Markus und der Zeitsprungspiegel - Heide-Brigitte Binner - E-Book

Markus und der Zeitsprungspiegel E-Book

Heide-Brigitte Binner

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Beschreibung

Markus findet einen gebrochenen Taschenspiegel. Ein Spruch in seinem Deckel weist darauf hin, dass es sich hierbei tatsächlich um eine Zeitmaschine handelt. Mit Hilfe dieses Spiegels gelingt es Markus und auch seinen Freunden, u. a. an die Berliner Mauer, aber auch in die Zeit von Martin Luther zu springen und so Zeuge der Reformation zu werden.

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Seitenzahl: 137

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Berlin, August 2016

Im Jahre 2017 wird der Thesenanschlag Luthers 500 Jahre her sein – was hat sich alles verändert in dieser Zeit!

Markus findet einen Taschenspiegel mit einem Sprung. Im Deckel entdeckt er einen Spruch, der darauf hinweist, dass man beim Berühren des Sprungs in die Vergangenheit springen kann. Zu seiner Verwunderung klappt das wirklich. Nachdem er probeweise an die Mauer im Jahr 1989 „gesprungen“ ist, wird er durch die Erzählung der Religionslehrerin dazu angeregt, mit seinem Freund in die Vergangenheit zu Luther zu springen. So „erleben“ die Kinder Luther und das Geschehen der Reformation, sowie viele Gegebenheiten des mittelalterlichen Alltags, sehr anschaulich mit.

Heide Binner, Jahrgang 1943 war dreißig Jahre lang evangelische Religionslehrerin an einer Berliner Grundschule. Sie schrieb diese Geschichte für ihre Enkel und alle anderen Kinder, die Spaß an einer Zeitreise haben.

Im Text fett gedruckte Wörter werden im Anhang bei den „Worterklärungen“ erklärt.

Inhaltsverzeichnis

Das 1. Kapitel - handelt von einem außergewöhnlichen Fund

2. Kapitel - Wie sag ich’s meinem Freund?

Im 3. Kapitel - sind die Freunde an der Mauer

Im 4. Kapitel - geht’s ab ins Jahr 1590

Im 5. Kapitel - werden die Freunde belauscht

Das 6. Kapitel - berichtet von einer blitzartigen Entscheidung

Im 7. Kapitel - gehen die drei Freunde ins Kloster

8. Kapitel - Wo ist Suse?

9. Kapitel – Markus’ Beichte

Das 10.Kapitel - ist ein etwas schwieriges, aber sehr wichtiges Kapitel, denn es berichtet vom Anfang einer neuen Zeit

Im 11. Kapitel - gibt Luther nicht nach

Das 12. Kapitel - erzählt von einem guten Freund und einem klugen Kurfürsten – und weniger guten Freunden

Im 13. Kapitel - geht es auch um eine Art von Reue und Vergebung

14. Kapitel - Bei Junker Jörg auf der Wartburg

Das 15. Kapitel - berichtet von guten und schlechten Entwicklungen

16. Kapitel - Ins Wasser fällt ein Stein...

Das 1. Kapitel - handelt von einem außergewöhnlichen Fund

An einem warmen Frühsommertag schlenderte Markus durch den großen verwilderten Garten des alten Bauernhauses, das seine Eltern vor kurzem gekauft hatten, um es nach dem Umbau als Ferienhaus zu nutzen.

Behände schwang er sich auf eine Feldsteinmauer und sah sich um. Was er sah, gefiel ihm. Der Hof lag in der Nähe eines schönen großen Badesees und einer berühmten Klosterruine mitten im Wald. Er konnte sich gut vorstellen, an diesem Ort seine Ferien zu verbringen.

Eben beobachtete er eine kleine Eidechse, die sich auf der warmen Mauer sonnte. Als er sich ihr vorsichtig näherte, verschwand sie flink in einer Mauerritze.

An dem Tag, an dem alles begann, hatten ihn seine Eltern zum ersten Mal mitgenommen. Weil sie mit dem Architekten und verschiedenen Handwerkern den Umbau des alten Gehöfts zu einem gemütlichen Feriendomizil besprechen wollten, langweilte er sich und beschloss, sich noch einmal im Haus umzusehen. Als seine Eltern ihn vorhin durch alle Räume geführt hatten, war ihm eine Stiege zum Dachboden aufgefallen. „Und was ist da oben?“, hatte er wissen wollen.

„Bestimmt nur lauter Müll, Krempel und Mäusedreck. Darum kümmern wir uns ein andermal. Noch ist das Betreten der Treppe zu gefährlich.”

Damit konnte seine Mama Recht haben, denn die Stufen waren schief getreten und das Geländer sah ziemlich morsch aus. Jetzt stieg Markus die Treppe doch empor. Die Tür zum Boden war nicht verschlossen wie er zuerst befürchtet hatte - sie klemmte nur. Erst als er sich mit aller Kraft dagegen warf, öffnete sie sich ächzend. Vor ihm im Halbdunkel lag genau das was Mama vermutet hatte: Gerümpel. Da türmten sich kaputte Stühle, standen alte Möbel, Bilderrahmen, Töpfe, Koffer, Kisten und Kästen wild durcheinander und über allem lag eine dicke Staubschicht.

Ein kleines schmutziges Dachlukenfenster ließ nur wenig Licht in den Raum – gerade genug, dass er nicht über den herumliegenden Kram stolperte. Nur die Spinnweben sah er nicht - dafür spürte er sie im Gesicht. Echt eklig!

Trotzdem fand er es spannend, sich hier umzusehen. Er kam sich vor wie ein Schatzsucher. Neugierig näherte er sich einer Kommode, deren Schubladen ein wenig offen standen. Vorne lagen einige Fotoalben, aber weiter hinten ertasteten seine Finger etwas..., etwas Weiches, Wolliges. Neugierig zog er es heraus. Es war ein altes Staubtuch voller Krümel, die er ganz schnell als Mäusedreck erkannte. Sofort ließ er das Ding fallen und wischte die Hand an der Hose ab. Pfui Teufel noch mal! Daneben stand ein Nachttisch. Seine Schublade war noch geschlossen und hoffentlich frei von solchen ekligen Überraschungen. Auch sie klemmte, weil sie viele Jahre lang nicht herausgezogen worden war. Markus musste kräftig ziehen, um sie zu öffnen. Leider sah hier auf den ersten Blick ebenfalls nichts wie ein Schatz aus. Alles, was er fand, war ein altes Kartenspiel, ein Tagebuch mit einem Schloss und eine kleine unscheinbare Schachtel. Doch als er die öffnete, hielt er überrascht die Luft an: Sieh da - eine alte goldene Taschenuhr mit einem Sprungdeckel!

Er nahm sie in die Hand und suchte nach dem kleinen Druckknopf, mit dem man den Deckel öffnen konnte. Um besser sehen zu können, ging er mit ihr zum Fenster.

Im Licht fand er endlich den Druckknopf - der Deckel sprang auf und ... gab den Blick frei auf einen kleinen silbernen Taschenspiegel – keine Uhr. „Schade, doch kein Schatz“, ging es ihm durch den Kopf. Was sollte er mit einem Spiegel, der noch dazu kaputt war? Ein Sprung teilte ihn nämlich in zwei Hälften. Enttäuscht wollte er das Ding fallen lassen, als sein Blick auf das Innere des Deckels fiel. Dort war in alter Schrift etwas eingraviert. Sofort fielen ihm die Zauberspiegel aus den Märchen ein. Ob das auch einer war? Das musste er sich zu Hause genauer ansehen. Die Schrift war so klein, dass er zum Lesen seine Lupe brauchen würde. Darum tat er das Ding zurück in die Schachtel und schob sie in seine Hosentasche.

Für heute hatte er genug Entdeckungen gemacht. Bevor seine Eltern ihn vermissen oder gar hier oben finden würden, ging er zu ihnen zurück. Von seinem Fund erzählte er nichts.

Zu Hause holte er die Schachtel aus der Tasche und machte sich daran, mit seiner großen Lupe den Text zu lesen, doch selbst, als er die Schrift vergrößerte, hatte er Schwierigkeiten sie zu lesen. Noch nie hatte er solche Buchstaben gesehen.

Er brauchte lange, bis er alles enträtselt hatte. Buchstabe für Buchstabe schrieb er den Vers in Druckbuchstaben auf und konnte kaum glauben, was am Ende auf seinem Zettel stand:

Nur wer zuerst den Sprung berührt, erfährt das Zeitsprungglück –

Zur Rechten geht‘s die Jahr hinab - zur Linken geht ‘s zurück.

Du kommst dorthin wo du‘s gewollt, durch der Gedanken Kraft.

Ganz simpel geht‘s: gedrückt – gedacht – schon ist der Sprung geschafft.

Nimmst du wen auf die Reise mit, so fasst euch an – zu zweit, zu dritt,

Doch lass mich nicht aus deiner Hand, sonst bleibest du gefangen

Und wirst dann niemals mehr nach Haus, in deine Zeit gelangen.

Was sollte das mit dem Sprung und was war mit Zeitsprungglück gemeint? War das etwa so wie bei einer Zeitmaschine? Noch einmal las er die rätselhaften Zeilen, ... diese Schrift...! Hatte er alles richtig gelesen?

...mit der Gedanken Kraft? Bedeutete das, er musste nur an eine Zeit oder eine Person denken und schon käme er dort hin, wenn er zuvor den Sprung und dann die rechte Hälfte berührte?

„Probieren geht über studieren“, dachte er und überlegte, in welche Zeit er springen wollte. Dabei fiel sein Blick auf die Playmobilfiguren im Regal, die Star Wars - Krieger und Ritter. In die Zukunft reisen, das wäre super! Aber der Spiegelvers sprach nur vom Zurück in die Vergangenheit. „... geht‘s zurück...“, hieß es in dem Spruch, von vorwärts in die Zukunft stand da nichts. Schade! Und zu den Rittern? Die hatten vor langer Zeit gelebt, im Mittelalter. Einiges wusste er darüber aus Büchern und dem Fernsehen, aber alles mit eigenen Augen zu sehen, wäre sicher besonders spannend. Burgen und Ritter... Das sollte er sich nicht entgehen lassen – wenn es denn wirklich mit der Zeitspringerei klappen sollte. Vielleicht waren der Spiegel und der Spruch auch bloß ein großer Schwindel.

„Am besten probiere ich es gleich mal aus“, dachte er sich. „Ich muss ja nicht gleich bis ins Mittelalter springen. Nein, lieber nicht!“

Für den Anfang wollte er lieber eine Zeit oder einen Ort wählen, der ihm vertrauter war und trotzdem ganz anders, zum Beispiel die Zeit, als eine Mauer Berlin geteilt hatte. Obwohl es schon über 25 Jahre keine Mauer und keine Grenzkontrollen um Berlin herum mehr gab, dachten Mama und Papa immer noch daran. Damals, als die Mauer fiel, waren sie etwa so alt wie er. Markus konnte sich gar nicht vorstellen, wie das damals war, als Westberlin wie eine Insel in einem anderen Deutschland lag.

Als sie vorhin aus ihrem Ferienhaus gekommen waren, hatte Mama, wie so oft, an einer Stelle der Berliner Stadtgrenze gesagt: „So, jetzt kommt gleich die Grenzkontrolle. Kinder halten den Mund!“ Das hatten ihre Eltern jedes Mal zu ihr und ihren Schwestern gesagt, wenn sie mit ihnen durch die Mauer, in das andere Deutschland, in die DDR gefahren waren.

Nun hatte er die Chance, sich diese Mauer anzusehen. Wieder besah er sich den Spruch – musste er noch etwas beachten? Bei der Zeile „... Doch lass mich niemals aus der Hand...“, bekam er einen Schreck. Ach herrje, was, wenn er den Spiegel im DAMALS verlieren würde? Er benötigte dringend etwas, womit er ihn sicher um den Hals hängen konnte. In seiner Kramkiste fand er ein kleines Säckchen mit Spielgeld. Das leerte er aus, knüpfte eine Schnur dran und hängte es sich um. Sein Blick fiel auf die Uhr – neun Uhr am Abend. Sollte er sich wirklich so spät noch auf die Reise begeben?

„Ach was, wenn ich mir eine Zeit aussuchen kann, dann bestimmt auch eine Uhrzeit. Ich möchte an einem Sonntagmorgen im Sommer 1989 an der Berliner Mauer sein“, dachte er bei sich und berührte den Spiegel vom Sprung aus zur rechten Seite.

Ein großer Schwindel ergriff ihn. Er fühlte sich wie ein Handtuch in der Wäscheschleuder. Dann – als die Welt oder er? - sich nicht mehr drehte, fand er sich an einem Grenzübergang der Berliner Mauer wieder.

Ein großes Schild stand davor und verkündete in deutscher, englischer, französischer und russischer Sprache, dass hier Westberlin zu Ende sei.

Wie ein hoher grauer Gürtel umspannte die etwa drei Meter hohe Mauer die Stadt, trennte Wohngebiete und blockierte Wege. An dieser Stelle aber war sie durchbrochen von einem schmalen Durchgang für Fußgänger und daneben einer etwas breiteren Einfahrt für Autos. Der Schlagbaum war hochgeklappt. Auf dem Fahrdamm stauten sich etwa ein Dutzend Autos, die in die DDR einreisen wollten. Weil der Weg durch die Kontrollstelle wie ein Slalom angelegt war, konnte Markus ihn nicht mit den Augen verfolgen.

Er überlegte, ob er wohl so einfach durch die Grenze laufen könne, um sich alles anzusehen. Dann aber traute er sich doch nicht. Erstens hätte er gerne seinen Freund Jonas dabei gehabt und zweitens hatte er auch ein wenig Angst – nicht nur vor dem fremden Ostberlin – nein, auch ob das mit der Rückkehr in seine Zeit wirklich klappte. Was, wenn nicht?

Er hatte den Spiegel noch immer in der Hand und klappte nun rasch den Deckel auf und berührte vom Sprung aus die linke Seite. Wieder ergriff ihn der bekannte Schwindel. Bald darauf stand er in seinem Zimmer und sogar zur selben Uhrzeit – noch immer war es neun Uhr abends. Die Jetzt-Zeit blieb einfach stehen. Toll!

Erleichtert atmete er auf – alles war gut gegangen! Ab jetzt würde er öfter auf eine Zeitreise gehen, aber möglichst nicht mehr alleine.

2. Kapitel - Wie sag ich’s meinem Freund?

An diesem Montag konnte Markus es gar nicht erwarten, seinen Freund Jonas zu sehen, um ihm von seinem Fund zu erzählen. Er war sicher, dass sein bester Freund das Spiegelgeheimnis niemandem verraten würde. So viel war ihm nämlich klar: Seine Eltern würden das Reisen in vergangene Zeiten für viel zu gefährlich halten und den Spiegel sofort einkassieren. Das sollte auf keinen Fall geschehen – wenigstens nicht schon jetzt. Aber auch andere Kinder durften davon nichts wissen. Der dicke Tino würde bestimmt versuchen, ihm den Spiegel zu klauen oder alles den Erwachsenen verraten. In jedem Fall wäre es aus mit der Zeitreiserei - das war so sicher wie das AMEN in der Kirche.

Gar nicht sicher war sich Markus allerdings, ob Jonas ihm glauben und sich trauen würde, mit ihm auf die Zeitreise zu gehen. Wie könnte er das am besten herausfinden? Sollte er vielleicht erst einmal von einem Buch erzählen, das von Zeitreisen durch einen gesprungenen Spiegel handelte oder wäre es klüger ihm gleich von seinem Vergangenheitstrip an den Grenzübergang zu erzählen?

Vor dem Schultor drängelten sich die Schüler. Markus sah sich um, konnte aber Jonas nicht entdecken. Mist! Erst ganz kurz vor dem Klingeln zur ersten Stunde betrat der zusammen mit Amir und Kai den Klassenraum. Sie hatten auf dem Bolzplatz gegenüber der Schule Fußball gespielt. Auch in den großen Pausen ergab sich keine Gelegenheit, alleine und in Ruhe mit seinem Freund zu sprechen – immer waren andere Mitschüler um sie herum. Zum Glück hatte Mama mit Jonas’ Mutter verabredet, dass Markus in dieser Woche nach der Schule mit zu Jonas nach Hause gehen sollte.

Der Vormittag zog sich hin und es fiel ihm schwer, dem Unterricht aufmerksam zu folgen. Mehrmals wurde er von den Lehrern ermahnt, nicht zu träumen. In der großen Pause trödelte er alleine lustlos über den Hof, während Jonas gleich aufs Fußballfeld rannte, um mit den anderen Jungen Fußball zu spielen.

„He, Markus, wo bleibst du? Komm, wir müssen das Tor besetzen, sonst kommen die von der 4a uns zuvor“, schrie Jonas im Rennen. Markus winkte ab. Heute hatte er keine Lust. Immer wieder überlegte er, wie er es anfangen könnte, Jonas zur Mitreise in andere Zeiten zu bewegen. Am besten wartete er damit so lange, bis sie in Jonas’ Baumhaus säßen. Das war genau der Ort, an dem man geheime Dinge ungestört besprechen konnte.

Als Jonas’ Mutter sie von der Schule abholte, waren Markus Nerven schon gespannt wie ein Flitzebogen. Lange konnte er sein Geheimnis nicht mehr für sich behalten. Er hatte immer noch keine Idee, wie er das Thema Zeitreise ganz unverfänglich ansprechen konnte, als Frau Klein zu Jonas sagte: „Wir essen schnell Mittag und fahren dann zur Bibliothek. Deine Bücher hätten schon am Freitag abgegeben werden müssen. Ab morgen kosten sie Geld.“

„Ach nee...“, Jonas hatte keine Lust auf Bücherei. „Kannst du sie nicht alleine abgeben? Wir wollen spielen.“ Bevor seine Mutter antworten konnte, mischte sich Markus ein.

Er war plötzlich Feuer und Flamme. Das war die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte.

„Ach komm, wir gehen mit! Mein Cousin hat mir von einem Buch erzählt, in dem Kinder mit einer Zeitmaschine in die Steinzeit reisen. Das würde ich gerne lesen. Ich habe vergessen wie es heißt, aber die Bibliothekarin kennt es vielleicht und kann es mir zurücklegen.“

„Steinzeit?“, Jonas verzog den Mund. „Was soll denn da los gewesen sein?“ Er überlegte kurz: „ Zu den Römern würde ich lieber reisen...“

Markus schüttelte den Kopf: „Nee, da du würdest ja kein Wort verstehen oder kannst du Latein?“

„Nee – aber steinzeitlich reden kann ich auch nicht oder du?“ Langsam begann Jonas sich für das Thema zu erwärmen, darum schlug Markus vor: „Ich glaube, am besten wäre eine Reise ins Mittelalter. Auf einer Burg am Rhein mal bei einem Ritterturnier zusehen - einem echten - nicht so einem nachgemachten wie auf den Volksfesten, das würde ich wirklich gerne mal.“

„Ja, das wäre super“, stimmte Jonas zu. „Schade, dass es Zeitreisen nur in Büchern gibt. Aber davon zu lesen ist bestimmt auch spannend. Wir können ja mal gucken, ob wir eins finden, das davon handelt.“

Markus grinste innerlich. Jetzt hatte er seinen Freund da, wo er ihn haben wollte – er war neugierig geworden. Je länger es dauerte, bis sie endlich wirklich alleine waren, desto mehr fühlte sich Markus innerlich wie eine geschüttelte Seltersflasche – er wurde immer kribbeliger. Mittagessen, Hausaufgaben, Bücherei... Inzwischen war es schon später Nachmittag geworden. Mama würde ihn bald abholen und noch immer war er nicht dazu gekommen, mit Jonas über den Spiegel zu reden.

Als sie endlich im Baumhaus saßen, griff er ohne lange Vorrede in die Hosentasche: „Guck mal.“

Jonas sah auf Markus ausgestreckte Hand. „Geil, 'ne alte Taschenuhr. Wo hast du die her? Geht sie noch?“