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Lebensfrohe Weihnachtsgeschichten und Gedichte in einer Sammlung, die bereits 2012 erschienen war. Nun überarbeitet und immer noch gern gelesen.
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Seitenzahl: 116
Veröffentlichungsjahr: 2016
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Danksagung
Dieses Buch wäre nicht ohne das Zutun meiner drei wunderbaren Töchter Katharina, Susanne und Henriette sowie der Schwiegersöhne Clemens und Stefan entstanden.
Für sie und unsere Adventsnachmittage habe ich diese Geschichten geschrieben und alle halfen unter Einsatz ihrer verschiedenen Begabungen, dass daraus dieses Buch werden konnte.
Dazu halfen viele Freunde beim Ausmerzen der vielen Komma, Rechtschreib- und Satzfehler.
Lieber Leser, bitte sieh über die hinweg, die sich noch immer in den Texten verstecken.
Heide Binner
Die wahre Geschichte
Herr Luther sagt: „Es ist der Christ,
von dem das Gute kommen ist.
Ihn wollen wir zum Christfest loben,
bringt er das Heil uns doch von droben.“
Seither trägt nicht mehr Nikolaus
für ’s brave Kind die Gaben aus.
Das Christkind, das nun in den Stuben
für alle Mädchen und auch Buben
als Gabenbringer gilt, trägt schwer,
denn die Geschenke wurden mehr.
Da ist es billig nur und recht,
dass ihm jetzt hilft ein treuer Knecht,
Ruprecht geheißen, stark und streng.
Für manche Kinder wird’s nun eng -
dem Bösen droht er mit der Rute,
Gaben erhält nur noch das Gute.
Indessen kommt der Nikolaus
zurück zum Fest als Santa Claus,
per Rentierschlitten aus dem Norden,
ist er zum Weihnachtsmann geworden.
Und die Moral von der Geschicht’:
Alle gäb ’s ohne Christus nicht!
INKOGNITO
KOMMT ER?
GOTTES WEGE SIND SELTSAM
WEIHNACHTLICHE REIMSPIELE
ADVENTSBELEUCHTUNG
...UND ES LEUCHTETE UM SIE
WEIHNACHTSWUNSCH
DER WEIHNACHTSSTERN
ADVENT
ENGEL
DAS WEIHNACHTSREZEPT
ONKEL ARTHURS WEIHNACHTEN
7. JANUAR - FRAGEN ZUR GESCHICHTE:
WENN MARIA ZU UNS REDEN KÖNNTE, DANN...
ES WURDE LICHT
WATTEBART UND BERMUDASHORTS
TANNENSCHICKSAL
STI(E)LVOLL
HAUSFRAUENWEIHNACHT
SCHACH DER ZWEISAMKEIT
ENGEL GIBT ES ÜBERALL
WUNDERVOLLE WILLI-WEIHNACHT
ELFCHEN
DIE WEIHNACHTSKISTE
DAS SCHÖNE PAPIER!
MENSCHWERDUNG
„Frau Blum, wir haben uns den Weihnachtsurlaub redlich verdient. Fahren Sie den Computer herunter und selbst nach Hause. Ich gehe jetzt auch und mache Urlaub von Weihnachten.“
Direktor Kiesling von der Niro-Stahl AG wollte nichts mehr hören und sehen. Fast täglich hatte er neben dem üblichen Bürokram, den Sitzungen und Terminen, einer Weihnachtsfeier beiwohnen müssen. Auch heute, am 22.Dezember hatte er noch einen „Auftritt" bei einer Aktionärsfeier gehabt. „Wenn ich jetzt nur noch einen Pfefferkuchen essen muss, bekomme ich es an der Galle, Blümchen", stöhnte er, ergriff seinen Hut und war entschwunden – wie immer über Weihnachten, mit unbekanntem Ziel und ausgeschaltetem Handy.
In der Tiefgarage bestieg er seinen Wagen, startete ihn und sang aus vollem Halse: „Komm lieber Mai und mache“... Endlich privat, ohne Verpflichtung, einfach Walter Kiesling.
Nicht einmal eine Familie würde Ansprüche an ihn stellen. Seine Frau und er hatten sich schon vor Jahren getrennt, die Kinder, alle erwachsen, lebten mit eigenen Familien und würden am Heiligen Abend großzügige Schecks von ihm erhalten. Für seine Weihnachtsgeschenke hatte er während des vergangenen Jahres selbst gesorgt: Bücher, CDs und den einen oder anderen Film auf DVD - lauter Dinge, für die er nun Zeit haben würde, auf die er sich freute.
Walters Fluchtburg lag 50 Autominuten von seinem Wohnort entfernt, ganz einsam am Ende eines kleinen Dorfes, so als gehöre es gar nicht mehr dazu. Einst Tante Lottis Sommerhaus, hatte er es vor vielen Jahren geerbt, Heizung und Bad einbauen lassen aber nie den Namen an der Gartenpforte geändert. Hier in diesem einsamen Ort sprach man von ihm nur als „Lottis Erben". Doch wer war die kleine rundliche Dame, die man hin und wieder im Garten gesehen hatte? Nichts Genaues wusste keiner. Besagte Dame war Walters Haushälterin. Wie auch in den voran gegangenen Jahren, hatte sie Haus und Garten gut in Schuss gebracht, großzügig für Vorräte gesorgt - feste und flüssige -– und dann ihren eigenen Weihnachtsurlaub angetreten. Sieben Tage würde Walter nur sich als Gesellschaft haben.
Mit einem wohligen Aufseufzen zerrte er den Schlips vom Hals, zog das Jackett aus, schlüpfte in bequeme Latschen, goss sich einen dreifachen Cognac ein, trat vor den großen Garderobenspiegel und prostete seinem Gegenüber zu: „Zum Wohl, Walter, mit dir trinke ich am liebsten."
Die nächsten zwei Tage verliefen so, wie er es sich erträumt hatte: Schlafen, lesen, Musik hören, kein Telefon, keine Nachrichten, keine Post. Er lebte wie auf einer einsamen Insel, nur komfortabler, dafür genauso unrasiert. Trotz aller Isolation würde er irgendwann am Nachmittag ein Päckchen vor seiner Tür finden. Seine Haushälterin, die gute Seele, würde es wieder nicht über sich bringen, ihn am Weihnachtsabend ohne Geschenk und Tannenzweig sitzen zu lassen. In jedem Jahr verbat er sich diese Aufmerksamkeit, doch sie entgegnete immer: „Lassen sie’s mal gut sein, Herr Direktor. Das muss ich für meinen Weihnachtsfrieden tun. “
Und da er sich gegenüber ehrlich war, gestand er sich ein, dass ihm diese nette Geste inzwischen viel bedeutete.
„Du bist kindisch Walter", beschimpfte er sich selbst, als er gegen Mittag verstohlen zur Gartenpforte sah, ob da vielleicht schon...
Erst nach drei Uhr, es begann eben zu dämmern, glaubte er ein Auto halten zu hören und sah kurz darauf eine Gestalt etwas an seiner Pforte abstellen.
Er wartete nur bis der Wagen um die Ecke gefahren war, dann lief er erwartungsvoll wie ein Bub in den Garten. Der lockere Schnee kam ihm von oben in die Hausschuhe, als er die ersten Spuren in den seit gestern fallenden Schnee trat. Gerade als er das Päckchen ergriffen hatte, ließ ihn ein leises Klicken erstarren - die Haustür hatte sich geschlossen.
Nicht druckreife Worte waren alles, was ihm einfiel. Da stand er, ohne Schlüssel, ohne Jacke, mit nassen Füßen und einem Päckchen in der Hand im tief verschneiten Garten am Ende der Welt, noch dazu zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Menschen dieses Landes sich zur Kirche oder an den festlichen Kaffeetisch begaben. Was tun?
„Schlüsseldienst, natürlich!" Erleichtert fiel ihm diese Möglichkeit ein. „Die müssen doch auch heute einen Notdienst haben." Gewohnheitsmäßig griff er in die Hosentasche nach seinem Handy– doch das lag ausgeschaltet im Haus. Irgendjemand im Ort würde ja ein Telefon haben. Erneut öffnete er das Gartentor. Hier draußen waren die meisten Häuser nur im Sommer bewohnt und so musste er mehrere Grundstücke weit laufen, bis er endlich zu einem bewohnten Haus kam.
Niemals zuvor hatten fremde, erleuchtete Fenster und ein rauchender Schornstein solche Sehnsucht nach Geborgenheit in ihm ausgelöst wie jetzt. Gleichzeitig aber sträubte sich alles in ihm, in Hemdsärmeln und Puschen vor einer fremden Tür zu stehen und sein Malheur zu schildern. Noch dazu heute, jetzt!
Seine Schritte verlangsamten sich und mit hängenden Schultern starrte er sehnsuchtsvoll zu dem warm leuchtenden Fenster.
„Fenster! Was bin ich doch für ein Trottel! Fenster kann man einwerfen, noch dazu, wenn sie einem selbst gehören." Beschwingten Schrittes eilte er den Weg zurück. Seine ohnehin klammen Finger wurden noch steifer, weil er nun bemüht war, einen Schneeball steinhart zu kneten. Dann umrundete er sein Haus. Unter dem Aspekt, welches Fenster sich am günstigsten zum Einsteigen eigne, hatte er es noch nie betrachtet und je länger er um das Häuschen herum ging, desto weniger wollte er eines der unteren Fenster einschlagen. Wer weiß schon, wann der Glaser...? Eher das kleine am Giebel...
Eine Leiter war weit und breit nicht zu finden. Erneut machte sich Walter auf den Weg zu seinem entfernten Nachbarn, der Schlüsseldienst würde eben doch herkommen müssen. Da bot ihm das Schicksal noch eine Chance. Nur zwei Grundstücke weiter lehnte eine Leiter vergessen an einem Birnenbaum. Der Gartenzaun bot nur eine symbolische Hürde. Auf seinem Weg zum Baum entdeckte Walter noch etwas Wundervolles: Neben einem überdachten Schuppentor hing eine alte Joppe, speckig und mit einem Dreiangel, war sie zweifellos kein Wertobjekt, jedoch hier und jetzt ein sehr willkommenes Kleidungsstück. Auch ein paar verkrustete alte Stiefel standen neben der Schuppentür. Alles war besser als nasse Hausschlappen und keine Jacke. So gewandet, schulterte Walter die Leiter und dachte übermütig. „Wenn mich jetzt einer sehen könnte..." Die Leiter reichte genau ans Giebelfenster.
Er war schon bis zur halben Höhe geklettert als ihm einfiel, dass man zum Einschlagen einer Scheibe einen Stein oder Stock brauchen könnte. Also begab er sich wieder hinunter und suchte einen schönen starken Knüppel. Fündig geworden hatte er fast das Fenster erreicht, als eine Stimme an sein Ohr drang:
„Also ich würde das lassen. Weihnachten bricht man nicht ein. Komm mal ganz schnell runter, Freundchen!"
Erschrocken ließ Walter den Knüppel fallen, doch dann fing er sich ganz schnell. Am Fuß der Leiter erblickte er im Dämmerlicht einen Mann mit seinem großen Hund.
„Was heißt hier einbrechen Mann, ich will nach Hause. Aber vielen Dank, dass sie so gut auf mein Hab und Gut achten. Gehen sie ruhig weiter, hier geht alles seinen richtigen Gang.“
Alles andere als beruhigt entgegnete der Hundebesitzer: „Ach nee, ich will ihnen mal was sagen, heute ist der 24. Dezember und nicht der erste April. Können sie sich ausweisen oder soll ich die Polizei holen?"
Walter sah plötzlich ein, wie aussichtslos alles Beteuern sein würde. Seine Gewandung, die Leiter, das völlig dunkle Haus, kein Name, der ihm gehörte am Gartentor, dazu kam, dass ihn hier niemand kannte. Resignierend stieg er von der Leiter. Die Polizei erschien ihm nicht mehr als Bedrohung. Die Aussicht auf eine warme Wachstube hatte sogar etwas ganz Verlockendes. So sagte er: „Ach bitte, rufen sie die Polizei. Das ist eine großartige Idee.“
Der Mann führte ihn zu seinem Haus, befahl dem Hund Walter zu bewachen, während er telefonieren wollte, und nach zehn Minuten näherte sich ein Funkwagen mit Blaulicht und Martinshorn. Ohne Widerrede ließ sich Walter zur Wache bringen. Dort, in der warmen Stube, kam die ganze Erschöpfung der letzten halben Stunde über ihn. Er zitterte so sehr, dass er seinen Namen dreimal sagen musste. Der sonst so gewandte und selbstsichere Herr Direktor war zu einer so mitleiderregenden Gestalt zusammengeschrumpft, dass ihn die Beamten erst einmal mit einem Grog auftauen mussten. Schluck für Schluck strömten die Lebensgeister in Walter zurück und mit ihnen seine Überzeugungskraft. Schließlich erkannten selbst die Beamten, dass es sich bei ihm nur um einen Ausgesperrten und somit um keinen Fall zum Einsperren handelte.
Die Streifenwagenbesatzung holte sogar sein Weihnachtspäckchen, das noch immer vor der verschlossenen Haustür stand. Walter verteilte die Leckereien als Belohnung, denn jeder versuchte ihn mit dem Bericht von einer anderen Weihnachtskalamität zu trösten. Bei der Polizei passieren nämlich selbst am Heiligen Abend die unheiligsten Geschichten, Stille Nacht- Heilige Nacht ist dort noch seltener, als man denkt. Aber an diesem Heiligen Abend war es eben anders. Nur selten hatte Walter sich so angenommen, umsorgt, so geborgen gefühlt. Der Mann vom Schlüsseldienst kam ihm fast ein wenig zu schnell.
Daheim, in seiner selbst gewählten Einsiedelei schien es ihm, als erdrücke ihn die Stille. Wieder goss er einen 'Dreistöckigen' ein und suchte die Gesellschaft seines Spiegelbildes. „Ab morgen sollen sie mich kennen lernen", versprach er sich.
„Zuallererst werde ich mit einem 'Fläschchen' vor der Tür meines aufmerksamen Nachbarn stehen und mich bedanken.“
Wieder steht das Weihnachtsfest
ganz dicht vor der Tür –
jeder stellt sich darauf ein,
tut das Seine für.
Damit es gelingen wird,
spart niemand am Geld –
jetzt zählt nur, was Freude macht,
schmeckt oder gefällt.
Wer kann, trägt etwas dazu bei:
Basteln, Schmücken, Kochen -
hofft auf den, der alles krönt
während dieser Wochen.
Schließlich heißen die Advent –
also kommt wer an –
was, ich hab mich umgehört –
Vieles seien kann:
Für die einen ist ’s der Schnee –
so schön stimmungsvoll -
Weihnachtsmann mit vollem Sack,
fänden Kinder toll –
Frieden reichte andern schon –
einmal keinen Zwist –
Aber rechnet ernsthaft wer
denn mit Jesus Christ?
Käm’ der Heilig Abend an,
müsst’ er sicher hören,
sein Kommen heut’ passt nicht recht,
es würd’ eher stören,
denn man sei gern unter sich,
das sollt’ er verstehen.
Nach dem Fest hätten wir Zeit,
da könnt’ man sich sehen.
Fröhlich pfeifend packte Bert das Auto.
Neben ihm stand Karin, seit drei Monaten seine „bessere Hälfte", wie es im Volksmund immer so schön heißt. Dabei war sie gar nicht besser als er. Eben das hatte sie ja zusammen gebracht.
„Hast Du auch wirklich alles eingepackt?” Kritisch besah sie sich den randvollen Kofferraum. „Alle Geschenke für Oma, Opa, Tante Lucie, für Mutter und deine Brüder?"
Er sah noch einmal genauer nach. Nicht auszudenken, wenn sie beide dort wären und die liebevoll eingekauften Dinge hier. War alles schon vorgekommen. Mit solchen Pannen ist es leider nicht so, wie mit den Masern: einmal und nie wieder. Nein, eher wie mit Scharlach, je schlimmer er auftritt, desto länger hält die Immunität.
Das mit dem vergessenen Geschenk vom Vorjahr konnte man getrost mit einer ganz schlimmen Form von Scharlach vergleichen. Ausgerechnet Tante Lucies Geschenk hatte er im Flur stehen lassen. Es war das Sammelgeschenk aller Familienmitglieder gewesen.
„Ich besorge das Lesegerät für uns alle. In der Großstadt habe ich ja viel bessere Möglichkeiten, als ihr auf dem Land", hatte er getönt.
Endlich würde Tante Lucie wieder ihre geliebte Zeitung lesen können, das Fernsehprogramm und die Bibel. Ein tolles Gerät, das neueste, was die Technik hergab. Sie hatten alle viel dazu gegeben, keiner hatte sich lumpen lassen. Die ganze Familie freute sich schon so darauf, dass Tante Lucie ihnen die Weihnachtsgeschichte vorlesen würde. Zwar kannte sie die notfalls auch auswendig, aber damit würde sie sie auch wieder lesen können.
Und dann...
Die Erschütterung der gesamten Familie über seine Schusseligkeit war unbeschreiblich, die Folge konsequent: Kein Lesegerät von ihm - kein Heiliger Abend für ihn. Da gab es gar nichts zu überlegen - rein ins Auto und zurück.
Bei dem Verkehr, der zum Beginn des Festes herrschte, dürften Hin- und Rückweg nicht unter drei Stunden zu schaffen sein. Es würde mehr 'Heilige Nacht' sein, bis er wiederum unterm Christbaum stünde.
Was sein muss, muss sein! Alle waren unerbittlich.
Schon dunkelte es. Jedermann strömte dem Ort seiner Feier entgegen. Die Autobahn war voll wie ein Weihnachtsgottesdienst, nur von Friede auf Erden - keine Spur.
