Märchen aus Samüdia - Hannes Königsecker - E-Book

Märchen aus Samüdia E-Book

Hannes Königsecker

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Beschreibung

Überlieferte Erzählungen aus dem Osten Österreichs. Zusammengetragen und Niedergeschrieben von Hannes Königsecker, dem Märchenerzähler aus der Thermenregion und der Umgebung Wiens. Es handelt sich um Märchen mit mytischem Hintergrund für Erwachsene. Es handelt sich nicht um Kindermärchen!

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Seitenzahl: 153

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Hannes Königsecker

Märchen aus Samüdia

Mytische Märchen für Erwachsene

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Märchen aus Samüdia - Einleitung

Anbeginn

Der Eisriese vom Maital

DER BÄRENKÖNIG

Bernstein und Granat (Das Geschenk des Fahrenden)

Der Grossauer Himmel

3 Tages Ehe Heiling Brunn

Die Falkenfee

Der Geistervogel

Traumschlaf

Die Kraft der Krähenschwingen

DIE TAUBE

Das Lied der Lerche

Der Wassermann vom Harzberg oder wie der Wein in unsere Gegend kam

Das weiße Reh

Die Geige

Der Starenzauber

Das Regenbogentor

Die Salbung

DER AMETHIST

Adlerdank

LOGAN’s GESCHENK

WOLFSMOND

ADLERMOND

STIERMOND

SPECHTMOND

REHMOND

HUCHENMOND

BÄRENMOND

RABENMOND

SCHLANGENMOND

SCHLANGENSTABTRÄGER

EULENMOND

GÄNSEMOND

OTTERMOND

Bruder Angst und Schwester Dummheit

EIN BITTEL VOM BESTEN

Das Geschenk der Liebe

Das Märchen vom freundlichen Lachen

Die Kräutersaliche vom Buchbach

DAS LICHTKREUTZ VOM MITTELPUNKT DER WELT

NEUSONNTAGSKINDER oder FELIX

Die Rote Fee

NORDFEE

Der weiße Stier

KELLERZAUBER

Die Teufelskirche zu Wetzlas

DER WEISSNEBEL

Die Weisraben

RABENBLUT

Gott und der Teufel

Die Gefolgschaft der schlafenden Wasser

Die Seherin vom großen See

Der heilige Baum von Tattendorf

Impressum neobooks

Märchen aus Samüdia - Einleitung

Samüdia ist wahrscheinlich eine Verballhornung eines uralten Wortes und soll soviel wie Mitterfeld oder Sommerfeld heißen und gemeint ist damit jener Landstrich den wir heute als Wiener Becken bezeichnen. Wäre der Name keltisch müsste es eigentlich Sampelsa heißen. Aber es ist nicht meine Absicht etwas wissenschaftlich zu erklären, ich möchte Sie viel eher auf das glatte, dünne Eis der Phantasie entführen und dazu verleiten ihre Augen zu schließen und sich aus ihrer Heimat alle Straßen, große Gebäude und sonstiges Moderne wegzudenken und vor Ihrem geistigen Auge eine Welt mit Steigen, Wegerln, Auwäldern, riesigen alten Bäumen, Schilf und Gstetten entstehen zu lassen in die sich kleine Dörfer und Weiler manchmal ängstlich ducken, manchmal protzig auf den Hügeln präsentieren. Pelsa das Wort für Feld bringt uns zu Pölla jener abgekommenen Siedlung südlich von Leobersdorf deren Name im Pöllakreuz überlebt hat und damit zum ersten Heiligen Ort, dem heilsamen Brunnen oder Heiling-Brunn wie die Leobersdorfer sagen. Der wahrscheinlich der Brunnen von Pölla war.

Meine Erklärungen sind sicher nicht die absolute Wahrheit, denn es gibt nur eine Wahrheit, aber unendlich viele Wirklichkeiten und ich möchte sie dazu verleiten über ihre eigene Wirklichkeit einmal nachzudenken.

Die Geschichten und Märchen sind Überlieferungen aus meiner Familie, die meisten kommen von meiner Urgroßmutter, Hebamme zu Leobersdorf und wurden von meiner Großmutter bzw. meiner Mutter weitererzählt.

Ich habe eine Zeit im nördlichen Weinviertel gelebt und dort regelmäßig Erzählungen am Staatzer Berg, in den Kellergassen, bei der alten Donau und in den Blumengärten Hirschstetten gemacht und die Geschichten an den jeweiligen Ort angepasst wie es wahrscheinlich schon unzählige Märchenerzähler vor mir schon getan haben.

Denn man merkt sich nur den Kern einer Geschichte und daraus baut man dann eine Erzählung. ganz nach Stimmung, Jahreszeit und der Runde wo man gerade erzählt, wird’s immer ein bisschen anders, also suchen sie ruhig nach den Wurzeln, nehmen sie daraus was für sie wichtig ist und machen sie daraus ihre eigene Geschichte oder Deutung so wie sie es wollen.

Aber jetzt ein Märchen zum lesen das gleich einmal zur Überlegung verleitet: Ist so eine Geschichte möglich wenn man nur die Kraft seines Geistes und nur seinen Blick in den nächtlichen Sternenhimmel, ohne Hilfsmittel zur Verfügung hat oder ist das Märchen möglicherweise gar nicht alt?

Wie gesagt ich überlasse es ihrer Phantasie

Anbeginn

Vor Anbeginn unserer Zeit war das Nichts in Form von zwei uferlosen, grundlosen Schwarzwasserseen in der unendlichen Zeitlosigkeit verloren. Der eine war aus flüssigen Eis der andere aus glühenden Wasser. Über diesen beiden Seen schlief Gott in der Gestalt von drei Schwestern den ewigen Schlaf der Zeitlosigkeit

Die Eine, die über dem flüssigen Eis schlief hieß Aura, die Herrin über die Wasser, die Wälder und den Winter, die über dem glühenden Wasser schlief hieß Kera, die Herrin über Feuer, die Steppe und den Sommer. Zwischen ihnen und zwischen den beiden Seen schlief Midra, die Trennende und Verbindende, Herrin über Frühjahr und Herbst, die Seele des Friedens.

Aus einer anderen oder einer längst zerflossenen Ewigkeit zog der schwache Hauch eines Traumwindes und berührte eine Wimper von Aura und die Schwester begann zu träumen. Mit jedem Traumbild wurde der Traumwind stärker, erhob sich und berührte die anderen Schwestern. Die Traumbilder von allen Dreien machten den Traumwind so stark, dass er über die Wasser strich und kleine Wellen in die Uferlosigkeit schickte. Als die Wellen so groß wurden, dass das erste Plätschern zu hören war erwachte Aura und weckte ihre Schwestern. Dies war der Augenblick in dem die erste Sekunde unserer Ewigkeit zu laufen begann.

Aura und Kera wollten sich umarmen, vor lauter Freude um den Hals fallen, jedoch Feuer und Eis hätten den Traumwind ins Chaos gestürzt. Erst als Midra sich aus ihrem Lager erhob und jede die Schwester umarmen konnten, waren sie imstande ihren Reigen zu beginnen. In Midras Lager jedoch begannen sich die beiden Schwarzwasserseen zu mischen und sich durch die Kraft des Reigens in einen gewaltigen tosenden Strudel zu vereinen.

Jede Luftblase darin bildete eine neue Welt, jede Schaumkrone eine Milchstraße. Je schneller die Schwestern tanzten desto mächtiger und gewaltiger wurde der Strudel und je mehr Welten bildeten sich. Eine Vielzahl von Welten und Sonnen ordneten sich zu Milchstraßen.

Ihre Anzahl ist genau bemessen, zähle die Sterne zu Mitsommer, nehme mal mit dem Laub des Herbstes, zähle die Tropfen des Regens seit den ersten Tagen und nehme nochmals mal, so hast du die genaue Zahl der Welten bis zum nächsten Regen.

Eine dieser Welten war unsere, die mit dem Mond viel zu schnell um die Sonne taumelte. Doch nun unterbrachen die drei Schwestern ihren Reigen, um ihre Traumbilder auszusenden die als Tiergeistwanderer die letzte Ordnung in das Weltgefüge brachten.

Auf unsere Welt kam der mächtige Stier, stellte seine vier Beine fest auf die Erde, nahm den Mond zwischen seine Hörner und hob ihn auf den richtigen Abstand. Dann bremste er den schnellen Lauf der Jahre und richtete das Jahr, das Monat und den Tag ein. Als unsere Welt nun so weit war, kamen die drei Schwestern in der Gestalt von drei Kranichen und tanzten rund um den Stier. Wo ihre Beine den Boden berührten wurde alles grün, noch nicht so wie das Grün das wir aus unserer Zeit kennen, sondern eher wie das Grün der Steine in den Bächen. Erst langsam wurde Mutter Erde weiblich und der Mond zu ihrem Mann.

Von nun an begann im Tau des Mondes und in den Tieden der Meere die Vielfalt des Lebens zu blühen und zu wachsen. So begann unsere Ewigkeit und wenn man einen Stier auf der Wiese sieht und Kraniche in seiner Nähe, so ist noch immer der Willen Gottes im Gewand der drei Schwestern zu spüren.

So jetzt wissen sie, dass es nicht um nette gute Nacht Geschichten geht. Wenn man sich darauf einlässt und darüber nachdenkt, können einem die Märchen doch aus unseren festgetretenen Pfaden stoßen und dazu verleiten ein Stück auf einem neuen Weg zu gehen.

Ich hatte einmal einen Psychiater bei einer meiner Erzählungen dabei, der danach gemeint hat: das sind wohl die Geschichten seiner Vorgänger die ganz einfach ein Märchen angeboten und die Zuhörer eingeladen haben ihren Weg darin zu finden.

Ich war damals sehr berührt von dieser Sichtweise und sie werden im Laufe dieses Buches merken, dass viele Geschichten sogar einen medizinischen Hintergrund haben beziehungsweise fast Gebrauchsanweisungen sind oder altes Leid erklären und helfen es zu verstehen.

Eine meiner Lieblingsgeschichten, wenn´s um medizinisches geht, ja fast schon ein Rezept mit samt der Gebrauchsanweisung. Die Pechsalbe um dies hier geht gab’s bis vor einigen Jahren in jeder Apotheke zu kaufen.

Der Eisriese vom Maital

Vor langer, langer Zeit, ein bisschen vor Gestern, ein wenig nach Heut da stand am Eingang des Vöslauer Maitals eine mächtige uralte Schwarzföhre unter deren Wurzeln ein Eisriese schlief, es war spät im Jahr und der Eisriese schlief schon schlecht und unruhig da der Winter, seine hohe Zeit vor der Tür stand und er bald seine Regentschaft der eisigen Ruhe antreten würde.

Da kamen, in den letzten warmen Tagen des Schlangenmondes zwei Kinder von der Gainfarner Steinplatte herunter und spielten und pritschelten im warmen Wasser und waren wie alle Kinder laut und ausgelassen.

Als ihm der Wirbel zu viel wurde fuhr der grantige, alte Herr aus seinem Wurzelheim aus und fauchte mit eisigem Hauch voller Unmut rund um das Tal und legte alles unter eine starre, knisternde Schicht Raureif.

Als er endlich mit seinem Wüten innehielt sah er wer ihm geweckt hatte; zwei Kinder standen verfroren mit steifen Fingern und blauen Wangen neben dem kleinen Teich und sahen angstvoll auf den Riesen.

Da schmolz sein warmes Herz, die kalte Schale und ließ alles wieder tauen und ins milde Licht der Herbstsonne getaucht stand die riesige Föhre auf einmal unter einem eigenen Zauber und der Riese wirkte nicht mehr wie ein fremdes Zauberwesen, sondern wie ein gütiger alter Mann.

Er ging zu der Föhre nahm eine Schale mit Schmalz ritzte die Rinde der Föhre und fing des Harz in der Schale auf, mischte es und gab noch etwas Liebstöckl dazu, verrührte es zu einer Salbe und sprach seinen Segen darüber.

Dann trug er die Salbe dick auf die Hände und die Wangen der Kinder und sagte zu ihnen: das macht’s jetzt drei Tag lang in der Früh, zu Mittag und am Abend und nicht sparen damit und kehrt um´d Hand ist´s glei wieder gut.

und so ist es bis heute geblieben bei verbrennten, dafrorenen, aufgschundenen, eitrichen und vernarbten. ……… ein bissl a Pechsalbe, nicht zuviel sparn und kehrt um´d Hand ist’s glei wieder gut.

Die Salbe war eine so milde Zug und Heilsalbe das sie sogar im Genitalbereich bei Abszessen und Verletzungen angewendet wurde. In der Tiermedizin und bei Kleinkinder war sie im Triestingtal weit verbreitet es gibt sie noch als Föhrenbalsam aber die fehlenden Zumischungen wie Liebstöckel machen sie nicht ganz so wirksam. Oder es ist mein fehlender Glaube an diese Mischung die die Wirksamkeit mindert?

Die Quellen von Bad Vöslau als heiliger Ort oder heilsamer Ort haben wir damit berührt und sie werden uns noch oft begegnen.

Bad Vöslau mit seinen Quellen und dem Kaiserstein oberhalb der Waldandacht wahrscheinlich der heiligste Platz der ganzen Umgebung mit einem weiblichen Symbol, der flachen Steinplatte mit einer Vertiefung dem Wendersitz auf dem Gipfel. ein Stück tiefer eine Kalknadel, dem Hagrixs was vermutlich soviel wie Hexen oder Heckenkönig (Hecke deswegen weil sie als Grenze galt und der Heckenkönig von einer Seite zur anderen wechseln konnte) und am Fuße der Kalknadel eine kleine Höhle. Alle alten Göttinnen waren hier vertreten. Vilbeth die Junge, die die Zukunft weist, Ambeth die Frau die das Leben segnet und Borbeth oder Both die Greisin die das Leben nimmt, aber es auch tausendfach entsendet die Gütige und Weise. Und dazu eine Geschichte aus den Anfängen unserer Zeit:

DER BÄRENKÖNIG

Vor langer Zeit ein bisschen vor gestern ein wenig nach heute da war ein wunderbares Land, das war gegen Sonnenuntergang von einer sanften, bewaldeten Bergkette begrenzt, auch gegen Mittag gab es solche Berge, nur bereits etwas höher und rauer, dazwischen jedoch gegen Südwesten leuchtete die erste trutzige Felsenburg mit schneeweißen Dach und schroffen steinernen Zinnen und ließ erahnen dass dahinter noch viel mächtigere Steinburgen das Land beherrschten. Gegen Sonnenaufgang trennte nur mehr ein kleiner Bergrücken das Land von den unendlichen Weiten des Ostens. Gegen Norden war ein mächtiger Strom die Grenze.

Das Land selbst war mit einem hellen lichten Wald bedeckt, in dem riesige Bäume wie die Säulen einer Gotischen Kathedrale standen. Ihre Äste bildeten das Kreuzrippengewölbe und ihr Laub war die Licht durchflutete Kuppel.

Eine Vielzahl der wunderbarsten Vogelstimmen erfüllte die Lichtungen des Waldes. Am frühen Morgen war die Lerche die Erste die ihre Stimme erhob, der Amselhahn war der Letzte der die untergehende Sonne begleitete bis die Stimmen der Nacht ihn ablösten. Der Schuhu ließ seinen schaurigen Ruf hören. Die Grillen und die Käuze begleiten ihn bis um Mitternacht, die Königin der Vogelstimmen, die Nachtigall sie alle übertönte und ihr Gesang anhielt bis das erste Licht des neuen Tages die Bühne wieder freimachte für die Lerche.

Licht durchflutet und hell, voller Lichtungen und durchzogen von vielen Bächen, genährt von unzähligen flachen Teichen und sauren Wiesen. So sah das Reich damals aus, über das der Bärenkönig herrschte. Sein Landvogt in den großen Ebenen war der Wolf, sein Luftgraf über den Wipfeln der Bäume und über den Gipfeln der Berge war der Rabe.

So war das Land als die ersten Menschen die große Senke betraten. Es war eine Vorhut von jungen Kriegern die das Land als erster betraten und wild und ungestüm fielen sie über das Wild her und richteten ein Blutbad an.

Als der Bärenkönig und seine Vasallen das sahen war es für sie beschlossene Sache dass diese grausamen Wesen den nächsten Winter nicht überleben würden, sie werden die Eisriesen so zeitig wie noch nie wecken und diese nackten Würmer werden die höher steigende Sonne nicht mehr erleben.

Doch drei Tage später kam der Stamm der jungen Krieger über die Berg im Westen, mit weisen Männern und salichen Frauen, die das Unrecht der jungen Krieger erkannten und Zorn der Götter fürchteten. Sie stiegen auf den Berg über der warmen Quelle und entzündeten ein heiliges Feuer dem sie den Duft von Kräutern und ihre Bitten und Gebete zufügten.

Der Bärenkönig schenkte ihnen Gehör und gab ihnen die Möglichkeit ihre Versprechen einzuhalten. Sie gelobten sich der Ausgewogenheit der Ebene unterzuordnen, aus ihren jungen Kriegern aufrechte Jäger zu machen und sich dem Klang des Waldes anzupassen, wie alle andern Wesen auch.

Und wirklich die Schamanen fügten die Menschen in ihren neuen Lebensraum ein als währen sie schon immer da gewesen. Den Sommer über zogen sie mit den Herden übers Land, den Winter verbrachten sie in den schützenden Höhlen der westlichen Berge. Die Wölfe freundeten sich mit ihnen an und der Bärenkönig konnte sich bald sein Reich ohne die Menschen nicht mehr vorstellen.

Viele Sommer gingen über das Land bis sich plötzlich das Klima änderte oder möglicherweise eine schwere Krankheit kam. Viel zu Lange ist das her, keiner weiß das heute mehr. Nur ihre Lebensweise, ihre Riten und ihr starker reiner Glaube blieben als Geist in den Wäldern zurück. Wieder zogen viele Sommer ins Land und der Bärenkönig hatte schon fast die Menschen vergessen als auf einmal von Südosten die zweiten Menschen in das Land kamen.

Sie waren feingliedriger und von zarteren Äußeren als die ersten Menschen.

Und sie brachten drei Berufe mit: Sie waren Bauern, Handwerker und Hirten. Die Bauern und Handwerker begannen Dörfer zu bauen, doch für den Bärenkönig war das eine unverständliche Welt, jedoch die Welt der Hirten faszinierte ihn und den Wolf. Sie zogen mit ihnen und waren ganz begeistert von diesen Menschen, die in das Land noch besser passten als die ersten Menschen.

Der Rabe jedoch warnte den Wolf und den Bären vor den Menschen die Städte bauten. Er mit seiner Sicht von den Wolken aus sah alles ganz anders als die beiden Erdgebundenen.

Wolf und Bär vergasen die Warnung des Raben und zogen einen wunderschönen Sommer mit den Hirten durchs Land. Als der Herbst sein buntes Kleid verloren hatte und der Winter ins Land kam, wollten die Hirten wieder in die geschützten Täler der westlichen Berge ziehen.

Als sie jedoch bei den warmen Quellen ankamen versperrten ihnen die Städter den Weg: Euer Vieh zertrampelt unsere Felder, zerstört unsere Zäune und frisst unsere Schober auf den Feldern. Wir wollen euch hier nicht mehr und gewähren auch keinen Durchzug in die Täler.

Die Hirten lagerten daraufhin auf den abgeernteten Feldern vor der Stadt und hielten Rat Sie berieten lange, doch dann beschlossen sie diesen Winter am großen See im Osten zu verbringen. Nach dem dies beschlossen war kehrte Ruhe im Lager ein und die Beratungsfeuer wurden gelöscht.

Als das Lager im tiefen Schlaf lag fielen die Städter über die Hirten her und erschlugen alles was sich bewegte Männer Frauen und Kinder, auch die Hunde und alles Vieh das nicht flüchten konnte. Nur ein kleines Mädchen wurde von einem Bauern versteckt und an Kindes statt angenommen, dadurch blieb auf immer ein Tropfen Hirtenblut in den Bauern und Handwerkern.

Als der Bärenkönig dies sah war er so verwirrt das er drei Tage wie von Sinnen durch den Wald tobte. Als er, erschöpft und verzweifelt, sich auf einem Stein niederließ kamen der Rabe und der Wolf zu ihm. Der Rabe führte die Beiden auf den höchsten Berg dort bestieg der Bärenkönig eine Mächtige Föhre und blickte über das Land. Erschrocken sah er die vielen Wunden die die Brandrodungen in seinen Wald gerissen hatten. Erschöpft kletterte er den Baum hinunter und ließ sich auf den Boden fallen. Er sah in die fragenden Augen seiner Gefolgsleute und musste gestehen, dass auch er nicht weiter wusste. Die Vorräte der Menschen waren zu groß als dass die Eisriesen sie in einer Schlacht besiegen konnten. Und mehrere Winter unter der Wut der Eisriesen würde das Land zerstören.

Die Drei wussten keinen Rat und so gingen sie zu einem der Torsteine die die Flüsse in die Ebene entließen. Dort an dieser schmalen Grenze ist jeden Morgen, jeden Abend einen Moment, so lange wie der Liedschlag eines Vogels, Tag und Nacht gleichzeitig. Auf diesen schmalen Band reitet der Herr seine Welt ab und wer den Hufschlag seines Pferdes hört kann ihm in die Anderswelt zu einer Audienz folgen. Als die Drei das Pferd hörten gingen sie hinter ihm her und baten Gott um Rat.

Der hörte sich ihre Sorgen an und seufzte tief: Ich weiß, dass die Menschen das Land zerstören aber sie sind meine Kinder wie alle anderen Wesen auch und sie haben die Begabung der Vernunft, lasst ihnen noch Zeit den Sinn der Moral zu lernen, den jedes Wesen in sich trägt.

Wandert als stille Gäste durch ihre Seelen und sucht durch die Jahrtausende wenigstes ein paar Menschen mit einer großen Seele. Sind es zu wenige die die Vernunft gebrauchen, dann last den Wald Sterben.

Da gingen die Drei zum heiling Brunn und warfen ihre goldenen Königsketten in die Quelle. In den Augen mancher Menschen wird sich die goldene Kette spiegeln aber ob ihre Seele groß genug ist um zu verändern, wer weiß es.

Seit dieser Zeit ziehen die Drei durch die Seelen der Menschen, unbemerkt wie die Sterne zu Mittag. Auf der Suche nach dem letzten Tropfen Hirtenblut in dem sich der Geist der Ahnen mit dem Klang des Waldes mischt und so aus dem Geist der Ersten und der zweiten Menschen die Dritten erwachsen könnten.