins Taille und fühlte den Temperaturanstieg, während sich beide ihren Weg zum Tresen am entfernten Ende des Saals bahnten. Es ging leichter vorwärts, wenn man sich in Schlangenlinien hindurchlavierte, und Julia fühlte sich gegen die Tänzer gepresst, schraubte ihre Hüften durch die Feiernden und kam tänzelnd voran. Dabei legten sich Arme um ihre Taille, eine Hand strich an ihrem Rückgrat hinab, sie verspürte einen warmen Druck auf ihrem Arm, als sich die Brüste eines Mädchens an ihr rieben. Die Stimmung war ausgelassen, berauschend. Eine Masse von Körpern zuckte und stampfte im Takt der Musik. Julia zerfloss beinahe in der Hitze, ihr Herz schlug heftig, und ihr Körper pulsierte unter den Schlägen der Basstrommel. Karin packte ihr Handgelenk und schrie, um sich Gehör zu verschaffen.

«Hier geht’s zu wie in Dantes Inferno. Ich geh nach oben. Besorg mir einen Wodka, ja?»

Sie steckte ihr eine Zehnpfundnote zu, verschwand im Gewühl und überließ es Julia, sich hüftschwingend zum Tresen durchzuschlagen. Er wurde drei Mann tief belagert, und haufenweise leere Flaschen und Gläser lagen darauf verstreut, während sich die erschöpften Thekenkräfte abmühten, immer mehr Bier auszuschenken. Julia begriff, dass der Kampf um Bedienung aussichtslos sein würde.

Ihr Auge fiel auf einen brünetten jungen Mann, der an einem Pfeiler lehnte. Sie quetschte sich neben ihn in eine schmale Lücke.

«Rory!» Sie musste über den beschwingten Sound von Donna Summer und einen Discobeat hinwegbrüllen.

«Hey.» Rory erwiderte ihr Lächeln. Sein Haar war völlig zerwühlt und schweißnass, und er sah so süß und sexy aus wie immer mit seinen spitzbübischen Zügen und hohen, kantigen Wangenknochen. Julia umarmte ihn stürmisch und lehnte sich an seine Schulter.

«Willst du gar nicht mit mir tanzen?», fragte sie und kannte die Antwort genau. Rory, fand sie, war besonders leicht um den Finger zu wickeln.

«Sieht wirklich nicht danach aus, dass wir hier ’nen Drink kriegen», pflichtete er ihr bei, nahm dabei Julias Arm und ließ sich mit ihr zurück aufs Parkett treiben. Einen Arm um seinen Hals, fing Julia an, sich in den Hüften zu wiegen. Sie spürte die Muskeln unter seinem Anzug und seine vollendete Art, sie anzuspannen, um geschickt jede ihrer Drehungen zu parieren. Die beiden schmiegten sich eng aneinander, ließen sich in den Groove gleiten und rankten sich mit geübten, flüssigen Bewegungen umeinander. Julia lächelte, denn sie kannte seinen Körper und wusste, wie gut er unter seiner Kleidung aussah. Sie drückte sich enger an ihn, bis ihr Mund seinen Hals streifte und sie das Duftgemisch seines Rasierwassers mit würziger Schweißnote einatmete. Der wohlbekannte Geruch löste bei ihr ein unvermitteltes Gefühl von Wehmut aus, ein plötzliches Aufwallen heftiger Zuneigung zu jener Art von Dasein, der sie jetzt für immer Lebewohl sagen würde. Sie ließ ihre Hüften im Takt der Musik an ihn stoßen und gab sich der vertrauten, herrlichen Empfindung hin, sich mit einem Mann zu bewegen. Rory schwenkte sie herum und zog sie in seine Arme, um sie mit der ganzen Länge seines Körpers an sich drücken zu können.

«Tolle Beinarbeit, Jools», flüsterte er so nahe an ihrem Ohr, dass sie am Hals den wärmenden Kitzel seines Atems spürte. «Du hast schon immer sexy wie keine andere in der Klasse getanzt.»

Rory hatte einen Arm um ihre Taille gelegt und zog sie eng an sich, um sie die Schwellung seiner Latte an ihrem Arsch fühlen zu lassen. Julia wusste, dass er die Wahrheit sagte und ihr nicht bloß schmeichelte. Angefangen damit, dass ihr Körper weit entfernt war vom zarten, zerbrechlichen Ideal einer klassischen Tänzerin, waren ihre Brüste voll und schwer, ihre Hüften sinnlich gerundet. Obwohl ihre Muskeln durchtrainiert waren und sie die Stärke und die Spannkraft einer Katze hatte, war ihrem Körper doch etwas verschwenderisch Weiches zu eigen, das Männer einlud, ihn zu berühren. In der Mitte der Tanzfläche sah sie auf die Körper rings umher. Gewöhnlich in verschwitzte T-Shirts und Leggings gekleidet, waren heute Abend alle aufgeputzt. Überall das Gedränge von Leibern, die sich ausgelassen bewegten und dabei die genau berechneten, eintrainierten Bewegungen vergaßen, schwelgend im reinen Vergnügen am Rhythmus.

Über die Tanzfläche hinweg entdeckte Julia das Mädchen, das zur Solotänzerin der Schultruppe auserkoren worden war. Um sie herum ließ ein Kreis von Mädels divenhaft die Hüften wackeln. Sie trugen Ballkleider mit tiefen Ausschnitten, die Porzellanhaut und bescheiden kleine, von gepolsterten BHs angehobene Brüste sehen ließen. Gertenschlank aufgerichtet auf Stöckelabsätzen, wirkten diese jungen Frauen wie von einem Glorienschein besonderer Kostbarkeit umgeben und dazu ausersehen, von Punktscheinwerfern angestrahlt und allseits bewundert zu werden. Sie waren makellos geschminkt, das in aufwendige Nackenknoten gelegte Haar hochgesteckt, die Lippen in kräftig dunklen Rottönen bemalt. Trotzdem ihre Bewegungen perfekt waren, fehlte ihnen doch das verruchte Etwas, das Julia hatte. Sie lächelte in dem Wissen in sich hinein, in dieser Umgebung die Königin zu sein. In der dünnen Luft, im strengen Wind des Tanzstudios hatte sie sich oft geradezu verwegen fehl am Platz gefühlt und mit ihren schwellenden Formen und ihrer schillernden Bekleidung wie ein Schuss Lebendigkeit gewirkt. Während die Mädchen im Kreis mit müheloser Selbstbeherrschung tanzten, sich in erlesene Posen drehten und dabei anmutig hielten, war Julia zu sehr von der Lust erfüllt, sich ungezügelt zu bewegen. Sie hatte immer darum ringen müssen, Haltung zu bewahren. Sie war einfach zu sinnlich, um eine zierliche Ballerina abzugeben.

In Nächten wie dieser war sie wie befreit, und ihr Körper brannte darauf. Als sie merkte, wie Rory sich heftig an sie drückte und nach unten griff, um mit seinen Händen über ihre Schenkel zu fahren, bewegte sich Julia weiter zur Musik, fühlte ihre Brüste sachte wippen und den Stoff daran reiben, während sich ihre Nippel versteiften und hervortraten. Ein weiterer Mann wandte sich ihr zu und näherte sich ihr unwiderstehlich angezogen, während er unverhohlen auf ihren Ausschnitt starrte. Das überraschte sie nicht – ihr Kleid hatte ein tiefausgeschnittenes Oberteil, das ihre Brüste sanft stützte und sie dadurch beinahe über den Rand quellen ließ. Sie begegnete seinen Augen und hielt seinem Blick stand. Rory immer noch fühlbar im Rücken, dessen Hände über den Stoff ihres Kleids glitten und den Saum über ihre Strumpfbänder hinweg emporzogen, heftete Julia ihre Augen fest auf jene des Mannes und biss sich auf die Lippe. Er tanzte dichter an sie heran und zog seine Partnerin herum, um unmittelbar neben Julia zu gelangen. Jetzt tanzten sie Seite an Seite, während der Mann weiterhin seine Partnerin herumwirbelte – seine Freundin? Julia war es egal. Sie liebte dieses unbotmäßige Flirten mit Fremden, und der Gedanke daran, einen weiteren Typen heißzumachen, der gleich nebenan mit seiner noch arglosen Begleiterin tanzte, genügte schon, um sie feucht werden zu lassen. Ihre Schultern rieben aneinander, und Julia lächelte ihm zu, während Rory sein Gesicht in ihren Nacken drückte und sie sanft ins Genick biss. Sofern ihm Julias geteilte Aufmerksamkeit bewusst war, schockierte sie ihn kaum.

«Gefällt’s dir, wie der Kerl auf deine Titten stiert, Babe?»

Also hatte er es bemerkt.

«Mund halten und weitertanzen, Rory.» Julia verspürte ein Gefühl von Macht, so eingeklemmt zwischen den beiden Männern, als Brennpunkt ihrer verzückten Zuwendung. Im Schutz der dunklen Tanzfläche und des Durcheinanders entfesselter Gliedmaßen langte sie nach dem Mann neben sich und schob rasch die Hand unter sein Hemd, um die Umrisse seines muskulösen Bauchs zu ertasten. Sie zwängte die Finger unter seinen Hosenbund und glitt mit der Hand über das Haarbüschel, das hinunter in seine Boxershorts führte. Er versteifte sich unter ihrer Hand und verdrehte sich, um ihrer beider Machenschaften vor seiner Tanzpartnerin zu verbergen. Julia empfand einen leichten Siegesschauder.

Gleichzeitig war es Rory gelungen, ihr das Kleid so weit hochzuziehen, dass sich ihr blanker Arsch an seiner Hose rieb. Sie fühlte, wie sich sein Daumen unter das Band ihres G-Strings schob und es beiseitezog. Herrlich, dieses Wagnis einzugehen, dass er sie mitten in der Menge förmlich auszog. Julia wurde gefährlich scharf zumute und hatte langsam Mühe, weiterzutanzen. Die drei waren zu einem Knäuel verstrickt, und jeden Augenblick könnte irgendwer in der Nähe bemerken, dass sie nicht nur sexy zu tanzen vorgaben.

Während ihre Knie weich wurden und ihre Hand angestrengt in der Hose des Burschen stöberte, sah Julia, wie Karin durch die Menge auf sie zukam. Selbst vor dem verwirrenden Hintergrund der von Stroboskoplichtern beharkten, drangvollen und verdunkelten Tanzfläche erfasste Karin blitzartig die Lage. Fragend hob sie die Brauen in Julias Richtung. Ohne die beiden Männer zu beachten, griff sie ihre Freundin bei den Schultern und beugte sich zum Sprechen vor.

«Verdammt, hast du Nerven, meine Liebe.» Ihr Ton war spöttisch. «Was glaubst du, wie viele auf einmal kannst du schaffen?» Julia spürte die Herausforderung in ihrer Frage.

«Wie wär’s mit einer Showeinlage?», konterte sie, und sie wurde übermütig, da sie spürte, dass beide gleich ihr Lieblingsspiel treiben würden. Machtproben auf der Tanzfläche waren regelmäßiger Bestandteil ihrer gemeinsamen nächtlichen Ausflüge. Dazu brauchte es nur ein wenig Phantasie.

«Bin dabei», sagte Karin.

«Dann komm und zeig mir deine Zunge, du Schlampe!» Julia lachte und wusste genau, wie das Spiel mit Karin zu laufen hatte. Ohne Umschweife streckte sie ihre freie Hand aus, zerrte Karin an sich, machte einen Schmollmund und zwinkerte ihr zu. Es klappte immer. Kaum dass die beiden Mädels anfingen, Küsse zu mimen und eng miteinander zu tanzen, scharte sich der gesamte Ballsaal um ihre erotische Nummer. Sie schlang die Arme um Karin und sah sich nun als Mittelpunkt eines Knäuels von drei Leuten, deren Körper sich an den ihren drückten. Während sie immer geiler wurde, blickte Julia sich prüfend um, wer alles herschaute. Voll Befriedigung sah sie, wie ein paar Mädchen mit verstohlenen Seitenblicken den eigenartigen Rhythmus der Körper bemerkten, die gleich neben ihnen tanzten. Sie schenkte der großen Blonden ein neckisches kleines Lächeln, streckte den Arsch noch weiter heraus und genoss das Gefühl, ihren Körper so zur Schau zu stellen, als ob sie in aller Öffentlichkeit vögeln würde. An ihrer Seite tauchte ein Typ auf, breit und stämmig, mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht.

«Ihr habt mir gerade den verdammten Abend gerettet, Mädels! Bloß nicht aufhören, Babe.» Er meinte Julia, schüttelte den Kopf dazu, gab dann einen leisen Pfiff von sich und nickte, während sein Blick über ihre entblößten Beine glitt und über ihre mit Karins Körper verflochtenen Gliedmaßen.

«Wenn ich könnte, würde ich dich vornüberbeugen und auf der Stelle ficken», dröhnte er Julia ins Ohr, die von Rory, der Eifersucht mimte, kräftig in den Arsch gekniffen wurde. «Was dagegen, dass ich dazustoße?» Der Neuzugang schlängelte sich zwischen Julia und Karin und versuchte, sich unmittelbar an Julias Titten hochzuschieben. Sie sah Schweiß über sein Gesicht rinnen und fühlte seine eindrucksvolle Masse, als er sein Bein zwischen die ihren drückte, um ihren Schritt über seinen Schenkel gleiten zu lassen. Julia fand sich nun zwischen drei Kerlen eingeklemmt und sah Karin, aus dem Kreis verstoßen, beide Hände emporwerfen und aufgeben. Rings um sie drehten sich ihr weitere Köpfe zu, doch statt peinlich berührt zu sein, schwelgte sie in ihrer Hauptrolle. Ihr Kleid war inzwischen zerdrückt, zerknüllt und beiseitegezerrt: Sie zeigte so viel Fleisch, dass sie ebenso gut nur ihre Unterwäsche hätte tragen können. Sich windend, an Arme und Schenkel der sich im Einklang mit ihr bewegenden Männer gepresst, wusste Julia, dass dies ihre Art zu tanzen war. Dieses Zurschaustellen ihres Geschlechts, üppig und sinnlich, war ein Begehren, das sie angetrieben hatte, seit sie ein Teenager war. Sie brauchte das, brauchte das Gefühl von Augen, Händen, Lippen und Haut auf ihrem Körper. Sie fühlte die gierigen Blicke sämtlicher Männer in ihrer Nähe über ihren Körper gleiten, deren Wunsch, sie zu berühren, sich an sie zu drängen und sie zu nehmen.

Worum ging es beim Tanzen, wenn nicht um Sex? Was war der stampfende Takt, was waren die Schwingungen der Bässe anderes als eine Einladung, den eigenen Körper gegen den eines anderen zu bewegen? Julia meinte im Rhythmus zu zerfließen; die Menge brodelte und bewegte sich im Takt um sie herum, und die Nacht verschmolz zu einem spannungsgeladenen Dröhnen, während der aufpeitschende Elektrobeat die Feiernden weiter antrieb. Unter dem weißen Stroboskoplicht sah Julia die Tänzer bruchstückhaft aufflackern: einen nackten, schweißglänzenden Rücken, blitzende, zu einem geilen Lächeln gebleckte Zähne, Augen, die sich ihr zuwandten, Hände, die nach ihr griffen. Sie merkte mit einem Prickeln, dass sie das Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit war. Keine einzige andere Frau war mehr in der Nähe. Karin hatte sich in den Hintergrund zurückgezogen, und Julia war nun auf sich allein gestellt und von Männern umringt, deren Blicke an ihren kreisenden Hüften, ihren Strumpfbändern und ihren bestrapsten Schenkeln klebten. Sie spürte, wie die Musik förmlich in ihren Füßen und die Beine hinauftönte, und sie zitterte, als sie die Anfangstakte eines ihrer Lieblingssongs erkannte. Nun wurde der Saal von einer dunklen, wummernden Elektrobass-Line durchpulst, die sich in zusehends trägeren Schleifen wand, während eine Frau immer lauter seufzte. Julia fühlte die eigene Erregung anschwellen, während die durchdringenden Lustschreie der Frau mit den stetigen dumpfen Bassschlägen verschmolzen, ihre Stimme schriller wurde, bis der ganze Saal von dem wollüstigen Stöhnen der Sängerin in Schwingung versetzt war. Ein Song, um dabei zu ficken – oder zu tanzen, als würde man gefickt.

Julia glitt in die Bewegung hinein, fühlte jeden einzelnen Beat ihren Körper durchrieseln, wusste genau, wie weit sie ihr Becken kreisen lassen, ihre Titten vorstrecken, sich zurücklehnen musste, wusste um jedes hungrig ihre Bewegungen verfolgende Augenpaar, wurde sich nun selbst als eines Teils der Musik, eines üppigen, sinnlichen, Fleisch gewordenen Wunschbilds bewusst. Sie fühlte Rorys Steifen drängend an ihren Arsch gedrückt, jetzt so hart, als würde er jeden Augenblick in sie eindringen wollen – nicht anders als der Schwanz, den sie steif werden fühlte, als sie ihn mit dem Handrücken streichelte, während der massige Dritte beide Hände derb über ihre Körperrundungen wandern ließ. Sie nahm wahr, wie die Zuschauer näher rückten, den Reigen um sie verengten, so dicht neben ihr tanzten, dass die Hitze ihrer Körper ihr eigenes Fieber steigerte, bis sie den Siedepunkt erreicht hatte, dahinschmolz, sich vor aller Augen einen rubbeln wollte.

Das Parkett war glitschig von verschütteten Getränken, und Julia geriet ins Schlittern, prallte auf Rory zurück, bis sein sehniger Körper sie stützte, und stellte ihre Vorderseite beiden Männern offen zur Schau – und der Menge, die sie umgab. Ihre langen, ungebärdigen Locken waren nun schweißnass und die sich an ihr reibenden Männerkörper feucht von Hitze und eigener Erregung. Julia hatte Mühe, den Überblick darüber zu behalten, wessen Hände an ihren Titten zogen, ihre Nippel rieben, und wessen Hände so an ihrem G-String zogen, dass der klatschnasse Stoff in ihrer Furche verschwand und ihre Klitoris in Aufruhr versetzte, während sie sich wand, um noch mehr zu fühlen. Sie spürte das bestürzte Glotzen der Zuschauer auf das Schauspiel, war sich im Klaren, dass ihre Brüste im Begriff waren hervorzuquellen und sie mitten auf der Tanzfläche drei Männer mehr oder minder fickte. Das brachte sie dazu, sich nur umso sinnlicher zu winden, um die Mischung aus Lust und Empörung zu kosten, von der sie wusste, dass ihr bebender, geiler Körper beides auslösen würde. Sie war schon immer eine Selbstdarstellerin gewesen, und nun war ihr klar, wie sie genau die Aufmerksamkeit bekäme, die sie so unbedingt wollte: Titten rausstrecken, den halbentblößten Körper der Menge und ihren Blicken darbieten und sie damit herausfordern, ihn anzufassen.

Dann schloss sie die Augen und kostete ihre Empfindungen aus. Sie war von einer Gruppe Männern umringt, die heiß darauf waren, sie zu ficken, fühlte überall Hände über sich hinweggleiten, einen harten Schwanz an ihrem Schenkel reiben, steifen Hemdkragen ihren Hals streifen, eine Zunge an ihrem Ohrläppchen schnalzen. Sie war in Schweiß gebadet, und dieser Geruch vermengte sich mit Rasierwasserduft und den scharfen, erregenden Lustdünsten der Männer um sie herum. Die Musik durchtränkte ihre Haut, pulste im gleichen, dumpfen Takt wie ihr Herz und drängte sie, noch den letzten Rest Selbstbeherrschung preiszugeben. Beim Tanzen überließ sich Julia ganz der Führung ihres Körpers und schwelgte im Gemisch aus ihrer anstößigen Zurschaustellung und des Gefühls, Beute des intimen Gegrapsches von Rory und seinen Gegenspielern zu sein. Sie spürte das Stampfen und Wogen der Menge, die Erregung der Nacht, den Höhepunkt all der Stunden, die sie schwitzend und sich schindend in den Tanzstudios zugebracht hatte. Die Musik steigerte sich zu einem dröhnenden, vibrierenden Beat, den Julia in ihrer Brust donnern und ihre Ohren betäuben fühlen konnte, als sie sich ihm völlig hingab und gänzlich die Beherrschung über sich selbst verlor, um nichts anderes mehr zu sein als ein mit anderen verschmolzener Körper, der sich mit der Hitze und dem Lärm vereinigte.

Zweites Kapitel

Zwei Wochen später, und die Erinnerung an ihren ausgelassenen Abschlussball war bereits Geschichte und fast verblasst. Julia fläzte sich in Höschen und T-Shirt auf dem Sofa und durchkämmte die Stellenangebote im hinteren Teil des Bühnenfachblatts The Stage. Die Lebenswirklichkeit einer Tanzschulabsolventin erwies sich allmählich als freudlos und ungesichert. Es gab nur eine Handvoll Anzeigen, und in fast allen wurde nach Tänzerinnen mit Berufserfahrung gesucht. Es herrschte Dürre in der Welt der Theater, die meisten hatten Spielpause bis zum Herbst, und Julia gab die Hoffnung auf. Mit wachsender Bitterkeit blätterte sie die Zeitung durch. Der Gedanke an Büroarbeit löste in ihr den Wunsch aus, sich einzurollen und zu sterben, aber sie brauchte einen Job, und zwar bald.

Sie sah sich in ihrem engen Wohnzimmer um. Mit zwei weiteren jungen Frauen teilte sich Julia eine Wohnung und hatte sich an den Lärm und die Unordnung einer Studentenbude gewöhnt. Auf dem Flur war Trubel wie im Bahnhof King’s Cross, da zu allen Uhrzeiten unterschiedlichste Besucher und Liebhaber kamen und gingen: Karin brach zu ihrem Kneipenjob auf, eben wenn Julia vom Nachmittagsunterricht hereinkam, Telefone klingelten, das Radio plärrte. Die Lage war günstig zum College, und Camden Market lag gleich die Straße hinunter. Julia liebte diesen Bienenstock, auch wenn er kaum groß genug war, um darin eine Katze am Schwanz herumzuschwenken, wie man so sagte. Aber jetzt … Julia betrachtete die Ziegelmauer draußen vor dem Fenster und die abgestorbene Grünlilie auf dem Fensterbrett. Ihr Blick fiel auf den Stapel dreckiger Teller in der Spüle. Hinter ihr stotterte die Waschmaschine, gab ein klägliches Stöhnen von sich und den Geist auf – schon wieder. Vielleicht war es ja an der Zeit weiterzuziehen.

Und da fiel ihr die Kleinanzeige ins Auge, gerade mal zwei Zeilen ganz unten auf der Seite:

TÄNZERIN GESUCHT FÜR

Circus Excite.

Zirkus? Es war nicht gerade das, was Julia sich vorgestellt hatte. Sie war eine ernsthafte, ausgebildete Künstlerin und keine Varietétänzerin. Ihrer Ansicht nach brachte Tanz in der Regel keine Warzenhütchen und Hüfthalter mit sich. Aber der Gedanke an einen Zirkus reizte sie. Und es war die einzige Anzeige, mit der sie es noch versuchen könnte. Julia griff nach dem Telefon und wählte die Nummer. Zweimal klingelte es, ehe eine Tonbandansage einsetzte.

«Sind Sie bereit zu erregen?», fragte eine tiefe Frauenstimme über das Leitungsknistern. «Wenn Sie das Abenteuer suchen und aufgeschlossen sind, besuchen Sie uns am Freitag, dem ersten Mai, zwischen zehn und zwanzig Uhr in …» Die Stimme nannte eine Adresse in der Londoner Innenstadt. Dann endete die Nachricht, und Julia hielt verwirrt den Hörer in der Hand. Wenigstens ein paar Auskünfte mehr über den Job hatte sie erwartet, eine Ahnung davon, wie sie sich auf das Vortanzen vorbereiten könnte. Was zu tragen, welche Art Nummer einzuüben wäre.

Sie seufzte und warf die Zeitung auf den Boden. Dann ging sie sich fürs Fitnesscenter anziehen, wobei ihr die Ansage noch immer durch den Kopf ging. Die Frau hatte einen schwachen Akzent gehabt, den Julia nicht zuordnen konnte – etwas Osteuropäisches vielleicht? Während sie die Straße hinunterging, dachte sie an die Stimme und den verlockenden Satz zurück:

«Wenn Sie das Abenteuer suchen …»

 

Im Fitnessraum stieg Julia auf ein Trainingsrad und trat in die Pedale. Vor den eigentlichen Übungen kam sie gern schon ins Schwitzen, um locker zu werden und den Adrenalinausstoß anzuregen. Sie trat heftiger in die Pedale und behielt die hohe Geschwindigkeit bei, bis ihr Puls zu rasen anfing. Wie immer verspürte sie diesen Ansturm, wenn ihr Körper hart arbeitete. Der stampfende Takt auf MTV gab ihr den Rhythmus vor, und ihre Gedanken schweiften ab. Wieder spulte sich die Stimme der Frau in ihrem Kopf ab. Während sie über die merkwürdige Ansage nachdachte, malte Julia sich aus, wie sie mit einem Kopfschmuck aus Straußenfedern auf der Bühne stünde. Die Vorstellung war derart lächerlich, dass sie beinahe laut auflachte. Würde es so eine Art Moulin-Rouge-Nummer sein, Beinchen in die Höh und Titten raus im Glitterbikini? Was für ein Schlag Leute sah sich überhaupt Varietéshows an? Julia hatte eine halbleere Bar vor Augen, in der ihr Anzugträger beim Tanz zuschauten. Sie konnte den Ausdruck in ihren Gesichtern sehen, von Begierde glasige Augen, während sie sich zweideutig um eine Säule wickelte. Ohne es zu wollen, wurde sie erregt. Sie drückte ihren Schritt gegen den Sattelknopf des Fahrrads, schaltete die Gänge nach oben durch und trat mit zunehmendem Widerstand fester in die Pedale. Über ihrem Kopf lief ein Musikvideo über die Mattscheibe, voll sinnlicher Frauen, die ihre Becken im Takt kreisen ließen. Worum ging es denn beim Tanzen sonst, wenn nicht um Exhibitionismus?

Als sie schließlich vom Rad stieg, hatte Julia ihren Entschluss gefasst. Sie würde zum Vortanzen gehen und mal sehen, was dann passierte. Es klang auf alle Fälle amüsanter als Zeitarbeit im Büro. Was hatte sie denn schon zu verlieren?

 

Am Freitagmorgen sah Julia sich die beinahe menschenleeren Straßen von Soho ablaufen. Der Schauplatz des Vortanzens erwies sich als schwierig zu finden. Zuletzt stolperte sie über eine enge dunkle Gasse im hintersten Winkel von Fitzrovia. Julia überprüfte ihre hingekritzelten Notizen. Hier war es. Wieder schaute sie in die schmale, von Mülleimern und umherfliegendem Unrat verunzierte Straße. Unsicher betrat sie ihr Pflaster, als könnten jeden Augenblick Ratten aus den Schatten hervorkommen und sie angreifen. Während sie möglichst auf den Fußballen zu gehen versuchte, zog Julia ihre Jeansjacke fest vor der Brust zusammen. Sie hatte überlegt, was sie für ihre Rolle als «Varietétänzerin» tragen solle und sich schließlich für Schwarz entschieden. Schwarze Leggings, schwarzes T-Shirt. Das Kostüm war nicht gerade showgirlmäßig, aber von Julia als für jede erdenkliche Möglichkeit passend erachtet. Nach mehreren gescheiterten Ballettbewerbungen und ruppigen Bemerkungen von ihren Tanzausbildern war Julia überdies darauf aus, ihre reifen Rundungen zu verbergen, und Schwarz von Kopf bis Fuß verlieh ihr eine schlankere Silhouette.

Auf halbem Weg die Gasse hinunter war ein Stück Pappe mit Klebeband an einer Tür befestigt und besagte: «Vortanzen oberstes Geschoss». Als sie die Stufen erklomm, war Julia von der Stille verblüfft. Gewöhnlich waren Auditions ein Radau aus dem Getrappel hin und her laufender Tänzerinnen, Stimmübungen zum Aufwärmen und mitunter dem Klimpern eines Klaviers drinnen im Raum. Heute jedoch gab es nicht den geringsten Laut, nur das Echo ihrer Schritte auf der Treppe und das Geräusch ihres eigenen Atems. Hatte sie vielleicht den falschen Tag erwischt? Dann wäre es ihr übliches Pech. Als sie den dritten Stock erreichte, wappnete sie sich für die Enttäuschung, einen leeren Raum vorzufinden und die Aussicht auf eine überflüssig gewesene Anfahrt.

Die Tür war eine riesige, massive Stahlplatte. Geöffnete Vorhängeschlösser hingen an den Schiebebolzen, und eine weitere Papptafel war angeklebt:

«Circus Excite. Anklopfen und warten.»

Julia pochte mit den Knöcheln an die Tür und hörte das Geräusch im Treppenhaus widerhallen. Sie wartete, was ihr wie fünf Minuten erschienen, und wollte sich eben zum Gehen wenden, als jäh die Tür aufgezogen wurde.

Sie sah sich von einer großgewachsenen, schwarzhaarigen Frau prüfend betrachtet. Ihre Augen waren dick mit schwarzem Kajal untermalt, was ihr ein hartes, katzenhaftes Aussehen verlieh. Der strenge Blick der Frau wanderte von Kopf bis Fuß zügig über sie hinweg und glitt dann wieder empor, um ganz unverhohlen ihre Figur einzuschätzen. Julia fühlte sich, als stünde sie dieser kritischen Begutachtung nackt gegenüber und drückte abwehrend das Kreuz durch. Die Frau schenkte ihr einen vernichtenden Blick.

«Nein. Danke fürs Kommen.»

Die Tür wurde mit einem Knall zugeworfen, der aus dem ganzen Korridor und Treppenhaus zurückschallte.

Benommen starrte Julia auf den massiven Stahl vor sich. Fluchend und ungläubig schüttelte sie den Kopf. Dann drosch sie zähneknirschend mit ihrer Faust auf die Tür ein. Sie konnten sie verdammt nochmal erst tanzen sehen, bevor es hieße, sie sei nicht gut genug. Sie schlug fester zu und bearbeitete das Metall, bis ihre Knöchel vor Schmerz stachen.

Fast fiel sie voran in den Raum, als die Frau erneut öffnete. Diesmal trug sie ein sardonisches Lächeln im Gesicht und trat beiseite, um Julia einzulassen.

«Gut, besser», erklärte sie und bedeutete Julia weiterzugehen. «Viel besser.»

Der Innenraum war riesig, klamm und leer bis auf einen Tisch und einen Stuhl in der Mitte. Der Fußboden war staubiger Beton, die Wände ungeweißter Putz. Julias Schritte hallten beim Eintreten wider. Offenkundig handelte es sich um keine sonderlich erfolgreiche Truppe. Weder hingen Plakate an der Wand, noch gab es sonstige Anzeichen für Spielpläne oder irgendwelche Umtriebigkeit. Tatsächlich nichts als stumpfer grauer Stein. Licht kroch durch die Schlitze in den Läden, die vor die hohen Fenster gezogen worden waren. Julia stand unsicher im Raum, und ein Frösteln tanzte ihr Rückgrat hinunter. Nun, da sie auf der anderen Seite der gepanzerten Tür stand, bekam sie Zweifel, ob sie hier eingesperrt sein wollte. Die Frau ging um die Ecke in einen dunklen Gang und ließ Julia allein in dem schweigenden Raum zurück.

«Der Zirkusdirektor wird gleich zu Ihnen kommen.» Sie warf die Bemerkung über die Schulter, während sie verschwand. Julia erkannte die Stimme – tief, kratzig und akzentbehaftet. Dieselbe Stimme, die «Wenn Sie das Abenteuer suchen …» auf das Ansageband des Anrufbeantworters geschnurrt hatte. Es verlieh dem Wort einen Anflug von Exotik, dass die Frau «Zirkusdirektor» mit rollendem «r» sprach und dabei die Betonung auf «Direktor» legte, als sei er ein sadistisches Genie wie die Romanfigur Svengali, der den Zirkus mit einer Mischung aus Grausamkeit und Leidenschaft unter seine Knute brachte.

Julia freute sich auf die Begegnung mit ihm.

***

Als sie Robert sah, war sie im ersten Augenblick verblüfft. Allem voran erstaunte sie, wie jung er war. Sie hatte eine Art Vaterfigur erwartet, fünfzig oder sechzig Jahre alt, eindrucksvoll und silberhaarig. Möglicherweise mit Zylinderhut. Robert war Mitte dreißig, groß gewachsen, wortkarg und auf höchst beunruhigende Weise gutaussehend. Gekleidet in ein zerknittertes weißes Hemd und Jeans, hätte er als leicht abgegriffener Rockstar durchgehen können. Er stellte sich mit Handschlag vor, lächelte träge und begegnete Julias Blick mit eindringlich dunklen Augen. Sein Haar war zerzaust, und er war unrasiert – insgesamt wirkte er, als wäre er erst vor kurzem aus dem Bett gestiegen. Er bewegte sich mit lässigem Selbstvertrauen, ging langsam zum Stuhl hinüber und drehte die Lehne von sich weg, um sich rittlings darauf niederzulassen. Er verschränkte locker die aufgestützten Arme und kratzte sich die Bartstoppeln.

«Dann lassen Sie mal sehen, was Sie können», sagte er gedehnt und heftete seinen Blick unter eigentümlich schweren Lidern auf Julia. Von seiner schlaffen Haltung verstört, aber entschlossen, es nicht zu zeigen, ließ Julia ihre Tasche zu Boden fallen und zog sich die Jacke aus.

«Toll so weit. Gefällt mir, wie Sie sich ausziehen.» Roberts Stimme war ruhig mit einem ironischen Unterton. «Weiter so.»

Julia fühlte sich aus dem Gleichgewicht geworfen. Sollte das ein Scherz sein? Sie war keineswegs schüchtern wegen ihres Körpers, hatte aber nicht damit gerechnet, beim Vorstellungsgespräch zu einem Strip angehalten zu werden. Ganz so verzweifelt hatte sie das Geld nun auch wieder nicht nötig.

Trotzdem hatte etwas in Roberts Stimme sie herausgefordert, und sie liebte die Herausforderung. Stolz und kerzengerade aufgerichtet, begegnete sie seinem Blick und gab ruhig zurück: «Suchen Sie nach einer Berufstänzerin oder einer Stripperin?»

Robert lachte ein leises sexy Lachen, das Julia einen inwendigen Kitzel bereitete. Er zuckte die Achseln.

«Hängt ganz von dir ab, Babe. Wenn du zu uns willst, solltest du besser allen falschen Anstand ablegen. Wir arbeiten im Team sehr eng zusammen.»

«Sie meinen, ich soll die professionelle Seite am Tanz vergessen?»

«Aber nein, ganz und gar nicht. Der Circus Excite fällt aus dem Rahmen, sicher. Aber wir sind vollkommen professionell. Unsere Show ist sehr präzise gestaltet, so unvorhersehbar sie auf die Zuschauer auch wirken mag.» Julia hob eine Braue. Robert fuhr fort, stand beim Reden auf und kam auf Julia zu. «Wir bemühen uns, ihnen neue geistige Welten zu eröffnen, statt sie bloß zu ‹unterhalten›.» Seine Stimme war so geschmeidig wie Honig geworden, und er beugte sich dicht an sie heran, als weihe er Julia in ein intimes Geheimnis ein. Sie musste sich zusammennehmen, um nicht vor ihm zurückzuweichen. Er streckte eine Hand nach ihrem Haar aus, als wolle er ihr eine Strähne aus den Augen streichen. «Mitunter liegt der wirkungsvollste Weg zur Verzückung der Menschen darin …», er zog eine bauschige weiße Feder hinter ihrem Ohr hervor, von der Julia wusste, dass sie dort auf keinen Fall gewesen war, als sie ihr Haar am Morgen zurückgebunden hatte, «… sie zu überraschen.» Robert legte das spitze Ende der Feder an Julias Hals und zog eine Linie über ihren Busen, zwischen ihren Brüsten hindurch und hinunter zu ihrem Bauch. Sie fühlte die sanft kitzelnde Berührung der Feder über ihren Körper tasten, und ihr Atem wurde schneller. Ihre Brustwarzen versteiften sich unter dem weitgeschnittenen T-Shirt. War dies eine Prüfung, ob sie angewidert davonstürmen würde? Würde er nun anfangen, sie zu befummeln zu dem Zweck, ihr seine «Aufgeschlossenheit» vorzuführen? Julia war sich unschlüssig, ob sie über den Verlauf der Vortanzens glücklich sein und wie sie damit umgehen sollte. Sie stand stocksteif da, starr vor Unsicherheit, und bemühte sich um gefasste Miene, konnte aber am stolzen Hervortreten ihrer Nippel rein gar nichts ändern.

«Kalt?», fragte Robert und warf einen Blick auf ihre Brüste. Er lächelte aufs Neue. «Ist ein bisschen kühl hier drin.» Er ließ die Feder zu ihren Füßen fallen und trat an den Stuhl zurück.

Angemacht, fröstelnd und verstört, fühlte Julia das Adrenalin durch ihre Adern rauschen. Während sich Robert wieder hinsetzte, beschloss sie, ihn mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen. So leicht war sie nicht zu erschüttern. In einer einzigen Bewegung streifte sie ihr T-Shirt ab. Darunter trug sie einen schwarzen Sport-BH aus netzartigem Lycra. Er hielt ihre Brüste beim Tanz an Ort und Stelle fest und war eher wie eine kurze Weste denn als verführerisches Wäschestück geschnitten. Sie zog sich Schuhe und Strümpfe aus. Bevorzugt tanzte sie barfuß und genoss das Gefühl von Freiheit, das sie dabei hatte. Obwohl zäh und schwielig, abgehärtet nach Jahren in Spitzenschuhen, waren ihre Füße dennoch außergewöhnlich empfindsam, um den Widerstand des Fußbodens und die kleinsten Schwerpunktverlagerungen herauszufühlen, durch die sie ihr Gleichgewicht hielt. Nun spürte sie unter den Füßen die harte, kalte Oberfläche des Betons und wurde sich darüber klar, dass dies ihre erste Gelegenheit war, für eine professionelle Tätigkeit vorzutanzen. Sie musste es gut machen.

Nach einem Augenblick des Zögerns schälte sie sich auch aus ihren Leggings. Ihr Slip war ein sportlicher schwarzer Tanga und hoch angesetzt, um ihre Beine und festen Pobacken hervorzuheben. Sie warf Robert einen Blick zu, um ihre Wirkung auf ihn zu sehen. Sein Gesicht blieb teilnahmslos, als würde er ein Gemälde in einer Galerie betrachten. Leicht verärgert über sein kühles Gebaren beschloss Julia, eine Nummer zu zeigen, die sie zu einem Stück der Band Chicago entwickelt hatte. Es war der erotischste Tanz, den sie sich vorstellen konnte. Kannst genauso gut auch dein Haar herunterlassen, dachte sie bei sich. Sie löste die Klammer, die ihr Haar zurückhielt, und schüttelte ihre Locken. Die Spitzen ihrer schwarzen Haare streiften über ihre Brustwarzen, die noch immer stolz hervortraten.

Sie stand vor Robert und atmete ein, nahm die Ausgangsstellung ein, um sich zu zentrieren. Sie war nicht richtig aufgewärmt, und die Musik fehlte. Auf jeden Fall würde dies eine Herausforderung werden. In ihrer Vorstellung beschwor sie die Anfangstakte zu einem Tangorhythmus herauf. Die Augen geschlossen, bis sie völlig im Takt war, setzte sich Julia in Bewegung. Sie fegte wie eine Katze über den Boden und war sich die ganze Zeit bewusst, dass Roberts Augen ihr folgten. Mit rollenden Schultern warf Julia den Kopf herum und sah ihn geradewegs an. Er runzelte leicht die Stirn, seinen starren Blick auf ihren Körper geheftet. Auf einmal fühlte sie sich gewichtslos – die Kargheit des Raums und der kalte Betonboden wirkten nun wie eine ausgeräumte, bereinigte Umgebung, in der sie ihre Fähigkeiten frei heraus zeigen konnte. Dann gab sie sich dem Tanz hin und zwang sich zu innerer Sammlung.

Gelassen zog sie ihre Nummer durch, ihre Bewegungen flüssig und kraftvoll, Hüften kreisend und Beine emporfliegend, während sie wirbelte und sich drehte. Ihr Körper erwärmte sich, und sie fühlte den vertrauten Kick des Adrenalins, das mit sexuellen Triebkräften vermengt in ihren Blutkreislauf einströmte, während sie für diesen Fremden tanzte, allein in einem schweigenden Raum. Sie vollführte Wechselsprünge und grands jetés – die Spreizungen mitten in der Luft – mit gekonnter Genauigkeit, brach in Schweiß aus und begann, schwer zu atmen.

Robert schaute ungerührt und mit verschränkten Armen zu. Julia sprang höher, tanzte angestrengter. Keine Reaktion bis auf ein mattes Lächeln. Nun war sie aufgepeitscht, gerötet und stöhnte vor Mühsal, während sie durch den Raum sprang und rollte, mit den Füßen auf den Boden stampfte und sich selbst auf dem Hintern klapste, um im Takt zu bleiben, während sich Staub auf ihren Handflächen und Fußsohlen sammelte. Sie kam Robert näher und war entschlossen, eine Wirkung bei ihm hervorzurufen. Als sie dicht genug an ihn herangetreten war, um die Hand auszustrecken und ihn zu berühren, kehrte sie ihm den Rücken und langte hoch, um ihren Büstenhalter aufzuhaken. Als er zu Boden fiel, fühlte sie einen erregenden Impuls durch ihren Körper jagen und merkte, wie sie von dessen Wärme durchflutet wurde. Sie wusste, dass sie sexy war und wie man einen Mann scharfmachte. Robert konnte gar nicht anders, als sich aufreizen zu lassen.

Ihre Brüste von ihren Handflächen bedeckt, wandte sich Julia zu ihm um und zitterte schwach vor Verausgabung und Erregung. Ihr Brustkorb hob und senkte sich unter wilden Atemstößen. Durch das über ihr Gesicht gefallene Haar blickte sie auf. Robert betrachtete sie und hielt dabei das Kinn in die Hand gestützt. Woran dachte er? Hatte sie überhaupt eine Wirkung auf ihn?

Sie ließ die Hände zu ihren Seiten fallen, um so vor ihm zu stehen und bebend durch den offenen Mund zu atmen. Sah seine Augen auf ihre Brüste sinken und sie begutachten. Es war, als würde er sie liebkosen. Julia musste sich beherrschen, um nicht die kurze Entfernung zwischen ihnen beiden zu überschreiten. Sie wollte seine Hände auf sich haben, seinen Mund auf ihren Brüsten. Sie malte sich das Gefühl aus, wie seine Stoppeln über ihre Haut kratzen, schlanke Finger sich an ihren Hüften festhalten würden. Vor allem wollte sie ihn von Begierde erschüttert, seiner ruhigen, belustigten Miene beraubt, sich die Lippen lecken, erröten, sich räuspern sehen – Herrgott, irgendetwas!

Robert nickte. Er sah Julia an, als hätte sie soeben eine alltägliche Ballettnummer beendet. Sie schluckte.

«Sehr gut.» Seine Stimme klang nüchtern.

Sehr gut! Julia war verblüfft. Sie hatte sich ihm so gut wie auf einem Silbertablett dargeboten, ihm nackt gegenübergestanden, während seine Augen über ihren Körper wanderten, als würde er sie verschlingen. Ein wahrlich vernichtend schwaches Lob. Noch immer bebend vor Verausgabung und Erwartung, stand sie da. Als sich Roberts Aufmerksamkeit seinen Fingernägeln zuwandte, begriff sie, dass er nicht weiter auf sie eingehen würde. Kühl machte sie auf der Ferse kehrt und ging ihre Kleider einsammeln. In steinernem Schweigen zog sie sich an und stieß wütend die Arme durch die Ärmel ihres T-Shirts. Sie fühlte sich gedemütigt und abgewiesen. Natürlich hatte sie sich darauf gefasst gemacht, beim Vortanzen zu scheitern, was unter den Wettbewerbsbedingungen des Bühnendaseins ganz normal wäre. Aber derart geneckt und dann rundheraus abgelehnt zu werden – es gehörte nicht zu den Dingen, die sie gewohnt war.

«Dienstag in Brighton fangen wir mit den Proben an. Seien Sie morgens um sechs hier. Wenn Sie’s machen wollen, heißt das. Und Sie werden ein paar passendere Kleidungsstücke mitbringen müssen.» Robert sprach so sachlich, als hätten sie einen Vertrag unterzeichnet und besiegelt. Julia warf ihm einen erzürnten Blick zu. Er war so gelassen wie im ersten Moment, da sie ihn gesehen hatte.

«Was, Sie stellen mich ein?»

Robert zuckte die Achseln.

«Ist zwar nicht genau das, wonach wir suchen, aber ich denke, Ihr Stil ist ausbaufähig.»

«Ausbaufähig? Das war …» meine Spitzenleistung. Julia beendete den Satz in ihrem Kopf. Robert lächelte ihr zu, und seine Züge wurden weicher.

«Wir brauchen eine Tänzerin, und ich glaube, dass Sie die Erfahrung erhellend finden werden. Die Bezahlung ist nicht eben berauschend, aber der Zirkus ist … einzigartig. Wir werden den ganzen Sommer lang auf Tournee sein, und Sie hätten somit geregelte Arbeit.»

Geregelte Arbeit. Der Zauberspruch. Diese Ermahnung daran, wie ungesichert doch ihr Leben war, ernüchterte Julia. Arbeit als Tänzerin zu finden, welcher Art auch immer, war kein leichtes Spiel.

«Ich werd’s mir überlegen.» Sie versuchte, ihre Stimme mit so viel eisiger Berufserfahrung zu erfüllen, wie sie zuwege brachte. Das Letzte, was sie wollte, war verzweifelt wirken.

«Gut. Tun Sie das. Und übrigens, unsere Tänzerinnen legen sich gewöhnlich Rouge auf die Brustwarzen, wenn sie barbusig auftreten. Dann sieht es ein wenig dramatischer aus.»

Damit verließ er den Raum.

Julia klapperte die Stufen hinunter und fluchte leise vor sich hin. Noch immer schimpfend stampfte sie die Gasse zurück. In der U-Bahn grübelte sie darüber nach, was Robert gesagt hatte. Als zöge sie auch nur in Betracht, sich per Unterschrift auf mehr seines anmaßenden Bockmists einzulassen! Ein Teil von ihr zuckte zusammen, als sie daran zurückdachte, wie sie fast nackt und sichtlich erregt vor ihm gestanden hatte. Wenigstens würde sie ihn nie mehr wiedersehen müssen. Für den Augenblick war sie genügend gedemütigt worden.

Sie sank auf ihren Sitzplatz und fühlte sich ausgelaugt und elend. Ein gutaussehender Kerl in Jeansjacke saß ihr gegenüber, suchte Augenkontakt und bemühte sich um ein Lächeln. Julia stierte mit allem Hass zurück, den sie aufbringen konnte. Er schrumpfte unter ihrem gleißenden 200-Watt-Funkeln zu einem Häuflein Elend, und Julia verspürte ein kleines, hohles Triumphgefühl.

Wieder in ihrer Wohnung, klapperte sie immer noch zornig auf und ab, als ihre Mitbewohnerin heimkam. Sofort ging Karin auf die Stimmung im Zimmer ein.