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Ausgerechnet ein Radsportmagazin! Eve Vitali hat nicht gerade davon geträumt, in ihrem ersten Job als Redaktionsassistentin bei der New Yorker Zeitschrift Bicycle Boy für die Kaffeemaschine verantwortlich zu sein. Und ständig über Fotos von gut gebauten Kerlen stolpern zu müssen, wo das eigene Leben eine weitgehend männerfreie Zone ist. Beides muss sich ändern, findet Eve, und nach einigen missratenen One Night Stands lernt sie Robert kennen. Er ist der perfekte Mann: einfühlsam, gut aussehend, spitze im Bett - aber dummerweise für eine Menge Entlassungen bei Bicycle Boy verantwortlich. Eve trennt sich, von allem. Sie wagt den Absprung!
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Seitenzahl: 628
Veröffentlichungsjahr: 2016
Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.
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Ariella Papa
Männerfreie Zone?
Roman
Aus dem Amerikanischen von Katja Henkel
RED DRESS INK™ TASCHENBUCH
RED DRESS INK™ TASCHENBÜCHER
erscheinen in der Cora Verlag GmbH & Co. KG,
Axel-Springer-Platz 1, 20350 Hamburg
Deutsche Erstveröffentlichung
Titel der nordamerikanischen Originalausgabe:
On the Verge
Copyright © 2002 by Ariella Papa
erschienen bei: Red Dress Ink, Toronto
Published by arrangement with
Harlequin Enterprises II B.V., Amsterdam
Konzeption/Reihengestaltung: fredeboldpartner.network, Köln
Umschlaggestaltung: pecher und soiron, Köln
Titelabbildung: Kayann Legg_iStock
ISBN 978-3-95576-563-7
www.reddressink.com
E-Book-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck
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Männerfreie Zone?
Aufregende Parties, tolle Männer und ein Spitzenjob – so hat sich Eve Vitali ihren Sprung mitten ins New Yorker Leben vorgestellt. Die Bauchlandung ist vorprogrammiert. Kerle, Karriere und Komplimente bleiben aus. Bis Eve Tabitha kennen lernt. Die hippe Exotin schreibt für ein Szenemagazin, und zusammen erobern sie sich nicht nur New York bei Nacht! In Robert dann scheint Eve den Mann fürs Leben gefunden zu haben. Doch anstelle von Zukunfts- trägt der sich mit Rationalisierungsplänen für Eves Firma. Darauf nimmt Eve noch einmal Anlauf, springt – und schwimmt sich frei!
Manchmal glaube ich, dass ich irgendwann einfach meinen Nervenzusammenbruch hätte bekommen sollen, um es endlich hinter mich zu bringen. Okay, in der High School hätte das womöglich etwas zu dramatisch gewirkt, aber auf dem College vielleicht? Damals hätte ich durchaus ausrasten können. Viele meiner Freunde hatten das getan. Ich hätte einen kleinen, aber durchaus verzeihbaren Skandal provozieren können. Den Mädchen, die sich mal „eine Auszeit“ nehmen, passiert doch nie etwas wirklich Schlimmes. Das wäre cool gewesen. Nach einer Woche Geschwätz wäre ich schnell eine wichtige Bezugsperson für alle frustrierten Studentinnen geworden.
Ich wartete also ständig auf den richtigen Zeitpunkt, um meinen Depressionen endlich nachzugeben. Aber ich war immer viel zu beschäftigt damit, meinen Freunden den Kopf zu stützen, wenn sie mal wieder die pappigen Nudeln aus der Mensa und das billige Bier erbrachen.
Ich habe mir fest vorgenommen, meinen Chefs zu sagen, dass ich gerne für unsere Zeitschrift schreiben möchte. Natürlich ist Bicycle Boy nicht das, was ich mir vorgestellt habe, als ich auf dem College viereinhalb Jahre lang keinen Nervenzusammenbruch bekam. Aber es ist zumindest ein Anfang, nicht wahr? Etwas für meine Mappe. Etwas, womit meine Mutter vor ihren Busenfreundinnen, denen ich völlig egal bin, prahlen kann. „Ja, sie hat Journalismus studiert und gerade eine kleine Abhandlung über Fahrradhelm-Verschlüsse veröffentlicht.“
Ein paar Monate zuvor hatte ich einen völlig frei erfundenen Artikel über einen Mann geschrieben, der als Kind vom Fahrrad gefallen war und sich seitdem weigerte, noch einmal aufs Rad zu steigen. Aus dem Ich-Erzähler der Geschichte wird ein Chirurg, der immerzu das Gefühl hat, dass ihm etwas Wichtiges fehlt. Es reicht ihm nicht aus, Herzen zu verpflanzen. Erfüllung verspürt er erst, als er zu seiner ersten Liebe zurückkehrt – dem Radfahren. Die frische Luft beruhigt seine Nerven, er verliert an Gewicht und stellt wieder eine gesunde Verbindung zur Natur her. Ich schrieb diese Geschichte aus der Perspektive eines zweiunddreißigjährigen Mannes, das Ganze war kompletter Blödsinn, sprach aber eine ganz bestimmte Leserschicht an. Zumindest erklärte ich das meinen Chefs, und sie sagten, dass wir uns nach dem monatlichen Redaktionsschluss ja noch einmal darüber unterhalten könnten. Was nie geschehen ist.
Unglücklicherweise wird gerade gegen einen unserer wichtigsten Werbekunden, einen Wasserflaschenfabrikanten, ermittelt. Scheint so, dass ein Typ in Dearcreek, Montana – zweifellos einer unserer Leser – nach einer Zwölf-Meilen-Radtour sehr krank geworden ist. Er behauptet, das Wasser aus seiner Flasche habe seltsam geschmeckt, und einige Experten glauben nun, dass diese Flaschenmarke nicht gerade die hygienischste ist. Gott sei Dank sind diese Anschuldigungen noch nicht an die Öffentlichkeit gelangt, aber Sie können sich gut vorstellen, dass momentan nicht der beste Zeitpunkt ist, um mit den großen Bossen zu sprechen.
Ich tröste mich damit, dass zumindest die Praktikanten glauben, ich sei cool. Ich verwalte nämlich die Büromittel und bestelle das Mittagessen. Wer nett zu mir ist, bekommt von mir Unmengen von Post-It-Blöcken und vielleicht sogar ein fettarmes, fades, vegetarisches Mittagessen, das ich bestellen muss. Außerdem ist eine der Praktikantinnen genau ein Jahr und drei Monate älter als ich. Sie würde für meinen Job zur Mörderin werden.
Ich arbeite nun schon seit fast sieben Monaten als Assistentin für Bicyle Boy. Angefangen habe ich habe als Aushilfe in dem riesigen Konzern, der diese und viele andere Zeitschriften herausgibt, Prescott Nelson Inc. – ich bin überzeugt davon, dass Sie ihn kennen. Unser Sitz ist genau hier, an der wichtigsten Straßenkreuzung der Welt, am Times Square. Obwohl ich die Personalchefs drängte, mich für ihr feministisches Magazin Angry Beavers arbeiten zu lassen, versicherten sie mir, dass Bicycle Boy ebenfalls eine großartige Redaktion habe. Ich schluckte es, zumal mir aufgefallen war, dass in die hinteren Seiten von Angry Beavers ein oder zwei Kosmetik-Anzeigen gerutscht waren. Deswegen behauptete ich auch immer gerne: „Nun, ich wollte früher für Angry Beavers arbeiten, aber inzwischen stelle ich ihre Ziele in Frage. Hinter den Fabian Fingernagel-Produkten stecken ein paar fragwürdige Investoren, die mir sehr rechtsgerichtet erscheinen.“ Damit provoziere ich immer ein verständnisvolles Nicken von den Faulenzern und Kneipengängern, denen ich bedeuten will, dass ich alles andere als käuflich bin.
Der Typ, dem ich genau an dem Abend, an dem der Wasserflaschen-Skandal aufkam (nun, ich glaube, „Skandal“ mag vielleicht etwas übertrieben sein, aber wir sind hier schließlich in New York) meine Beweggründe erklärte, sah nicht aus wie der durchschnittliche Buchhalter in weißem Hemd und Khakihosen, der sich für einen netten Abend mal etwas lockerer gekleidet hat. Nein, dieser Typ hatte womöglich einen der coolsten Jobs der Stadt – er war Manager in einer Plattenfirma, oder zumindest war er direkt einem unterstellt. Er machte eine Menge Andeutungen, während er mich mit Wodka Collins abfüllte (meinem Lieblingsgetränk – ich habe mich vor drei Monaten von Gin Tonic verabschiedet, das sieht zu sehr nach College aus).
Während er mir erklärte, warum gerade so ein Rummel um einen neuen Trip-Hop-Künstler, der nur so tat, als ob er Engländer sei, gemacht wurde, bemerkte ich, dass unter seinem schwarzen T-Shirt Brusthaare hervorschauten. Das fand ich merkwürdig anziehend – ein Zeichen dafür, dass ich tatsächlich erwachsen wurde. Sein Name war übrigens Zeke, und wir befanden uns erst am Anfang unseres betrunkenen Kennenlernens, als Tabitha, bei der ich übernachten wollte, zu uns schwankte und lallend den Wunsch äußerte zu gehen. Nur sehr zögerlich stimmte ich zu.
Ich wusste, dass es uncool war, so früh in der Beziehung zu Zeke aktiv zu werden (dabei überlegte ich mir schon Namen für unsere Kinder). Andererseits muss ich zugeben, dass mein Plan, riesige Erfolge in dieser Stadt feiern, nicht wirklich funktionierte. Das lag in allererster Linie daran, dass mir dafür ein starker Partner fehlte. Ich brauchte einen Mann, der mir helfen und mich unterstützen würde, der mich zu allen Wohltätigkeitsveranstaltungen begleiten und selbst heimlich danach streben würde, Filmemacher zu werden. Ich wollte einen Typ, den ich ohne mich zu schämen in einem Artikel für ein trendiges Online-Magazin erwähnen konnte. Einen Typ, der, wie ich, kurz vor dem Durchbruch stand.
Auf dem Rücksitz des Taxis begann sich alles zu drehen. Tabitha lehnte an meiner Schulter und schnarchte leise. Ich überlegte, wie ich sie die sechs Stockwerke zu ihrer Wohnung hochschaffen sollte. Vielleicht würde sie ja neben der Toilette einschlafen, dann konnte ich in ihrem Bett schlafen. Ich hatte keine Lust, mit Yaleek, unserem Fahrer zu plaudern, der stumm durch die Straßen raste, und dachte über Zekes Vorschläge nach. Er hatte gesagt, dass wir zusammen Essen gehen sollten, Sushi, Sake und Cannelloni. Obwohl das nicht zusammenpasste, konnte ich mein Entzücken kaum verbergen. Das war das Leben, das ich führen wollte. Wer hätte gedacht, dass diese schäbige Kneipe in Midtown sich als so fruchtbar erweisen sollte? Wagemutig hatte ich seine Telefonnummer angenommen, ihm meine aber nicht gegeben. Goldene Zeiten standen mir bevor, und das hier war erst der Anfang. Ich würde in Tabithas Bett schlafen, und nichts konnte mich aufhalten. Ich würde schon noch schnell genug Chefredakteurin dieser Zeitschrift werden.
Jetzt wollen Sie natürlich wissen, wie es mit Zeke weiterging. Nun, Tabitha auch. Obwohl ich das ganze Wochenende mit ihr verbracht habe – wir haben gefeiert, uns erholt und Im Tal der Puppen im Fernsehen angeschaut –, will sie wissen, ob ich ihre Dating-Regeln missachtet habe.
„Tab, was hast du mir gestern auf dem Heimweg als Letztes gesagt?“
„Zunächst einmal bin ich Tabitha und nicht Tab. Weder zähle ich Kalorien noch bin ich aus den Achtzigern.“ Sie liebt diesen Spruch. „Zweitens weiß ich, was ich dir gesagt habe, aber kann doch sein, dass du sofort wieder das ungehorsame Mädchen aus Jersey wirst, sobald du die Staatsgrenzen überschritten hast.“
„Du hast gesagt, warte drei Tage. Ich warte schon länger als drei Tage. Weitaus länger, als in den Regeln steht. Obwohl ich weiß, dass solche kindischen Spiele nicht seine Sache sind.“
„Wieso, nur weil er nicht so ein Studentenverbindungs-Typ ist? Obwohl du das ja nicht einmal weißt. Er hat dich damit beeindruckt, dass er weiß, was Essstäbchen sind. Du hast seine Telefonnummer genommen, und vermutlich glaubt er jetzt, dass du Feministin bist, was ja auch stimmt. Aber für ihn heißt das nichts anderes, als dass du auf bizarre Sexspielchen stehst. In dem Augenblick, in dem du ihn anrufst, wird er wahrscheinlich sofort die Handschellen und das Hundehalsband polieren, was ja in Ordnung ist, wenn man so was mag. Aber du bist doch eher jemand, der beim ersten Date die Missionarsstellung bevorzugt.“
„Holst du eigentlich niemals Luft?“
„Dazu habe ich keine Zeit. Oh, Mist!“
„Was?“
„Big C hat einen Prada-Anzug an. Sie hat also heute ein paar Machtspielchen vor.“
„Ich dachte, Prada bedeutet, dass sie ihre Tage hat und Wasser in den Beinen.“
„Nein, das ist der schwarze Anzug. Ruf mich heute nicht an. Und denk dran, warte bis morgen, bevor du dich bei dem Musiker meldest.“
„Manager …“, sage ich, doch sie hat schon aufgelegt.
Lorraine, meine Chefin, steht neben meinem Schreibtisch, als ich einhänge. Sie hasst diese Stadt, fragt mich aber trotzdem immer, wo man hingehen muss. Wenn ich nur wirklich so cool wäre, wie Lorraines Mann und ihre Hunde offenbar glauben. Lorraine gibt mir ein paar Daten, die ich in den Kalender eintragen soll. Das ist es, wofür die ich pro Stunde achtzehn Dollar fünfzig bezahlt bekomme. Andere Leute stehen an einem Grill und machen Pommes Frites und verdienen ein Viertel davon. Ich tippe Namen vor die Artikel, die in den nächsten paar Monaten veröffentlicht werden sollen. Wer arbeitet am Fahrrad des Monats, am besten Fahrradsitz und daran, in welchen Romanen Radfahr-Szenen eine wichtige Rolle spielen. (Als ob unsere Leser überhaupt jemals vom Rad absteigen würden.)
Diese Daten einzugeben ist zum Gähnen langweilig, und weil ich eine Woche Zeit habe, bevor alles fertig sein muss, schiebe ich es solange wie möglich vor mir her. Ich könnte das zwar unglaublich schnell erledigen, und im Grunde ist es auch meine einzige Aufgabe. Nur beansprucht leider das Internet meine ganze Zeit. Ich verbringe viel Zeit damit, auf meinen Bildschirmschoner zu starren. Es handelt sich um den ganz gewöhnlichen Standard-Bildschirmschoner mit den Sternen. Meine Vorgängerin hat ihn mir hinterlassen, und ich bin mir sicher, dass sie ihn auch stundenlang angestarrt hat. Ich weiß, dass ich meine Zeit viel besser nutzen könnte. Ich könnte schreiben. Ich könnte mir Vorschläge für Artikel überlegen und für sie recherchieren (ich darf schließlich so viel telefonieren, wie ich will), ich könnte versuchen, andere Zeitschriften zu kontaktieren, um einen neuen Job zu finden. Aber aus irgendeinem Grund vertreibe ich mir die Zeit damit, einfach dazusitzen. Nun, das ist schon alles in Ordnung so – immerhin bin ich in New York.
Achtzehn Jahre lang bedeutete der September in meinem Leben eine Veränderung. Immer freute ich mich auf den Herbst, denn das hieß: neue Klamotten, neue Schulfächer, ein neues Schuljahr. Der Herbst gab mir von der Kindergartenzeit an bis zu meinem allerletzten Collegejahr das Gefühl, dass nun wundervolle Abenteuer auf mich warteten. Und dass alles Schlechte, was in dem Jahr passiert war, wie durch ein Wunder ausgelöscht werden würde.
Nun arbeite ich aber seit Februar, seit ich endlich meinen Schulabschluss gemacht habe. Von ein paar Stürmen abgesehen, war es ein milder Winter gewesen. Mild genug, um mir das Gefühl vorzugaukeln, dass das hier vielleicht nur ein verlängerter Sommerurlaub war, der schließlich in einer akademischen Karriere münden würde oder in Ruhm und Reichtum. Denn dieses langweilige Leben als Aushilfe darf auf gar keinen Fall (schluck!) mein Leben sein.
Nachdem wir jetzt fast Mitte September haben und ich noch immer diesen Achtstundenjob mache, kann ich es aber nicht mehr leugnen. Ich kann die Herbstmode und die Ausverkäufe zum Schulbeginn nicht ignorieren. Meine Schwester Monica, die ewige Studentin, ist nach Massachusetts zurück, um ihr drittes Diplom zu machen, diesmal in . Kein Zweifel, ich bin hier für eine Weile gestrandet. Doch ich habe mir fest vorgenommen, das zu ändern.
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