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Warum kann man Männer nicht bestellen wie Pizza: »Einmal die Nummer 12, bitte extrascharf!«? Isa will diese Marktlücke schließen und beginnt mit Vergnügen, die »Speisekarte« zusammenzustellen. Sie ahnt nicht, dass das Männertaxi nicht nur das Liebesleben ihrer Kundinnen beflügeln, sondern auch ihr eigenes kräftig durcheinanderwirbeln wird … Männertaxi von Andrea Koßmann als eBook erhältlich!
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Seitenzahl: 536
Veröffentlichungsjahr: 2010
Andrea Koßmann
Eine turbulente Komödie
Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG.
Warum kann man Männer nicht bestellen wie Pizza: »Einmal die Nummer 12, bitte extrascharf!«? Isa will diese Marktlücke schließen und beginnt mit Vergnügen, die »Speisekarte« zusammenzustellen. Sie ahnt nicht, dass das Männertaxi nicht nur das Liebesleben ihrer Kundinnen beflügeln, sondern auch ihr eigenes kräftig durcheinanderwirbeln wird …
Für meine Mädels*
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Epilog
Danksagung
Für meine Mädels*
und vor allem:
für mich!
Hey Babe«, hauche ich verführerisch, »nun zier dich nicht so. Ich möchte ein wenig Spaß mit dir haben. Nicht mehr und nicht weniger. Keine Verpflichtungen, kein Psychogequatsche, einfach nur Sex.«
Ich schüttle meine langen Haare, strecke meine Brust nach vorne und setze einen äußerst lasziven Blick auf. Ich fühle mich wie eine der Gespielinnen von James Bond.
Die mussten doch sicher auch immer ein kleines bisschen den Bauch einziehen, oder?
»Mein Name ist Isa.« Ich mache eine kurze Pause. »Isabell Schwärzenbach. Ich bin eine wahnsinnig tolle Superfrau, an die ihr Männer euch nicht rantraut, weil ihr glaubt, dass ihr mich eh nicht bekommt. Ich sehe einfach umwerfend gut aus mit meinen gerade mal achtundzwanzig Jahren, meiner makellosen Haut und meiner Traumfigur mit Modelmaßen – und du, mein Kleiner«, ich strecke ihm mit einem provozierenden Grinsen lockend den Zeigefinger entgegen, »bist nichts weiter als ein Stückchen Schokolade, das ich für mein Leben gern mal vernaschen würde, ohne danach auch nur noch einen Gedanken daran zu verschwenden. Und niemand, hörst du, niemand kann mir widerstehen!«
Wem versuche ich eigentlich etwas vorzumachen?
Skeptisch betrachte ich das Bild, welches sich mir bietet. Gerade eben noch habe ich einen Mann vor mir gesehen, der rein zufällig meinem Ex-Freund Tom verdammt ähnelte, doch jetzt schaue ich direkt in mein Gesicht, welches im Spiegel ausschaut wie eine Maske, die nach Karneval in den Schrank gelegt wurde und dort gefühlte hundert Jahre vergessen vor sich hinstaubte. Ich entdecke die kleinen Fältchen um meine Augen. Also, eigentlich muss ich dazu gar nicht auf Entdeckungsreise gehen, und eine Lupe brauche ich dafür sicher auch nicht, denn sie fallen beim ersten Blick schon auf.
»Okay, okay … das war gelogen. Ich bin … ähm … ich bin eine dreißigjährige Powerfrau!« Ich ziehe die Augenbrauen hoch und mache den Mund so spitz, dass meine Haut fast glatt ausschaut.
Aber ehrlich gesagt, sähe es bescheuert aus, wenn ich so durch die Gegend laufen würde.
Ich streiche eine Haarsträhne hinter mein rechtes Ohr. »Also, wenn man es ganz genau betrachtet, bin ich eigentlich schon fünfunddreißig«, flüstere ich ein wenig bedröppelt, während ich leicht auf meine Lippen beiße. »Aber ich sehe natürlich wesentlich jünger aus!« Ich lache mein Spiegelbild an. Das Lachen sieht gequält, gekünstelt und irgendwie maskenhaft aus, aber in der Frauenzeitschrift, die ich neulich im Wartezimmer meines Frauenarztes gelesen habe, stand, dass man es genau so machen soll. Irgendwas mit »positiv denken« und »sich selber schön reden« und »sexy und atemberaubend in nur zehn Minuten«. Das habe ich verinnerlicht. Ich nehme jeden Tipp an, der mich jünger aussehen lässt. Schließlich fühle ich mich nicht wie Mitte dreißig.
Zugegeben: Im Moment fühle ich mich gerade wie Mitte hundertvierzig.
Seufzend öffne ich meinen Badezimmerschrank, den ich mal wieder ein wenig aufräumen könnte. In den nächsten Wochen kommt schließlich diese neue Kosmetikserie von Joop auf den Markt, und die muss ich unbedingt haben. Dafür brauche ich Platz!
Eigentlich würde ich meine Cremes ja gerne in ein adrettes Regal stellen, denn ich schaue mir die Tiegelchen, Tuben und Spender gerne an. Sie sind doch die wahren Lover einer Frau: Sie verwöhnen uns, ohne dass wir groß »Bitte, bitte« sagen müssen. Sie versprechen uns, dass wir schön sein können, wenn wir es wollen. Sie sind immer griffbereit, und vor allem geben sie keine Widerworte. Aber man muss sie natürlich so aufbewahren, dass ein Mann sie nicht sofort entdeckt. Denn Männer sollen schließlich denken, dass wir Frauen von Natur aus schön sind und diesem ganzen Kosmetik-Wahn resistent gegenüberstehen.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich vor einem Jahr mit meinem damaligen Freund Tom durch ein Kaufhaus schlenderte. Als wir an der Kosmetikabteilung vorbeikamen, sagte er: »Warum sind manche Frauen nur so bescheuert und geben ein Heidengeld für diese Cremes aus? Glauben die eigentlich wirklich, dass sie dadurch jünger aussehen?«
»Nee, aber ehrlich! Die sind ganz schön blöd, was?«, bestätigte ich ihn, während mein Blick auf einen Aktionsständer von Escada fiel, auf dem eine Anti-Aging-Creme stand, die ich schon immer haben wollte – und die es gerade als Supersonderangebot gab!
Verzweifelt schnellte mein Blick durch den Laden. Nach links – nach rechts – geradeaus. Mist! Wo war diese verdammte Verkäuferin? Immer, wenn man eine braucht, ist gerade keine da. Aber wehe, man will sich einmal ungestört umsehen, dann kreisen sie um einen wie Fliegen um einen Kuhfladen. Aaaah!
»Ich bin froh, dass du so etwas nicht brauchst, mein Schatz«, flüsterte Tom mir ins Ohr. »Du bist von Natur aus hübsch!« Er küsste meine Nasenspitze.
Ich wusste nicht, ob ich gerührt sein oder verächtlich auflachen sollte. Also lächelte ich ihn freundlich an – und entdeckte endlich eine Verkäuferin. Nun brauchte ich nur noch ein gutes Ablenkmanöver.
»Hey, schau mal, da vorne! Da ist die Musikabteilung!«, verkündete ich so euphorisch, als habe ich soeben höchstpersönlich Amerika entdeckt. »Sollen wir dort mal nachschauen, ob eine neue CD von Rammstein rausgekommen ist?«
»Ich denke, die magst du nicht?«, fragte Tom erstaunt.
»Aber du, Schatz!«, flötete ich. »Und ich will doch, dass du es schön hast.« Während ich ihn mit sanftem Druck meiner linken Hand in Richtung der CD-Regale dirigierte, gab ich der Verkäuferin mit meiner rechten hinter Toms Rücken Zeichen, dass sie mir eine der Escada-Cremes zurückstellen sollte. Ich glaube, diese Zeichensprache versteht so ziemlich jede Frau. Während wir uns stillschweigend angrinsten, fühlte ich mich wie eine Verschwörungspartnerin, die gerade einen ganz dicken Coup gelandet hatte.
Noch einmal werfe ich einen Blick in meinen Anti-Aging-Schrank im Bad. Ein »Wir-Frauen-haben’s-schon-nicht-leicht«-Seufzen entfleucht mir, während ich die Tür schließe. Ich brauche diesen Schrank sicherlich nicht zum Leben, aber ganz bestimmt zum Glücklichsein. Denn in ihm befinden sich Wunderwaffen, die einer Frau das Leben ungemein erleichtern. Man muss nur ganz fest dran glauben. Und das tu ich!
»Wow, sehe ich toll aus – und das natürlich von ganz allein!«, lache ich erneut in den Spiegel – und diesmal ist das Lachen echt. Denn am liebsten lache ich über mich selbst. Und dann? Strecke ich meinem Spiegelbild die Zunge raus und verlasse das Bad.
Einigermaßen gut gelaunt schlüpfe ich in Jeans und T-Shirt, bevor ich in meine kleine Miniküche gehe und den Wasserkocher anstelle. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich noch eine Stunde bis zum Schichtbeginn habe.
Seit zwei Jahren arbeite ich im DVD-Verleih Snack & See. Das ist sicher kein Traumjob, aber einerseits ist alles besser, als von Hartz IV zu leben, und andererseits mag ich es, unter Menschen zu sein. Zumal ein nicht unerheblicher Anteil der Kundschaft Männer sind. Gutaussehende Männer. Nette Männer. Potente Männer. Zumindest wirken einige von ihnen so. Ausprobiert habe ich bisher keinen. Aber was nicht ist …
Leider ist mein Chef eher ein Grund dafür, sich die Männer abzugewöhnen, denn er ist das, was man bei Wikipedia findet, wenn man den Suchbegriff Choleriker eingibt. Noch dazu scheint er Frauen zu hassen. Zumindest die, die für ihn arbeiten, denn er kommandiert uns rum wie ein Feldmarschall. Wolf ist daher meiner Meinung nach ein sehr passender Name für ihn. Noch dazu sieht er auch aus wie ein Wolf: Ein dunkler, grau durchzogener Vollbart verdeckt mindestens achtzig Prozent seines Gesichts. Ich dachte immer, in Deutschland herrscht das Vermummungsverbot? Aber bei Wolf ist es schon okay so, denn ich möchte gar nicht wissen, was er unter diesem Bart alles versteckt. Sicher kleine Monster, die ihm das Leben so schwermachen, dass er seine schlechte Laune an den Angestellten auslassen muss.
Die Haare, die er im Gesicht zu viel hat, fehlen ihm übrigens auf dem Kopf. Bestimmt haben die Schlechte-Laune-Monster dort schon alles kahl gefressen. Dabei ist der Mann erst siebenundvierzig. Aber vielleicht findet er es auch einfach nur chic, so auszusehen? Oder er schaut, im Gegensatz zu mir, nie in den Spiegel.
Eins muss man Wolf aber lassen: Er hatte eine gute Geschäftsidee. Das Snack & See ist nämlich nicht nur ein normaler DVD-Verleih, sondern auch ein gut sortierter Kiosk. Und das stellt sich immer wieder als ausgesprochen praktisch heraus.
Nachdem ich Tom vor einem Jahr beim Fremdgehen mit seiner (Achtung: Klischee, Klischee, Klischee!) Praktikantin erwischt und monatelang unter Liebeskummer gelitten habe, wurde ich unsere beste Kundin. Jeden Tag nahm ich mir nach meiner Schicht schmalzige Liebesfilme und haufenweise Chips und Häagen-Dasz-Eis mit nach Hause. Mit Karamellstückchen! Statt heißem Sex mit meinem Ex gab es sahnig-scharfe Fressabende. »Kind, das ist doch nicht gut für dich«, sagte meine Mutter damals immer wieder zu mir. Und ich dachte nur: Das ist Liebeskummer auch nicht.
Meine beiden Grundnahrungsmittel in dieser Zeit hatten und haben im Gegensatz zu Männern eigentlich nur Vorteile – das kann man anhand der Chips ganz einfach beweisen: Sie machen zwar Lärm, wenn man sie kaut, aber sie verhalten sich ansonsten verdammt ruhig. Chips gehen nicht fremd, nur weil irgendeine dahergelaufene Schnepfe ihnen sagt, dass sie so knackig und scharf sind. Und vor allem können Chips einem nicht weh tun. Es sei denn, man isst zwei oder drei Tüten auf einmal und hat hinterher das Gefühl, man könne nicht weiterleben, ohne sich den Finger in den Hals zu stecken, aber so weit habe selbst ich es nie kommen lassen. Manche Frauen verlieren nicht nur ihre Männer, sondern direkt auch ihren Appetit und einen beträchtlichen Teil ihres Körpergewichts. Ich nicht. Dafür habe ich damals das revolutionäre Ernährungsprinzip Trennkost à la Isa entwickelt, das ich mir dringend patentieren lassen muss: Zunächst verschlingt man eine ganze Tüte Chips in knapp sechseinhalb Minuten. Wer länger braucht, sollte trainieren, denn ohne Fleiß kein Preis. Dann muss man eine kurze Pause einlegen, sich das überschüssige Paprikagewürz von den Fingern lecken, vielleicht ein kleines Rülpserchen in die große Welt entlassen, und dann, aber wirklich erst dann, taucht man einen riesigen Löffel in das bereits leicht angetaute Karamelleis und beginnt, diesen abzuschlecken. Wer auf gute Wertungen in der B-Note hofft, macht dies genießerisch. Wer nach dem Leistungsprinzip lebt, schaufelt einfach in sich hinein. Das macht man so lange, bis man durch den Boden des Bechers schauen kann, wenn man ihn gegen eine Lampe hält, ohne dass einem Eis ins Gesicht läuft. Sprich: bis der Becher leer ist. Was gibt es Schöneres?
Trennkost à la Isa ist die beste Medizin gegen Liebeskummer. Zumindest zeitweise.
Wenn man später mit Bauchweh im Bett liegt, übernehmen dann die Papiertaschentücher und Lovesongs aus dem CD-Player die Liebeskummer-Wache. Gefolgt von einem tiefen, komaartigen Schlaf, aus dem man am liebsten gar nicht mehr aufwachen möchte.
Nachdem ich innerhalb kürzester Zeit sieben Kilo zugenommen hatte, musste ich mir eines Tages eingestehen, dass es so nicht weitergehen konnte. Sieben Kilo! Für jedes Jahr unserer Beziehung eines … denn Tom war nach genau sieben Jahren des Zusammenseins aus meinem Leben verschwunden. Einfach so. Von heute auf morgen. Mit nichts als seinem Koffer, gefüllt mit den Dingen, die er in den letzten Jahren mit in meine Wohnung gebracht hatte. Alles, was ihm gehörte, war mit einem Schlag weg. Sogar sein Nageletui. Nur eins hatte der vergessen, mitzunehmen. Er hatte in meiner Wohnung etwas sehr Existentielles und Wichtiges zurückgelassen: MICH!
Und MICH wollte ich wiederhaben. Mich, die lustige, lebensfrohe Isabell, die jeder einfach nur Isa nennt. »Isa wie Pisa. Nur ohne P.« So hatte Tom immer gescherzt. Damals habe ich immer gegrinst, wenn er diesen eigentlich recht müden Spruch vom Stapel ließ. Heute könnte ich bei dem Gedanken daran abwechselnd schreien und heulen. Wahnsinn, wie sehr sich doch die Zeiten ändern können.
Eins stand für mich fest: Ich wollte nie wieder einen Frosch küssen, der sich im Nachhinein nicht als Prinz entpuppen würde, sondern als ein herzloses, gemeines, hinterhältiges Stück DNA. Auch wenn dieses spezielle herzlose, gemeine, hinterhältige Stück DNA mit Sicherheit das Schönste war, was mir bis dahin in meinem Leben passiert war. Also bevor Tom vom Traummann zum Nachfolger eines ehemaligen amerikanischen Präsidenten mutierte. Wer um Himmels willen hat eigentlich diese unsinnigen Praktikantinnenstellen erfunden? War doch sicher ein Kerl! Einer mit Hintergedanken, die er hinter dem beruflichen Aspekt harmlos verstecken konnte.
Irgendwann beschloss ich, nicht nur mit Tom, sondern auch mit anderen Männern abzuschließen. Zumindest, was die Gefühlsduseleien angeht. Denn kaum lässt man Gefühle zu, öffnet man auch automatisch die Tür zu den Problemzimmern.
»Vielleicht können die Kerle gar nichts dafür«, mutmaßte meine beste Freundin Pia, nachdem ich ihr von Toms Praktikantin erzählt hatte. »Vielleicht zwingt ihr McJoy sie dazu, den männlichen Charme anzuknipsen und dafür Herz und Gewissen für eine Zeit in den Stand-by-Modus zu stellen.«
»McJoy? Was um Himmels willen ist das denn?«, fragte ich entsetzt, denn ich dachte zunächst an ein saftiges Stück Rinderhacksteak, eingezwängt in zwei Pappbrötchenhälften, verziert mit einer Gurkenscheibe und einem dicken Klecks Remoulade, erhältlich in einer dieser amerikanischen Fast-Food-Ketten.
»Ihr McJoy, Isa.« Sie starrte mich mit aufgerissenen Augen an, als hätte ich das Wörtchen Begriffsstutzig auf der Stirn stehen. »Ihr kleiner Freund, der im Idealfall nicht wirklich klein ist. Ihr bestes Stück. Wenn der die Kontrolle über die Kerle übernimmt, gibt es erst mal nur Spaß für die beiden! Da wächst kein Realitätsgras mehr, sag ich dir! Sie denken nicht mehr daran, dass sie uns auf ewig lieben wollten, dass wir da waren, wenn es ihnen schlechtging, und dafür gesorgt haben, dass es wieder besser wurde. Weißt du, ich glaube, Männer wissen das. Aber ihre McJoys eben nicht!«
Ich nickte zustimmend. Pia sieht immer alles so einfach und rational. »Und was kann man dagegen tun?«, fragte ich.
»Den McJoy mit seinen eigenen Waffen schlagen und ihn einzig und allein als Joystick sehen. Und nicht als etwas, das auch noch lange Kaminabende, Kinder und das große Glück mit sich bringt.«
In diesem Moment nahm ich mir vor: Ja, genau so würde ich es ab sofort machen! Ich bin nun mal ein Mensch aus Fleisch, Blut, Lust und Verlangen und möchte weder auf Männer noch auf McJoys und die schönste Nebensache der Welt verzichten. Nur diese Gefühlsgeschichten würde ich jetzt erst einmal bewusst ausklammern. Sicher ist das leichter gesagt als getan, aber ich war auf dem besten Wege genau dorthin.
Nachdem Tom vier Monate fort war, traute ich mich zum ersten Mal, meinen Kopf wieder in die Höhle des Löwen zu stecken, und wagte den Schritt nach draußen: in eine Disco. Dort lernte ich Ronny kennen, der trotz meiner sieben Trennkostkilo sofort begeistert von mir war. Okay, vielleicht auch eher von dem Satz, den ich ihm nach fünf Minuten ins Ohr hauchte: »Pass auf, Kleiner, ich will Sex. Aber keine Liebe! Kriegst du das hin?« Ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach sein würde, einen Kerl dahin zu bekommen, wo man ihn gerne sehen würde: zwischen die hauseigenen Laken. Okay, ich gebe zu, dass ich diese klare Ansage wohl ohne die drei süffigen Caipis, die Pia mir regelrecht einflößte, nicht rausbekommen hätte. Außerdem hatte ich den Text vorher mit ihr geprobt. Dennoch, ich war begeistert, dass es so gut funktionierte!
Weniger begeistert war ich, als Ronny zwischen besagten Laken nach fünf für ihn offenbar sehr anstrengenden und schweißtreibenden, für mich aber eher wenig freudvollen Minuten mit einem kuriosen Grunzlaut kam und ich meine liebe Mühe hatte, ihn aus dem Bett zu bekommen, bevor er einschlief. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.
Anders lief es mit Patrick, den ich bei meinem nächsten Ausflug in die Disco ein paar Wochen später mit nach Hause nahm: Er war durchaus tageslichttauglich und im Bett ausgesprochen talentiert. Als wir später atemlos nebeneinanderlagen, überlegte ich, ob ich ihn direkt für das nächste Wochenende noch einmal einladen sollte – genau in dem Moment schaute er mich lachend an und sagte: »Tja, Zuckerpuppe, ich denke, das war es dann wohl mit uns beiden, was?«
Ich schaute ihn fragend an.
»Also, nimm das jetzt nicht persönlich, aber so eine langweilige Nummer habe ich das letzte Mal geschoben, als ich entjungfert wurde«, erklärte er kopfschüttelnd. »Und da war ich vierzehn!«
Ich bin mir bis heute nicht sicher, wie er auf die Idee kommen konnte, dass ich das nicht persönlich nehmen würde.
»Tja, also, äh …«, stammelte ich los und versuchte dann, es zumindest mit Humor zu nehmen. »Du weißt ja, Übung macht den Meister.«
Er musterte mich von oben bis unten. »Nichts für ungut. Du siehst wirklich nett aus. Aber auf Frauen mit Cellulite steh ich einfach nicht.«
Ich glaube, ich muss nicht erwähnen, dass an den nächsten Abenden Trennkost à la Isa mein einziger Bettgefährte war.
Ich wollte den Kerlen schon auf ewig abschwören, als Sascha auftauchte. Ich lernte ihn in einem Supermarkt kennen, als wir gleichzeitig nach der letzten Salamipizza griffen und schnell beschlossen, sie gemeinsam bei mir zu essen. Was wir dann allerdings nicht taten, sondern … nun ja. Eigentlich sollte es ein One-Night-Stand werden, aber Sascha war gut. So richtig, richtig gut! Und er wusste, dass er danach zwar durchaus noch ein Kompliment loslassen durfte, ansonsten aber meistens schnell zu verschwinden (oder noch einmal zur Sache zu kommen) hatte. Ohne Gefühlsballast. Ohne Bindung. Das ging erfreulich lange gut. Wobei die Betonung hierbei auf der Vergangenheitsform liegt. Leider!
Piep, piep. SMS von Sascha. Oops, wenn man vom Teufel spricht …
Gib uns bitte eine Chance. Nur ein Herz
kann mehr geben als ein Körper!
Ja, das mag sein. Aber nicht, wenn man mit Gefühlstiraden abgeschlossen hat. Seufzend lösche ich die SMS wie alle ihre Vorgänger, die Sascha mir geschickt hat, seit er meinte, mir seine Liebe gestehen zu müssen – und ich das, was zwischen uns war, sofort beendet habe.
Es gibt sicherlich Frauen, die davon träumen, dass ein dunkelblonder, sportlicher Hüne, der noch dazu Hirn im Kopf hat (und es sogar benutzt!), vor ihnen kniet und sagt: »Ich habe mich in dich verliebt!« Aber hey, das war so nicht abgemacht. Sascha ist wirklich ein feiner Kerl, dazu supergut im Bett. Er weiß genau, welche Stellen eines Frauenkörpers und welche Bereiche der weiblichen Psyche er näher inspizieren und stimulieren muss, damit sie tun, was sie tun sollten: sich erregen und nicht aufregen nämlich. Und ich habe mich sogar dazu hinreißen lassen, dass er ein paar Mal bei mir übernachten durfte. Aber wir hatten von Anfang an vereinbart, dass es nur um Körperlichkeiten gehen sollte. Have fun, no problems. Und vor allem keinen Liebeskummer!
Das mag sich vielleicht sehr hart anhören, ja. Aber er hatte sich nicht an die Regeln gehalten, also musste er gehen. Ich habe seit der Sache mit Tom nun mal meine Prinzipien, und an die halte ich mich. Ich, die eigentlich immer konsequent inkonsequent durchs Leben geht, aber nach dieser herben Enttäuschung war mein Selbsterhaltungstrieb einfach stärker.
Natürlich habe ich mich trotzdem gefragt, warum ich nicht einmal einen Funken Verliebtheit für Sascha entwickelt habe. Vielleicht hat Tom mir damals bei unserem letzten Sex eine Ladung Gefühlskälte injiziert, denn die hatte er ja bereits intus, da die Sache mit seiner Praktikantin bereits eine Zeitlang parallel lief. Von irgendwas muss ich diese gefühlsresistenten Gedanken ja haben. Ich trinke in Ruhe meinen Cappuccino, lege danach etwas Make-up auf die bereits eingezogene Antifaltencreme, schlüpfe in meine Chucks und mache mich auf den Weg ins Snack & See.
»Isa! Ich hatte dir gesagt, dass du den Teppich im Kuschelzimmer saugen solltest! Und zwar gestern! War daran irgendetwas nicht zu verstehen?«, empfängt mich mein Chef, herzlich wie immer. Da fühlt man sich doch gleich gut aufgehoben, sicher und geborgen.
»Guten Morgen, Wolf, auch so gut geschlafen?«, lächle ich ihn gequält an. Okay, ich habe das Staubsaugen gestern vergessen. Aber hey, muss er mich deswegen so anschnauzen?
»Die Marken hast du auch noch nicht zurücksortiert!«, ranzt er mich weiter an. Das sind die durchnumerierten Dinger, die unter den DVD-Hüllen hängen und die die Kunden vorne auf die Theke legen, damit sie den richtigen Film von uns bekommen.
»Also wirklich, Wolf, das habe ich gestern Abend noch gemacht, bevor ich gegangen bin!«
»Auch im Kuschelzimmer?«, fragt er lauernd und hält fünf rote Marken hoch.
Der Punkt geht an ihn. Ich habe mich schon oft gefragt, wie man darauf kommt, den Raum mit den erotischen Hardcore-Filmen Kuschelzimmer zu nennen, schüttle aber nur den Kopf, stelle meine Tasche ab, schnappe mir die Marken und gehe schnurstracks ab in die Schießbude. So nenne ich persönlich den Raum und finde diesen Begriff wesentlich passender.
»Und die Schaufensterauslage muss heute auch aktualisiert werden!«, dröhnt es hinter mir. »Die alten Filme raus, die neuen Filme rein! Zack, zack und dalli, dalli!«
Ich hasse Wolf. Wie kann ein Mensch ein solcher Kotzbrocken sein? Wenn er unzufrieden mit seinem Leben ist, soll er seine Wut doch woanders auslassen, aber nicht an mir. Dem schwächsten Glied in der Kette. Ich frage mich, wie seine Frau es überhaupt mit ihm aushält! Soweit ich informiert bin, ist sie immerhin schon fünfzehn Jahre mit ihm verheiratet. Wahnsinn! Wahrscheinlich ist sie taubstummblind.
Aber da ich auf den Job angewiesen bin, stehe ich eine halbe Stunde und einen gesaugten Teppichboden später im Schaufenster, um dort andere Filme zu dekorieren, und träume vor mich hin.
Wieso arbeite ich eigentlich nicht auf Hawaii? Ich könnte als Kellnerin hübschen Beach-Boys die Drinks servieren, bevor sie sich auf ihren Surfbrettern wieder in die Wellen stürzen. Ihre stählernen, braungebrannten Körper wären eine Augenweide für mich – und nach Feierabend würden sie sich sicher darum reißen, mich verwöhnen zu dürfen, all inclusive sozusagen. Mich, Isabell Schwärzenbach, die neue amtierende Miss Hawaii, mittlerweile sieben Kilo leichter. Eine nicht zu verachtende Oberweite würde meinen Astralkörper zieren, der stramme Po würde zum Anfassen einladen, die Haare würden offen über meine sonnengebräunten Schultern wallen und mir ab und zu geheimnisvoll leicht ins Gesicht fallen, wenn der heiße Sommerwind mich streichelt, während die Palmen sich dazu im Takt bewegen und die Jukebox im Hintergrund »Like Ice in the Sunshine« zum Besten gibt …
Eines Tages sitzt George Clooney an der Theke der Strandbar, weil er in der Nähe gerade seinen neuen Film dreht. Er lächelt mich an und legt einen funkelnden Diamantring auf die Theke. »Der ist für dich«, sagt er, und während ich kurz davor bin, zu hyperventilieren, flüstert er mir ins Ohr: »Du bist atemberaubend schön. Ich habe mich auf den ersten Blick in dich verliebt.«
»Aber du hast doch eine Freundin, George«, vermute ich. Stand dazu nicht neulich etwas in der Gala?
»Die kann dir nicht das Wasser reichen. Ich werde sie sofort verlassen, wenn du dafür heute Nacht mir gehören wirst.«
Ich lache, um ihm zu zeigen, dass ich nicht so naiv bin wie manch andere Frau. »Das glaub ich dir nicht.«
George zieht sein Handy aus der Tasche, tippt etwas ein und hält mir das Display entgegen:
Es ist aus. Ich habe meine große Liebe gefunden.
»Drück!«, sagt er mit rauher Stimme.
Drücken? Wie jetzt? Ich blicke ihn fragend an.
»Na, drück auf Senden«, lächelt er.
Und genau das mache ich. Wahnsinn, ich läute gerade das Ende von George Clooneys Beziehung ein. Ich! Isabell Schwärzenbach aus Münster-Hiltrup! Und bald wird es die ganze Welt erfahren!
George wirft dem Strandbarchef einen Scheck vor die Füße, um mich freizukaufen. Auf Händen trägt er mich vom Strand in seine Luxussuite, wo bereits eine Visagistin, Udo Waltz und Wolfgang Joop auf mich warten. In null Komma nix bin ich perfekt gestylt und trage ein weißes, enges, langes Kleid, in welches ich mich nicht etwa hineinquetschen muss, sondern sanft hineingleite wie in einen Handschuh. Der Reißverschluss schließt sich wie von selbst, ohne dass ich mich dafür hinlegen und den Erstickungstod riskieren muss.
Udo Waltz steckt mir einen Schleier ins Haar. Obwohl er mich anlächelt, kann ich den Neid in seinen Augen sehen. Ich schenke ihm ein gönnerhaftes »Tja!« und zucke ladylike mit den Schultern. »Natürlich weiß ich, dass du meinen Bräutigam gerne selbst geheiratet hättest, Udo – aber man kann nicht alles haben im Leben.«
»Außer wenn man du ist«, sagt Udo ehrfurchtsvoll. Recht hat er!
In diesem Moment kommt George in den Raum und stottert vor Begeisterung, als er mich sieht. »Du … du … du bist … umwerfend!« Dass einem so gestandenen Mann wie George Clooney jemals wegen mir die Worte fehlen würden, hätte ich im Leben nicht gedacht! »Ich liebe dich, Isa, und ich habe dich vom ersten Moment an geliebt.«
In mir breitet sich das wunderschöne Gefühl aus, das man Liebe nennt. So unauffällig wie möglich huste ich einen kleinen Brocken in ein Taschentuch: das Stückchen Gefühlskälte, welches Tom mir hinterlassen hat. Ich lasse das Tempo zu Boden fallen und zerquetsche seinen Inhalt unter meinem Manolo-Blahnik-Absatz.
Ich lache und schicke ein kleines Memo an mich selbst: »Diesen Tag unbedingt rot im Kalender anstreichen, denn es ist der glücklichste Tag in meinem Leben!«
George drückt sich von hinten an mich, umschlingt mich mit seinen Armen, ich spüre seinen warmen Atem im Nacken und höre, wie er sagt: »Isa, willst du … willst du meine …«
Ja! Frag es! Sag es!
»Willst du … Willst …«
Schrei es raus, George!
»Willst du meinen Laden ruinieren?«
Laden?
Ich drehe mich erschrocken um. George?
Wolf steht wutentbrannt vor mir. Sein Gesicht ist knallrot, und seine Augen sind blutunterlaufen. Ich schaue mich hektisch um. Wo ist George? Wo sind Udo, Wolfgang, und wo, verdammt noch mal, ist dieses irre Brautkleid?
»Guck dir das an, Isa! Das geht nie wieder raus!«
Ich schaue nach unten – und alles ist pink!
Pink?
Oh mein Gott!
Ich muss mich während meines Tagtraums durch das ganze Schaufenster gearbeitet haben und stehe nun in der Retro-Ecke. Hier bietet Wolf immer einen uralten »Film der Woche« an, den man als kostenlose Zugabe bekommt, wenn man mindestens drei hochpreisige Neuerscheinungen ausleiht. In der letzten Woche war es Pretty in Pink. Dazu hatte ich die DVD-Hüllen auf Eimern mit pinker Wandfarbe dekoriert, welche auf einer kleinen Leiter standen. Dagegen muss ich in meiner Verzückung gelaufen sein – und offensichtlich war bei einem Eimer der Deckel locker.
Shit!
»Mach das sofort weg!«, kreischt Wolf. »Aber schnell! Und hör endlich auf, so bekloppt in der Gegend rumzuschauen! Du träumst ja mit offenen Augen! Das hier ist ein knallharter Job, Isa!«
Weichei! Wenn er selbst so knallhart wäre, würde er diesen Scheißjob doch selber erledigen.
»Wenn ich erst mal mit George Clooney verheiratet bin«, murmele ich wütend.
»Hast? Du? Was? Gesagt?«, schnauzt Wolf mich an. Sein Blick verrät mir, dass ich lieber meine Klappe halten sollte.
»Nichts, schon okay«, sage ich und strecke ihm, während er davonstolziert, die Zunge heraus.
Nach zwei Stunden Schrubberei ist der Teppich im Schaufenster wieder blau. Ich dafür pink. Dabei ist Pink so gar nicht meine Farbe. Vor Jahren habe ich mal eine Typberatung machen lassen, und da war Pink als absolutes No-Go angekreuzt. Es macht meinen Teint viel zu blass und meine dunkelblonden Haare viel zu langweilig. Pretty in Pink? Ich würde eher sagen, dass ich ausschaue wie Piggy in Pink. Ich bin froh, dass George Clooney mich so nicht sehen kann. Es würde ihm die Tränen in die Augen treiben.
Meine relativ gute Laune von heute Morgen neigt sich langsam, aber sicher dem Ende zu. Warum versaut Arbeit einem eigentlich den ganzen Tag?
»Wenn du fertig bist, kannst du gehen!«, mosert Wolf.
Ich sehe ihn erstaunt an. »Aber … ich muss doch eigentlich noch drei Stunden …«
»So wie du aussiehst? Du willst mich wohl verhohnepipeln, was?« Wolf könnte sich ruhig mal ein wenig vom George-Clooney-Charme abgucken. Ich versuche, mir Wolfs Bart wegzudenken. Aber es will mir weiß Gott nicht gelingen.
»Geh nach Hause!«
Ui! Das hat Wolf wirklich noch nie zu mir gesagt. Ein unverhofft halbfreier Tag? Fein!
»Und die Stunden wirst du nacharbeiten, das ist ja wohl klar!« Mist.
Ich klemme mir meine Tasche unter den Arm, rufe Wolf ein ironisches »Ich wünsche dir auch noch einen superschönen Abend« zu und stürme aus dem Laden, bevor mich eine DVD-Hülle am Hinterkopf treffen kann. Aber okay, das würde er nie tun. Wolf ist cholerisch, aber zum Glück nicht gewalttätig. Auch wenn er die kleine Isa-Seele manchmal ganz schön beansprucht.
Vor der Tür stoße ich mit einem unserer Stammkunden zusammen, einem eher nichtssagenden Typen, der sich seit einiger Zeit mindestens fünfmal die Woche DVDs bei uns ausleiht.
»Oh, sorry«, entschuldige ich mich, »ich habe Sie nicht gesehen, Herr Schröder.« Wolf besteht darauf, dass wir alle Kunden siezen, und ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, obwohl mein Gegenüber und ich in etwa gleich alt sein dürften.
»Möller.«
»Was?«
»Mein Name ist nicht Schröder, sondern Möller.« Er schaut mich von oben bis unten an und grinst. »Hübsche Farbe. Steht Ihnen aber so gar nicht! Macht Ihren Teint irgendwie ein bisschen blass.«
Der Typ kennt sich aus. Und obwohl seine Feststellung ja fast eine Beleidigung ist, lache ich. »Da haben Sie recht. Ich habe es erst mit Lilafurzgeblümt versucht, aber Sie wissen ja, dass man das unter der Woche nicht tragen kann«, frotzele ich zurück.
Er grinst mich an – und reißt seine Jacke auf. Ich bin so perplex, dass ich einen Schritt zurücktrete: Ist dieser Typ ein Exhibitionist? Dann aber sehe ich, dass er ein neongrünes T-Shirt trägt, auf dem steht: Farbe ist auch nicht mehr das, was sie mal war!
Er grinst mich an.
»Tja, also …«, sage ich irritiert. Sind diese T-Shirts nicht schon seit dem letzten Jahrhundert völlig out? »Also dann, schönen Tag noch, Herr Meier.«
»Möller.«
»Äh, ja. Natürlich. Herr Möller. Schönen Tag. Beehren Sie uns bald wieder.« Mit rotem Kopf drücke ich mich an ihm vorbei. Mann, ist das peinlich. Und ich möchte lieber nicht darüber nachdenken, wie Rot und Pink zusammen aussehen. Das beißt sich doch total.
Als ich zu meinem Auto komme, das um die Ecke geparkt ist, haben meine Wangen zum Glück wieder ihre normale Farbe angenommen. Was für ein Tag! Der muss unbedingt besser beendet werden, als er begonnen hat. Also krame ich mein Handy aus der Tasche und schicke Pia eine SMS:
Restaurierungsabend! Heute! Bei mir um 20 Uhr?
Das ist genau das, was ich heute brauche: einen Abend mit meiner besten Freundin und einer kleinen – oder nicht ganz so kleinen – Auswahl »Ich-halte-dich-jung«-Produkten aus unseren Badezimmerschränken. Dazu ein Fläschchen Rotwein. Oder zwei.
Pias positive Antwort erreicht mich binnen Sekunden. Ich fahre noch schnell in den kleinen Weinladen an der Ecke und besorge uns was richtig Nettes, Süffiges. Da Pia, im Gegensatz zu mir, wahnsinnig pünktlich ist, wird sie garantiert um Punkt 20 Uhr auf meiner Matte stehen. Und obwohl ich es nicht weit nach Hause habe, muss ich mich sputen, denn es wird sicher etwas länger dauern, bis ich mich entpinkt habe.
Zu Hause stopfe ich die dreckigen Klamotten in die Waschmaschine und springe unter die Dusche. Ich metamorphiere von Pink zu zartem Rosa und fühle mich dank meines Lieblingsduschgels wie ein duftender süßer Pfirsich.
Ein Pfirsich mit leichten Dellen an den Beinen.
Hallo, rufe ich mich selbst zur Ordnung, LEICHTE Dellen! Über die muss ich mir wirklich keine Gedanken machen. Cellulite ist doch eigentlich überhaupt nicht erwähnenswert. Zumindest nicht, wenn man sie hat.
Nach dem ausgiebigen Duschbad hülle ich mich in meinen Wohlfühl-Bademantel. Er ist schneeweiß, kuschelig warm und riecht nach meinem Lieblingsparfüm. Wenn es nach mir ginge, würde ich sogar mit ihm auf die Straße gehen, denn er ist meine absolute Nummer 1 in Sachen »Ich-fühl-mich-wie-ein-Baby-in-Mamas-Schoß«-Klamotten.
Ich schnuppere am Kragen des Bademantels und bilde mir mit einem leichten Schaudern ein, dass er auch immer noch ein bisschen nach Tom riecht. Was natürlich nicht sein kann, denn seit unserer Trennung habe ich den Bademantel zigmal gewaschen. Aber das ist wieder so eine Ungerechtigkeit des Lebens: Oft verfliegt das Parfüm, nach dem man den ganzen Tag duften möchte, schon nach wenigen Stunden – während ein Duft, an den man sich nur ungern erinnert, erstaunlich hartnäckig ist.
Die Erinnerung daran, dass Tom mir den Bademantel zu meinem dreiunddreißigsten Geburtstag geschenkt hat, verdränge ich geflissentlich. Dafür kann mein Kuschelmantel ja nichts. Und wer braucht schon Erinnerungen an schöne, längst vergangene Zeiten, die in der Gegenwart nur noch weh tun? Ich! Sicher! Nicht!
Ich straffe den Gürtel um meine nicht ganz so schmalen Hüften und schlüpfe in meine Pantoffeln, diese weichen, rosafarbenen Dinger mit Herzchenemblem, die ich vor ein paar Monaten in meinem Lieblingsschuhladen entdeckt habe. Dann setze ich mich auf meine Küchenfensterbank und atme behaglich aus. Das wäre geschafft. Nun muss nur noch Pia kommen, und dann kann der schöne Teil des Tages beginnen.
Piep, piep. SMS von Sascha!
Können wir nicht noch mal reden? Heute Abend?
»Och nee, bitte nicht«, murmele ich. »Sascha, fang doch endlich an, es zu kapieren.« Die Ignorier-Taktik zieht bei ihm offenbar nicht. Also muss ich wohl oder übel zu härteren Maßnahmen greifen. Also schreibe ich ihm:
Nein, tut mir leid. Es gibt nichts zu reden. Du bist ein feiner Kerl, aber ich will nichts von dir. Mach’s gut!
Ich würde das gerne so herzlos empfinden, wie es klingt, aber das schaffe ich leider nicht. Ich bin nicht in Sascha verliebt. Will ich auch gar nicht sein. Mich interessiert sein McJoy, nicht der Rest seines Lebens. Aber es tut mir schon leid, dass ich ihn so abservieren muss, und wünschte, er würde es endlich verstehen. »Du machst zwar immer einen auf toughe Frau«, hat mich Pia gestern deswegen aufgezogen, »aber mach dir nichts vor: Du hast ein Herz aus Gold, ob du willst oder nicht.« Wahrscheinlich hat sie recht. Aber manchmal hätte ich doch lieber ein Herz aus Stahlbeton.
Kennengelernt habe ich Pia vor ungefähr fünf Jahren. Meine damalige Fingernagelstylistin war in eine andere Stadt gezogen und hatte mich einfach so mutterseelenallein mit meinen bald recht abgefressen aussehenden Nägeln zurückgelassen. Ich stand kurz vor einer unheilbaren Depression, als mir eines Tages aus dem hiesigen Stadtanzeiger Pias Anzeige entgegensprang:
F I N G E R N A G E L D E P R E S S I O N ?
Das muss nicht sein!
Pia hilft –
der mobile Maniküreservice!
Natürlich habe ich sofort angerufen und einen Eiltermin mit ihr gemacht. Zwei Stunden später stand Pia vor meiner Tür. Man könnte fast sagen, es war »Liebe auf den ersten Fingernagel«. Ich glaube, in dem Moment, als Pia mir die künstlichen Nägel aufklebte, klebte sie sich selbst direkt in mein Leben. Wir verstanden uns auf Anhieb und passten zusammen wie Pat und Patachon, Bonnie und Clyde, A-Hörnchen und B-Hörnchen, Dick und Doof … obwohl, die Letztgenannten sind nun wirklich kein charmanter Vergleich für uns.
Pia und ich sind beste Freundinnen, aber das bedeutet nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Wir streiten uns sogar manchmal, auch wenn wir nie lange aufeinander böse sein können. Als wir uns kennenlernten, war es so, als würde man sich zum ersten Mal im Leben zunächst ein Stück Vollmilchschokolade in den Mund stecken und dann auf die glorreiche Idee kommen, gleich zwei Paprikachips nachzuschieben. Und auf einmal merkt man, dass genau das eine wunderbare Verbindung ergibt, die man nicht mehr missen möchte. Ja, genau so muss es sein. Ich bin übrigens die Schokolade, und Pia ist der Paprikachip.
Klopf, klopf – klopf, klopf – klopf, klopf, kloooopf.
Das ist sie! Pia klopft immer die Melodie von Knockin’ on Heaven’s Door an meine Tür, damit ich direkt weiß, wer da zu mir will. Denn ansonsten könnte auch Frau Mattheuser vor mir stehen, meine alte, neugierige Nachbarin, die es doch tatsächlich mal gebracht hat, hier mitten in der Nacht wie verrückt zu klopfen. Als ich aufmachte, wollte sie wissen: »Ist alles in Ordnung bei Ihnen? Ich habe ein so fürchterliches Stöhnen aus Ihrer Wohnung gehört und dachte, ich schau mal lieber nach! Da ist doch vorhin ein Mann in Ihre Wohnung gegangen. Wollte er Sie umbringen?«
Nun, natürlich hatte ich zuvor nicht gestöhnt, weil mir irgendwas weh tat oder mir jemand ein Messer an den Hals hielt. Ich hatte lediglich Besuch von Sascha. Und hey, welchen Grund sollte es da schon geben, wenn man stöhnt?
»Bei mir ist alles in bester Ordnung«, versuchte ich, sie abzuwimmeln.
»Sind Sie sicher, Kind? Soll ich nicht lieber mit reinkommen?«
Wollte Frau Mattheuser (geschätzte hundertfünfundsiebzig Jahre alt) sich vielleicht auf die Couch setzen und uns zuschauen? Ich glaube, manchmal unterschätzt man alte Menschen, weil man meint, sie hätten doch sowieso keinen Sex mehr. Aber wer weiß … vielleicht ist Frau Mattheuser trotz der akkuraten Blüschen und grauen Röcke ein ganz scharfes Luder, arbeitet tagsüber nebenbei in einer Telefonsexagentur, schmeißt sich abends als Domina in Lack und Leder und tut immer nur so gesittet …
Lachend reiße ich die Tür auf.
»Lass mich vorbei, mir fällt gleich alles runter«, stöhnt Pia hektisch und drängelt sich an mir vorbei ins Wohnzimmer. Sie ist voll bepackt mit diversen Flaschen, Dosen, Tuben und hat alles zwischen Arm, Schulter, Busen und Kinn geklemmt. Ich frage mich, wie sie es geschafft hat, dennoch zu klopfen.
Übrigens spielt das Klopfen zwischen Pia und mir eine große Rolle. Nicht umsonst nennen wir uns manchmal scherzeshalber the crazy Knocking-Ladies.
Pia wohnt seit zwei Jahren in der Wohnung genau über mir. Das hat nicht nur einen praktischen, sondern auch einen finanziellen Aspekt: Seitdem wir unter dem gleichen Dach wohnen, wundert sich die Telefongesellschaft sicher über unsere plötzlich so niedrigen Rechnungen.
Während wir früher stundenlang, nächtelang, wochenlang am Stück miteinander telefonierten, so reicht es jetzt, dass Pia über mir einmal mit dem Fuß auf den Boden stampft, wenn sie mit mir reden möchte; wenn ich Pia dringend brauche, klopfe ich mit dem Stiel meines Wischmopps gegen die Decke.
Dann gehe ich entweder zu ihr rauf, oder aber sie kommt zu mir runter; nicht selten treffen wir uns im Treppenhaus und beschließen dann spontan, in welche Wohnung wir zum Quatschen gehen. Am Anfang haben wir ein paar Mal den Fehler gemacht, direkt vor Ort und Stelle loszureden – aber auf wundersame Weise tauchte dann immer Frau Mattheuser auf, und die gehen unsere Geschichten nun wirklich nichts an.
Das Klopfen ist aber auch eine Möglichkeit, ein wenig aufeinander aufzupassen. Wenn ich Männerbesuch habe, so gebe ich zwischendurch immer mal zwei kurze Wischmopp-Klopfer ab, um zu vermelden, dass alles okay ist. Während wir früher mit unseren Erfahrungsberichten bis zum nächsten Tag warten mussten, so können wir uns jetzt auch mitten in der Nacht schon drüber »unterhalten«, wie der Kerl im Bett ist.
Einmal kurz klopfen bedeutet, dass wir reden müssen. Zweimal kurz heißt, es ist alles in Ordnung. Bei dreimal klopfen lassen wir den anderen wissen, dass er so lala war und wohl nicht noch ein zweites Mal kommen wird. Wenn wir aber viermal klopfen, so heißt das: Ich habe den wahren Sex-Gott getroffen, und wenn ich ihn nicht so ausgepowert hätte, würde ich ihn dir gerne vorbeischicken.
Als Sascha zum ersten Mal bei mir zum Einsatz kam, war ich so begeistert, dass ich mich natürlich unbedingt in die Küche stehlen musste – wo er mich nach drei Mal Klopfen leider erwischte.
»Was um Himmels willen machst du hier mitten in der Nacht?«
Ich lief rot an und begann, nach einer Ausrede zu suchen. »Ähm, die Nachbarin von oben hatte die Musik so laut, und ich konnte nicht schlafen.«
»Aber ich höre gar keine Musik!«, sagte er erstaunt.
»Na siehste, dann hat mein Klopfen ja schon was gebracht«, antwortete ich grinsend und drückte mich an ihm vorbei ins Bad. »Und du, mein Lieber, gehst jetzt direkt wieder ins Schlafzimmer – ich bin sofort wieder bei dir für die nächste Runde.« Das musste ich ihm zum Glück nicht zweimal sagen. Und da die drei Klopfer für seine Leistung nun wirklich nicht ausreichend waren, hastete ich dann doch noch einmal schnell in die Küche zurück. »Jetzt erdreistet sich die dumme Kuh auch noch, zurückzuklopfen, ha!«, rief ich in Richtung Schlafzimmer, schnappte mir den Wischmopp und donnerte schnell vier Mal gegen die Decke. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, mit was für einem breiten Grinsen Pia nun sicher im Bett lag.
»Und? Wie schaut’s aus?«, fragt meine beste Freundin eine halbe Stunde später, nachdem sie es sich im Schneidersitz auf der Couch gemütlich gemacht hat und an ihrem Handtuch auf dem Kopf rumfriemelt. Zum Auftakt des Abends haben wir uns erst einmal eine Haarkur gegönnt, die nun einzieht. »Gibt’s irgendwas Neues an der Männerfront?«
Ich verziehe das Gesicht, während ich in die Küche gehe und uns zwei Cappuccino mache.
»Was soll es schon Neues geben?«, frage ich, während ich die beiden Tassen ins Wohnzimmer jongliere. »Das mit Sascha ist vorbei, weißt du doch.«
Pia schüttelt ihren Turbankopf. »Ach, Isa, ob das wirklich die beste Entscheidung war …«
»Hey, es war vereinbart, dass wir lediglich Sex haben wollten. Und dann kommt er auf einmal mit der Ich-habe-mich-in-dich-verliebt-Masche um die Ecke! Wer, bitte schön, braucht denn so was? Ich will Spaß und keine Probleme!«
»Aber süß war er doch schon, oder?« Pia schnappt sich eine Nougatpraline aus der Leonardo-Glasschale, die – stets gut gefüllt – schon seit Jahren zum festen Inventar meiner Wohnung gehört. Auch so ein Überbleibsel von Tom.
»Süß ist Schokolade auch! Aber sie nervt nicht, verliebt sich nicht in einen und bricht einem auch nicht das Herz«, predige ich wie ein Pfarrer von seiner Kanzel.
»Ja schon«, beginnt Pia, »aber Männer …«
»Männer sind doch alle gleich. Erst machen sie einen auf unschuldig und lieb und treu, aber sobald sie dann die Möglichkeit haben, noch eine andere Frau zu beglücken, ist es aus mit dem Treue-Gedanken. Da wird dann nur noch auf ein einziges Körperteil gehört – und das befindet sich definitiv nicht im Kopf!« Ich weiß schließlich, wovon ich rede: Kaum kam diese neue Praktikantin in seine Firma, hat Tom sich von ihr um den kleinen Finger wickeln lassen. Sie ist übrigens ganze zehn Jahre jünger als er! Na ja, zumindest hat er das Klischee erfüllt, dass Männer auf jüngere Frauen stehen. Und auf Praktikantinnen. Grausam, echt! Und dann heißt sie auch noch Chantaaaal. Mir wird schon übel, wenn ich den Namen höre, denn um ihn so richtig schön französisch klingen zu lassen, muss man beim »l« die Zungenspitze an den Gaumen pressen. Und zwar ganz vorne hinter die Schneidezähne. Und genau das erzeugt bei mir nun mal einen Würgereiz. So rein anatomisch gesehen. Da kann ich nichts für. Ehrlich nicht!
»Und Sascha hat sich deine Abfuhr einfach so gefallen lassen?« Pia rührt sich drei Teelöffel Zucker in ihren Cappuccino. Ich frage mich, wo sie nur all die Kalorien lässt, die sie sich zuführt, denn in ihrem Körper angekommen, scheinen sie sich direkt in Luft aufzulösen.
Ich hingegen lasse zwei Stück Süßstoff in meinen Cappuccino mit dem nahezu fettfreien Milchschaum fallen … und beiße dann umso lustvoller in eine Buttercreme-Praline. Man muss nun mal das Gleichgewicht bewahren. Und das in jeder Lebenssituation.
»Ihm bleibt wohl nichts anderes übrig. Er schreibt mir zwar jeden Tag ein paar Sehnsuchts-SMS, aber irgendwann wird er es schon verstehen. Es gibt nun mal Regeln. Und wer sich nicht an sie hält, fliegt raus! Ich lass mich von den Kerlen nicht mehr verletzen. Da kann kommen, wer will! Sex ja, Herzschmerzgedöns: never ever. So!« Ein wenig komisch ist es ja schon, mich selbst so knallhart reden zu hören. Aber auch, wenn ganz tief drinnen in mir die romantische Ader brodelt und für den richtigen Mann sicher nur zu gerne wieder nach außen dringen würde, bleibe ich hart.
Obwohl ich zugeben muss, dass es manchmal schon nicht übel wäre, die berühmte starke Schulter zum Anlehnen zu haben. Aber wenn diese Gedanken versuchen, an die Oberfläche zu kommen, verdränge ich sie schneller, als ein Formel-1-Fahrer fahren kann. Denn starke Schultern können Isa-erfahrungsgemäß nicht nur schön zum Anlehnen sein, sondern vor allem auch verdammt kalt.
»Ich meine ja nur …«, fängt Pia schon wieder an.
»Ach komm, was soll das denn jetzt? Du weißt doch besser als jede andere, wie es ist, wenn man das Herz gebrochen bekommt.«
Pia hat ihren Ex-Mann vor ein paar Jahren ebenfalls beim Fremdgehen erwischt. In dem Fitnesscenter, in das er fünfmal die Woche trainieren ging. Dass das Trainieren darin bestand, dass er keine Gewichte stemmte, sondern sich dem McJoy von einem der Trainer widmete, hätte sie nie für möglich gehalten, wenn sie es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. Und während ihr Ex-Mann Bernd inzwischen mit Karlheinz verheiratet ist, singelt Pia sich durchs Leben und nimmt sich regelmäßig einen Mann für die Nacht mit nach Hause. Oder besser gesagt: für eine halbe. Denn bis zum Frühstück dürfen die Gelegenheitslover auch bei ihr nicht bleiben. Da haben wir viel gemeinsam.
Eine Bekannte hat uns mal mit hochgezogenen Augenbrauen gefragt, ob wir uns nicht manchmal wie Schlampen vorkommen, wenn wir so offensiv auf Männerfang gehen. Ich wollte dann von ihr wissen, ob sie glaubte, dass ihr Freund das auch zu einem Kumpel sagen würde. »Wohl kaum«, sagte sie, »aber das ist doch auch etwas anderes.«
»Wohl kaum«, gab Pia daraufhin einfach nur zurück.
Ja, wir mögen Sex. Aber wir wollen weder Gefahr laufen, uns das Herz brechen zu lassen, noch sind wir bereit, stundenlang drum herumzureden, um an unser Ziel zu gelangen. Dass Frauen unbedingt darauf erpicht sind, erobert zu werden, ist doch auch nur so ein Klischee. Natürlich ist es schön, wenn man umgarnt wird und wenn man merkt, dass der Mann sich so richtig Mühe gibt. Aber letztendlich wollen wir doch alle das Gleiche. Warum also so viel Zeit verschwenden? Basta!
»Es ist aber auch ätzend, was die Männer heutzutage für Probleme haben«, grummelt Pia vor sich hin. Ich greife ein Toffifee aus der Glasschale, schiebe es ihr blitzschnell in den Mund und lache: »Das, liebe Freundin, ist der Grund, warum Gott Schokolade erschaffen hat.« »Und Karamell!«, grinst Pia zurück.
»Und Heilerde-Masken!«
Nachdem wir uns gegenseitig den grauen Matsch, der uns schön machen wird, auf unsere Gesichter gestrichen haben, lackieren wir uns die Fingernägel.
Piep, piep.
War ja klar. Es kommt immer dann eine SMS, wenn man gerade keine Hand frei hat. Ich werfe einen Blick auf das Display meines Handys. SMS von Sascha steht dort.
Na, das hat Zeit, bis der Nagellack getrocknet ist. Ich werde mir doch wegen eines Kerls keine Macke in den Lack hauen. Vor allem werde ich ja sowieso nicht antworten, von daher ist es egal, ob ich die SMS jetzt schon lese oder erst in fünf Minuten.
Obwohl …
Neugierig bin ich ja schon irgendwie.
Ich beuge mein Gesicht Richtung Tisch und versuche, mit meiner Nasenspitze die »OK«-Taste zu betätigen. Pia schüttelt den Kopf. »Du bist verrückt.«
»Bin ich nicht! Nur neugierig.«
Nachdem ich ein paar Mal genau daneben geklickt habe, öffnet sich irgendwann das Fenster mit der SMS, und ich lese laut vor:
Ich habe noch nie eine Frau kennengelernt, die so ist wie du. Wir wollten uns beide nicht ineinander verlieben, aber ich kann doch nichts dazu, dass ich nun ständig von dir träume. Bitte überleg es dir noch einmal. Vielleicht verliebst du dich ja doch noch in mich. Und, hey: Glaubst du eigentlich, es gibt so viele Kerle, die es bei Bedarf viermal pro Nacht bringen *fg*?
»Viermal?« Pia hebt anerkennend eine Augenbraue. »Also, vielleicht solltest du mir mal seine Nummer geben …«
»Papperlapapp. Und vergiss nicht: Ich liebe Sascha zwar nicht, aber ich mag ihn – da werde ich ihn doch nicht einem wilden Tier wie dir zum Fraß vorwerfen!«
»Ich bin ein wildes Tier!«, grunzt Pia albern und fuchtelt mit ihren frisch lackierten Nägeln in der Luft, als wäre sie ein Monster. »Und ich habe Huuuuuunger!« Dann grinst sie breit. »Ich habe übrigens wirklich Hunger.«
War ja klar, dass dieser Satz irgendwann von ihr kommen musste. Denn wann hat sie eigentlich mal keinen Hunger? Als die Engel sie damals im Himmel fragten, was sie auf Erden werden wolle, hat sie sicher vergnügt gerufen: »Hungrig!« Und weil die Engel das so putzig fanden, haben sie es direkt so eingerichtet, dass sich Pias Wunsch erfüllen sollte – ohne dass sie allerdings jemals zunehmen würde.
Das ist die einzige Erklärung für ihre elfengleiche Figur. Und dabei ist sie genauso alt wie ich. Nein, stopp – sie ist sogar ein paar Monate älter als ich. Aber Pölsterchen auf den Hüften oder Cellulite? Fehlanzeige.
Neidvoll begutachte ich Pia. Ihre lange blonde Mähne versteckt sich zwar gerade unter dem Turban, aber ihre 90–60–90-Maße kann man unter ihrem Jogginganzug sehr gut erahnen. Zugegeben, eigentlich tendieren Pias Maße eher in die Richtung 85–70–92, aber wer will schon kleinlich sein, zumal ich selber von diesen Abmessungen zentimeterweit entfernt bin. Was würde ich dafür geben, einmal im Leben so auszuschauen? Wenn wir uns, so wie jetzt, gemütlich auf der Couch lümmeln, komme ich mir neben Pia manchmal wie ein gestrandeter Wal vor. Ein netter kleiner Wal, ja, aber eben keine Nixe.
Wobei: Können Wale eigentlich Cellulite bekommen? Ich schon. Wenn ich mich kritisch unter die Lupe nehme, habe ich fast das Gefühl, dass mein ganzer Körper von einer leichten (!) Orangenhaut überzogen ist. Außer vielleicht am Ohrläppchen.
Na ja, vielleicht übertreibe ich ein wenig. Aber trotzdem. Schön ist das nicht. Ehrlich nicht.
Manchmal glaube ich, dass sich die kleinen Engel damals bei Pia einfach verausgabt haben. Und als es dann darum ging, mich zur Erde zu schicken, haben sie zwar beschlossen, mir auch ein Abo auf ewigen Hunger mit auf den Weg zu geben, konnten sich aber nicht mehr dazu aufraffen, das Zunehm-Abo abzubestellen. Und so kämpfe ich ständig gegen die Kilos. Kaum sind sie weg, kommen sie schon wieder.
Das Leben ist einfach hart und ungerecht. Warum sonst sollte es so schwer sein, überflüssige Pfunde zu verlieren, während sich ganz und gar nicht überflüssige Männer wie Tom in Sekundenbruchteilen verabschieden können?
Sport könnte natürlich sowohl gegen das ein oder andere Trennkost-à-la-Isa-Kilo und gegen die leichten Dellen helfen. Ich bin an sich ja auch sehr sportlich! Zumindest wäre ich es, wenn ich den richtigen Sport für mich finden würde. Eigentlich stelle ich gar nicht so hohe Ansprüche an den Sport. Er sollte nur drei Dinge können: Mich nicht zum Schwitzen bringen, mich nicht außer Atem kommen lassen und mich durchtrainiert aussehen lassen.
Solange ich keinen Sport gefunden habe, der mir all dies bieten kann, bleibe ich eben Kopfsportlerin.
Isa, bist du eigentlich sportlich?, könnte mich irgendwann mal jemand fragen. Und dann könnte ich antworten: Ja, sehr! Aber mehr so intern!
»Worauf hast du denn Appetit? Ich habe gerade nicht sehr viel im Haus«, frage ich.
Gerade nicht sehr viel im Haus ist eigentlich untertrieben, denn ich gestehe, dass ich keine Super-Hausfrau bin, die den Kühlschrank immer proppevoll hat, um jedem Überraschungsgast gleich ein Fünf-Gänge-Menü auftischen zu können.
»Wie wär’s mit …« Pia tut so, als würde sie angestrengt nachdenken. »… Pizza?«, fragt sie dann lachend.
»Stimmt. Hatten wir ewig nicht!«, antworte ich amüsiert.
Das letzte Wochenende ist schließlich schon viel zu lange her, und Pizza ist immerhin nahrhaft und gesund! Vor allem, wenn man eine Vierjahreszeiten-Pizza nimmt, denn da ist total viel Gemüse drauf. Als Ausgleich zu den Kalorien der Salami und des Kochschinkens. So fürs Gewissen. Das Fett der Wurst wird quasi durch das Gemüse wieder relativiert, und das Ganze wird mit einem Hauch von Käse überzogen, der wiederum die Kalorien selber aufisst, um sie uns zu ersparen. Käse ist ganz schön clever! Vor allem, wenn er heiß und zerlaufen ist.
Okay, es darf auch mal ein bisschen mehr Käse sein. Aber nie, nie, nie sollte man um eine doppelte Portion bitten. Was zu viel ist, ist zu viel. Außer in Ausnahmesituationen, versteht sich.
Nebenbei bemerkt: Warum sollte man sich für eine Geschmacksrichtung entscheiden, wenn man gleich vier auf einmal haben kann?
»Okay, zweimal Isa wie immer?«, frage ich, während ich in die Küche gehe, um den Flyer von der Pinnwand zu nehmen. Obwohl ich die Nummer dieser Pizza sogar schon rückwärts pupsen könnte, schaue ich mir den Flyer immer wieder gerne an. Manchmal gehe ich dann tatsächlich noch einmal alle neunundvierzig Pizzasorten durch und überlege, mal etwas anderes zu nehmen. Doch letztendlich bleibe ich immer wieder an meiner Nr. 21 hängen. Pizza Quattro Stagioni Isa. Benannt nach – und jetzt kommt’s – mir! Weil ich die Pizza schon so viele Jahre immer wieder bestelle, hat Luigi, der Pizzabäcker meines Vertrauens, sie bei der Neuauflage seines Flyers umbenannt und mir dieses Geschenk zu meinem dreißigsten Geburtstag gemacht. Ich habe meine eigene Pizza! Andere Menschen haben nicht einmal eine eigene Meinung.
»Na logo, was sonst?«, höre ich Pia aus dem Wohnzimmer rufen.
Ich lache und merke, dass Teile meiner mittlerweile hart gewordenen Gesichtsmaske auf mein doch sehr ausgeprägtes Dekolleté rieseln und im Nirwana zwischen meinen Brüsten verschwinden. Ich muss noch mehr grinsen, als ich mich frage, wie viele Männer jetzt wohl gerade gerne meine Gesichtsmaske wären.
»Pizzeria Grande Italia, gute Abende«, höre ich die vertraute Stimme nach dem zweiten Freizeichen.
»Hallo Luigi, Isa hier!«
»Aaaaah, meine über alles geliebte Isa! Wie gehte es dire?«
»Gut – aber wir haben Hunger. Du kennst uns ja inzwischen«, antworte ich lachend.
»Zwei Quattro Stagioni wie immer? Isa für Isa?«, italienert Luigi in den Hörer.
Pia kommt aus dem Wohnzimmer angeschlichen und flüstert: »Sag Luigi bitte, er soll den jungen knackigen Typen schicken und nicht den älteren mit den Haaren in der Nase«, während sie schelmisch lacht und im Bad verschwindet, mit ihren Händen auf das Handtuch an ihrem Kopf zeigend.
»Ja genau. Wie immer. Ähm, sag mal, Luigi, wie heißt noch mal dein neuer Fahrer?«
Der Kerl sieht wirklich lecker aus. Auch wenn er beim letzten Mal ein paar schlüpfrige Bemerkungen gemacht hat, die mir eigentlich nicht so gut gefallen haben. Zumindest war ich ein wenig perplex. Und das will was heißen.
»Diese junggee Manne?«
»Ja genau. So ein großer, dunkler Typ mit dem tollen Lachen!«
Inzwischen bin ich mit dem Hörer in der Hand Pia ins Bad gefolgt und zwinkere ihr zu.
»Isse Paolo. Isse gerade unterweges, aber wenn er wieder hier iste, schicke ich ihn direkte zu euch Ladys.«
Strahlend lege ich auf. Hach, ist doch toll, wenn man eine superleckere Pizza erwartet und diese dann auch noch von einem knackigen jungen Mann geliefert wird.
»Er kommt«, grinse ich Pia an. »Ob man den nicht vielleicht gleich als Nachtisch …?«
»Schäm dich!« Sie wackelt streng mit dem Finger vor meiner Nase herum. »Wir sind ja schließlich nicht auf Männer angewiesen, um einen schönen Abend zu haben.«
»Äh … nicht?«
»Isa!«
»Na ja, vielleicht sind wir es ja doch irgendwie. Ich meine, mal angenommen, ich hätte heute Abend Lust, nach der Pizza einen Mann zu vernaschen. Was dann? Es ist ja gerade niemand hier. Sascha ist bereits abserviert, und ein Neuer ist doch so schnell nicht zu kriegen. Und hättest du jetzt noch Lust, dich aufzubrezeln und auf die Piste zu gehen?«
Pia schüttelt den Kopf. »Ganz sicher nicht. Ich habe morgen um halb neun meinen ersten Termin!«
»Also könnte man sich doch vielleicht den netten Pizzafahrer gönnen, bevor man die Pizza zu sich nimmt. Sex macht schließlich hungrig, und wenn man sexelt, bevor man isst, hat man rein kalorienmäßig ja auch schon einiges auf Vorrat verbraucht sozusagen.«
»Du hast definitiv zu lange keinen Mann mehr gehabt, wenn du solche Argumentationen von dir gibst!« Pia fährt sich mit der Bürste durch die Haare. »Mein letzter One-Night-Stand ist allerdings auch gute drei Wochen her. Und du solltest das da«, sie deutet auf die Reste meiner Gesichtsmaske, »nun wirklich abwaschen, sonst bekommt der Pizzafahrer einen Herzinfarkt, wenn du die Tür aufmachst.« Während ich mir das Gesicht wasche, kommt mir ein Gedanke. »Jetzt aber mal ehrlich«, sage ich. »Wäre es nicht klasse, wenn es anstatt eines Pizza-Flyers einen Flyer mit leckeren Männern geben würde?«
»Hä? Wie jetzt?« Pia kann mir anscheinend nicht so ganz folgen.
»Na, stell dir doch mal vor, man könnte eine Nummer anrufen und sich einen Mann bestellen! Einfach so! Ohne dieses ganze Kennenlerngedöns!«
»Gibt es doch schon: Callboys!«
Okay, da hat sie recht.
»Mhh … aber sich einen Callboy nach Hause zu bestellen, hat doch auch immer diesen schmuddeligen Touch! Ich meine etwas viel … Seriöseres? Irgendwas, was vielleicht nicht jeder Frau zugänglich ist. Ein Geheimtipp sozusagen. Man ruft dort an, bestellt sich einen Mann für einen Abend oder vielleicht auch für eine ganze Nacht, und am nächsten Tag ist der Kerl verschwunden. Vor dem Frühstück, versteht sich! Und natürlich müsste man zwischen verschiedenen Männern wählen können.«
»Das nennt man immer noch Callboys, Isa. Und wenn du mehr Auswahl haben möchtest, dann brauchst du wahrscheinlich einen Männerpuff. Brrrr, allein schon das Wort!«, versucht Pia, mich auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Aber sie schafft es nicht, denn ich krame in der Phantasieecke meines Gehirns nach einer Fortsetzung dieser Idee.
Wir verlassen das Bad und fläzen uns auf die Couch, während ich mein Gesicht mit einer Feuchtigkeitscreme einreibe.
»Ich hab’s!«, rufe ich plötzlich. »Ein Männertaxi!«
Pia schaut mich erstaunt an. »Männertaxi?«
»Ja, stell dir vor, anstatt eines Pizzataxis würde es ein Männertaxi geben! Man ruft als Frau dort an, bestellt sich die Nr. 21, und schon bekommt man eine halbe Stunde später ein leckeres Kerlchen serviert. Frisch geduscht, frisch rasiert und extra scharf mit allem, was dazugehört.«
Bei der Nr. 21 muss ich natürlich an Christoph Metzelder denken, den Fußballspieler, der bei der WM2006 genau diese Nummer auf seinem Rücken trug. Ich bin die absolute Keine-Ahnung-Haberin, was Fußball angeht. Aber als damals Tom mit ein paar Freunden bei mir unbedingt die WM verfolgen wollte, konnte ich kein Spielverderber sein und habe mich dazugesetzt, um in einer Zeitschrift zu blättern. Irgendwann schrien alle »Oooooh« und »Aaaaaah«, und ich schaute auf den Bildschirm. Dort sah ich ihn dann: groß, schlank, dunkelhaarig. Unheimlich lange Fußballerbeine. Und unglaublich sexy. Also stimmte ich in das allgemeine »Oooooh« und »Aaaaaah« ein, wenn auch aus anderen Gründen.
»Wer ist das? Wer ist das?«, fragte ich aufgeregt und klebte mit der Nase am Bildschirm.
»Das ist Christoph Metzelder«, sagte Tom genervt, »und nun weg da!«
»Ich hol euch mal schnell ein paar Bier!«, behauptete ich, flitzte aber nicht in die Küche, sondern in mein Schlafzimmer und googelte nach dem besten Grund, zweimal fünfundvierzig Minuten fernzusehen.
Ich habe über vierzigtausend Fotos von ihm gefunden – und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich einen Großteil von ihnen auch angesehen habe. Auf manchen trug er einen Vollbart und erinnerte mich an Jesus. Das gefiel mir nun nicht. Aber es gab ihn auch frisch rasiert, und auf einigen Fotos hatte er diesen unbeschreiblichen Blick. Wenn ein Mann mich im wahren Leben so anschauen würde, wäre ich vermutlich sprachlos. Oder ich würde brüllen: »Nimm mich, benutz mich und wirf mich dann ruhig weg, Babe!«
Seitdem ist Christoph Metzelder neben George Clooney ein gerngesehener Hauptdarsteller in meinen Träumen. Ich stelle mir vor, wie ich nach einem wichtigen Spiel, bei dem er sämtliche entscheidenden Tore geschossen hat, im Whirlpool auf ihn warte. Erstaunlicherweise ist Christoph weder verschwitzt noch erschöpft, als er das Handtuch fallen lässt und …
»Hey, das hört sich jetzt aber mal interessant an!«, reißt Pia mich aus meinen Gedanken. »Und vor allem wäre es cool, wenn man jederzeit und von überall dort anrufen könnte. Denn jeder würde denken, dass man sich eine ganz normale Pizza bestellt.« Sie lacht. »Ach, herrlich – ich rufe von meiner letzten Kundin aus an, und wenn ich dann nach Hause komme, steht mein Feierabend-Verwöhner bereits vor der Tür!«
Ich stecke mir eine Nussnougatpraline in den Mund. »Verwöhnen ist ein gutes Stichwort. Ich finde aber, es sollte dabei nicht nur um Sex gehen. Man könnte auch gemeinsam …« Ich überlege. »Shoppen gehen!«, fällt mir dann ein. »Es wäre doch toll, wenn man jemanden dabeihätte, der nicht rumnörgelt, weil es mal wieder länger dauert als geplant, und der dann auch noch schön die Tüten nach Hause trägt. Und ein nettes Essen zu zweit in einem schönen Restaurant wäre auch klasse.«
