Männer töten - Eva Reisinger - E-Book

Männer töten E-Book

Eva Reisinger

0,0
18,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

»Wer ist Opfer, wer Täter*in?« Rasant erzählte Utopie eines wehrhaften Feminismus. Anna Maria lebt ein typisches Großstadtleben: Sie arbeitet in einer hippen Firma, geht am Wochenende mit ihren Freundinnen feiern und hat eine komplizierte Ex-Beziehung. Bis sie Hannes an der Bar eines Nachtclubs kennenlernt. Er ist aus Engelhartskirchen, einem oberösterreichischen Dorf, von dem sie bis dahin noch nie gehört hat. Und ganz sicher rechnet sie nicht damit, eines Morgens mit Hannes in diesem Nest aufzuwachen. Als es doch passiert, lassen die Klischees zunächst grüßen: Kühe, Knödel, Kirchturmglocken. Dann aber bemerkt Anna Maria, dass nicht alles ins Bild passen will. Warum gibt es eine Pfarrerin, obwohl das Dorf katholisch ist? Wie kommt es, dass die Frauen hier viel lauter feiern als anderswo? Wo sind die Männer hin? Und was hat das alles mit Kathrin Glock zu tun? Eva Reisinger erzählt eine skandalöse Geschichte über Macht, Freundinnenschaft und weiblichen Zusammenhalt in einem ungewöhnlichen Setting. Eine Tour de Force durch dringliche Themen der Gegenwart, voller popkultureller Poesie.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 238

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über das Buch

Männer töten

Anna Maria hält ihr normal schlimmes Großstadtleben nicht mehr aus. Eines Morgens wacht sie in Engelhartskirchen auf, einem oberösterreichischen Dorf, von dem sie bis dahin noch nie gehört hat. Zunächst lassen die Klischees grüßen: Kühe, Knödel, Kirchturmglocken. Dann aber bemerkt sie, dass nicht alles ins Bild passen will. Warum gibt es eine Pfarrerin, obwohl das Dorf katholisch ist? Wie kommt es, dass die Frauen hier viel lauter feiern als anderswo? Wo sind die Männer hin? Und was hat das alles mit Kathrin Glock zu tun?

Eva Reisinger erzählt eine skandalöse Geschichte über Macht, Freundinnenschaft und Solidarität. Eine Berg- und Talfahrt durch wichtige Themen der Gegenwart voller Popkultur-Poesie.

Über Eva Reisinger

Eva Reisinger, 1992 geboren, wuchs in der oberösterreichischen Provinz zwischen Zeltfest und Wodka Bull auf. Sie studierte in Wien Journalismus, arbeitete in Medienhäusern in Hamburg, Berlin und Istanbul. Ab 2017 baute sie einen Österreich-Schwerpunkt für das junge Medium der ZEIT auf und berichtete als Korrespondentin aus dem Nachbarland. Ihr erstes Buch Was geht, Österreich? erschien 2021 bei Kiepenheuer & Witsch. Für ihren Debütroman erhielt sie das Start-Literaturstipendium der Stadt Wien. Sie lebt als freie Autorin mit ihrer Hündin Frieda in Wien und träumt vom Matriarchat.

Newsletter des Leykam Verlags

In unserem Newsletter informieren wir Sie über aktuelle Veranstaltungen, unsere Autor*innen, neue Bücher und aktuelle Angebote. Hier geht es zur Anmeldung:

https://mailchi.mp/leykamverlag/newsletter

leykam:seit 1585

Eva Reisinger

MÄNNER TÖTEN

Roman

leykam:Belletristik

Why don’t you run from me?

What are you wondering?

What do you know?

Why aren’t you scared of me?

bury a friend, Billie Eilish

für uns.

INHALT

Über das Buch

Über Eva Reisinger

NEBENSAISON

SCHONZEIT

HAUPTSAISON

ERNTE

Triggerwarnung:

In diesem Buch sterben Männer.

/ Es finden Beschreibungen von patriarchaler, sexueller und psychischer Gewalt statt.

+

Wir alle stellen es uns manchmal vor.

Wir stellen uns Fragen.

Fragen wie: Was wäre, wenn?

Wie du es tun würdest

Wie es sich anfühlen würde

Was er schreien würde

Ob er betteln würde

Ob er weinen würde

Ob er sich schämen würde

Schämen, wie du es getan hast

Ob er sich wehren würde

Wehren, wie du es nicht getan hast

Ob er sich entschuldigen würde

Entschuldigen, wie er es nicht getan hat

Ob seine Haut kalt werden würde

Wen du um Hilfe bitten würdest

Wie ihr ihn entsorgen würdet

Wie ihr sichergehen würdet, dass euch niemand erwischt

Ob du seiner Mutter ins Gesicht lügen würdest

Ob du eine falsche Träne verdrücken würdest

Wie es sich anfühlen würde das Leben, ohne Angst

Am Ende würdest du dich nicht fragen, ob Rache glücklich macht

Du kennst die Antwort.

NEBENSAISON

Anna Maria weiß, wo sie ist. Sie weiß nicht, wie sie das findet. Sie blinzelt und dreht sich an einem Samstagmorgen zur Seite. Hannes’ Decke liegt in der Mitte gefaltet auf dem Bett. Der Polster ist aufgeschüttelt. Sie streicht mit dem Handrücken darüber, er ist kalt. Sie blickt auf das FM4-Poster an der Tür und die schwere Kommode daneben. Die Sticker beweisen, dass sie schon in seinem Zimmer stand, als er noch jünger war. Dass da einmal mehr Plakate an den Wänden waren, zeigen die Rückstände des Klebers. Nachdem sie die Jogginghose zwischen ihren Kisten entdeckt hat, geht sie barfuß die knarrenden Stufen nach unten, das alte Holz macht seine eigenen Geräusche. Die Stufen werden schmaler, sie hält sich am Geländer fest. Im Vorhaus angekommen öffnet sie die massive Tür. Sie blieb wie die Balken und die Stiege bei der Renovierung des Bauernhauses erhalten. Der Frühstückstisch ist gedeckt, Hannes ist aber nicht da. Aus der türkis-weiß bemalten Kanne leert sie schwarzen Kaffee in die dazu passende gemusterte Tasse. Sie nimmt einen Schluck mit einem lauten Schmatzen. Vor ihr stehen Speck, Joghurt und unterschiedliche Käsesorten. Rechts ein Brotkorb mit dunklen Bauernbrotscheiben und links ein oranges Glas mit der Aufschrift Jacobs Marillenmarmelade. Gierig schmiert sie eine dicke Schicht Butter auf ein Brot, darauf sehr viel Marmelade und beißt die Hälfte davon auf einmal ab. Im Mund schmeckt sie Anis, Marillen und Fett. Während sie über die Parallelen von Essen und Sex nachdenkt – sie ist der Meinung, dass das Erste deutlich öfter überzeugt, aber man danach gleich noch mehr essen will, was nach wirklich gutem Sex bei ihr nicht so ist –, läutet es aus der Küche. Sie folgt dem Ton für ein paar Meter und findet ein altes Telefon an der Wand hängen. Mattes schwarzes Plastik mit kiwigrünen Plastiktasten. Ohne zu überlegen, greift sie nach dem Hörer, prallt mit dem Gips ab, wechselt die Hand und zieht das Kabel mit der anderen lang, um den Hörer ans Ohr zu halten.

– Hallo?

– Servus, da ist die Josepha von gegenüber. Du solltest schon deinen Namen sagen, wenn du abhebst. Oder wenigstens »Hier bei Mayer!«, weil so kennt sich niemand aus. Kannst übrigens Jojo zu mir sagen.

– Hier ist Anna Maria.

Josepha sagt, dass sie das weiß, darum ruft sie an.

– Heute poltern wir, weil die Bine und ich heiraten bald, sagt sie noch.

– Okay, antwortet Anna Maria und blickt auf den Frühstückstisch.

– Um drei vorm Lagerhaus, bis gleich!

Dann tutet es in der Leitung, Anna Maria setzt sich zurück an den Tisch und schiebt sich das restliche Brot in den Mund. Sie schaut auf die Uhr, fast zwölf. Kein Wunder, dass niemand im Haus ist. Hannes’ Bruder Jacob hat eine Vorlesung. Hannes’ Mutter Traudi trifft eine Freundin, das hat sie ihr gestern erzählt. Und Hannes? Hannes kann nur im Stall oder auf dem Feld sein.

Sie greift sich eine Strickweste vom Garderobenhaken, streift beim Vorbeigehen mit den Fingern über den moosgrünen Kachelofen. Die Kacheln sind glatt und kalt. Anna Maria fröstelt es, sie bindet die Weste enger um den Körper und huscht auf Zehenspitzen über den Steinboden im Vorhaus.

Sie blickt in den blauen Himmel, dann schweift ihr Blick über den Garten. Draußen ist es wärmer als im Haus. In der Ferne hört sie die Glocken läuten, wahrscheinlich ein Begräbnis. Um die Kirche und den Friedhof in Engelhartskirchen zu erreichen, braucht sie sieben Minuten. Sie ist erst seit zwei Wochen hier, das weiß sie bereits. Besuche in der Kirche sind ein Muss.

Eine zitronengelbe Mauer mit weißen Streifen umgibt den Hof. Die Art von Gelb, die irgendwann einmal im Trend war, und alle, die ihren Hof renovierten, entschieden sich für die sonnige, freundliche Farbe. Mittlerweile wurde die Mauer an vielen Stellen von Sträuchern überwuchert und aus der Farbe war mit dem Alter Eierschale geworden. Die Bäume auf dem Grundstück der Nachbarinnen erwecken den Eindruck, dass sich der Hof am Rand eines Waldes befindet. Bei der Einfahrt wird die Mauer durch ein Eisentor unterbrochen. Handarbeit, geschmiedet von Hannes’ Großvater. Mehrere Meter hohe Ornamente verschlingen sich ineinander. Anna Maria kann es nicht schließen. Nur Hannes weiß, wie das Schloss einhaken muss, damit es hält.

Quadratische Granitpflastersteine säumen den Weg. Eine perfekt gemähte Kante leitet den Übergang zum Garten ein. Die Apfelbäume bieten Schatten, Efeu wächst an der Hauswand entlang und lässt die unverputzten Ziegel darunter hervorschauen. Zwischen Hof und Stall steht die Doppelgarage, die ein Teil des Stalles war. Die schwere Holztür erinnert noch daran. Anna Maria lugt durch den Spalt und sieht, dass das Auto weg ist. Hat Hannes’ Mutter den Wagen genommen? Oder ist er selbst weggefahren?

Eine Sirene ertönt. Anna Maria erschreckt sich, dann flaut der Ton wieder ab. Es müsste nun Mittag sein, das Lagerhaus schließt. Ihr ist warm, sie zieht die Strickweste aus und bindet sie sich um die Hüfte. Dann ruft sie nach Hannes. Das Tuckern eines Traktors schallt von der Straße her in den Garten. Das war zu leise. Sie ruft noch einmal, lauter. Es kommt ihr komisch vor, seinen Namen zu schreien. Die Kieselsteine in der Einfahrt bohren sich bei jedem Schritt in ihre Fußsohlen. Aua. Sie hätte Schuhe anziehen sollen. Sie betritt die kühle Wiese. Wo ist er nur?, fragt sie sich. Sie ärgert sich, dass sie an eine Weste gedacht hat, aber nicht auf die Idee gekommen ist, sich Schuhe anzuziehen. Es sind die kleinen Fehler, die verraten, dass sie in der Stadt aufgewachsen ist. Sie läuft die Wiese hinauf Richtung Wald. Da entdeckt sie Hannes vor dem Stall mit einer Kuh. Je näher sie kommt, desto deutlicher hört sie seine Stimme. Er spricht mit dem Tier und streichelt es am Hals entlang über den Rücken nach hinten. Die Kuh wedelt mit dem Schwanz.

– Warum hast du nichts an?, fragt er Anna Maria, schaut zu Boden und betont das letzte Wort und macht ein »aaauuuu« daraus.

Anna Maria blickt auf ihre nassen Füße, die zwischen dem hohen Gras und Dreck hervorlugen. Weil sie dachte, am Land brauche sie nicht andauernd Schuhe, denkt sie, sagt es aber nicht. Hannes trägt schwere Stiefel, dunkelgrau kariert mit dicker Sohle und orangen Bändern. Sie erinnern sie an Wanderschuhe. Dazu hat er Jeans an und sein Shirt spannt über dem Oberkörper. Er zieht die Handschuhe aus und stopft sie in die hintere Hosentasche. Kratzt sich am Ohrläppchen mit dem Flinserl, mit der anderen Hand streicht er sich sein haselnussbraunes Haar zur rechten Seite. Wenn er kein Gel benutzt, liegen die Haare wie bei einem Topfschnitt auf der Stirn und reichen bis zur Mitte. Seine Ohren wirken dann länger, der Kiefer größer und die Augen blauer. Er nimmt ihre Hand und zieht sie zu sich, küsst sie auf die Nase. Sie riecht sein Deo (Axe Africa), das sie in den Skikurs in der Unterstufe in ihrem Gymnasium in Wien zurückwirft, aber auch ein Ziehen in der Leiste auslöst.

– Das ist die Susanne, sagt er und zeigt auf die Kuh.

Anna Maria nickt. Seine Lieblingskuh. Sie erhole sich gerade von einer schweren Geburt. Anna Maria erzählt von Josephas Einladung zum Poltern. Hannes sagt, dass seine Mutter auch eingeladen ist, aber eine Freundin trifft. Anna Maria weiß das. Sie will lieber hören, wie das Poltern werden wird.

– Jessas, das wird wild!

Egal, was sie ihn fragt, er wiederholt immer wieder diesen Satz. Er schüttelt den Kopf und sagt:

– Jessas, das wird wild!

Er hat keine Ahnung, wie wild.

Anna Maria sitzt vor dem Lagerhaus auf der Gehsteigkante. Ihr Hintern passt nicht darauf. Sie mustert ihre lila Yogahose und zupft am Batik-Shirt. Wenn man die Augen zusammenkneift und schon ein paar Bier intus hat, ist es vielleicht pink, was sie da trägt. Wahnsinnig komisch kommt sie sich vor. Schließlich werde beim Poltern Pink getragen, oder?, denkt sie. Sie streift sich die Haare aus dem Nacken. Sie sind nicht braun, nicht blond, sie sind irgendwas dazwischen. Sie sind der Grund, warum sie als Teenager mit dem Färben begonnen hat, in der Hoffnung, dass sie endlich irgendwas sind. Sie erhebt sich stöhnend und blickt auf dem Parkplatz in einen Autospiegel. Mit einem Stoffhaargummi bindet sie ihre gelockten Haare zusammen.

Sie lässt die Einfahrt nicht aus den Augen und hofft, dass die Poltergruppe bald antanzt, bevor sie schmilzt. In dem Moment öffnet eine Jugendliche die Tür des Lagerhauses und eine Gruppe Frauen kommt zum Vorschein. Keine trägt Pink oder Rosa oder eine weirde Annäherung wie Anna Maria. Sie erkennt ihre Nachbarinnen. Josepha hat einen Kranz aus Lavendel, Flieder und Efeu im Haar und einen Wildblumenstrauß mit einer Zucchini in der Hand. Ein luftiges Kleid in Pastellfarben schmiegt sich an ihren Körper, dazu kombiniert sie Cowboystiefel. Hinter ihr taucht ihre Verlobte Sabine auf. Sie streift sich die Hosenträger der schwarzen Latzhose über die Schultern. Erst jetzt bemerkt Anna Maria, dass die Frauen unzählige Bierkisten schleppen. Auf dem Weg zum Ortseingang stoßen immer mehr Frauen dazu. An der Ortstafel angekommen werden die Bierkisten abgestellt. Josepha läuft durch die Gruppe, achtet darauf, dass sich immer zwei Frauen die Hand geben, sie bildet Teams. Anna Maria legt ihre Hand in die von Sabine, die sie zweifelnd anblickt. Plötzlich ertönt ein lauter Sound, alle grölen bei den ersten Tönen mit.

– Ich hoffe, du kannst gescheit saufen!, ruft Sabine, als sie losstarten.

Wer noch nie mit einer Bierkiste in der Hand gerannt ist, weiß nicht, wie schwer das ist. Selbst wenn man sie zu zweit trägt. So sprinten sie zurück in den Ort und Anna Maria bleibt weder Zeit noch Luft, um zu fragen, was sie machen. Vor dem ersten Haus bleiben sie stehen, öffnen ein Bier, Sabine ext die Hälfte, reicht ihr die Flasche und rülpst. Kurz glaubt Anna Maria, verarscht zu werden. Sie schaut sich um und sieht, dass alle trinken. Sie setzt die kalte Flasche an ihre Lippen. Ein paar Mal will sie aufhören, seit Ewigkeiten hat sie nichts mehr ex getrunken. Die Blöße, beim ersten Bier schlapp zu machen, will sie sich auf keinen Fall geben. Mit Schwung und nicht wenig Stolz lässt sie die leere Flasche in die Kiste fallen und blickt sorgenvoll auf die neunzehn verbleibenden Flaschen.

Die Gruppe verteilt sich im Ort. Die Sonne singt auf dem Asphalt. Ab und zu fegt ein gnädiger Wind über die verschwitzte Haut und lässt die Weizenfelder tanzen. Nach Stopps vor der Kirche, der Bank, der Schule, dem Bahnübergang und vor dem DaVinci haben die Ersten aufgegeben. Was nicht bedeutet, dass sie aufhören zu trinken, sondern dass sie nicht mehr weiterlaufen. Anna Maria sitzt auf dem Freibadparkplatz auf ihrer Bierkiste, daneben Sabine, Josepha, Marie, Katharina, Marlene und Alex. Im Buffet des Bads wird die Musik lauter gedreht. Jemand singt von einem Herz wie ein Bergwerk und über griechischen Wein. Anna Maria hat Angst, nie wieder von der Kiste aufstehen zu können.

Die Frauen diskutieren über einen Journalisten aus Wien. Anna Maria kennt ihn nicht. Er arbeite für eine große Boulevardzeitung. Meistens berichte er über Korruption, Sebastian Kurz, der sein Comeback feiere, und über die Frauenmorde im Land. Erst gestern habe ein Mann seine Frau vor einer Trafik angezündet. Eine andere sei von ihrem Mann erschlagen worden. Eine weitere habe sich retten können, ihr Ex-Mann sich in der Wohnung erschossen. Marlene empört sich, warum ausgerechnet ein Mann über das Thema berichte und Aufmerksamkeit bekomme.

– So ein Scheiß.

Unweit von ihnen watschelt eine Schulklasse in Zweierreihe vorbei. Die Kinder mit bunten Kappen auf dem Kopf und noch bunteren Rucksäcken auf dem Rücken schauen sie mit offenem Mund an – betrunkene Frauen auf dem Parkplatz.

– Hallo Mama!, ruft eines und Marlene winkt.

Das Bier in Anna Marias Händen ist längst warm. Die Gruppe unterhält sich jetzt über Männer oder besser gesagt Ex-Männer. Sie traut sich nicht zu fragen, warum alle nicht mehr am Leben sind. Mehrmals hört sie »Gott hab ihn selig«, als wäre diese Phrase Pflicht.

– Jessas!, ruft Sabine. Schon so spät. Wir müssen los!

Sie stapeln die Bierkisten neben dem Freibadeingang. Damit scheint der Bierkistenlauf offiziell als beendet zu gelten. Aus dem Schwimmbecken ist ein Platschen zu hören, wie gerne würde Anna Maria baden gehen. Aber dieser Tag hat seine eigenen Regeln und Abläufe. Die alle kennen, nur sie nicht.

Als sie ihre Stirn gegen die klimatisierte Scheibe des Autobusses presst, denkt sie an Hannes’ Worte: »Das wird wild!« Er hatte keine Ahnung.

Die Frauen mussten sich alle irgendwann übergeben. Manche konnten das timen. Katharina stand einfach auf und sagte, sie gehe jetzt speiben, damit sie im Club wieder saufen könne, und kam zehn Minuten später munter und einen Kaugummi kauend zurück. Anna Maria imponierte diese Kontrolle. Sie selbst lief nach dem Grillen bei Sabine und Josepha hinter den Holunderstrauch im Garten und spieb so heftig wie zum letzten Mal im Krankenhaus nach ihrem Fahrradunfall.

Kurz vor Mitternacht fahren sie in einem gemieteten Autobus in die Disko, von der alle andauernd reden. Schon seit über einer halben Stunde quält er sich über die kurvige Straße den Berg hinauf. Anna Maria dachte, sie würden in eine Stadt fahren, aber die Häuser an der Straße werden immer weniger. Sie schaut angestrengt nach vorne, in der Hoffnung, dass ihr nicht schlecht wird. Der Bus hält schließlich vor einem hallenähnlichen Gebäude mit einem Turm. Hunderte Menschen stehen in der Schlange die Stufen zum Club hinab. Rote, gelbe, blaue Lichtstrahlen rasen durch die Nacht. Der Beat dringt durch die Tür nach draußen. Die Gruppe geht an der Schlange vorbei. Eine der Frauen zeigt der Security eine goldene Karte und erklärt etwas von VIP. Es wartet ein ovaler Tisch auf sie, umrandet von einer weißen Ledercouch. Einige nehmen Platz, andere bleiben am Geländer stehen und blicken auf die Tanzfläche unter ihnen. Eine Nebelmaschine lässt die Menschen die Kontrolle über ihr Leben verlieren. Drei Wannen gefüllt mit Prosecco, Wodka und Redbull werden von Kellnerinnen auf den Tisch gestellt. Spritzkerzen ragen zwischen den Eiswürfeln heraus. Anna Maria starrt gebannt darauf. Sie sprühen ihre Funken. Vielleicht ist es das Schönste, das sie jemals gesehen hat. Vielleicht ist sie einfach sehr betrunken. Heute gebe es kein Gas, außer Vollgas, hat Katharina gesagt. Darüber dass das ein Nazispruch ist, denkt sie für einen Moment nach. Dann hört sie einen Knall. Sie blickt auf die Bühne. Hinter dem DJ-Pult hüpft ein junger Mann mit blauen Haaren herum, springt auf das Pult und ruft Jump! Jump! Jump around! ins Mikrofon. Das Publikum schreit vor Begeisterung.

– Das ist der Bürgermeister, sagt Josepha.

– Nicht dein Ernst, entgegnet Anna Maria.

Nachdem alle tanzen waren, liegen die Schuhe unter dem Tisch und die Beine hochgelagert auf dem weißen Leder der Couch. Josepha sitzt neben Anna Maria und versucht vollständige Sätze zu bilden. Sie sagt, wie sehr sie sich auf die Hochzeit freue, wie schön ihr Leben zu zweit auf dem Hof sei. Mittlerweile hätten sie keine Tiere mehr, alle verkauft, dafür hätten sie den Stadel zu einem Atelier umgebaut. Die Bine fotografiere für Lifestyle-Magazine und sie zeichne surrealistische Kunst. Außerdem hätten sie Obstbäume und einen großen Gemüsegarten gepflanzt. Anna Maria fragt, ob sie zuvor schon verheiratet gewesen sei. Josepha schüttelt den Kopf, erzählt von ihrer Ex-Freundin und dass sie zusammen in einer Wohnung im Nachbarort gelebt hätten. Als sie die Beziehung nicht mehr ertragen habe, habe sie sich getrennt. Sie sei ein Volltrottel gewesen, sagt Josepha, nein wirklich. Anna Marias Brust verschließt sich. Im Grunde hätte sie es wie die Bine machen sollen, sagt sie. Heute wisse sie das.

Anna Maria sieht sie fragend an, Josepha hält sich den Zeigefinger vor den Mund und macht so laut »Pst!«, wie es eben nur ein sehr betrunkener Mensch schafft. Ihr läuft eine Träne über die Wange, sie lacht.

Weiße Blitze. Blaue Blitze. Rote Blitze. Alle Blitze zusammen. Im Club in Berlin flimmerte buntes Licht, das selbst Nichtepileptiker*innen an die Grenzen brachte. Alles stand auf dem Kopf. Dunkelheit. Hitze. Plötzlich schossen wieder rote Laser über die Tanzfläche. Der Arsch vibrierte vom Bass. Keine Fenster, keine Menschen mit normal großen Pupillen. Nichts verriet, wie spät es war oder dass es draußen Arbeitszeiten, Steuererklärungen und diesen Shit gab. Niemand nahm offiziell Drogen, aber man ging zu fünft aufs Klo. Anna Maria spürte den Schweiß sich in ihrem Sport-BH vollsaugen. Sie bereute es, die dicke Glockenhose angezogen zu haben. Ihr war heiß, sie brauchte Wasser.

Yama gab sich dem Beat hin, ihre schweren geflochtenen Zöpfe bewegten sich wie in Wellen. Sie trug einen hellbraunen Jogginganzug. Warum sie keinen Hitzschlag erlitt, war Anna Maria ein Rätsel. Sie fasste sie an der Schulter, drückte fester zu, damit Yama sie bemerkte. Sie sah sie fragend an. Auf ihren Lippen glänzte eine Schicht nudefarbenes Gloss, ihre Haut wirkte im Kontrast dazu noch etwas dunkler als sonst, in ihren Wimpern klebten Lashes in Orange, die zur Farbe der Bänder passten, die sie in die Zöpfe geflochten hatte. Anna Maria schrie ihr ins Ohr, ob sie Durst habe. Yama verstand sie nicht. Sie wiederholte die Frage und sah, wie Yama erfreut den Mund aufriss. Auch Evîn hörte auf zu tanzen und blickte Yama fragend an, als Antwort zupfte sie sich theatralisch an der cremefarbenen weiten Leinenbluse und fächelte sich Luft zu. An Evîns Ohren baumelten große Ringe in Pastellfarben. Das dichte, lange schwarze Haar hatte sie mit einem Seidentuch im Nacken zusammengefasst. Ihre Wangenknochen wirkten selbst ungeschminkt perfekt konturiert. Die Augenbrauen sahen aus wie auf einem Gemälde, die Haut wie mit einer App weichgezeichnet. Sie nannte ihre Freundinnen Engel, dabei sah sie selbst aus wie einer.

– Brauchst du Hilfe, canım?, brüllte Evîn ihr ins Gesicht.

Anna Maria schüttelte den Kopf und machte sich in Richtung Bar auf. Ihre Freundinnen gaben sich dem Beat hin, während sie sich durch die Menge kämpfte. Ein dunkelblauer Rücken mit drei weißen Streifen an den Schultern versperrte ihr den Weg. Sie leuchteten im Schwarzlicht. Wie ein Kasten stand der Typ vor ihr, sie zog an seiner Weste. Zuerst ganz leicht, dann einmal fest, dann drehte sich der Rücken um.

Als der Typ sie ansah, wollte sie davonlaufen, konnte sich aber nicht von der Stelle rühren, hatte aufgehört zu atmen. Er neigte den Kopf fragend zur Seite und riss seine blauen Augen auf. Anna Maria musterte seine Segelohren, die Nase mit dem Knubbel, das hart gezeichnete Gesicht, die junge Haut, die Topffrisur, das Flinserl im Ohr, die kurzen Fingernägel. Ein Prolet oder ein Bauer. Oder im schlimmsten Fall beides, dachte sie. Ihr Blick heftete sich auf seine Lippen. Sie bewegten sich. Sie verstand kein Wort. Hörte ihr Herz schlagen oder den Beat, wer wusste das schon, in ihren Ohren rauschte es. Die Lippen bewegten sich wieder, sie bekam einen Worthappen mit.

– Wasser, sagte sie.

Er grinste. Sie holte Luft und zwang ihre Zunge, sich nochmal zu rühren.

– Bestellst du mir drei Wasser bitte, sagte sie.

Er gab die Bestellung weiter und machte sich so klein er konnte. Sie quetschte sich an seine Seite. Sie kamen ins Gespräch. Er war wie sie aus Österreich, das hörte sie sofort. Sie fragte nach. Er habe sein Studium soeben abgeschlossen und darum sei er mit den Kolleg*innen nach Berlin gekommen. Er deutete auf Gestalten rundherum, Anna Maria sah sofort, wen er meinte. Er fragte sie, warum sie in Berlin lebe. Diese Frage stellte sie sich schon seit vielen Jahren nicht mehr. Sie hatte hier einen Job gefunden und ihre Freundinnen waren ihre Familie. Dass der Job ein ewiges Praktikum in einer Agentur war, verriet sie ihm nicht, dass Berlin sie immer mehr verzweifeln ließ ebenfalls nicht. Oder dass sie in Wien hätte bleiben und ihr Studium abschließen sollen auch lieber nicht. Das Wasser hatte sie vergessen, als Hannes ihr vom Hof seiner Familie erzählte, den er übernehmen werde. Da, wo er herkomme. Aus Engelhartskirchen.

Als sie seine Hände in dieser Nacht zum ersten Mal auf ihrer Haut spürte, wunderte sie sich, wie rau sie waren. Sie fühlte die Rillen und Furchen, sie dachte an Schleifpapier. Seine Bewegungen ließen sie den Gedanken sofort wieder vergessen.

Anna Maria schleicht über den Holzboden, er knarrt. An den Türen hängen Schilder. Sie geht an JACOB vorbei. Hier war das Kinderzimmer von Hannes’ kleinem Bruder. Er studiert in Linz Jus. Dann an TRAUDI & RUDI. Rudi war Hannes’ Vater. Er sieht ihm sehr ähnlich, das weiß sie von dem Foto, das in Hannes’ Zimmer hängt. Die beiden posen auf einem Gipfel, das Kreuz im Hintergrund, ein Bier in der Hand. Seine Augen werden traurig, wenn er das Wort »Papa« in den Mund nimmt. Auf dem Gang stehen Hunderte Bücher in den Regalen. Es riecht nach Staub und Essigreiniger. Zwischen den Regalen ein Schreibtisch, hinter dem unzählige Postkarten hängen. Von Bad Gastein übers Oktoberfest bis Marrakesch ist alles dabei.

In der Küche klappert Geschirr. Anna Maria hat keine Lust auf Gesellschaft und schleicht über die Steinstiege einen Stock weiter nach oben. Sie geht bemüht leise über die staubigen Stufen, tritt dabei so wenig wie möglich auf. Ihre Mutter sagt, dass sie stampft wie ein Elefant. Sehr nett, typisch Mutter. Dass sie wahnsinnig laut ist, besonders für eine Frau. Seit ihrer Kindheit achtet Anna Maria darauf, leise zu sein, obwohl sie mittlerweile weiß, dass das Blödsinn ist. Das Gute ist: Selbst ihr bemüht leises Gehen empfinden die meisten Menschen ohnehin als laut.

Sie fürchtet, mit ihren Spuren im Staub Beweise zu hinterlassen. Sie bleibt stehen. Jetzt ist es auch schon egal, denkt sie. Ihre Neugier ist größer.

Im Türrahmen hängt schmutziges Plastik, als wollte es einen Vorhang imitieren. Sie schlüpft hindurch. In dem Raum dahinter ist es stockdunkel, keine Umrisse sind zu erkennen. Sie riecht frisches Holz und Leim. Fühlt den Boden unter ihren nackten Füßen. Sie versucht sich zu orientieren, ihre Augen der Dunkelheit anzupassen. Auf Zehenspitzen schleicht sie weiter. Tastet sich mit den Händen voran, bis, aua, verdammte Scheiße!, Schmerzen ihren Kopf erfüllen. Sie hat sich gestoßen. Das muss die Dachschräge sein. Sie dreht sich um, das ergibt keinen Sinn, und geht vorsichtig den Weg zurück. Als sie sich an der Wand Richtung Stiege entlangtastet, fühlt sie einen Lichtschalter. Reflexartig drückt sie darauf. Schlagartig wird es hell. Mehrere Glühbirnen tauchen den Raum in warmes Licht. Sie blinzelt. Halluziniert sie? Sie dachte, der Dachboden sei ein Abstellraum. Doch erblickt sie einen modernen Wohnraum. Vielleicht waren das die langfristigen Folgen des Kokainkonsums, von denen sie gehört hatte. Gehirnschaden. Das hat sie davon.

Vor ihr befindet sich eine offene, große Küche aus geöltem Holz. Die Arbeitsplatten aus dunkelgrauem Stein. Der Wasserhahn an der Spüle und der brandneue Herd stecken noch in der Plastikverpackung. Links unter der Dachschräge steht eine L-förmige, helle Couch mit einem Tischchen davor. Bunt bestickte Kissen türmen sich auf den Sitzflächen. Sie sind ebenfalls in Plastik verpackt. Auf der anderen Seite des Raumes entdeckt sie einen Esstisch, an dem mindestens sechs Personen Platz finden. Moderne Stühle reihen sich entlang des Tisches. Die Holzbeine sind verpackt. Anna Maria befühlt das Material des Tisches. Obwohl sie es deutlich spürt, glaubt sie, sich alles einzubilden. Sie dreht sich, blickt von oben nach unten, kann die Höhe kaum fassen. Sicher fünf Meter. In hellem Holz ist das spitze Dach ausgekleidet, ein massiver Holzbalken führt durch die Mitte. Der Raum ist deutlich moderner gestaltet als der Rest des Hofes. An einem weiteren Balken ist ein beiger Hängesessel montiert. Vielleicht träumt sie. Sie war schon immer eine talentierte Träumerin.

In Gedanken verloren geht sie nach hinten auf eine der drei Türen zu und öffnet sie. Zuerst Dunkelheit, dann schaltet sie das Licht ein. Das Himmelbett reißt ihren Blick an sich. Mit nackter Matratze, einem Teppich davor und einer kleinen Bank am Bettende. Sie fühlt sich wie in einem Schöner-Wohnen-Katalog. Sie geht zur nächsten Tür. Dahinter erscheint das Badezimmer. Alles ist in Weiß gehalten, mit ein paar hellgrauen und gelben Akzenten. Eine gusseiserne Badewanne steht unter dem Dachschrägenfenster. In die Sterne schauen beim Baden, was sonst, sie schmunzelt. Verlässt das Zimmer und steuert auf das letzte zu. Sie tastet sich an der nackten, kalten Wand entlang, bis sie den Lichtschalter findet, dieses Mal ist er weiter unten. Jetzt im Hellen ist sie sich sicher, auf einem Trip zu sein. Löwen und Giraffen lächeln ihr entgegen. Am Balken hängt eine Gitterschaukel an dicken Seilen. Sie berührt jeden Gegenstand, als würde ihr das Klarheit bringen. Das hölzerne Schaukelpferd, den Traumfänger über dem Kinderbett und den Schaumstoff auf der Kommode. Zwischen den Löwen und Giraffen stehen Namen. Namen, die sie kennt, und Leerstellen für zukünftige Namen. Sie bemerkt einen Fuchs in ihrer Hand, lässt das Stofftier fallen. Mit großen Schritten durchquert sie den Dachboden, um sich doch noch einmal umzudrehen. Tausend Fragen schwirren ihr durch den Kopf. Sie macht das Licht aus und eilt die verstaubten Stufen nach unten. Ihr fehlt die Zeit, um leise zu sein. Aus der Küche hört sie keine Geräusche mehr. Sie schlüpft in Hannes’ Zimmer, in das viel zu kleine Bett. Er schnarcht leise. Sie legt ihr Gesicht an seines, in der Hoffnung, seine Ruhe zu übernehmen.

Am nächsten Tag ist alles wie immer und doch anders. Was war das letzte Nacht, fragt sie sich, während Hannes Kaffee kocht und sie Platz nimmt.

– Hast du schlecht geschlafen?, will er wissen.

– Passt schon, sagt sie und reibt sich die Schläfen.

Ob sie Lust habe, abends mit ihm zum Feuerwehrfest zu gehen, fragt er. 5131 heiße es.

– Warum?

– Weil das die Postleitzahl des Ortes ist, sagt er und grinst.

Nachdem sie gemeinsam durch den Stall gestapft sind, Anna Maria ein Kalb mit der Flasche hat füttern dürfen und Hannes beim Versorgen seiner Tiere geholfen hat, müssen sie den Spaziergang durch den Wald abkürzen. Es dämmert bereits. Nach einer lauwarmen Dusche, sie muss Hannes fragen, welchen Schalter sie für durchgängig heißes Wasser betätigen muss, steht sie vor ihren Klamotten und überlegt, was davon 5131-feuerwehrfest ist. Sie entscheidet sich für Jeans und eine schwarze Bluse, die sie über dem Bauchnabel zusammenknotet.

Das Lagerfeuer treibt Rauch und Funken in die Höhe. Laute Musik böllert aus den Boxen. Kein Schlager, etwas, was nach Indie-Band klingt. Hunderte kleine