Marwados - Sören Jan Bang - E-Book

Marwados E-Book

Sören Jan Bang

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Beschreibung

Jaron Tymann, ein sechzehnjähriger Fischersohn aus dem Süden des Königreiches Marwados, macht sich auf den Weg, seinen Dienst in der Landeswache anzutreten, während in der Hauptstadt Birlick Intrigen gesponnen werden, um den Frieden mit den Nachbarn zu beenden und die Machtverhältnisse innerhalb des Reiches zu verändern. Selbst vor Mord und Totschlag schrecken die Drahtzieher einer möglichen Revolte nicht zurück. Das, was Jaron auf seinem Weg widerfährt und die Menschen, die ihm auf dieser Reise begegnen, prägen den Jungen und lassen ihn zum Mann reifen. Er trifft dabei Freunde und bekämpft Feinde, er lernt die Liebe und das Leid kennen. Am Ende gilt es, seine ganze Kraft und seinen ganzen Mut in die Waagschale zu werfen, um einen Umsturz innerhalb des Reiches zu verhindern. Dabei wird er mit Geheimnissen konfrontiert, die auch seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine Zukunft in Frage stellen.

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Seitenzahl: 613

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Über den Autor

Sören Jan Bang, Jahrgang 1965, lebt mit seiner Familie in Berlin. Der studierte Betriebswirt und Gesundheitsökonom arbeitet als Dozent in einer Einrichtung der beruflichen Rehabilitation im Norden der Hauptstadt.

Seine Freizeit verbringt er gern ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz als Sanitäter.

Seine Liebe zum Schreiben war schon immer latent vorhanden und findet nun, durch das Marwados-Epos, ihren Weg an die Öffentlichkeit.

Sören Jan Bang

Marwados

Band 1 – Die Wache

www.tredition.de

Impressum

© 2016 by Sören Jan Bang

Illustration: Sören Jan Bang

www.soeren-jan-bang.com

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback

ISBN 978-3-7345-3343-3

Hardcover

ISBN 978-3-7345-3344-0

e-Book

ISBN 978-3-7345-3345-7

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie, detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich Liebe übe, wo man hasst,

dass ich verzeihe, wo man beleidigt,

dass ich verbinde, wo Streit ist,

dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,

dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,

dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,

dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert,

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten:

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt,

wer sich selbst vergisst, der findet,

wer verzeiht, dem wird verziehen,

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Gebet des heiligen Franziskus von Assisi

Das Königreich Marwados

Jaron

Der Tag erwachte aus einer dunklen und sternenklaren Nacht und die Morgendämmerung tauchte das Fischerdorf Kados im Süden der Provinz Dogatal in ein diffuses Licht. Der Wind wehte heute vom Meer auf das Land und umwirbelte spielerisch die harten und blauen Blätter des Dünengrases, während die Sonne ihre ersten zarten Strahlen durch das Zimmerfenster der kleinen Hütte schickte, in der Jaron bereits wach im Bett lag. Die leichte und angenehme Brise, die es vom Meer über die Dünen schaffte und mit den Stoffvorhängen am kleinen Fester des Zimmers spielte, wirkte für diese Jahreszeit schon recht warm. Das ständige Rauschen der Wogen durchbrach die sonst herrschende Stille in der kleinen Behausung hinter den Dünen.

Alle Bewohner des Hauses schliefen noch tief und fest. Jaron war der Einzige, der nach einer unruhigen Nacht schon die Augen geöffnet hatte. Tausende Gedanken schossen ihm durch seinen Kopf. Heute war sein großer Tag, heute würden nun endlich die Rekrutierer der Landeswache kommen und endlich war er sechzehn Jahre alt und konnte mit ihnen gehen.

Seit dem Ende des Krieges vor vierzehn Jahren, in dessen Folge König Karol nach vielen Verwirrungen schließlich die Regentschaft über das nunmehr geeinte Königreich Marwados übernahm, war es üblich, dass einmal im Jahr jedes Dorf und jede Stadt in jeder der vier Provinzen, mindestens einen sechzehnjährigen Knaben zur Ausbildung und zum Dienst in der Landeswache an die Schule nach Worogol im Norden der Provinz Tanara entsandte.

Meist fanden sich diese Knaben freiwillig oder zumindest auf sanften Druck aus ihren eigenen Familien, denn die Ausbildung in der Landeswache war gut und am Ende dieser vier Jahre Ausbildungszeit trat man für zehn Jahre in den gut bezahlten Dienst dieser Armee und hatte somit ein sicheres Auskommen.

Besonders gute Absolventen wurden auch in den Dienst der Standarte des Königs, in der Hauptstadt Birlick, übernommen. Dies war mit entsprechend hohem Ansehen, weiteren Ausbildungen und einer recht hohen Besoldung verbunden. Fand sich dennoch während der Rekrutierungen, die jeweils zum Beginn des Frühjahrs stattfanden, kein Freiwilliger, so entschied das Los über den Knaben, der dann für den Dienst zwangsverpflichtet wurde.

In Kados brauchte heute kein Junge zu befürchten, dass er zwangsverpflichtet wird. Jeder hier wusste, dass sich Jaron nichts sehnlicher wünschte, als zur Landeswache zu gehen.

Jarons älterer Freund, Sali Ontrup, war vor zwei Jahren rekrutiert worden. Seitdem konnte sich Jaron mit kaum etwas anderem als dem Dienst in der Landeswache beschäftigen. Ständig fragte er seinen Großvater, Kamar Vehling, der ja bereits im Krieg als Soldat zur Landeswache gehörte, nach allem, was mit dem Dienst dort zu tun hat.

So kannte er bereits die Rangabzeichen der einzelnen Dienstgrade, die Bedeutung der verschieden Uniformen, die Waffen der Soldaten und auch die vielen Kampfübungen, die sie dort absolvieren würden müssen.

Der Großvater wiederum erzählte gern vom Dienst in der Wache. Er war stolz, selbst dort gedient zu haben. Er hatte seine Einheit dann nach dem Krieg im Range eines Hauptmanns verlassen. Aber die Kriegszeiten ließ er in seinen Erzählungen recht gern einfach weg. Wenn Jaron ihn danach fragte, wurde er schweigsam und seine Augen bekamen einen traurigen Ausdruck.

Jaron wurde in den letzten Jahren des Krieges geboren und hat von dieser Zeit kaum etwas mitbekommen. Doch Großvater Kamar hatte die ganzen Schrecken und Wirren dieser, für das Königreich Marwados schlimmen Zeit, miterlebt und sprach recht ungern darüber. Zu sehr lasteten dir furchtbaren Erlebnisse, das viele Blut und die Grausamkeiten, die er mit ansehen musste, auf seiner Seele.

Anfangs sträubte sich Jarons Familie, allen voran die liebevolle Mutter, dagegen, dass er in den Dienst der Landeswache treten wollte. Aber der Junge gab keine Ruhe und als sein Freund Sali in einem Brief sehr lang und sehr ausführlich und vor allem mit großer Begeisterung über die Schule, die Ausbildung und die Wache und sein neues Leben berichtete, konnte er damit auch der Mutter von Jaron die Bedenken nehmen. Und so stimmte die Familie letztendlich und zu Jarons großer Freude zu.

Und heute war es nun endlich soweit, dass Jaron seinem Leben in dem Fischerdorf Kados, seiner Familie, seiner Arbeit als Fischereigehilfe des Vaters, dem einfachen Dasein eines Dorfjungen und der einfachen Schulbildung des Dorfes den Rücken kehren würde.

Seine Familie würde er schmerzlich vermissen und das machte ihm natürlich das Herz schwer. Aber er wusste auch, dass er sie mindestens einmal im Jahr besuchen durfte. So waren die etliche Jahre alten Regeln der Schule in Worogol.

Jaron mochte seine Heimat Kados, dieses kleine Dorf an der Passage, dem Meer, das Marwados im Süden begrenzte. Etwas über eintausend Menschen lebten hier. Die meisten von ihnen waren im Fischfang und im Fischhandel tätig.

So auch der Vater von Jaron. Ihm musste Jaron immer helfen, die zerschlissenen Netze zu flicken, den Fisch für den Verkauf vorzubereiten und bei den zahlreichen anderen Arbeiten zur Hand gehen, die die Fischerei mit sich brachte. An den wenigen schulfreien Tagen konnte er sogar mit aufs Meer hinaus fahren und helfen, die Netze einzuholen.

Einmal in der Woche, immer mittwochs, besuchte er mit seiner Mutter Nicola und seinem zwölfjährigen Bruder Larik und der vierzehnjährigen Schwester Liliana den Markt in Rastan, der nächsten großen Stadt, etwa fünfzehn Kilometer entfernt. Dort verkauften sie den Fisch, den der Vater nicht an den Großankäufer im Dorf veräußern konnte oder wollte.

Jarons Vater, Ragna Tymann, war ein großer Mann. Sein Gesicht mit dem Strahlen seiner blauen Augen wurde von kurzen blonden Haaren und einem dichten Vollbart umrahmt. Mit seinen siebenunddreißig Jahren war er schon sehr lebenserfahren. Das mochte daran liegen, dass er in den letzten Jahren des großen Krieges der vier Provinzen noch mitgekämpft hat und ebenso viel Schreckliches, so viel Leid und Elend erlebt hat, wie sein eigener Vater. Aber Ragna konnte im Krieg auch sehr viel Menschlichkeit und gegenseitige Hilfe beobachten, so dass er nicht den Glauben an die Menschen und an den Herren der Elemente verloren hatte.

Eine Beinverletzung während der Kämpfe am Fluss Tanara sorgte dafür, dass er noch heute einen leicht humpelnden und schwankenden Gang hat, was bei den Menschen, die ihn sahen, oft den Eindruck eines schwankenden und gemütlichen Seebären erweckte.

Ragna Tymann war ein stolzer Mann, der seine Kinder mit Strenge aber auch mit sehr viel Liebe und Güte erzog. Die Menschen in Kados kannten ihn als sehr zuverlässigen und ehrlichen Kerl, der nie viel Worte machte, sondern einfach anpackte, wo Not am Mann war.

Das heimliche Oberhaupt der Familie war Jarons Mutter, Nicola Tymann. Sie war eine wunderschöne Frau. Klein, schlank und immer lebendig wirbelte sie im Haus herum, sang oft, hatte fast zu jeder Zeit gute Laune und liebte ihre Kinder abgöttisch.

Sie war ein eher dunkler Typ mit braunen Haaren und braunen Augen. Ragna scherzte häufig, dass sie ihr gutes Aussehen und ihr Temperament an den ältesten Sohn, Jaron, weitergegeben haben musste. Die beste Eigenschaft an Nicola war, dass sie auch in der schwierigsten Situation immer noch etwas Positives entdecken konnte.

Vor siebzehn Jahren hatte Ragna die damals neunzehnjährige Nicola auf dem Markt in Rastan kennengelernt und sich sofort unsterblich in sie verliebt. Aufgrund seiner Kriegsverletzung musste Ragna nicht mehr zur kämpfenden Truppe, sondern war für den Stab des Nachschubes der Truppen der Provinz Dogatal in der Stadt Rastan tätig.

Nach einigen Wochen und einigen Treffen und Besuchen bei den Eltern von Nicola, machte Ragna ihr schließlich einen Heiratsantrag, in dem sie nur allzu gern einwilligte. Auch die Eltern von Nicola stimmten einer Hochzeit zu und so heirateten die beiden im Tempel der Elemente in Rastan, lebten noch bis zum Ende des Krieges in der Stadt und zogen dann alle, auch die Großeltern, nach Kados in das kleine Haus hinter den Dünen. Noch während der Zeit in Rastan vergrößerte der älteste Sohn, Jaron, die kleine und glückliche Familie.

Der Fischfang ernährte die Familie gut und so hatten sie es im Laufe der Jahre zu einigem Wohlstand, der eigenen Hütte, zwei eigenen Fischerbooten und etwas Bargeld gebracht und mussten keine Not leiden.

Die Provinz Dogatal im Südosten des Königreiches Marwados, in deren südlichstem Zipfel das Dorf Kados lag, ist recht groß. Sie erstreckt sich von der Hauptstadt des Gesamtreiches, Birlick, bis zur Passage im Süden über etwa eintausend Kilometer und grenzt im Westen an die Provinz Ormangol und im Osten an die Limansee, dem östlichen Meer. Von West nach Ost beträgt die Entfernung ungefähr achthundert Kilometer. Die Hauptstadt der Provinz heißt Limansund und liegt an der Mündung des Danfortflusses in die Limansee.

Die Bewohner der Provinz lebten hauptsächlich vom Fischfang, vom Fischhandel, von der Viehzucht vom Getreideanbau und vom Handel. Der Seehafen in der Provinzhauptstadt Limansund bot natürlich noch sehr viele weitere Möglichkeiten, sein Geld auf mehr oder weniger legale Weise zu verdienen.

Wie im gesamten Königreich, waren die Sommer mild und die Winter kalt, die Böden waren fruchtbar. Seit Jahren gab es keine Hungersnöte oder schweren Epidemien mehr.

Die Menschen wirkten zufrieden und kümmerten sich wenig um die große Politik des Landes oder die Zwistigkeiten mit den westlichen und nördlichen Nachbarn des Reiches.

Der Orden des Tempels der Elemente sorgte seit Jahrhunderten für die religiöse und medizinische Betreuung der Menschen, ohne diesen die eigene Religion aufzuzwingen. Fast die gesamte Bevölkerung lebte seit Anbeginn der Zeiten den Glauben an den Herren der Elemente und dessen Einfluss auf die Geschicke der Menschen. Der Glaube bot ihnen Halt, gab ihnen Ruhe und Zuversicht im Leben.

Endlich regte sich etwas im Haus und Jaron konnte aufstehen. Er sprang aus dem Bett, streckte sich genüsslich, fuhr sich mit den Händen durch die kurzen braunen Haare und eilte in den vorderen Teil des Hauses.

In der Küche traf er, wie erwartet, seine Mutter, die das Frühstück für die Familie vorbereitete. Im Normalfall gab es Hirsebrei oder Haferbrei, gelegentlich Maisfladen und dazu Kräutertee oder Ziegenmilch. Nicola schaffte es immer, aus allem, was die Küche hergab, nahrhafte und wohlschmeckende Mahlzeiten zu zaubern.

Aber heute hatte die Mutter Pfannenfladen aus Eiern, Milch und Mehl gebacken. Die Eier hatte sie am Morgen aus dem kleinen Hühnerstall hinter dem Haus geholt. Sie wollte Jaron noch einmal etwas Besonderes zubereiten, bis er am Nachmittag dann endgültig das Haus verließ. Jaron beobachtete seine Mutter eine kleine Weile. Nicola sang heute nicht, sie schaute ernst und traurig. Als sie dann schließlich ihren Sohn entdeckte, wurde ihr Blick ganz weich und sie lief auf Jaron zu.

„Guten Morgen, mein großer Krieger. Konntest du heute Nacht wenigstens etwas schlafen?“, fragte sie ihren Sohn mit warmer Stimme.

„Guten Morgen, Mama. Naja, es ging so leidlich mit dem Schlafen. Machst du heute etwas besonders Leckeres zum Frühstück?“, entgegnete Jaron mit neugierigem Blick auf den Herd.

„Ja, heute gibt es Pfannenfladen mit Honig und Zucker. Ich will dich noch einmal richtig verwöhnen.“ Nicola versuchte, ein Schluchzen zu unterdrücken und Jaron nahm seine Mutter fest in den Arm.

„Komm mir nur immer gesund wieder nach Hause, mein lieber Sohn. Ich habe Angst um dich.“, hauchte Nicola in Jarons Ohr.

„Das werde ich, Mama. Ich verspreche es dir.“, versuchte Jaron zu lächeln.

In diesem Augenblick schlurfte Großvater Kamar aus seinem Zimmer in die Küche.

„Guten Morgen. Lasst doch bitte das Heulen sein, Kinder. Jaron wird immer wieder zu uns zurückkehren. Das weiß ich sehr genau.“, grummelte er.

„Guten Morgen, Opa.“, antwortete Jaron und drückte seinem Großvater einen Kuss auf die Wange.

„Guten Morgen, Papa. Du hast ja Recht. Es ist trotzdem traurig, dass der Kleine jetzt weg geht.“, entgegnete Nicola ihrem Vater.

„Na, jetzt aber mal kein Trübsal blasen.“, schmetterte Oma Sarina plötzlich mit ihrem sehr lauten Organ in die Küche, während sie ihren schweren und runden Körper auf die Küchenbank hievte und dabei mächtig schniefte. Die Oma war eine Seele von Mensch. Jeder liebte sie und alle vertrauten ihrem weisen und immer liebevollen Rat. Großmutter Samira hatte immer und für jeden Menschen Zeit und ein offenes Ohr. Und seltsamerweise hatte sie auch immer etwas Zuckerwerk zum Naschen in ihren Taschen. Jaron ging auf seine Großmutter zu und begrüßte sie mit einem Kuss.

„Guten Morgen, Oma.“, sagte er lächelnd.

„Guten Morgen, mein kleiner Prinz.“, antwortete die Großmutter ebenfalls mit einem sanften Lächeln im Gesicht.

„Guten Morgen, mein zartes Täubchen.“, gurrte der Großvater grinsend von der Seite und kniff seiner Gemahlin, mit der er schon so viele Jahre des Lebens verbracht hatte, liebevoll in den Hintern. Alle fingen an zu lachen. Zartes Täubchen passte so gar nicht zu dem voluminösen Körperbau der Großmutter. Selbst Oma Sarina musste über diesen liebgewonnenen und täglichen Scherz ihres Gatten lachen.

Ein lautes Poltern aus den hinteren Räumen bedeutete, dass jetzt auch die Geschwister von Jaron erwacht waren und gleich in die Küche stürmten.

„Au fein, Pfannenfladen.“, freute sich die quirlige Liliana.

„Einen guten Morgen für alle lieben Menschen.“, rief sie, wie immer froh gelaunt, in die Runde.

„Guten Morgen.“, antworteten alle. Immer wenn die kleine Liliana auftauchte, wirkte es so, als ob die Sonne etwas heller scheinen würde. Liliana schaffte es, jedem der hier im Raum anwesenden Menschen, ein Lächeln in das Gesicht zu zaubern.

„Morgen, wo ist denn Papa?“, fragte Jarons jüngerer Bruder, Larik, der ebenfalls gerade aus seiner Schlafkammer kam. Er wirkte, wie immer am Morgen, etwas mürrisch.

Seine kurzen roten Haare schafften es, trotzdem sie nur knapp zwei Zentimeter lang waren, nach allen Seiten abzustehen, was bei ihm immer recht lustig aussah.

„Guten Morgen, mein Kleiner. Papa ist noch einmal kurz zu den Booten gegangen, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Gestern Abend war die See doch schon recht stürmisch und er hat Angst, dass sich die Boote losgerissen haben. Außerdem wollte er bestimmt noch ein wenig die Ruhe genießen.“, antwortete die Mutter sanft.

Tatsächlich war Ragna am frühen Morgen noch einmal ans Meer gegangen. Er wollte vor Beginn des Tages beim Rauschen der Wellen noch einmal Kraft schöpfen. Ragna war klar, dass der Tag sehr anstrengend werden würde, mit vielen Emotionen und auch mit viel Traurigkeit.

Und natürlich hatte Ragna auch Angst. Angst, dass er seinen geliebten Sohn verlieren würde und dass ein lange gehütetes Geheimnis sehr bald ans Licht kommen könnte.

Er lauschte dem Meer und dem ersten Geschrei der Möwen. Wasser aus der Passage, das er für diese Jahreszeit als erstaunlich warm empfand, spielte um seine Füße und der angenehme Wind umwehte seinen Körper. Ragna liebte diese Ruhe am Morgen. So oft er konnte, stand er vor allen anderen auf, verließ das Haus und ging ans Meer, um diese Momente der Stille und des Alleinseins zu genießen.

Schließlich aber kehrte Ragna um und machte sich auf den Weg zum Haus hinter den Dünen, um gemeinsam mit der Familie zu frühstücken. Er würde heute nicht arbeiten. Ragna wollte heute nur für Jaron da sein, falls dieser ihn brauchte.

Ragna wusste, dass Jaron am Vormittag noch einmal durch das Dorf gehen und sich von seinen Freunden verabschieden wollte. Erst nach dem Mittagessen würden dann die Rekrutierungszeremonien mitten im Dorf beginnen.

Im Haus angekommen, hatte Ragna nicht unbedingt das Gefühl, dass heute etwas Besonderes geschehen sollte. Es herrschte das übliche morgendliche Durcheinander. Die Kinder rangelten um die besten Plätze am Tisch. Die Großeltern saßen in ruhiger Eintracht beieinander und Nicola wirbelte durch die Küche. Nur, dass sie heute nicht sang, deutete darauf hin, dass etwas Anspannung in der Luft lag.

Am Rekrutierungstag war für die Kinder selbstverständlich schulfrei und kaum jemand arbeitete an diesem Tag. Am Nachmittag würde dann fast das gesamte Dorf auf dem Marktplatz zusammen kommen und an den Zeremonien teilnehmen.

„Wie willst du denn deinen Vormittag nun verbringen, Jaron? Bleibt es dabei, dass du noch einmal durch Kados gehen und deine Freunde sehen willst?“, fragte Ragna. Jaron schwieg erst einmal und zuckte mit den Schultern.

„Noch einmal durchs Dorf gehen und mich mit Cara und Ante treffen, wäre gut. Seid ihr dann auch nicht zu traurig, dass ich dann noch einmal weg gehe?“, antwortete er schließlich. Der Vater schüttelte den Kopf.

„Geh nur, mein Großer.“, lächelte er seinem Sohn ins Gesicht.

Cara und Ante waren Zwillingsgeschwister. Cara war die beste Freundin und Ante der beste Freund von Jaron. Sie waren alle gleichaltrig und besuchten gemeinsam die Dorfschule. Cara schwärmte heimlich für Jaron und war sehr traurig, dass sie ihn jetzt mindestens ein Jahr nicht sehen würde. Aber sie hatte sich vorgenommen, ihm sehr viele Briefe zu schreiben und vielleicht würde sie ihm heute einen Kuss geben.

Endlich hatte Nicola ihre Arbeit beendet, der Tee stand in dampfenden Bechern auf dem groben Holztisch und sie setzte die große Schale mit den warmen und herrlich riechenden Pfannenfladen ab. Wie selbstverständlich erhoben sich alle vor Beginn einer jeden Mahlzeit zum Gebet, dass gewöhnlich vom männlichen Oberhaupt der Familie gesprochen wurde.

„Herr der Elemente, wir danken dir für die reichen Gaben unseres Mahls. Wir bitten Dich um den Schutz für unsere Familie und um besonderen Schutz für unseren Sohn, Jaron. So mag es geschehen.“

„So mag es geschehen.“, antwortete die Familie im Chor. Alle setzten sich und begannen zu essen. Die Pfannenfladen schmeckten köstlich und Jaron schaffte sogar drei Stück, die er reichlich mit Honig bestrich, zusammenrollte und genüsslich in seinem Mund verschwinden ließ.

Nach dem Essen halfen noch alle mit, das Geschirr zu spülen und wegzuräumen bis Ragna seinen Sohn noch einmal beiseite nahm.

„Jaron, wenn du noch einmal mit mir reden willst oder bei irgendetwas Hilfe brauchst, dann sag Bescheid. Ich fahr heute nicht aufs Meer und bleibe zu Haus.“

„Danke Papa. Bleib nur nachher bei den Zeremonien in meiner Nähe. Ich hab richtig große Angst, irgendetwas falsch zu machen.“, antwortete Jaron.

„Selbstverständlich, mein Sohn, ich stehe direkt hinter dir. Mach dir keine Sorgen. Und nun zieh los und geh noch einmal deine Freunde besuchen.“, entgegnete Ragna.

Jaron umarmte seinen Vater einen Moment länger als gewöhnlich und trottete dann in Richtung Marktplatz des kleinen Fischerdorfes.

Die Zwillinge Cara und Ante warteten schon am Brunnen auf dem Markt. Ante kurbelte gerade einen Eimer des kalten Brunnenwassers nach oben, um sich zu erfrischen, als Jaron auf den Marktplatz einbog.

Cara entdeckte ihn als ersten, sprang auf und rannte auf Jaron zu. Sie schlang die Arme um Jaron, küsste ihn ungeschickt auf den Hals und fing an zu weinen. Ihre langen dunklen Haare wehten um die Körper der beiden und verfingen sich in Jarons Gesicht. Cara schluchzte.

„Und, wann heiratet ihr?“, fragte Ante etwas unwirsch, obwohl er diese Szene sehr schön fand und der Gedanke, dass die beiden vielleicht einmal heiraten würden, ihn sehr freute.

Ante war seiner Zwillingsschwester sehr ähnlich. Bei ihm entwickelten sich jetzt so langsam die männlichen Proportionen, sowie sich bei Cara inzwischen auch deutlich Anzeichen zunehmender Fraulichkeit zeigten. Antes Haare waren natürlich kurz. Aber das tiefe Schwarz seiner Haare und das helle und leuchtende Blau seiner Augen hatte er auf jeden Fall mit Cara gemeinsam.

Jaron und Cara lösten sich voneinander. Caras hellblaue Augen schimmerten vor Tränen und selbst Jaron fiel es jetzt schwer, seine Traurigkeit zu bezähmen. Alle drei lächelten sich schüchtern an.

„Ich komme ja in einem Jahr schon wieder für einige Wochen nach Hause.“, versuchte Jaron das Schweigen zu unterbrechen und streichelte Cara sanft über den Kopf. Aber ihre Tränen wollten einfach nicht versiegen.

„Ach, du lernst dort bestimmt sehr viele schöne Mädchen kennen und wirst mich ganz schnell vergessen.“, schluchzte Cara wieder los.

Jaron wusste sich daraufhin nicht weiter zu helfen, als Cara fest in den Arm zu nehmen. Ihre Tränen rannen ohne Unterbrechung über ihre Wangen auf Jarons Schulter.

„Ich komme immer wieder zurück zu dir, mein ganzes Leben lang.“, versprach Jaron plötzlich. Voll Erstaunen riss sich Cara von ihm los und schaute ihm in seine faszinierenden braunen Augen.

„Du meinst das wirklich ehrlich, Jaron?“, stammelte sie.

„Ja.“, war seine kurze und ehrliche Antwort, die keiner weiteren Erklärung bedurfte. Cara umarmte ihn fest und lange.

„So, darf ich jetzt auch einmal, ich hab diesen Kerl nämlich auch gern.“, protestierte Ante lächelnd.

„Komm her, mein Freund.“, sagte Jaron und alle drei lagen sich mit einem Gefühl in den Armen, gerade in diesem Augenblick wieder etwas erwachsener geworden zu sein. Sie hielten sich lange Zeit eng umschlungen aneinander fest.

„Lasst uns einfach noch ein wenig durch das Dorf gehen und dann am Meer sitzen.“, schlug Jaron vor. Keiner widersprach und so gingen sie langsam die kleinen Gassen an den vielen weißen Häusern mit den für die Provinz Dogatal so typischen grünen Dachziegeln entlang.

Wie es in kleinen Dörfern üblich war, kannte hier jeder jeden. Die Einwohner von Kados, die ihren Weg kreuzten wurden von den Jugendlichen respektvoll gegrüßt. Die meisten von ihnen grüßten zurück. Einige sprachen mit ihnen sogar kurz über das bevorstehende Ereignis. Jaron hatte aber das Gefühl, dass niemand wirklich nachempfinden konnte, wie es ihm im Moment ging. Außer seinen Freunden natürlich und seiner Familie.

Sie überquerten die grasbewachsenen Dünen, kamen schließlich ans Meer und setzten sich am Strand in den schon recht warmen Sand.

Der Wellengang war, genau wie das Geschrei der Möwen, im Laufe des Vormittages stärker geworden. In der Ferne, auf dem Wasser, sprangen Delphine vor dem Bug eines der wenigen Boote, die heute auf dem Meer waren, aus dem Wasser. Einer der seltenen Seeadler zog in luftiger Höhe seine Kreise und genoss wohl die ersten wärmenden Strahlen der Frühlingssonne.

Obwohl der Seeadler als Wappentier des Königreiches besonders geschützt wurde und nicht gejagt werden durfte, war er immer seltener zu sehen. Jaron freute sich, diesen wunderbaren Raubvogel beobachten zu können, war er doch auch das Wappentier der Landeswache. Dass dieser Seeadler gerade heute seinen weiten Bahnen hoch über ihren Köpfen zog, hielt Jaron für ein gutes Zeichen.

Kleine weiße Wolken wanderten langsam über den strahlend blauen Himmel. Die laue Luft streifte angenehm die Haut und das Rauschen der Wellen wirkte beruhigend. Jaron verstand, warum sein Vater so oft vor Tagesanbruch an das Meer ging, um genau diese Augenblicke zu genießen.

Die drei waren sehr oft hier, wenn sie nicht in den Betrieben oder Haushalten der Eltern helfen mussten und natürlich nur, wenn kein Schulunterricht stattfand.

Und wie so häufig, schwiegen sie auch heute einfach und waren nur froh, dass sie sich hatten und beieinander waren.

Als es auf die Mittagszeit zuging, erhob sich Jaron schließlich langsam aus dem Sand.

„Ich glaube, es wird Zeit, dass ich mich vorbereite.“, sagte er, worauf Cara sofort wieder zu schluchzen anfing.

Jaron sah Cara an, lächelte und nahm ein Lederband mit einem Feuerstein als Amulett von seinem Hals und legte es Cara um ihren Hals.

„Ich komme zu dir zurück.“, versprach er nochmal. Cara gab ihm einen zaghaften Kuss auf den Mund und Jarons Gesicht verfärbte sich dunkelrot.

„So, dass war ja dann wohl jetzt die Verlobungsfeier.“, grinste Ante schelmisch.

„Na, dich kann ich ja wohl nicht heiraten, Ante.“, scherzte Jaron zurück. Alle drei lächelten sich an und machten sich so langsam auf den Weg zu Jarons Haus.

Als sie gerade die Dünen überqueren wollten, stand plötzlich, wie aus dem Nichts aufgetaucht, ein großer Mann in der dunkelroten Uniform der Landeswache vor ihnen.

„Major Roman Manescu, Rekrutierungsoffizier der Landeswache.“, stellte er sich kurz und in lautem befehlsgewohntem Ton vor.

„Guten Tag, ich bin Jaron Tymann und das sind meine Freunde, Cara und Ante.“, antwortete Jaron freundlich.

„Dann bist du ja genau der, den ich suche.“, sagte der Major und blickte Jaron mit einem durchdringenden Blick in die Augen. Jaron bemerkte nur, dass Cara schon wieder zu schluchzen begann und so nahm er unwillkürlich ihre Hand. Dies schien Cara tatsächlich etwas zu beruhigen und seltsamerweise ihn auch.

„Ja.“, brachte Jaron nur kurz hervor und schluckte.

„Ein stattlicher und gut aussehender Kämpfer hat sich ja da für uns gefunden.“, schmunzelte nun der Offizier und die Stimmung entspannte sich ein wenig.

„Ich habe eben mit dem Priester des Ordens gesprochen, die Zeremonie beginnt in zwei Stunden. Es ist für dich also Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen.“, fuhr Major Manescu in wesentlich wärmerem Ton fort.

„Jawohl, Herr Major.“, versuchte Jaron vorschriftsmäßig zu antworten. Der Major schmunzelte erneut, machte kehrt und verschwand so plötzlich, wie er aufgetaucht war.

„Oh Mann.“, war das Einzige, was Ante hervorbrachte. Cara schlang ihren Arm um Jarons Hüfte und schwieg.

„Oh Mann.“, antwortete auch Jaron nur. So standen sie noch eine Weile in Schweigen versunken, schauten dem Major nach, der ganz plötzlich scheinbar unsichtbar geworden und verschwunden ist, bis sich Jarons Erstarrung endlich löste.

„Also gut, ich muss dann jetzt wohl los. Seid ihr nachher bei der Zeremonie?“, fragte er unsicher. Cara und Ante nickten. Und wieder schwiegen sie einen Augenblick und hingen ihren traurigen und sehnsuchtsvollen Gedanken nach.

„Es wird sicherlich nachher wenig Zeit für große Abschiede sein“, fand Jaron seine Sprache wieder, „wollen wir uns jetzt schon Lebewohl sagen?“ Wieder nickten beide und keiner rührte sich.

Jaron wollte gerade einen Schritt auf Ante zu gehen, da sprang Ante schon auf Jaron zu und umarmte ihn fest.

„Du schreibst mir oft und kommst wirklich jedes Jahr hierher und besuchst uns, ja?“, bettelte er.

„Natürlich mache ich das. Ihr seid mir die wichtigsten Menschen, die ich habe.“, antwortete Jaron.

Auf einmal baute sich Cara vor Jaron auf, stemmte ihre Hände in die Hüften und sah ihm direkt ins Gesicht.

„Jaron Tymann, ich weiß dass wir eigentlich noch viel zu jung sind. Aber ich liebe dich und das schon ganz lange Zeit. Ich will, dass du zu mir zurückkommst!“, forderte sie.

„Liebe Cara“, antwortete Jaron verdutzt und schaute ihr ganz fest in die schönen Augen, „ich weiß nicht, was hier und heute passiert ist. Aber ich glaube, ich liebe dich auch. Ich verspreche dir, dass ich immer wieder zu dir zurückkehren werde.“

Sie nahmen sich fest in den Arm und Jaron spürte ihre und auch seine Erregung. Sie küssten sich lange und diesmal richtig. Einer eigenen und einzigartigen Magie folgend und wie von selbst, fanden sich ihre Zungen, berührten sich und spielten an den Lippen des anderen.

Verwirrt ließen sie nach einer Weile voneinander ab und lächelten sich verlegen an. Ante legte seine Arme um alle beide, so dass sie einen kleinen Kreis bildeten.

„Wir gehören für immer zusammen.“, beschwor er den Kreis der drei Freunde.

„Wir gehören für immer zusammen.“, antworteten Cara und Jaron im Chor.

Ihre Wege trennten sich, vorerst aber nur bis zum Beginn der Zeremonie. Cara und Ante gingen in Richtung des Marktplatzes und Jaron bog nach rechts in Richtung des Hauses der Familie ab.

Das weiß verputzte Haus von Jarons Familie leuchtete hell im gleißenden Sonnenlicht. Auf den grünen Dachziegeln räkelte sich eine Katze genüsslich in der wärmenden Sonne. Jaron öffnete die kleine Holztür und trat direkt die gemütliche Wohnküche mit dem rustikalen Holztisch und den Sitzbänken. Das Geschirr war inzwischen wieder ordentlich in den Regalen an der Wand gestapelt. Auf dem Ofen, der mit Holz befeuert wurde und auch als Kochherd diente, stand ein großer Topf mit heißem Wasser und brodelte vor sich hin.

Die kleinen Fenster, deren Läden angelehnt waren, ließen nur wenig Licht in den Raum. So musste Jaron mehrmals blinzeln, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen. Eben stand er ja noch im hellen Sonnenlicht vor der Tür.

Jaron entdeckte am Tisch seinen Vater, Major Manescu und den für Kados zuständigen Priester des Ordens der Elemente, Bruder Angus von Hage. Jaron trat in die Küche.

„Guten Tag.“, grüßte er freundlich in die Runde.

„Major Manescu von der Landeswache hast du ja nun schon am Strand kennengelernt“, erklärte der Vater, „und Bruder Angus kennst du ja vom Tempel.“

Der Orden betrieb, soweit es personell und auch finanziell möglich war, in jedem größeren Ort einen kleinen Tempel. Dort traf man sich zum gemeinsamen Gebet und jeden Freitagabend zur großen Gebetsfeier. Der Tempel war auch der Treffpunkt für Gespräche mit dem Priester und natürlich der Ort der medizinischen Versorgung, der auch in solchen Belangen ausgebildeten Priester. Zu den medizinischen Versorgungsstunden war auch jeweils eine Ordensschwester von der Insel der Schwestern dabei. Die Schwestern hatten eine gute Ausbildung in der Krankenpflege und konnten vor Ort gemeinsam mit dem Priester des Ordens auch kleinere Operationen durchführen.

Jaron selbst hat diese Art von Dienst noch nicht benötigt, aber die Mutter hatte ihre Kinder hier im Tempel zur Welt gebracht. Der Vater hatte sich vor zwei Jahren beim Fischen einen Arm gebrochen und ein Freund von ihm hatte sich einmal mit dem Messer verletzt. Beide haben sich dann ebenfalls von Bruder Angus und der hilfsbereiten und freundlichen Ordensschwester behandeln und helfen lassen.

Bruder Angus war sehr beliebt im Dorf. Hinter seinen klugen blaugrauen Augen steckte ein sehr intelligenter und wacher Geist. Für einen Mann von zweiundvierzig Jahren hatte er noch sehr volles und dunkles Haar. Lediglich sein langer Bart, der sich über die Wölbung seines runden Bauches legte, zeigte einige graue Strähnen. Bruder Angus war ein sehr warmherziger und fürsorglicher Priester, der gern auch einmal einen Becher Wein trank, sehr gut sang und herzlich und laut lachen konnte.

„In ungefähr zwei Stunden beginnt die Zeremonie“, fing Bruder Angus an zu reden, „wir wollen dir jetzt schon einmal sagen, was heute alles passieren wird, bevor du uns dann verlässt. Du bist bestimmt schon etwas nervös?“

„Nervös trifft es nicht ganz. Ich mach mir gleich die Hosen voll, wenn ich nur an die Zeremonie denke.“, versuchte Jaron zu scherzen. Bruder Angus fing laut an zu lachen. Dieses Lachen war so ansteckend, dass auch der Major mit einstimmte. Jarons Vater schmunzelte.

„Also gut, mein großer Junge“, fuhr der Priester fort, nachdem er sich wieder beruhigt hatte, „wenn man weiß, was auf einen zukommt, verliert es schon ein wenig von seinem Schrecken.“ Jaron nickte zustimmend.

Mit einen Nicken in Richtung des Topfes mit dem kochenden Wasser auf dem Ofen sprach Bruder Angus weiter.

„Erst einmal wirst du baden und deine Haare werden gekürzt. Dann ziehst du die Rekrutenuniform der Landeswache an.“ Bruder Angus zeigt auf ein ordentlich zusammengelegtes Paket mit der einfachen dunkelblauen Uniform für Rekruten.

Die dunkelrote Uniform bekam ein Soldat erst dann, wenn er nach der Grundausbildung den Eid auf der Insel des Ordens des Tempels der Elemente, nur kurz die Insel genannt, geschworen hatte.

Diese Grundausbildung dauerte etwa sechs Monate und wurde normalerweise in Worogol, dem Standort der Schule und der Kommandantur der Landeswache durchgeführt. Die verschiedenen Einheiten der Landeswache waren über das ganze Königreich verteilt und erst nach dem Ablegen des Eides und weiteren sechs Monaten Ausbildung, wurden die Soldaten dann zu ihren Einheiten abkommandiert, in denen sie dann für mehrere Jahre ihren Dienst ableisten würden. Aber das würde frühestens in einem Jahr geschehen.

„Wenn du dann fertig eingekleidet bist“, sprach nun Major Manescu, „wirst du dein Pferd satteln und wir reiten zum Markt.“

„Wie? Welches Pferd? Was satteln?“, stammelte Jaron nun wieder sichtlich verwirrt und aufgeregt. Jetzt zeigte der Vater Ragna ein breites und fröhliches Grinsen.

„Na dein Pferd, es heißt Fuego und steht draußen. Der Sattel liegt neben dem Haus.“, antwortete er.

Jaron sprang auf, rannte nach draußen und sah, neben dem Haus angebunden, einen schwarzen Wallach.

„Das ist ja Wahnsinn, du bist also Fuego.“, sprach er das Pferd an. Fuego schnaubte und Jaron ging um das Tier herum, streichelte es und schmiegte sein Gesicht an den Hals des Pferdes. Fuego schnaubte erneut. Beide mochten sich auf Anhieb. Jaron konnte, wie jeder in Marwados, mit einem Pferd umgehen. Reitunterricht war ein Fach in der Schule. Aber ein eigenes Pferd, das war ein Traum für viele Kinder in Kados und dieser Traum ist gerade für Jaron Wirklichkeit geworden.

Jaron rannte wieder in die Hütte.

„Das ist wirklich mein Pferd?“, fragte er ungläubig in die Runde, ohne jemanden direkt anzusprechen. Der Major und Bruder Angus nickten fröhlich.

„Ja, mein Sohn“, sagte Ragna lächelnd, „das ist dein Pferd. Jeder der zur Landeswache geht, sollte doch auch ein eigenes Pferd besitzen. Und dank meiner alten Verbindungen zu den Pferdhändlern in Rastan, konnte ich Fuego recht günstig für dich erwerben.“

„Danke Papa“, stammelte Jaron, „er ist toll. Wir mögen uns schon jetzt.“

„So, Rekrut“, sagte Major Manescu im Aufstehen, „ich gehe jetzt noch ein wenig ins Dorf und bin in einer Stunde wieder da. Ich erwarte, dass du dann fertig bist und neben deinem gesattelten Pferd stehst.“

„Jawohl, Herr Major.“, brachte Jaron sehr zackig als Antwort hervor.

„Du wirst einmal ein sehr guter Soldat der Landeswache werden.“, erwiderte der Major schmunzelnd, bevor er sich zum Gehen wandte. Mit einem kurzen Nicken verabschiedete er sich von Ragna und Bruder Angus.

In diesem Augenblick kam Nicola, Jarons Mutter, in die Küche gestürmt. Ihre Augen waren rot und verweint.

„Ach mein Junge, mein kleiner, großer Sohn.“, schluchzte sie.

„Ich liebe dich, Mama.“, erwiderte Jaron und legte seine Arme um Nicolas Hals. Beide schauten sich lange in die Augen und nickten in blindem Verständnis.

„Ich liebe dich auch, mein Sohn.“, sagte Nicola jetzt mit viel festerer Stimme. Sie schwiegen.

„Und egal, was passiert oder was du je hören wirst, ich werde dich immer lieben.“, sprach sie weiter. Jaron nickte nur, auch wenn er nicht ganz verstanden hatte, was seine Mutter tatsächlich damit meinte.

„Und jetzt ab in den Badezuber, mein Sohn. Lass dir noch einmal von mir den Rücken schrubben.“, versuchte Nicola wieder zu scherzen.

Während des Bades nutzte Bruder Angus die Zeit, um Jaron alle bevorstehenden Ereignisse und Rituale der Rekrutierungszeremonien zu erklären.

„Zuerst werden dein Vater, der Major, du und ich mit unseren Pferden zum Markt reiten“, begann er zu reden, „dort wird schon fast das ganze Dorf versammelt sein. Deine Familie ist ebenfalls bereits dort. Wir werden von unseren Tieren absitzen und der Major wird eine lange und gewichtige Rede halten. Du stehst daneben und guckst ernst.“, scherzte Bruder Angus. Jaron grinste und nickte.

„Ist doch noch nicht so schwer, oder?“, fuhr er fort.

„Na, das schaffe ich wohl noch, ohne zu stolpern.“, erwiderte Jaron mit einem Lächeln.

„Dann wird dich der Major aufrufen. Du wirst zwei Schritte vorgehen, dich niederknien und er wird dich mit einem symbolischen Schwertschlag auf den Dienst in der Landeswache einschwören. Am Ende wird er dich zweimal fragen, ob du all das, was er eben gesagt hat, auch geloben willst.“, erzählte Bruder Angus fröhlich weiter.

„Und, was mache ich dann?“, fragte Jaron.

„Na, du antwortest: ‚Ja, das gelobe ich‘, egal, ob du ein Wort verstanden hast oder nicht.“, prustete der Priester, über seinen eigenen Scherz lachend, los.

Jaron stimmte in das Lachen mit ein. In diesem Moment kam die Mutter herein und schrubbte ihm, wie versprochen, den Rücken und Bruder Angus schwieg erst einmal. Er wollte diese letzte Zweisamkeit zwischen Mutter und Sohn nicht stören.

„Ich hab dir deinen Reisesack gepackt“, sagte Nicola, „es ist alles darin, was in dem Brief von der Schule der Landeswache stand.“

„Danke Mama. Hast du auch das Messer und das Rasiermesser dazu gelegt? Die hat mir Meister Mischke, der Schmied, extra angefertigt.“, fragte Jaron.

„Natürlich habe ich daran gedacht.“, schmunzelte Nicola. Sie fand diese Geste vom Schmied des Dorfes, der sonst eigentlich als ziemlich geizig galt, sehr liebenswürdig.

Jaron kam aus dem Holzzuber heraus, trocknete sich ab und wartete auf dem Stuhl, dass ihm seine Mutter noch einmal die Haare auf militärische Länge kürzte. Für Rekruten hieß das auf sechs Millimeter. Jaron war ein sehr hübscher Junge, der seine braunen Haare schon immer recht kurz getragen hatte, so dass der neue Haarschnitt bei ihm gar nicht zu sehr auffiel.

Nach dieser kurzen Unterbrechung fuhr Bruder Angus dann, freundlich lächelnd, mit seinen Erklärungen fort.

„Wenn du also das Gelöbnis gesprochen hast, stehst du wieder auf und bleibst dort stehen.“

„Also nicht zurück zu ihnen und Papa?“, fragte Jaron.

„Nein“, antwortete der Priester, „jetzt bekommst du noch den Dolch der Wache überreicht. Dieser Dolch wird dich dein Leben lang begleiten. Du darfst ihn nie verlieren.“

„Gut“, erwiderte Jaron, „und dann komme ich zurück zu ihnen und Papa?“

„Richtig und lass es dann wenigstens etwas militärisch aussehen.“, lachte Bruder Angus schon wieder los.

„Danach gehen wir zum Tempel und veranstalten eine Gebetsfeier. Am Ende dieser Feier kommst du nach vorn und ich werde dich segnen. Das kennst du ja, oder?“, fragte der Priester und Jaron nickte zustimmend. Diese Segnungszeremonien fanden im Tempel regelmäßig und zahlreichen Anlässen statt, aber vor allem dann, wenn sich ein Bewohner aus der Gemeinde der Gläubigen auf eine lange Reise begab.

„Danach hast du noch kurz Zeit, um dich von deinen Freunden und deiner Familie zu verabschieden. Und dann reitet ihr los, der Major und du.“, beendete Bruder Angus seine Ausführungen in einem etwas traurigen Ton.

Jarons Mutter, die immer noch dabei war, ihm die Haare zu kürzen, drang ein lautes Schluchzen aus der Kehle.

„Ach, ich mag gar nicht daran denken, dass du heute wirklich gehst und wir uns erst nach einem langen Jahr wiedersehen werden.“, sagte sie.

„Ja Mama, ich weiß. Einerseits will ich gehen, andererseits will ich hierbleiben. Ich fühle mich so zerrissen. Die ganze Zeit habe ich mich gefreut, Kados zu verlassen und jetzt liegt ein so schwerer Stein auf meinem Herzen. Wir müssen alle nachher ganz schön stark sein, oder?“, fragte Jaron.

„Das müssen wir.“, antwortete Nicola nur kurz.

„Dein Pferd ist gesattelt, das Gepäck ist in den Satteltaschen verstaut, mein Sohn.“, ließ der Vater verlauten, als er gerade den Raum betrat, der im Augenblick mehr einem Badehaus, als einer Küche glich.

„Danke, Papa.“, erwiderte Jaron.

„Seid ihr fertig? Der Major kommt bestimmt gleich.“, mahnte Ragna nun zur Eile.

„Wir sind gleich fertig“, antwortete Nicola, „Jaron muss sich nur noch ankleiden. Ich gehe mit den Kindern dann schon zum Marktplatz und erwarte euch dort. Bis gleich, ihr Lieben.“

„Bis gleich.“, antworteten Jaron und Ragna.

Jaron zog die dunkelblaue Uniform an. Dazu gehörten ein langes Hemd und die Kniebundhosen. Diese Kniebundhosen steckte man dann in schwarze Stiefel mit hohen Schäften. Eine dunkelgraue Weste wurde über das Hemd gezogen, auf deren Rücken das Seeadlerwappen der Landeswache zu erkennen war. Eigentlich war es ein Wappen mit dem Tempel im Hintergrund, dem Seeadler über dem Tempel und einem Schwert quer über dem gesamten Bild. Genannt wurde es aber nur das Seeadlerwappen.

Auf der linken Brustseite der Weste konnte man an dem einen Kreis erkennen, dass der Träger Rekrut war.

Um die Weste wurde auf Hüfthöhe der Gürtel geschlagen, an dem ein Holster für den Dolch der Wache angebracht war. Später würde dort noch die Schwerthalterung hinzukommen. Aber das geschah erst nachdem der Eid auf „der Insel“ abgelegt wurde und die Rekruten dann ebenfalls ein Schwert und die dunkelrote Uniform erhielten.

Kaum war Jaron mit dem Ankleiden fertig, stand tatsächlich auch schon Major Manescu auf der Türschwelle.

„Kann es losgehen?“, fragte er fast schon liebevoll.

Jaron und sein Vater nickten. Sie gingen nach draußen und stiegen auf die Pferde. Major Manescu ritt eine wunderschöne weiße Stute. Ragna ritt den brauen Wallach Bongo, der schon seit einigen Jahren der Familie gehörte und Jaron stieg zum ersten Mal auf Fuego.

Das Pferd schnaubte fröhlich zur Begrüßung und beide ritten erst im Schritt und später im Trab und bildeten eine Symbiose, als ob sie schon immer zusammen gehört hätten. Major Manescu nickte anerkennend.

Nach wenigen Minuten erreichten sie den bereits gefüllten Marktplatz, stiegen von den Pferden und banden die Tiere an. Als die zahlreichen Menschen auf dem Platz die drei Reiter sahen, begannen sie zu applaudieren. In diesem Lärm stand auf einmal Cara vor Jaron und drückte ihm ein Lederband mit einem kleinen Bernsteinamulett in die Hand.

„Leg es schnell um den Hals.“, forderte sie Jaron auf.

Jaron schaute sich das wunderschöne Amulett an und band es sich um. Es fühlte sich gut an, etwas von Cara am Körper zu haben, was ihn jetzt für immer begleiten würde.

„Ich danke dir.“, sagte er und ohne nachzudenken nahm er Cara in den Arm und küsste sie leidenschaftlich. Daraufhin wurde der bereits abflauende Applaus der Menschen auf dem Marktplatz wieder wesentlich lauter.

„Ich werde dich immer lieben, Cara.“, flüsterte Jaron ihr ins Ohr.

„Und ich werde dich immer lieben, Jaron Tymann.“, antwortete sie laut und deutlich. Cara war es inzwischen egal, was die Leute darüber dachten. Sie war sich im Laufe des Tages sehr sicher geworden, dass sie Jaron liebte und dass auch er für sie tiefe Gefühle hegte.

Der Major tippte Jaron grinsend auf die Schulter.

„Guter Soldat, guter Soldat.“, sagte er mit einem erfolglosen Versuch, ein Lachen zu unterdrücken. Selbst Jarons Vater konnte seine Mundwinkel nicht im Zaum behalten und nickte seinem Sohn fröhlich zu.

Sie standen jetzt auf einer kleinen schnell zusammen gezimmerten Plattform neben dem Brunnen mitten auf dem Marktplatz. Major Manescu begann seine Rede über die große Ehre, in der Landeswache zu dienen, über den Krieg und das geeinte Königreich, die Friedensverträge von Marwados und das jährlich wiederkehrende Ritual der Rekrutierung.

Jaron bekam von der Rede nicht viel mit. Er versuchte ernst zu gucken, lächelte aber innerlich in Gedanken an Cara und den Kuss. Auch er war sich jetzt sicher, dass er Cara liebte. Und dass sie beide erst sechzehn Jahre alt waren, sollte sie nicht hindern, das wahrhaftige Gefühl einer tiefen Liebe kennenlernen zu dürfen. Jaron spürte genau, dass sie beide etwas verband, was ein Leben lang halten würde. Und das machte ihn, trotz des Abschiedsschmerzes, sehr glücklich.

„Jaron Tymann, tritt vor und knie nieder!“, befahl der Major jetzt laut und deutlich. Jaron erschrak ein wenig, da er durch die laute Stimme von Major Manescu aus seinen Gedanken und Träumereien gerissen wurde. Nur gut, dass Bruder Angus von Hage ihn in die Abläufe der Zeremonie eingewiesen hatte. Sonst stünde er jetzt schon ganz schön dumm da.

Jaron trat für sein Gefühl sehr militärisch und zackig zwei Schritte vor und kniete sich nieder. Am Grinsen der Menschen konnte er ablesen, dass er wohl doch nicht so militärisch und zackig ausgesehen hatte, wie er es denn beabsichtigt hatte.

Jaron schaute in die Menge und fand Caras liebes und lächelndes Gesicht. Es war an diesem Gesicht auf einmal nichts mehr kindlich Naives oder Trauriges oder Ängstliches. Caras Gesicht zeigte Liebe, Treue und Zuversicht. Sogar eine Spur von Mut und Kampfgeist meinte Jaron darin erkennen zu können.

„Oh ja, ich liebe Cara.“, dachte er und versuchte sich dann aber auf die Worte von Major Manescu zu konzentrieren. Dennoch beherrschten zu viele Gedanken seinen Geist, so dass es ihm wirklich sehr schwerfiel, den Worten des Majors zu folgen.

Major Manescu nahm sein Schwert und tippte Jaron damit erst auf die rechte Schulter, dann auf die linke Schulter und schließlich auf den Kopf.

„Rekrut Jaron Tymann, gelobst hier und heute zu Kados und vor dem Angesicht des Herren der Elemente und bei Zeugnis der Bewohner von Kados, dass du als Rekrut der Landeswache treu dem Königreich Marwados dienen willst, deine vierjährige Ausbildung ernsthaft und ohne Fehl und Tadel absolvieren willst und danach in den Dienst des Königreiches treten wirst?“

„Ja, das gelobe ich.“, antwortete Jaron laut und deutlich.

„Rekrut Jaron Tymann“, fuhr der Major jetzt fort, „gelobst du weiterhin, dass du die Grundsätze der Moral und Ehre, so wie sie durch den Herren der Elemente und seine Priester vermittelt werden, einhalten und achten wirst und dass du im Leben immer ein Vorbild sein wirst, das Leben achten wirst und den Menschen unseres Königreiches helfen wirst, wo immer sie in Not sind?“

„Ja, das gelobe ich.“, antwortete Jaron auch diesmal laut und deutlich.

„Erhebe dich, Rekrut Jaron Tymann!“

Jaron stand auf und erblickte wieder das lächelnde Gesicht von Cara. Ante stand daneben und hatte Tränen der Freude und des Stolzes in den Augen. Auch Jaron lief ein leichter Schauer über den Rücken.

„Ich überreiche dir nun den Dolch der Landeswache. Achte ihn und verliere ihn niemals! Er ist das Symbol unserer ewigen Verbundenheit.“ Major Manescu überreichte Jaron einen dreißig Zentimeter langen, silbernen und polierten Dolch aus feinstem vielfach gefaltetem Stahl. Auf dem Schaft des Dolches prangte das Seeadlerwappen der Landeswache.

Jaron nahm den Doch entgegen und steckte ihn in das dafür vorgesehene Holster am Gürtel.

„Willkommen in der Landeswache, Rekrut.“, sagte der Major laut. Jaron nickte und blieb stehen.

„Du kannst jetzt zu uns zurückkommen.“, gluckste Bruder Angus leise. Jaron versuchte militärisch kehrt zu machen und die zwei Schritte zurück zwischen seinem Vater, der sichtlich gerührt aussah, und dem Priester zu treten.

Die Menge applaudierte erneut. Jaron konnte gerad noch sehen, wie ihm Cara eine Kusshand zuwarf. Bruder Angus verkündete noch einmal laut, dass man sich in dreißig Minuten vor dem Gebäude des Tempels treffen würde, bevor die Menge schließlich auseinanderging.

Der Priester von Kados, Bruder Angus von Hage, hatte beschlossen, die Gebetsfeier vor dem Tempel stattfinden zu lassen, da der Tempel nicht groß genug war, um die vielen Menschen aufzunehmen, die dieser Feier beiwohnen wollten. Ein Altartisch wurde vor dem säulenartigen Eingang des Tempels aufgebaut. Die Ältesten des Dorfes versuchten, die Besucher der Gebetsfeier in einzelne Gruppen einzuteilen und auf etwas Abstand zum Altartisch zu halten.

Die Ältesten gab es in jedem Dorf, in dem es keinen vom Senat des Reiches ernannten Stadtrat gab. Die jeweils fünf ältesten Männer des Dorfes bildeten, sofern sie dazu gesundheitlich in der Lage waren, einen Ältestenrat. Dieser Ältestenrat war verantwortlich für Ordnung, Sicherheit und Sauberkeit. Außerdem war der Ältestenrat die Verbindung zum Stadtrat der nächsten größeren Stadt. Für Kados war das der Stadtrat von Rastan.

Der Andrang war, wie immer bei den Gebetsfeiern zur Rekrutierung, recht groß und so kam auch heute den Ältesten die Aufgabe zu, für Ordnung bei den Zeremonien zu sorgen. Und die Männer schafften es mit einigen Mühen, die drängende Menge im Zaum zu halten.

Bruder Angus schritt gemeinsam mit dem Major, mit Jaron und dessen Vater Ragna durch den Säulengang zum Altartisch. Eine leichte Wolkendecke am Himmel dämpfte das Sonnenlicht, ohne viel von seiner wärmenden Kraft zu nehmen. Ein leichter Wind trug den Duft nach Wasser, Seetang und Salz vom Meer herüber zum Platz vor dem Tempel.

Major Manescu, Jaron und Ragna gingen weiter zu der in der ersten Reihe wartenden Familie von Jaron, während Bruder Angus vor dem Altar stehen blieb.

Jaron stellte sich zwischen seine Mutter und seiner kleinen Schwester Liliana. Er spürte plötzlich, wie jemand von hinten seine Hand ergriff und Jaron wusste genau, dass es Cara war. Er wandte sich um und blickte in ihre lächelnden blauen Augen.

Jarons Mutter Nicola nahm diese Geste aus den Augenwinkeln wahr und schaffte schnell eine kleine Lücke zwischen sich und ihrem Sohn, so dass sich Cara mit in die erste Reihe stellen konnte. Klarer konnte Nicola nicht zeigen, wie sehr sie sich darüber freute, dass Jaron und Cara enger zusammen gefunden hatten. Es war für Nicola erst einmal unwichtig, was aus dieser Beziehung werden würde. Im Moment fühlten die beiden, dass sie zusammen gehörten und das gefiel Jarons Mutter.

Cara wechselte die Seite, so dass Jaron jetzt zwischen ihr und seiner Mutter stand. Liliana stand nun ganz links, lächelte Cara an und nahm ihre andere Hand. Rechts neben Nicola standen noch Vater Ragna und Jarons Bruder, der zwölfjährige Larik, der wie immer etwas mürrisch guckte. Die gesamte Familie hielt sich an den Händen. Die Großeltern standen etwas hinter der Familie und Opa Kamar hatte die Hand auf die Schulter von Jaron gelegt, während Großmutter Sarina die kleine Liliana von hinten umarmte.

Etwas abseits von der Familie wartete Major Manescu ungeduldig darauf, dass er mit seinem neuen Rekruten endlich losreiten konnte. Heute mussten sie es zwar nur bis Rastan in das Fort der Landeswache schaffen, aber ein zweistündiger Ritt war es trotzdem. Und der Major wusste nicht, wie ausdauernd sein junger Rekrut auf dem Pferd war.

Der Priester, Bruder Angus von Hage, sah mit Freude und einem Lächeln, in welcher Eintracht die gesamte Familie und auch Cara beieinander standen.

Dies war für die Familien der neuen Rekruten mit Sicherheit ein bedeutender und schöner Tag, aber ob des bevorstehenden Abschiedes auch ein schwerer und trauriger Tag. Solche Stärke und Eintracht, wie sie Jarons Familie zeigte, half allen und gab ihnen Kraft für die bevorstehenden Ereignisse.

Bruder Angus begann mit der Gebetsfeier, indem er dreimal auf einen großen Gong schlug, der auf dem Altartisch stand. Dieser Gong brachte Ruhe in das laute und vielfache Stimmengewirr der Menschen auf dem Platz vor dem Tempel. Plötzlich war es still, sogar das Gezwitscher der Vögel schien um einige Nuancen leiser geworden zu sein.

„Herr der Elemente, komme zu uns und wache über diese Gebetsfeier.“, sprach der Priester jetzt in flehendem Ton, mit zum Himmel gewandten Augen.

„Kniet nieder und betet um reine Herzen und einen ehrlichen Geist für diese Feier und für immerdar!“, forderte er schließlich die Menschen vor dem Tempel auf.

Alle folgten und knieten nieder, um sich tief in das Gebet zu versenken. Der Glaube war den Menschen wichtig. Ihr Leben, das Wetter, die Ernte, der Fischfang, die Jahreszeiten, die Wärme, einfach alles hing von den Elementen ab. Und die Menschen in Marwados beteten seit hunderten von Jahren den Schöpfer an, der für diese Elemente verantwortlich ist.

Dieser Glaube war schon immer eine wichtige Konstante im Leben des gesamten Volkes von Marwados und so natürlich auch in Jarons Familie.

„Erhebt euch, meine Brüder und Schwestern des Herren der Elemente.“, befahl Bruder Angus. Ein Rascheln und plötzlich einsetzende leise Gespräche zeugten davon, dass die Bewohner von Kados dieser Aufforderung folgten und nach einer Weile wieder auf dem sandigen Platz standen. Es dauerte einen Augenblick, bis wieder Ruhe eingekehrt war.

Bruder Angus hob plötzlich die Arme, die Masse verstummte vollends und der Priester begann schließlich mit seiner Glaubensunterweisung. Er sprach über das Wesen des Glaubens, die Schöpfung und Natur, den Schöpfer und die Notwendigkeit, die Schöpfung zu bewahren und im Gebet den Schöpfer zu ehren und ihm im Herzen zu tragen.

Als er seine, mit viel Innbrunst vorgetragenen Ausführungen beendet hatte, forderte er die Menschen erneut auf sich niederzuknien und im stillen Gebet zu verharren.

Nach einigen Minuten kündigte das erneute dreimalige Schlagen des Gongs an, das nun die Segnung des Rekruten beginnen würde.

„Jaron Tymann, komm bitte zu mir!“, forderte Bruder Angus mit einem warmen Lächeln.

Jaron ließ seine Mutter und Cara los, ging auf Bruder Angus zu und drehte sich dann zu den Besuchern der Gebetsfeier um und konnte in die vielen Gesichter sehen, die ihn erwartungsfroh ansahen.

„Knie bitte nieder!“, forderte ihn der Priester liebevoll auf. Jaron kniete nieder und senkte sein Haupt.

In diesem Augenblick geschah das, worüber sich noch viele Jahre später die Menschen stritten, ob es nun Zufall, oder tatsächlich ein Zeichen des Herren der Elemente war.

Die Sonne brach plötzlich durch die leichte Wolkendecke und ein breiter, und wie gebündelt wirkender, heller Sonnenstrahl schien genau in dem Augenblick direkt auf Jaron, als der Priester die Hände segnend auf den Kopf und an die Wange von Jaron legte.

Zeitgleich schwebte ein Seeadler, das Wappentier des Königreiches Marwados, die großen Schwingen weit ausgebreitet, über dem Tempel und lies sich auf dem Dach des Gebäudes nieder und blickte still auf die Menschen unter ihm.

Bruder Angus bekam von all dem nichts mit, da er zur Segnung eines Menschen immer die Augen geschlossen hielt. Als seine Hände schließlich aber den Kopf und die Wange von Jaron berührten, spürte der Priester ein starkes Stechen in den Händen und seinem Kopf. Wie im Feuer, brannten seine Arme und der Priester hatte das Gefühl, er würde in die Luft gehoben. Bruder Angus schrak zurück und schaute mit weit aufgerissenen Augen auf den knienden Jungen.

„Was passiert hier gerade“, fragte er leise mit Entsetzen in der Stimme, „wer oder was, im Namen des Herren der Elemente, bist du, Jaron?“

Es herrschte Totenstille auf dem Platz vor dem Tempel. Niemand rührte sich und alle starrten gebannt auf das Geschehen vor dem Altartisch. Was geschah hier gerade? Zeigte sich hier, genau in diesem Augenblick, der Herr der Elemente?

Jaron war durcheinander und bekam Angst. Er schaute sich ängstlich und hilfesuchend nach dem Priester um. Aber auch Bruder Angus sah verwirrt aus und stand erstarrt hinter ihm.

Seine Eltern waren sehr blass geworden und es dauerte eine Weile, bis sich Nicola endlich wieder gefangen hatte. Sie ging langsam auf den Priester zu und flüsterte eindringlich in sein Ohr.

„Bitte, Bruder Angus, vollenden sie die Segnung! In ein paar Jahren wird sich alles aufklären. Ich flehe sie an.“

Jaron kniete immer noch verwirrt vor dem Priester und seiner Mutter. Er konnte sich all das Geschehene gar nicht erklären. Ein Angstschauer lief ihm über den Rücken, mit seinen Augen flehte er um Hilfe. Ein Nicken seiner Mutter und ihr warmherziger Blick konnten den Jungen dann zumindest ein wenig beruhigen.

Auch Bruder Angus hatte sich langsam wieder etwas im Griff und bewegte seine Hände vorsichtig in Richtung des Kopfes von Jaron. Schließlich fasste er Mut und legte die eine Hand auf den Kopf und die andere Hand an die Wange von Jaron. Nichts geschah.

Auch der Seeadler war inzwischen weiter geflogen und nur noch als ein kleiner Punkt am fernen Himmel zu erkennen. Die Sonne hatte sich inzwischen wieder hinter der leichten Wolkendecke versteckt. Es war, als ob nichts geschehen ist.

„So segne dich der Herr der Elemente, Jaron Tymann. Er sei bei dir auf all deinen Wegen, bei all deinen Taten. Er soll dir die Kraft und den Mut geben, immer ehrlich und aufrecht zu bleiben und nie deinen Glauben zu verlieren. Der Herr der Elemente möge dir Weisheit und Güte schenken.“, sprach er seinen Segen mit leicht zitternder Stimme.

„So mag es geschehen.“, beendete er schließlich den Segensspruch.

„So mag es geschehen.“, antworteten die Einwohner von Kados im Chor.

„So mag es geschehen.“, flüsterte auch Jaron leise für sich.

„Erhebe dich bitte, Jaron!“, forderte der immer noch leicht verwirrte Priester den ebenfalls verwirrten Jaron auf. Bruder Angus umarmte den Jungen und hielt ihn lange in seinen Armen. Er wollte ihm einfach nur einen Augenblick Geborgenheit schenken.

„Du bist gesegnet, mein Sohn. Gib Acht auf dich.“, flüsterte er leise in Jarons Ohr.

Jaron ging zurück zu seiner Familie, stellte sich wieder zwischen seine Mutter und Cara und beide Frauen nahmen sofort seine Hand. An der Art, wie seine Mutter seine Hand fest zusammendrückte, merkte er, dass auch sie immer noch sehr angespannt war.

„Gehet hin in eure Heime und gedenket dem Herren der Elemente ewiglich.“, beendete Bruder Angus die Gebetsfeier. Nach dem dreimaligen Gongschlag erhob sich ein lautes Gemurmel über dem Platz, da jeder zu dem Geschehenen etwas mitzuteilen hatte. Aber mit der Zeit machten sich die Menschen auf den Heimweg, der Platz leerte sich allmählich und vor dem Tempel kehrte endlich Ruhe ein.

Major Manescu zog seine Uniform glatt, ordnete seinen Waffengürtel, straffte sich und ging auf Familie Tymann zu.

„Ich denke, dass wir in etwa fünfzehn Minuten losreiten“, sagte er an die Eltern von Jaron gewandt, „ich werde mir noch ein wenig das Dorf anschauen und bin dann wieder hier.“

„Danke, das ist nett von ihnen.“, antwortete Jarons Vater, Ragna. Der Major entfernte sich.

„Papa, Mama, was war hier gerade los? Was ist da gerade passiert?“, fragte Jaron seine Eltern. Er hielt immer noch die Hand von Cara.

Die Eltern schwiegen eine Weile, bis ihm schließlich Nicola lang in die Augen sah und sie Hände auf seine Schultern legte.

„Mein lieber Sohn, manche Dinge sind weit größer, als sie im Moment scheinen. So auch unsere Familie. Ich möchte dich bitten, uns zu vertrauen und Geduld zu haben. Ich verspreche dir, dass du die Erklärung für all das, was hier passiert ist, in ein paar Jahren erhalten wirst. Im Moment wäre es nicht gut und vielleicht auch zu gefährlich, wenn alle Menschen wüssten, was sich hier heute offenbart hat.“

Jaron schwieg und guckte seine Mutter lange in die Augen. Er spürte, dass sie aufrichtig war und im Moment nicht mehr sagen konnte.

„Gut. Natürlich vertraue ich euch und ich werde Geduld haben, Mama.“, erwiderte er nach einer Weile, lies die Hand von Cara los und schlang seine Arme um den Hals seiner Mutter. Beide weinten.

„Mama und Papa, ich liebe euch“, redete er weiter, „Oma, Opa, Larik, Liliana – euch liebe ich auch und seit heute weiß ich, dass ich Cara ebenfalls liebe.“ Jarons Stimme erstickte in einem Meer von Tränen.

Plötzlich lagen sich alle in den Armen. Ante stand etwas abseits und schaute sich diese rührende Szene aus der Distanz an.

„Komm her Ante“, forderte Jaron ihn auf, „dich liebe ich natürlich auch, wie man nur einen Freund lieben kann. Ihr alle seid meine Familie.“

„Ja, unsere Familie ist heute etwas wirklich größer geworden und das freut mich sehr.“, lächelte Nicola.

„Jaron, ich möchte dir noch etwas schenken, was dich auf deinem neuen Lebensabschnitt begleiten soll.“, sagte Ragna und drückte Jaron eine alte und zerschrammte Ledertasche in die Hand, die man über die Schulter hängen konnte.

„Die Tasche hatten schon dein Opa und auch ich während unserer aktiven Dienstzeit bei der Landeswache. Ich habe dir Proviant hineingepackt, falls du heute noch Hunger bekommst.“, erklärte Ragna dazu.

„Danke, Papa.“, freute sich Jaron.

„Und ich hab dir ein kleines Fläschchen von dem Selbstgebrannten hineingelegt, man weiß ja nie.“, feixte Opa Kamar. Er fing sich sofort von Oma Sarina einen leichten Hieb in die Rippen, einen bösen Blick von Nicola und ein breites Grinsen von Ragna ein. Jaron freute sich über das Geschenk und umarmte seinen Vater und seinen Großvater.

„Danke Papa, danke Opa.“ Jaron nahm die Tasche und stopfte sie zu dem anderen Gepäck in die Satteltaschen. Fuego schnaubte vergnügt.

Die Zeit verrann viel zu schnell, die Schatten wurden bereits länger und schließlich und unausweichlich kam Major Roman Manescu gemächlichen Schrittes um die Ecke.

„Oh nein.“, seufzte Cara.

„Ich glaube, es wird Zeit.“, bestätigte Ragna das Offensichtliche.

„Mein Junge, lebe wohl und schreibe uns oft.“, fuhr er mit brüchiger Stimme fort. Ragna nahm seinen Sohn noch einmal in den Arm, drückte ihn schweigend an seine Brust und wandte sich schließlich ab.

„Ach, mein Junge.“, brachte Oma Sarina nur hervor und presste Jaron an ihren massigen Körper. Tränen liefen auch ihr über das gütige Gesicht.

„Pass auf dich auf.“, ergänzte der Großvater mit einem Schlag auf die Schulter und gebrochener Stimme.

„Kommt her, ihr beiden!“, forderte Jaron seine kleinen Geschwister auf, die sofort losrannten und ihrem großen Bruder in die weit geöffneten Arme sprangen.

„Seid artig, meine Lieblinge und helft den Eltern fleißig.“

„Das machen wir schon.“, antwortete Liliana und gab Jaron einen sehr feuchten Kuss auf den Mund.

„Mach es gut.“, brachte Larik nur noch mit tränenunterdrückter Stimme heraus, bevor er laut zu weinen anfing. Er wurde aber sofort von seiner Schwester in den Arm genommen und so standen die beiden Kinder eng umschlungen und trösteten sich gegenseitig.

„Können wir ihn noch ein Stück bis an den Rand des Dorfes begleiten?“, fragte Cara mit einem zauberhaften Lächeln an Major Manescu gewandt.

„Ja, das ist in Ordnung.“, antwortete er in der Hoffnung, das Jaron wirklich ein guter Reiter war.

Ante wandte sich mit traurigen Augen an seine Schwester.

„Ich warte hier am Tempel auf dich und Jarons Mama.“ Er drehte sich dann noch einmal zu Jaron um.