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Ob es eine alte Liebe ist, die verzweifelt wiederbelebt werden soll, oder der Verlust einer Mutter, die man nie gehabt hat: Die fünf Kurzgeschichten der Anthologie MÄNNER MIT FRAUEN handeln jede auf ihre Art davon, was Männern mit Frauen passieren kann, warum Männer ohne Frauen nicht leben können. Und wie es sich anfühlt, wenn sie es doch versuchen. Dabei navigieren die einzelnen Geschichten, jede für sich, auf einem schmalen Grat: entweder zwischen Erzählung und Tragödie, bitterer Ironie und Situationskomik, Psychologie und Beziehungsstress.
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Seitenzahl: 36
Veröffentlichungsjahr: 2025
Max und Jochen List sind beide Werbetexter und leben in Berlin und in Bayern.
Für beide ist es die erste belletristische Buchveröffentlichung.
Ansonsten blicken sie auf eine beträchtliche Zahl von werblichen Texten unterschiedlicher Gattungen zurück, für die sie mit zahlreichen Awards ausgezeichnet worden sind.
“Und der Mut ist so müde geworden und die Sehnsucht so groß”
Rainer Maria Rilke
Jochen List, Max List
MÄNNER mit FRAUEN
5 KURZGESCHICHTEN
© 2025 LIST&LIST
Coverdesign von: Franziska Saischek, Peter Münch Lektorat: Alpha Communication/Regensburg Organisation: Helena Piwonka
Druck und Distribution im Auftrag der Autoren:
tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte sind die Autoren verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne ihre Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag der Autoren, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.
Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]
ISBN 978-3-384-69504-8
Für Sabine
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Der Gypsy
Der Sturz
Mutter
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Sie
Als er die Augen öffnete, weil er spürte, dass sich die Katze auf ihn gelegt hatte, duftete die ganze Veranda nach Moos, Gras und Erde und nach den Bäumen, deren Geruch die Hitze anscheinend intensiver machte.
Er hatte sich in das alte Austragshaus seiner Großmutter zurückgezogen, und schaute seit Wochen von den Hügeln über das Tal, in dem er aufgewachsen war, und auf den Fluss, der sein Fluss war, über den er alles gelesen hatte und den er so oft es ging besuchte oder ansah, weil er sich an seiner Schönheit und Größe kaum satt sehen konnte.
So viele Wochen war er bereits alleine hier oben, dass er nicht mehr sagen konnte, wie viele.
Von allem und von allen war er geflohen, als das mit seinem Bruder passiert war, das, was das Schlimmste war, das jemandem passieren konnte.
Er wartete jetzt, bis er den lauten Knall der Pistole nicht mehr jede Nacht hören, den Geruch des verbrannten Pulvers nicht mehr ständig riechen würde und auch nicht den seines Blutes, das überall gewesen war.
Er konnte drinnen nicht mehr schlafen und sah von der Bank auf der Veranda, auf der er schlief, über sich in den Nachthimmel, der an diesem Tag unwirklich hell und von Sternen übersät war.
Er legte gerade seine Hand auf die Katze, als eine Frauenstimme leise zu ihm sagte:
„Hallo Gabriel, es ist lange her, nicht wahr?“
Bevor er erschrecken oder etwas sagen konnte, spürte er ihre Lippen auf seinem Mund.
Und roch den Duft ihres Parfüms.
Ihr Parfüm. Der Duft, der ihm als erstes an ihr aufgefallen war, als sie im Lesesaal der Universitäts-Bibliothek ein paar Mal wie zufällig an ihm vorbeigegangen war.
Eingehüllt in die Welle eines teuren französischen Duftes mit dem Namen Nuit Étoilée, dessen aromatischen und holzigen Duft er vorher noch bei niemandem gerochen hatte.
Jedes Mal nachdem sie vorbeigegangen war, hatte sich der Lesesaal für einige Minuten in die Lichtung eines taunassen nächtlichen Waldes verwandelt, über dem der Duft der Natur selbst lag.
Das war so lange her, dass er es fast vergessen hatte. Bis gerade eben.
„Was machst du denn hier, nach all den Jahren und wie kommst du überhaupt hierher?“, hörte er sich fragen.
„Ich bin hierhergekommen, weil ich dich all die Jahre vermisst habe. Und ich will mit dir sprechen“, sagte sie. „Vater lässt dich schön grüßen, übrigens.“
Vater, ihr Vater, war sein Professor gewesen und hatte seinen Abstieg in die „Niederungen der Werbung“ fast persönlicher genommen als die Auflösung seiner Verlobung mit ihr.
