Märchenhaft und wahr - Murietta Bamberger - E-Book

Märchenhaft und wahr E-Book

Murietta Bamberger

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Beschreibung

Murietta Bamberger hat nach 47 Jahren aufgrund Ihrer Lebensgeschichte als Analphabetin gelebt. Mit 47 hat Sie beschloßen dies zu ändern, außerordentlich schnell hat Sie Fortschritte beim Lesen und Schreiben erzielt und schon bald angefangen, eigene Geschichten aufzuschreiben. So kam es, dass sie bereits 2007 einen bundesweiten Schreibwettbewerb gewann und bei einer feierlichen Preisübergabe in Berlin für ihren poetischen Text „Mein Leben war wie die vier Jahreszeiten“ den 1. Preis entgegennehmen konnte. Nur ein Jahr später gewann sie mit „Meine erste Liebe“ erneut in einem Wettbewerb

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Seitenzahl: 40

Veröffentlichungsjahr: 2011

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www.tredition.de

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© 2011 Murietta Bamberger

Korrektorat: Cäcilia Jung

Verlag: tredition GmbH

ISBN: 978-3-8424-0076-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Murietta Bamberger

Märchenhaft und wahr

Vorwort

Als ich im September 2004 die Leitung eines Alphabetisierungs-Kurses an der Hamburger Volkshochschule übernahm, habe ich die Autorin dieses Buches kennen gelernt.

Murietta Bamberger war eine meiner Kursteilnehmerinnen. Sie hat außerordentlich schnell Fortschritte beim Lesen und Schreiben erzielt und schon bald angefangen, eigene Geschichten aufzuschreiben. So kam es, dass sie bereits 2007 einen bundesweiten Schreibwettbewerb gewann und bei einer feierlichen Preisübergabe in Berlin für ihren poetischen Text ‚Mein Leben war wie die vier Jahreszeiten‘ den 1. Preis entgegennehmen konnte. Nur ein Jahr später gewann sie mit ‚Meine erste Liebe‘ erneut in einem Wettbewerb.

Den außergewöhnlichen Humor und die Lebensweisheit, die ihre Geschichten prägen, habe ich im persönlichen Kontakt mit Murietta Bamberger immer als sehr erfrischend und bereichernd emppfunden. Aus einer beruflichen Verbindung ist so Freundschaft geworden.

Ich wünsche diesem Buch viele Leser, die von dem besonderen Humor, der Hintergründigkeit der Geschichten und dem sehr individuellen Sprachstil von Murietta Bamberger ebenso begeistert sind wie ich.

Cäcilia Jung

28.05.2011

Mein Leben war wie die vier Jahreszeiten

Herbst Winter Frühling und Sommer

Der Herbst

Solange ich klein war, war alles in Ordnung.

Ich brauchte nie zur Schule, ich konnte den ganzen Tag spielen.

Die Buchstaben brauchte ich nicht.

Der Herbst war ungemütlich, aber noch nicht kalt.

So hatte ich einen wunderschönen Herbst,

an den ich gern zurückdenke,

ohne Verpflichtungen und ohne Sorgen, was die Buchstaben bedeuten.

Doch wie jede schöne Zeit, ging auch

der Herbst vorbei.

Der Winter

Doch dann kam der Winter in meinem Leben

und überall schneite es Buchstaben.

Dann musste ich zu den Behörden

und da bekam ich Formulare.

Ging ich einkaufen, schneite es schon wieder Buchstaben.

Wie oft stand ich vor einem Reisebüro und dachte:

Ach, könnte ich doch auch nur lesen!

Wie oft stand ich vor einem Restaurant und dachte:

Da möchte ich auch gerne rein und mir etwas bestellen,

doch ich wusste, dass es unmöglich war,

denn da waren auch Buchstaben.

Und so blieb mir wieder nur der Imbiss.

Ging ich zum Arzt, hatte ich Angst,

dass sie sagen:

„Bitte füllen Sie das aus!“

Dann fingen meine Hände an

zu schwitzen,

das Herz begann zu rasen und

die Gedanken, was sage ich jetzt.

Meine liebste Ausrede war: „Ich habe keine Brille mit.“

Mein Leben war kalt und leer,

ohne Aussicht auf den Frühling,

bis ich eines Tages im Fernseher sah,

dass es noch mehr Menschen gab,

die mit der Angst und den Buchstaben leben.

Ich konnte sehen, dass auch anderen Menschen, wie ich es war,

geholfen werden kann.

Doch das braucht Kraft und Mut,

wenn man diesen Schritt machen will.

Ich dachte: Soll es für mich immer

Winter bleiben?

Ohne Hoffnung auf den Frühling?

Der Frühling

Nein, ich werde es versuchen.

Am nächsten Tag ging ich zur

Volkshochschule

und meldete mich an.

Und der Winter verging,

endlich kam auch der Frühling zu mir,

der Himmel wurde blau,

die Buchstaben fingen an zu blühen

und mein Leben bekam einen Sinn.

Ich bin traurig, wenn Ferien sind

und glücklich, wenn die Schule

wieder anfängt und ich weiter

lernen darf.

Jetzt habe ich auch die Hoffnung

auf den Sommer.

Früher machten mir die Buchstaben Angst,

heute machen sie mir Freude.

Umso mehr ich lernte, umso näher kam der Sommer.

Viele träumen von einem Auto,

von einem großen Haus

oder einem Lottogewinn.

Doch ich träumte von Buchstaben,

dass ich sie richtig deuten kann.

Der Sommer

Oft hatte ich ein Tief und dachte,

ich schaffe es nie.

Ich bemerkte gar nicht, dass der

Sommer schon da war.

Ich konnte meine Briefe alleine lesen,

alleine einkaufen und vieles mehr.

Ja, jetzt war auch der Sommer

für mich da!

Ich freute mich,

wenn es Buchstaben regnete

und abends am Himmel

Buchstaben funkelten.

Ja, der Sommer war jetzt auch

für mich da.

Es war eine schwere Zeit,

doch auch eine schöne Zeit.

Umso mehr ich lernte,

umso mehr wollte ich wissen.

Darum werde ich, so lange es geht,

weiter zur Schule gehen,

denn jetzt weiß ich,

was ich mein ganzes Leben

versäumt habe.

Der Prinz und sein Frosch

Es war einmal ein Wald. Da war ein weißes Schloss mit vielen weißen Rosen,

in dem ein Prinz wohnte mit seinem Frosch.

Eines Tages kam ein Zauberer

und verzauberte den Frosch in eine hässliche Prinzessin.

Der Prinz sprach: „Ich will meinen Frosch wiederhaben!“

Der Zauberer sprach: „Dann musst du die Prinzessin erst einmal küssen!“

Der Prinz schloss die Augen und küsste die hässliche Prinzessin.

Da verwandelte sich die hässliche Prinzessin wieder in einen wunderschönen Frosch.