MännerMutMacher - Michael Stahl - E-Book

MännerMutMacher E-Book

Michael Stahl

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Beschreibung

Hier berichten sage und schreibe 61 bekannte und weniger bekannte Männer offen und ehrlich über herausfordernde Situationen in ihrem Leben, die sie an ihre Grenzen gebracht haben und in denen ihnen Gott begegnet ist. Es geht dabei nicht um Siegertypen und Helden, um Männer, denen alles gelingt, die scheinbar nie versagen, bei denen es richtig glatt läuft. Hier zeigen Männer Gefühle, öffnen sich und schreiben über ihre Schwächen und Fehler, ihre Verluste, Nöte, Krankheiten und noch vieles mehr, aber auch darüber, wie Gott ihnen hindurch und herausgeholfen hat – durch „kleine“ und durch „große“ Wunder. Es sind Geschichten, die unser Herz ansprechen und zugleich ermutigen, die uns zeigen, wie Gott durch jeden von uns Geschichte schreibt, egal, wie unterschiedlich wir auch sind. Echte MännerMutMacher-Geschichten eben! Lass dich inspirieren, ermutigen, erfreuen, herausfordern! Mit dabei sind u.a. Daniel Böcking, Thomas Fremdt, Frank Heinrich, David Kadel, Lutz Langhoff, Werner May, Jakobus Richter, Karsten Sewing, Michael Stahl und Jens Wätjen.

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Michael Stahl | Rainer Zilly

MännerMutMacher

Hoffnungsvolle, emotionale Erlebnisse von Männern mit Ecken und Kanten

GloryWorld-Medien

 

 

 

 

 

 

 

1. Auflage 2021

© 2021 Michael Stahl | Rainer Zilly

© 2021 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany

Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Rev. Lutherbibel von 1984 entnommen.

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst.

Lektorat: Klaudia Wagner

Satz und Cover: Rainer Zilly, www.kreativ-agentur-zilly.de

Fotos: privat

ISBN (epub): 978-3-95578-388-4

ISBN (Druck): 978-3-95578-388-4

 

 

 

 

 

 

Inhalt

 

Vorwort | Michael Stahl

Vorwort | Rainer Zilly

Ein Christen-Abenteuer bei BILD | Daniel Böcking

Das Lebensretter-Schild | Johannes Berthold

MMMM – MännerMutMacherMaik | Maik Löwen

Das Leben ist nicht immer fair, aber … | Gerd Gugel

Wie ich vom Karriere-Tiger zum ErmuTIGER wurde | David Kadel

„Niemals werde ich dich heiraten!“ | Jabin Jäckle

Kann man davon leben? | Emmerich Adam

Millionäre guter Früchte | Werner May

Wenn Gott wirklich antwortet | Holger Zielonka

Im Trauma verloren – im Leben gefunden | Holger Harsch

Der Autor unserer Lebensgeschichte | Emmanuel Kyeremeh

Freiheit für andere | Frank Heinrich

Vom „Irgendwie-Überleben“ zum Vertrauen | Frederick Kammies

Leben, was Gott ins Herz gelegt hat | Dr. Tobias Mock

Autokauf!? | Karsten Sewing

Der väterliche Segen | Stefan Ackermann

Einer für alle, alle für einen | Harry Voß

Power-Connection | Thomas Fremdt

Neuer Job gefällig? | Björn Kapfer

Liebe – vom Entscheiden zum Fühlen | Robert Messer

Meine erträumte Freiheit – eine neue Männlichkeit | Lutz Langhoff

Der Barmherzige Samariter | Markus Sauermann

Der lange Weg aus der Finsternis | Armin Gritzan

Dieter – hinschauen oder wegschauen? | Wolfgang Gröber

Geschieden – will Gott mich noch gebrauchen? | Andreas Lange

Hart am Limit | Uwe Beck

Bart mit Herz – Herz mit Bart? | Christian Berger

„Aus dem wird nichts mehr!“ – außer mit Gottes Hilfe | Uwe Schall

Je und je geliebt | Tommy Bright alias Michael Albrecht

Laudatio für meine persönlichen „Abflussreiniger“ | Bernie Schlott

Mit kleinen Gesten dranbleiben | Jochen Stähle

Planetshaker | Albert Brückmann

Rambo & Co. – Der Traum vom Elitesoldat | Holger Reinhardt

Beten mal anders | Thomas Meier

Echte Männer | Michael Stahl

Wenn Gott wirkt und ich es verschlafe | Simon Trzeciak

Sich dem eigenen Schatten stellen | Jakobus Richter

Es ist nie zu spät für eine Kehrtwende! | Walter Stuber

Zurechtgerückt | Marco Derrer

Vom Rotlichtmilieu ins geregelte Leben | Sebastian Sander

Lebensmut durch Jesus und meine Freunde | Wolfram Holzner

Totale Kontrolle? | Nikolas Fischer

Sei mutig und stark | Martin Freitag

Von „Aus dir wird nichts“ zum Segensträger | Martin Heubach

Gnade im Zerbruch | Andreas Blum

Zurück ins Leben! | Manuel Lachmann

Gott wird dich nie aufgeben | Thiago Nikolas Da Silva Jardim

Ein Tag wie jeder andere … | Oliver Bodrogi

Die Bergstory | Niklas Finn Balli

Habe ich alles im Griff? | Jörg Wünsch

Prophetischer Paukenschlag | Dieter Göring

Zeit für Veränderung!? | Jürgen Frowein

Der Blaue Rudi und die Vergebung | Rudi Toppel

Hör auf zu denken, sonst bringt dich das um! | Daniel Knapp

Ich war selbst schuld | Daniel Gröber

Mein Absturz | Jens Wätjen

Berufung – von Level zu Level | Wilhelm Risto

Horchen und gehorchen | Rainer Zilly

Junge, pass auf dein Herz auf! | Simeon Spahr

Bergnotrettung | Eberhard von Holst

Erst wenn du schwach sein kannst, bist du stark | Nick Bolanz

MutMachWorte

Nachwort | Rainer Zilly

Über die Herausgeber

Liebe Männer,

 

und natürlich auch alle Frauen, die „heimlich“ mitlesen. Es ist mir eine Ehre, in diesen stürmischen Zeiten mit Rainer und vielen anderen Männern den zu bezeugen, der uns Ruhe, Trost und Halt mitten im Orkan schenken will und kann.

In all den Jahren meines Dienstes mit Männern, egal ob in Firmen, Suchthilfeeinrichtungen oder gar Gefängnissen, erlebte ich unzählige Male, wie schwer wir Männer uns tun, über Gefühle zu sprechen. Umso schöner, wenn Männer ihre kleinen und großen Erlebnisse mit anderen teilen, ja, einen Teil ihres Herzens offenbaren, damit andere Männerherzen berührt werden.

Mitten in der Bearbeitung dieses Buches verunglückte mein Freund Achim schwer und kämpfte wochenlang um sein Leben. Der Unfall hat auch mein tägliches Leben verändert. Nicht mehr die aktuellen Inzidenzwerte unseres Kreises beschäftigten mich jeden Morgen, sondern ob Achim die Nacht überlebt hatte. Das war wieder einer dieser Stürme, die uns urplötzlich erwischen.

In dem alten Häuschen, in dem ich aufwuchs, gab es keine Türklingel. Wenn Besuch kam, klopfte er an die Tür und sagte: „Ich bin es!“ Dieser kleine Satz war Erkennungs- und Vertrauenszeichen.

Sterbende, die ich besuchte, begrüßte ich oft mit „Ich bin es!“, und wenn ich meine 88-jährige demenzkranke Tante besuche, flüstere ich nicht selten in ihr Ohr: „Ich bin es!“

Dieser Satz war es auch, mit dem Jesus seinen Freunden auf stürmischer See begegnete. Und „Ich bin es!“, lautete seine Antwort, als man ihn fragte, ob er der Sohn Gottes sei. Dasselbe sagte er schließlich im Garten Gethsemane zu denen, die ihn suchten, um ihn zu verhaften.

Ich wünsche euch allen so sehr, dass ihr dem ICH BIN ES in diesem Buch begegnet, ihn besser kennen und lieben lernt und in ihm den Frieden findet, den diese Welt nicht geben kann.

Als Rainer mir das Cover zu unserem Buch präsentierte, kämpfte ich mit den Tränen und war mehr als nur erstaunt und berührt: Ein Mann auf einer Leiter. – Mein Freund Achim war von einer Leiter mehrere Meter in die Tiefe in einen Treppenschacht gestürzt.

So wie ich Achim kenne, wird er eines Tages wieder eine Leiter hochsteigen, im Bewusstsein, auch wieder abstürzen zu können. Doch was ist wahres Leben? Kein Risiko einzugehen und in Angst zu erstarren? Das Leben ist dazu da, um es zu leben – mit allem was dazugehört – in liebevoller Beziehung mit Gott, seinem Nächsten und sich selbst.

C.S. Lewis schrieb zum Thema „Angst vor der Atombombe“ (ihr könnt anstelle der Atombombe gerne auch etwas anderes einsetzen): Wenn diese Atombombe uns zerstört, dann soll sie uns dabei erwischen, wie wir sinnvolle und gütig Dinge tun – beten, arbeiten, unterrichten, lesen, Musik hören, die Kinder baden, Sport treiben oder mit unseren Freunden bei einem Schoppen plaudern.

Wir sollen nicht zusammengekauert wie verängstigte Schafe über die Atombombe nachdenken. Die Bombe mag unseren Körper zerstören, unseren Geist darf sie nicht beherrschen.

So soll auch uns nicht die Furcht beherrschen, sondern das personifizierte Leben.

 

Gott segne euch und eure Lieben, und seid gewiss, ICH BIN ES ist immer da.

 

 

Herzlichst,

Euer Michael Stahl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo du!

 

Klasse, dass genau du dieses WUNDERbare Buch in Händen hältst.

Es war mir eine große Ehre, diese Mut machenden Geschichten zu sammeln und sie als Erster zu lesen – Geschichten, die mein Herz ansprechen, mich weinen lassen und zugleich ermutigen, die mir zeigen, wie Gott durch ganz verschiedene Männer Geschichte schreibt.

Wie oft lese ich von Siegertypen und Helden; von Männern, denen alles gelingt, die scheinbar nie versagen, bei denen es richtig glatt läuft. Doch ich feiere es, wenn gerade Männer Gefühle zeigen; wenn sie sich öffnen und über ihre Schwächen und Fehler, ihr Versagen, ihre Verluste, Nöte, Krankheiten und noch vieles mehr authentisch berichten.

Vielen, vielen Dank euch Autoren dafür! Das ist mutig und ermutigend! Denn ich selbst bin so ein Mann, der Ecken und Kanten hat, der Freude und Trauer erlebt, bei dem einiges richtig gut läuft und anderes total schief geht. Ich brauche und liebe immer wieder solche ehrlichen MännerMutMacher!

Danke Jesus, du bist der Sieger und Held in diesem Buch – alle Ehre gehört dir!

 

Und nun: Lass dich inspirieren, ermutigen,

erfreuen, begeistern, herausfordern …

 

 

Dein Rainer Zilly

 

P.S.: Egal, wie die Umstände in deinem Leben aussehen, setze dein Vertrauen auf den lebendigen Gott!

Ein Christen-Abenteuer bei BILD

 

Zwei Jahre lang hatte ich mein Christ-Sein mehr oder weniger geheim gehalten. Nach meinem Bekenntnis zu Jesus und zum Glauben im Jahr 2013 hatte sich für mich innerlich alles neu sortiert – aber kaum einer hatte es mitbekommen.

Ich war offensichtlich auch nicht besonders scharf darauf gewesen, allen in meinem Freundes- und Kollegenkreis zu erzählen, dass mir nun Jesus Christus wichtiger geworden war als alles andere auf der Welt. Das hätte wohl zu Diskussionen geführt, zu Konflikten. Stellvertretender Chefredakteur von BILD und neuerdings auch Jesus-Nachfolger – das klang erklärungsbedürftig. Vielleicht spielte auch die Angst vor Spott eine Rolle.

An einem Abend im April 2015 kam dann der Impuls: Steh auf!

Sprich deine Gottesliebe offen aus! Schreib sie auf!

Auslöser dafür war das Morden der ISIS-Terroristen, das damals seinen Höhepunkt hatte. Es zehrte an mir, dass da Menschen im Namen ihres angeblichen Glaubens unfassbares Grauen anrichteten. Und ich haderte, weil mein Glaube eine so andere, so liebevolle Rettungsbotschaft beinhaltete – aber sie kaum noch Gehör fand im Schatten dieser verirrten, vermeintlichen Gotteskrieger.

Es war schon spät an diesem Abend. Nach 23 Uhr. Ich saß auf dem Sofa und meinte, Gottes Forderung innerlich zu hören, zu spüren: Tu etwas zu meiner Ehre!

Ich wollte nicht.

Der gesellschaftspolitische Kommentar war nicht meine Stamm-Disziplin bei BILD. Mit einem Rums meinen privaten Glauben bei BILD öffentlich zu machen – davor hatte ich Bammel. Was würden Kollegen sagen? War das nicht völlig unangemessen für einen Vize-Chefredakteur?

Doch egal, wieviel ich betete und es hinauszögerte – das Drängen blieb. Die vielen Bibelverse kamen mir in den Sinn, in denen es heißt, dass wir uns nicht fürchten sollen, und in denen wir dazu aufgefordert werden, mutig zum Glauben zu stehen. Paulus schreibt zum Beispiel:

„Zu dieser Botschaft bekenne ich mich offen und ohne mich zu schämen, denn das Evangelium ist die Kraft Gottes, die jedem, der glaubt, Rettung bringt“ (Römer 1,16 NGÜ).

Ich war damals noch sehr grünschnabelig im Glauben. Längst hatte ich nicht alles kapiert, was in der Bibel steht (und habe es bis heute nicht). Aber ich hatte mir vorgenommen, das, was ich verstanden hatte, auch umzusetzen. Ich wollte mein Gottvertrauen trainieren, indem ich nicht nur auf meinen eigenen Kopf und meine eigenen Gefühle hörte, sondern anfing, mich im Gebet zu überprüfen: Gab es da einen Impuls? Oder gab es einen Satz in der Bibel, der mich in die eine oder andere Richtung schickte?

In diesem konkreten Fall war es (damals nicht zu meinem Vergnügen) ziemlich eindeutig: Bibel und Gebet stimmten überein, dass es richtig und wichtig ist, für die Botschaft von Jesus einzustehen und sie nicht unter den Teppich zu kehren. Sicher, ich hätte mich freuen können über diese Klarheit. Über die Behaglichkeit, von Gott auf einen Weg gestupst zu werden. Habe ich aber damals nicht. Zu groß war die Unsicherheit vor den Folgen. Dennoch begann ich, meinen Text zu schreiben: „Warum ich mich heute als Christ outen will.“ (Er lässt sich auch heute noch leicht via Google finden).

Lang und breit formulierte ich mein kleines Glaubensbekenntnis. Machte mein Ziel, ein Nachfolger von Jesus zu sein, öffentlich. Versuchte, aus den biblischen Aufträgen Aufforderungen abzuleiten in einer Zeit, in denen Terror und Morden, Flucht und Vertreibung so allgegenwärtig waren. Mein Fazit war: „Der Glaube an Gottes Liebe, Gnade und Vergebung ist kein Problem, sondern unsere Chance.“

Tief in der Nacht schickte ich diesen Text an meinen Chefredakteur – und hatte keine Ahnung, was passieren würde. Doch noch ehe ich eingeschlafen war, kam die Antwort: „Super. Machen wir so!“ Und am nächsten Tag ging der Text bei BILD.de online.

Was danach passierte, hat mein Leben verändert.

Ich trug den innerlichen Kloß aus Ungewissheit und Zweifel noch mit mir herum, als mir die ersten Reaktionen aus dem Internet entgegen trudelten. Ob ich Drogen genommen hätte, wurde ich gefragt. „Typische BILD-Hetze“, kommentierte jemand. „Na, das wird ja heiter“, dachte ich.

Doch im Laufe des Tages drehte es sich. Der Text war auf der BILDHomepage bereits weiter nach unten gerutscht, doch die Kommentare wurden immer mehr. Ein Bistum schrieb auf Twitter von einem „erstaunlichen Bekenntnis“ und bedankte sich. Immer häufiger kamen Sätze wie „Danke für den Mut!“ Mutig? Ich? Fühlte sich nicht so an.

Und plötzlich war von „Ermutigung“ die Sprache. Damit hatte ich nicht gerechnet. Mir war ja gar nicht klar gewesen, was genau Sinn und Zweck meines Artikels sein sollte. Ich wollte von der Gottes- und Nächstenliebe in dieser zerrütteten Zeit erzählen. Das Wort „Ermutigung“ hatte keine Rolle in meinen Überlegungen gespielt.

Inzwischen kamen die Kommentare im Sekundentakt. Ich bekam Mails von Kolleginnen und Kollegen, die sich ebenfalls bedankten. Auch Menschen, die mit dem Glauben nichts am Hut hatten, nickten mir zu und sagten Sätze wie:

„Ist zwar nicht mein Ding. Aber Respekt, dass du dazu stehst.“

Die Stunden nach diesem Artikel haben mich überwältigt. Es war kein Rausch. Es fühlte sich noch immer etwas unangenehm an, plötzlich mit so etwas „Privatem“ dermaßen im Fokus zu stehen. Es folgten Interview-Anfragen; es gab Berichte auf christlichen Portalen; insgesamt sammelte der Artikel über 19.000 Reaktionen im Netz.

Kurz darauf meldete sich ein Verlag und fragte an, ob ich nicht ein Buch schreiben wolle über meinen Weg zum Glauben. Ich, der unsichere Glaubens-Anfänger, sollte plötzlich ein Buch schreiben, Vorträge vor Gemeinden halten, in Talk-Shows auftreten. Nichts hätte mir noch kurz davor ferner liegen können. Nichts hätte ich mir weniger zutrauen können. Doch ich hatte meine Lektion gelernt. Ich sagte alles zu. Wieder nahm ich die Bibel als meinen Ratgeber. Wieder überprüfte ich die Antworten auf meine inneren Fragen im Gebet.

Ich hatte lernen dürfen, dass es keinen Grund gibt, sich für den Glauben an Jesus zu schämen. Dass es natürlich auch Gegenwind gibt, aber dass Gott und die Christen mich nicht allein lassen. Und (das ist es, was für mich den Weg im Glauben so abenteuerlich macht): Gottvertrauen bedeutet nicht, dass mir plötzlich alles gelingt oder so kommt, wie ich mir das wünsche. Aber ich darf darauf vertrauen, dass Gott es zu seiner Ehre nutzen wird. Und das wiederum schenkt mir inneren Frieden, Kraft und Zuversicht. Und es macht mir Mut, es wieder und wieder zu wagen.

 

 

Daniel Böcking | Jg. 1977 | verheiratet | 4 Kinder | Berlin | 20 Jahre lang BILD, zuletzt stellvertretender Chefredakteur, seit Januar 2021 Chefredakteur Agentur StoryMachine | www.storymachine.de

Das Lebensretter-Schild

 

Es war im Frühjahr 2013. Eigentlich war es eher noch Winter, denn die an mir vorbeiziehende Landschaft auf der Autobahn war grau in grau. Schneeregen, eingeschränkte Sicht, das monotone Kratzen der Wischblätter auf der Frontscheibe meines Wagens.

Außenstehende hätten mich damals als „Erfolgstypen“ beschrieben: Verheiratet, einen wundervollen Sohn, das Hobby zum Beruf gemacht (ich war international erfolgreich mit meiner Band, hatte einige hunderttausend CDs verkauft und ein volles Auftragsbuch in meinem eigenen Tonstudio), war keine drei Jahre zuvor deutscher Vizemeister im Säbelfechten geworden und auf sämtlichen Partys und Veranstaltungen ein gern gesehener und unterhaltsamer Gast.

In Wahrheit aber lag damals meine Ehe bereits in Trümmern, und ich befand mich aufgrund von Depressionen und Panikattacken seit geraumer Zeit in psychotherapeutischer Behandlung. Der Untergang der Schallplatten- und CD-Industrie klopfte schon bedrohlich an die Tür, und die Digitalisierung der Tontechnik (für jedermann im kleinen Home-Studio realisierbar) würde meine Tätigkeit als Produzent zukünftig auch nicht gerade erleichtern. Sportlich hatte ich meinen Zenit längst überschritten, und meine Hoffnung ruhte nun darauf, mich zum Fachsportlehrer mit Schwerpunkt Sportfechten ausbilden zu lassen.

So fuhr ich, wie schon so oft in den letzten zwei Jahren, die rund vierhundert Kilometer nach Bad Karlshafen, wo die Ausbildung in regelmäßigen Abständen in Wochenend-Blöcken stattfand.

Obwohl ich damals schon längst Christ war und viele positive Erfahrungen und Erlebnisse mit meinem Gott gemacht hatte, war ich an einem Punkt angelangt, an welchem ich einfach nicht mehr weiterwusste. Wer sich unter dem Begriff „Schwermut“ etwas vorzustellen vermag, kann vielleicht ein wenig nachvollziehen, wie es in meinem Herzen aussah.

Einige Tage zuvor hatte ich nachts eine Panikattacke gehabt, die ich rückwirkend nur so beschreiben kann:

Ich lag wach im Bett und fühlte aus der Ferne eine schwarze Riesenwelle auf mich zurollen. Ich wusste, dass sie mich kurz darauf erreichen und erfassen würde. Sie würde mich überrollen und in tiefste Tiefen ziehen, um mich dort zu ersticken.

Mein Herz hämmerte bis unter meine Schädeldecke und ich lag schweißgebadet in den zerwühlten Decken. Meine damalige Frau und unser Sohn waren übers Wochenende in Dresden bei den Schwiegereltern, und ich hatte Besuch vom Keyboarder meiner Band, welcher im Stockwerk unter mir auf der Gästecouch schlief. Er war der Engel, der mich in dieser Nacht gerettet hat, als ich ihn panisch mitten in der Nacht aufweckte, um mit mir auf den Morgen zu warten, bis sich die Panikattacke verzogen haben würde. Ich weiß im Nachhinein nicht, was passiert wäre, wenn ich in dieser Nacht alleine gewesen wäre. Vielleicht haben mich nur das Gespräch und das Zusammensitzen mit meinem Freund damals vor Schlimmerem bewahrt …

Doch nun zurück zu meiner Fahrt nach Bad Karlshafen zur Fachsportlehrer-Ausbildung:

Die dunkle Landschaft zieht an mir vorbei. Der Schneeregen hat noch zugenommen und fordert meine volle Konzentration beim Autofahren. Das Radio habe ich längst ausgeschaltet; die nichtigen Diskussionen und die seichte Musikberieselung rauben einem ja noch das letzte bisschen Nerv …

Was mache ich hier eigentlich? Was wartet auf mich, und wohin möchte ich eigentlich? Warum ist plötzlich alles so dunkel für mich? Und warum kann nicht alles wieder hell, freundlich und positiv sein, wie es früher doch mal war?

Warum lässt Gott mich durch diese schwere Zeit gehen? Früher konnte ich doch auch mit ihm sprechen und mit ihm zusammen immer eine gemeinsame Lösung finden. Warum muss ich diese Prüfung erdulden? Weiß Gott denn nicht, dass ich kein Hiob bin? Wenn er mich wirklich kennen würde, müsste er doch wissen, dass ich niemals so stark sein werde, um das alles weiter zu ertragen.

Schlafen, schlafen ... Ruhe und Frieden ... das wäre jetzt so wunderschön!

In diesem Moment weiß ich keinen Ausweg mehr. Ich stelle mir vor, wie einfach es wäre, den Gurt zu lösen, auf 200 km/h zu beschleunigen und gegen den nächsten Brückenpfeiler zu fahren … Wie schmerzlos es wohl wäre, frontal mit einem entgegenkommenden LKW zu kollidieren … Oder eine Flasche Schnaps zu trinken und im Vollrausch von einem hohen Gebäude zu springen … Halt!

Herr Jesus – du siehst meine Gedanken und weißt um meine Nöte. Du warst schon in manch dunkler Stunde an meiner Seite, hast mir Engel geschickt, die mich aufgefangen und getragen haben. Du siehst auch jetzt meine Gedanken und weißt, welche destruktiven Ideen mir durch den Kopf schwirren. Schicke mir ein Zeichen – irgendetwas, das mich davon abhält, meine Fantasien hier und jetzt in die Tat umzusetzen!

Sei DU jetzt bei mir!!!

Ich habe bei vielen Anlässen berichtet, was in diesem Augenblick passierte. Manch einer hat gelächelt; viele haben gelacht. Wieder andere haben den Vorfall analysiert und gemeint, dass es halt einfach verrückte Zufälle gibt. Mancher war berührt; einige haben geweint.

Im Moment der tiefsten Dunkelheit in meinem Leben – dort auf der Autobahn, im Schneeregen – tut sich links plötzlich eine Lichtung auf. Darauf eine riesengroße Werbetafel. Unzählige Scheinwerfer erhellen die Worte:

ICH HALTE DICH!

– Dein Gott

Ich weiß nicht, wer diese Tafel mit der Anzeige hat bestücken lassen, aber eines weiß ich: Gott selbst hat mir diese Nachricht an diesem schicksalsschweren Abend auf die Lichtung gesetzt. Genau in dem Augenblick, als ich nicht mehr weiterwusste. In dem Moment, als ich nicht mehr alleine weiterlaufen konnte, hat er mir zu verstehen gegeben, dass er mich halten und tragen wird. Dass er das schon immer getan hat und es immer weiter tun wird!

 

 

Johannes Berthold | Jg. 1974 | verheiratet | 3 Kinder | Pfinztal | Produkt- & Artist-Relations-Manager | www.illuminate.de

 

 

MMMM – MännerMutMacherMaik

 

Gott sagt: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch (Hesekiel 36,26) – Das war 2017 mein Taufspruch, und ich durfte es auch so erleben: Jesus gab mir ein neues Herz und einen neuen Geist, der mein Wesen und mein komplettes Leben veränderte.

Schon früh ging ich zur Förderschule für Lernbehinderte, wo ich auch viel gemobbt wurde und oft als Hippie-Schüler, Baumschüler oder als Taugenichts bezeichnet wurde. So wurde mir schnell alles egal. Scheißegal. Ich hatte kein Lieblingsfach – außer Sport.

Mit dreizehn Jahren zog ich mir die ersten Flaschen Bier rein, als gäbe es kein Morgen mehr, und mit vierzehn rauchte ich das erste Mal Cannabis. Bob Marley war mein täglicher Musikrhythmus; ich hörte Reggae und hing ab wie ein Faultier. Der Gruppenzwang, aber auch die Neugier brachten mich dahin, mit fünfzehn dem Teufel komplett die Hand zu reichen, und so zog ich weiße Kristalle durch die Nase. Ich schoss mich auf andere Planeten, um von der Realität nichts mehr mitzubekommen.

Mit den Drogen und allem, was damit einhergeht, versklavte ich mich einer Macht, die man nicht mehr so einfach loswird. Die Drogen waren eine Ersatzbefriedigung für das, was mir kein Mensch geben konnte: Liebe. Nicht nur meine Seele, sondern auch mein Körper fing an, sich durch die Drogen zu zersetzten. Mit vierzehn erlitt ich das erste Mal Krampfanfälle. Mein „Ausbrechen“ war am Ende meine Gefangenschaft.

Im Drogensumpf begann meine kriminelle Karriere: Aggressionen, geringe Hemmschwelle, Diebstahl, Sachbeschädigungen … Durch die ganze Beschaffungskriminalität bekam ich mit 22 Jahren meine erste Haftstrafe und musste nun für ein Jahr und sieben Monate hinter Gitter. Dort, im Jugendstrafvollzug Regis-Breitingen, lernte ich 2011 das Blaue Kreuz kennen – und damit auch eine neue Hoffnung für mein Leben. Nicht nur die Seelsorge fand mein Interesse, sondern auch eine Mitarbeiterin des Blauen Kreuzes. Von meiner Seite war es Liebe auf den ersten Blick. Aber Irene sagte mir schnell, dass es nichts mit uns wird. Trotzdem spürte ich nun eine Wärme hinter den kalten Mauern und Stahlgittern.

Das Blaue Kreuz führte mit uns Gruppen- und Einzelgespräche und auch Besinnungsfahrten durch. Bei einer Besinnungszeit entschied ich mich für den Herrn Jesus Christus, und dazu kann ich nur jedem Mut machen: es war die beste Entscheidung in meinem Leben! Du kannst mit ihm nur dazugewinnen. Er wurde zum Zentrum meines Lebens.

An dem Tag, als ich aus meiner Haft entlassen wurde, fuhren mich Irene, Dieter und mein Vater nach Elbingerode – zu meiner ersten Drogenlangzeittherapie. Durch den frühen Beginn meiner Drogengeschichte und den jahrelangen Konsum waren mein Denken, Fühlen und Handeln so verstört, dass ich psychisch am Boden war. Insgesamt machte ich elf Entgiftungen, drei Langzeittherapien und wohnte in drei verschiedenen

Einrichtungen (betreutes Wohnen für psychisch kranke und suchtkranke

Menschen). Zwischendurch habe ich echt nicht mehr an das lebenswerte Leben geglaubt. Ich musste täglich zehn verschiedene Medikamente nehmen, angefangen von den Depot-Spritzen gegen die Psychosen, bis hin zu Antidepressiva, Pillen gegen Manie und Epilepsie. Ich fühlte mich wie eine Laborratte, war aufgeschwemmt durch die ganzen Medikamente und wog mit 24 Jahren 122 Kilo …

Ich zog nach Berlin, fand jedoch auch dort nicht das große Glück. Die nächsten Jahre waren geprägt von Rückfällen, Obdachlosigkeit und Hoffnungslosigkeit. In Berlin machte ich meine dritte und letzte Langzeittherapie. Es war gut, denn ich setzte mich mit mir und meinem Leben noch einmal komplett auseinander.

Am Ende der letzten Therapie nahm ich wieder Kontakt mit Irene auf, wir verliebten uns, und so verschlug mich die Liebe 2017 nach Leipzig. In der ersten Zeit in Leipzig war ich arbeitsuchend, was durch meine Diagnosen nicht so einfach zu ändern war. Als Epileptiker mit einer fünfzigprozentigen Schwerbehinderung, einer Lese-Rechtschreibschwäche, dazu noch vorbestraft … was will man da noch groß dranhängen?

 

 

 

Aber einer liebte mich immer so sehr, und das durfte ich dann erfahren. Jesus zeigte mir, dass er alle meine Fehler, all das Miese zu etwas Gutem drehen konnte: Er machte aus meinem Mist Dünger.

Eine Ausbildungsstätte nahm mich trotz meiner ganzen Vorgeschichte an, sodass ich eine Ausbildung zum Krankenpflegehelfer plus Realschulabschluss machen konnte. Und nun bin ich seit dem letzten Jahr im Blauen Kreuz Leipzig e.V. fest angestellt, gehe regelmäßig in den Knast, wo ich selber gesessen habe, mache den Jungs Mut. Ich mache Suchtberatung, Seelsorge, Hausbesuche sowie Sucht- und Gewaltprävention an Schulen. Die ganzen negativen Erfahrungen sind nun eine Hilfe für meinen Dienst und der Zugang zu den Menschen, die ebenfalls im Leben gescheitert sind. Das Blaue-Kreuz-Team wurde zur Familie für mich. Und ich erlebe hier so viele Wunder.

Ich durfte die Frau, in die ich mich 2011 verliebt hatte (und die damals nein sagte), nach sieben Jahren heiraten. Es ist für mich so eine Gnade, zu erleben, dass Gott es gut mit mir meint. Allein, dass ich gesunde Kinder habe, selbst noch am Leben bin und ein lebenswertes Leben führen darf. Dass ich meine Berufung leben kann, beim Blauen Kreuz zu dienen und Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten. Ich bin so dankbar!

Ich möchte dir Mut machen, dich heute auf Jesus einzulassen; es ist nie zu spät, neu anzufangen und dich für das Leben zu entscheiden. Das Leben wird nicht leichter, doch du kannst stärker werden. Hoffnung und Kraft sind sehr wichtig: Hoffnung zu haben, dass es besser wird, und die Kraft durchzuhalten, bis es da ist.

Jesus sagt: Wer mich liebt, richtet sich nach dem, was ich gesagt habe. Auch mein Vater wird ihn lieben, und wir beide werden zu ihm kommen und für immer bei ihm bleiben (Johannes 14,23, HFA).

 

 

 

Maik Löwen | Jg. 1990 | verheiratet | 3 Kinder | Leipzig | Mitarbeiter des Blauen Kreuzes Leipzig e.V. (Suchtarbeit, Seelsorge, Gefangenenarbeit, Sucht und Gewaltprävention an Schulen ...)

 

Das Leben ist nicht immer fair, aber …

 

Im November 2016 entschied ich mich an einem Männerwochenende: Ich nehme an einem Muskathlon teil.

Ein Muskathlon ist ein Spendenlauf: Man meldet sich an und entscheidet sich für eine der Disziplinen: Halbmarathon (21 km), Marathon (42 km), Ultramarathon (63 km), Ultrawalk (63 km) oder Mountainbike (120 km). Dazu sammelt man 10.000 € Spenden für eine Hilfsorganisation. Man ist dann eine Woche in dem Land, in dem der Muskathlon stattfindet und schaut sich die Arbeit der Hilfsorganisation vor Ort an. Außerdem nimmt man am Muskathlon teil. Alle Kosten bezahlt der Teilnehmer aus eigener Tasche.

Zu Hause angekommen, erzählte ich meiner Frau und meiner 8-jährigen Tochter von meiner Anmeldung. Meine Tochter sagte: „Papa, du bist verrückt und total durchgeknallt.“ Recht hatte sie, denn ich hatte in meinem Leben nie wirklich Sport getrieben – und dann gleich so eine Herausforderung!

Klar war, dass ich im Jahr 2017 teilnehmen würde. Es standen zwei Termine und Orte zur Auswahl: Ruanda im Mai und Indonesien im Oktober, beide mit dem Kinderhilfswerk Compassion. Ich wollte nach Indonesien, denn da bliebe mir mehr Zeit, um die 10.000 € Spenden zu sammeln. Das schien für mich im Vorfeld die größte Hürde zu sein.

Am nächsten Tag hatte ich aber den Eindruck, ich solle meine Familie in die Entscheidung mit einbeziehen. Wir sprachen darüber, dann sagte meine Tochter: „Papa, du musst nach Ruanda.“ Ich fragte: „Warum?“ Meine Frau antwortete: „Weil Afrika näher an Europa liegt als Asien.“

Meine Antwort war: „Okay, das wird aber spannend, 10.000 € in 185 Tagen zu sammeln.“ Dadurch wurde die Hürde noch größer. (Was ich damals nicht wusste, Indonesien hätte nicht funktioniert.)

Ich habe mich dann für Ruanda im Mai 2017 und die Disziplin 120 km Mountainbike angemeldet, danach angefangen zu trainieren und auf den Weg gemacht, um Spenden zu sammeln.

Am Anfang fiel es mir nicht leicht, darüber zu reden, und ich bin auch nicht immer auf offene Ohren gestoßen. Aber wenn eine Tür zuging, dann blieb ich nicht stehen, sondern ging weiter, und woanders tat sich eine neue auf. Am 4. Advent war bereits über die Hälfte der Summe zusammen. Ich befürchtete, der Spendenzug würde irgendwann anhalten. Doch er hielt nicht an.

Eine Geschichte aus dieser Zeit: Es ist Heiligabend, wer eine 6 würfelt, darf ein Geschenk auspacken. Meine Tochter überreicht mir ein Geschenk. Als ich schüttle, sind Metallgeräusche zu hören und ich dachte, ob sie mir wohl Schrauben eingepackt hat? Beim Auspacken kam zu meinem Erstaunen Geld heraus. Meine Tochter sagte voller Stolz: „Papa, das ist mein Beitrag, um dich nach Ruanda zu bringen.“ Ich war zu Tränen gerührt, und ehrlich gesagt habe ich immer noch keine Ahnung, wie sie so eine Summe erreichte.

Noch im Dezember buchte ich den Flug, bezahlte das Hotel und schloss eine Reiserücktrittsversicherung ab. Ich dachte, wenn etwas Unvorhergesehenes kommen sollte, dann ist nicht das ganze Geld futsch.

Bereits Mitte Januar waren die 10.000 € überschritten. Ein echtes Wunder. Im Vorfeld hätte ich so etwas nie für möglich gehalten.

Drei Tage später bekam meine Frau die Diagnose Krebs. Ich dachte, ich sei im falschen Film. Sofort hatte ich die Krebsstorys meiner Eltern vor Augen. Paps verstarb 11 Monate nach der Diagnose 2012 und Mutter zwei Monate nach der Diagnose 2013.

Am nächsten Tag saß ich am PC und schaltete nach einiger Zeit ERF

POP ein, was ich nur hin und wieder mache. Es lief das Lied King of My Heart von Kutless. In dem Lied ist die Rede davon, dass der König meines Herzens der Wind in meinem Segel sein soll, der Anker in den Wellen, dass er es gut mit mir meinte und mich nicht im Stich lassen würde. Es passte perfekt in die Situation und gab mir Mut und Hoffnung. Ich machte es zu meinem Handy-Klingelton und wusste einfach, dass sich das Schicksal meiner Eltern bei meiner Frau nicht wiederholen würde. Die schwere Last blieb trotzdem.

Dazu fielen mir noch zwei Sätze ein:

- Das Leben ist echt nicht immer fair, aber Gott meint es immer gut.

- Gott gibt uns nicht immer das, was wir wollen, aber alles, was wir brauchen.

Zu meiner Frau sagte ich: „Schatz, ich habe keine Ahnung, wie tief das Tal ist, wie weit der Weg ist, aber eines Tages werden wir dahinten auf dem Berg sein, uns auf eine Bank setzen, eine Flasche Limo trinken und alles wird vorbei sein. Lass uns einen Tag um den anderen nehmen und uns keine Sorgen um das Morgen machen, denn das wird uns die Kraft für das Heute rauben. Gemeinsam werden wir es schaffen.“

Dazu sagte ich noch: „Ich werde hier an dieser Stelle den Muskathlon nicht aufgeben. Ich kümmere mich um dich und um unsere Tochter, und wenn dann noch Zeit ist, trainiere ich. Was im Mai ist, wissen wir heute nicht.“

Wir fuhren zusammen zu den Besprechungen in die Klinik, aber es kam alles ganz anders, als uns die Ärzte gesagt hatten: Der Krebs war nicht gutartig, sondern bösartig; nicht eine OP war nötig, sondern zwei; nicht nur eine Hormontherapie, nein, Chemo mit anschließender Bestrahlung kamen dazu. Das volle Programm. Aber jedes Mal, wenn eine schlechte Nachricht kam, kam auf der anderen Seite eine Spende oder ein Mut machendes Wort an – das gab mir neue Kraft.

An unserer Tochter ging das nicht spurlos vorbei; es hat sie sehr beschäftigt. Sie hatte Angst, die Mama zu verlieren. Es waren viele Gespräche, tröstende und Mut machende Worte nötig.

Die beiden OPs waren überstanden und es war Anfang Mai. Wir gingen zusammen ins Krankenhaus, um die bevorstehende Chemotherapie zu besprechen. Ich erzählte den zuständigen Ärzten von meinem Muskathlon. Die Antwort: „Wir können darauf keine Rücksicht nehmen; Sie haben die Termine zu nehmen, die sie bekommen.“ Beim Blick auf die Termine sehe ich: Die erste Chemo ist eine Woche vor Abflug nach Ruanda und die zweite erst, wenn ich wieder zurück bin.

Der Tag der ersten Chemo ist da, und meine Frau verträgt sie gut. Gott sei Dank! Ein paar Tage später bekomme ich auch die Freigabe von ihr, nach Ruanda fliegen zu dürfen.

Vier Tage vor Abflug ist die 12. Patenschaft für ein Kind von Compassion vermittelt, und zwei Tage vor Abflug betete ein Mann des Gebetskreises aus unserem Dorf, dass noch jemand 120 € überweist. 20 Minuten später bekomme ich eine WhatsApp-Nachricht: 20.000 € sind voll für den König. Da hatte einer den Sturm, der über uns hinwegfegte, benutzt, um aus 10.000 € über 20.000 € zu machen.

Einen Tag vor Abflug sagte meine inzwischen 9-jährige Tochter zu mir: „Papa, du kümmerst dich jetzt um die Kinder in Ruanda, und ich kümmere mich hier um die Mama.“ Wow, die Worte haben mich sehr berührt. Ich konnte mit ruhigem Herzen nach Ruanda fliegen. Freunde hatten ihre Hilfe angeboten, solange ich weg bin; aber es wurde keine einzige Hilfe nötig.

Das Größte für mich in Ruanda war, nach 7 Stunden und 45 Minuten sowie 120 Kilometern und über 1800 Höhenmetern ins Ziel zu fahren, mein Patenkind in den Arm zu nehmen und den Jungen auf mein Fahrrad zu setzen. Alle Schmerzen und Anstrengungen waren vergessen. Mit der Gewissheit, das Richtige getan zu haben, und mit dankbarem Herzen kam ich aus Ruanda wieder. Das Erlebte gab mir neue Kraft und Mut für den weiteren Weg.

Vom 3-wöchigen Chemo-Rhythmus ging es in den Wochen-Rhythmus. Ich kann mich noch gut erinnern: Es war

Mitte Oktober gegen Ende der Chemotherapie. Ich saß an meinem Schreibtisch, schlug meine Bibel auf, las Matthäus 11 und blieb am Vers 29 hängen. Da spricht Jesus zu seinen Jüngern: „Ich meine es gut mit euch!“ (HFA Gerechtigkeitsbibel) Was für Mut machende Worte mitten in unsere Situation hinein!

Mir liefen die Tränen herunter, denn da stand Jesus selbst hinter mir. Er legte mir die Hand auf die Schulter und sprach: „Mach dir keine Sorgen! Ich meine es gut mit deiner Frau, ich meine es gut mit deiner Tochter und ich meine es gut mit dir.“ Die Worte gaben mir neue Kraft und Mut, die letzten Stücke des Weges noch zu gehen.

Nach der Chemo kam dann die Bestrahlung und im Januar 2018 die Reha. Diese Zeit war noch einmal sehr herausfordernd. Tochter, Schule und Job, alles unter einen Hut zu bringen. Aber mit den Worten und der Gewissheit im Rücken, dass er es gut meint, ging es.

Es ist Palmsonntag 2018, ein herrlicher, warmer Frühlingstag mit strahlender Sonne. Unser Dorf liegt auf einem Hügel; für mich ist es „der Berg“, denn von allen Seiten aus geht es hoch. Ich mache mit meiner Frau einen Spaziergang. Wir setzen uns auf den fast höchsten Punkt auf eine Bank. Ich hole aus meinem Rucksack zwei Gläser und gieße Zitronenlimonade ein. Wir trinken sie und haben dabei Tränen in den Augen. Wir danken Gott, dass er uns da durchgeführt hat. Gott sei Dank, bis zum heutigen Tag ist sie krebsfrei.

Das Leben ist echt nicht immer fair, aber Gott meint es immer gut mit dir! Gib niemals auf ! Steh auf !

 

 

Gerd Gugel | Jg. 1967 | verheiratet | 1 Tochter| Stockach-Gomaringen | Fertigungsmeister

 

 

 

 

Wie ich vom Karriere-Tiger zum ErmuTIGER wurde

 

Ich bin 1991 Christ geworden – alter Schwede, ist das lange her! Aber was heißt Christsein eigentlich ganz genau, fragen mich Freunde ab und zu. Nun, ich habe mich vor vielen Jahren entschieden, ganz bewusst ein Leben mit „Gott an meiner Seite“ zu leben. Die beste Entscheidung meines Lebens, über die ich mich bis heute jeden Tag aufs Neue freuen kann – als ob ich im Obelix-Style in einen Zaubertrank voller Freude gefallen wäre. Wie sich das anfühlt? Das könnt ihr nachlesen: im Neuen Testament in Apostelgeschichte 2 Vers 25, wo beschrieben wird, was ein Herz wirklich fröhlich macht.

Und trotzdem hatte ich einige Aufs und Abs in den ersten Jahren meines Christseins, weil ich meine „wahre Identität“ erst noch finden musste. Was es mit der Bedeutung der Identität auf sich hat, möchte ich hier genauer erklären.

Ich lese immer wieder mal Umfrage-Werte bezüglich „Glauben in Deutschland“, und es sind immer so zwischen 65 und 70 % der Deutschen, die scheinbar an einen Gott glauben. Unglaublich eigentlich, wenn man sieht, wie viel Angst wir Deutschen trotzdem noch haben, sodass der Begriff „German Angst“ inzwischen schon weltweit ein Stigma und eine Beschreibung für unser ängstlich-deutsches Gemüt ist. Ich habe gelernt, dass „an Gott zu glauben“ und ihm wahrhaft „nachzufolgen“ zwei völlig verschiedene Dinge sind.

In all den Jahren meines Christseins seit 1991 durfte ich zwar viel Gutes erleben, aber ich hatte oft das Gefühl, nicht wirklich „frei“ zu sein. Und irgendwie ging es mir viel zu langsam voran in meiner beruflichen Entwicklung und auch im Privatleben. 2008 ist dann etwas passiert, das mein Leben tatsächlich komplett veränderte. In einem Gespräch mit Gott (ja, ich erlebe, dass ER nicht nur hört, sondern auch antwortet) fragte mich Gott (ausgelöst durch eine Predigt von Joyce Meyer) ganz deutlich, ob ich denn wüsste, wer ich vor Gott sein solle? Ob ich mir meiner Identität, wie er mich haben möchte, bewusst sei?

Schwierige Frage! Wenn ich dich jetzt fragen würde: „Was ist deine Identität? Wer möchtest du sein im Leben?“, hättest du darauf sofort eine Antwort? Es ging sogar noch tiefer. Je länger ich darüber nachdachte, was ich Gott und mir selber antworten würde, hatte ich das Gefühl, dass der springende Punkt in der Formulierung lag. „Wer willst du sein im Leben?“ ist eine andere Frage als „Wer sollst du sein im Leben?“ Denn das Letztere beinhaltet ja die Vorstellung, dass Gott einen konkreten Plan für mein Leben hat und eine ganz klare Vorstellung davon, wie er sich „diesen David“ (meine Wenigkeit) ursprünglich in seiner „besten Version“ ausgedacht hatte.

Um es abzukürzen: Nach einigen Tagen intensiven Nachdenkens und einiger Gespräche mit Gott hatte ich eine Art Selbst-Erkenntnis. Worauf Gott wohl viele Jahre gewartet hatte, war meine bewusste Entscheidung, ein ganz bestimmter Menschen-Typ zu werden, welcher die „wahre Nachfolge Jesu“ beschreibt: EIN ERMUTIGER!

Als ich mich 2008 ganz bewusst dafür entschied, meinem Egoismus den Kampf anzusagen und viel mehr Energie darauf zu verwenden, andere Menschen zu ermutigen und ihnen Hoffnung zu bringen, anstatt mich ständig nur um meine Karriere und mein Ego zu kümmern, da passierten plötzlich die verrücktesten Dinge. Nicht nur, dass ich auf einmal beruflich viel mehr Erfolg hatte, als je zuvor, nein, ich hatte plötzlich eine Leichtigkeit in allem, was ich tat, weil nun der Druck weg war, es mir und allen beweisen zu müssen.

Das ist ein großes Problem in Deutschland, dass wir uns viel mehr nach der Anerkennung anderer sehnen, als dass wir uns fragen, was Gott wohl von uns denkt. Diese Sucht nach Anerkennung lässt den einen zum Workaholic werden und den anderen zwölfmal am Tag sein Instagram und Facebook checken, ob das letzte Selfie auch genügend Likes (!) bekommen hat. Unsere Gesellschaft suggeriert uns ständig, dass wir nicht gut genug sind und dass wir jeden Tag etwas zu beweisen haben, wenn wir mithalten wollen im Gedränge nach Anerkennung und Vorzeige-Erfolgen.

Als ich mich entschied, ein Ermutiger zu werden, habe ich mich damit auch gleichzeitig ent-

schieden, aus diesem Teufelskreis und Hamsterrad des Beifall-Suchens auszusteigen. Mein Fokus liegt nun täglich darauf, wie ich Gott und den Menschen dienen kann – anstatt mich, wie viele Jahre lang, täglich zu fragen „Worauf habe ich denn heute gerade Bock?“

 

 

 

Dieses Leben nach dem Lustprinzip hatte ich 2008 satt – weil es einfach nie genug (!) war. Mein Herz schien damals ein großes Loch zu haben, durch das alles hindurchfiel, was ich mir holte, um vermeintlich glücklich zu sein. Wenn ich nun morgens aufstehe, habe ich seither ein bestimmtes Ritual: Ich sage spätestens beim Duschen, wenn ich einigermaßen bei klarem Verstand bin: „Gott, ich will DIR heute dienen! Du darfst mich gebrauchen, wenn du heute jemandem durch mich etwas Gutes tun willst!“

Mit dieser Aussage startet mein Tag, und ich könnte euch sehr viele Mutmach-Geschichten erzählen, die ich durch diese neue Haltung erlebt habe. Vor einem Jahr zum Beispiel hatte ich eine Frau zum Coaching bei mir, die es durch diverse Krankheiten und familiäre Probleme nicht einfach hatte. Einige Wochen nach ihrem Besuch rief ich sie an, um mich zu erkundigen, ob das Coaching ihr geholfen habe, gezielt Schritte in die Veränderung zu machen, und wie es ihr denn ergangen sei.

Sie sagte mir am Telefon, dass es ihr gut ginge und sie sehr fleißig an ihrem Verkaufsprogramm arbeite (sie ist solo-selbstständig), sie jedoch oft frustriert sei, weil ihr alter PC ab und zu so krass abstürze, dass schon einige Male der komplette Text eines ganzen Arbeitstages verschwunden sei!

„Waaaaas?“, reagierte ich am Telefon. „Du schreibst sieben Stunden und dann ist das am nächsten Tag weg??!!“ „Ja, genau!“, antwortete sie.

In diesem Moment hatte ich sofort den Impuls, ihr zu helfen und fragte sie, was denn ein PC, den sie sich vorstelle, kosten würde. Sie habe einen bestimmten Laptop vor Augen, doch habe sie für dieses Modell nicht das Geld, erklärte sie mir. Der nächste Impuls, den ich bekam (von oben – so arbeitet Gott mit seinen Ermutigern), war, ihr finanziell zu helfen: „Würde es dir helfen, wenn ich dir 500 € ausleihe?“ Ihre überraschte und freudige Reaktion: „Eeeeecht jetzt?“ „Klar, ich helfe dir gerne“, war meine Antwort. Doch kaum hatte ich es ausgesprochen, da wurde auch schon der nächste göttliche Impuls in mein Ohr geflüstert, und ich verstand sonnenklar diese Worte: „David, schenk ihr die 500 €!“

Ich muss dazu sagen, dass ich kein wohlhabender Mensch bin; welcher