Mauerwerk – Kammerspiel - Heiko Fritschen - E-Book

Mauerwerk – Kammerspiel E-Book

Heiko Fritschen

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Beschreibung

Viele Probleme des Umganges mit Unglücken, die sich zwischen Konzernen und Opfer bilden, lassen sich nicht in harte greifbare Fakten pressen. Gerade anhand des großen ICE-Unglücks im Juni 1998 können einige der Fragen aufgezeigt werden. In einem kleinen Kammerspiel, das ein Gespräch zwischen einem der Toten und einem Betroffenen an der Gedenkstätte wiedergibt, wird ein Teil der Problematik aufgegriffen. Dabei wird die Frage gestellt, warum das Thema bei vielen Beteiligten noch immer so präsent ist, warum die gewünschte Versöhnung zwischen den Beteiligten so schwer fällt.

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Seitenzahl: 15

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Heiko Fritschen

Mauerwerk – Kammerspiel

Ein Jahrestag in Eschede

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Szene 1

Szene 2

Szene 3

Szene 4

Szene 5

Szene 6

Szene 7

Impressum neobooks

Szene 1

Auf einer Mauer. Eine Person sitzt auf der Mauerkrone. Ruhig betrachtet er die Menschen, die sich unten bewegen. Er spricht zu sich selbst.

Max: „Was mache ich denn schon wieder hier? Da sind sie, die Gestalten, die es lustig finden, die armen Blumen auf den Steinen elendig vertrocknen zu lassen. Das jährliche Ritual. Ich muss mir jedes Mal über Tage das Vergehen anschauen. Allmählich muss es doch reichen. Ich frage mich, warum die noch trauern. Ich hätte ja einen Grund, aber die?“

An das Publikum gewandt spricht der Mann weiter.

Max: „Ach übrigens, ich bin Max. Ich bin hier in der Nähe vor gut 20 Jahren gestorben. Es waren noch ein paar andere dabei, aber was soll´s? Ich kannte keinen von ihnen. Es reicht allmählich, und der Kram sollte ruhen. Aber warten Sie.“

An den Mann gewandt, der gerade hochgeklettert ist und nun auf Max zugeht.

Max: „Wer bist du denn? Das ist meine Mauer!“

Jan: „Gemach! Ich wollte dich mal kennenlernen.“

Max: „Und warum willst du mich kennenlernen?“

Jan setzt sich neben Max und betrachtet ebenfalls die Menschen unten an der Mauer.

Szene 2

Jan: „Ich habe deine Schwester Silvia geheiratet. Seitdem kommst du in verschiedenen Formen jedes Jahr um die gleiche Zeit zu uns zu Besuch. Schicke Aussicht übrigens.“

Max: „Ich war noch nie bei euch.“

Jan: „Nicht so. Mal bist du die Melancholie, mal Tränen, mal ein doppelter Gin Tonic. Aber immer bist du an diesen Tagen bei deiner Schwester, und dadurch auch irgendwie bei mir. Das nervt.“