Marias Hund "DON JUAN" - Maria Mohrwind - E-Book

Marias Hund "DON JUAN" E-Book

Maria Mohrwind

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Beschreibung

Marias Hund "Don Juan"ist eine Erzählung, größtenteils aus der Sicht eines Labradors, aber auch aus der Sicht seiner Besitzerin Maria. Das Buch ist ein Genuss für Hundebesitzer. Eine gefühlvolle Geschichte, mit einem ganz eigenen Sinn für Humor, ein Lesestoff, der ans Herz geht. Nach dem Tod von Juan, hält Maria ihr Versprechen ihre gemeinsame Geschichte aufzuschreiben und gibt Juan mit diesem Buch eine Stimme.

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Seitenzahl: 191

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Kapitel

Letztes Kapitel

VORWORT

„Ich bin Don Juan!“

Mein richtiger, eingetragener Name ist eigentlich Arthur.

Denn ja, ich bin von Geburt an etwas ganz Besonderes. „ Ein Rassehund.“

Ein A- Wurf mit jeder Menge Papiere, die mein Frauchen gleich in den Safe gesperrt hat. Nicht weil sie diese so wertvoll fand. Sondern ganz einfach, weil sie nicht wusste, was sie mit ihnen machen sollte. So liegen meine Papiere, schon gut neun Jahr, im Safe. Sie hat sie nie gebraucht und wird sie nicht mehr brauchen.

Ich war, nach ihrem Ermessen, so teuer, dass sie dachte, dass das an den Papieren liegen müsste und sie deshalb, vorsichtshalber, feuerfest verwahrte.

Dass ich jetzt ein Buch über mein Leben mit meinem Frauchen schreibe hat einen Grund.

Ja, natürlich haben wir gemeinsam viel erlebt, was sie ja auch schon in ihrem ersten Buch „Perros no“ erzählt hat. Doch der wahre Grund ist, dass ich sie bald verlassen muss und das tut ihr (und mir) sehr weh.

So wie jeder eines Tages gehen muss, ob Mensch oder Tier. Irgendwann gehen wir dorthin zurück von wo wir kommen und warten auf unsere Lieben, um sie dann zu empfangen. Deshalb ist es gar nicht schlimm zu sterben, wenn man alt ist, weil bereits viele liebe Menschen uns erwarten. Deshalb sind viele alte Menschen so einsam, weil so viele schon drüben sind.

Doch ehrlich gesagt, ich möchte trotzdem noch nicht gehen.

Jetzt, wo wir beide wissen was der andere denkt und fühlt. Jetzt, wo wir ohne Worte unsere Traurigkeit und Freude fühlen. Jetzt, wo ich weiß, was sie glücklich macht. Jetzt, wo wir uns gar nicht vorstellen können, wie der Eine ohne den Anderen leben soll. Jetzt, wo unsere Spaziergänge zu einem Ritual geworden sind. Jetzt, wo ich ruhiger und gelassener geworden bin und nicht nach jeder Hundedame lechze. Jetzt, wo mir das Wichtigste mein Frauchen ist. Jetzt, wo ich so viele Menschen kenne, die mich lieben und streicheln. Ich bin doch noch im besten Alter!

„Vielleicht überzüchtet“, meint mein Frauchen. Aber trotzdem, zu was gibt es Wunder? Wir haben so viele Wunder erlebt. Gemeinsam. Warum nicht noch eins?„Nur noch eins“, denken wir, mein Frauchen und ich!Und hoffen jeden Tag aufs Neue.

Aber wir wissen es, bald muss ich gehen! Ich spüre es im Körper und sie in ihrem Herzen.

Sie sieht es und kann mir doch nicht helfen! Es dauert nun schon so lange. Das Hoffen, dass alles gut wird und dann wieder mein mit Wasser gefüllter, dicker Bauch. Meine Kurzatmigkeit und ihre Ohnmacht, dass sie nicht weiß, was das Richtige für mich ist. Fühle ich mich wieder besser, stupse und necke ich sie, hole den Ball und die Ente und zeige ihr wie gut es mir geht. Wenn sie dann lacht und sich freut, dann wünschte ich, es würde immer so weiter gehen.

So ist das Leben. Ein Kommen und Gehen und wir wissen es beide. Ein immerwährendes Loslassen. Je fester man das Leben hält, umso schneller verrinnt es.

Ja, wir wissen es und so denke ich, es ist gut, wenn sie über uns schreibt.

Wie gut ich sie kenne. Wie sehr ich weiß, was sie denkt. Es soll mein letztes Geschenk hier in diesem Leben an sie sein, denn ich weiß,wir werden uns noch oft treffen und dieses Buch soll den Schmerz lindern!

Ich danke ihr so sehr für die vielen Abenteuer, die wir zusammen erlebt haben. Die vielen Stunden, in denen wir nur still irgendwo alleine gesessen haben und jeder seinen Gedanken nachhing. Und ich weiß, dass ich eine der schönsten Bereicherungen in ihren Leben bin. Dass sie mich immer im Herzen trägt.

Nur gut, dass man heute auf einem Computer schreibt, sonst wären die ersten Seiten schon mit ihren Tränen verschmiert.

1.Kapitel

Wie ich zu meinem Frauchen kam!

Also, ich wurde am 05. 12. 2002 in der Reindlmühl bei einer ganz besonders, Hunde liebende, Familie geboren.

Sie sorgten sich Tag und Nacht um mich und meine Geschwister. Meine Babywochen waren so herrlich, dass ich mir nicht vorstellen konnte, dass es einem Hundebaby besser ging, als mir. Ich verbrachte verspielte Tage, in denen ich lernte, dass man nicht überall pinkeln durfte. Schnell erkannte ich, dass sich alle freuten, wenn ich mit meiner Mutter, zu dem mit Zeitungen ausgelegten Platz ging. Ich bekam meine ersten Impfungen, von denen heute mein Frauchen allerdings überzeugt ist, das ich sie besser nie bekommen hätte. Sie hält rein gar nichts mehr von der Schulmedizin, viel zu oft wurde sie krank gemacht. Bis sie lernte, sich selbst zu heilen und auf sich zu schauen. Bis sie erkannte, dass alles nur mit dem Geld zu tun hat und alles nur um den Profit geht. Darum freut sie sich heute schon darauf, wenn es kein Geld und keine Bewertung mehr gibt. Aber davon später.

Natürlich kamen viele Menschen in mein Geburtshaus um mich und meine Geschwister beim Spielen zu sehen. Gott, wie waren wir niedlich. Kleine Teddybären in drei Farben. Schwarz, braun und so wie ich, beige. Wir kugelten und tapsten durch die Küche. Es gab niemanden, dem wir nicht ein Lächeln ins Gesicht zauberten und auf andere Gedanken brachten.

So war es auch mit dieser blonden, kleinen Frau. Ihre Augen leuchteten, als sie uns beim Spielen zusah. Doch sie war fest davon überzeugt, sich keinen Hund anzuschaffen. Sie wollte nur schauen, weil bei ihrem Altturnerfrauenstammtisch von uns die Rede war.

Dieser lose Verein ist was ganz Besonderes.

Als sie nicht mehr turnen wollten, weil es ihnen zu mühselig war, beschlossen die paar Frauen, das Turnen zu lassen und nur das Ritual beizubehalten und zusammen auszugehen. Früher, zu den Geburtstagen zahlte jeder noch einen Liter Wein. Heute gibt es Tee und der darf nicht zu heiß oder zu kalt sein. Der Salat nicht zu groß oder sauer. Natürlich wäre ein Mickymaus Teller ideal. Leider ist das aber nicht immer möglich, weil noch nicht alle über sechzig sind. Also gibt es auch am Abend keinen Seniorenteller.

Kein altes oder frisches Gebäck, den das bläht. Und ob sie nicht noch ein Pölsterchen hätten, denn es zieht durchs Fenster. Ja… und die alten Herrn …so um die fünfzig… reden und lachen viel zu laut. Ob der Kellner sie nicht ein wenig darauf aufmerksam machen könnte? Nein… will er natürlich nicht, ist ja der Stammtisch! Früher trafen sie sich um 20 Uhr, heute um 18 Uhr, weil sie ihren Schönheitsschlaf brauchen. Und das kann ich bestätigen, dass das geholfen hat. Sie waren alle, für ihr Alter besonders hübsch, sahen sehr gut aus und hatten streichelweiche Hände… wenigstens mit Hundeaugen betrachtet und gefühlt.

An so einem Altturnerstammtischabend erzählt eine von den Damen von mir und meinen Geschwistern. Dass sie uns gesehen hat und wie herzig und lieb wir sind! Sie erzählte, wir wären die klügste Rasse der Welt! Ein Hund kostet, man höre und staune, gut 1000 Euro!

Mein Frauchen dachte: „Wie kann man so blöd sein und für 1000 Euro einen Hund kaufen? Denn bis dato hatte sie ihre Hunde immer geschenktbekommen. Wer mein Frauchen kennt, weiß, dass sie natürlich auch laut sagte. Doch die Anderen sagten:

„Das sind Labradors und die werden für Blinde ausgebildet! „Na und", dachte sie, „bin ich blind?“

Doch eines Tages, und weil diese Hundebabys in ihrer Nachbarschaft wohnten, wurde sie neugierig und wollte wenigstens einen Blick auf so teure Hunde werfen.

„Wie können die schon ausschauen?" dachte sie. So stand sie eines Tages bei uns in der Stube. Erst zögerlich und ein bisschen befangen, weil sie unseren Wert nicht sehen wollte.

Aber nach kurzer Zeit konnte sie nicht wiederstehen. Sie bückte sich ganz langsam immer noch ganz Herr ihrer Gefühle… so dachte sie… und hob so ein Hundeknäuel auf, fest davon überzeugt, dass sie niemals einen Hund kaufen würde. Außerdem konnte sie es sich gar nicht leisten. Es war überhaupt kein Thema. Niemals!!! Das war was für Verrückte, für reiche Leute. Man züchtet keine Hunde! Schluss aus!

Unterdessen streichelte sie über mein Fell und ich schmiegte mich an sie. Christine, meine Hundemutter, sagte zu ihr: „Der mag dich, der ist noch nicht vergeben, der hat auf dich gewartet.“ „Nein", antwortete mein Frauchen und setzte mich schnell zu meinen Geschwistern auf den Boden und verschwand.

Trotzdem hatte ich sie wohl infiziert und ein paar Tage später kam sie mit ihrem Sohn Sebastian, um ihm die drolligen, süßen Hundebabys zu zeigen. Ich tapste hinter ihr her. Christine, die Hundemutter sagte wieder: „Schau, er hat sich dich schon ausgesucht. Er erkennt dich. Magst du ihn nicht doch? Er ist immer noch frei.“

„Nein", sagte sie bestimmt, „ich kann mir das wirklich nicht leisten.“

Doch dann griff irgendein höheres Wesen ein. Es geschah ein Wunder. Sie stritt sich wieder einmal mit ihren Mann, das war nicht das Wunder, das war leider Alltag.

Im Streit sagte sie: „Wenn mich schon niemand liebt, dann kaufe ich mir einen Hund um 1000 Euro.“ Die Betonung lag nicht auf Hund, sondern auf 1000 Euro. Sie dachte, ihr Mann würde ihr das verbieten. Doch der sagte ungerührt: „Dann kauf dir einen.“

Er wusste noch nicht, dass sie schon nachts von mir geträumt hatte. So kaufte sie, sozusagen aus Trotz, einen reinrassigen Labrador, mich „den Arthur.“

Weil sie Spanien liebt und vorhatte mal ganz dort zu leben, sollte ich einen spanischen Namen tragen. Da sie nicht gut spanisch kann war die Auswahl an Namen die ihr einfielen jedoch nicht sehr groß. Aus Büchern sagte ihr der Name Don Juan was und sie war sich fast sicher, dass dies ein spanischer Name war. Sie fand ihn außergewöhnlich und taufte mich kurzer Hand in Don Juan um. Sie wusste nicht einmal was der Name auf Deutsch hieß, erst Jahre später erfuhr sie, dass sie mich ganz einfach: „Herr Hans“ getauft hatte.

Mit zehn Wochen wechselte ich mein Zuhause. Nur ein paar Meter weiter vom Dambach nach Dauerbach. Und dort fing mein Abenteuer „Leben“ mit meinem Frauchen an.

2. Kapitel

Mein neues Leben

Als ich als kleiner Hund durch mein neues Zuhause tobte, beschloss mein Frauchen, wenn ich schon so ein edler Hund sei, sollte ich auch in eine Schule gehen. Sie hielt von Erziehung und Schule viel, von Lehrern wenig, davon können ihre drei Kinder und die Lehrer ein Lied singen. Außerdem war wieder ein neues Gesetz beschlossen worden, dass jeder Hundebesitzer einen Hundeführerschein haben muss. Kein Mensch hielt sich an das Gesetz, aber wir in Österreich hatten ein sinnloses Gesetz mehr. Auf eins mehr kam es nicht an.

Mein Frauchen findet ja, dass eines der kuriosesten Gesetze in unserer heutigen Zeit ist, dass es bei einer Scheidung in Österreich immer noch die Schuldfrage gibt. Wenn du einen guten Anwalt hast, sieht es dann so aus: „Du hast deine ehelichen Pflichten nicht erfüllt… also schuldig!“ Das heißt, wenn der Mann, oder auch umgekehrt (das hat sie aber noch nie gehört), wenn die Frau sagt, das der Partner zum Sex nicht immer bereit war, ist das ein Scheidungsgrund. Wie oft man zu Willen sein muss ist nicht direkt angegeben, das hängt dann davon ab wie vermögend man ist. Darüber streiten dann die Anwälte. Wenn dann nichts mehr übrig ist von dem Geld dass man gemeinsam in der Zeit, in der man keinen Sex hatte, angespart hat, zieht man notgedrungen wieder zusammen, weil man sich alleine keine Wohnung mehr leisten kann. Man hat wieder Sex, allerdings so lauten, dass es die Nachbarn hören, damit man es später beweisen kann. Am besten ist es, wenn jedes Mal wegen Ruhestörung die Polizei kommt, da hat man dann gleich auch alles protokolliert. Außerdem haben die ganzen Bewohner der Ortschaft schon am Morgen beim Bäcker einiges zu erzählen. Das fördert das soziale Miteinander in einem kleinen Ort!

Es gibt sogar ein Gesetz, das besagt, dass der Mann genauso viel im Haushalt mitarbeiten muss, wie die Frau. Wenn nicht, kann man vor Gericht ziehen. Vorausgesetzt, sie haben zu viel Geld und möchten es unter den Rechtsanwälten verteilen.

Man könnte es auch an arme Menschen spenden.Oder verbrennen! Wie man will!

Aber zurück zum Hundeführerschein.

Ich war ungefähr ein halbes Jahr alt, als mein Frauchen sich erkundigte, wo die nächstgelegene Hundeschule ist. Als ein neuer Kurs begann, waren wir zwei dabei.

Es war Frühling und ein Hundswetter. Was immer das heißt, die Menschen wissen was ich meine. Ich nicht! Denn für Hunde gibt es nur Wetter, kein schlechtes und kein gutes. Mein Frauchen zum Beispiel fand das Wetter nicht so gut. Dreckig, nasskalt, düster usw.

Doch all diese Gefühle kenne ich nicht. Dreckig?Super, ich kann mich darin wälzen vor Freude.Nasskalt? Zu was habe ich mein warmes Fell?

Düster? Was ist das? Sie verstand es nicht! Ich begriff, sie musste noch viel lernen.

Na ja wegen dem waren wir ja hierher gefahren. Ich sprang freudig erregt und lernbegierig aus dem Auto, schon gespannt auf meine neuen Freunde und rannte über die Wiese den anderen Welpen und Schülern nach.

Mein Frauchen hinterher und ich kam an die Leine. Dann wurden wir aufgeklärt, dass ich zuerst in einen kleinen Käfig gesperrt werden müsste.

Jetzt wusste ich was mit düster gemeint war.

Zuerst mussten die Hundebesitzer Ordnung und Vorschriften lernen.

Also, die erste Stunde verbrachte ich in einem Käfig. Als mein Frauchen die Tür schloss, wusste sie, dass dies die erste und letzte Stunde war, in der ich in einen Käfig gesperrt wurde. Und auch die erste und letzte Stunde auf diesem Hundeabrichteplatz. Nicht, weil sie mich damals schon so liebte, aber sie fand, noch blöder kann man eine Ausbildung nicht beginnen. Welche Information für einen kleinen Hund, dem man nicht erklären kann, dass er nicht ins Hundevereinshaus darf! Ihn einfach einzusperren. Rund um ihn das wütende Gekläffe der Artgenossen. So soll eine Schule beginnen?

Da kamen bei ihr gleich wieder Erinnerungen an die Schulzeit ihrer Kinder. Sie wurden dort auch gegen ihren Willen festgehalten. Wie schön wären Schulen, wenn die Kinder es selbst entscheiden würden und der Unterricht und die Stunden in der Schule so wunderbar wären, das jedes Kind ganz von selbst dort hin wollte.

Es erinnerte sie daran, als man ihr in der Kinderklinik einfach ihr sechs Wochen altes Baby genommen hatte und sie nur bei der zweistündigen Besuchszeit die Erlaubnis bekam, es zu sehen. Die einzige Ausnahme war, wenn sie stillte. Doch durch die Aufregung, dass ihr Baby operiert wurde (Wasserbruch), verlor sie ihre Milch. So schnell gab sie aber nicht auf, und so saß sie stundenlang zu Hause und versuchte ein paar Tropfen Milch aus ihrer übergroßen Brust zu pumpen. Am Abend hatte sie dann meist ein paar Milligramm abgesaugt. Oft war Blut dabei, so quälte sie sich. Doch als Entschädigung durfte sie am Abend noch auf die Kinderstation zu ihrem Baby. Es war grauenvoll und heute noch steigen die schrecklichen Bilder vor ihr auf. Die Babys waren oft wund gelegen. Deshalb wickelte man sie nicht, sondern legte sie offen auf eine Windel. Aber dafür wurden sie mit den Füßen an den Gittern der Kinderbetten angebunden. Oder sie schrien bis das Erbrochene aus dem Mund lief. Es überkommt sie heute noch eine große Wut wegen ihrer damaligen Hilflosigkeit. Wie oft war sie hilflos? Wer war sie schon? Außerdem war sie dankbar, dass die Säuglingsschwestern sie nicht sofort wieder wegschickten und sie fast jeden Abend ihren Säugling ein paar Stunden in den Armen wiegen konnte. Und trotzdem hat sie bis heute dieses Jammerbild vor ihren geistigen Augen. Aber sag mal einer was gegen Ärzte, Richter, Lehrer, Politiker und Religion …

Aber so ist das in einer Demokratie. Man darf zwar alles sagen, aber nichts entscheiden und schon gar nicht über die eigenen Kinder. Das ist schon so, wenn sie geboren werden. Ohne zu fragen werden sie geimpft. Keiner Mutter wird gesagt, welche Wirkstoffe im Impfstoff sind. Verweigern konnte man es in der damaligen Zeit sowieso nicht. Ich denke, heute auch noch nicht. In ihrer Zeit wurde auch genau bestimmt, wie viel ein Baby zunehmen musste. Dies wurde überprüft und überprüft und geht so weiter bis ins hohe Alter. Die Menschen gewöhnen sich daran, zu tun, was die Anderen sagen. Ja, sie fragen Andere, ob sie krank sind oder nicht. Auch wenn sie sich gar nicht krank fühlen, gehen sie und fragen. Sie wissen (und spüren) es selbst nicht mehr.

An eine lustige Geschichte, wenn sie nicht doch traurig wäre, erinnert sich mein Frauchen:

Eine Ministerin bestellte für irgendeine Grippe… sie weiß nicht mehr für welche, denn die wechseln jedes Jahr ihren Namen von Vogelgrippe in Schweinegrippe usw. … für alle Österreicher Mundschutzmasken.

Nein, wir haben sie uns nicht geholt, auch wenn wir sie wenigstens als Mundschutz für den Hausputz hätten verwenden können.

So lagen sie Jahre auf Vorrat. Nach jahrelanger Aufbewahrung hatte die Entsorgung fast genau so viel gekostet wie die Anschaffung. Meines Wissens hat es nicht die Ministerin bezahlt.

Ja, so lebt es sich in einer Demokratie.

Bei einem Hund hat man jedoch noch relativ viel Freiraum. So unterrichtete mich mein Frauchen selbst und war sehr zufrieden mit mir. Obwohl ich ehrlich sagen muss, ihr wütendes Geschrei nervte mich oft und ich wusste beim besten Willen nicht, was sie wollte.

Vor allem, als sie immer schrie: „Juan!“

Ich hatte schon lange begriffen, dass das mein Name war. So ließ ich sie oft schreien, soll doch gut für die Lungen sein, hört man.

Allerdings zerbiss ich nie einen Schuh, noch zerfetzte ich irgendwelche Dinge. Sie fand, ich wäre ein gut erzogener Hund. Man hörte ja Sachen von anderen Hunden, die ganze Möbelstücke in ihrer Pubertät zerlegten.

Als ich gut ein Jahr war, ging mein Frauchen auf die Fünfzig zu und hatte seelische, wie in Folge auch körperliche Probleme, die trotz meiner Ablenkung immer schlimmer wurden. Eines Tages kam sie auf eine verrückte Idee.

Sie fand, sie hatte sich genug ums Wohl anderer gekümmert. War lange genug nur für Andere da. Ihr fiel ein, dass sie mal mit dem Auto ein Stück neben dem Jakobsweg in Spanien gefahren war. Sie sah damals einen Mann mit Hund des Weges gehen und dachte, das macht sie auch mal. Alleine mit Hund und doch nicht alleine. Ja, und jetzt hatte sie mich, mit meinen jungen Jahren. Der Gedanke war geboren.

Was ich aber damals noch nicht wusste, wenn sich mein Frauchen etwas in den Kopf gesetzt hat, dann tut sie es auch.

Ihr Mann sagte nur: „Wie willst du das schaffen? Da musst du erst mal trainieren".

Das tat sie ihm zum Trotz erst recht nicht. Denn sie hatte vor, sollte es zu anstrengend werden, dass wir einfach ein paar Wochen oder Tage in einem kleinen Dorfhotel bleiben würden. Außerdem dachte sie, fängt sie eben mit dem Training am ersten Tag auf dem Jakobsweg an. Langsam würde es sicher immer besser werden.

Eigentlich hatte er recht, denn sie war gewiss keine Sportlerin, nicht einmal eine Wanderin. Man muss sie als gut mollig bezeichnen und außerdem hat sie keinen höheren Schulabschluss. Nur Volksschule. Was das für eine Rolle spielte? Na ja, sie konnte kein Englisch oder sonst eine Fremdsprache. Nur den oberösterreichischen Dialekt. Und das Einzige, was sie war und heute noch ist: „Sie ist gemütlich und eine Genießerin!

So sah sie vor ihrem geistigen Auge nicht die Strapazen, sondern die Weingegenden, die Bars und die vielen freundlichen Menschen. Sie sah nur die Sonne, die damals schien, als sie den Mann mit seinem Hund am Jakobsweg wandern sah.

Ich sollte vorher nun doch noch eine Ausbildung erhalten. Bei einer Spezialistin. Einige Kilometer entfernt in einem Dorf bei Salzburg. Allerdings dachte mein Frauchen, dass sie nun die Bestätigung erhalten würde, dass ich ein folgsamer und kluger Hund sei.

Es kam allerdings ganz anders.Drei Geschwister von mir waren auch dabei und im Gegensatz zum ersten Versuch, eine Hundeschule zu besuchen, durften hier alle Hunde in die Gaststube. Es war gleichzeitig eine kleine Hundepension. Besser gesagt ein Dorfgasthaus in dem Hunde auch zur Übernachtung willkommen waren.

Als ich mit meinen Geschwistern in der Gaststube zusammentraf, brach die Hölle los. Wir kläfften und besprangen uns, vergaßen all unser gutes Benehmen und die Trainerin war entsetzt. Mein Frauchen schrie mit hochrotem Kopf immer nur „Juan“, bis es ihr die Trainerin verbot. Sie sagte, ich wüsste wie ich heiße, sie sollte mir lieber sagen was ich tun soll! Nun ja, was soll ich sagen? Im Nu haben wir beide viel begriffen. Von da an durfte ich überall hin mit, weil ich ja jetzt wusste, wie sich ein Hund zu benehmen hatte. Mein Frauchen hatte gelernt, wie und was sie mir zu sagen hat.

Muss einem ja nur „Wer“ sagen…

Zum Beispiel, wenn sich Frauchen oder Herrchen mit uns auf Augenhöhe begeben und uns mit kindlicher, wispernder Stimme Dinge ins Ohr flüstern, wie z. B.:

„Du bist ja so ein Lieber“. Du bist ja so ein Braver". Ehrlich gesagt kenne ich keinen Hund, der schon mal daran gezweifelt hat, dass er ein Lieber und Braver ist. Nein, er denkt das ja auch über alle Menschen. Doch was wissen wir schon wie die Menschen ticken und denken?

Man bekommt Leckerli, jedes Mal wenn man etwas tut, was Frauchen oder Herrchen erfreut. Nach neuesten Erkenntnissen gibt es auch Leckerli wenn man nicht gehorcht, damit wir nicht psychisch gestört werden und dann das nächste Mal nicht mehr gehorchen.

Das sieht dann so aus. Man läuft einen Hasen nach und erwischt ihn nicht, kehrt nach Stunden ausgepowert zum Frauchen zurück. Dann wird man nicht geschimpft sondern man bekommt ein Leckerli, weil man überhaupt den Weg zurück gefunden hat. Der psychologische Gedanke daran ist, „warumsollte ein Hund zurück kommen, wenn er geschimpft wird“. Also wird er gelobt und er kann tun und lassen was er will.

So laufen fast alle Hundebesitzer mit Jacken herum, in denen sich die verschiedensten Köstlichkeiten befinden. Natürlich gibt es ein reichhaltiges Angebot an Leckerli am Hundemarkt. Es gibt auch Frauchen und Herrchen, die es noch viel besser meinen und auch schon mal ein frisches Stück Steak aus ihrer Jackentasche holen, um zu zeigen, dass nur das Beste gut genug für ihren Hundeliebling ist. Da kann es schon mal vorkommen, dass die gutgemeinten Leckerlis sich selbst den Weg aus der Jackentasche suchen.

Dass diese Frauchen und Herrchen auch nicht gleich in Ohnmacht fallen, wenn sie nachts ein Hundefloh beißt, ist klar. Dass sie auch manchmal auf dem Hundeteppich schlafen, weil ihr Liebling einfach so gut im Bett von Frauchen oder Herrchen schläft und er einfach nicht ein Stück rücken möchte, ist nicht verwunderlich. Dass es schon vorkommt, dass das Herrchen, weil er so schnarcht, das eheliche Schlafzimmer räumen muss und das Schnarchen des Hundes innigstes Verzücken bei demselben Frauchen hervorruft. Auch der Kuttelfleckatem aus einem Hundemaul riecht nur halb so schlimm, wie der Atem des Mannes, in der Nacht nach dem Herrenabend.