Mauern der Macht - Ralf Häcker - E-Book

Mauern der Macht E-Book

Ralf Häcker

0,0

Beschreibung

Benjamin Jordan, erfolgreicher Ingenieur aus einer Kleinstadt in den Südstaaten der USA, begegnet bei einem ungeplanten Zwischenstopp in New Orleans, der attraktiven Chemikerin Dr. Tatjana Smirnow aus Moskau. Obwohl glücklich verheiratet mit Lisa und Vater zweier Kinder, fühlt er sich von ihr magisch angezogen und findet in ihr die Frau seiner sexuellen Phantasien. Schon bald jedoch entpuppt sich das Abenteuer mit ihr, als ein Spiel um Macht, Geld und Sex, in dem der Einsatz die Vorstellungskraft der beiden schnell übersteigt. Fernab seiner Heimat, in der Hauptstadt Russlands und in den Fängen der Mafia, geraten die beiden in ein Strickwerk aus Erpressung, Korruption und Gewalt. Zunächst ausgeliefert an einen perversen Erpresser, erfährt Tatjana Erniedrigung und seelischen Schmerz. Nur das Eingreifen einer zunächst undurchsichtigen Macht, bewahrt sie vor Schlimmstem. Durch das zeitgleiche Verschwinden ihres Bruders gerät sie in eine Bringschuld, deren Preis sich abermals aus sexueller Unterwürfigkeit und dem Begehen von Straftaten rechnet. Nach anfangs erzielten Teilerfolgen und angetrieben von der dadurch erhaltenen Chance auf schnellen Reichtum, werden moralische Werte über Bord geworfen und verwischen schon bald die Grenzen von Tätern und Opfern. Die Gier nach der Möglichkeit, das Armenhaus der russischen Unterschicht zu verlassen und stattdessen im Teich der Großen mitzuschwimmen, lässt selbst aus den Liebenden Einzelkämpfer werden. So lernt auch Benjamin, nach anfänglich charaktergeprägten Schwierigkeiten die Regeln dieser für ihn fremden Welt. Bereit Tatjana zu opfern, verlässt er seine inneren Grundwerte und bezieht Stellung in einem dunklen Spiel, in dem schließlich keiner mehr, dem anderen trauen kann. Auf der Leiter zum Erfolg durchlebt Tatjana den steinigen Weg, von der einfachen aber recht schaffenden Abteilungsleiterin, zur seelisch gepeinigten Hure.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 474

Veröffentlichungsjahr: 2013

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ralf Häcker

Mauern der Macht

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Impressum neobooks

Kapitel 1

Es ist Sommer, Gott sei Dank Sommer. Ich bin froh wieder hier zu sein, auch wenn nichts mehr so ist, wie es früher einmal war. Auf unserer Terrasse atme ich die frische, klare Luft, genieße den Blick in den, mit ein wenig weißem Dunst unterlegten, blauen Himmel. Warmer Wind trägt mir Vogelstimmen zu und es klingt, als wollten sie mir Vertrautes zurückgeben.

Geboren bin ich in Franklinton. Das liegt gut 80 Meilen nördlich von New Orleans, direkt an der Grenze von Louisiana zu Mississippi. Dort ist es meistens warm und feucht. Außerhalb unserer, durch Klimaanlagen gekühlten Häuser nimmt uns die hohe Luftfeuchtigkeit in einen ständigen Schwitzkasten. Hitze und Staub sind stete Begleiter und der Geruch ist von Schweiß geprägt. Wir lieben dieses Gefühl von Weite und Klebrigkeit, von Freiheit und Musik, genauer gesagt, von Blues. Der Blues macht unser Lebensgefühl hörbar, er berauscht und übergibt uns einer angenehmen Melancholie, oftmals untermalt von Whisky. Man trinkt ihn, weil er zu uns gehört und um zu genießen, nicht um zu betäuben.

Fast eine Ewigkeit sehnte ich mich wieder zurück in dieses vertraute zu Hause. Viel zu lange musste ich ihm fernbleiben, aushalten in einer schäbigen Zweizimmerwohnung in einer mir fremden Welt, am äußersten Stadtrand von Moskau.

Ganze fünf Monate, seit Mitte November, war ich von meinem zu Hause weg gewesen, war meiner Heimat so unendlich fern. Damals glaubte ich, mir macht all das nichts aus; die fremden Menschen, die zermürbende Kälte, diese mir unverständliche Sprache. Ich hatte beschlossen, den tiefsten Süden Amerikas zu verlassen, um ihr nahe zu sein. Ihr, Dr. Tatjana Smirnow, 31 Jahre alt, schlank, athletisch gebaut und von auffallender Schönheit. Ihre schwarzen kurz geschnitten Haare wirkten auf ihre dunklen Augen wie abgestimmt und ließen sie beinahe ein wenig frech erscheinen. Frech, herausfordernd und zugleich Distanz anmahnend.

Als ich sie das erste Mal in dieser Bar in New Orleans sah, trug sie einen kurzen schwarzen Rock zu einer weißen Bluse, die genau so weit aufgeknöpft war, dass man nicht sehen konnte, was man so gerne sehen wollte. Gierende Männerblicke registrierte sie, erwiderte sie aber nicht.

Gewohnt hatte sie damals in einem heruntergekommenen Vorstadthotel. Im Vergleich zu ihrer Kleidung und ihrer Erscheinung wirkte die Unterkunft beinahe unpassend. Vielleicht aber schien ihr diese Adresse ganz einfach unauffälliger. Es wusste auch niemand, warum sie überhaupt in der Stadt war. Abends hingegen ließ sie sich täglich mit einem Taxi zum Hotel Hilton fahren. Das Hilton gehört zu den teuersten Häusern der Stadt. Die Selbstsicherheit, als Frau ohne Begleitung eine Hotelbar zu betreten, schien ihr angeboren. Jeden Abend hatte sie den gleichen Platz an der Längsseite der Bar eingenommen, jeden Abend nur durch wortloses Nicken Gleiches bestellt, – eine für diese Gegend untypische, aber erfrischende Weinschorle. Weinschorle sei die edelste Form des Wassertrinkens, erläuterte sie einem überraschten Barkeeper an ihrem ersten Abend.

Damals, ich kam von einem Besuch bei einem guten Freund zurück, zwang mich starker Regen, der ganze Straßen wegzuspülen drohte, meine Heimfahrt zu unterbrechen und für eine Nacht im Hotel Hilton Unterkunft und Zuflucht zu suchen. Nachdem ich meine Frau Lisa über meinen ungeplanten Zwischenstopp telefonisch informiert hatte, wollte ich den Abend bei einem Southern Comfort in der Hotelbar gemütlich ausklingen lassen. Dicker Zigarrenqualm und die rauchige Lifestimme einer farbigen Soulsängerin füllten den Raum. Nur gut ein dutzend Gäste waren anwesend, einige, um wie ich das Wetter abzuwarten, andere, um zu trinken, manche, um ihrem Alleinsein für ein paar Stunden Gesellschaft zu spenden. Erst als sich meine Augen langsam an das schummrige Licht gewöhnten, bemerkte ich mein auffallendes Gegenüber. Ganz gewiss gehörte ich nicht zu der Sorte Mann, die jeder Frau hinterher schauten, an ihr aber, blieben meine Blicke hängen. Fasziniert tasteten meine Augen ihre nur halbversteckten, kleinen aber wohlgeformten Rundungen ab. Ganz ungestört fühlte ich mich dabei, aber ein Blick von ihr fing meinen ein und hielt ihn fest. Ich spürte Verlegenheit in mir, aber ich schämte mich nicht, hob mein Glas und nickte ihr zu. Auch heute weiß ich noch nicht, was mich damals ermutigte, die Thekenseite zu wechseln und sie anzusprechen. Auf meine Frage, ob ich mich zu ihr setzen dürfte, wandte sie nicht einmal den Kopf in meine Richtung, aber sie bejahte. Ohne darüber nachzudenken, wie klug und sinnvoll es wohl sei als verheirateter Mann und Vater zweier Kinder einer fremden und gut aussehenden Frau gegenüber den eigenen Namen zu erwähnen, stellte ich mich ihr als Benjamin Jordan vor. Dem nicht genug erzählte ich ihr sogar, wo ich her kam und was ich machte.

Ich arbeitete als Ingenieur in einer Firma die Traktoren herstellt. Dort leitete ich die Fertigungsstraße, das ist jenes Band, an dem die einzelnen Teile zu einem fertigen und fahrbereiten Traktor zusammengeschraubt werden. Die Firma war finanziell sehr gesund, weil in dieser Gegend beinahe jeder ein riesiges Stück Land besaß, welches zu bearbeiten war. Dementsprechend verfügte auch ich über ein ordentliches Gehalt, mit dem meine Familie und ich sehr gut über die Runden kamen. Wir bewohnten sogar ein eigenes Haus mit kleinem Pool. Kurz, wir fühlten uns der gehobenen Mittelschicht zugehörig.

In unserem Ort hatten wir es zu einem gewissen Ansehen gebracht. Einmal im Monat fand ein kleines Fest mit fünf oder sechs der einflussreichsten Familien statt. Zugehörig waren die Familien des Bürgermeisters und des Sheriffs, dazu kamen noch zwei Bankiersfamilien und ein kleinerer Clan, welcher schon immer reich gewesen war.

Wir durften uns dem Kreis zugehörig fühlen, weil der Bürgermeister gleichzeitig der Inhaber der Traktorenfabrik war, in der ich arbeitete. Ich war immer sehr stolz darauf, der Einzige aus unserer Firma zu sein, der in diesem Kreis aufgenommen war. Waren wir als Ausrichter einer der Grillabende an der Reihe, erwies sich meine Frau Lisa als die perfekte Gastgeberin. Sie sorgte nicht nur für eine ausgesprochen fantasievolle Dekoration, sie war auch selber immer elegant anzusehen. Auch unsere beiden Kinder, Marie, 8 Jahre und Roger, 11 Jahre alt, schienen sich an diesen Tagen mächtig ins Zeug zu legen. Dies ist erwähnenswert, weil es sonst das ganze Jahr über nicht unbedingt so war.

Tatjana sprach mich den ganzen Abend nie mit meinem Namen an. Nachdem ich ihr nicht mehr gegenüber saß, sondern neben ihr, trafen sich unsere Blicke auch nicht mehr. Aber sie sprach mit mir, wenn auch nur Belangloses. Zugeben muss ich, es interessierte mich auch nicht großartig, über was wir sprachen. Ich fühlte mich zu ihr hingezogen, in einer Art, wie ich es von mir bisher nicht kannte. Manchmal berührten sich auf der Theke unsere Unterarme. Sie zog ihren dann weg und griff nach ihrem Glas. Ich aber bemerkte ihre feinen schwarzen Härchen, die auf jede noch so zufällige Berührung reagierten. Ich sog alles in mir auf, jede Bewegung von ihr. Nach hinten gelehnt und im Schutz des fahlen Lichtes konnte ich ihren schmalen Rücken mustern, an dem sich die Wirbelsäule ganz leicht durch ihre weiße Bluse drückte. Ihr kurzer, seitlich geschlitzter Rock, schob sich im Sitzen so weit zurück, um ihren Slip beinahe erahnen zu können. Ihre Beine waren schlank und trotzdem muskulös, wie bei einer Läuferin. Tatjana war für mich schon an diesem ersten Abend das Abbild reiner Schönheit, dem ich schon nach kürzester Zeit zu verfallen drohte. Nur die sie umgebende Unnahbarkeit und wahrscheinlich auch meine angeborene Schüchternheit, ließen keine weitere Annäherung zu.

„Es ist jetzt 22:00 Uhr, ich muss gehen“, sagte sie ganz unvermittelt und war dabei schon im Aufstehen. Ich brachte gerade noch ein: „Wo gehen Sie hin?“ hervor, aber schon im Gehen hatte sie nur noch ein: „Ich gehe jetzt dahin, wo ich hergekommen bin“, übrig. Sie drehte sich nicht einmal mehr um.

Ich bestellte mir noch einen Southern Comfort und begann damit mir leidzutun. Auch die farbige Soulsängerin wechselte ins Traurige und unterstütze damit wohl ungewollt mein Gefühl des Verlassenseins. Der Barkeeper brachte mir meinen Drink und schaute mich dabei ziemlich mitleidig an. Sie säße hier jeden Abend, sagte er mir, ohne dass ich danach gefragt hatte. Man sah mir wohl an, dass ich ihr geistig gefolgt war. Ich war dankbar für seinen Tipp und überlegte mir, mit welcher Rechtfertigung meiner Frau gegenüber, ich am nächsten Abend wieder in der Bar sein konnte.

Ich gebe zu, nach einer Lösung gesucht zu haben, die ich für längere Zeit nutzen konnte. Die ganze folgende Nacht hatte ich kein Auge zugemacht und nur darüber nachgedacht, wie ich Tatjana wieder sehen konnte, ohne dabei Lisa zu verletzen. Den Gedanken, dass dies nicht möglich sei, verdrängte ich. Die unmöglichsten und absurdesten Lösungen gingen mir durch den Kopf. Selbst ein Recht, nach dreizehn tadellosen Ehejahren, einmalig egoistisch denken zu dürfen, erschien mir als angebracht. Natürlich war das Blödsinn, beinahe schon irre, zumal ich mir eigentlich nie aus anderen Frauen etwas machte. Lisa war mir immer genug und ich liebte sie vom ersten Tag an. Tatjana aber wollte ich wieder sehen.

Am nächsten Morgen, gleich nach dem Frühstück, hatte ich mich auf den Heimweg gemacht und war so gegen 10:00 Uhr wieder zu Hause. Schon als sie meinen Wagen vorfahren hörte, kam mir Lisa sofort entgegen, um mich mit einem dicken Kuss zu begrüßen. Sie hatte sich Sorgen gemacht und man spürte förmlich ihre Erleichterung, als sie mich in den Arm nahm und an sich drückte. Wir gingen ins Haus und ich freute mich über den frischen Kaffee den sie für mich aufgesetzt hatte. Sogar die Zeitung lag noch ungelesen auf meinem Platz. Ich könne mir ruhig Zeit lassen, meinte sie. Mein Chef hatte sie schon angerufen und ihn über meinen wetterbedingten Zwischenstopp informiert. Er lies mir ausrichten, dass ich mir keine Sorgen machen muss und den Tag, durch Abbau ein paar Überstunden, einfach frei machen kann. Wie so oft, hatte Lisa für mich wieder einmal alles geregelt. Durch ihre Herzlichkeit, die sie über all die Jahre gepflegt hatte, dazu ihre Fürsorglichkeit, kam ein schlechtes Gewissen in mir hoch.

Ich nippte an meinem Kaffee und blätterte die Zeitung durch. Auf der letzten Seite fiel mir auf, dass ich nicht einen einzigen Artikel bewusst wahrgenommen hatte. Ich fühlte mich schlecht. Da knapp zwei Stunden später die Kinder aus der Schule kommen würden, erzählte ich Lisa, die sich mittlerweile zu mir gesetzt hatte, von den Neuigkeiten des Vorabends.

Am Abend sei ich noch an der Hotelbar gewesen und hätte einen Herrn aus Oklahoma kennengelernt. Nach ein paar Drinks wären wir ins Gespräch gekommen. Er war gerade dabei, sich beruflich zu verändern. Nach etlichen gut verlaufenden Jahren in einer Exportfirma, hätte er sich zwei Monate zuvor wegen einer Lappalie mit seinem Vorgesetzten überworfen. Die Geschichte hatte sich hochgeschaukelt und man hatte sich voneinander getrennt.

Jahre zuvor hatte er von seinem Onkel ein beträchtliches Stück Land geerbt. Durch die unerwartete Trennung von seiner Firma, sah er jetzt die Zeit gekommen, sich um den Grund zu kümmern und diesen zu bestellen. Dabei habe ich sofort an unsere Firma gedacht und ihn versucht, von unseren Traktoren zu überzeugen. Die ganze Nacht hätten wir darüber verhandelt, seien aber noch zu keinem Schluss gekommen. Vielmehr hatte er danach gefragt, ob ich ihm bei der Planung seines Unternehmens behilflich sein könne. Er schlug vor, mir den Grund doch einmal anzusehen und mit ihm durchzugehen, wie viel Arbeitsgerät er für die Bestellung seiner Felder bräuchte.

Ich hätte ihm meine Unterstützung zugesagt, was aber mit sich brächte, dass ich demnächst des Öfteren zu ihm fahren müsste und ich somit nicht zu Hause sein könnte. Wenn ich als Mitarbeiter der Produktion, so erklärte ich Lisa, einen neuen Kunden gewinnen könne, würde das meine Position im Unternehmen weiter stärken und sich irgendwann sicher auch in bar auszahlen.

Lisa war sofort begeistert. Sie hatte mein Vorankommen in der Firma immer unterstützt. Wenn ich nochmals befördert würde, so meinte sie, hätten wir irgendwann soviel Geld, um auch den Kindern eine ordentliche Ausbildung ermöglichen zu können. Ich dankte Lisa für ihr Verständnis und bat sie darum, meinen Vorgesetzten nicht einzuweihen, um eine mögliche Enttäuschung bei Nichtzustandekommen des Neuauftrages zu vermeiden.

Jetzt war es raus. Eigentlich war ich sehr zufrieden mit meiner Lüge, fühlte mich aber beschissen. Trotzdem stellte ich fest, an diesem Abend wieder nach New Orleans fahren zu müssen, da mein potenzieller Neukunde noch die ganze Woche vor Ort wäre und wir somit mit unserem Gespräch fortfahren könnten. Lisa meinte, sie hätte sich zwar sehr auf den Abend gefreut, aber in diesem Fall hätte sie Verständnis, weil es doch auch zum Wohle unserer Kinder wäre. Sie kuschelte sich an mich und wünschte mir viel Glück.

An diesem Abend fuhr ich wieder nach New Orleans. Die ganze Strecke über war mir übel. Ich wusste nicht, ob ich mich mehr darüber schämen sollte, Lisa belogen zu haben oder mich darüber freuen sollte, Tatjana eventuell wiederzusehen. Gegen 19:00 Uhr kam ich am Parkplatz des Hiltons an. Um ihr zu gefallen, hatte ich mich besser gekleidet, als tags zuvor.

Um meine Aufregung und Nervosität zu lindern, steuerte ich schnell auf die Bar zu, um mir vor Tatjanas Eintreffen noch ein oder zwei Whisky zu gönnen. Der Barmann wies mir mit einem kurzen Nicken den richtigen Platz und servierte mir, meine Aufregung wohl bemerkend, schnellstmöglich die benötigte Alkoholration. Obwohl ich den Mann erst einmal gesehen hatte, war ich ihm richtig dankbar.

Etwa eine halbe Stunde nach mir betrat Tatjana die Bar und steuerte zielstrebig den Platz neben mir an. Ich spürte wie mein Herz heftig zu klopfen begann. Sie sah umwerfend aus. An diesem Abend trug sie eine türkisfarbene Bluse, einen kurzen weißen Rock und darauf abgestimmt hohe weiße Schuhe. „Ich nehme an, Sie sind rein zufällig hier?“, begrüßte sie mich, mit beinahe süffisant ironischem Unterton. Es gelang mir so zu tun, als hätte ich das nicht gehört, schob ihr stattdessen den Stuhl zurecht und fragte, ob ich sie zu einem Drink einladen dürfte. Sie verneinte und signalisierte dem Mann hinter der Theke, „das Gleiche wie immer bitte“. Dieser servierte ihr, ohne überlegen zu müssen, eine Weinschorle – so wie immer.

Als wir erstmalig an diesem Abend miteinander anstießen, schaute sie mir ganz kurz in die Augen, was mich, ob ihrer sonstigen Distanziertheit, sehr überraschte. Wie schon am Abend zuvor, hatte sie ihre beiden oberen Blusenknöpfe geöffnet. Auf ihrer makellos reinen und hellen Haut lugte ein winziger Leberfleck hervor, beinahe so, als wäre er gemalt. Eine ganz schlichte aber geschmackvolle Kette, wirkte wie ein Rahmen für die von der Natur geschaffene Vollendung. Als wir unsere Gläser wieder abstellten, fragte sie mich, ob mir ihre Halskette gefalle? Meine Blicke hatten sich wohl in ein Starren verwandelt, was mir sehr peinlich war. Meine Entschuldigung wies sie zurück. Es freue sie sehr, wenn jemand ihren Schmuck bewundere, sie selber habe auch bei mir auf den Ehering geachtet und fragte sich nun, warum ich wieder gekommen sei, wo ich doch verheiratet bin. Aufkommende Schamesröte versuchte ich durch kurzes Nippen an meinem Whisky zu überspielen.

„Sie brauchen nicht rot zu werden, es freut mich, wenn ich Ihnen gefalle“. Sie sagte dies keinesfalls arrogant oder überheblich, aber auch nicht besonders herzlich. Ich war sehr erleichtert, als die zugegebenermaßen peinliche Situation für mich überstanden war.

Tatjana gab sich weiterhin routiniert aufgeschlossen, redete mit mir wie am Vortag über Belangloses, schien aber irgendwie abwesend zu sein. Obwohl sie mir gegenüber keinesfalls unfreundlich war und immer wieder mal den Blickkontakt suchte, wirkte sie doch abgelenkt. Ich hatte das Gefühl, als würde sie noch auf jemanden warten, kannte sie aber nicht lange und gut genug, um danach zu fragen. Damit wir im Dialog bleiben, sprach ich sie auf ihre guten Sprachkenntnisse an. Sie erzählte, sie hätte in Russland während ihres Chemiestudiums die englische Sprache als Leistungsfach gewählt. Dadurch hatte sie erstmals, wenn auch ungewollt, Persönliches von sich preisgegeben.

Ob dies bei ihr ausgelöst durch einen Anflug von Sentimentalität, Gleichgültigkeit oder Hoffnungslosigkeit vermochte ich nicht zu sagen. Ich war aber froh, dass sie langsam etwas auftaute und lockerer wurde. Manchmal mussten wir sogar richtig lachen. Sie war wunderschön und mit ihren Lachfalten strahlte sie wie ein Model von einem Werbeplakat. Ich rückte etwas näher an sie heran und manchmal berührten wir uns dabei leicht. Ihre empfindsamen Antennen meldeten ihr aber sofort Alarm und so sprach sie mich an, warum ich dies täte. Aus mir unerfindlichen Gründen machte es mir nichts aus, zu sagen, dass ich wegen ihr wiedergekommen bin, ihr nahe sein wollte und deshalb sogar meine Frau belogen habe. Sie sollte einfach wissen, wie fasziniert und gefangen ich von ihr war.

Sie schaute mir ganz tief in die Augen, sagte aber nichts. Langsam beugte ich mich zu ihr hinüber und küsste sie ganz leicht auf die Stirn. Ihr sichtbar aufkommendes Haarsträuben amüsierte mich und dass sie nicht zurückgewichen war, machte mich stolz. Wortlos hielten wir unsere Blicke noch eine Zeit lang fest, ehe sie mich unvermittelt fragte: „Haben Sie sich in mich verliebt?“

„Ja, gestern schon, als ich Sie zum ersten Mal sah.“

„Das sollten Sie nicht, Sie sind verheiratet und mich dürfen Sie nicht lieben. Glauben Sie mir, mit mir könnten Sie nicht glücklich werden. Vielleicht später einmal, in einem zweiten Leben, aber in diesem würde ich Ihnen nur Unglück bringen.“

„Ich heiße Benjamin, lass uns das SIE vergessen.“

Sie lächelte. „Ich heiße Tatjana, aber ich mag meinen Namen nicht mehr. Aus dem Mund der Anderen klingt er schrecklich. – Aber bitte frage mich jetzt nicht, wer die Anderen sind, ich würde es Dir nicht sagen.“

Wir stießen miteinander an und ich nahm mir vor, mich daran zu halten.

Ich genoss es einfach, diesem für mich so wunderbaren Menschen so nah zu sein. Wir lachten miteinander und zwischendurch, wenn auch ganz zaghaft, küssten wir uns. Viel später als am Abend zuvor stand sie auf, verabschiedete sich aber genauso unvermittelt. Sofort sprang ich mit auf und gab dem Barkeeper einen Wink um zu zahlen, aber sie hielt mich zurück. „Bleib da, Du kannst nicht mitkommen, ich habe es Dir erklärt und mehr möchte ich darüber nicht sagen.“ Sie winkte mir noch zu und verschwand.

Die farbige Sängerin erfüllte mir einen Wunsch und in Gedanken hörte ich mich mitsingen: „What a wonderful world …“

Mit einem mir unbekannten Glücksgefühl fuhr ich wieder nach Hause zu Lisa. Obwohl es schon ziemlich spät geworden war, wartete sie in der Küche bei einem Glas Wein auf mich. Ob bei meinen Verhandlungen schon ein Ergebnis erzielt wurde, wollte sie sogleich wissen. Ich sagte ihr, wir wären ein gutes Stück weitergekommen, aber letzte Details müssten noch geklärt werden. Deshalb müsse ich tags darauf noch mal nach New Orleans. Um mich nicht weiter erklären zu müssen, stellte ich schon für dieses nächste Treffen eine Lösung in Aussicht. Noch eine Weile saß ich mit Lisa zusammen, dann legten wir uns ins Bett und noch ehe ich einschlief, bemerkte ich, wie sie mich ganz leise und sanft zudeckte.

Der darauffolgende Tag setzte mir innerlich sehr zu. Ich stand in der Firma an meinem Band, überwachte die Arbeiten, aber meine Gedanken sprangen lediglich zwischen Tatjana und Lisa hin und her. Glücksgefühle wurden von Selbstverachtung überholt, meine Zerrissenheit tat weh. Lisa erneut anlügen zu müssen beschämte mich, aber mein Verlangen Tatjana nah zu sein, ignorierte die Moral. Den Gedanken, wie das alles wohl weitergehen würde, vermied ich so gut ich konnte. Ich hatte schlichtweg Angst davor.

Niemals zuvor war ich auf die Idee gekommen, nach Dienstschluss nicht den direkten Weg nach Hause, zu Lisa und zu den Kindern zu nehmen. An diesem Nachmittag aber, fand ich mich an der Theke irgendeiner austauschbaren Eckkneipe wieder. Eingerahmt zwischen anderen Nachmittagstrinkern, wurde mir bewusst, wie ich dabei war, mich innerhalb kürzester Zeit von einem ehrlichen und anständigen Menschen in einen miesen egoistischen Lügner zu verwandeln. Die Nähe zu meinem Spiegelbild hinter der Theke wurde mir unerträglich. Ich schüttete mein Bier in mich hinein und verließ mehr oder weniger fluchtartig das Lokal. Zum Glück begegnete mir auf den paar Metern zu meinem Auto niemand den ich kannte. Es wäre mir peinlich gewesen, hätte man mich um diese Uhrzeit aus einer Kneipe kommen sehen.

Zu Hause angekommen begrüßte mich Lisa wie jeden Tag mit einem Kuss. Sie bemerkte sofort den Alkohol in mir. Ein neuer Mitarbeiter habe heute seinen Einstand gegeben und ich hätte mich kurz dazugesetzt, versuchte ich sie zu beruhigen.

Zum Glück stürmten Marie und Roger auf uns zu und erzählten von ihren Schulerlebnissen. Schon kurz darauf saßen wir beim gemeinsamen Abendessen. Lisa erzählte den Kindern, ich müsse abends noch einmal weg, um einen Kunden zu treffen. Sie lobte mich richtiggehend vor den beiden und meinte, wie schön es doch wäre, so einen tüchtigen Mann und Vater zu haben.

Als wir uns gerade über unsere Riesenportion Nachspeiseeis hermachten, fragte Lisa, ob ich den Mann aus New Orleans nicht mal zu uns einladen wollte? „Wie heißt er eigentlich?“, wollte sie wissen. „Mister Parker“ antwortete ich. „Ich weiß aber nicht, ob er unsere Einladung annehmen wird. Er wäre dann noch weiter von zu Hause weg und ich glaube nicht, dass er das will. Aber ich werde ihn heute Abend auf jedem Fall fragen und von Dir grüßen. Siehst Du, jetzt hätte ich es beinahe vergessen, auch von ihm soll ich Dir herzliche Grüße ausrichten.“

Das alles wurde unerträglich für mich und ich beschloss, schon früher als notwendig wieder loszufahren. Obwohl ich noch über eine Stunde Zeit gehabt hätte, entfloh ich dieser für mich so unangenehmen Situation. „Lisa, für heute ist wieder starker Regen angekündigt. Um rechtzeitig bei Mister Parker zu sein, halte ich es für sinnvoll, eher loszufahren.“ Lisa zeigte wie immer Verständnis und bestärkte mich sogar aus Sicherheitsgründen sofort zu starten. Ich verabschiedete mich bei den Kindern und wünschte ihnen eine gute Nacht. Dank des mitlaufenden Fernsehers vermissten sie mich nicht sonderlich. Lisa hingegen hielt mich lange in ihren Armen, drückte mich ganz fest an sich und meinte, es würde sicher alles gutgehen. Ganz bestimmt würde Mister Parker seine Traktoren bei unserer Firma bestellen, schließlich habe er doch einen guten und vertrauenswürdigen Berater. Lisa begleitete mich bis zum Auto. Noch eine ganze Weile sah ich sie im Rückspiegel mir nachwinken.

Die Autofahrt war wieder alles andere, als angenehm. Zweifel und Gewissensbisse plagten mich, aber je näher ich New Orleans kam, desto mehr stieg meine Vorfreude auf Tatjana. Ich konnte es kaum erwarten, sie wiederzusehen.

Endlich in der Bar angekommen, wurde ich vom Barkeeper freundlich begrüßt. Seinen Augen sah ich an, er wusste auf wen ich wartete, aber sein Blick schien mir wie eine Mischung aus Mitleid und Sorge. Da ich an diesem Tag schon getrunken hatte, bestellte ich mir lediglich ein Glas Wasser und lauschte der mir schon bekannten Sängerin.

Nach über einer Stunde erschien Tatjana. In ihrem schulterfreien mintgrünen Kleid, wirkte sie wie ein Traumwesen auf mich. Ein tiefer Ausschnitt gewährte Blicke auf ihre wohlgeformten Rundungen. Eine Bewunderung bis zur Sprachlosigkeit erreichte mich. Die Frage, kann ein Mensch so umwerfend schön sein, drängte sich in meine Gedanken.

Obwohl wir uns am Abend zuvor etwas näher gekommen waren, überraschte mich ein Begrüßungskuss von ihr. Ich fasste sie ganz leicht an den Schultern und gestand ihr, wie schön sie doch sei. Sie setzte sich zu mir und ich bestellte eine Weinschorle für sie. Sie lachte und war amüsiert darüber, wie schnell ich ihre Gewohnheiten registriert hatte. Als wir miteinander anstießen, sah ich ihre edle Uhr am rechten Handgelenk. Darauf angesprochen, warum sie ihre Uhr rechts trage, meinte sie nur: „Weil alle anderen Leute sie links tragen.“

Wir hatten eine Menge Spaß, aber zunehmend wurde sie ernster und nachdenklicher. Ich bat sie darum, mir zu erzählen, was mit ihr los sei und was sie bedrücke. Sie meinte, sie hätte Angst, sich in mich zu verlieben. Um sich zu erklären, begann sie zu erzählen.

Kapitel 2

Geboren wurde sie 1982 als erstes von zwei Kindern. Ihr Bruder Nikolai folgte ihr erst 14 Jahre später. Durch den relativ großen Altersunterschied wuchsen beide zunächst wie Einzelkinder auf. Ihre Eltern sicherten den Lebensunterhalt durch den Betreib eines kleinen Lebensmittelgeschäftes am Moskauer Stadtrand. Zu Reichtum hatte es zwar nie gereicht, ein sorgenfreies und unbeschwertes Leben aber war ihnen stets vergönnt. Beide Geschwister waren überdurchschnittlich talentiert. Tatjana tat sich mit dem Abitur nicht sonderlich schwer und begann mit 21 Jahren Chemie zu studieren. Als sie das dritte Semester besuchte, ihr Bruder war gerade acht Jahre alt, verunglückten beide Eltern bei einem Verkehrsunfall tödlich. Um Nikolai vor der Einweisung in ein Heim zu bewahren, entschieden einsichtige Behörden, ihn bei seiner großen Schwester aufwachsen zu lassen.

Von diesem Moment an, war Tatjana völlig auf sich alleine gestellt. Neben ihrem Studium zog sie liebevoll ihren Bruder auf und kümmerte sich nebenbei um Haushalt und andere anfallende Arbeiten. Um die Miete für die Wohnung bezahlen zu können, bediente sie abends in einer kleinen Bar in der Innenstadt. Durch ihr freundliches Wesen und ihre Aufgeschlossenheit den Gästen gegenüber, rundeten diese die anfallenden Rechnungen meist großzügig auf. So verfügte Tatjana über genügend Einnahmen, um zusammen mit ihrem Bruder einigermaßen würdig über die Runden zu kommen. Mit 24 Jahren wurde ihr eine Praktikantinnenstelle in einer Chemiefabrik zugewiesen. Dies war genau die Firma, in der sie später einmal fest angestellt wurde und die ihren weiteren Lebensweg so maßgeblich mitbestimmen sollte.

Schon als sie sich für das Praktikum bewarb, war sie mehreren leitenden Angestellten vorgestellt worden. Hinter vorgehaltener Hand wurde gemunkelt, dass die Firma unter anderem auch mit der Herstellung von Kampfstoffen vertraut war. Deshalb kam ein äußerst strenges Auswahlverfahren für künftige Mitarbeiter zur Anwendung. Dabei richteten sich die Fragen in erster Linie nach Systemtreue. Da Tatjana in dieser Hinsicht ziemlich unbedarft war, stellte es kein großes Problem dar, sie auf den richtigen Kurs einzustimmen und ihr somit den Anstellungsvertrag aushändigen zu können.

Ab dem ersten Tag ihres sechswöchigen Praktikums zeigte Tatjana großes Engagement. In einer Art Jobrotation wurde sie in drei der vier Abteilungen eingeführt. Dabei lernte sie die jeweiligen Vorgesetzten und die zugehörigen Mitarbeiter kennen. Neben einer eigenen Sparte für Forschung und Entwicklung medizinischer Präparate, gab es daran anhängend eine zur Herstellung von Pharmaprodukten und einen beinahe unbedeutenden Nebenzweig für Kosmetika.

Die vierte Abteilung war von allen anderen abgeschottet und eine Art Firma in der Firma. Dicke Stahltüren und eigene Pförtner überwachten den Zutritt. Dahinter grenzte der Bereich in dem teilweise die Erforschung und Schaffung chemischer Kampfstoffe vermutet wurde. Da aber seit 1997 chemische Waffen sowohl durch die Chemiewaffenkonvention, wie auch seit 2005 durch das Genfer Protokoll international geächtet sind, ist auch die Entwicklung, Herstellung und Lagerung offiziell verboten. Um diesem Verbot Rechnung zu tragen, wurde am 1. April 2006 durch den Staat die zweite russische Anlage zur Vernichtung von Chemiewaffen in Kambarka, Republik Udmurtien in Betrieb genommen. Deshalb gab es in Tatjanas Privatunternehmen keine offiziellen Hinweise darauf, was genau in dem verschlossenen Teil hergestellt wurde. Auffällig war jedoch, dass diesen Firmenteil nur Mitarbeiter betreten durften, die tatsächlich darin beschäftigt waren. Die Firmenleitung war stets bemüht, diesen Mitarbeiterkreis möglichst klein zu halten. Ihr Leiter Igor Panev genoss bei den Firmeninhabern höchste Wertschätzung, während die normalen Mitarbeiter ihn fürchteten und wenn möglich jeglichen Kontakt zu ihm mieden. Schon durch sein Äußeres verbat sich jegliche Sympathie. Er war stark übergewichtig, hatte einen quadratischen Schädel mit nur noch wenigen nach hinten gekämmten Haaren und wirkte äußerst ungepflegt. Obwohl er niemals in Eile zu sein schien, standen ihm regelmäßig dicke Schweißperlen auf der Stirn. Auch seine Kleidung wirkte im Vergleich zu seiner Position und seinem Einkommen eher unpassend. Man sah ihn ausschließlich in zerschlissenen und ungewaschenen Hemden. Kam man ihm näher als gewollt, war eine unangenehme Ausdünstung zu spüren. Wegen seines Verhaltens einzelnen Mitarbeitern gegenüber, meist Frauen, bezeichneten ihn bestimmte Kollegenkreise als Drecksack. Diese Bezeichnung hatte er sich über die Jahre erarbeitet. So wurde eine langjährige Kollegin gefeuert, weil sie ihm angeblich die Tür nicht aufgehalten hatte. Auch ihre Beteuerungen, ihn nicht gesehen zu haben, verhinderten ihren Rauswurf nicht. Panev begegnete sämtlichen Mitarbeiterinnen im Unternehmen mit Geringschätzung und machte auch keinen Hehl daraus. Da er aber der wichtigsten Abteilung vorstand, war er nach der Firmenleitung der mächtigste Mann in der Firma. Viel später einmal sollte auch Tatjana mit ihm zu tun bekommen.

Tatjana lernte trotz ihrer Mehrfachbelastung sehr schnell und beendete mit 27 Jahren ihr Studium als Jahrgangsbeste. Nur kurze Zeit später kränzte sie ihre Ausbildung durch Dissertation. Diese hatte als Thema den Nachweis auf Tierorgane bei der Kosmetikherstellung verzichten zu können. Bei Tierschützern baute sie sich so eine größere Lobby auf, in der eigenen Firma aber stieß sie auf wenig Gegenliebe. Trotzdem erhielt sie wenig später eine Festanstellung, die ihr ein ausreichendes Einkommen sicherte.

Fortan arbeitete Tatjana in der Abteilung zur Herstellung von Kosmetika. Dabei lernten Kollegen ihr offenes Wesen und ihre Sachlichkeit schätzen. Dies war keinesfalls selbstverständlich, da sich etliche Mitarbeiter dem totalitären Firmenstil eher anpassten, um nicht zu sagen, anbiederten. Jeder in der Firma versuchte seine Arbeit so gut wie möglich, aber ohne großes Aufsehen zu verrichten. Kollegen gegenüber verhielt man sich eher zurückhaltend, bei Vorgesetzten rang man um Anerkennung. Dabei konnte einem der Hinweis auf eine Untugend eines Kollegen durchaus zum Vorteil gereichen. Die Schlüsselpositionen der mittleren Führungsebene belegten genau die Leute, die mit den Oberen am besten kommunizierten. Dabei war der Verrat eines Kollegen durchaus karrierefördernd.

Es kam vor, dass Mitarbeiter von eigenen Kollegen erpresst wurden. Eine junge Frau, die als Alleinverdienende zusammen mit ihren Eltern wohnte, sollte eines Teil ihres Einkommens abtreten, weil sie eine der Cremetuben unerlaubt mit nach Hause genommen hatte. Trotz ihrer Beteuerungen, die beinahe wertlose Tube wiederzubringen, wurde sie beim firmeneigenen Werkschutz gemeldet. Sie wurde entlassen, während der Verräter vor versammelter Mannschaft belobigt wurde. So gesehen war die gesamte Firma ein Riesensumpf. Tatjana bekam aufgrund ihrer anfänglichen Naivität davon zunächst nichts mit. Dies sollte sich aber ändern.

Kapitel 3

Eines Tages wurde Tatjana ganz unvermittelt zu ihrem Abteilungsleiter Bubka gerufen. Er schloss die Tür hinter ihr, bat sie darum ihm gegenüber Platz zu nehmen und gab sich dabei äußerst korrekt und freundlich. Nachdem seine Sekretärin beiden ein Erfrischungsgetränk serviert hatte, begann er in angenehmer und entspannter Atmosphäre zu erzählen. Seit einiger Zeit sei ihm durch die erhöhte Aufgabenzuteilung die Arbeit ein wenig über den Kopf gewachsen. Deshalb, so meinte er, denke er darüber nach, eine Stellvertreterstelle einzurichten. Aufgrund ihrer Gewissenhaftigkeit, ihres Durchsetzungsvermögens und ihrer Loyalität, habe er dabei an sie gedacht. Tatjana war mehr als überrascht und scheute sich auch nicht ihre Freude und Stolz zu zeigen. Erfreut über ihre spontane Zusage, machte er sie gleich auf ihren erhöhten Verantwortungsbereich aufmerksam. Sie solle sich deshalb ab sofort den Kollegen gegenüber distanzierter und durchaus auch weisungsbefugt zeigen. Gegen Ende des Gesprächs kam Herr Bubka noch auf einzelne Mitarbeiter zu sprechen und bat dabei auch Tatjana, Wissenswertes über Firmen- und Privatleben beizusteuern. Da sie aber durch ihre Doppelrolle als Vollzeitkraft und die Haushaltsführung für sich und ihren Bruder ausgelastet war, hatte sie privat keinerlei Kontakt zu Kollegen und konnte deshalb nur von der Mitarbeiterin Olga Balakov berichten, die freitags regelmäßig nach Dienstschluss in einem Turnverein aktiv war.

Noch während des Gesprächs mit Tatjana rief Herr Bubka den betreffenden Turnverein an, um sich nach der Anfangszeit des Freitagstrainings zu erkundigen. Genüsslich schien er den Trainingsbeginn, um 19:00 Uhr, zu registrieren und schriftlich festzuhalten. Ob denn Frau Balakov zum Training immer pünktlich erscheine, wollte er von seinem Gesprächspartner wissen. Aus seinen Regungen entnahm Tatjana, dass ihm dies wohl bestätigt wurde.

„Für heute soll es das gewesen sein Frau Dr. Smirnow. Ich möchte aber noch hinzufügen, dass ich sehr froh darüber bin, Sie ab sofort als meine rechte Hand zu wissen.“

Obwohl Tatjana das alles nicht richtig zuordnen konnte, verließ sie zufrieden sein Zimmer und ging wieder an ihre Arbeit zurück.

Wenige Tage später fand eine außerordentliche Sitzung statt, zu der sämtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erscheinen mussten. An der Stirnseite des Saales, hinter einem schweren Tisch, saßen die fünf Mitglieder der Geschäftsleitung, darunter auch Tatjanas Vorgesetzter, Herr Balakov. Schon die Gesichtszüge der Oberen und dazu die spannungsgeladene Stimmung im Saal, ließen auf wenig Angenehmes schließen. Nachdem absolute Ruhe eingekehrt war, ergriff Tatjanas Chef das Wort. Es folgte eine Rede, die an Lautstärke und aufkommender Aggression nicht zu überbieten war.

„Ich habe Sie heute hier versammeln lassen, weil es wieder einmal an der Zeit ist, einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an ihre Pflichten zu erinnern. Ich habe den Eindruck, dass Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit immer mehr um sich greifen. Wir sind jetzt bereits soweit, dass Mitarbeiter zu mir kommen, um sich über die Berufseinstellung mancher Kollegen zu beschweren. Ich sage Ihnen, es ist nur zu verstehen und zudem völlig rechtens, wenn eine Frau Dr. Tatjana Smirnow zu mir kommt, um mir vom unerlaubten Verlassen des Arbeitsplatz der Kollegin Olga Balakov zu berichten. Sie alle, wie Sie jetzt hier versammelt sind, müssen für den Betrug dieser Person an unserer Firma aufkommen! Nehmen Sie solches Fehlverhalten unverantwortlicher Kollegen nicht hin, sondern melden Sie solche Fälle umgehend an Ihre Vorgesetzten weiter. Wir hier, von der Geschäftsleitung, haben beschlossen, Frau Balakov mit sofortiger Wirkung vom Dienst zu suspendieren. Bei Frau Dr. Smirnow möchte ich mich auch im Namen der gesamten Firmenleitung für ihr couragiertes Auftreten bedanken. Ich kann die gesamte Kollegenschaft nur dazu auffordern, sich solch vorbildliches Verhalten anzueignen. Ab sofort ist Frau Dr. Smirnow als stellvertretende Abteilungsleiterin eingesetzt. Gehen Sie jetzt wieder unverzüglich an Ihre Arbeit und versuchen Sie, den hierdurch entstandenen Zeitverlust wieder einzuarbeiten.“

Entsetzt lief Tatjana im Anschluss an die Versammlung zu Herrn Bubka. Kreidebleich stand sie vor ihm und monierte, dass sie das nie gesagt hätte. Er redete beruhigend auf sie ein und erklärte ihr die nötige Maßnahme. Man hätte die Fahrzeit der sieben Busstationen von der Firma zur Trainingshalle ermittelt. Dazu kämen mindestens acht Gehminuten und die Zeit für das Umziehen, zusammen also genau 42 Minuten. Da das Schichtende freitags um 18:30 Uhr war, das Training aber schon um 19:00 Uhr begann, musste Frau Balakov die Firma also um mindestens zwölf Minuten zu früh verlassen haben. Er bedankte sich noch mal bei Tatjana und gab zu verstehen, dass er auch zukünftig auf gute Zusammenarbeit baue.

Einen Einwand Tatjanas ließ er nicht mehr zu. Viel mehr gab er ihr zu verstehen, sie mache noch zu häufig den Fehler zu emotional zu reagieren und dass sie sich somit eine Menge Ärger schaffen könne.

Mit zittrigen Knien ging sie an ihren Arbeitsplatz zurück. Die Blicke der Kollegen registrierte sie nicht.

Noch Wochen danach besuchte Tatjana, trotz ihrer knapp bemessenen Freizeit, ihre Exkollegin, um diese moralisch wieder aufzubauen und sie bei der Arbeitssuche zu unterstützen. Es ließ sich aber nichts Passendes für sie finden.

Einige Zeit später, Tatjana war auf den Weg in die Moskauer Innenstadt, traf sie Olga Balakov auf dem Tverskoja-Boulevard wieder. Es ist eine der gefährlichsten Straßen. Neben illegalen Autorennen, boomt dort auch das Hauptgeschäft der Prostitution.

Olga fiel ihr sofort in die Arme, konnte ihre Tränen aber nicht unterdrücken. Nachdem sich kein geeigneter Job für sie finden ließ, sah sie ihre letzte Möglichkeit an Geld zu kommen am Tverskoja-Boulevard. Dies machen in Moskau viele Frauen und Mädchen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Was Tatjana von ihr zu hören bekam, machte ihr Angst. Dabei droht den Frauen die Hauptgefahr gar nicht von den Freiern. Es sind meist unauffällige Normalbürger, die der Verlockung des Unerlaubten nicht widerstehen können. Ihre Angst erwischt zu werden, ist aber kaum geringer als bei den Prostituierten selbst. Wesentlich dramatischer ist es, bei einer Polizeirazzia aufgegriffen zu werden. Die Staatsoffiziere bringen die Frauen üblicherweise in die in Seitenstraßen bereitgestellten Polizeibusse und nehmen ihnen Geld und Würde. Um straflos zu bleiben, haben die Mädchen sämtliche Serviceleistungen und Sonderwünsche zu erfüllen. Unter den beteiligten Beamten bezeichnet man das gerne als Eigenbedarf. Dazu kommt bei den Prostituierten immer wieder die Angst in die Hände von organisierten Zuhältern zu fallen. Diese beuten sie brutal aus oder verkaufen sie ins Ausland. Moskau gilt seit jeher als einer der zentralen Umschlagplätze des Frauenhandels.

Als Tatjana schon wieder auf dem Nachhauseweg war fühlte sie sich leer und seelisch krank.

Kapitel 4

Eines Abends, sie war alleine zu Hause, da ihr Bruder mit seiner Klasse im Schullandheim war, bekam sie Besuch von zwei Männern. Beide waren in ihren dunklen Anzügen und sauberem Schuhwerk gut gekleidet, Umgangsformen jedoch, kannten sie keine. So gingen sie ohne sich vorzustellen und absolut wortlos an ihr vorbei. Namen täten nichts zur Sache und seien somit völlig unwichtig, erklärte man ihr, bereits mitten in ihrem Wohnzimmer stehend. Da der Größenunterschied der beiden beträchtlich war, sprach Tatjana später, mangels Namenskenntnis, immer nur vom Großen und vom Kleinen. Während dem Kleinen, unter anderen Gegebenheiten, ein durchaus sympathisches Äußeres zu bescheinigen war, wirkte der Große, durch seine Breitschultrigkeit und seine kantigen Gesichtszüge eher bedrohlich. Er sprach kein einziges Wort, aber seine bloße Anwesenheit verfügte über genügend Aussagekraft. Der Kleine sah sich eher für die gesprochene Kommunikation zuständig. Tatjana protestierte lautstark und wollte diese Überrumpelung nicht hinnehmen. Der Kleine aber hatte sie unterbrochen und bedankte sich bei ihr für den freundlichen Empfang.

„Schön, dass Sie uns so bereitwillig bei Ihnen aufnehmen, Frau Dr. Smirnow. Es wäre auch sicher nicht ratsam gewesen, unhöflich zu sein, zumal auch Sie von unserer Verbindung profitieren werden. Sicherlich aber fragen Sie sich, wer wir sind. Sagen wir es mal so, wir sind gute Freunde von Ihnen und auch unser Boss freut sich schon sehr darauf, Sie persönlich kennenzulernen.“ „Hören Sie zu“, entgegnete Tatjana mit zitternder Stimme, „ich kenne weder Sie noch Ihren Boss und ich will ihn auch nicht kennenlernen. Verlassen Sie bitte sofort meine Wohnung, oder ich rufe die Polizei.“

Ohne ein Wort zu sagen, ging der Große zum Telefon und riss das Kabel aus der Wand. „Aber, aber, Frau Dr. Smirnow, behandelt man so Freunde? Ich sagte Ihnen doch bereits, auch Sie werden aus unserer Beziehung Ihren Nutzen ziehen. Sehen Sie, gerade einer so zierlichen und alleinstehenden Frau wie Ihnen, könnte doch leicht mal etwas zustoßen“, bemerkte der Kleine.

Während er das sagte stieß der Große, dreckig grinsend, mit dem Fuß eine Vase um, die ihr vor Jahren, ihre Tante geschenkt hatte.

„Verzeihen Sie bitte“, entschuldigte sich der Kleine, „aber wenn man abweisend zu ihm ist oder ihm gar mit der Polizei droht, reagiert er immer sehr empfindlich.“ Verängstigt wechselte sie ihre Blicke zwischen den beiden.

„Ich sehe, Sie haben sich wieder beruhigt“, meinte der Kleine „und hören mir deshalb jetzt genau zu. Wir wissen, wer Sie sind. Wir wissen auch genau, was Sie tun und wie Sie es tun. Ihre Karriere verläuft bisher nicht schlecht – stellvertretende Leiterin in der Kosmetikherstellung, da muss man sicher gute Beziehungen zum Chef haben, oder? Sie brauchen nicht zu antworten, wir wissen es, auch wie Sie Ihre Kollegin verraten haben, – da gehört sicher einiges dazu. Bewundernswert wie eiskalt Sie sind. Genau so jemanden haben wir gesucht. Sie haben Glück, dass unsere Wahl auf Sie gefallen ist. Kommen wir zur Sache. Ihre Firma hat gerade ein neues Kosmetikprodukt fertig gestellt, aber noch nicht auf den Markt gebracht. Ich spreche von dieser neu entwickelten Körperlotion – und genau diese Körperlotion werden Sie uns besorgen. Wir möchten sie haben, bevor sie offiziell am Markt erscheint. Machen Sie Ihre Arbeit gut und machen Sie sie mit Freude. Wir werden Sie übermorgen wieder besuchen, bis dahin haben Sie das Produkt!“

Er wandte sich dem Großen zu und signalisierte die Wohnung zu verlassen.

Tatjana war verzweifelt. Lange überlegte sie, ob sie zur Polizei gehen sollte oder nicht. Wer waren diese Leute? Warum waren zwei Männer in teuren Anzügen an billiger Lotion interessiert? Was steckte dahinter und wie gefährlich waren die beiden wirklich? Und was sollte sie einer korrupten Polizei sagen, die darin wahrscheinlich nur überflüssige Arbeit sah?

Sie hatte Angst, große Angst und beschloss deshalb dieses beinahe wertlose Zeug zu besorgen.

Die ganze Nacht hatte sie kein Auge zugetan. Schweißgebadet kämpfte sie sich unruhig durch die langsam vergehenden Stunden. Niemals zuvor in ihrem Leben hatte sie etwas gestohlen. Obwohl sie von starken Gewissensbissen geplagt wurde, überlegte sie schließlich, wie sie an das Geforderte kommen könnte.

Während des gesamten Herstellungsprozesses, vom Zusammenmischen der einzelnen Komponenten bis zur Abfüllung in die handelsüblichen Tuben, war das Material niemals unbeaufsichtigt. Es gab keine einzige Stelle, weder auf dem Herstellungs- noch auf dem Abfüllband, an dem keine Mitarbeiterin daran zu tun hatte. Wie also sollte sie jemals an die Lotion kommen, ohne dabei beobachtet zu werden? Zumal die fertig abgefüllten und etikettierten Tuben direkt in bereitstehende Kartons gepackt wurden, die man wiederum sofort verklebt und palettiert hatte.

Tatjana wusste keinen Rat. Völlig niedergeschlagen erschien sie an diesem Tag an ihrer Arbeitsstelle. Obwohl ihre Nerven einige Male drohten sie zu verlassen, versuchte sie sich so unauffällig wie möglich zu verhalten. Sie beteiligte sich an kleineren Gesprächsrunden mit Kollegen, hörte ihnen aber gar nicht richtig zu.

Mehrere Male ging sie die Fertigungsstraße auf und ab, aber so sehr sie auch suchte, sie konnte keine Lücke entdecken. Die Gedanken, was wohl am nächsten Abend passieren würde, sollte sie den Beiden nichts übergeben können, verdrängte sie. Es war schon später Nachmittag, aber noch immer sah sie keine Möglichkeit unbemerkt an eine Tube zu kommen.

Erst als sie sich kurz vor Dienstschluss in ihrem kleinen Büro nochmals Kaffe kochte war ihr der Einfall gekommen das Band während der Dienstzeit von den Angestellten räumen zu lassen. Dabei überlegte sie sowohl die Möglichkeit eines Feueralarms, als auch eine kurzfristig einberufene Abteilungsbesprechung durchzuführen. In beiden Fällen mussten die Bediensteten die Fertigungsstraße für geraume Zeit verlassen.

Darin sah sie ihre einzige Möglichkeit unbemerkt in den Besitz einer Tube zu kommen. Lange überlegte sie, wie sie ihren Vorgesetzten von einer Besprechung überzeugen konnte, obwohl jegliche Betriebsunterbrechung ein Gräuel für ihn darstellte. Um dies zu erreichen müsste sie ihre Kollegen anschwärzen, was ihr jedoch widerstrebte. Die meisten der Mitarbeiter standen ihr nah, obgleich sie das niemals zeigte. Sie distanzierte sich wieder von ihrer Überlegung und schämte sich beinahe dafür, sie jemals angestellt zu haben.

Erst sehr spät an diesem Abend, sie war längst zu Hause, wurde ihr klar, dass nur ein Feueralarm am nächsten Tag helfen konnte. Hundemüde und weit nach Mitternacht ging sie zu Bett, aber an Schlaf war auch in dieser Nacht nicht zu denken.

Völlig zermartert stand sie am nächsten Morgen auf, aber auch die eiskalte Dusche, unter der sie stehen blieb, solange sie es aushalten konnte, vermochte ihr keine Frische zu verleihen. Ihre Angst war riesengroß. Sowohl die Tatsache stehlen zu müssen, als auch die Befürchtung erwischt zu werden, ließ sie förmlich erschaudern.

Völlig verkrampft, aber äußerlich unverändert, erreichte sie rechtzeitig ihren Arbeitsplatz. Nach einem kurzen Gruß verschwand sie in ihrem Büro und versteckte ihren Kopf in den Unterlagen der Produktionszahlen. Dabei dachte sie ausschließlich an den richtigen Moment für einen Alarm.

Mittags, wenn einige Mitarbeiter in ihre kurzen Pausen verschwanden und die Kollegen deren Arbeit mit übernehmen mussten, war immer ein wenig Hektik und Unruhe am Band. Deshalb sah Tatjana die Mittagspause als den geeigneten Zeitpunkt an. Schon eine halbe Stunde zuvor war sie am Band und wechselte mit der einen oder anderen Mitarbeiterin ein paar nette Worte, ganz wie eine vorweggenommene Entschuldigung.

Als sie im alltäglichen Mittagsdurcheinander Richtung Küche ging zerschlug sie unauffällig das dünne Glas am Feuermelder und drückte den Alarmknopf. Sofort heulte die Sirene los und die restliche Belegschaft stürmte nach außen.

Um sich durch ihr Zurücklaufen nicht verdächtig zu machen, nutzte sie ihre Position als stellvertretende Abteilungsleiterin und rief laut zum sofortigen Verlassen der Halle auf. Als sie nur noch alleine war, nahm sie sich eine Tube vom Band und ließ diese in ihrer Tasche verschwinden. Darauf lief sie den Anderen nach und verkündete, dass sich Gott sei Dank niemand mehr im Herstellungsraum befände.

Schon kurz darauf traf die werkseigene Feuerwehr am vermeintlichen Brandort ein und meldete die eingeschlagene Scheibe an die Firmenleitung weiter. Diese ließ aus Disziplinierungsgründen die komplette Belegschaft an diesem Tag länger arbeiten. Die fehlende Tube fiel niemandem auf. Tatjana fühlte sich trotz der durch sie verhängten Kollektivstrafe erleichtert.

Ein Fehler, – sollte doch der weitaus unangenehmere Teil an diesem Abend noch folgen. Als sie zu Hause ankam, legte sie die Tube in ein Regal und ließ sich auf ihr Sofa fallen. Mit einer Mischung aus Zufriedenheit über die gelungene Aktion und Unbehagen darüber, es überhaupt getan zu haben, hielt sie ihr Diebesgut noch lange mit Blicken fest. Sie war müde geworden, hatte ein beißendes Hungergefühl, wollte mit dem Essen aber warten, bis sie ihre beiden Erpresser wieder aus der Wohnung hatte.

Nach gut einer halben Stunde, es war längst dunkel geworden, erschienen die Beiden wieder. Alles lief ab wie beim ersten Mal. Beide gingen an ihr achtlos vorbei, ohne eine Aufforderung zum Eintreten abzuwarten. Wieder führte der Kleine das Wort, die Aufgabe des Großen bestand darin, Dominanz zu zeigen. Tatjana hatte Angst vor ihm. Er sagte nichts, schaute sie nur durchbohrend an. „Die Ware“, forderte der Kleine und streckte dabei seine Hand nach ihr aus. Tatjana nahm die Tube von der Ablage und übergab sie ihm.

„Sie wollen mich beleidigen?“ fragte er in vorwurfsvollem Ton. Tatjana verstand nicht. Sie hatte doch genau das getan, was man von ihr gefordert hatte. „Wissen Sie Frau Dr. Smirnow, wenn ich Ihnen sage, Sie sollen mir diese neu entwickelte Lotion besorgen, dann meine ich nicht eine Tube davon. Sie enttäuschen mich sehr. Ich dachte, wir hätten es mit einer intelligenten, zielstrebigen, jungen Frau zu tun, stattdessen sehe ich hier jemanden vor mir, der glaubt, sich mit uns anlegen zu müssen.“

Tatjana rang nach Luft. „Ich wusste nicht, dass Sie mehr davon haben wollen. Es wäre aber auch gar nicht möglich gewesen, eine größere Menge unauffällig aus der Firma zu bringen. Es gibt keine Stelle am Band, zu der ich unbemerkt Zugang habe. Ich kann Ihnen nicht mehr beschaffen, es ist schlicht und einfach unmöglich. Bitte glauben Sie mir.“

Der Kleine fauchte sie an. „Was hier möglich ist und was nicht, sage ich Ihnen! Sie sind stellvertretende Abteilungsleiterin, also nutzen Sie Ihre Position und schieben Sie den Diebstahl einfach auf eine Kollegin. Jedenfalls setzen Sie genau das um, was ich Ihnen sage. Sie könnten meine Freundschaft sonst sehr leicht überstrapazieren. Wissen Sie, ich müsste sonst meinem Kollegen hier ein Zeichen geben und ich kann Ihnen sagen, er wartet nur darauf.“

Der Große öffnete ruckartig eine Glastüre am Wohnzimmerschrank und schaute Tatjana dabei hämisch an. Nur ganz langsam nahm er den Blick von ihr und wandte sich einem alten Kaffeeservice zu. Er nahm eine Tasse an sich und ging damit auf Tatjana zu. Nur an seinem Zeigefinger hängend, ließ er das wertvolle Stück vor ihren Augen hin und her baumeln. Zitternd kam sie seiner unausgesprochenen Aufforderung nach. „Das mit der größeren Lieferung geht in Ordnung, ich werde mein bestes tun, aber bitte lassen Sie mir etwas Zeit.“

„Schön, dass wir uns verstanden haben. Sie scheinen doch lernfähiger zu sein, als ich dachte. Aber wie viel Zeit Sie dazu brauchen, entscheiden wir. Wir kommen übermorgen Abend wieder, dann übergeben Sie uns einen vollen Karton. Ich denke, Sie haben verstanden. Schlafen Sie gut, so wie Sie aussehen, könnten Sie ein paar Stunden gebrauchen.“ meinte der Kleine.

Dann verließen beide die Wohnung. Tatjana setzte sich, schaute auf die Erbstücke im Schrank und begann zu weinen. Sie saß einfach nur da, umschlang ihre angewinkelten Knie und lehnte ihren Kopf darauf. Sie fühlte sich als der einsamste Mensch der Welt und hatte immense Angst.

An diesem Abend dachte sie nicht mehr darüber nach, wie an eine größere Menge zu kommen wäre, sondern legte sich einfach nur auf ihr Bett und weinte. Irgendwann später, von der Müdigkeit überwältigt, schlief sie dann endlich ein.

Schon am frühen Morgen, kurz nach dem Aufstehen, begann sie darüber zu grübeln, wie sie ohne dabei erwischt zu werden, an die größere Menge Lotion kommen könnte. Dass sie selbst keine Möglichkeit dazu hatte, war ihr klar. Es klang ihr aber noch in den Ohren, sie solle den Diebstahl einfach einer Kollegin anlasten. Da sie sich selbst in größter Not sah, begann sie ernsthaft darüber nachzudenken. Bei dem Gedanken, so etwas zu tun, wurde ihr beinahe schlecht. Sie fühlte sich mies, noch ehe sie irgendetwas getan hatte, denn alle ihre Mitarbeiterinnen waren von ihrem Job abhängig.

Die Möglichkeit offiziell um die Ware zu bitten, schloss sie aus. Ein neues Produkt, welches noch der Geheimhaltung unterlag, war für einfache Mitarbeiter nicht zu bekommen.

Um das Bandende zu beobachten, hielt sich Tatjana an diesem Tag sehr lange dort auf. Wenn man einen ganzen Karton unbemerkt an sich nehmen wollte, schien das, wenn überhaupt, nur dort möglich zu sein. Drei Mitarbeiter waren unmittelbar daran beschäftigt. Igor, 62 Jahr alt, unverheiratet und seit seinem 15. Lebensjahr in der Firma beschäftigt, Sonja, 28 Jahre, alleinerziehend und Mira, 41 Jahre, verheiratet mit einem arbeitslosen und gewalttätigen Trinker. Diese Drei falteten die Kartonagen, befüllten diese mit jeweils 20 Tuben, verklebten die Kartons und stapelten diese auf dafür bereitgestellten Paletten. Danach wurden diese als Ganzes versperrt, so dass ab dort kein Zugriff mehr möglich war.

Tatjana musste also eine dieser drei Personen als Verbündete gewinnen. Gedanklich unterzog sie alle Drei einer Eignungsprüfung. Aber selbst wenn einer der Kollegen mit ihr zusammengearbeitet hätte, wäre sie ab diesem Tag von dieser Person erpressbar gewesen. Deshalb machte sie noch am gleichen Nachmittag von einer Möglichkeit Gebrauch, die sie selbst anwiderte.

Gegen 15:00 Uhr bestellte sie Mira zu sich ins Büro. Sie entschied sich für Mira, da sie diese Mitarbeiterin für das schwächste Glied in der Dreierkette hielt. Zudem wusste Tatjana, dass Mira Angst vor ihrem Mann hatte. Schon mehrfach hatte er sie geschlagen und misshandelt. Sollte sie ihren Arbeitsplatz verlieren, wäre sie auch untertags häuslicher Gewalt ausgesetzt.

Tatjana bot ihr einen Stuhl gegenüber dem ihren an. „Hören Sie Mira, ich habe Sie zu mir bestellt, weil ich mit Ihnen über die Situation in unserer Firma sprechen möchte. Wie Sie wissen, wird hier bei uns das Leistungsprinzip nicht nur proklamiert, sondern auch gelebt. Das heißt, Mitarbeiter über die Lobenswertes berichtet wird, kommen durchaus in den Genuss von außertariflichen Kulanzleistungen. Anders verhält es sich, wenn Verfehlungen an die Firmenleitung gemeldet werden. In solchen Fällen wird sich die Firma umgehend vom entsprechenden Mitarbeiter trennen. Nun, es war sicher nur eine Frage der Zeit, bis Ihr unübersehbares Leistungsdefizit ans Licht kam. Sie werden verstehen Mira, dass wir uns mit sofortiger Wirkung von Ihnen trennen müssen.“

Mira war sichtlich um Fassung bemüht. Völlig verängstigt und hilflos beteuerte sie, sich nichts zu Schulden habe kommen lassen. Sie versicherte Tatjana, dass es wegen ihr noch nie zu einem Bandstau gekommen sei und auch niemals einer ihrer Kollegen ihre Arbeit habe übernehmen müssen. Auch sei sie nie krank gewesen und war der Firma gegenüber stets loyal. Nie hätte sie auch nur ein negatives Wort über ihren Arbeitsplatz verloren. Sie flehte Tatjana an, ihre Entscheidung nochmals zu überdenken. „Bitte geben Sie mir noch eine Chance, Sie werden sehen, ich werde Sie nicht enttäuschen.“

Innerlich das Herz zerreißend blieb Tatjana äußerlich kalt. „Wissen Sie Mira, dass Sie Ihrer Arbeit nicht im geforderten Maße nachkommen, ist eine Sache, dass Sie aber versuchen durch Bettelei Ihren Arbeitsplatz zu sichern, ist mehr als erbärmlich. Hätten Sie auch nur einen Hauch an besserer Zusammenarbeit signalisiert, wäre ich unter Umständen bereit gewesen, Gnade vor Recht walten zu lassen.“

Mira begann zu weinen. Sie erzählte von ihrem zu Hause und von ihrem prügelnden Mann. Käme sie ohne Job heim, bezöge sie umgehend Schläge, so wie er es schon des Öfteren getan hatte.

Tatjana ging zu ihr hinüber und legte tröstend den Arm um sie. „Glauben Sie mir, Mira, ich habe keine andere Wahl. Ich muss so handeln, obwohl es mir schwer fällt. Natürlich wissen wir beide, dass mein Vorwurf gegen Sie gelogen ist, aber eben nur wir beide. Wenn mein Wort gegen Ihres steht, wird Ihnen niemand glauben.“

Mira schaute ungläubig und die Tränen liefen noch immer über ihr Gesicht. „Was soll ich tun?“, fragte sie kleinlaut. „Sie sind die Einzige, die einen kompletten Karton von dieser neuen Lotion verschwinden lassen kann, ohne dass es jemandem auffällt. Tun Sie das für mich! Stellen Sie ihn lediglich nicht auf die Palette, sondern unter das Bandende. Wenn Sie Ihre Sache gut machen, können wir unsere kleine Geschichte vergessen. Sind wir uns einig?“

Mira nickte. Tatjana lächelte ihr zu. „Jetzt putzen Sie sich noch Ihr Gesicht ab und dann gehen Sie wieder an Ihre Arbeit. Ich gehe davon aus, dass ich nach Dienstschluss unter dem Band etwas für mich finde.“

Noch am selben Abend, Tatjana blieb etwas länger als die anderen, konnte sie den Karton problemlos an sich nehmen und nach Hause bringen.

Am Abend kreisten ihre Gedanken unentwegt und ließen keine Ruhe zu. Wie wird es Mira nach dieser Demütigung gehen? Wird sie darüber hinwegkommen? Was könnte sie selber tun um ihr zu helfen? Wie wird ihr eigener nächster Abend verlaufen? Wird sie von den beiden Erpressern in Ruhe gelassen oder kommen weitere Forderungen auf sie zu? Sie drehte sich im Kreis, einerseits war die Zufriedenheit darüber den Karton zu haben, anderseits die Angst vor dem Morgen. Früher als sonst, sie hatte nicht einmal etwas gegessen, sank sie an diesem Abend in ihr Bett.

Der darauffolgende Tag gestaltete sich für Tatjana mehr als schwierig. Sie hatte das Bedürfnis, Mira in den Arm zu nehmen und ihr Trost zu spenden. Dies hätte aber die anderen Kollegen aufmerksam oder gar misstrauisch gemacht und gleichzeitig ihre eigene Autorität unterwandert. Deshalb lud sie Mira noch mal zu sich ins Büro ein, was schon auffällig genug war. Sie bot ihr einen Kaffee an und sprach in sehr ruhigem Ton mit ihr. „Mira, ich möchte noch mal auf unsere kleine Aktion von gestern Abend zu sprechen kommen. Natürlich haben Sie damit nicht im Interesse der Firma gehandelt. Aber mal ganz ehrlich, außer mir hat niemand etwas mitbekommen und da ich für Ihr beiseite geschafftes Diebesgut Verwendung hatte, sollte sich die Angelegenheit für Sie nicht weiter negativ auswirken. Daher schlage ich Ihnen vor, die Sache zu vergessen und sich wieder auf Ihre Arbeitsabläufe zu konzentrieren. Ich werde Sie weiterhin als loyale Mitarbeiterin zu schätzen wissen.“

Mira nickte wie erwartet und Tatjana legte ihr zum Abschied noch ganz leicht die Hand auf die Schulter. Tatjana blieb noch eine Weile in ihrem Büro und war zufrieden, ihre Mitarbeiterin wenigstens ein klein wenig beruhigt zu haben.

Den Rest des Tages verbrachte sie damit, sich einfach nur zu verstecken und den Arbeitstag möglichst ohne weitere Zwischenfälle rasch hinter sich zu bringen.

Zu Hause angekommen begann für sie die lange Zeit des Wartens. Obwohl sie die beiden Männer erst viel später erwartete, war sie zwischenzeitlich unfähig irgendetwas zu tun. Sie mochte sich kein Essen kochen und konnte sich weder umziehen, geschweige denn entspannen. Nicht einmal das Radio hatte sie an diesem Tag angestellt.

Später als die Tage zuvor ertönte die Klingel. Sie zuckte erschreckt zusammen, obwohl sie den ganzen Abend darauf gewartet hatte. Sie öffnete die Tür und bemerkte selbst, wie sie am ganzen Körper zitterte. Es folgte das schon beinahe gewohnte Spiel. Die Beiden gingen ohne zu grüßen achtlos an ihr vorbei. Tatjana empfand es als sehr erniedrigend, fremd Leute in die Wohnung lassen zu müssen, ohne gefragt zu werden. Auch sie sagte nichts und stellte den Karton ohne erkennbare Regung auf den Tisch.

„Gut gemacht, Frau Dr. Smirnow. Wir wussten, dass Sie gut mit uns zusammen arbeiten würden. Bewundernswert dabei ist Ihre Kaltschnäuzigkeit. In einer von vorne bis hinten lückenlos überwachten Fertigungsstraße einen kompletten Karton zu entwenden, verdient unsere Anerkennung. Wir wissen natürlich nicht, wie Sie an die Ware gekommen sind, es ist auch egal, aber es beweist, mit wie viel krimineller Energie Sie ausgestattet sind. Wir dürfen Sie daher als Mitglied unserer Organisation begrüßen. Als Anerkennung sollen wir Ihnen von unserem Chef dieses kleine Etui hier überreichen.“

Tatjana nahm es entgegen, öffnete es und blickte auf eine wunderschöne Halskette mit dazu passenden Ohrringen. Ungläubig schaute sie die Beiden an.

Auch an diesem Abend tat sich der Kleine als Wortführer hervor. „Sie werden den Schmuck heute Abend tragen. Gegen 22:00 Uhr holen wir Sie hier ab. Inzwischen bleibt Ihnen noch genügend Zeit, sich ein wenig frisch zu machen. Unser Chef freut sich schon darauf Sie kennenzulernen. Er hat einen ruhigen Tisch für Sie beide reservieren lassen. So, genug der Worte, es ist jetzt kurz vor 21:00 Uhr, deshalb beeilen Sie sich lieber. Wir holen Sie in einer Stunde ab. Ach übrigens, damit ich es nicht vergesse, die zwanzig Tuben Lotion sollten Sie in die Toilette spülen, - oder wissen Sie jemanden, der so billiges Zeug braucht?“

Von sich selbst überrascht fand Tatjana Widerworte. „Was ist, wenn ich Ihren Chef nicht treffen will und auch seinen Schmuck nicht haben möchte?“